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wegner Nils Wegner


Kubitschek, Kositza, Kulturzeit, Klärungen

Der gestrige 3sat-Beitrag über den Protest der Bürgerinitiative „Ein Prozent für unser Land“ gegen Merkels irrsinnige Einwanderungspolitik und den Wortführer Götz Kubitschek hat für einige Irritationen gesorgt. Der großköpfige, rotweinsüffelnde Klischeezuschauer von Kulturzeit wird mit vielen Anspielungen und Zitaten wenig anfangen können und soll es auch gar nicht – aber für den Interessierten oder Sympathisanten seien einige Punkte kurz erklärt.

Schluß mit der Auflösung von Volk und Staat: Bei dem als »Bestseller« präsentierten Buch handelt es sich um die Revolte gegen den Großen Austausch des französischen Schriftstellers Renaud Camus. In dieser Auswahl seiner wichtigsten Texte legt Camus den Grundstein für einen geistigen Richtungswechsel beim Einzelnen und dem Ganzen – für den Erhalt der eigenen Kultur! Camus hat den Begriff „Großer Austausch“ für die Umvolkung Frankreichs, Deutschlands und ganz Europas geprägt.

Respektvoller Umgang: Viele Zuschauer haben den Umstand, daß sich die Eheleute Kubitschek-Kositza untereinander siezen, als befremdlich empfunden. Auch das ist ein Import aus Frankreich: Jean Raspail, der gefeierte Romancier, hat in seinem Aufsatz »Die Tyrannei des Duzens« diese Frage des Umgangs miteinander scharf analysiert. Zu finden ist dieser Text in dem kleinen Band Der letzte Franzose – zusammen mit »Big Other«, in dem Raspail den Schauder der heutigen veröffentlichten Meinung vor seinem Meisterwerk Das Heerlager der Heiligen beschreibt.

Frauen und Fragen: Seltsam erscheint auf den ersten Blick, daß Ellen Kositza die Emma liest. Doch die Geschlechterfrage ist zu Unrecht von den Linksliberalen in Beschlag genommen worden! In ihrem mittlerweile viermal aufgelegten Büchlein Gender ohne Ende hat Kositza die kranke Zerstörungsideologie der Genderpropaganda komplett demontiert und eine Neubewertung des Verhältnisses zwischen Mann und Frau begründet.

Für eine weitere Beschäftigung mit Kubitschek und seiner facettenreichen Arbeit empfiehlt sich das bald erscheinende Werk Die Spurbreite des schmalen Grats – darin blickt der Publizist auf die vergangenen 15 Jahre seiner Arbeit zurück und voraus in das widerständige Engagement bei PEGIDA, „EinProzent“ und anderswo. Und nachdem die… nicht eben wohlgesonnene Moderatorin in der Sendung selbst noch einmal den „AfD-Parteiphilosophen“ Marc Jongen erwähnte: Wer verstehen möchte, worum es bei der Begründung eines neuen geistigen Rückgrats der Deutschen geht, ihrer »Thymós-Regulierung«, und warum es »sich lohnt, wütend zu sein«, der kann einen Blick in das neueste Werk von Jongens Lehrer Peter Sloterdijk werfen. Was geschah im 20. Jahrhundert? verspricht eine Antwort auf die Frage, wohin das nationale Ethos verschwunden ist und ob man es irgendwie von dort zurückholen kann.

34 Kommentare zu „Kubitschek, Kositza, Kulturzeit, Klärungen“

  1. Fredy

    Ich fass den Beitrag mal kurz zusammen: Kaufen.

    kommentar kubitschek:
    reicht nicht. besser kaufen, lesen, nachdenken, anders weiterleben.

  2. (erforderlich)

    JAUCHE NEWS, 10.03.2016
    Widerlich! Rechtsradikaler begrapscht minderjährige, angekettete Ziege.
    Hohenroda. Wie erst jetzt bekannt wurde, ist der bekennende Rechte Götz K. beim Begrapschen einer minderjährigen Ziege gefilmt worden. K., der bislang jegliches Schuldbewußtsein vermissen läßt, rechtfertigte sein Handeln in einer ersten Vernehmung mit „traditionellen Bräuchen“. Inwieweit diese Handlungen mit Billigung oder Beteiligung seiner Frau, Ellen K., sowie der sieben gemeinsamen Kinder ausgeführt wurden, soll eine ErmittlerGruppe „MÄH“ herausfinden. Die Ziege, die einen völlig unbeteiligten und zeitweise abwesenden Eindruck machte, wurde einem Drogentest unterzogen, da in der näheren Umgebung Reste von Gras gefunden wurden. Aus Opferschutzgründen wurde bislang auf eine Vernehmung verzichtet.

