Rheinland-Pfalz hat gewählt – eine Analyse

Nach 35 Jahren Regierungszeit verliert die SPD ein weiteres westdeutsches Stammland.

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

Bei genaue­rer Betrach­tung ist Rhein­land-Pfalz jedoch kei­ne sozi­al­de­mo­kra­ti­sche Mus­ter­re­gi­on. Die Sozi­al­struk­tur von Rhein­land-Pfalz bil­de­te eigent­lich stets die Scha­blo­ne für ein klas­sisch-tra­di­tio­nel­les, christ­de­mo­kra­ti­sches Milieu, stark geprägt durch eine katho­lisch-länd­li­che Trä­ger­schaft, auf die sich CDU-Urge­stei­ne wie Hel­mut Kohl oder Bern­hard Vogel bis in die spä­ten 1980er Jah­re stüt­zen konnten.

Die jahr­zehn­te­lan­ge Vor­macht der Uni­on beruh­te genau auf die­sen kon­fes­sio­nel­len, sied­lungs­struk­tu­rel­len und milieu­spe­zi­fi­schen Vor­aus­set­zun­gen. Daß die SPD hier seit den frü­hen neun­zi­ger Jah­ren den­noch eine so lan­ge Regie­rungs­ära auf­bau­en konn­te, war poli­tisch bemer­kens­wert und his­to­risch eher die Aus­nah­me als die Regel.

Die SPD konn­te ihre struk­tu­rel­len Nach­tei­le in Rhein­land-Pfalz über vie­le Jah­re nach der Wen­de durch ein wirk­sa­mes Modell star­ker poli­ti­scher Per­sön­lich­kei­ten kom­pen­sie­ren, die lager­über­grei­fen­de Wäh­ler­al­li­an­zen orga­ni­sie­ren konn­ten. Ähn­lich wie es kürz­lich schon die Grü­nen in Baden-Würt­tem­berg ver­moch­ten, konn­ten die SPD-Minis­ter­prä­si­den­ten wie Kurt Beck oder Malu Drey­er sich gegen die sons­ti­gen Trends ihrer eige­nen Par­tei stem­men und die sozio­struk­tu­rel­len Ver­falls­er­schei­nun­gen der tra­di­tio­nel­len Sozi­al­de­mo­kra­tie überbrücken.

Die­ses stra­te­gi­sche Asset ist nun jedoch an Gren­zen gesto­ßen. Die alte Erfolgs­for­mel, wonach star­ke Per­sön­lich­kei­ten die Vola­ti­li­tät einer geschwäch­ten Stamm­par­tei über­strah­len, reicht nicht mehr zur Mehrheitssicherung.

Wie die Zah­len vom Wahl­abend zei­gen, lag dies auch weni­ger an einer schwa­chen Per­sön­lich­keit als an einem gene­rel­len poli­ti­schen Wech­sel­wil­len. In allen direk­ten Duel­len und Gegen­über­stel­lun­gen hin­sicht­lich Popu­la­ri­tät, Bekannt­heit und Direkt­wahl­prä­fe­renz konn­te Alex­an­der Schweit­zer sei­nen Kon­kur­ren­zen Gor­don Schnie­der aus­ste­chen. Für 72 % (+19) war bei die­ser Wahl wich­ti­ger, wel­che Par­tei­en künf­tig regie­ren, und nur noch für 22 % (-15), wer Minis­ter­prä­si­dent wird.

Die aktu­el­le Wahl offen­bart, daß sich CDU und SPD in einer Art per­ma­nen­tem „Ero­si­ons­wett­lauf“ um ihre schwin­den­den Trä­ger­mi­lieus befin­den. Die katho­li­sche Land­be­völ­ke­rung auf der einen und die Indus­trie­ar­bei­ter­schaft auf der ande­ren Sei­te. Das Zer­falls­pro­dukt bei­der Ero­si­ons­pro­zes­se lan­det zuneh­mend als Stim­men­zu­wachs bei der AfD.

Lan­ge Zeit ging die SPD in Rhein­land-Pfalz ver­mut­lich davon aus, die­sen Wett­lauf gegen die CDU gewin­nen zu kön­nen, da Trends wie die fort­schrei­ten­de Säku­la­ri­sie­rung, die Bil­dungs­expan­si­on ab Ende der 80er-Jah­re, Urba­ni­sie­rung und der Wan­del zur Dienst­leis­tungs­ge­sell­schaft die kon­ser­va­tiv-bür­ger­li­chen Milieus schein­bar stär­ker unter Druck setz­ten würden.

Doch die Zer­falls­ge­schwin­dig­keit der Milieu­al­li­an­zen der Sozi­al­de­mo­kra­tie hat in den letz­ten Jah­ren deut­lich zuge­nom­men. Die SPD ver­lor bei die­ser Wahl mas­siv bei den Arbei­tern und stürz­te in die­ser Grup­pe auf 21% ab, wäh­rend die AfD hier mit 39% stärks­te Kraft wurde.

Die Sozi­al­de­mo­kra­tie ver­liert nach rechts ihre tra­di­tio­nel­le Arbei­ter­schaft und nach links ihr urban-aka­de­mi­sches Kli­en­tel an die Grü­nen und die Links­par­tei. Die­ser Aus­zeh­rungs­pro­zeß wirkt deut­lich inten­si­ver und destruk­ti­ver als auf Sei­ten der Uni­on. Doch auch die­ser CDU-Sieg soll­te nicht als Rück­kehr zur alten christ­de­mo­kra­ti­schen Hege­mo­nie ver­stan­den wer­den. 31 % sind immer noch das zweit­schlech­tes­te Par­tei­er­geb­nis in Rhein­land-Pfalz. Die Wahl bringt die CDU zurück an die Macht, aber läßt sie nicht an die Ären von Hel­mut Kohl oder Bern­hard Vogel anknüpfen.

Die AfD erziel­te in Rhein­land-Pfalz mit 19,5 % ihr bis­lang bes­tes Ergeb­nis bei einer west­deut­schen Land­tags­wahl, auch wenn die selbst­ge­steck­te Ziel­mar­ke von 20 % knapp ver­fehlt wur­de. Erst vor zwei Wochen war der Lan­des­ver­band in Baden-Würt­tem­berg hier noch Rekordhalter.

Die AfD hat ihr Ergeb­nis gegen­über 2021 mehr als ver­dop­pelt und zieht mit 24 Man­da­ten als deut­lich stär­ke­re Kraft in den Land­tag ein. Das gene­rel­le sozio­struk­tu­rel­le Wahl- und Ein­stel­lungs­mus­ter der AfD bestä­tigt weit­ge­hend die Trends ver­gan­ge­ner Wah­len, die nun jedoch noch­mal mit knapp 20 statt nur 8 % anders dimen­sio­niert sind.

