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Zivilbevölkerung und Kriegsende

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Bevor man sich mit der französischen Besatzungspolitik befaßt, sollte man einen Blick auf die französische Armee im Frühjahr 1945 werfen. Im Kern war sie eine Kolonialarmee aus dem nicht besetzten Französisch-Nordafrika, bestehend aus Marokkanern, Algeriern, Tunesiern und Franzosen, ergänzt durch Untergrundkämpfer aus Frankreich, die zu einem großen Teil kommunistisch geprägt waren.
Entsprechend war auch das Verhalten der Truppe; Plünderung, Vergewaltigung und Brandstiftung waren an der Tagesordnung. Die städtische Verwaltung von Pforzheim berichtet: „Die Bevölkerung … hatte unter den Übergriffen der französischen Truppen – insbesondere der Marokkaner, die Tunesier verhielten sich durchweg anständig – aufs Schwerste zu leiden.“ Aufs schwerste zu leiden hatten auch die Bürger von Stuttgart, Reutlingen, Baden-Baden, Bruchsal und anderen Städten.
Die Hochwassermarke der Barbarei aber war Freudenstadt. Hier erreichten die Verbrechen das Niveau der Roten Armee beim Einmarsch im deutschen Osten. Obwohl die Franzosen wußten, daß sich im Umkreis von 10 km keine deutschen militärischen Einheiten befanden und die Stadt 1500 Verwundete beherbergte, beschossen sie den Ort massiv, bis schließlich etwa 650 Häuser brannten. Der französische Kommandeur verbot nicht nur das Löschen, sondern gab seinen Marokkanern auch völlig freie Hand. Fast alle Bürgerinnen Freudenstadts zwischen 15 und 60 wurden vergewaltigt und Männer, die sie verteidigen wollten, getötet. Erst nach mehreren Tagen erreichten deutsche Orts- und französische Militärgeistliche, daß das wüste Treiben offiziell verboten wurde. Die Motive dieses Kriegsverbrechens sind bis heute nicht vollständig aufgeklärt worden.
Eine Kampagne zur Säuberung der Verwaltungen und Berufsgruppen eröffneten die Franzosen im Unterschied zu den Amerikanern erst spät, am 31. Oktober 1945. Allerdings gab es vorher schon eine eher ungeordnete Jagd auf deutsche Soldaten in Zivil und „Nazis“, Denunziation und auch Korruption blühten. In Gefängnissen und Lagern waren die Insassen Folterungen und teilweise sadistischen Quälereien ausgesetzt. Von den etwa 200.000 Internierten kamen viele nicht wieder.
Über die Lage in der sowjetischen Besatzungszone – der späteren DDR – wird berichtet: Am Anfang stand vielerorts das Chaos; denn viele Beamte hatten sich beim Herannahen der Front nach Westen abgesetzt. Dann kam die Rote Armee. Sehr schnell sprachen sich ihre Grundsätze herum: Der ersten Welle gehören die Uhren, der zweiten die Weiber und der dritten die Klamotten.
Daneben herrschte permanente Faschistenjagd. Erschossen wurden mit Vorliebe Uniformträger wie Postboten, Feuerwehrleute und Eisenbahner, daneben „Kapitalisten“ wie Ärzte und Rechtsanwälte, aber auch Arbeiter und Angestellte. Der Görlitzer Pfarrer Franz Scholz berichtet: „Russische Soldaten sehen ja eine deutsche Arbeiterwohnung mit Wasserleitung, elektrischem Strom, Gardinen, Radio und Porzellangeschirr als Kapitalistenwohnung an“.

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