Der Schattenmacher antwortet

Die von Emilietta Beall angestoßene Debatte um den Essay Anarchotyrannei (2. Auflage seit heute hier erhältlich) ist vom Autor selbst aufmerksam verfolgt worden. Er hat Kommentare dazu eingereicht und schickt voraus, daß die Zusammenfassung, die Frau Beall vorlegte, insgesamt korrekt sei. Zu ergänzen sei aber die Anmerkung, daß alle Manager, auch jene harter Systeme, an Komplexität und Wandel interessiert seien.

Nun Schat­ten­ma­chers Ant­wor­ten (Nor­mal­schrift) auf die Punk­te (kur­siv), die Emi­li­et­ta Beall notierte.

Punkt 1: Wel­chen Stel­len­wert hat die Errin­gung kul­tu­rel­ler Hege­mo­nie im hier vor­ge­stell­ten Konzept?

Der eli­ten­theo­re­ti­sche Ansatz, der hier über­wie­gend ver­folgt wird, scheint mir in deut­li­cher Oppo­si­ti­on zum Rechts­g­ramscia­nis­mus zu ste­hen, der auf den Gedan­ken der Meta­po­li­tik setzt: Poli­ti­sche Macht basie­re auf der vor­he­ri­gen Errin­gung von Hege­mo­nie im vor­po­li­ti­schen Raum.

In Anar­cho­ty­ran­nei kommt die­ser Raum im Grun­de gar nicht vor – oder nur als nicht wei­ter erör­ter­ter Ort der Dis­si­denz jener Hoff­nungs­trä­ger, die das Ruder noch her­um­rei­ßen könn­ten. Alle ande­ren schei­nen ledig­lich eine Art belie­bi­ge Ver­schie­be­mas­se der mit ihnen nicht wei­ter ver­bun­de­nen Eli­ten zu sein. Wo kom­men also die­se Eli­ten her? Wo bil­den sich ihre Begrif­fe? Wie erklä­ren sich his­to­ri­sche Umbrü­che der Ver­gan­gen­heit ohne ein Kon­zept von kul­tu­rel­ler Hege­mo­nie? Wären dem­nach Ereig­nis­se wie die Fran­zö­si­sche oder die Rus­si­sche Revo­lu­ti­on ledig­lich von oben orches­triert, die Mas­sen­phä­no­me­ne bloß „geas­tro­tur­fed“?

Ant­wort 1: Mate­ri­el­le Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tu­ren sind nicht alles, aber sie sind auch nicht nichts. Aus mei­ner Per­spek­ti­ve ist es tat­säch­lich nicht von ent­schei­den­der Bedeu­tung, wel­che Kul­tur genau in einer rech­ten Gesell­schaft vor­herrscht, solan­ge sie eben nicht links ist.

Es ist unwahr­schein­lich, daß nur eine spe­zi­fi­sche Kris­tal­li­sa­ti­on von Gedan­ken und Wer­ten einen rech­ten Staat in Euro­pa über alle Zei­ten hin­weg ermög­li­chen wür­de, genau­so wie es eben auch nicht nur eine spe­zi­fi­sche lin­ke Welt­sicht gibt, die lin­kes Han­deln ermöglicht.

Noch in den 70er Jah­ren hat die euro­päi­sche Lin­ke mit Begrif­fen und Vor­bil­dern han­tiert, die heu­te sel­ten gewor­den sind: Leni­nis­mus, Mao­is­mus, Stadt­gue­ril­la, his­to­ri­scher Mate­ria­lis­mus und eine Fokus­sie­rung auf den ver­meint­li­chen deut­schen Poli­zei­staat haben zu Guns­ten der heu­te gewohn­ten pro­gres­si­ven The­men­schwer­punk­te abge­nom­men. Die­se bei­den Spiel­ar­ten lin­ken Den­kens sind nicht gleich, aber sie die­nen doch bei­de der Meh­rung lin­ker Macht.

Ähn­lich ist es vor­stell­bar, daß rech­te Krei­se zunächst eine star­ke Beto­nung natio­na­lis­ti­scher Aspek­te betrei­ben und spä­ter, nach even­tu­ell erfolg­ter Aus­deh­nung der eige­nen Macht­sphä­re, im Kon­text eines Rei­ches von die­sen Ursprün­gen abrücken.

Was prak­ti­sche Belan­ge angeht, so den­ke ich, daß der Rechts­g­ramscia­nis­mus zwar not­wen­di­ger, aber nicht hin­rei­chen­der Schritt auf dem Weg zur Macht und mitt­ler­wei­le in man­chen Aspek­ten bereits an das Ende sei­ner unmit­tel­ba­ren Mög­lich­kei­ten gelangt ist. Natür­lich bleibt es not­wen­dig, die eige­ne Herr­schaft durch ein Nar­ra­tiv, wel­ches mit den eige­nen mate­ri­el­len Inter­es­sen kom­pa­ti­bel ist, zu unter­mau­ern. Die­se Unter­neh­mung ersetzt aller­dings nicht die Not­wen­dig­keit zum Auf­bau effek­ti­ver poli­ti­scher Orga­ni­sa­tio­nen und der Befrie­di­gung mate­ri­el­ler Interessen.

Ein Teil der Sze­ne hat den Rechts­g­ramscia­nis­mus aus mei­ner Sicht in ers­ter Linie des­halb ins Zen­trum sei­ner Stra­te­gie gesetzt, weil es der Punkt mit den ein­fachs­ten Start­be­din­gun­gen ist. Wer kein Geld und kei­ne Orga­ni­sa­tio­nen hat, der kon­zen­triert sich eben dar­auf, Her­zen und Hir­ne zu gewin­nen, schon des­halb, weil das ohne gro­ßen finan­zi­el­len Auf­wand mög­lich ist. Ein sol­cher Schritt ist weder sinn­los noch schlecht gewählt, ledig­lich die Erwar­tung, daß die­ser Zugang allei­ne einen von der Stra­ße zum Thron führt, ist verfehlt.

Die öffent­lich ein­seh­ba­ren Bedin­gun­gen rech­ter Bewe­gun­gen in der BRD bele­gen die­sen Zustand mehr als deut­lich: Bei Umfra­gen und an der Wahl­ur­ne stellt die AfD mitt­ler­wei­le die stärks­te Kraft, im Inter­net domi­niert das Gedan­ken­gut der Rech­ten die Trends und Edits.

Was aber die Grö­ße und Finan­zie­rung der Par­tei angeht, ste­hen die Blau­en selbst hin­ter unbe­deu­ten­den Rand­er­schei­nun­gen wie der FDP zurück. Weder hat die AfD bedeu­tend mehr Mit­glie­der, noch erhält sie mehr staat­li­che Zuwen­dun­gen, noch ver­fügt sie über eine par­tei­na­he Stif­tung mit ähn­li­chen Mit­teln wie die Libe­ra­len (von CDU und SPD ganz zu schweigen).

Auch der soge­nann­te vor­po­li­ti­sche Raum der Rech­ten mag zwar geis­tig reger und im popu­lis­ti­schen Sin­ne belieb­ter sein als die Ama­deu Anto­nio Stif­tung, an der unglei­chen Anzahl haupt­amt­li­cher Mit­ar­bei­ter ändert das aller­dings wenig.

Die Rus­si­sche Revo­lu­ti­on ist für den hier dar­ge­leg­ten Punkt ein ordent­li­ches Bei­spiel. Natür­lich hat lan­ge vor den Ereig­nis­sen von 1917 eine Nar­ra­tiv­schmie­dung sei­tens roter Kräf­te in Ruß­land begon­nen, aber auch die ers­te Revo­lu­ti­ons­wel­le (gegen den Zaren), vor allem aber die zwei­te (gegen die ande­ren sozia­lis­ti­schen Par­tei­en) und drit­te (gegen die inner­par­tei­li­che anti­sta­li­nis­ti­sche Oppo­si­ti­on) haben sich nicht vor­nehm­lich auf dem Feld der Kul­tur und der Idea­le, son­dern auf jenem der mate­ri­el­len und macht­po­li­ti­schen Inter­es­sen und der Orga­ni­sa­ti­ons­struk­tur bewegt. Die Bol­sche­wi­ki haben nicht durch Erobe­rung des vor­po­li­ti­schen Rau­mes sich gegen die Sozi­al­re­vo­lu­tio­nä­re durch­ge­setzt und Sta­lin auf sel­bem Wege nicht gegen Trotz­ki und Bucha­rin den Sieg errungen.

Punkt 2: Wel­che Rol­le spie­len die Nicht-Eli­ten, und in wel­chem Ver­hält­nis ste­hen Eli­ten und „der Rest” zueinander?

Ant­wort 2: Die poli­ti­sche Effek­ti­vi­tät aller Klas­sen hängt von ihrem Grad der Orga­ni­sa­ti­ons­fä­hig­keit und der Inten­si­tät ihrer Akti­vi­tä­ten ab.

Eine rech­te Welt­an­schau­ung zu besit­zen ist bes­ser, als sie nicht zu tei­len. Sie inner­halb einer straf­fen Orga­ni­sa­ti­on wir­ken zu las­sen ist bes­ser, als sie bloß pri­vat zu hegen. Im Rah­men die­ser Orga­ni­sa­ti­on die eige­nen Mit­tel zu meh­ren und die des Geg­ners zu schmä­lern ist bes­ser, als bloß inhalt­lich und pro­pa­gan­dis­tisch zu arbeiten.

Zur Zeit besitzt die deut­sche Rech­te vor allem Nicht-Eli­ten, die den poli­ti­schen Pro­zeß nicht rich­tig ver­ste­hen und zu vie­le libe­ra­le Ver­satz­stü­cke in ihren Welt­bil­dern bei­be­hal­ten, die nicht ein­ge­bun­den sind in irgend­ei­ne Form von orga­ni­sier­ter Hier­ar­chie, nur einen sehr gerin­gen Teil ihres Ver­mö­gens für Poli­tik auf­wen­den und somit die Macht ihrer Mas­se an kei­nem Punkt jen­seits der Wahl­ur­ne wirk­mäch­tig machen können.

Außer­dem haben wir Eli­ten, deren nahe­zu ein­zi­ger Anspruch auf die­sen Titel in ihrem intel­lek­tu­el­len Vor­sprung oder ihrem hohen Par­tei­amt liegt, die dar­über hin­aus aber nie­man­dem befeh­len und nie­man­dem einen Dienst erwei­sen kön­nen. Die­ser Zustand ist durch das Betrei­ben von inhalt­lich ori­en­tier­ter Meta­po­li­tik nicht zum Bes­se­ren veränderbar.

Punkt 3: War­um blei­ben die Eli­ten nicht immer die­sel­ben? Das Auf­kom­men des Mana­ge­ria­lis­mus selbst ist ein Bei­spiel für einen Aus­tausch der Ent­schei­der­klas­se – kei­ne radi­ka­le und voll­stän­di­ge Erset­zung, aber einen signi­fi­kan­ten Wan­del. Wie kann die­ser über­haupt statt­fin­den, wenn hin­ter jeder poli­ti­schen Bewe­gung eben letzt­lich „die Eli­ten“ ste­hen, und wei­ter nichts und nie­mand? Ohne einen Wan­del der gesell­schaft­lich rele­van­ten Dis­kur­se wäre auch der Mana­ge­ria­lis­mus nicht in sei­ne jet­zi­ge Macht­po­si­ti­on gelangt.

Ant­wort 3: Am Anfang steht immer die Phy­sik. Die Natur­ge­set­ze und die tech­ni­schen Bedin­gun­gen schaf­fen Ver­hält­nis­se, wel­che not­wen­di­ger­wei­se einen Wan­del der Eli­ten begrün­den, vom land­be­sit­zen­den Aris­to­kra­ten zum Fabri­kan­ten eben dann, wenn die Wert­schöp­fung pro Hekt­ar weit hin­ter der Pro­duk­ti­ons­leis­tung pro Tag in der Manu­fak­tur zurückbleibt.

Der Mana­ge­ria­lis­mus hat die Welt nicht von sich über­zeugt, war nie poli­ti­sches Pro­gramm oder Teil eines expli­zi­ten Dis­kur­ses, son­dern ist ohne sol­che Pla­nung als Kon­se­quenz der Not­wen­dig­kei­ten einer Mas­sen­ge­sell­schaft auf den Plan getre­ten. Der Wan­del der grund­le­gen­den Bedin­gun­gen bestimmt den Wan­del des Dis­kur­ses siche­rer als es anders­her­um geschieht.

Davon abge­se­hen ist irgend­ei­ne Form des Eli­ten­sta­tus nicht mit Feh­ler­lo­sig­keit oder Unbe­sieg­bar­keit gleich­zu­set­zen. Gleich zu Anfang des Buches wird expli­zit dar­auf hin­ge­wie­sen, daß gera­de der Spa­gat zwi­schen der Befrie­di­gung der unmit­tel­bar per­sön­li­chen oder klas­sen­ba­sier­ten Inter­es­sen einer Eli­te und den Inter­es­sen des von ihnen beherrsch­ten Gebie­tes zu ihrem irgend­wann ein­set­zen­den Nie­der­gang führt.

Punkt 4: Stimmt es, daß der Mana­ge­ria­lis­mus in sei­ner Aus­deh­nung und ideo­lo­gi­schen Domi­nanz regu­lier­bar, aber nicht gänz­lich umkehr­bar ist, wie es auch der Autor selbst feststellt?

Ant­wort 4: Der Mana­ge­ria­lis­mus ist kei­ne Ideo­lo­gie im eigent­li­chen Sin­ne. Ihm liegt kein Mani­fest zu Grun­de, und er besitzt kaum expli­zi­te poli­ti­sche Für­spre­cher. Sei­ne Domi­nanz ist allein Fol­ge der Not­wen­dig­keit von erheb­li­cher Ver­wal­tung in der Moder­ne. Hier­aus folgt auch sei­ne rela­ti­ve Unum­kehr­bar­keit. Solan­ge die Gesell­schaf­ten so aus­ge­dehnt und kom­plex sind wie in unse­rer Zeit, ist ein nied­ri­ges Level von Ver­wal­tung und Admi­nis­tra­ti­on schwer vorstellbar.

Punkt 5: Läßt sich die Dege­ne­ra­ti­on des Mana­ge­ria­lis­mus grund­sätz­lich ver­hin­dern, oder läuft es maxi­mal auf ein „alle paar Jahr­zehn­te“ auf-den-Tisch-hau­en hin­aus, weil die Ten­denz zur Anar­cho­ty­ran­nei unaus­weich­lich ist?

Ant­wort 5: Wahr­schein­lich las­sen sich Dege­ne­ra­ti­ons­er­schei­nun­gen lang­fris­tig in kei­nem poli­ti­schen Sys­tem ver­hin­dern, da die Inter­es­sen der Herr­schen­den nie deckungs­gleich mit denen der Beherrsch­ten sind und stets ein Anreiz besteht, den Staat so ein­zu­set­zen, daß er mehr der Erfül­lung ers­te­rer als letz­te­rer dient. Der letzt­gül­ti­ge Beweis für eine sol­che Behaup­tung ist unmög­lich zu erbrin­gen, die zeit­li­che Begrenzt­heit und die Natur des Nie­der­gangs aller bis­he­ri­gen Regime läßt dies aller­dings vermuten.

6. Punkt: Leben wir tat­säch­lich in einer Anar­cho­ty­ran­nei? Die­se 6. Fra­ge stellt kei­nes­wegs die grund­sätz­li­che Schlüs­sig­keit der Ana­ly­se in Fra­ge. Sie zielt viel­mehr dar­auf ab, daß die aller­meis­ten Bun­des­bür­ger völ­lig ver­blüfft wären ange­sichts sol­cher Behauptungen.

Der „Nor­mie“ erlebt weder täg­lich eth­nisch kon­no­tier­te Kon­flik­te noch irgend­wel­che Repres­sio­nen. Vie­le Mil­len­ni­al-Eltern in nor­ma­len bis geho­be­nen beruf­li­chen Posi­tio­nen haben noch nie von den Zustän­den in gewis­sen Frei­bä­dern gehört, und es inter­es­siert sie auch nicht. Wie anar­chisch und wie tyran­nisch ist es somit wirk­lich? Und ist das Sys­tem mög­li­cher­wei­se robust genug, um es eben nicht so weit eska­lie­ren zu las­sen, daß wirk­lich kei­ner mehr die Augen ver­schlie­ßen kann?

Daß es hun­dert Grup­pen­ver­ge­wal­ti­gun­gen am Tag gibt anstel­le von zwei, daß tat­säch­lich jeder dis­si­den­te Post eine Straf­ver­fol­gung wegen Haß­re­de aus­löst? Die apo­li­tisch-lin­ke Mit­tel­schicht ent­zieht sich bis­lang recht erfolg­reich der Ein­sicht – wie kann das sein, wenn wir doch in Anar­chie und Tyran­nei leben?

Ant­wort 6: Wie kön­nen Men­schen, die von einem kom­mu­nis­ti­schen Sys­tem ins Arbeits­la­ger beför­dert wur­den, fest­gläu­bi­ge Kom­mu­nis­ten blei­ben? – Die Mög­lich­kei­ten mensch­li­cher Selbst­ver­si­che­rung und Erklä­rungs­kon­struk­te sind unbe­grenzt. Es kommt für die Erklä­rungs­stär­ke, den Wahr­heits­ge­halt und die Brauch­bar­keit einer Beob­ach­tung nicht dar­auf an, ob irgend­ein spe­zi­fi­scher Teil­neh­mer der Gesell­schaft eine Sache als wahr aner­kennt oder nicht, andern­falls wäre jed­we­de Theo­rie­bil­dung sinn­los. Es bleibt dem Recht­fer­ti­ger die­ses Deutsch­lands über­las­sen, zu erklä­ren, wie­so ein Staat, der ein­zel­ne Tweets mit allem Auf­wand eines Gerichts­ver­fah­rens ver­ur­tei­len kann, es nicht schafft, einen Stadt­park frei von Dro­gen­han­del zu hal­ten, oder wie­so ein Staat, der Mei­nungs­de­lik­te mit Stra­fen von über 10 Jah­ren ahn­det, bei töd­li­chen Gewalt­ta­ten bei den aus­ge­spro­che­nen Urtei­len oft­mals kaum über zwei Jah­re Haft hinausgeht.