Es ist eine kla­re Kor­re­la­ti­on zwi­schen Unzu­frie­den­heit, wirt­schaft­li­chen Sor­gen, sub­jek­ti­ven Abstiegs­be­dro­hun­gen und Unsi­cher­heits­wahr­neh­mun­gen erkenn­bar, die die Mobi­li­sie­rungs­en­er­gie der Par­tei kata­ly­siert. Knapp 80 % der AfD-Anhän­ger fürch­ten, ihren Lebens­stan­dard künf­tig nicht mehr hal­ten zu kön­nen. AfD-Wäh­ler schät­zen ihre per­sön­li­che wirt­schaft­li­che Situa­ti­on deut­li­cher schlech­ter ein als ande­re Par­tei­an­hän­ger. 77 % haben gro­ße Sor­gen, daß sie durch stei­gen­de Prei­se ihre Rech­nun­gen nicht mehr bezah­len können.

Die sozia­le Seg­men­tie­rung der AfD-Wäh­ler­schaft ist somit recht ein­deu­tig und bie­tet über den Uni­ver­sal-Kleb­stoff der Migra­ti­ons­kri­tik nach wie vor ein kla­res Allein­stel­lungs­merk­mal und eine rück­ge­bun­de­ne Stammwählerbasis.

Das pro­gram­ma­ti­sche Ange­bot der AfD bleibt im Kern jedoch eine „Man­gel-Erzäh­lung”, die von poli­ti­scher Ent­frem­dung zehrt, aber nur schwer­lich eine kon­kre­te Gestal­tungs­idee for­mu­lie­ren kann. Es soll­te daher auch als ein ganz lei­ses Warn­si­gnal erkannt wer­den, daß Migra­ti­on und Inne­re Sicher­heit zwar wei­ter­hin die the­ma­ti­schen Kern­prä­fe­ren­zen der AfD-Wäh­ler­schaft zum Aus­druck brin­gen, aber ins­be­son­de­re im Bereich „Zuwan­de­rung“ die The­men­prio­ri­tät um ‑17% im Ver­gleich zu 2021 abge­nom­men hat.

Natür­lich bleibt das wich­tigs­te The­ma „Kri­mi­na­li­tät und Inne­re Sicher­heit“ letzt­lich nur ein ver­mit­teln­der Pro­xy für das Migra­ti­ons­the­ma, aber wir haben aus einem gan­zen Fun­dus von Stu­di­en der letz­ten Jahr­zehn­te die kla­re Evi­denz, daß der Wahl­er­folg rech­ter Par­tei­en von der Sali­enz (also der Wich­tig­keit oder Auf­fäl­lig­keit eines bestimm­ten poli­ti­schen The­mas) des Migra­ti­ons­the­mas abhängt: Ist die­ses The­ma in der Gesamt­wäh­ler­schaft nur wenig prä­sent, so fällt es der Par­tei schwer, in ande­re Wäh­ler­spek­tren aus­zu­grei­fen. Wird die­ses The­ma auch in der eige­nen Anhän­ger­schaft weni­ger rele­vant, erge­ben sich kon­kre­te Mobi­li­sie­rungs­pro­ble­me – das haben die Umfra­gen- und Wahl­durst­stre­cken auch schon in den Coro­na­jah­ren zwi­schen 2020–2022 klar gezeigt.

Die viel­fäl­ti­gen öko­no­mi­schen, sozia­len und kul­tu­rel­len Kri­sen­schocks und Gesell­schafts­trans­for­ma­tio­nen machen die AfD zu einer Art Sam­mel­ge­fäß poli­ti­scher Unzu­frie­den­heit, bei der die Migra­ti­ons­kri­tik als eine wich­ti­ge Brü­cke dient.

Dau­er­haft trag­fä­hig wird die­se Brü­cke jedoch nur dann, wenn sie auf sta­bi­len Pfei­lern ruht, über die Aus­bil­dung eige­ner sozia­ler Milieus, auf kon­ti­nu­ier­li­cher kom­mu­na­ler und vor­po­li­ti­scher Gras­wur­zel­ar­beit sowie auf einer hin­rei­chend kohä­ren­ten Pro­gram­ma­tik, die den Über­gang von situa­ti­vem Pro­test zu sta­bi­ler Hege­mo­nie­fä­hig­keit ermöglicht.

Trotz einer rech­ne­ri­schen Mehr­heit für ein Bünd­nis aus CDU und AfD zeigt die Nach­wahl­ana­ly­se, daß die viel dis­ku­tier­te „Brand­mau­er” recht sta­bil bleibt. Nur etwa 11 % der CDU-Befrag­ten in Rhein­land-Pfalz befür­wor­ten ein schwarz-blau­es Bünd­nis. Über 80 % der CDU-Wäh­ler spre­chen sich expli­zit gegen eine Regie­rungs­be­tei­li­gung der AfD aus. Somit sind sich – trotz oft­mals ande­rer Hoff­nun­gen und Beschwö­run­gen – der CDU-Funk­tio­närs­über­bau und die eige­ne Anhän­ger­schaft doch immer noch recht einig in der Brandmauerpolitik.

Man muß das Kal­kül der CDU end­lich ver­ste­hen und nicht auf vage Spe­ku­la­tio­nen oder eige­ne Prä­mis­sen ver­las­sen. Die CDU hat mit Rhein­land-Pfalz gese­hen, daß sie im Wes­ten wei­ter­hin aus eige­ner Kraft um Mehr­hei­ten kämp­fen und Wah­len gewin­nen kann – selbst in Län­dern, die lan­ge als sozi­al­de­mo­kra­tisch befes­tigt gal­ten, wie Rhein­land-Pfalz, oder in tra­di­tio­nel­len Hoch­bur­gen wie Nordrhein-Westfalen.

Im Osten wie­der­um ope­riert die Uni­on seit Jah­ren mit deut­lich ein­ge­schränk­te­ren Erwar­tun­gen. Gera­de des­halb wird die Par­tei­spit­ze kaum bereit sein, das Risi­ko mas­si­ver Wäh­ler­ver­lus­te in den west­deut­schen Kern­räu­men ein­zu­ge­hen, nur um sich im Osten über eine Koope­ra­ti­on mit der AfD kurz­fris­tig neue Macht­op­tio­nen zu eröff­nen. Die Behar­rungs­kräf­te die­ser Par­tei soll­ten nicht unter­schätzt werden.

Hin­zu kommt, daß die Uni­on ihre Kon­kur­renz sicher­lich auch beob­ach­ten und dabei erken­nen wird, daß die Ero­si­ons­pro­zes­se, wie anfäng­lich erwähnt, im Mit­te-Links-Lager gegen­wär­tig schnel­ler, tie­fer und destruk­ti­ver ver­lau­fen als im eige­nen Haus.