  3. Hanns

    Und nicht vergessen: nach dem lesen an Familie, Freunde und Bekannte weitergeben!

  4. Heinz Obst

    @kommentar kubitschek:
    reicht nicht. besser kaufen, lesen, nachdenken, anders weiterleben.

    Exakt, das ist es!

    Wobei gerade der letzte Punkt – Stichwort ‚Lebensunterhalt‘ – den am schwersten umzusetzenden darstellt.

  5. Teresa

    Ich bin sehr dafür, dass in den Familien und Gemeinschaften an einer Umgangskultur gearbeitet wird, die von Respekt und damit auch Verantwortung füreinander geprägt ist. Jedem das Seine (und nicht „Jedem das Gleiche“) ist eine gut katholische Einstellung.

    Das Duzen an deutschen Universitäten fand ich schon vor dreißig Jahren grausam. Am Arbeitsplatz ist es leider fortgeführt worden und wird im konkreten Fall mit unserer amerikanischen Mutterfirma entschuldigt. Aber das amerikanische „You“ ist eben doch kein deutschen „Du“ und was ich bei Deutschen Vorgesetzten ablehne, kann ich Amerikanern zugestehen, weil da die Distanz auf andere Weise erhalten bleibt.

    Es wurde anfangs sehr belächelt, als ich mich geweigert habe, die Auszubildenden zu duzen und mich mit Vornamen anreden zu lassen, aber ich hatte niemals die Hierarchie-Konflikte, die meine Kollegen mit Ihnen hatten.- Nach dem gleichen Schema habe ich grundsätzlich die Freunde meiner Kinder ab dem 15. Lebensjahr mit Vornamen und „Sie“ angeredet und bei mir zu Hause haben sie sich dann auch wesentlich besser benommen, als im restlichen Freundeskreis. Ich hatte ihnen ja durch meinen Respekt Verantwortung abverlangt und entsprechendes Verhalten zugetraut. Distanz hat mit Respekt zu tun und hierzulande fehlt der sehr. Im Deutschen duzen wir selbst den Allerhöchsten, was mir immer noch schwerfällt. … (Im Lateinischen auch, aber als dem Ritus vorbehaltene Sprache, schafft das Lateinische per se Distanz)

    Ich bin als Deutsche zweisprachig aufgewachsen und „sieze“ meine besten Freunde, ja sogar meine Eltern („Frau Mutter“ und „Herr Vater“), meine Geschwister und sogar Kinder, wenn ich mit ihnen Portugiesisch spreche. In der Öffentlichkeit und vor Dritten spreche ich sie dann in der 3. Person Singular an. ‚Você‘, was dem französischen ‚vous‘ entpricht, aber eigentlich eine Verballhornung von „Euer Gnaden“ ist, ist schon dem vertraulicheren Umgang vorbehalten. ‚Tu‘ (‚du‘) ist schlecht erzogen und wird oft abwertend gebraucht. Das alles gilt allerdings nicht fürs brasilianische Portugiesisch.

  6. limette

    Wie ist Nassehis Verhalten zu beurteilen? Ich meine nicht seine politische Verortung. Wie fair blieb er?

    Wie sind die Einschätzungen?

  7. Hanns

    Mich kotzt es an, wenn ich sehe, wie Politiker oder Regierungsmitglieder sich duzen oder in Du-Form Schriftstücke und Briefe verfassen. Bei der EU ist das im höchsten Grade verbreitet. Und wenn sie sich dann vor laufender Kamera abknutschen…
    Einfach widerlich und abartig!