Näh­me man ein­zig das Kri­te­ri­um des ewi­gen „Nor­mies“, dann war auch die Sowjet­uni­on kein all­zu beson­de­rer Staat – die deut­li­che Mehr­heit der rus­si­schen Bevöl­ke­rung ist unter Väter­chen Sta­lin nicht ins Gulag gewandert.

Die apo­li­ti­sche Mit­tel­schicht ist nicht blind und taub gebo­ren, son­dern ent­zieht sich poli­ti­scher Ein­sich­ten, weil ihnen ihre eige­ne poli­ti­sche Harm- und Teil­nahms­lo­sig­keit einen Vor­teil ver­spricht. Der Durch­schnitts­mensch hat im Fal­le sei­ner öffent­li­chen poli­ti­schen Betä­ti­gung und Äuße­rung viel mehr zu ver­lie­ren – sozia­le Akzep­tanz, beruf­li­che Per­spek­ti­ven, recht­li­che Kon­se­quen­zen -, als selbst unter den güns­tigs­ten Umstän­den zu gewin­nen – nichts.

7. Punkt: Bestimmt das Sein nun doch das Bewußt­sein, wie es die mate­ria­lis­ti­sche Welt­an­schau­ung behaup­tet? Den Aus­füh­run­gen des Schat­ten­ma­chers ent­nahm ich, daß die links­pro­gres­si­ve Welt­an­schau­ung zwar prä­gend und als Leit­ideo­lo­gie des Estab­lish­ments auch rele­vant ist, aber letzt­lich das Sys­tem nicht fun­die­ren kann, die Basis der Selbst­er­hal­tung müs­se stets eine mate­ri­el­le sein. Wie weit ent­fernt ist man selbst mit die­ser Ansicht vom mar­xis­ti­schen Dik­tum, die Geschich­te sei eine Geschich­te von Klas­sen­kämp­fen? Eine Grup­pe schlägt sich stets auf Kos­ten aller ande­ren den Bauch voll, bis es denen auf­fällt, und sich dann die nächs­te Grup­pe an den Freß­topf drängt?

Ant­wort 7: In die­ser Les­art befin­den wir uns wahr­schein­lich tat­säch­lich in der Nähe die­ser mar­xis­ti­schen Annah­me. Selbst­ver­ständ­lich man­gelt es der Schat­ten­ma­cher­schen Vari­an­te an jeg­li­chem Uto­pis­mus, die­sen Zustand zu überwinden.

Die Welt war immer Klas­sen­kampf und wird auch immer Klas­sen­kampf blei­ben, allein schon, weil das bio­lo­gi­sche Leben die­sen Kampf­zu­stand vor­weg­nimmt. Es ist in begrenz­tem Maße denk­bar, daß ideo­lo­gi­sche Aspek­te mate­ri­el­le Ansprü­che über­win­den, sonst wären etwa Selbst­mord­at­ten­tä­ter nur schwer vor­stell­bar, aber je grö­ßer das betrach­te­te Kon­strukt und je län­ger die Zeit­ach­se, auf wel­cher es exis­tiert, des­to siche­rer fin­det sich ein kla­rer Mecha­nis­mus, wel­cher die mate­ri­el­len Inter­es­sen sei­ner füh­ren­den Mit­glie­der sichert.

Die­ser Mecha­nis­mus muß nicht not­wen­di­ger­wei­se auf Kos­ten aller übri­gen Mit­glie­der sich ent­fal­ten, selbst wenn es im Hin­blick auf mate­ri­el­le Aspek­te erheb­li­che Unter­schie­de zwi­schen Füh­rung und Basis geben soll­te. Auch der Teu­fel hät­te als Die­ner im Him­mel wohl bes­ser gelebt denn als Herr der Höl­le, aber er war eben ein Lin­ker und konn­te die Ungleich­heit an und für sich nicht ertragen.

Punkt 8: Woher kommt die pro­gres­si­ve Welt­an­schau­ung bzw. der Kul­tur­mar­xis­mus? Eine evo­lu­tio­nä­re Erklä­rung in dem Sin­ne, daß sich die­se durch die Aus­le­se ande­rer, der Selbst­er­hal­tung des Mana­ge­ria­lis­mus weni­ger dien­li­cher Ideen her­aus­ge­bil­det habe, scheint unzu­rei­chend. Ein Mana­ge­ria­lis­mus ohne Links­pro­gres­si­vis­mus ist denk­bar und auch his­to­risch real.

Ant­wort 8: Mana­ge­ria­lis­mus ohne Pro­gres­si­vis­mus ist offen­kun­dig denk­bar und bereits real in Erschei­nung getre­ten. Der Pro­gres­si­vis­mus selbst ist ver­mut­lich als Kon­se­quenz des Schei­terns der Sowjet­uni­on, der durch mate­ri­el­le Fül­le beding­ten kul­tu­rel­len Weich­heit und der zuneh­men­den Inter­na­tio­na­li­sie­rung der Kul­tu­ren und der Deho­mo­ge­ni­sie­rung der Völ­ker als nahe­lie­gen­de ‘Gele­gen­heit’ entstanden.

All die­se Fak­to­ren machen sei­nen Sie­ges­zug weder alter­na­tiv­los noch unaus­weich­lich, aller­dings ist auch die Fra­ge, wie­so es zu unse­ren Leb­zei­ten die eine Spe­zi­es noch gibt, wäh­rend die ande­re aus­ge­stor­ben ist, nie mit Sicher­heit beant­wort­bar. Wür­de man die Geschich­te der Welt in einen frü­he­ren Zustand zurück­ver­set­zen und die Start­be­din­gun­gen mini­ma­len Ände­run­gen unter­zie­hen, könn­ten erheb­li­che Abwei­chun­gen nicht aus­ge­schlos­sen werden.

Emi­li­et­ta Beall: Soweit mei­ne Fra­gen. Zum Abschluß möch­te ich eini­ge Gedan­ken skiz­zie­ren, die weit ent­fernt von einem strin­gen­ten Kon­zept sind. Es sind Ent­wür­fe, Frag­men­te, Wegmarken.

Die Gewalt ist kei­nes­wegs das mäch­tigs­te Mit­tel der poli­ti­schen Aus­ein­an­der­set­zung. Tota­li­tä­re Regime kamen nicht an die Macht, weil sie bereit waren, Gewalt anzu­wen­den, son­dern weil ihre Gewal­ter­zäh­lung dem damals domi­nan­ten Zen­tral­ge­biet entsprach.

Macht hat, wer die domi­nie­ren­de Geschich­te über Gewalt erzählt. Ob das im Poli­ti­schen die Ver­hän­gung des Aus­nah­me­zu­stands ist (Carl Schmitt), oder jedes media­le, juris­ti­sche, päd­ago­gi­sche und sons­ti­ge Nar­ra­tiv über die Legi­ti­mi­tät der Anwen­dung von Gewalt. Der Typus der „Füch­se“ ver­fügt durch­aus über Gewalt und wen­det sie auch an. Ihre Erzäh­lun­gen ent­schei­den der­zeit, wann Gewalt wie wirkt, und wann und wie sie über­haupt zum Ein­satz kom­men darf.

Ein Atten­tat kann in der einen Geschich­te ein fol­gen­lo­ses, bana­les Blut­ver­gie­ßen sein, bei dem hin­ter­her einer tot und ein ande­rer ein­ge­sperrt ist. Unter ande­ren Para­dig­men, etwa in Pha­sen der Spät­an­ti­ke, war es ein eta­blier­tes Mit­tel der Mach­t­er­lan­gung. Im Mit­tel­al­ter gab es recht wag­hal­si­ge Ver­schwö­run­gen, um sich in den Besitz einer bestimm­ten Kro­ne zu brin­gen – weil die­se Kro­ne Herr­schaft und damit Gewalt legi­ti­mier­te und den Anspruch eines Thron­prä­ten­den­ten erheb­lich stärk­te. Nicht, wer ein Schwert nimmt und zuschlägt, hat die Macht. Wer die Kro­ne hat, hat die Macht. Und die Kro­ne ist die „Gewal­ter­zäh­lung“. Ohne die Kro­ne wird ein noch so ent­schlos­se­ner Griff nach der Exe­ku­ti­ve pein­lich scheitern.

Wel­che Erzäh­lung tra­gend wird und funk­tio­niert, ist stets abhän­gig vom gül­ti­gen Zen­tral­ge­biet der jewei­li­gen Epo­che. Nach Rolf Peter Sie­fer­le sind die Zen­tral­ge­bie­te jeweils die Kon­flikt­be­rei­che, die in einer bestimm­ten his­to­ri­schen Pha­se als ent­schei­dend ange­se­hen wer­den, wäh­rend alle ande­ren Fel­der als Pri­vat­sa­che gel­ten. Nur ein Bei­spiel: Im 19. Jahr­hun­dert wur­de die Öko­no­mie zum ent­schei­de­nen Zen­tral­ge­biet, wäh­rend Fra­gen der Meta­phy­sik in den Hin­ter­grund traten.

War­um ist dies bedeut­sam für die Aus­ein­an­der­set­zung mit der „Anar­cho­ty­ran­nei“? – Nun, weil nur eine dis­si­den­te Bewe­gung his­to­risch ange­mes­sen wach­sen kann, die die ent­schei­den­de Erzäh­lung auf­spürt, das kom­men­de Zen­tral­ge­biet, das Feld, auf dem sich alles ent­schei­den wird, und somit auch die „Gewal­ter­zäh­lung“, die künf­ti­ge Krone.

Ich glau­be, daß das Leben selbst die­ses Zen­tral­ge­biet sein wird. Schon jetzt stüt­zen sich lin­ke Gewalt­nar­ra­ti­ve mehr und mehr auf Erzäh­lun­gen von Leben und Tod. Im Kampf um das Leben­di­ge wird eine Zukunft erwach­sen, oder es wird kei­ne geben. Und eine Grup­pe ent­schlos­se­ner Män­ner, die zur Gewalt bereit ist, aber die Hege­mo­nie über die Gewal­ter­zäh­lung nicht errun­gen hat, wird eine tra­gi­sche Rand­no­tiz bleiben.

Abschlie­ßen­de Gedan­ken Schat­ten­ma­cher: Die hier auf­ge­zeig­ten ver­meint­li­chen Wider­sprü­che lösen sich auf, wenn man der Fra­ge auf den Grund geht, wie­so Macht­sym­bo­le und ‑nar­ra­ti­ve über­haupt Wir­kung ent­fal­ten: weil Män­ner mit Waf­fen bereit sind, sie zu ver­tei­di­gen. Rein theo­re­tisch ist es denk­bar, ein so über­zeu­gen­des Nar­ra­tiv zu erzäh­len, daß alle Poli­zis­ten und Sol­da­ten der BRD ihren Vor­ge­setz­ten den Gehor­sam ver­wei­gern und zur Revol­te über­ge­hen. In der Pra­xis geschieht sol­cher­lei aller­dings eher nicht. Atten­ta­te ent­fal­ten Wir­kung, wenn die phy­si­schen Kräf­te zwei­er kon­kur­rie­ren­der Sei­ten sich unge­fähr aus­glei­chen und die Aus­lö­schung der geg­ne­ri­schen Füh­rungs­fi­gur den ent­schei­den­den Aus­schlag in die­sem Gleich­ge­wicht ausmacht.

Der deut­sche Vor­be­halts­film “Venus vor Gericht”, ent­stan­den im Jahr 1941, ent­hält eine Sze­ne, in wel­cher ein Pfän­dungs­be­am­ter einem idea­lis­ti­schen jun­gen Künst­ler mit Schuld­for­de­run­gen zu Lei­be rückt, die die­ser nicht zu beglei­chen im Stan­de ist, wor­auf­hin der Beam­te die Pfän­dung von Wert­ge­gen­stän­den aus dem Ate­lier des jun­gen Man­nes beschließt. Er durch­sucht die kar­gen Hab­se­lig­kei­ten des Künst­lers und ent­deckt dabei in einem Schrank eine Haken­kreuz­fah­ne, wel­che den Beam­ten augen­blick­lich dazu bewegt, sei­ne Pfän­dung als erfolg­los zu ver­bu­chen und den Künst­ler mit natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Grü­ßen zu verabschieden.

Von mir aus mag ein sol­cher Fall ger­ne als eine (fik­ti­ve, aber vor­stell­ba­re) Situa­ti­on her­hal­ten, in wel­cher eine ideo­lo­gi­sche Über­zeu­gung einen Ent­schei­dungs­trä­ger dazu bewegt, (über­schau­ba­re) mate­ri­el­le Risi­ken und Ver­lus­te ein­zu­ge­hen, zum Woh­le sei­ner welt­an­schau­li­chen Über­zeu­gung, über wel­che er wohl nicht ver­füg­te, wenn nicht zuvor eine ideo­lo­gi­sche Kraft den poli­ti­schen Raum pro­pa­gan­dis­tisch erobert hätte.

Nichts­des­to­trotz ist leicht ersicht­lich, daß die Reich­wei­te sol­cher Effek­te nicht gren­zen­los ist, reicht und daß es gera­de in unse­rer heu­ti­gen Zeit, in der die poli­ti­sche Ener­gie all­ge­mein nied­rig und die Bereit­schaft zu ideo­lo­gisch begrün­de­ten Risi­ken gering ist, eine mate­ri­el­le und orga­ni­sa­to­ri­sche Basis braucht, um Hand­lun­gen zu erzwingen.

Soweit mir bekannt, hat bis­her kein an einer Haus­durch­su­chung betei­lig­ter Poli­zist einem Ver­tre­ter des rech­ten Lagers den glei­chen Gefal­len getan wie der Pfän­dungs­be­am­te im Film, wäh­rend sich tau­sen­de von Bei­spie­len dafür fin­den, daß Men­schen allein auf­grund mate­ri­el­len Drucks poli­ti­sche Ent­schei­dun­gen mit­ge­tra­gen haben – es ist mei­ner Ansicht nach daher gebo­ten, viel mehr Auf­merk­sam­keit und Tätig­keit als bis­her in den außer­ideo­lo­gi­schen, außer­sym­bo­li­schen, von mate­ri­el­len Bedin­gun­gen gepräg­ten Raum der Rea­li­tät zu verlagern.

– –

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Kommentare (110)

FraAimerich

11. Mai 2026 12:28

Pardon, aber da muß ich schmunzelnd an Pasolinis "120 Tage" denken: "Wir Faschisten sind die einzig wahren Anarchisten. Natürlich erst dann, wenn die Macht im Staate uns gehört!"
Siehe auch: Bandiera Nera

Franz Bettinger

11. Mai 2026 16:20

"Austausch der Entscheider-Klasse“? Früher dachte ich, Groß-Industrielle würden sich durch inkompetente Politiker nie die Wurst vom Brot holen lassen & damit Deutschland in jedem Fall in der Spur bleiben. Die Macher, die Kapitalisten, die im Hintergrund die Strippen zogen, seien ein Garant, dass das Land nicht die Bach runter ginge. Weit gefehlt! Ich weiß nicht wie Merkel der Schrecklichen gelang, alle - inkl. der eigenen BT- & LT-Abgeordneten, der Richter-Bande & der Banken, die man bis zu den unglaublichen Konten-Sperrungen prügeln konnte, vor den Karren der Zerstörung zu spannen. Sie schaffte das. Bei den Medien - dem Kaffee-Klatsch-Kabinett - war’s noch am einfachsten zu erklären. Dann zu sehen, dass die Autodestruktion nicht auf D beschränkt war, sondern fast alle Staaten des Westens einbezog, inkl. England, USA und die Schweiz! Merkel und viele andere Entscheider folgten Befehlen. Das wurde mir klar. Gab es so viel Charakterlosigkeit? Ja, es gab sie. Es gibt sie. 

heinrichbrueck

11. Mai 2026 17:15

These: Macht beruht nicht bloß auf Gewalt, sondern auf der gesellschaftlich akzeptierten Erzählung über legitime Gewalt. 
Die Nachkriegsdemokratie hängt an der Demographie der Niederlage. Dieser Widerspruch wurde nicht aufgelöst. 
Ideologien und Machtstrukturen dürfen nicht verwechselt werden. Menschen organisieren Macht, bevor Kategorienbeschreibungen auftauchen. Koordination entsteht, wenn die Sprache verstanden wird. Die Sprache ändert sich schneller als die Struktur. 
Die Elite darf ihre eigene Intelligenz nicht überschätzen, um Bestand haben zu können. 
Den Klassenkampf symbolisierte Iryna Zarutska, als sie in den falschen Bus einstieg. Ein deutliches Zentralgebiet der modernen Gegenwart. Ob hier Kultur unter- oder überschätzt wird, spielt im Lügenkarussell der verkommenen Eliten keine Rolle. Der Widerspruch läuft als vollwertig verborgener Rassenkampf. Hier sterben alle für einen. Die Falle der Unseredemokratie könnte auch eine kompromißlose Lösung bieten. 

Linker Mitleser

11. Mai 2026 17:25

Wäre ja schön, wenn man sie so einfach sondern könnte, die Realität von der Ideologie. Kann erstere doch gezwungenermassen nur durch die Linse der zweiteren erkannt werden. Realität ist nichts anderes als die Enttäuschung eines Wunsches. Diesen Sachverhalt kann man leicht daran erkennen, wenn einen der Nächste trotz gemeinsamer Sprache partout mal wieder nicht verstehen will, oder wenn ein Schlüssel nicht die gewünschte Wirkung im Schloss erbringt. Louis Althusser definierte Ideologie als „die imaginäre Beziehung des Einzelnen zu seinen realen Existenzbedingungen“. Dies bedeutet nicht, dass die Realität eine Lüge ist, sondern dass der Einzelne seine tatsächlichen, materiellen Umstände durch eine verzerrte, symbolische oder „imaginäre“ Linse erlebt, die seinen Platz in der Gesellschaft natürlich und unvermeidlich erscheinen lässt. Den „außerideologischen, außersymbolischen, von materiellen Bedingungen geprägten Raum der Realität“ gibt es schlicht und einfach nicht. „Realität“ ist die gelebte Erfahrung der materiellen sozialen Bedingungen, die durch die Ideologie so strukturiert ist, dass sie das kapitalistische System aufrechterhält und seine eigene Reproduktion sichert.