Die poli­ti­schen Wett­be­wer­ber der CDU schwä­chen sich in zen­tra­len Seg­men­ten wech­sel­sei­tig. Grü­ne und Links­par­tei kon­kur­rie­ren in urba­nen, aka­de­misch gepräg­ten Milieus um ähn­li­che Wäh­ler­grup­pen. Die SPD ver­liert zugleich in beträcht­li­chem Maße den Anschluß an ihre frü­he­re arbei­ter­schaft­li­che Basis, deren Unzu­frie­den­heit immer stär­ker von der AfD gebün­delt wird. Und die FDP ist als bür­ger­li­che Kon­kur­renz vie­ler­orts so geschwächt, daß sie für die CDU kaum noch als ernst­haf­te stra­te­gi­sche Bedro­hung erscheint.

Vor die­sem Hin­ter­grund hat sich die Uni­on auch mit den eige­nen Ver­lus­ten an die AfD in Tei­len länd­lich-kon­ser­va­ti­ver Milieus in gewis­ser Wei­se arran­giert. Die­se Ver­lus­te sind real und teil­wei­se auch schmerz­haft, aber sie wer­den im Par­tei­ap­pa­rat offen­kun­dig nicht als akut exis­tenz­ge­fähr­dend bewer­tet. Sie gehö­ren aus Sicht der CDU eher zu den lang­fris­ti­gen Struk­tur­kos­ten eines ver­än­der­ten Parteiensystems.

Gleich­zei­tig kann sich die Par­tei in west­deut­schen Kern­räu­men wei­ter­hin auf sta­bi­le sozia­le Reser­ven stüt­zen, ins­be­son­de­re dort, wo katho­li­sche Prä­gun­gen, kom­mu­na­le Ver­an­ke­rung und älte­re Wäh­ler­schich­ten den Rest­be­stand klas­si­scher Volks­par­tei­b­in­dung tra­gen. Die eigent­li­che Hoff­nung der Uni­on besteht weni­ger in der eige­nen alten Grö­ße als in der Annah­me, daß die Par­tei­en links und rechts von ihr ent­we­der an sich selbst schei­tern oder sich gegen­sei­tig wei­ter schwä­chen. Das Ver­hält­nis zur AfD scheint im Kon­rad-Ade­nau­er-Haus ange­sichts sol­cher Zah­len bis auf wei­te­res erst­mal geklärt.

Daniel Fiß

Daniel Fiß ist freier Publizist.

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Kommentare (48)

Dieter Rose

23. März 2026 18:57

Hilfe, ich fühle mich von den Wählenden und anderen -enden verfolgt.
 

Franz Bettinger

23. März 2026 19:21

"Das programmatische Angebot der AfD ist mangelhaft. Es zehrt von einer politischer Entfremdung. Es kann aber kaum eine konkrete Gestaltungs-Idee formulieren,“ schreibt @DF. Das sehe ich nicht so. Richtig ist, dass die AfD mit klareren und einfacheren Slogans operieren sollte, wie: "Wir sind gegen Krieg, gg jegliche Sanktionen, gg den Klima-Schwindel. Für Atomkraft, gute Beziehungen zu Russland, natürlich für Deutschland.“ Schön wäre auch: „Raus aus der NATO! Raus aus der EU!“ Das wird die AfD zwar insgeheim wollen, aber nicht zu sagen wagen. Vllt. fällt's ja nach dem Iran-Krieg leichter. 

Dietrichs Bern

23. März 2026 19:37

Die Analyse geht in einem zentralen Punkt vollkommen fehl: Die "Trägermillieus" von schwarz und rot sind durchaus noch existent. Sie werden nur leidenschaftlich bekämpft und verdrängt. Bei der CDU hat es für die eigene Wählerschaft vorerst weniger unschöne Konsequenzen, deshalb gibt es noch so viele Merkelianer.
Bei der SPD baden gerade Arbeiter, Krankenschwester und Büroangestellte mit geringen Einkommen die Auswirkungen von Migration, Wirtschaftsabbau, und ständiger Steigerung von Steuern und Abgaben am ehesten aus.

Le Chasseur

23. März 2026 19:46

Vielen Dank für die Analyse.
Hier noch zwei ergänzende Links:
Wahlverhalten Landtagswahl Rheinland-Pfalz
Wählerwanderung Landtagswahl Rheinland-Pfalz
 

Mitleser2

23. März 2026 20:03

"Das Verhältnis zur AfD scheint im Konrad-Adenauer-Haus, angesichts solcher Zahlen bis auf weiteres erstmal geklärt."
Ja, und für die BTW 29 gilt, dass die absoluten Wählerzahlen im Osten zu gering sind. Für die AfD kann es nur um die Landtagswahlen dort gehen. Das wird schwierig genug gegen die Blockparteien.
 

Le Chasseur

23. März 2026 20:55

@Franz Bettinger
"Schön wäre auch: „Raus aus der NATO! Raus aus der EU!“"
Der Sozialdemokrat alter Schule, Albrecht Müller, ist der Ansicht, dass es die SPD im Wahlkampf versäumt hätte, die Rolle Rheinland-Pfalzs als  "US-Flugzeugträger" und die damit verbundene Gefahr für die einheimische Bevölkerung zu thematisieren:
"Wenn es zum militärischen Konflikt käme, dann wären Ramstein und Kaiserslautern, Sembach und Baumholder, dann wären Pirmasens, Germersheim und Spangdahlem Ziele russischer Raketen." Quelle
Hätte die AfD natürlich auch machen können.

Daniel Fiß

23. März 2026 21:31

Naja. Die klare und eindeutige Identifikation mit diesen Milieus ist schon recht fluide geworden. Aber um nicht missverstanden zu werden: Ich vertrete hier in meinen Beiträgen und auch in anderen Publikationen ja immer wieder die These, dass das Wahlverhalten immer noch eng milieuspezifische Faktoren gebunden - und nicht einer reinen Volatilität des politischen Tagesgeschäfts unterworfen ist. Die soziale Zuordnung der klassischen Milieus bleibt recht stabil, nur die parteipolitischen Übersetzungszahnräder verändern sich.