  8. Taurec

    Interessanterweise wurde im Mittelenglischen „you“ als Anrede des Höhergestellten durch den Untergeordneten verwandt, während der Höhere den Niederen mit „thou“ ansprach. In den niederen Schichten war der Umgang mit „thou“ untereinander der Normalfall, während in höheren Schichten selbst im familiären Umgang „you“ verwandt wurde. Gewissermaßen hat sich im Englischen das „Siezen“ als Normalfall eingebürgert. Durch die Verallgemeinerung wurden die Unterschiede natürlich ebenfalls nivelliert, aber es scheint, als hätten sich die niederen Klassen den höheren angenähert. Hingegen wird im Deutschen durch Verlust des Pathos der Distanz, Selbstaufgabe und falsch verstandene Nachahmung alles auf ein gemeines Niveau herabgezogen.

  9. Marc_Aurel

    Also ich habe mir den 3sat Beitrag angesehen, obwohl die Heuchelei natürlich nur schwer und ohne Zigarettenpause gar nicht zu ertragen ist.

    Ich bin mir in Bezug auf die Außenwirkung dieses Machwerkes nicht sicher, ob damit der Sache wirklich gedient ist.

    Interessant fand ich das Bild, dass 3sat offenbar vom Zuschauer bzw. dem „Bundesbürger“ hat. Die Macher gehen wohl davon aus, das der Zuschauer ein bestenfalls mäßig intelligenter, nicht besonders kritischer Mensch sein muss, von fast infantiler Einfältigkeit geprägt, den man mit einer Mischung aus „schlimmen Bildern“ und pseudowissenschaftlichen Geschwafel relativ leicht einwickeln, belehren und führen kann.

  10. Urwinkel

    Wie ist Nassehis Verhalten zu beurteilen? Ich meine nicht seine politische Verortung. Wie fair blieb er?

    Wie sind die Einschätzungen?

    Nassehis „Verhalten“? Eine „Beurteilung“? Dazu muß man ihn genauer kennen, über einen Briefwechsel hinaus (war vor Kurzem nicht die Rede von einer Akademieeinladung Nassehis?). Der durchschnittlich-interessierte Kulturzeitzuschauer kannte ihn vermutlich noch nicht einmal. Von daher für ihn eine Bekanntmachung in eigener Sache. Objektiv wahrgenommen: Ein kurzes, routierniert-bis gelangweilt wirkendes Nachgespräch zum Beitrag. Hätte die Redaktion an der Stelle einen Speit, eine Röppke, Strobl oder Bednarz befragt, hätte das Kurzinterview aufgeregter und alarmistischer geklungen. Von daher, dem „rotweinsüffelnden“ (Wegner) Publikum angemessen.

    Ist schon mal jemandem aufgefallen, daß die meisten schrillen Kritiker der Szene weiblich sind?

  11. Eckesachs

    @Teresa

    ,,Nach dem gleichen Schema habe ich grundsätzlich die Freunde meiner Kinder ab dem 15. Lebensjahr mit Vornamen und „Sie“ angeredet und bei mir zu Hause haben sie sich dann auch wesentlich besser benommen, als im restlichen Freundeskreis. Ich hatte ihnen ja durch meinen Respekt Verantwortung abverlangt und entsprechendes Verhalten zugetraut. “

    Hervorragend! Das leuchtet mir sofort ein.
    Da dieses Thema immer wieder angesprochen wird, scheint es Gesprächsbedarf zu geben.
    Ich selbst habe Freunde, die noch viel christlicher sind als ich. Diese siezen ihre Eltern.

  12. donna_alta

    Ich bin glücklich, fast alle Anspielungen im Beitrag verstanden zu haben, auch ohne Herrn Wegners Hinweise ;-)
    Dennoch wünschte ich mir, besonders in diesen bewegten Zeiten, irgendwoher ein paar Stunden täglich geschenkt, um neben Alltag und Beruf all die Bücher und Beiträge lesen zu können, auf die ich so große Lust hätte.
    Es ist wunderbar, dass es die sezession, den Verlag, einprozent – das Denken, Schreiben und Tun in Schnellroda gibt. Und ich fühle mich dadurch auch in meinem Denken bestärkt und möchte dafür von Herzen danken!
    Bei aller Freude über einen „gemäßigten“ Beitrag der GEZ-Zwangsmedien dürfen wir dennoch nie vergessen, was sie uns angetan haben und immernoch antun. Ich habe so ein ungutes Gefühl, daß die bauernschlauesten der – für mich noch schuldbeladeneren, als so mancher politischer Lenker in unserem Land – Journalisten ihr Fähnlein beginnen in einen anderen Wind zu hängen. Wenn ich das alles nicht schon einmal hautnah erlebt hätte!