Mitleser2

11. Mai 2026 17:40

@Bettinger: Zu Krupp & Co. Zeiten war die Entscheider-Klasse abhängig vom Land. Heute sind das die sog. "Anywheres". Schauen Sie den DAX an, Höchststände, und hier geht es bergab. Das Geld dieser Leute ist in der Schweiz, Dubai (wird wahrscheinlich gerade verlagert) und Singapur. Trotzdem bleibt natürlich unverständlich, warum die die Selbstzerstörung mitmachen. Irgendwann sind sie mit ihren Investitionen ja auch betroffen. Wer die Befehle gibt (und ob es so ist), das ist die große Frage.

Franz Bettinger

11. Mai 2026 18:42

Managerialismus? Nie gehört. Die KI klärt auf: Managerialismus ist die Idee, welche das Management (Techniken) zum universellen Allheilmittel erklärt. Der Begriff ist kritisch gemeint, also ein intellektuelles Augenrollen, etwa: „Wieder ein Manager, der denkt, dass alles, von Bildung bis Gesundheit, mit Lehrplänen, Excel-Tabellen und KI-en geregelt werden kann.“ Und was sind dabei die Degenerations-Formen? Mit Sicherheit die Manager-Boni (nie Mali) und das Entkoppeln der kurzfristigen von den langfristigen Resultaten von Entscheidungen. Kürzer: Wieso wird keiner bestraft, wenn er die Telecom in den Sand setzt? Wieso bekommt der noch 50 Mio Abfindung? Das gleiche gilt für Politiker, die AKWs schreddern und Grenzen öffnen. Charles I, Maria Stuart ... verloren noch ihren Kopf für schlechtes Management. Good old times! Dahin müssen wir zurück.

Ein gebuertiger Hesse

11. Mai 2026 21:21

Sehr guter letzter Satz.

Gracchus

12. Mai 2026 00:34

Die Thesen Schattenmachers sind interessant, aber ich habe den gedanklichen Faden verloren - und wechsele von Marx zu Hegel, dass das Heute unnennbar bleibt und die Eule der Minerva wie gewöhnlich in der Dämmerung ihren Flug beginnt. Wenn wir uns bereits in der  (Eliten-)Dämmerung befinden, dann heißt von Managerialismus reden von einem gescheiterten Konzept zu reden. Angesichts des aufgeblähten völlig ineffizienten Verwaltungsapparats, der den Verwaltungsbedarf keineswegs aus der Not gebiert, sondern aus seinem eigenen unstillbaren Bedürfnis nach mehr, ist das keine allzu gewagte These, wenn Managerialismus u. a. Effizienz beinhaltet; abgesehen davon, dass es im Ausgangspunkt schon die Stirn runzeln lässt, den Staat wie ein Unternehmen führen zu wollen. Nicht deutlich wird, was rechten vom linken Managerialismus unterscheiden soll oder unter den managerialistischen Vorzeichen ein rechter Staat ist. 

Marcus AC Severus

12. Mai 2026 02:23

Ich frage mich dennoch ob der Aspekt der technischen Entwicklung bei Allem hier ausgeblendet werden kann. 
Individualisierung geht bisher mit technischem Fortschritt Hand in Hand und keiner konnte mir noch sagen, wie man das in Zukunft entkoppeln will, vorallem da wirkliche körperverändernde medizinische Fortschritte erst noch bevorstehen.
Was vor unseren Augen geschieht ist eine anthropologische Zäsur. Das wird auf alles Einfluss haben. 

Mitleser2

12. Mai 2026 08:15

@Marcus AC Severus: "Individualisierung". Sehe ich wie Sie. Deswegen gibt es ja Rechts Strömungen, die den Liberalismus als Hauptfeind sehen. Aus dem weiteren Schnellroda-Umfeld steht wohl Benedikt Kaiser stellvertretend dafür. So eine Art "Nationalsozialismus" (nur begrifflich, hat natürlich mit dem 3. Reich nichts zu tun). Mein Ding ist das nicht.

RMH

12. Mai 2026 09:11

"Was vor unseren Augen geschieht ist eine anthropologische Zäsur. Das wird auf alles Einfluss haben.  (Marcus AC Severus)"
Ja, ich empfinde den Text auch als erstaunlich im 19ten & 20ten Jahrhundert (und beim letzteren auch eher nur bis in die 80er) verhaftet, obwohl sich die Debatte ja ausdrücklich auf das begonnene & nun mehr schon zu einem Viertel absolvierte 21te Jahrhundert ausrichtet und man sich auch auf aktuelle Theoretiker bezieht. Generell ist eine Orientierung an Bolschwisten & ihren Renegaten & dem gesamten historischen Kontext intellektuell & historisch zwar interessant, Adaptionen auf das hier und jetzt sind aber - mal völlig unabhängig davon, dass die gesamten sozialistischen Bewegungen einschließlich der pseudo-rechten Ausformungen des NS & Fasch., sich moralisch selber desavouiert haben - aus meiner Sicht nicht möglich. Der aktuelle "Rechtspopulismus" muss ohne besonders ausziselierte Theorieschmieden immer wieder aufs neue ins tiefe Becken springen & einfach mit dem Schwimmbewegungen anfangen. Wird schon werden, bei dem Auftrieb, welches das momentane Wasser im Becker erzeugt. Das mag natürlich allen, die ihre berufliche Zukunft in Think- Tanks, Vorfeld, Strategiearbeit, Vorzimmern von Abgeordneten etc. sehen, nicht so schmecken, am Ende gilt aber immer: Hic Rhodus, hic salta - ohne doppeltes Theoriesprungbrett und ohne doppeltes Netz, welches auffängt.

Laurenz

12. Mai 2026 10:12

Dieser Schattenmacher-Dialog ist für mich bisher der beste in schriftlicher Form. Allerdings verschafft der aufgesetzte Stil nachwievor keine Reichweite. Wenn überhaupt, würden vielleicht 2 Mitglieder des BuntenKabinetts den Dialog verstehen, von wegen Elite. 70% der Deutschen Berufspolitik müßten ohne dieses Lebensmodel bei Aldi an der Kasse sitzen. Welcher talentierte Geist will seinen Alltag schon mit diesen Flachpfeifen verbringen? Der Dialog ist für meinen Geschmack viel zu theoretisch philosophisch gehalten & weist Recherche-Fehler aus. Wenn wir von 2,5 Mio. Opfern Pol Pots in der II. Hälfte der 70er ausgehen, ging da 1/3 der Bevölkerung, vor allem die Bildungsschicht drauf. In den brutalsten Zeiten Stalins lebte jeder 10te Sowjetbürger im Lager. Dazu kommen in der Statistik die Fluktuation, wie die Abänge zur Großen Armee. Das ist nicht nur bestrafe einen, erziehe 100. Auch das Fabulieren über den "Normie" bleibt reine Spekulation aus einer unangemessenen Position. Auch für die meisten SiN-Leser bleiben 60 oder 80 Mio. (Bürger) eine völlig abstrakte Zahl. Nur 10-15% hier (zB mutmaßlich Umlautkombinat) haben keine rein abstrakte Vorstellung solch großer Zahlen. 1 Mio. Sek. sind 12 Tage, 1 Mrd. Sek. 32 Jahre, nur mal so zum runterskalieren. Aber jemand ohne dieses komplexe Zahlenverständnis weiß gar nicht, was ein "Normie" ist.

Laurenz

12. Mai 2026 10:27

@Franz Bettinger, RMH, Mitleser2, Linker Mitleser ... Deng Xiaoping, der quasi das ganze 20. Jahrhundert erlebte, entschied Sich nicht umsonst für den Nationalsozialismus, weil dieser das ökonomisch effizienteste System darstellt. Denn nur der ökonomisch volkswirtschaftliche Erfolg eines Regimes erzeugt Zustimmung des Volkes auch ohne Wahlen. Der Aufstieg Chinas, ja ganz Ostasiens bedeutet den politisch ideologischen Erfolg, ja Sieg des Nationalsozialismus, ob uns das paßt oder nicht. Die Hintergründe sind einfach. 1. eine recht konservative Notenbank-Politik (das A & O). 2. Recht auf Privateigentum. 3. Relativ freie Wirtschaft unter staatlicher Kontrolle. Die Partei läßt keine machtpolitischen Grenzüberschreitungen von Milliardären zu. 4. Die Verwaltungsjuristen (bei uns eine Schmarotzer-Kaste) werden bei Großprojekten massiv eingeschränkt. 5. Man behält immer die soziale Frage im Auge. 6. Man plant nicht nur bis zu den nächsten Quartalszahlen, sondern für die nächsten 100 Jahre.

dojon86

12. Mai 2026 11:23

Der Liberalismus bleibt ein Feind. Er predigt die Radikalindividualisierung und verunmöglicht somit jede politische Tätigkeit. Er ist die Lehre derjenigen, die vom Ende der Geschichte im Sinne Fukuyamas träumen. Was nichts anderes heißt als die ewige Herrschaft einer Oligarchie, die sich nie wieder der Gefährdung ihrer Herrschaft stellen muss. Aber offensichtlich widerspricht es der Natur des Menschen, radikales Individuum zu sein. Das radikale Individuum scheitert ja schon ganz offensichtlich an der Schaffung neuen Lebens. Am Horizont ersteht vom neuen eine Bewegung, die den radikalen Kollektivismus predigt. Ich lehne auch diese Bewegung ab. Sie kommt nicht aus meiner Kultur. Aber leider glauben die meisten Menschen, es gäbe einen Heilsweg. Bei unbeirrter Verfolgung desselben kâme man dann in den Himmel oder mindestens ins irdische Paradies. Es gibt aber keinen Heilsweg. Jeder Weg, der ohne Maß verfolgt wird, führt in die Hölle. 

Linker Mitleser

12. Mai 2026 11:42

@Laurenz
Bin ganz bei Ihnen. Nur wer das politische Primat vor der Macht des Kapitals aufrechterhält, bleibt souverän, hat geopolitisch noch etwas zu melden. Auch nicht zu vergessen ist, dass es in China auf der untersten lokalen Ebene durchaus Elemente demokratischer Entscheidungsfindung gibt, wenn auch nur in einem spezifischen, von der Kommunistischen Partei kontrollierten Rahmen. Auf den untersten Ebenen (Dorfausschüsse, Stadtviertel) finden direkte Wahlen statt, bei denen Bewohner ihre Vertreter wählen können. Die chinesische Regierung bezeichnet ihr System als "sozialistische Basisdemokratie". Dies beinhaltet neben Wahlen auch Konsultationsprozesse, bei denen Anwohner in Entscheidungen einbezogen werden. In einigen Modellgemeinden gibt es dazu Foren oder Versammlungen, in denen Anwohner Themen wie Marktplatzregeln oder lokale Infrastrukturprojekte besprechen. Lokale Entscheidungen müssen sich aber immer in das übergeordnete System einfügen. Die Zentralregierung hat das Recht, Entscheidungen lokaler Organe aufzuheben, wenn diese als unangemessen angesehen werden. Diese lokale Partizipation ist ein weiterer Grund warum die Chinesen ihr System unterstützen. Ein Chinese hat so u.U. mehr Entscheidungsmacht als ein Deutscher. Bei gleichem oder höherem Lebensstandard.

Waldkind

12. Mai 2026 12:49

Die Ein- und Auslassungen des Schattenmachers erscheinen überraschend desorientiert. 
 
Des Pudels Kern gleich zu Beginn: "Aus meiner Perspektive ist es tatsächlich nicht von entscheidender Bedeutung, welche Kultur genau in einer rechten Gesellschaft vorherrscht, solange sie eben nicht links ist." Was soll denn das grundsätzlich für eine "Gesellschaft" sein, die so blutleer ist, dass sie nur durch Abgrenzung gegenüber der "Linken" scheindefiniert werden kann? Hier fällt jemand wieder auf das ca. 250 Jahre alte, strategisch bewährte Vertauschspiel rinks-lechts herein. 
 
Zentrales Merkmal dieser rechten Gesellschaft scheint dann noch ein rechter Staat mit "straffen Organisationen" zu sein - was für ein Werkstättengeist! Solche Rechten sind dafür prädestiniert, in ein paar Jahren die titanischen Monstrositäten des Palantir-Manifestes von Alex Karp umzusetzen (der, nebenbei, von der Nation - immerhin von lat. nasci - geboren werden - und ihrem allgemeinen Kriegsdienst faselt, gleichzeitig "Ausschlag kriegt", wenn er daran denkt, etwa eigene Kinder zu haben). Für dieses Einfangen der deutschen Rechten geht Mr. Vance ja seit geraumer Zeit schon auf Menschfang. Solche "Rechten" braucht tatsächlich kein Mensch. 

Mitleser2

12. Mai 2026 13:10

Niedlich, wie hier Sozialismus propagiert wird und Liberalismus verteufelt. Man könnte meinen, in einer Stamokap-Diskussion der 68er gelandet zu sein, nur mit umgekehrten Vorzeichen, dass nicht die Finanzoligarchie das Sagen hat, sondern die Partei. Und wie toll die chinesische "Demokratie" ist. Wenn das Rechts sein soll, dann ist es nicht mein Rechts. 

Gracchus

12. Mai 2026 14:38

Das Büchlein beginnt mich zu interessieren. Mir gefällt die "Skelettisierung". Eigentlich liefert Schattenmacher eine Machttheorie. Mich wundert dann nur, dass im Kern materielle Interessen stehen. Im Kern müsste der Wille zur Macht stehen, jedenfalls bei den Führern. Politische Macht an sich ist etwas Verlockendes, nicht erst als Mittel, meine materiellen Gelüste zu befriedigen. 

Gracchus

12. Mai 2026 14:41

@RMH: Die historischen Beispiele sind bloß heuristisch. Und ich lese sie als Beispiele, dass es - um die Macht zu erringen - weniger auf die richtige Theorie oder Ideologie ankommt, sondern auf Organisation und Strategie. Es scheint mir doch eher so, dass Schattenmacher den meisten theoretischen und ideologischen Ballast abwerfen möchte. 

ofeliaa

12. Mai 2026 15:39

Es ist immer die Frage, wer diese Kader, von denen hier im Grunde die Rede ist, stellen sollte. Wer wäre nicht dafür, wenn Deutschland wirklich wieder im Glanze dieses Glückes blühen würde, eine sichere Machtposition in der Welt innehielte und für Innovation und Kraft stehen würde? Seien wir ehrlich, wenn man der AfD beitritt und sogar ins Rampenlicht der politischen Bühne und ihrer Institutionen tritt, verliert man schnell alles. Sei es ein Auto, dann einige Familienmitglieder, die sich abwenden, dann angekündigte Arbeitsverträge und Bankkonten, von der sozialen, subtil stattfindenden Ächtung gar nicht erst zu sprechen. Nun, man möge allen viel Glück und vor allem Erfolg wünschen, die auf eine neue Machtposition Deutschlands hinarbeiten. Diesen Menschen gebührt mein Respekt und meine Bewunderung. Natürlich ist es schade, wenn man als Bürger am Ende nur zwei Kreuze setzen kann, und sonst kaum etwas beitragen kann, dass Deutschland wieder Deutschland werden würde, das wir lieben und unsere Heimat nennen könnten. 

heinrichbrueck

12. Mai 2026 16:24

Erwartungen und Folgen widersprechen sich. Die Konsequenzen werden verwaltungsstaatlich verzögert. Lebensformen werden selten durch Einsicht verändert. Das Individuum muß dermaßen gründlich befreit werden, bis der Ruf nach neuer Gemeinschaft nicht mehr nur halbherzig gefordert werden kann. Widersprüchliche Erwartungsstrukturen haben keine langfristige Legitimationsmacht. 

Linker Mitleser

12. Mai 2026 17:08

@Mitleser2
Der Kapitalismus als Ideologie propagiert die prinzipielle Austauschbarkeit von Allem mit Allem: Geschlechter, Menschen, Arbeitskraft, Waren, geistiges Eigentum, Stadtbilder und Landschaften. Alles ist austauschber, was alleine zählt ist der Preis und der Profit. Wo diese Logik knirscht, leiden die Menschen. Nationale Identität und Souveränität, sowie die Beseitigung sozialer Ungerechtigkeit, doch vor allem die Wiederherstellung des Primats der Politik unter weitesgehender Partizipation des Volkes sind die einzigen Mittel gegen diese Ideologie. Wenn Ihnen das zu links ist, würde ich gerne die von Ihnen vorgezogene Alternative erfahren. 
Zurück zum Thema. Jede revolutionäre Bewegung steht vor dem Dilemma Aktion und Bewusstsein in Einklang zu bringen, und das muss auch noch synchron und kollektiv geschehn. Korruption gleicht einer Sprache, sie kann nur gemeinsam und gleichzeitig geändert werden, ansonsten ist das Vorhaben von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Sich, wenn auch nur rhetorisch, auf Kosten der Theorie nur auf die vermeintliche Realität zu kaprizieren, ist darum vielleicht ein abenteurliches, aber sicher ein verlorenes Spiel.

Majestyk

12. Mai 2026 18:22

@ Mitleser2
"Wenn das Rechts sein soll, dann ist es nicht mein Rechts."
Ist ja auch nicht rechts, sondern nationalsozialistisch. Nur wird dies, von wenigen Ausnahmen nicht offen ausgesprochen, sondern (noch) verklausuliert formuliert. Natürlich stellen die Einflüße der internationalen Finanzoligarchie eine Bedrohung dar. Es gibt auch keinen Altruismus der Superreichen. Altruismus dient im besten Fall dazu Profitmaximierung zu verbergen, bzw. Betriebskosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen. Die Lösung kann aber nicht aus altem Wein in neuen Schläuchen bestehen. Und Oligarchen haben auch die Chinesen, angeführt vom KPCh Clan. Ein hübsches Stadion, gute Organisation und saubere Straßen sah die Welt auch 1936. Das beweist mal gar nichts.
Nehmen Sie diesen Satz: "Die Welt war immer Klassenkampf und wird auch immer Klassenkampf bleiben" Spricht für sich.