MarkusMagnus

23. März 2026 21:41

Die AFD hat sehr gut abgeschnitten. Das Ergebnis zur vorherigen Wahl mehr als verdoppelt und Platz 1 bei einfachen Angestellten und Arbeitern. Dazu stärkste Partei bei den U-25 Wählern.
Bei den Jungen und einfachen Menschen ist die AFD die beliebteste Partei. Danke RLP.
Die FDP ist tot. Braucht keiner mehr. Die haben auch jeden Blödsinn mitgemacht. Parteiensterben in seiner schönsten Form.  Jetzt will ASZ die FDP führen. Ihr Bild auf Wahlplakaten wird bestimmt helfen :)
 

Le Chasseur

23. März 2026 21:57

@MarkusMagnus
 "Jetzt will ASZ die FDP führen. Ihr Bild auf Wahlplakaten wird bestimmt helfen :)"
https://youtu.be/yCCYnsKAipA?si=XsUWvXiqo1hrSrUP

Waldgaenger aus Schwaben

23. März 2026 22:35

Korrektorat: "Auszerrungsprozess" lies: Auszehrungsprozess
Die AfD wird vielleicht dieses Jahr noch in die Verlegenheit kommen, in einem Bundesland regieren zu müssen. Darauf sollte sie sich jetzt vorbereiten. Es könnte der AfD nichts Schlimmeres passieren, als dass eine AfD Regierung mit knapper Mehrheit nach wenigen Wochen scheitert und Neuwahlen notwendig werden. 
 

ofeliaa

23. März 2026 22:44

Wie mich das freut! Ich war Sonntag natürlich wählen. Vor allem auch in Anbetracht dessen, dass ich in den letzten Tagen mit lauter Personen gesprochen habe, die die AfD und deren Wähler kritisiert haben, hat es mich verzückt, wählen zu gehen und nun die Ergebnisse zu sehen. Ich denke, für RLP ist dies ein super Ergebnis! 

Adler und Drache

23. März 2026 23:31

Wie immer: Vielen Dank, Herr Fiß, für die Analyse!
Ich stimme Ihnen zu. Die Union hat bislang und bis auf Weiteres noch gar keinen Grund, die Brandmauer einzureißen. Von dem derzeitigen Gerangel profitiert sie zumeist (ja, nicht in BW) - zwar nicht so gut wie die AfD, aber immer noch gut genug. Sie hat sicher auch festgestellt, dass sie versprechen und brechen kann, was sie will, am Ende spült es sie doch wieder nach oben. Reine Kosten-Nutzen-Rechnung. 
Es wird nur halt immer weniger deutlich, wofür die Union überhaupt steht, außer für ein nebulöses BRD-Versprechen. Sie ist halt da. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das auf Dauer reicht.
So beschissen es für unser Land & Volk ist, aber der Weg muss bis zum Ende gegangen werden. Ich denke, es würde i.A. nicht viel nützen, wenn die AfD Kellner wäre und nicht Koch.  

Freichrist343

23. März 2026 23:37

Es ist gut, dass die FDP und die Linke nicht im Landtag sind.
Kapitalismus, Sozialismus und Liberalismus können sich je nach Situation positiv oder negativ auswirken.
Nötig ist eine Koalition aus AfD, BSW, DieBasis und ÖDP.
https://jlt343.wordpress.com

Laurenz

24. März 2026 00:03

@DF ... Im Grundsatz hat @Franz Bettinger Recht, aber auch nur da. Die letzten 2 Wochen lasse ich die wöchentlichen Pressekonferenzen der AfD-Bundestagsfraktion unter Bernd Baumann zum Einschlafen laufen. Baumann ist zwar immer noch ziemlich kaltschnäuzig, hat Sich aber durch Erfahrung im Umgang mit der Presse eklatant verbessert. Ihm gelingt zu einer riesigen Themen-Bandbreite immer wieder gute Fachleute aus der Fraktion zu mobilisieren. Damit können die Mitberwerber so nicht anstinken. Ich sehe hier Ihre überdeutliche Fokussierung der AfD rein auf Migration & Sicherheit nicht. Das ist doch eher der Tatsache geschuldet, daß die Wähler hier Gesprächsbedarf sehen. Um mich zu wiederholen, nur Existenzängste bewegen Wähler, das gewohnte Kreuz bei einer Wahl woanders zu setzen. Auch bei der Union muß die AfD einfach weiter Opposition machen & abwarten. Natürlich haben Sie, DF, Recht wenn Sie bemerken, daß die AfD mehr Basis braucht. Die wird man aber auch nur durch weitere Erfolge & der Erkenntnis der Erfolge beim Wähler generieren können. Auf der außenpolitischen Ebene, darf man sich ruhig weiter neutral positionieren. Wer will schon Ukrainische Oligarchen sponsorn oder in einen Krieg ziehen.

Marcus AC Severus

24. März 2026 01:05

Das heutige Ostdeutschland ist mehrheitlich Deutsch und Heimat. Da endet es aber schon. Weder bezogen auf Einwohner noch Wirtschaftskraft relevant. Demographisch sehr angespannt.
Die CDU hat da nicht wirklich Prioritäten. 
Das Scheitern der SPD ist ein Erfolg in RLP. Das muss man der AfD dort zu Gute halten. Ansonsten stehen noch 80% auf einer Seite die eine fundamental andere politische Sicht als die AfD hat. 
Inklusive der CDU. Die ÖVP in Österreich ist gescheitert an der Koalition mit der FPÖ. Tat ihr nicht gut. Gerne das Papier der KAS hierzu lesen. Der CDU schadet die Brandmauer nicht wirklich. Sie ist vielmehr ihre Lebensader. 
Dennoch Glückwunsch an die AfD für das gelungene Untergraben der SPD.
 
 

Marcus AC Severus

24. März 2026 01:17

@MarkusMagnus
Die USA haben AOC, wir die ASZ. So medial dauerpräsent wie sie ist, wer weiß ob sie die FDP nicht doch noch irgendwo übers Stöckchen reißt.

Marcus AC Severus

24. März 2026 01:23

@Waldgänger aus Schwaben
Genau das wird vermutlich passieren, die übrigen Parteien werden alles blocken, die anderen Gewalten ihr übriges tun.
 Ist Textbook-case aus anderen Ländern.es wird paar AfD-Regierungen dauern bis es sich normalisiert. 

Andreas J

24. März 2026 07:45

Wieder eine gewohnt sachliche und präzise Analyse. Ich warte allmählich auf ein „Scheitert die Brandmauer, scheitert Deutschland“-Statement des Merkel-Epigonen. In dem Fall müsste er ja zurücktreten, wäre ja sonst peinlich, sich als Junior-Koalitionspartner bei der AfD anbiedern zu müssen, namentlich bei Frau Weidel, die er im Fahrstuhl nicht grüßt.
 

Ein gebuertiger Hesse

24. März 2026 09:00

@Andreas J
Im Fahrstuhl des Bundestages zeigt sich knallhart, wer menschliches Format hat oder auch nicht.