  13. W. Wagner

    Zum Thema passend das neue Tumult-Heft !!! Irgendwie gehören Sezession und Tumult jetzt nach dem Winter-Heft und dem Frühjahr-Heft zusammen (Hatte schon abbestellt, aber das Winter-Heft war geradezu „schärfer“ als die Sezession und das auf höchstem Niveau, und das Frühjahr-Heft bestätigt die dortige „Sezession“.) Es wird also überall im Wald geschlagen. Gruss aus staufischer Ferne

  14. enickmar

    Das Siezen wird überbewertet.
    EK:Von uns sicher nicht!
    Skandinavier und Anglophone zeigen, daß ein freundlicher und respektvoller Umgang miteinander ohne das Siezen/Duzen u.U. sogar besser funktionieren kann.
    EK: Ikea, gell?
    Mir scheint mitunter sogar: Je mehr Formalitäten notwendig, desto größer der Mangel an natürlichem Instinkt.

  15. enickmar

    EK:Von uns sicher nicht!

    Den Eindruck hatte ich bisher allerdings auch nicht.

    EK: Ikea, gell?

    Ikea kenne ich nicht so gut. Dafür aber Skandinavien.

  16. Peter Niemann

    @enickmar

    Das Siezen wird ueberbewertet

    Kultur lebt von Differenzierungsmoeglichkeiten, wenn diese aufgegeben warden dann verschwinden nicht die Unterschiede, aber sie werden schwerer erkennbar und damit eine (kleine) Kulturstufe verloren. Oder: Dasz heutzutage viele Kinder anglo- und romanophone Namen im deutschsprachigen Raum tragen, ist kein Grund zum Weinen, aber einer zum Nachdenken, den es geht eine Differenzierungsmoeglichkeit verloren. Die Liste an Verlusten und stattfindenden Verlusten ist schier endlos.

    @Sezessionisten
    Wie schaffen wir es, mehr als nur Kreise des Zentrums Schnellroda zu sein? Gaebe es 1000, nein, 10000 Kubitscheks und Kositzas, dann waere Widerstand seitens der veroeffentlichenden Meinung und Konsorten nutzlos weil die Rechte gewonnen haette angesichts dieser Uebermacht. Solange wir aber nur Kreise und Schwingungslinien um K&K sind, es also nur wenige Epizentren gibt, wird alles weiterlaufen wie bisher.
    Habe ich eine Loesung? Naja, dezentrale, d.h. multizentrale subversive Aktionen, Spenden an oertliche Gruppen, Flugblaetteraktionen, Rundschreiben, Ausklinkung aus dem System et cetera.
    Lebe ich das? Hmmm, auch nicht ganz, aber ich arbeite dran. Jeder von uns sollte das versuchen.

  17. limette

    Das Siezen der Eheleute… ist mir egal. Da bin ich sehr tolerant. In kleinen Dingen bin ich immer sehr groß. Wers gut findet solls machen.

    Siezen bedeutet das Aufzeigen von Grenzen, also Grenzen brauchen wir heuer wieder. Also lasst uns siezen und es gibt weniger „Flüchtlinge“ in Deutschland !

  18. ene

    enickmar,

    der „natürliche Instinkt“ – ich stelle mir darunter gar nichts Gutes vor. Ich halte es für eine kulturelle Erungenschaft und Notwendigkeit, daß uns die „natürlichen Instinkte“ der anderen möglichst vom Leibe bleiben. Wir erleben doch gerade, was es bedeutet, wenn keine selbstverständlichen „Formalitäten“ mehr gelten! (Etwa in den Schwimmbädern..) Respekt heißt immer: Grenzen respektieren.
    Uns ist, wie schon Nietzsche feststellte, zuerst die Zeit und dann auch das Gefühl für den angemessenen Umgang miteinander abhanden gekommen.

    Der Beweis dafür liegt in der jetzt überall geforderten plumpen Deutlichkeit, in allen den Lagen, wo der Mensch einmal redlich mit Menschen sein will, im Verkehre mit Freunden, Frauen, Verwandten, Kindern, Lehrern, Schülern, Führern und Fürsten – man hat keine Zeit und keine Kraft mehr für die Zeremonien, für die Verbindlichkeit mit Umwegen, für allen Esprit der Unterhaltung und überhaupt für alles Otium.