Majestyk

12. Mai 2026 19:23

@ Linker Mitleser:
Typisch linke Propaganda. Vor dem Kapitalismus zählten allein Bodenrecht und Herkunft. Durch kapitalistische Strukturen erzeugte Produktivitätssteigerungen, freier Warenverkehr und Wissensaustausch haben die Welt zu einem besseren Ort gemacht, Beweis dafür ist schon die längere Lebenszeit. 
Einfach erklärt ist Kapitalismus eine Wirtschaftsordnung, bei der Produktionsmittel in privater Hand liegen. Kapital wird investiert, um dies durch Gewinne im Wettbewerb zu vermehren. Und je weniger der Staat in diesen Markt eingreift, umso mehr wächst die Wirtschaft und damit der Wohlstand. Dass Arbeitskräfte hierzulande in der Privatwirtschaft nicht durch entsprechend steigende Löhne profitieren verdanken sie der Staatsquote und dem Prinzip Umverteilung, welches Staatsdiener und Umverteilungskleriker begünstigt. Mit linken Ideologien wurde noch nie Wohlstand erschaffen, sehr wohl aber Arbeitsplätze, Wirtschaftsleistung und damit eine breitere Wohlstandsbasis vernichtet.

MarkusMagnus

12. Mai 2026 19:31

"Ein hübsches Stadion, gute Organisation und saubere Straßen sah die Welt auch 1936. Das beweist mal gar nichts"
@ Majestyk
Ironischerweise waren jüdische Sportler unter einer Diktatur 1936 in Berlin sicherer als 36 Jahre später in München in einer Demokratie. 
Das muss man sich mal überlegen! 
Demokratie ist meiner Meinung nach verantwortungslose Unfähigkeit.

RMH

12. Mai 2026 20:00

@Majestyk, schön, dass Sie wieder einmal auf Grundsätzliches hinweisen. All die links- rechts- links Gleichschritt-Marschierer denken beim Wort Kapitalismus immer nur an fiese Monopolisten oder Oligarchen, aber nie daran, dass sie selber Kapitalisten sind, wenn sie Geld zur Bank aufs Sparbuch bringen oder das geerbte Häuschen von Oma vermieten etc. Da kommt dann immer scheinheilig, ja, da will ja keiner ran. Im Endergebnis trifft das linke "Primat" der Politik mit seinem systemimmanenten Anwuchs der Verwaltung  
https://de.wikipedia.org/wiki/Parkinsonsche_Gesetze
und damit Pfründen mit enormen "Kapitalbedarf" zu genau dem, was wir heute als zu hohe ÖD-Quote mit immer größer werdenden Steuermittelbedarf beklagen. Im Übrigen setzen die meisten marktwirtschaftlichen & ordoliberalen Ansätze durchaus auch auf einen staatlichen Rechtsrahmen durch Wettbewerbsrecht und Fusionskontrolle. Im Schwarz-weiß Schema ist das aber dennoch alles böser Kapitalismus.

Mitleser2

12. Mai 2026 20:13

@Linker Mitleser: Die  Austauschbarkeit von Geschlechtern hat mit Kapitalismus NICHTS zu tun. Alleine daran scheitern Ihre Thesen. Geschlechtervielfalt/Trans/Christopher Street Day etc. ist linksgrünwoke LGBTQ+ Ideologie. Was wollen Sie uns verkaufen?

Linker Mitleser

12. Mai 2026 20:45

@Mitleser2
Die Kosten für eine Geschlechtsangleichung hängen stark vom Umfang der gewünschten Eingriffe ab und liegen in Deutschland meist in einem vier- bis fünfstelligen Bereich. Die Preise variieren je nach Komplexität der Operationen: Mann-zu-Frau (MtF): Für Operationen wie die Vaginoplastik oder Brustvergrößerung liegen die Kosten oft zwischen 5.000 € und 30.000 €. Frau-zu-Mann (FtM): Eingriffe wie die Mastektomie (Brustentfernung) oder der Aufbau eines Penoid (Phalloplastik) können zwischen 3.000 € und 25.000 € kosten. Zusätzliche Eingriffe wie Gesichtsfeminisierungen, Stimmtraining oder Haarentfernungen können die Gesamtkosten weiter erhöhen. Die Pharma- Lobby hat ein manifestes Interesse möglichst viele Leute - speziell Vor-pubertierende - auf diesen für sie so lukrativen Trip zu schicken. Linksgrünwoke sind hier nur die verblendeten Helferlein.

Linker Mitleser

12. Mai 2026 22:49

@Majestyk
Mit Bodenrecht und Herkunft hat die Französiche Revolution aufgräumt, nicht der Kapitalismus. Alles was Sie hier als dessen Vorteile verkaufen wollen, sind das Resultat erbitterter Kämpfe der europäischen Arbeiterbewegungen:  Verkürzung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeiten, Verbot von Kinderarbeit, Einführung von Unfallverhütungsvorschriften, Sicherheitsbestimmungen am Arbeitsplatz und Hygienevorschriften, gesetzlich garantierter bezahlter Erholungsurlaub, Schutz vor willkürlicher Kündigung, Kranken- und Unfallversicherung, Einführung von Sozialversicherungen, Rentenversicherung, Finanzielle Absicherung bei Verlust des Arbeitsplatzes, Zugang zu medizinischer Versorgung, Spezielle Schutzrechte für arbeitende Mütter, Anerkennung der Gewerkschaften als Verhandlungspartner, Recht auf Streik, Kampf für das allgemeine, gleiche und direkte Wahlrecht, was zur Demokratisierung der europäischen Staaten führte, parlamentarische Vertretung von Arbeitnehmerinteressen,  Einführung von Betriebsräten, Erhöhung der Reallöhne durch Tarifverhandlungen, Zugang zu Bildung für Arbeiterkinder, allgemeine Schulpflicht.
Aber Sie können gerne weiter an die liberale Lüge vom Trickle-Down-Effect glauben.

FraAimerich

12. Mai 2026 23:05

@RMH  -  Korrigieren Sie mich gerne, wenn ich falsch liege, aber Sie sind doch so ziemlich der einzige Teilnehmer, der hier seit Jahren das Wort vom "bösen Kapitalismus" mit überlegener Ironie im Munde führt um damit jede realistische, geschweige denn kritische Perspektive auf Struktur und Funktion der entsprechenden Produktions- und Lebensweise ins Reich des Abwegigen, Dummen und Lächerlichen zu bannen? 

Laurenz

13. Mai 2026 06:11

@Waldkind ... Niemand will Sie daran hindern, Lücken in Schattenmachers literarischer Optik zu benennen, zumindest nicht das SiN-Kommentariat. Das sehe ich als Konsens an. Für meinen Geschmack gehen SiN-Debattanten meist zu sehr mit einem philosophischen Ansatz ins Rennen, wie Sie & Schattenmacher auch. Mit "alles, was nicht links ist", liegt Schattenmacher, ob freiwillig oder unfreiwillig, völlig richtig. Das, was uns als Kulturvolk ausmacht, wird doch hart bekämpft, es unterliegt quasi einem (Kontakt-)Verbot. Linke Kulturförderung dient nicht Kunst oder Kultur, sondern dem Unterhalt der eigenen Klientel auf Kosten der arbeitenden/steuerzahlenden Klasse, der Malocher. Die Produktionen des/der ÖRR/Staatstheater brauchen sich keinem Wettbewerb stellen & werden daher immer schlechter. Damit der Bürger wieder mehr eigenes Geld verdienen/behalten kann, um selbst über seine kulturellen Bedürfnisse monetär entscheiden zu können, müssen die feudalistischen Abgaben an die linksrextreme Junta rapide sinken & die Volkswirtschaft muß wieder einen Mehrwert erwirtschaften. Ohne diesen keinen Kultur-Wettbewerb. Man muß Vance nicht gut finden. Aber die Kritik an Vance resultiert meist aus der ahnungslosen Ignoranz des Machbaren in der Politik, bei gleichzeitig menschenunmöglichen Erwartungshaltungen.

RMH

13. Mai 2026 07:53

@FraA., Korrigieren Sie mich gerne, wenn ich falsch liege, aber Sie sind doch so ziemlich der einzige Teilnehmer, der, wenn ich inhaltlich etwas schreibe, darauf dann eine Art persönliche Haltungsnote verteilt, diese auf mich klebt damit eine der Schubladen, in die Sie kraft Ihrer "Überlegenheit" Debattenteilnehmer so gerne einsortieren, weiterhin die "richtige" Marke trägt. Mein inhaltlicher Hinweis, dass marktwirtschaftlich, ordoliberale Systeme immer auch Wettbewerbsrecht und Fusionskontrolle beinhalten, geht dann so schön unter und Sie können weiter ihre schwarz-weiß Malerei aufrecht erhalten. Alter Trick: Wenn man keine inhaltlichen Argumente hat, dann hau halt dem anderen auf die Nase (bildhaft gesprochen) oder markiere ihn zumindest für alle erkennbar.

RMH

13. Mai 2026 08:06

"Mit Bodenrecht und Herkunft hat die Französiche Revolution aufgräumt, nicht der Kapitalismus." & Sie, linker MItleser, glauben immer noch, dass sei das Ergebnis einer Rev. von unten, von hungernden Menschen. Bitte dazu auch Tocqueville lesen. Im Übrigen sollte Ihnen auffallen, dass fast alles, was Sie als von Arbeiterbew. "erkämpft" aufzählen, von oben nach unten durchgedrückt wurde & nicht umgekehrt & vermutlich die Mehrheit der von Ihnen genannten Errungenschaften wurden auch noch von Rechten (Bismarck) oder Nazis eingeführt (gut, die haben sich immerhin als Arbeiterbewegung verstanden). Hard-Core Linke bezeichnen diese Errungenschaften dann auch zumeist als "Paternalismus" oder konterrevolutionäre Maßnahmen. Nur um richtig verstanden zu werden, ich habe natürlich nichts gegen diese Errungenschaften, aber Töne, wie auf einem DGB -Kongressbraucht man deshalb auch nicht anschlagen. I.Ü. ist es die größte soziale Tat eines Staates, wenn er für eine stabile Währung sorgt, damit jede Lohnerhöhung auch wirklich wertmäßig eine solche ist & jeder, der fleißig & sparsam ist, sich selber eine Vermögen aufbauen kann, welches er OHNE Erbschaftssteuer an seine Kinder weitergeben kann (=großer Anreiz, Kinder zu bekommen). Sozialisten wollen das alles nicht, sie wollen nur die Rolle von Monopolkapitalisten durch den Staat ersetzen.

RMH

13. Mai 2026 08:16

2. Die Forderung nach dem "Primat der Politik" ist im Ergebnis so einzuordnen, dass der Sozialist die totale Kontrolle der Politik über privates bzw. jegliches Wirtschaften will, auch im nachhinein noch wirtschaftliche Eintscheidungen beinflussen & rückgängig machen können will, während der Ordoliberale darunter versteht, dass der Staat (was heutzutage zwar mit Parteipolitik gleichzusetzen ist, aber nicht zwingend so sein muss) einen Ordnungs- und Rechtsrahmen setzt (zu dem übrigens auch das Recht der Arbeitsbedingungen zählt!), innerhalb dessen alle Bürger, Privat- & jurr Personen völlig frei handeln können und auch darauf vertrauen dürfen, dass ihre im Rahmen dieses Rechtsrahmens getroffenen Entscheidungen und geschlossenen Verträge Bestand haben und nicht im Nachgang von irgendwem, warum auch immer, kassiert werden können. Sozialdemokratismus nutzt daher gerne den ordoliberalen Gedanken des Rechtsrahmens, um diesen über seine politische Agitation und seine Parlamentsmacht immer enger zu schnüren, bis irgendwann die Luft weg bleibt und man beim Ziel aller Sozialisten ist, totale Kontrolle des Wirtschaftslebens.

Le Chasseur

13. Mai 2026 08:50

@Linker Mitleser
Was die allgemeine Schulpflicht angeht: Die wurde zuerst  1717 in Preußen von König Friedrich Wilhelm I. eingeführt. Über seine Motivation wird zugegebenermaßen gestritten. Manche behaupten, er hätte diesen Schritt nur unternommen, weil viele junge Männer damals aufgrund der körperlichen Folgen von Kinderarbeit für den Wehrdienst ungeeignet gewesen seien. Vielleicht hat der König auch erkannt, dass Preußen vor allem die Potentiale seiner Bewohner ausschöpfen muss, um erfolgreich zu sein.

dojon86

13. Mai 2026 09:15

@RMH Sie haben natürlich recht. Viele sozialpolitischen Reformen wurden von Bismarck und Hitler durchgesetzt. Doch geschah dies bei Bismarck, um der gefürchteten Revolution (im 19. Jahrhundert der Alptraum europäischer Eliten ähnlich der heutigen Furcht vieler Europäer vor dem Islam) den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die Nazis fürchteten bei ihrem Kriegsprojekt wiederum den roten Sturm, der das kaiserliche Heer endgültig zertrümmerte. In beiden Fällen war es die Furcht vor der radikalen Linken, der eine Sozialpolitik erzwang. Ohne diese Furcht, keine Sozialpolitik.

dojon86

13. Mai 2026 09:42

@RMH 13. 5. 18:16  Sie haben natürlich recht. Linke träumen von der totalen Kontrolle der Politik über die Wirtschaft. Das muss scheitern. Ordoliberale schlafen in der Regel traumlos (wer Visionen hat, braucht einen Arzt) aber ihr System führt immer zur totalen Kontrolle der Wirtschaft über die Politik. Der von ihnen genannten, durch die Politik bestimmte Handlungsrahmen der Wirtschaftsakteure ist im liberalen System wenig mehr als ein durch die mächtigsten Wirtschaftsakteure selbst bestimmtes Regelwerk, welches sie begünstigt. Oder haben sie sich nie gewundert, warum die großen Wirtschaftsakteure nichts gegen die zunehmenden Reglementierungen unternehmen. Ich kann ihnen sagen warum. Weil diese Reglementierungen den kleinen Eckwirtshäusern schaden, nicht aber Mc. Donalds mit eigener Rechtsabteilung.

Guilelmia

13. Mai 2026 09:42

Meine grundsätzliche Frage an den Schattenmacher und die Vertreter der quantitativen Sozialwissenschaften lautet: Woher kommt die Differenzierung links vs. rechts?! Warum halten Sie trotz Ihrer angeblichen mathematischen Kompetenzen daran fest, und wie lange noch – 100 oder 1000 Jahre?
Die Kunst der Wissenschaft, quantitativ und qualitativ, besteht doch darin, Theorie und Empirie sinnvoll miteinander in Beziehung zu setzen und dann die Ergebnisse sinnvoll zu interpretieren. Wie es sich bei Partei- oder Staatspropaganda verhält, vermag ich nicht zu entscheiden.

Majestyk

13. Mai 2026 10:06

@ MarkusMagnus:
Auf die Sicherheit ausländischer jüdischer Sportler bei den Olympischen Spielen von 1936 verweisen, das ist schon kein Zynismus mehr, sondern Angesichts der Schikane deutsch-jüdischer Sportler menschenverachtende Geschichtsklitterung. 
@ Linker Mitleser:
Die Sozialversicherung hat Bismarck eingeführt. hre Realitätsverleugnung ist ein schönes Beispiel für das eigentliche Problem im Land. Daran sollen sich aber andere abarbeiten
@ RMH:
"Sozialisten wollen das alles nicht, sie wollen nur die Rolle von Monopolkapitalisten durch den Staat ersetzen."
Auch dies. Vor allem aber treten Sozialisten gerne nach unten. Man schaue sich doch derzeit wieder den DGB an. Denen geht es doch nicht um Erhalt von Arbeitsplätzen oder daran Arbeitslose wieder in die Betriebe zu holen. Politik und Medien hätten niemals das Märchen der Fachkräftemangellüge erzählen können gegen die Gewerkschaften. Deren Macht und vor allem der Gewerkschaftszwang muß unbedingt gebrochen werden. 

Gracchus

13. Mai 2026 10:24

Ooch nee - nicht schon wieder eine Kapitalismus-Debatte.
Meine Definition von Kapitalismus kurz und bündig: Nihilismus-in-Aktion.
@RMH: Das ist doch unter deinem Niveau! 
Es muss doch in einem Forum wie hier möglich sein, ein Problem anzusprechen, für das es nicht ohne Weiteres eine Lösung gibt, und der "Kapitalismus" ist eins. Sich da Sand in die Äuglein zu streuen, hilft nichts. 
 

Waldkind

13. Mai 2026 10:40

@Laurenz:Alles, was hier oder in vergleichbarer Form woanders diskutiert wird, bewegt sich zwischen den Extremen vergeistigter Theologie /Philosophie und unmittelbarem Handeln. Die Goldene Mitte liegt je nach Interpretation irgendwo dazwischen. Unsere Einschätzung unterscheidet sich da naturgemäß.
Wenn ich Sie richtig verstanden habe, sind Sie der Ansicht, dass es sich bei meinem obigen Beitrag nur um Kritik an der Optik gehandelt habe, wo doch aber politisches Handeln angezeigt sei. Nun, einen Mangel an politischem Handeln über alltägliches Verhalten hinaus kann man mir - je nach Standpunkt - sicherlich vorwerfen; ich halte es ehe für überbewertet und Politik nur für ein nötiges Übel. Wo man aber durch solches Handeln versucht, erwünschte Lebensverhältnisse herzustellen, sollte man sich sehr grundsätzlich überlegen, worin diese Lebensverhältnisse überhaupt bestehen (sollen) und durch welche Maßnahmen und in welchen pragmatischen Bündnissen man diese herbeiführen möchte. Mir scheint ein Anbiedern an den gottlosen Thiel-Komplex mit seinem Geschöpf Vance und seinen Ideologen wie Yarvin oder Karp keine Alternative zu sein. Die haben mit Kultur, zumal mit deutscher, überhaupt nichts mehr zu schaffen. Das heißt natürlich nicht, dass ein Vance nicht auch etwas Wahres an- /aussprechen kann. Und wenn man mit Vorsicht an die Sache herangeht, kann man vielleicht auch klug zwischen den verschiedenen Titanenfronten hindurchlavieren. Sie bleiben aber Knochen- und vor allem Seelenmühlen. 