Waldgaenger aus Schwaben

24. März 2026 09:13

Danke an Daniel Fiß für die wie immer sehr gute Analyse. Ich schaue fast täglich auf die Umfragen. Was mir aufgefallen ist: Die Werte für die AfD schwanken kaum und die Vorhersagen sind verglichen mit denen für andere Parteien recht präzise, wenigstens in BW und RLP war es so. Das deutet auf ein stabile Wählerschaft hin.
@Marcus AC Severus: Das BSW möge ein warnendes Beispiel für die AfD sein. Es ist nicht gesagt, dass sie sich nach einer gescheiterten Regierung wieder erholen würde. 
Zur FDP: Sie hinterlässt schon eine Lücke. Der wirtschaftspolitische Liberalismus und die Bürgerrechte werden von der AfD nicht vollständig abgedeckt. Vor allem gibt es im Westen viele liberal gesinnte Wähler, die zwar inhaltlich am ehsten noch der AfD zustimmen könnten, sie aber nie wählen würden. Eine überzeugende Persönlichkeit könnte die FDP wieder über die 5%-Hürde bringen. ASZ ist es sicher nicht. Eher noch Kubicki, aber der ist zu alt. Die Linke war auch schon totgesagt, ist dann mit dieser mir unerträglichen Reichinnek wieder zurückgekehrt. 

Andreas J

24. März 2026 11:46

@Ein gebuertiger HesseUnd ob man hochfährt oder runter und der Pförtner einem alles Gute wünscht.
 

SMHJanssen

24. März 2026 11:56

Moin,
 
eins ist doch auffällig: im Westen liegt die sogenannte AfD bei Wahlen zwischen 15 und 20%, während sie im Osten zwischen 30 und 40% liegt. Da nun der Osten deutlich weniger Bevöllkerung als der Westen zählt, ist doch eins völlig klar: die Oberkante der sogenannten AfD liegt bei 25-30% auf Bundesebene. Interessant ist doch das die Werte bundesweit seit Monaten stabil sind: 24-27%, trotz aller Krisenpropaganda, irrlichterndem Putinismus bzw. Trumpismus etc. Diese Zahlen sprechen einerseits für eine stabile, weitgehend auch inhaltlich überzeugte Wählerschaft, der sogenannten AfD gelingt es aber, glücklicherweise, nicht über einen Sockel von ca. 25% bundesweit hinauszukommen. Mit ca. 1/4 der Stimmen und einem Programm, das alles wofür dieses Land stand und steht (NATO, EU, offene Gesellschaft...) in Frage stellt, bleibt man dann halt alleine zu Hause. Das weinerliche Selbstmitleid und die Selbstvictimisierung der Funktionäre der sogenannten AfD entlockt mir da nur ein müdes Gähnen. Die Möglichkeiten für Koalitionen mit den bürgerlichen Parteien CDU/CSU und FDP sind spätestens mit dem Sturz Luckes 2015 Geschichte. So gesehen zeigt auch das Wahlergebnis in R-P diese klare Tendenz. Übrigens sieht man eine ähnliche Tendenz in Frankreich: Zugewinne des RN, aber kein Durchbruch, vor allen Dingen das Scheitern in den Großstädten (mit Ausnahme Nizzas), zeigt bis zu welchem Grad die WählerInnen der selbsterklärten Dedibalialisation des RN folgen.
Herzliche Grüße,
Siebo M. H. Janssen

Laurenz

24. März 2026 12:56

@SMHJanssen  ... Sie labern, Janssen. Eine Lucke-AfD kam als liberale Partei nicht über 5%, weil in Deutschland die Pseudo-Liberalen nur in Ausnahmefällen & mit Leihstimmen die 5%-Hürde überschreiten. Das kann sich nur dann fragmentiert etwas ändern, wenn sich die Zahl der Parteien, wie jetzt in Rheinland-Pfalz, wieder auf 4 oder bzw. 3 Parteien verkürzt. Ihre 25% AfD-Wähler wählen keine Liberalen, sondern Patrioten. Die Liberalen, wie von Storch oder Boehringer sind nur geduldet, weil man Volkspartei sein will. Wähler bringen die keine. Wer Appeasement betreiben will, wie Sie (die völlig sinnlose Debatte hatten wir hier schon locker 1k x), verliert. Sie sehen doch, am Schicksal der Altparteien, daß sich in geteilten Themenfeldern meist immer das Original durchsetzt. BaWü hat eben wenig Migrantengeld-Empfänger. Wer soll denn da die SPD wählen? Die Altparteien-Politik des Niedergangs ist Pro-AfD-Politik. Wenn es rund laufen würde, wäre die AfD nie in Oberursel gegründet worden. Das heißt die AfD ist quasi die Erlöser-Partei für jene, die sich am Boden des Niedergangs aufschlagen sehen. Und das werden Tag für Tag mehr.

Andreas J

24. März 2026 13:03

@SMHJanssen
Wenn man die demografische Dynamik ausklammert (CDU Ü 70, AfD U20) haben Sie recht. Zum Glück existiert diese Dynamik aber. Das liegt wohl auch daran, dass Linke (somit auch Teile der CDU) die Verlierer der Digitalisierung sind, so endete die Absenkung des EU-Wahlalters ("gegen rechts") z. B. für die Grünen in einem Desaster.

Umlautkombinat

24. März 2026 13:06

@SMHJanssen
 
Wenn eine inhaltlich eigentlich recht harmlose und aus meiner Sicht noch viel zu enge (eine vergleichbare CDU habe ich in den 90ern wegen Braesigkeit nicht mal ignoriert) Partei nur noch ueber einen Einheitsblock an Gegnerschaft definiert werden kann, dann spricht das ganze Baende nicht ueber diese Partei, sondern ueber diesen Aufguss an Rest der keinerlei individuell charakterisierende Eigenschaften mehr aufweist. 
 
Ausserdem fehlt mir noch stark der Begriff Wahlbeteiligung (geht auch an den Autor). 53% habe ich gelesen. Das sollte in einer solchen Betrachtung schon eine Rolle spielen.

Monika

24. März 2026 13:09

Einen Gruß aus dem schönen SCHNECKENHAUSEN! Hier holte die AfD 41,4 Prozent! Zum Wohl, die Pfalz. 🤩😍https://landtagswahl-2026-rlp.swr.de/soci11463v0/ec/ergebnis-schneckenhausen.html

RMH

24. März 2026 13:24

Es zementiert sich ein Mehrheitsblock hinter einer Brandmauer (zu dem im Zweifel auch die Linke gehört) gegen eine größer werdende AfD (das BSW scheint gerade abzusterben, so dass es bei einer wesentlichen Oppositionspartei bleibt).
Das ist schön für die neuen Blockparteien, da sie so ihre Macht & Pfründe sichern können, es scheint auch Leute wie den Herrn Janssen zu freuen, der offenbar gerne vom politischen Inhalt her betrachtet jeden Tag aufs neue Erbswurstbrühe ist. Ernsthaft politisch Interessierte stellen aber fest, dass damit die Politik auch einheitlich grau wird. Ja, die Union kann jetzt in Rlpflz den MP stellen, aber inhaltlich wird sie immer Rücksicht auf die SPD in einem Ausmaß nehmen müssen, dass das Rote immer mehr durch das Graue durchscheint. Im Bund ist das bereits so. Im Westen nichts Neues, also. Und in BaWü wird es durch einen grünen MP auch nicht anders, allenfalls in Nuancen.
Ob die Wahlen in den neuen Ländern jetzt den Durchbruch für die AfD bringen? Zweifelhaft, aber im Sinne einer Beseitigung des politischen Einerlei wäre das zu wünschen.