Waldkind

13. Mai 2026 10:43

Noch mal @Laurenz:
Unbedingt zustimmen möchte ich Ihnen bzgl. Ihrer Forderung, sämtliche Abgaben an den Staat drastisch zu reduzieren. Erst dann wird sich wieder eine nennenswerte und sicherlich auch reichhaltige, echt vielfältige Kultur auf allen Gebieten entfalten können. Diese wird aber zwangsläufig und auch wünschenswert regionalen und subsidiären Charakter haben und eben keine straffe Staatskultur mehr sein.

FraAimerich

13. Mai 2026 11:04

@RMH  -  Ach was, ich bettle doch nur um Ihre Aufmerksamkeit. Wieso sollte ich Sie denn "markieren" - und für wen? Jeder hier kennt doch Ihre unerschütterlich pro-kapitalistische Haltung und Neigung, beim sachtesten Hinweis auf bestehende Vorbehalte auf abwegigste Nebengleise bis zum Sparbuchbesitzer umzulenken.
Die Segnungen des "Ordnungs- und Rechtsrahmens", innerhalb dessen man sich "völlig frei" am Markt beteiligen darf, sei es mit seinem Sparstrumpf und Zahnbürstchen oder aber als Global Player um Kapital zu akkumulieren und Renditen zu verwirklichen, machen die grundsätzliche Kritik einer Produktions- und Lebensweise, die auf grenzenlose Vernutzung und Vermassung hin angelegt ist, nun mal nicht obsolet.

RMH

13. Mai 2026 11:28

dojon86, Sie machen natürlich den Punkt, wenn Sie richtig feststellen, dass größere Firmen besser mit Regularien & Auflagen zurecht kommen als kleine, da sie eigene Compliance-Abt., Rechtsabt. etc. aufgrund ihrer Größe mit durchfüttern können. Dennoch stelle ich Ihre These in Zweifel, dass es Wirtschaftsverbände oder andere Wirtschafts-Lobbies gewesen seien, welche diese Überregulierung herbeigeführt haben, im Gegenteil, diese führt doch auch gerade dazu, dass große Firmen, die als "anywheres" entsprechend global agieren, unser Land verlassen. Das Regulierung & vermeintlich gut gemeinter Schutz bspw. Große begünstigt & Kleine benachteiligt, sieht man plastisch am dt Mieterschutz. Dieser begünstigt geradezu die großen Immobilieneigentümer, da diese Vermietung nach dem Prinzip, wenn ich 1000 Wohnungen habe, können 50 davon immer leerstehen, prekär sein, mit Nomaden, die rausgeklagt werden müssen etc., wird alles von den 950 anderen Mietern finanziert, betreiben. Der Handwerksmeister, der für seine Altersversorgung das typische 3- 6 Parteienhaus gebaut hat, trifft bereits 1 Zecke im Haus bis ins Mark. Und so wird Vermieten für kleine unattraktiver. Mehr Wettbewerb wagen ist die Devise, es nützt kleinen mehr, als großen und spricht gerade für meine Ausführungen.

RMH

13. Mai 2026 11:43

@Gracchus, bitte meine weiteren Beiträge auch noch lesen. Im Übrigen ist Kapitalismus eine linke Feindbeschreibung & Kapitalist eine Feindmarkierung, mit welcher eine Gesellschaft in Klassen aufgeteilt wird. Erst mit dieser Aufteilung wird Klassenkampf möglich. Alle Nicht-Linken sprechen von Wirtschaft, Marktwirtschaft & gerade in Deutschland auch von Volks(!)wirtschaft. Die Annahme des Begriff "Kapitalismus" durch Rechte ist ein Erbe des Befalls der Rechten & Konservativen durch nationalsozialistische Parasiten (& auch Folge davon, dass unter Rechten eben viele ehem. DDR-Bürger sind, für die Kapitalismus ein normaler Begriff wie Seife, Butter, Brot ist). Es gibt "Kapitalismus" als Begriff erst seit dem Linke diesen zur Feindmarkierung einführten (Louis Blanc, Karl Marx, in Deutschland dann auch W. Sombardt, ein Sozialist & National-Sozialist!). Wenn es mal wieder was mit einer neuen Rechten werden soll, dann darf diese auch ein bisschen Sprachhygiene betreiben & der Begriff "Kapitalismus" sollte nicht einfach nachgeplappert oder in den alltäglichen Sprachgebrauch übernommen werden. PS: Klar, jetzt kommt bestimmt der Vorwurf, ich wolle Sprach-Polizei betreiben ...

Laurenz

13. Mai 2026 11:45

@Waldkind @L. ... Sie haben bemerkt, daß Sie mir eigentlich in der Systematik Schattenmacher viel zu nah sind. Nach meiner Überzeugung geht der Einfluß der Philosohpie auf die Realität quasi gegen 0. Platons Einfluß auf die Spartaner ist natürlich absolut meßbar, wie leider auch das Scheitern der Spartaner als Platonische Kapitalismus-Kritiker. Man kann auch bemerken, daß die wieder aufbrandende Kapitalismus-Debatte mit @RMH durch Gracchus, Majestyk, Dojon86 & Ihnen, weil es so schön einfach ist, viel zu pauschal geführt wird. Mehrmals in den letzten 9 Jahren kritisierte ich auf der SiN den Geldmangel der Deutschen Rechten & forderte, mehr Kontakte zum Deutschen Kapital zu pflegen. Das wurde mindestens 1x, glaube vom Teilnehmer @Monika, als unanständig beschimpft. Es war in den USA (2010) ein Urteil des Obersten Gerichtshofs, 5 Reps vs. 4 Dems, welche die Finanzierung des Wahlkampfs durch die Corps erlaubte. Wie sollte sich ein mittelloser Politiker, wie Vance, der mit Seinem Bestseller, Hillbilly Elegy, 11-12 Mio. $ verdiente, dem entziehen? Das ist unmöglich. Also muß man, wie immer in der Politik, abwägen, nach Schnittmengen & Interessenausgleich suchen. Lesen Sie nochmal den letzten Satz meines vorigen Kommentars. Ihre 100%-Erwartungshaltung (vieler Rechter) an die Politik ist gelinde gesagt, lächerlich infanThiel. Vance kann sich also aussuchen, Thiel, Soros oder Fink? Warum scheiterte die DDR in den Wiedervereinigungsverhandlungen mit der BRD? Weil man es nicht gewohnt war, zu ver- & auszuhandeln.

Le Chasseur

13. Mai 2026 11:54

@dojon86"Viele sozialpolitischen Reformen wurden von Bismarck und Hitler durchgesetzt. Doch geschah dies bei Bismarck, um der gefürchteten Revolution (...) den Wind aus den Segeln zu nehmen. (...) Ohne diese Furcht, keine Sozialpolitik."
Das stimmt nicht. Bismarck kritisierte die Auswüchse des Kapitalismus/Liberalismus, und sah auch viele Forderungen der Arbeiter als legitim an.
"wer Visionen hat, braucht einen Arzt"
Ein saublöder Spruch von Helmut Schmidt. Fragen Sie mal erfolgreiche Unternehmer oder Erfinder, ob sie nie Visionen hatten. Jedes Ziel, auch in der Politik, ist erst einmal eine Vision. Es gibt natürlich auch solche Gestalten wie Merkel, die sich 16 Jahre lang visionslos durchwurschteln und nicht weiter als bis zur nächsten Wahl vorausdenken.

Laurenz

13. Mai 2026 12:14

@RMH & Gracchus ... an sich stimme ich Ihren Pro-Kapitalismus-Kommentaren zu, RMH. Bei Punkt 2. (Primat der Politik) werden Sie unscharf. Hier, so unterstelle ich, setzt wohl die Kritik Ihres Kollegen @Gracchus ein. Chinas Erfolg durch Nationalsozialismus basiert auf dem Primat der Politik über die privatrechtlich geführte Wirtschaft. Wenn JD Vance einen starken Staat (vs Konzerne) fordert, will Er, so unterstelle ich, nicht den informellen EU-Sozialismus einführen. ... @Guilelmia ... Die Wissenschaft ist eine arme Sau. Sie funktioniert nur nach @Franz Bettingers Goldstandards, wenn sie aus eigenen (finanziellen) Mitteln unabhängig ist.

FraAimerich

13. Mai 2026 12:25

@Majestyk  -  Die Realität verleugnet wohl eher, wer die (oben bereits angedeuteten) Gründe Bismarcks ausblendet, um einen @Linken Mitleser en passant  "widerlegen" zu können.
Ein Ausdruck der verkrampften Rechts-Links-Schematik hier. Selbst rechte Kapitalismuskritik wird zur Not einfach als "links" oder "Schwarz-Weiß-Malerei" abgetan. Gerade von Leuten, die sich sonst auf Ihre Ausgewogenheit und Sachlichkeit viel einbilden.
Alles nurmehr grotesk.

Le Chasseur

13. Mai 2026 15:19

@Laurenz
"Warum scheiterte die DDR in den Wiedervereinigungsverhandlungen mit der BRD? Weil man es nicht gewohnt war, zu ver- & auszuhandeln."
Ich würde sagen, weil die DDR-Bürger der Regierung unheimlich Druck machten und auf eine schnellen Anschluss drängten. Dass ihnen die westdeutschen Brüder wirtschaftlich das Fell über die Ohren ziehen würden, wie sie es dann taten, konnten sie sich in ihrer Naivität nicht vorstellen.

dojon86

13. Mai 2026 15:32

@Le Chasseur Bezüglich Merkels visionslosem Weiterwurstelns haben sie natürlich völlig recht. Es lässt tief blicken, dass gerade sie sich trotzdem lange Zeit der Zustimmung der Bundesbürger erfreuen durfte. Und ich schätze die Mehrheit der bundesdeutschen Eliten als Gefühlsliberale und lange Jahre gleichzeitig auch als Merkel Fans ein. Darum habe ich den Satz "Wer Visionen hat, braucht einen Arzt" mit ironisch polemischer Bedeutung verwendet. Helmut Schmidt kam ja nicht umsonst mit dieser Bemerkung bei den Bundesbürgern damals sehr gut an. Aber irgendwie ist das verständlich. Die Menschen in unserem Land sehnen sich halt nach einem ruhigen Fahrwasser und einer berechenbaren Politik, und das alles bleibt wie es ist und es somit keine Visionen braucht. Aber die Zeiten sind nicht so. 

RMH

13. Mai 2026 16:18

"pro-kapitalistische"
@FraA. Sie bestätigen Ihre Neigung, Etiketten zu verteilen. Ich äußere pro-marktwirtschaftliche und pro-ordoliberale Meinungen, woraus Sie natürlich wieder "Kapitalismus" machen. Im Übrigen gibt es auch unter Befürwortern der Marktwirtschaft genügend Kritiker von deren Auswüchsen, aber die fallen bei Vertetern wie ihnen gerne unter den Tisch, da man ja seinen "Murx" weiter verbreiten will. Zu den Kritikern von marktwirtschaftlichen Auswüchsen zählte selbst Hayek, ferner sind zu nennen die Vertreter der sog. Freiburger Schule, Walter Eucken, Wilhelm Röpke etc. Auch Max Weber ist zu erwähnen. Die Liste lässt sich sehr lang und breit fortsetzen, selbst Libertäre setzen sich regelmäßig mit den möglichen "Nebenwirkungen" ihrer Auffassungen auseinander, betreiben also "Kritik".
Also tun Sie nicht so, als ob Kritik an Symptomen einer freien Wirtschaft & Kapitalbildung nur und überzeugend mit den marxistisch-sozialistischen Klassikern betrieben werden kann. 

RMH

13. Mai 2026 16:27

@Laurenz,
ich denke, jeder hier versteht, was Sie mit der Bezeichnung von China als "national-sozialistisch" beschreiben wollen, aber irgendwie ist der Ausdruck auf China auch nicht so richtig passend, da Nationalsozialismus doch noch mehr (oder manchmal auch weniger, wenn man bspw. berücksichtigt, dass im 3 Reich Eingentum an Grund & Boden möglich war, während dieser in China in Staatsbesitz bleibt, Ausnahmen gibt es für Wohnungen/Häuser) ist als das, was wir in China erkennen mögen oder können. 

Majestyk

13. Mai 2026 17:17

@ FraAimerich:
Ein jeder interpretiert halt nach seiner Gesinnung. Faktisch hat der Sozenkrawall die Sozialgesetzgebung eher verzögert. Zugestimmt haben den Sozialgesetzen Nationalliberale, Konservative und Zentrum. Die SPD hat Bismarck schon damals korrekt als Feinde des Reichs erkannt und zurecht bei der Gestaltung jener Gesetze außen vor gelassen. Denn hast du Rote in deinem Haus gehen dir nie die Insolvenzen aus. 
Die meisten wirtschaftlichen und sozialen Probleme sind Staats-gemacht. Es sind ja nicht die Unternehmen die KV und RV gegen die Wand gefahren haben und derentwegen man erst ab August in die eigene Tasche arbeitet. Die Konzerne verantworten auch keine Energiepolitik oder den Entzug ihrer wirtschaftlichen Existenzgrundlage durch Gesetze und Verordnungen. An der Behauptung die Politik habe kein Primat kann etwas nicht stimmen. Hatten etwa Wirtschaftsverbände Lockdowns oder Sanktionen zu verantworten? Wenn BASF morgen abwandert, dann doch nicht aus reiner Profitgier, sondern um die eigene Existenz zu sichern. Natürlich geht es in der Wirtschaft auch um Pofit. Das Bild des gewissenlosen Unternehmers ist aber nichts anderes als Diffamierung, angesichts vieler Mittelständler, die sehr wohl soziale Verantwortung übernehmen.
"Alles nurmehr grotesk."
Grotest ist es, selber darauf zu pochen bloß nicht zu scharf angefaßt zu werden, aber gegenüber anderen nicht auf herablassende Süffizanz verzichetn zu können. Schön, daß ich nicht mehr der Einzige bin, der dies bemerkt. Schönen Feiertag.

Laurenz

13. Mai 2026 17:31

@RMH @L. ... Der Nationalsozialismus ist ideologisch eindeutig schlicht gehalten. Man kann ihn mehr an der teils chaotischen Ausführung in 6 Friedensjahren festmachen, vor allem deswegen, weil Post-Kriegs-Narrative der Alliierten Umerziehung bis heute so schwach sind. Das übliche Schulwissen, welches durch die Medien Tetrazonesiens rauscht, ist meist absurd, weil es schon angesichts der entscheidenden (historischen) Ökonomie scheitert. Von den 6 Friedensjahren muß man noch mal fast 1,5 Jahre abziehen, bis der Röhm-Putsch die entscheidenden, dem Nationalsozialismus die ihm zukommenden Parameter verpaßte. In China gibt es kein formales Eigentumsrecht am Boden, richtig. Es wird ein privatrechtliches Nutzungsrecht bei Privatleuten von 70 Jahren, Industrie- & Gewerbe von 50 Jahren erwirkt. Im Eigentumsgesetz der VR China http://www.chinatoday.com.cn/chinaheute/2007/200705/p11.htm prolongiert sich das Nutzungsrecht automatisch. In 2004 wurde die Chinesische Verfassung geändert. Rechtmäßig erworbenes Privateigentum wurde unter den Schutz der Verfassung Chinas gestellt.

heinrichbrueck

13. Mai 2026 17:42

"Links–rechts" setzt sich nicht durch, weil es die Realität besser beschreibt, sondern weil es einfacher zu verarbeiten, zu kommunizieren und sozial zu nutzen ist als komplexere Modelle. Komplexität kostet mentale Energie.
Viele politische Probleme lassen sich daher besser verstehen, wenn man sie direkt formuliert: Welches Problem soll gelöst werden? und Welche Nebenwirkungen entstehen durch die gewählte Lösung? Diese Perspektive verschiebt den Fokus von Lagerzugehörigkeit hin zu einer sachlichen Analyse politischer Entscheidungen. Vielleicht auch nicht. 

Laurenz

13. Mai 2026 17:53

@Le Chasseur @L. ... Sie schreiben zwar korrekt, aber der Druck, der das kurze geopolitische Fenster (die Existenz der Admin Gorbatschow) zur Wiedervereinigung offenhielt, bestand genauso für die BRD. Desaströs wirkte sich der Mangel an finanzpolitischer Kompetenz in der engeren Kohl-Admin selbst aus, was den heutigen Status der bildungsfernen Politik bereits ankündigte. Einem Ludwig Erhard oder Karl Schiller wäre diese Blamage so nicht passiert.

FraAimerich

13. Mai 2026 19:09

@RMH  -  Von mir aus können Sie mich ruhig mal wieder ansatz- und beleglos als "Murxist" markieren. Wider besseres Wissen zumal, denn was an Marx grundsätzlich abzulehnen ist, habe ich Ihnen gegenüber ja bereits einmal erläutert. Aber Sie verteilen halt selbst gern Etiketten. Zumindest was mich angeht, leider oft genug falsche - und in durchschaubarer Absicht. Das ist ja, was mich so gegen Sie einnimmt. Oder wo hätte ich je mit "marxistisch-sozialistischen Klassikern" gewunken?
 
Auch, daß die "Marktwirtschaft" vielen gar nicht frei genug sein kann, wurde von mir nie bestritten. Sondern lediglich, daß darin eine Lösung für die bekannten nicht zu leugnenden "Auswüchse" liegen könnte - über die man ohnehin besser nicht zu laut spricht, um es denen, die den Klassenkampf - frei nach Warren Buffett - von oben betreiben, ja nicht zu mühsam zu machen, ihn mit höchster Rendite gegen das Volk zu gewinnen.
 
Womit keineswegs zum Ausdruck gebracht werden soll, daß diese "Auswüchse" lediglich auf die "Gier" bzw. sonstige "Charakterschwächen" einzelner "Marktteilnehmer" zurückzuführen wären. Sie sind vielmehr systemisch verwurzelt und unvermeidlich. Aber das wissen Sie ja alles selbst.

FraAimerich

13. Mai 2026 21:20

@Majestyk  -  Sie fahren wieder Ihren üblichen Film, werfen mir vor, was Sie sich als meine Position nur einbilden. Wo bitte hätte ich in meiner Kritik je auf "gewissenlose", "gierige" Unternehmer abgehoben?
Im Gegenteil habe ich wiederholt - ich glaube, einmal konkret auch Ihnen gegenüber, als Sie mal wieder Ihre marktwirtschaftlichen Glaubenssätze herunterbeteten - angemerkt, daß es auf den Charakter oder das soziale Gewissen der "Marktteilnehmer" im Zweifels- bzw. Ernstfall eben leider gar nicht ankommt. Ebensowenig übrigens wie auf die Opferbereitschaft ganzer Belegschaften, etwa wenn es darum geht, einen kriselnden Betrieb, also sich den Arbeitsplatz zu erhalten und "konkurrenzfähig" zu bleiben.
Daß Sie das nicht nachvollziehen können, mag ja sein. Aber erwarten Sie bitte nicht, daß ich mich irgendwann selbst mit dem Zerrbild identifiziere, das Sie von mir pflegen. 

Marcus AC Severus

13. Mai 2026 22:40

Rege Diskussionen hier.
Der chinesische Weg bleibt der chinesische Weg und hat nichts mit einem NS zu tun. 
China ist eine teils gelenkte, teils ultraliberale Marktwirtschaft mit sehr hoher Innovationskraft. Außerdem sind junge Chinesen zum Teil extrem liberal. Es gibt Strukturen von Außen als Fassade die innerlich längst ausgehöhlt worden sind. Die Geburtenrate ist teils niedriger als bei "Bio-Deutschen" und die 1-Kind Politik ist nicht der Hauptgrund hierfür gewesen.
Der Individualismus ist technologisch bedingt und ironischerweise wird eine Verbindung von Technik und Mensch dann zu einem neuen Kollektiv führen. Individuum und trotzdem Teil des "Hives". Das ist auch nicht Sci-Fi oder ein liberaler Fiebertraum, sondern die Konsequenz wenn man irgdnwann gedanklich Internetzugang haben wird. Erste rudemintäre Pilotprojekte gibt es bereits (Neuralink).
Darauf wird man als Rechte eine Antwort finden müssen, weil man sich dem einfach nicht verschließen können wird. 
Sobald ein Durchbruch bei KI gelingt wird es Schlag auf Schlag gehen. Exponentielles Wachstum (Etwas womit das menschliche Hirn sich seit jeher schwer tut)
 
 

Marcus AC Severus

13. Mai 2026 23:00

@Linker Mitleser 
Linke oder Kommunisten erinnern heute mit ihrer Kapitalismuskritik an radikale Islamisten, die alles westliche ablehnen, dann aber doch die Errungenschaften westlicher Nobelpreisträger in ihrem Leben nicht missen wollen. 
Kaufen Sie sich doch mit 1000 Genossen ein Stück Land irgendwo auf der Welt und implementieren ihr Paradies, ganz ohne kapitalistische Errungenschaften. Wahrscheinlich würde irgendeine buntdeutsche Stiftung Ihnen sogar dabei helfen. 
Hic Rhodus, hic salta! 

Marcus AC Severus

13. Mai 2026 23:41

@Guilelmia
Die Unterteilung ist durch die menschliche Psyche bedingt, die angelehnt an die sinnlich wahrnehmbare Umwelt (simplifiziert: Licht - Dunkelheit, Fühlen - Nichtfühlen) auf dualistische Aufteilungen evolutionär geeicht ist.
 
 
 
 

Gracchus

14. Mai 2026 00:39

@RMH, Majestyk
Ich würde darum bitten, zur These von Linker Mitleser, 12.5., 17.08 Uhr, substantiiert Stellung zu nehmen. Zur These wohlgemerkt (nicht die Forderung nach dem Primat der Politik). Also ich paraphrasiere: Die totale Austauschbarkeit liegt in der Logik des ausschließlich an Profitmaximierung orientierten Kapitals, und dieses kann nicht anders, als alle Lebensbereiche zu kapitalisieren und einer Kosten-Nutzen-Rechnung zu unterziehen. Ich habe mich an anderer Stelle ähnlich geäußert. Hiergegen habe ich noch kein triftiges Argument gehört. 
Also bitte, mein Herren: Bühne frei!
 
 

Linker Mitleser

14. Mai 2026 09:02

@ Marcus AC Severus
Das ich nicht lache! Ganz im Gegenteil, werter Severus! Der Sozialismus hat in allen seinen Schattierungen (ich weiss, bei Ihnen gibt es nur den Stalinismus) eines gemeinsam: Die Errungenschaften der modernen Industrie und der modernen Wissenschaft sollen ALLEN zu Gute kommen. Vor allem aber denen, die entscheidend an deren Produktion mitwirken, die einfache Arbeiterschaft. Das hat mit dem steinzeitlichen Moderne-Verweigerern von der Islam-Fraktion gar nichts zu tun.
@ Gracchus
Wer nicht über das Primat der Politik diskutieren will, bleibt die Antwort schuldig, welcher gesellschaftlicher Komplex den statt dessen die Entscheidungen über das Schicksal einer Nation treffen sollte. Vor allem wenn mit dem Primat der Politik die demokratische Entscheidungsfindung gemeint ist, die eben nicht, wie beim Primat des Kapitals, nur von Profitinteressen geleitet sein muss.

RMH

14. Mai 2026 10:14

@Gracchus, "substantiiert", also mit Beweisangeboten, Anlagen, Fußnoten etc. bekommst Du von mir in einer Online-Debatte schon wegen des Formats & der Zeichenbegrenzung keine Antwort. 
Teil 1: Aber der genannte @Linker Mitleser verschafft uns in seinem Beitrag den richtigen Einstieg. Er schreibt von Kapitalismus als Ideologie & trifft damit den Punkt, dass es "den Kapitalismus" nur als Gegenthese innerhalb der Ideologie, der Zivilreligion der Linken, des Marxismus gibt. Während fast alle marktwirtschaftlichen Autoren ihre Thesen, Beobachtungen, Berechnungen immer kritisch rational (Popper) & oft als Einzelaspekte unter dem Vorbehalt ceteris paribus formulierten, kommt Marx eben als ökonomischer Welterklärer daher, der die Gesetze des "Kapitals" erkannt, durschaut hat & daher prophetengleich letzte Wahrheiten formulieren kann. Marx hat bekanntermaßen Hegels Dialektik & damit Idealismus in Reinform übernommen. Nachvollziehbar begründet ist die Linke/Marxismus daher für Voegelin eine POLITISCHE RELEGION. Auch Du, Gracchus, formulierst mit Deinem Beitrag, ggf. unbeabsichtigt, einen marxistischen Glaubenssatz. Der sich von Marx nun distanzierende FraA. operiert aber in seiner Antwort auf @Majestyk auch wieder mit typisch marxistischen Glaubenssätzen von inneren Gesetzmäßigkeiten, die von guten Willen nicht beeinflusst werden könnten.

RMH

14. Mai 2026 10:15

Teil 2: Der Dissens zwischen @FraA und mir ist mithin eher der zwischen einem Gläubigen und einem Ungläubigen, was FraA aber nie ohne persönliche Noten sachlich so formulieren kann. Zusammengefasst ist linke Dialektik als politische Religion nicht so hart am Ball, wie rechter Realismus. Mit Gläubigen kann man auch nicht diskutieren, wenn man kein Missionar ist, der aber bekehren will. Dass es einen Kapitalismus gibt, der nicht anders "kann" negiert die Entscheidungsfreiheit der einzelnen Akteure. Als aus der Insolvenzverwaltung kommend, kann ich bestätigen, dass ein hohes Maß an Insolvenzen durch menschliche Fehlentscheidungen bedingt sind & eben nicht wie Gottes Zorn aufgrund "kapitalistischer Gesetzmäßigkeiten". Wenn Superreiche sich paternalistisch wohlwollend zur Belegschaft verhalten oder  "humanistisch" oder sonst ideologisch-geistlich-religiös verwirklichen & Strippen ziehen, ist das kein Ergebnis des Kapitalismus, sondern doch wohl ihrer Entscheidungen, die sie dank ihres "Vermögens" besser umzusetzen "vermögen" als andere (das formuliere ich ohne WERTUNG). Das Ganze lässt sich noch verlängern. Marx ist Murx und politische Religion. Die Glaubenssätze, dass "das Kapital" IMMER, gesetzmäßig dieses oder jenes, braucht man nicht nachzubeten. Die Volkswirtschaft hält genug rationalere Erklärungen bereit und man braucht keiner Zivilreligion anzuhängen, wenn man Volkswirtschaften Rahmenbedingungen vorgeben will.

FraAimerich

14. Mai 2026 10:24

@Gracchus  -  Nur beiläufig: Seit Sie aus Ihrer Osterpause zurück sind, sind Sie in beeindruckend guter Form. Fürchte freilich, daß Ihre Frage unbeantwortet bleiben, bestenfalls banal umgelenkt werden wird.

RMH

14. Mai 2026 10:40

@Linker Mitleser, bitte bedenken Sie, man braucht überhaupt erst einmal "Profit", damit man etwas haben kann, was "Allen" zu Gute kommen kann. Unser herrschender Sozialdemokratismus versucht das über Abschröpfen der Leistungsträger (was sich nicht als ausreichend erweist) & Geldschöpfung via Notenpresse zu bewerkstelligen (Schulden). Das Ergebnis sehen wir live & Echtzeit. Kein Staat kann aus dem Nichts leben, keine Politik "Primat" sein oder setzen, wenn es zuvor nicht Menschen gibt, die mehr tun, als von der Hand in den Mund zu leben & dies auch WOLLEN & entsprechend motiviert sind. Alle sozial. Modelle sind in der Praxis daran gescheitert, dass sie am Ende nicht genug "Profit" erwirtschaften konnten, um die Ausgaben für die Allgemeinheit & vor allem den soziali. Verwaltungs-, Bonzen-, Polizei-, Geheimdienst- & Militärapparat zu finanzieren. Von nichts kommt nichts. Warum sollte ein einzelner für so ein System volle Leistung oder überhaupt Leistung bringen? Die größte Motiviation für die Masse der Einzelnen ist, dass sie oder ihre nächsten Angehörigen etwas davon haben. Ausnahmen bestätigen die Regel & nicht ohne Grund, ist die Erziehung zum soziali. Menschen, mithin das Um- & Verbiegen von Menschen, ein Schwerpunkt sozial. Staaten.

Plus Ultra

14. Mai 2026 10:49

Der "harte" Materialismus eines Schattenmachers erscheint mir irgendwie als - vermutlich komplementär notwendiges - Gegenstück zum eher "weichen" Idealismus eines M. Sellner. So meine ersten Gedanken, wobei mir Schattenmacher und seine Theorie vom "Managerialismus" von YT Beiträgen her schon geläufig ist. Beide Zugänge haben sicherlich ihre Berechtigung. Die Komplexität sozialer Gebilde bedingt es wohl, dass man das Pferd tatsächlich von verschiedenen Seiten her aufzäumen kann, und es nach Möglichkeit auch so angehen sollte.

Laurenz

14. Mai 2026 11:04

@Gracchus @RMH, Majestyk ... totale Austauschbarkeit liegt in der Logik des ausschließlich an Profitmaximierung orientierten Kapitals, & dieses kann nicht anders, als alle Lebensbereiche zu kapitalisieren & einer Kosten-Nutzen-Rechnung zu unterziehen. ... Ordoliberal scheint nicht da zu sein, also antworte ich Ihnen.  Sie, Gracchus, & Linker Mitleser gehen von einer falschen Prämisse aus. Wir leben nur bedingt im Kapitalismus, der militärisch-industrielle Komplex, wie die Raumfahrt, waren meist im Mono-/Oligopol ziemlich sozialistisch organisiert, sind wenig effizient. Kulturell ist da das historisch Deutsche Ingenieurswesen mit schuld. Die NASA oder das Pentagon müssen Aufträge so verteilen, daß in allen US-Bundesstaaten Zulieferer produzieren, sozialistischer Irrsinn. Die NASA verursachte astronomische Kosten mit lächerlicher Effizienz & fast keinen Ergebnissen. Dazu haben die Amis das Geld nicht mehr. Deswegen wird die NASA jetzt geschreddert & kontrolliert nur noch die Auftragsvergabe an die kapitalisch organsierte Industrie, die für einen Bruchteil der Kosten produziert. Beim Militär ist der Übergang noch nicht vollzogen. Die Aktionäre von Boeing. Lockheed Martin & Co. wehren sich gegen die Vertreibung aus dem Paradies der Steuerzahler-Vampire. Wenn Leute, wie Elon Musk, von der Landung des Menschen auf dem Mond oder Mars träumen, ist das ökonomisch, wie militärisch, völlig absurder Unfug.

Laurenz

14. Mai 2026 11:06

@Gracchus @RMH, Majestyk (2) ... Denn der Mond oder gar der Mars sind viel zu weit weg, eine einzige Geldverbrennung. Auch die Astronomie ist, bis auf die Sonnenforschung, völlig sinnlos. Sie entspricht nur der natürlichen, aber irrationalen Neugierde des Menschen für einen Lebensraum in dem er nicht leben kann. Schuster, bleib bei deinen Leisten. Auch unsere Industrie hat sich immer mehr hin zum Sozialismus entwickelt. Deutsche Waffen waren schon immer zu teuer, die Armee eine Spielzeug-Verwaltung. Statt aufgrund einer starken Währung permanent in den Produktionsfortschritt zu investieren, verkauft man, seit der Einführung des €s, lieber im industriellen Lotterleben über die Abwertung der eigenen Währung, wartet auf Subventionen & Steuerinfusionen des Staates. Das ist noch nicht mal soziale Marktwirtschaft. Die Deutsche Automobil-Industrie hat sich von Politikern, die kaum ihren eigenen Namen schreiben können, dazu überreden lassen, sich selbst zu vernichten. Ich kritisierte weiter oben schon mal, daß hier diese Kapitalismus-Debatte larifari komplett im linken Procedere ohne eminente Fokussierung ins Detail abläuft. Das ist ziemlich erbärmlich auf Vorwärts- oder Relotius-Niveau.

Waldkind

14. Mai 2026 11:38

@Kapitalismus, 1:
Wörter sind Schall und Rauch, erst recht solche völlig abstrakten Konzepte wie „Kapitalismus“. Es gibt keinen Grund, warum offensichtlich nicht nur belesene, sondern auch kluge Geister wie RMH oder FraAimerich – stellvertretend für viele andere hier – sich hier zu solch scharfer Abgrenzung von einander verleiten lassen sollten. Sie betonen als Perspektiven menschlichen Geistes naturgemäß ja nur verschiedene Aspekte von Vor-Gängen.
 
Kapitalismus bei Marx ist nicht „einfache“, sondern „erweiterte“ Warenwirtschaft. Produkte werden nicht mehr nur durch bloße Überzähligkeit zur Ware, auch nicht durch Serienfertigung als solcher – das ist bereits durch Depotfunde der ausgehenden Jungsteinzeit als gegeben anzunehmen. Kapitalismus liege auf Grundlage des Warencharakters der menschlichen Arbeitskraft selbst vor. Damit gehe einher, dass der Mensch einschließlich seiner Lebensverhältnisse immer mehr selbst zur Ware werde. Das „Manifest der Kommunistischen Partei“ spricht ja nicht umsonst davon, dass die „buntscheckigen Bande“ der alten Gesellschaft immer mehr zer- und durch induzierte Sachbeziehungen ersetzt würden. Kommt einem doch bekannt vor: U.a. durch Modifikation von Steuerabgaben und Versicherungsleistungen sollen Menschen dem Gesamtprozess verfügbar gemacht werden (und im Hinblick auf die zu steigernde Erwerbsrate von Frauen wird dies noch feministisch begründet.

Waldkind

14. Mai 2026 11:40

@Kapitalismus, 2:
Die „erweiterte Warenwirtschaft“ ist nun seit der endgültigen Dominanz des Finanzsektors – allerspätestens seit Beseitigung der Goldbindungen – ins sprichwörtlich Unermessliche gewachsen. Das hat mit Waren- und Marktwirtschaft nur noch am Rande zu tun, entwickelt sowohl ökonomisch als auch politisch (vgl. Karp-Manifest) ganz eigene, drastische Dynamik. Insofern kann man das wohl schon Kapitalismus, als sich selbst genügendes System, nennen.
 
Soziologisch basiert ein solches entwurzeltes und entwurzelndes System auf zunehmender Entfremdung von Arbeit als Subsistenzwirtschaft und von dem wirklichen Lebensumfeld, Familie, Sippe, Nation,… die Reise ging in die völlige Uneigentlichkeit. Wie konnte in relativ kurzer historischer Zeit eine solche Absonderung vom Gewachsenen geschehen? Ein Gläubiger könnte zu dem Schluss kommen, dass diese festgestellte Entfremdung aus dem fortgesetzten Nichtbeachten göttlicher Gebote – im Kern: Der Gottesandacht und der Nächstenliebe – resultiert. Sünde bedeutet Ab-Sonderung.

anatol broder

14. Mai 2026 11:52

@ gracchus 0:39
das kapital ist die ausgeburt der optimistischen denkweise. diese denkweise ist logisch mangelhaft, weil sie den zirkelschluss erlaubt. der mangel ist für den optimisten unbegreiflich. deshalb lacht er über den spruch vom pech beim denken nicht.
 