Umlautkombinat

24. März 2026 13:27

Falsch, Wahlbeteilung wohl Ende der 60%. Ist wohl sogar hoch.

Schobbepetzer

24. März 2026 13:45

Interessante Analyse von DF. Insgesamt eine erfreuliche Entwicklung auch wenn immer alles enttäuscht ist, dass es keine Mehrheit gibt. Was soll die AFD unter einer CDU auch erreichen, als Juniorpartner? 
Es gilt weiter Strukturen ausbauen und auf die Zeit warten, alles ist im Fluß. 
Die FDP ist am Ende, die verbleibenden Reste gehen zu 30% auch noch zur AFD, der Rest verteilt sich auf die anderen. Die SPD wird zwischen CDU, Linke und Grüne zerrieben. Das BSW wird keine Rolle mehr spielen.
Irgendwann kommt der Spalt in der CDU, es glaube doch keiner das in einer Funktionärspartei, die Programmatik zählt.Mich wundert, dass noch niemand die übernächste BTW 2033, 100 Jahre danach, thematisiert. Da ein 44% Ergebnis für AFD, das können die Linken doch nicht wollen. :)

Mitleser2

24. März 2026 14:18

@SMHJanssen: 
Ach Siebo, Ihren Hass können Sie gerne bei den Omas gegen Rechts ablassen. Gähn.

Franz Bettinger

24. März 2026 14:43

@SMH-J: Nichts ist stabil. Es gilt das Laurenz'ische Diktum: "Jedes Jahr sterben 1 Mio. CDUCSU-Wähler, &: Jedes Jahr gewinnt die AfD 1 Million junge Neuwähler hinzu! Neuerdings auch Nicht-Wähler" ganz profan wg. der Demographie; ganz ohne "Nase-voll"-Faktor. 

Le Chasseur

24. März 2026 16:07

Die offizielle Wahlbeteiligung lag bei 68,5 Prozent und damit um 4,2 Prozentpunkte höher als bei der letzten Landtagswahl.

SMHJanssen

24. März 2026 16:15

@Laurenz: es ging nicht um die reale, sondern theoretische Chance auf eine Koalition. Durch ihre permanente Selbstradikalisierung hat sich die sogenannte AfD spätestens nach 2015 selbst aus dem Spiel genommen. Wenn Boehringer und von Storch für Sie liberal sind, sagt das sehr viel über Ihr politisches Koordinatensystem.
@Allgemein: der Analyse der demographischen Entwicklungen stimme ich zu, allerdings ist die Zustimmung zu CDU/CSU in katholischen Landesteilen nach wie vor, Alterskohorten übersteigend, stark. Erinnert sei z. B. an das Emsland, Cloppenburg, Vechta, Münsterland - diese relative Stabilität der traditionell katholischen Wählermilieus ist, neben den Großstädten mit ihrer rot-grünen WählerInnenschaft, ein wichtiger Faktor gegen eine stärker werdende AfD.
Das BSW wird zerfallen, es war sowieso nur der national-soziale Wurmfortsatz der sogenannten AfD. Mich würde nicht wundern, wenn Oskar und Sarah sehr bald bei Chrupalla und Weidl um eine AfD-Mitgliedschaft nachsuchen würden. Da wächst dann inhaltlich und personell zusammen, was schon immer zusammen gehörte!
Die FDP ist tot - zwischen AfD und CDU/CSU gibt es keinen Bedarf an einer rechtslibertären Partei. Der Niedergang ist tragisch, da die Niederlande zeigen das es durchaus auch Raum für eine sozial-liberale Partei gibt (D66).
Omas gegen Rechts: ich schätze die Damen durchaus und unterstütze sie durch Vorträge und Seminare zu Fragen der europäischen und internationalen Politik.
Herzliche Grüße aus Bonn,
Siebo M. H. Janssen

RMH

24. März 2026 16:27

"Die Liberalen, wie von Storch oder Boehringer sind nur geduldet, weil man Volkspartei sein will. Wähler bringen die keine."
@Laurenz, in Ihrer Aussage ist aber schon ein Wurm in der Logik drin, oder?
Wenn man Liberale duldet, weil man Volkspartei sein will, dann gehören Liberale zum Volk und wenn diese liberalen Wähler des Volkes wählen, dann bringen sie Wählerstimmen - wenn auch nicht so viele, wie die, die Sie präferieren, aber jede Stimme ist ein mehr um eben Volkspartei zu sein.
Es gibt ein liberales Wählerpotential von mindestens bis zu 15% (siehe auch "Projekt 18" der FDP). Wenn die FDP weg ist, dann sollte dieses Potential doch bitte AfD und nicht Union oder sonstwas wählen, Genau dafür braucht es eine A. Weidel, die aus dem wirtschaftsliberalen Stall von Prof Oberender kommt, eine v. Storch etc.-  gerne noch ein paar mehr davon.

Karl

24. März 2026 16:42

@SMH Janssen:
Die bundesweite Stabilität bei 24–27 % trotz einer beispiellosen medialen und politischen Kampagne gegen die AfD ist kein Zeichen von Begrenztheit, sondern von bemerkenswerter Resilienz. Die Formulierung, die AfD komme „glücklicherweise“ nicht über einen Sockel von ca. 25 % hinaus, ist reines Wunschdenken. Mit rund einem Viertel der Stimmen ist die AfD derzeit die zweitstärkste politische Kraft in Deutschland. Dass die anderen Parteien diesen großen demokratischen Block systematisch ausgrenzen und jede Zusammenarbeit verweigern, ist kein Beweis für deren eigene Stärke, sondern ein Armutszeugnis für den Zustand unserer Demokratie. Der Vorwurf des angeblichen „weinerlichen Selbstmitleids“ der AfD-Funktionäre wirkt vor dem Hintergrund jahrelanger Kriminalisierung, Verfassungsschutz-Beobachtung, Veranstaltungsverbote und massiver medialer Dämonisierung schlicht zynisch. Wenn eine Partei systematisch aus dem normalen politischen Wettbewerb herausgehalten werden soll, dann ist die Kritik daran keine Viktimisierung, sondern eine nüchterne Feststellung. 
Ihr Text ist weniger eine nüchterne Analyse als ein selbstberuhigendes Mantra für all jene, die den tiefen Riss in der deutschen und europäischen Gesellschaft sowie die absehbaren weiteren Erfolge der AfD und anderer patriotischer Kräfte in Europa nicht wahrhaben wollen. Die Zahlen sprechen eine sehr deutliche Sprache. Wenn der Brand nicht gelöscht werden kann, helfen letztlich auch keine Brandmauern mehr.

Le Chasseur

24. März 2026 16:43

@Franz Bettinger
"Jedes Jahr gewinnt die AfD 1 Million junge Neuwähler hinzu!"
Im heute journal kam gestern ein Bericht über eine Probewahl, die an einer Kaiserslauterner Berufsschule (laut Tafel am Eingang "ohne Rassismus - mit Courage") unter den Schülern durchgeführt wurde. Aus der Wahl ging die AfD mit großem Abstand als stärkste Kräft mit fast 39,9% der abgegebenen Stimmen hervor. Die SPD folgte auf Platz 2 mit 12%. Den Wahlkreis, in dem die Schule liegt, hat auch tatsächlich die AfD gewonnen.

Majestyk

24. März 2026 19:15

@ SMHJanssen:
Sie sind nicht liberal. Niemand ist liberal, der staatliche Umverteilung oder staatlich finanzierte Propaganda und Oppositionsbekämpfung rechtfertigt. Ihr Bekenntnis basiert auf einem typischen Denkfehler oder ist schlichtweg Behauptung. Immerhin haben Sie ja auch eine Existenzgrundlage zu verteidigen, genau wie Ihre Omas gegen rechts.

Platon

24. März 2026 20:05

Inwiefern es sich bei der Wahl in Rheinland-Pfalz um einen Erfolg der AFD handelt, ist abhängig davon, welchen Bezugspunkt man wählt. Sicher, wenn man die Ergebnisse der Landtagswahl von 2021 heranzieht, kann von einer Verdoppelung gesprochen werden. Aber in den 5 Jahren ist viel passiert. Dazwischen liegt eine Europawahl und eine Bundestagswahl. Verglichen mit der Bundestagswahl ist das Ergebnis eher ernüchternd. 80% der Wähler sägen nach wie vor am eigenen Ast auf dem sie sitzen. Die in festen Strukturen eingebetteten Beharrungskräfte im Westen, die als  Adenauer-, Brandt-, Schmidt- und Kohl-Epigonen in Parteien, Medien und Bildungseinrichtungen beständig das Wohlstandslied säuseln,  sind zu wirkmächtig, zu sirenenhaft und wenn es sein muss, zu aller Boshaftigkeit entschlossen. Dieses so erzeugte Antiemanzipationsmilieu im Westen gibt es so im Osten Deutschlands nicht. Die meisten Menschen sind dort deshalb in ihren Entscheidungen freier, weniger schlaftrunkend, weniger in ihrem sozialen Status gefangen und somit weniger anfällig für soziale Ächtung. Dies gilt für die knapp 20% im Westen wohl auch.  Kann  die übergroße Mehrheit von 80% der Wähler im Westen jedoch durch Anpassung im Schlafwagenstil der Biedermeierlichkeit erreicht werden. Teil 1  …
 
 
 
 
 
 
 

Platon

24. März 2026 20:14

… Teil 2: Charisma und Rhetorik sind wesentliche Bestandteile für politischen Erfolg. Was nützt das beste Programm, wenn es nicht die Persönlichkeiten gibt, die die Idee des Programms - nicht das Programm selbst - vermitteln können. Die meisten lesen Programme sowieso nicht. Sie hören aber „Menschenfängern“ zu. „Wir laden den Höcke nicht ein - wir sind ja so anders“, so biederlich bürgerlich angepasst. Auch diese Methode verfängt nicht, wie die Ergebnisse der Wahl widerspiegeln, sondern zeigt, dass diejenigen, die eine solche Strategie fahren, weder über Charisma noch Rhetorik verfügen. Es fehlt am politischen Weitblick. Charisma kann man nicht lernen, Rhetorik sehr wohl. Dann muss man auch keine Angst mehr haben, ungelenk Fragen zu Höcke beantworten zu müssen. Die Grenze des Wahlerfolges liegt in erster Linie im Mangel an Charisma und Defiziten in der Rhetorik.
 

Laurenz

24. März 2026 20:25

@RMH & SMHJanssen ... einfach mal die Kirche in Dorf lassen. Boehringer & von Storch sind immer noch Mitglieder der von-Hayek-Gesellschaft, während Weidel diese wegen der Mitläufer dort, verlassen hat. Wo ist Ihr Beider politisches Koordinatensystem? Priens Kampf gegen die politischen Ränder ist doch ein Witz. Die AfD, mit einem Partei-, wie Wahlprogrammen zitiert aus den Programmen der Union-, FDP- & SPD der Bonner Republik, befindet sich in der absoluten klassischen Mitte. Die Union, SPD, die Linke, die Grünen haben sich extrem radikalsiert, mutmaßlich aus klassischer Sicht ins gesichert Linskextreme, wobei das durch den neuen Militarismus auch ins Rechtsextreme ausarten kann. Bei den gesellschaftlichen Entwicklungen sind Sie viel zu ungeduldig, sind Sie nicht in der Lage über Ihr Eigenes Lebensfenster hinauszudenken? Die Sowjetunion brauchte 70 Jahre, inklusive der Ausbeutung vieler Staaten, die DDR 40 Jahre, um zu scheitern. Die linksextreme Politik des Niedergangs wird auf jeden Fall die EU in den nächsten 10 Jahren ausknocken, weil die EU im Niedergang nicht mehr finanzierbar ist. Das ist doch das Absurde. Die herrschende linksextreme Kaste betreibt konter-revolutionäre Politik gegen sich selbst. Die Dänische Linke hat das kapiert. Die linken Dänen sind halt heller in der Birne als unsere Flachflieger.

SMHJanssen

24. März 2026 22:27

@Majestyk: Ich bin kein Liberaler im Sinne der FDP, vielmehr orientiere ich mich am Sozialliberalismus eines John Rawls, Richard Dworkin, Freiburger Thesen...Ich finde es befremdlich das Sie entscheiden wer liberal ist. Liberalismus bedeutet für mich: Freiheit des Einzelnen im Rahmen der Ordnung des Grundgesetzes. Anders als Sie denken bin ich zwar für eine knallharte politische Bekämpfung der extremen Rechten a la sogenannte AfD, denke aber, eine liberale Demokratie kann Meinungsäußerungen, Schriften etc dieser Gruppierungen inhaltlich überzeugend kontern statt sie zu verbieten. Compact ist z. B. ekelerregend, aber es soll meines Erachtens erscheinen können. Es richtet sich mit jeder Zeile selber! Sezession ist ein anderes Blatt: hart rechts, aber intellektuell durchaus interessant - wichtig um die Debatten auf der extremen Rechten zu verstehen. Ein Verbot würde ich intellektuell und politisch ablehnen - bei aller inhaltlichen Differenz und Ablehnung: eine offene Gesellschaft muss das aushalten! Ob Sie, Majestyk, meinen Überzeugungen gegenüber die gleiche Toleranz aufbringen, wage ich nicht zu beirteilen.
Herzlichst,
Siebo M. H. Janssen

Gracchus

24. März 2026 23:05

Ich frage mich wie @Laurenz, was, @SMHJanssen, an der AfD so radikal ist, dass sie keinen Platz in einem normalen demokratischen Spektrum haben soll. 
An den Liberalen - @Laurenz - stören mich nur die Neoliberalen und transatlantischen LibKons. Patriotisch: ja, aber bitte keinen Kollektivismus. Mir schwant leider, dass, wenn sich Ihre Krisenprognose bewahrheitet, wieder dämliche Kollektivparolen - am Ende noch gepaart mit neoliberaler Wirtschaftspolitik - am Zuge sind. 