Artabanus

14. Mai 2026 12:11

Da sich die Diskussion ein wenig im Kreis zu bewegen scheint bezüglich des Begriffs Kapitalismus möchte ich an das Erklärungsmodell von Paul C. Martin erinnern, der den Begriff Debitismus geprägt hat. Dessen Essenz ist, dass alles auf Schulden basiert. Am Anfang steht die sog. Urschuld, die jeder Mensch gegen sich selbst automatisch hat, nämlich die Mittel zum eigenen Lebensunterhalt aufzubringen. Geld ist kein Tauschmittel, sondern übertragbare Schulden. Der Staat bestimmt, was als legales Zahlungsmittel gilt, das ist das, womit man seine Steuerschuld begleichen MUSS(hier steht immer der bewaffnete Zwang im Hintergrund). Wenn man die Dinge aus dieser Perspektive betrachtet wird schnell klar, dass ausufernde Staatsschulden das ganze System destabilisieren. Schwachsinnige Politikprojekte sind meist die Folge, die gleichzeitig die Schuldenaufnahme weiter vergrößern. So entsteht ein Teufelskreis. Am Ende bricht das ganze Gebäude der Staatsschulden und somit der Staat selbst zusammen.

Gracchus

14. Mai 2026 12:31

@Linker Mitleser
Ich habe eben keine Lösung. Ich bin gerne bereit über den "Primat des Politischen" zu diskutieren, nur müssten Sie mir genauer erklären, was Sie damit meinen, sonst klingt das wie ein bloßes Schlagwort. Die Gefahr totalitärer Herrschaft ist nicht von der Hand zu weisen. 
"Schicksal" - damit kommen wir in den mythischen Bereich. Die Schicksalsfäden werden von den Moiren oder Nornen geknüpft. Diese haben das kapitalistische Verhängnis in die Schicksalsfäden der Nation hineingewebt. Dem Schicksal sind auch die Götter (= Herrscher, Politik) unterworfen.  
 

Laurenz

14. Mai 2026 12:48

@Artabanus ... die Staatsverschuldung ist gleichzeitig erwünscht, wie trotzdem destruktiv. Das Keynesianische Luftgeld muß ja irgendwo angelegt werden. Nicht jeder liquide Unternehmer/-ung investiert per se in den Produktionsprozeß & in Wachstum. Es muß dazu eine Absatzperspektive geben. Es ist auch nicht von vorneherein gesagt, daß Investitionen in KI & Automatisierung nachhaltiger sind oder grundsätzlich die Kosten senken. Also wohin mit dem Geld, wenn es keine Staatsschulden gäbe? Das Problem hierbei ist, daß Zinsen & Renditen immer von reraler Arbeit bewältigt, erwirtschaftet werden müssen. Exakt an diesem Punkt enfesselt sich der Konflikt zwischen Arbeitnehmern & den Aktionären, Bürgern & Anleihe-Gläubigern. Hier setzt auch Marx an, ohne eine adäquate Lösung zu bieten, weil Marx nie das Ziel hatte, eine funktionierende Wirtschaft zu entwerfen. Marx suchte nur ein Tool für den Weg in den Absolutismus, die Kreation des Homo sovieticus. Man kann das natürliche Unternehmertum, die Risiko-Inkaufnahme nicht planen oder ersetzen. Erst langsam ändert sich weltweit die Sicht des Bürgers & Kleinanlegers, weg vom reinen Geldwert einer unternehmerischen Investition.

RMH

14. Mai 2026 12:59

@Laurenz, Waldkind, Artabanus,
nicht ohne Grund habe ich weiter oben in einem meiner Beiträge formuliert:
"I.Ü. ist es die größte soziale Tat eines Staates, wenn er für eine stabile Währung sorgt,"
Das war natürlich durch die Beschreibung "größte soziale Tat" zugespitzt. Man könnte es ggf. besser so formulieren, dass eine stabile Währung Voraussetzung für jeden marktwirtschaftlichen & sozialen Staat ist.
Danke für ihre Beiträge.
PS: Natürlich ist die Debatte jetzt von Schattenmachers Beitrag weg entglitten. Aber manche Kernthemen kommen eben immer wieder und mit solchen Diskussion kann jeder seine Ansichten hinterfragen, nachbessern, verändern oder auch verwerfen. 

Mitleser2

14. Mai 2026 13:42

Seltsam, wie hier auf den maximal naiven, scheuklappenartigen Sozialismusbegriff des Linken Mitlesers überhaupt eingegangen werden kann. Das reale Gegenteil sieht man jeden Tag auf der ganzen Welt. Aber die rechten Kapitalismuskritiker hier scheinen das zu goutieren. Muss man nicht verstehen.

FraAimerich

14. Mai 2026 14:15

@RMH: "Der sich von Marx nun distanzierende FraA. operiert aber in seiner Antwort auf @Majestyk auch wieder mit typisch marxistischen Glaubenssätzen von inneren Gesetzmäßigkeiten, die von guten Willen nicht beeinflusst werden könnten."
 
Drei Unwahrheiten in einem Satz. Ich fange langsam an, Ihnen Ihre manipulativen Tricksereien wirklich übel zu nehmen. Der Umstand, daß Sie gelegentlich durchblicken lassen, welche Instrumente "guten Willens" Ihnen zur Beschneidung der "Auswüchse" realkapitalistischer Marktwirtschaft vorschweben, tut ein übriges. 

Laurenz

14. Mai 2026 14:39

@Mitleser2 ... Ihre Kritik hat damit zu tun, daß weder in der Leserschaft, noch in der Redaktion, noch der Autor Leute sind, welche die Fratzscherisierung des Debatte einschätzen können. Es wird einem schwer gemacht, Sachverhalte ins rechte Licht zu rücken.

Majestyk

14. Mai 2026 14:55

@ FraAimerich:
Ich habe 18 Jahre in einem Industriebetrieb gearbeitet und mit diesem zwei Insolvenzen überlebt. Dazu gehörten Verzicht auf Urlaubstage, freiwillige Erhöhung der Wochenarbeitszeit, Verzicht auf Weihnachtsgeld, reduzierte Prämien u.a. In meinem nächsten Betrieb gab es auch eine Insolvenz, die ich dann nicht überlebt habe, der Betrieb langfristig auch nicht. Erklären Sie mir nicht die Welt, die ich praktisch erlebt habe. Ich sage, es liegt am Sozialismus in diesem Land und an staatlichen Auflagen. Genau die machen auch den Arbeitsmarkt kaputt. Einen Mangel an Arbeitskräften gab es nämlich nie, der Eindruck wird von Politik und Medien erzeugt. In einem weniger regulierten Arbeitsmarkt finden Arbeitskräfte auch viel schneller Arbeit. Selbstständigkeit ist dank staatlicher Regulierung hierzulande auch unterentwickelt. Sozial ist, was Arbeit schafft. Das ist kein Beten, da ich prinzipiell nicht bete und an nichts und niemanden glaube. Alles, was ich von mir gebe, sind Schlußfolgerungen aufgrund von Beobachtungen und Erlebnissen. Theorielastig ist an mir mal gar nichts.

Majestyk

14. Mai 2026 15:14

@ Marcus AC Severus:
Genau deswegen gehen Sozialismus und Islam ja auch Hand in Hand. Warum wohl islamisieren die Linken in Europa und Übersee?
@ Mitleser2:
Ich spiele das Spiel nicht mehr mit, frißt auch zu viel Zeit. Marxistische Theorien mit diesem pseudointellektuellem Duktus sind keine Diskussionsbasis für lebensnahe Menschen. Ich schrieb es schon oft. Theorielastiges Denken muß ein Mensch sich erst einmal leisten können. Und es kommt ja nicht von ungefähr, daß linke "Vordenker" und "Weltretter" meist aus wohlhabenden Verhältnissen kommen. Wenn ich schon so einen Stuß wie "Entfremdung von Arbeit" lese und Verklärung von Subsistenzwirtschaft. Als ob Menschen früher nicht meist nur von der Hand in den Mund gelebt hätten.
Arbeit dient primär der Existenzsicherung und ab einem bestimmten Punkt der Wunscherfüllung. Der Wunsch nach Konsum ist zutiefst menschlich. Wohin wollen diese Leute? Zurück ins Mittelalter oder in die Klankultur? Ein Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen fehlt komplett, die Ansichten sind oft nicht minder autoritär wie jene von links. Fehlt noch, daß man Kapitalisten mit Faschisten gleichsetzt, wie es einst die Kommunisten taten, um den Gegner zu diffamieren. Manch einer wünscht sich wohl einen antifaschistischen Schutzwall zurück. Daher rührt ja wohl auch das Desinteresse an unseren westlichen Nachbarländern, von anderen Tendenzen ganz abgesehen. Genau solche gedanklichen Einflüße nehmen der AfD jede Menge Potential.

Majestyk

14. Mai 2026 15:27

@ Laurenz:
"Die Deutsche Automobil-Industrie hat sich von Politikern, die kaum ihren eigenen Namen schreiben können, dazu überreden lassen, sich selbst zu vernichten."
Wer ist denn dann verantwortlich? Wirtschaft oder Politik? Und ist es noch "Überredung", wenn durch Auflagen bestimmt wie und was produziert wird und so die Produktion z.B. von Kleinwagen wirtschaftlich nicht mehr tragfähig ist? Wer verantwortet denn z.B. Abgasvorschriften? Und wenn ein Konzern wie VW etwas schummelt, dann stellen die Medien dies so dar, als wären jene Leute die Bösen. Dabei könnte man mit Schummelei Arbeitsplätze im Land behalten. Was die Politik diesbezüglich betreibt, kann man auch nicht nur mit Dummheit erklären, das ist bewußte Standortsabotage. Wer finanziert eigentlich Sabotageorganisationen wie die Umwelthilfe wirklich?
Im Übrigen halte ich den Drang das All zu erforschen für menschlich. Nach der Logik könnte man auch hinterfragen, warum der Mensch einst die Bäume verlassen hat. Immerhin kannte er sich dort ja bestens aus. Warum also Neues entdecken? Neugier und der Drang sich weiterzuentwickeln ist die wichtigste Fähigkeit des Menschen. Wir würden sonst noch in Höhlen hausen und hätten Angst vor dem Feuer. Vielleicht ist es dies, was rückwärtsgerichtetes Denken prägt, Angst vor dem Feuer. 

Artabanus

14. Mai 2026 15:50

@Laurenz
Ein weiteres Problem sind juristische Personen. Ich denke das ist es, was Schattenmacher als Managerialismus bezeichnet: der Manager einer Kapitalgesellschaft haftet nicht für Fehlentscheidungen wie ein echter Unternehmer. Deshalb benehmen sich sog. Topmanager praktisch genauso wie Politiker. Das beste Beispiel ist wie praktisch alle Deutschen Manager beim Klimaschwindel willig mitgemacht haben ohne auch nur die geringste Kritik anzubringen. Die Sozialisten hingegen wollen von ihrer Urschuld befreit werden, indem jemand anderer für ihren Lebensunterhalt aufkommen soll. Der Denkfehler dabei ist, daß das Problem damit nicht gelöst, sondern nur verschoben wird. Den Schulden stehen immer Guthaben gegenüber, weshalb eine Löschung von Schulden immer einer Löschung der Guthaben bedarf.

Gracchus

14. Mai 2026 17:03

@RMH: Ich vermisse weiterhin Ausführungen zur totalen Austauschbarkeit. Anders als Linker Mitleser sehe ich im Kapitalismus nicht so sehr eine Ideologie. Meine Kenntnis der marxistischen Lehre ist gering. Vom Kapitalismus würde ich dasselbe sagen wie Thomas von Aquin von den Sternen: Sie zwingen nicht, machen aber geneigt. Ich schaue mir einfach den Zustand unserer Kultur und Gesellschaft an und bringe sie in Verbindung mit der Form des Wirtschaftens, dem expliziten Primat, auf den alles ausgerichtet sein soll. Es scheint mir aberwitzig, darin keinen Zusammenhang zu sehen. Das Aberwitzigste ist gegen die Globalisierung zu wettern und dann zu sagen: nee, mit unserer Form des Wirtschaftens hat das nix zu tun! 
 

RMH

14. Mai 2026 17:05

@FraA, stellen Sie es doch einfach richtig, wenn ich Ihre Äußerungen aus Ihrer Sicht "manipulativ", "tricksend" oder "unwahr" darstelle (aus meiner Sicht tue ich das nicht).  Wenn Sie bspw. schreiben "Sie sind vielmehr systemisch verwurzelt und unvermeidlich" dann liest sich das für mich wie ein typischer, marxistischer Glaubenssatz. Also los, werden Sie endlich inhaltlich konkret und machen nicht Mimimi oder nehmen mir was übel. Letzteres deutet doch eher darauf hin, dass sie offenbar lieber die beleidigte Leberwurst geben, als uns alle einmal an ihren, tieferen, inneren Einblicke in systemische Vorgänge teilnehmen zu lassen. Oder aber, Sie halten die Debattenteilnehmer (einschließlich meiner Wenigkeit) für zu doof, Ihnen folgen zu können oder ihr Wissen für Geheimwissen. Dann schreiben Sie das doch auch so deutlich, dann kapiert es jeder.

Gracchus

14. Mai 2026 17:21

@Laurenz: Sie scheinen dem Schumpeter'schen Kapitalismus-Modell der schöpferischen Zerstörung - wirtschaftliche Belebung durch kreditfinanzierte unternehmerische Innovation - zu frönen. Interessanterweise prognostizierte Schumpeter, dass der Kapitalismus an seinen Erfolgen scheitern und mangels Innovation in eine "sozialistische" Bürokratie übergehen würde - was die EU angeht, scheint das nicht so weit hergeholt.
Was Staatsschulden angeht, verstehe ich ihre Position nicht. Wie bereits an anderer Stelle vermerkt, muss der Staat "einspringen", wenn Unternehmen und private Haushalte sparen, sonst fehlt das Geld im Wirtschaftskreislauf.  Volkswirtschaftlich kann man das Problem durch Exportüberschüsse umgehen. 

dojon86

14. Mai 2026 18:00

Ein bisschen geht die Diskussion in die Richtung, die die Franzosen eine "querelle allemande" nennen. (Zur Bedeutung bitte googeln) Zur Reaktion von RMH bezüglich allem, was er als marxistisch definiert, obwohl es nur eine Beobachtung des Offensichtlichen ist. Marxisten sind gute Diagnostiker aber schlechte Therapeuten. Wenn RMH daher von Murxisten spricht hat er insofern recht, denn marxistische Therapien führen zu Murks. @Gracchus, Ich stimme ihnen zu, es ist aberwitzig, die Folgen der Globalisierung zu bekämpfen und gleichzeitig  zu behaupten, das hätte nichts mit unserer Form des Wirtschaftens zu tun. @Laurenz hat pragmatisch gesehen recht, wenn er den ostasiatischen Weg lobt. Immerhin haben es Japan im 19. Jahrhundert und China im 20. Jahrhundert auf diesem Weg geschafft. Wogegen die Philippinen, die dem amerikanischen Modell folgten, so etwas wie Kuba vor Castro wurden, jedenfalls nichts Nachahmenswertes. Russlands liberale Reformen nach den Rezepten der Chicago Boys in den 90ger Jahren führten aus gutem Gründen direkt zu Putin. Xi Ping lernte daraus. Nationalsozialistisch würde ich den ostasiatischen Weg aber nicht nennen, denn dieser Begriff ist aus anderen guten Gründen verbrannt. "Preußischer Sozialismus" wäre mir lieber.

anatol broder

14. Mai 2026 18:41

@ majestyk
14:55 «theorielastig ist an mir mal gar nichts.»
15:27 «im übrigen halte ich den drang das all zu erforschen für menschlich. nach der logik könnte man auch hinterfragen, warum der mensch einst die bäume verlassen hat. immerhin kannte er sich dort ja bestens aus. warum also neues entdecken? neugier und der drang sich weiterzuentwickeln ist die wichtigste fähigkeit des menschen. wir würden sonst noch in höhlen hausen und hätten angst vor dem feuer. vielleicht ist es dies, was rückwärtsgerichtetes denken prägt, angst vor dem feuer.»
bitte stimmungsschwankungen beobachten.

RMH

14. Mai 2026 19:23

@Gracchus, ich sehe bei Dir doch eher eine ästhetische & kulturelle Abneigung gegen das, was die Moderne an Ergebnissen liefert, wozu natürlich die Konsum- & Wirtschaftswelt, mit ihrem Diktum des Wachstums dazu gehört (das es rational betrachtet nicht nur Wachstum, sondern auch Niedergang gibt, wird zu oft dabei ausgeblendet). Das kann & darf man natürlich alles kritisieren, beanstanden etc. (habe selber genug Punkte, die mir rein persönlich auch nicht schmecken, lasse mir aber auch nicht unterstellen, dass ich alles befürworte, nur weil ich marktwirtschaftliche Positionen vertrete). Das machen auch viele Volkswirtschaftler. 

anatol broder

14. Mai 2026 19:23

@ artabanus 15:50
ich halte das beispiel für nicht gut. der klimaschwindel ist eine von vielen deutschen tatsächlich gelebte religion. der einfluss der endzeitsekte reicht bis ins grundgesetz (art 143h). warum sollen ausgerechnet deutsche geschäftsleute dagegen aufbegehren?

RMH

14. Mai 2026 19:23

@Gracchus, 2: Die Frage ist nur, ob man ausgerechnet mit sozialistischen Forderungen darauf die passenden Antworten hat (sog. "Fun Fact": Auch der große und lesenswerte Schumpeter soll den Sozialismus am Ende des "Kapitalismus" sehen). Ich sehe es freiheitlich: Niemand zwingt mich zum Konsum über notwendiges hinaus. Mein persönlicher CO2 Abdruck ist vermutlich niedriger, als der von allen Klima-Jüngern etc.  Wenn jetzt aber der Staat meint, an Stelle meiner & an Stelle anderer Bürger die vermeintlich richtigen Entscheidungen zu treffen, kommen wir zu einer immer unfreieren Gesellschaft. Die Einsicht, dass man am Ende Geld nicht essen kann & das das letzte Hemd keine Taschen hat, kommt bei den meisten Menschen im Leben. Mal früher mal später. Man darf sich hier vom Medienterror, der Werbung, den ständig präsentierten role-Models auch nicht zu sehr kirre machen. Davon gehe ich bei Dir auch aus. Zur Frage der Austauschbarkeit - was gewinnen wir an Ergebnissen aus der Erkenntnis? Soll ein Staat überall einschreiten?