Le Chasseur

25. März 2026 05:58

@Laurenz
"Die Dänische Linke hat das kapiert. Die linken Dänen sind halt heller in der Birne als unsere Flachflieger."
Welche dänische Linke meinen Sie? Doch nicht etwa die Partei der Kriegstreiberin Frederiksen, die gestern bei den Parlamentswahlen abgestraft wurde?

Mitleser2

25. März 2026 08:37

@Alle: Der Siebo ist doch nur ein Troll. "knallharte politische Bekämpfung der extremen Rechten a la sogenannte AfD"
(sollte man ignorieren, ich schaff's aber auch kaum bei solchen Thesen)

Laurenz

25. März 2026 09:13

@Le Chasseur @L. ... Frederiksen hatte Wahlen vorgezogen & Stimmen verloren, ist aber noch stärkste Kraft. https://www.spiegel.de/ausland/wahl-in-daenemark-sozialdemokraten-von-mette-frederiksen-gewinnen-regierungsbildung-wird-schwierig-a-90ac96f1-7ca6-4714-a9a7-91ce636a674c Dänemark macht einfach eine striktere Migranten-Politik. Ob Frederiksen Kriege treibt oder nicht, ist völlig belanglos. https://de.wikipedia.org/wiki/D%C3%A4nische_Streitkr%C3%A4fte Gegen wen soll denn Dänemark Krieg führen? In Grönland macht sich Dänemark gerade lächerlich. https://www.youtube.com/shorts/bgtc9lNnTiE?feature=share ... @Gracchus ... Daß sich Konservative/Rechte (zB Sie) einfach nicht an das Machbare halten können, immer irgendwelche Maximalforderungen. Eine Volkspartei vereinigt verschiedene Strömungen, die im Kompromiß Interessen abgleichen. Um jetzt mal den scheinbar ungeliebten Terminus Sozial-Patrioten zu nutzen, kann man nur festhalten, daß Patrioten die meisten Wählerstimmen bei der AfD abgreifen, einfach weil deren Wähler vor allem ihre materiellen Interessen vertreten sehen wollen. Und ohne eine gewisse Milei-isierung wird Sanierung nicht gehen.

Laurenz

25. März 2026 09:29

@SMHJanssen @Majestyk .... bin kein Liberaler im Sinne der FDP ... Die FDP bezeichnete sich nur als liberal, war es aber nie. Der FDP verschaffte Freiberuflern immer nur eine Art Edelsozialismus. Als Genschman zu Kohl wechselte, verließen die FDP-Linken die Partei. ... orientiere ich mich am Sozialliberalismus ... Was soll denn das sein? Ökonomisch besehen, ist der Begriff ein Paradoxon. Umverteilung ist nie liberal. ... Freiheit des Einzelnen im Rahmen der Ordnung des Grundgesetzes. ... Sie werden hier keinen Rechten finden, der nicht für die maximal möglichen Freiheitsrechte des Einzelnen eintritt, allerdings nur im eigenen Nationalstaat. 98% der Leute hier wollen nicht, wie die Amis, (militärischen) Demokratie-Export leisten. ... inhaltlich überzeugend kontern statt sie zu verbieten ... Die Etablierten können das nicht & Sie können das auch nicht. Sie haben hier bisher noch gar nichts gekontert. Deswegen kommen doch die einst Etablierten überhaupt erst auf die Idee, die AfD, die Opposition, verbieten zu wollen. ... Compact ekelerregend ... Ihre Aussage ist belanglos, solange Elsässer Leser/Zuschauer findet. Wen interessiert schon, daß ich den 10 Mrd. ÖRR ekelerregend finde... eben, niemand.

RMH

25. März 2026 10:52

wieder dämliche Kollektivparolen - am Ende noch gepaart mit neoliberaler Wirtschaftspolitik - am Zuge sind. 
@Gracchus, welche neoliberale Wirtschaftspolitik wittern Sie?
Dass die SPD jetzt eine Änderung bei den Steuertarifen vorschlägt, welche den 3-4k- Bruttobeziehern im Jahr sensationelle 300-400 Euro netto bringen soll (ein Berufspendler wird aktuell deutlich mehr an den Staat via Krafststoffabgeben zahlen) und dafür nichts an der kalten Progression ändern will, ja sogar Spitzensteuersatz und USt erhöhen will (2% mehr USt könnten die 300-400 Euro auch locker wieder abzocken)?
Also "neoliberal" kann allenfalls der diskutierte Wegfall der Mitversicherung von Ehegatten in der Kranken- und Pfelgeversicherung vermutet werden sowie das Ende des Ehegatten-Splittings. Halte ich für systemisch aber für falsch. Am Ende nach wie vor weiterhin nur Staat, Staat, Staat, aber keine Freiheit.
Egal: Die AfD hat mit dem Familiensplitting das beste Konzept und nein, es hilft nicht nur den "Reichen" sondern ernsthaft allen. Aber Linke ertragen es nicht, wenn alle, und damit auch sog. "Reiche", mal was bekommen.

Le Chasseur

25. März 2026 11:47

@Laurenz
"Gegen wen soll denn Dänemark Krieg führen?"
Frederiksen ist innerhalb der EU und der NATO eine der schlimmsten Russland-Hetzerinnen, die dem Selenskij-Regime die Milliarden hinterherwirft und sich für einen EU-Beitritt der Ukraine stark macht. Das ist sicherlich nicht im Interesse des durchschnittlichen dänischen Bürgers. "Besonders unpopulär war die Entscheidung der Regierung, einen nationalen Feiertag abzuschaffen, um die höheren Verteidigungsausgaben zu finanzieren." Quelle
Den völkerrechtswidrigen Angriff der USA und Israels auf den Iran unterstützt Frederiksen ebenfalls. Sie machte kürzlich sogar den Vorschlag, die Europäer sollten sich in der Straße von Hormuz engagieren. Für mich ist die Frau die dänische Strack-Zimmermann.
Jedenfalls gab's für Mette jetzt die Quittung für ihre Politik, profitiert haben die Rechten und die Linken.

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