Linker Mitleser

14. Mai 2026 19:56

Da ich nicht weitere Energie aufbringen kann, auf die teils paranoiden Ausführungen bzw. auf die manipulativen Projektionen einiger Teilnehmer einzugehen, möchte ich kurz nochmal meinen Standpunkt zusammenfassen. Ich danke Ihnen aber ALLEN, und das meine ich ernst, für Ihre Bereitschaft mit einem politischen Gegner zu diskutieren. Also: In der derzeitigen Wirtschaftsordnung (vulgo: Kapitalismus) besitzen 1% der Weltbevölkerung mehr als die folgenden 95% zusammen. Ihr Ding? Glückwunsch! Ich bin davon überzeugt, dass wer das Geld hat, auch die Macht hat, und auch dannach trachtet seine Macht durch mehr Profit auszubauen. Alles ist für diese Macht austauschbar, und in dieser Austauschbarkeit dem Profitstreben untergeordnet. Das einzige Mittel gegen diese Pest ist die politische Souveränität einer Nation nach Innen und Aussen. Souveränität wird nur durch politische Kontrolle, oder dem Primat der Politik, erlangt. Damit ist die demokratische Entscheidungsfindung gemeint, die eben nicht, wie beim Primat des Kapitals, nur von Profitinteressen geleitet sein muss. Beispiele: Wem etwas heilig ist, verkauft es nicht, wer etwas schafft, will einen gerechten Lohn, und wer überleben will, beutet seine Umwelt nicht aus. Wenn Ihnen das zu links oder naiv erscheint, entschuldige ich mich dafür, Ihre Zeit verschwendet zu haben. Allen, denen auch nur Aspekte meiner Argumentation einleuchten, danke ich für die Geduld.

Linker Mitleser

14. Mai 2026 19:57

„In der Folge Hegels stellt Marx fest, dass die moderne Gesellschaft Individuen produziert hat, die von jeder dauerhaften Bindung »frei« sind, ja, dass sie sich aus isolierten Individuen zusammensetzt, die zunehmend voneinander getrennte Leben führen und nur noch durch den Warenaustausch miteinander verbunden sind. Er möchte eine neue soziale Bindung schaffen, da – wie schon von Aristoteles erkannt – das allererste Bedürfnis des Menschen die Bildung einer Gemeinschaft sei. Deshalb postuliert er die Vorrangstellung des Gemeinschaftlichen gegenüber dem abstrakten individuellen Subjekt sowie die Vorrangstellung des Sozialen gegenüber dem »Gesellschaftlichen«. Dabei erinnert er daran, dass das Individuum nur in und durch die sozialen Beziehungen existierenkann, die es ausmachen.“ Alain de Benoist
Hier liegt die Aufgabe.

RMH

14. Mai 2026 20:05

@Gracchus, interessant, jetzt sind wir beide bei Schumpeter gelandet (Beiträge wurden geschrieben, als sie noch nicht frei geschaltet waren).
Unabhängig davon: Hochkulturen sollen nach Nietzsche auf dem Umstand beruhen, dass es Sklaverei gibt. Lässt sich durchaus nachvollziehen, welche Schlüsse soll man daraus ziehen? Totale Askese? Ich habe auch keine Antwort darauf.

Mitleser2

14. Mai 2026 20:11

Wie repräsentativ ist eigentlich die Mehrheit des Kommentariats für die offiziellen Positionen der AfD? Wenn es so wäre, könnte die AfD meine Partei nicht sein. Was hier an antikapitalistischen Positionen vertreten wird, geht auf keine Kuhhaut. Da kann ich ja gleich die Linken wählen. 

FraAimerich

14. Mai 2026 20:21

@RMH  -  Verspüre keinen rechten Antrieb mehr, über Ihre Stöckchen zu springen. Sie kommen ja doch bei nächster Gelegenheit wieder mit Ihrer Murxismus-Ablenkung um die Ecke.
Falls Sie rechte Kapitalismuskritik jenseits von Klassenkampfgedöns und wirtschaftlichen Faktoren wirklich für eine "Geheimlehre" halten, hat @Maiordomus, der Sie bekanntlich sehr schätzt, vielleicht einige weiterführende Literaturhinweise für Sie. Was die inneren, systemischen Widersprüche des Kapitalismus angeht, greifen Sie gern mal wieder zu Schumpeter, falls Ihnen das bei der Erstlektüre entgangen sein sollte - was ich nicht glaube.
Den Rest der Leserschaft mag ich damit nicht langweilen. Ich gehe einfach mal ganz frivol davon aus, daß ein Großteil zumindest der im engeren Sinne "neurechten" Teilnehmer dem Ökonomismus, ob nun marxistisch oder kapitalistisch entfaltet, von Haus aus mit einer gesunden Distanz, wenn nicht ablehnend gegenübersteht. Regelmäßig wegen ungenügender Zuneigung zum Kapitalismus als "marxistisch" und untragbar "markiert" werde ich ja eigentlich nur immer wieder von Ihnen und Ihrem diesbezüglichen Büchsenbruder @Majestyk.
Waidmannsheil!

Majestyk

14. Mai 2026 20:56

@ anatol broder:
Was ist an Entdeckergeist und Erfindungsreichtum theoretisch? Der Unterschied zwischen Newton und Tesla gegenüber Marx und Co. ist doch wohl die praktische Anwendung. 
Mit meinen Stimmungen brauchen Sie sich nicht befassen. Ich ergründe ja auch nicht, warum Sie oftmals so klingen als würden Sie hier nur als Tourist leben. 

RMH

15. Mai 2026 07:59

@Linker Mitleser, in D zahlen die 10% der einkommenstärksten Bürger 55% des gesamten Einkommensteueraufkommens. Ich sehe bei solchen Zahlen keinen Appell, daran etwas zu änderen oder Reiche noch mehr zu besteuern, wie dies gerade SPD, Linke, Gewerkschaften tun, sondern eher den Anlass, dass ein Staat, der die nominell höchsten Steuereinnahmen trotz Krisen etc in seiner Geschichte hat, das Sparen beginnt & zwar nicht bei seinen Investitionen, sondern bei seinen genuinen Ausgaben (dürfte auch AfD Linie sein). Wenn Sie jetzt wieder die berühmte reiche Clique der 1% bemühen, welche die Geschicke der Welt (angeblich) bestimmen, dann sollte Sie zum einen berücksichtigten, dass dieses 1% dann wie viele % der Menschheit direkt & indirekt über ihren Konsum auch beschäftigen? Zudem, wer sind denn die 1% aus Ihrer Sicht? Sind dass dann Mitglieder jüd. Sekten, Freimaurer etc, wie es der Verschwörungs-Orkus regelmäßig verlautbart? Vermutlich, wenn Sie echter Linker sind, dann eben der ewige "Kapitalist". Marxismus hat zumindest den Vorteil, dass er über seine "Gesetzmäßigkeiten" abstrakter ist. Diese Hatz auf 1% ist mir zu pauschal & zu Neidgetrieben, da bin ich als Verfechter marktwirtschaftl. & ordoliberalere Positionen raus. Und nochmal: Wenn man so etwas vertritt, ist man gerade NICHT befürworter totaler laissez-faire für Investoren & Vermögende. Linke (auch unser FraA.) verschweigen das gerne, damit ihre Drama-Gebäude keine Macken bekommt.

RMH

15. Mai 2026 08:12

"daß ein Großteil zumindest der im engeren Sinne "neurechten" Teilnehmer dem Ökonomismus, ob nun marxistisch oder kapitalistisch entfaltet, von Haus aus mit einer gesunden Distanz, wenn nicht ablehnend gegenübersteht. Regelmäßig wegen ungenügender Zuneigung zum Kapitalismus als "marxistisch" und untragbar"
@FraA, man mag die Hand, die vermutlich die Merheit der "Neurechten" Teilnehmer auch füttert (= die Ökonomie, die Wirtschaft, das "kapital"), skeptisch beurteilen, kritisieren, eine gesunde Distanz haben wie man will, man muss bei jeder Kritik aber auch die Alternative dazu präsentieren, denn irgendwas will der Mensch tun & von irgendetwas leben. Da kommt von Ihrer Seiten eher ein Schleier & kein Klartext. Als Vertreter der marktwirtschaftlichen & ordoliberalen Seite, will man die Kreativität & daraus folgende Innovationskraft des Marktes (auch davon schreibt Schumpeter) sowie dessen Funktion der Versorgung der Marktteilnehmer, wozu alle Bürger gehören, erhalten, ihm da, wo es nützlich ist, freie Bahn geben & eben einen Rechts-& Ordnungsrahmen setzen, damit eben keine totale laissez-faire herrscht (selbst Libertäre haben ihre Ordnungsvorstellungen!) . Wie weit oder wie eng das sein soll, darüber kann man streiten. Der Sozialdemokratismus in D & der EU haben ihn aus meiner Sicht sehr eng gesetzt, was - siehe oben - eher großen nutzt als kleinen. Also, frei nach Lenin, was tun? Was ist IHRE ALTERNATIVE?

Le Chasseur

15. Mai 2026 08:51

@RMH
"Hochkulturen sollen nach Nietzsche auf dem Umstand beruhen, dass es Sklaverei gibt. Lässt sich durchaus nachvollziehen, welche Schlüsse soll man daraus ziehen? Totale Askese?"
Das kommt erst einmal darauf an, wie man Hochkultur definiert*. Die Pyramiden der ägyptischen Pharaoen wurden vermutlich durch Sklaven errichtet. Stellt sich die Frage, ob Menschen auch ohne Pyramiden ein gutes Leben führen könnten. Ich behaupte, ja. Abgesehen davon gab es zu Nietzsches Zeiten noch keine Traktoren und keinen Kunstdünger, von Robotern ganz zu schweigen. Die Sklavenarbeit müsste also in vielen Bereichen nicht mehr von Menschen verrichtet werden. Die Frage ist aber, was mit den Menschen passiert, die nicht mehr als Sklaven benötigt werden. Lässt man die verhungern? Oder gibt es für die ein Grundeinkommen?
*) die Grenzen zwischen Hochkultur u. Dekadenz sind fließend
 

Diogenes

15. Mai 2026 10:50

"Das kommt erst einmal darauf an, wie man Hochkultur definiert*. Die Pyramiden der ägyptischen Pharaoen wurden vermutlich durch Sklaven errichtet"
 
Die Datierung der Gizeh-Pyramiden ist längst überholt. Wer glaubt das die großen Pyramiden der Gizeh-Ebene 4500 Jahre alt sind glaubt auch das diese Anlagen/Kraftwerke Grabmäler sind. Weihnachtsmann und Osterhase lassen grüßen. Diese Schulmeinung ist derart naiv und oberflächlich, da kann man auch gleich die Kriegsschuldlüge der alliierten Feindmächte des letzten Weltkriegs übernehmen. Gerade die Falscheinordnung der Großen Pyramide anhand einer in der sog. "Entlastungskammer" von einem Briten hingeschmierten Cheops-Kartusche (es gibt in den Pyramiden keine einzigen Hieroglyphen, die einzige Symbole befinden sich über dem dreieckig zulaufenden Originaleingang (der mit Sandsein abgedeckt war) und haben im Vergleich mit deutsch-germanischen Sinnzeichen Ähnlichkeiten. Meine Theorie ist das "Atlantis" sich dort befunden hat (jenseits der Säulen des Heraklit "non plus ultra) wo sich heute das sog. "Auge der Sahara" befindet. Und das ein Kataklysmus mit großer Hitze und kinetischer Energie Nordafrika in eine Wüste verwandelt hat. Davon ließen sich auch die diversen Überflutungen (Südamerika, Sumer..) in den Mythologien weltweit ableiten, außerdem auch die unterirdischen Städte in Kappadokien (heutige Türkei). 

FraAimerich

15. Mai 2026 12:04

@Mitleser2  -  Keine Sorge, "Neurechte im engeren Sinne" sind ganz allgemein eine eher exotische Randgruppe. Ein Alain de Benoist wird ja selbst hier nurmehr erwähnt, wenn mal ein diskussionswilligen Linker vorbeischaut. 
Die AfD wird also vermutlich die vorgesehene Rolle spielen - und das Kreuzchen bei der Linken können Sie künftig dann getrost anderen überlassen.

Gracchus

15. Mai 2026 13:40

@RMH: Soweit kommts noch, hier meine revolutionären Ideen für lau auszuplaudern. Natürlich kann ich die Alternative hinsichtlich ALTERNATIVEN beraten, dann will ich aber vorher eine Honorarvereinbarung abschließen! 

FraAimerich

15. Mai 2026 14:02

@RMH: "Linke (auch unser FraA.) verschweigen das gerne..."
Ach was, ich messe Ihren "ordoliberalen Positionen" nur keine entscheidende Bedeutung zu - und habe Ihnen auch schon vor Jahren klarzumachen versucht, warum. Das war ja der Beginn unserer herzlichen Freundschaft.
 
"man muss bei jeder Kritik aber auch die Alternative dazu präsentieren"
Sehe ich grundsätzlich anders. Zur Rettung Ihrer Welt und Altersvorsorge hätte ich freilich ohnehin nichts beizutragen. Aber seien Sie unbesorgt, die Abschaffung des Kapitalismus steht nirgendwo ernsthaft auf der Agenda. Die Menschen lieben sein buntes Warenangebot und die Wundermärchen, die man von ihm erzählt. Sozialneider von oben werden folglich noch viel Gelegenheit erhalten, ihren "guten Willen" unter Beweis zu stellen. Etwa in den anstehenden Diskussionen zur möglichst umfassenden Kürzung der Grundsicherung.
 
Sei's drum. Ihren mahnenden Verweis auf antikapitalistischen Antisemitismus und Verschwörungswahnsinn sind Sie inzwischen tatsächlich auch noch losgeworden. Dann wäre wohl mal wieder alles gesagt. 

Majestyk

15. Mai 2026 16:48

@ FraAimerich:
"hat @Maiordomus, der Sie bekanntlich sehr schätzt, vielleicht einige weiterführende Literaturhinweise für Sie."
Genau das ist das Problem mit Leuten wie Ihnen. Sie lesen zu viel und leben zu wenig. Mir hat man früher gesagt, man lernt durch Zusehen und selber machen. Kein Argument der Welt wird stärker, nur weil eine andere Person ähnliches gesagt hat. Prominenz wertet ebenfalls keine Sichtweise auf, auch keine Mehrheiten. Genau deswegen braucht Demokratie vielfältige Checks and Balances um auch die Tyrannei der Masse zu verhindern. Und sei es auch eine Tyrannei, die durch geschickte psychologische Beeinflußung eben jener Masse erzeugt wird.Übrigens, Ihr seid nicht neu rechts, Ihr seid nur anders links. Deswegen gibt es auch mehr Schnittmengen mit Altlinks als mit Leuten wie mir. 
 

Majestyk

15. Mai 2026 16:52

"Da ich nicht weitere Energie aufbringen kann, auf die teils paranoiden Ausführungen bzw. auf die manipulativen Projektionen einiger Teilnehmer einzugehen" schreibt der Linke Mitleser.
Was zu beweisen war und Volksdeutscher im anderen Faden beschrieben hat. Linke diskutieren nie. Sie dozieren, möglichst in einer nicht klaren Sprache und wer widerspricht oder nicht übers Stöckchen springt wird entwertet. Entweder als dumm, ungebildet oder krank dargestellt. So läuft das immer und genau deswegen hat Volksdeutscher recht. Mit solchen Leuten diskutiert man nicht. Man ballert Ihnen einen vor den Latz und sorgt dafür, daß sie wieder in den Anarchistenkeller verschwinden. Dann herrscht womöglich wieder Ruhe und Anstand im Land.

heinrichbrueck

15. Mai 2026 17:48

So langsam verstehe ich einen Kindheitssatz, den meine Urgroßmutter sagte: "Geld ist der Teufel"; wohl im Sinne von: Geld ist ein guter Diener, aber ein schlechter Herr. 
Ein passendes System für widersprüchliche Menschen. Wo gibt es eine solche Ideologie? 
Gut wirtschaften heißt, die unvermeidlichen Widersprüche lange genug tragfähig organisieren zu können. Es kracht so oder so. Was übrigbleibt, nach dem Krachen, darauf kommt es wohl an. Auch das Krachen kann ausgenützt werden. 
Mit "jüd. Sekten" zu kommen, ist schon eine spezielle Ausweichbewegung. Rhetorischer Schutzmechanismus, Identitätsschutz, argumentative Unsicherheit - jedenfalls soll Machtkonzentration nicht so richtig kritisiert werden? Außerdem vermischt man Einkommensteuer mit Gesamtvermögen. Man kann sich darauf einigen, volkswirtschaftlich gesehen, eher suboptimal. Eine konservativ-ordoliberale soziale Marktwirtschaft. 
"Wie soll eine komplexe Industriegesellschaft praktisch funktionieren?" Funktionale Verteidigung und materialistische Skepsis in einem? Koordinationsprobleme. 
Denn dann wäre Ideologie nicht bloß "falsches Denken", sondern eine notwendige Stabilisierung. 
Vielleicht liegt genau dort der Denkfehler vieler Ideologien: Sie versprechen die endgültige Aufhebung eines strukturellen Widerspruchs. Realität ist gerade das, was der Ideologie Widerstand leistet. 

Mitleser2

15. Mai 2026 18:11

@FraAimerich: Mit Benoist kann ich tatsächlich nichts anfangen, genauso wenig wie mit seinem Apologeten Benedikt Kaiser. Damit bin ich natürlich in Ihren Kreisen unten durch, wie Majestyk und RMH. Aber Sie schreiben ja selber: "Zur Rettung Ihrer Welt und Altersvorsorge hätte ich freilich ohnehin nichts beizutragen". Dan lassen Sie es halt. Vielleicht können Sie was anderes retten.

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