  19. Nero

    You = Sie
    Thou = Du

    Also eigentlich benutzt man auch im Englischen immer die Form des Siezens. Im Laufe der Jahrzehnte hat sich das verwischt.

    Aber die Zehn Gebote fangen im Englischen auch
    Thou Shalt Not
    an.

    Moses war also mit Gott per Du.

  20. Meine Frau und ich reden uns in der 2. Person Plural an, während wir unseren Nachwuchs in der 3. Person Singular ansprechen, auch „Erzen“ genannt. Außerdem tragen wir lustige, weiße Lockenperücken, um Dritte nicht mit dem Aussehen unseres natürlichen Haares zu belästigen. Ferner achten wir stets darauf, beim Anheben der morgendlichen Tasse Kaffee den kleinen Finger zu spreizen, um ein Minimum an Eleganz auch bei alltäglichen Handlungen zu gewährleisten. Ist einfach viel respektvoller so.

  21. Kaliyuga

    „Doch die Geschlechterfrage ist zu Unrecht von den Linksliberalen in Beschlag genommen worden!“

    Geschlechterverhältnis als zeitlos-apolitische Elektrochemie mit Lösungspotential für eingetiefte Verheerung im Volk.

    Gesunder Abstand schafft Anziehung und läßt Potentialdifferenz neu entstehen.

    Das Männliche im Soll als unverrückbare Wasserstoff-Normal-Elektrode, an der es sich neu ausrichtet.

    Die in politisch frauenbewegten Zeiten wiederholt als Begabte mit wissenschaftlichen Preisen Ausgezeichnete entschuldigt sich für das Bombardement mit elektronischen „Nachrichten“. Sie sei bei ihrer zum akademischen Titel führenden Arbeit aber unsicher. Die Unsicherheit spielt sich akademisch sehr weit unter Heisenbergschen Unschärfen ab. Sie kann, nach sorgsamer Vorbereitung auf die Füße gestellt, nicht allein stehen, geschweige denn über eine vorgemähte Wiese gehen.

    Beileibe kein Einzelfall bei denen ihres Geschlechts. Kein Vorwurf dies, vielmehr eine Beobachtung.

  22. limette

    Zu Nassehi:

    Positiv muss ich sagen, dass Nassehis Büchlein „Soziologie-zehn einführende Vorlesungen“ sehr unterhaltsam und ergiebig-kurzweilig geschrieben ist. Die dortigen grundlegenden Begriffsklärungen sind zu analytischen Zwecken zu gebrauchen. Eine nette Einstiegslektüre, die nicht davon abhält weiter rechts zu sein.

    Zu seinem Auftritt im TV: Am Ende wurde er etwas übermütig als er die Naivität beschwor. Aber ich sehe es schon so, dass er eine rechte Theoriebildung etc. konstatiert. Das ist ein Novum.

    Als ich seinerzeit in einem soziologischen Institut tätig war, galt er fachintern nicht als der herausragende Fachvertreter. Sein Name wurde abgetan mit „ach, der Nassehi…“. Liegt natürlich daran, dass er öffentlickeitswirksam ist und das müssen ihm wohl einige geneidet haben, ähnlich wie bei Leggewie oder Korte.

  23. Urwinkel

    Mir scheint mitunter sogar: Je mehr Formalitäten notwendig, desto größer der Mangel an natürlichem Instinkt.

    Was ist denn ein „natürlicher“ Instinkt, Eckesachs? Das klingt beinahe so unbeholfen wie „studierter“ Philosoph (hatte ich an anderer Stelle hier mal genauso rausgelassen; Frau Kositza hatte diese, meine ungeschickte Formulierung später nocheinmal nachäffend aufgegriffen).

    Den Instinkt durch „Respekt“ ersetzen, dann leuchtet Ihr letzter Satz ein.

    Eine gänge Ausrede der Anti-Siezer und auf-Du-Hardliner ist es übrigens einen damit zu bejammern, sie „fühlten“ sich dann „so alt“ und verbitten sich damit (durch die Blume) ihr Gesieztwerden. Das ist eine neumodische Unart, aber gängig.

    Wenn diese Jammerlappen richtig aufdrehen und emotional werden erzählen sie einem davon, wie schön es früher war, und daß sie so gern‘ noch mal jünger wären.

    Was erwidert man denen möglichst kalt und ungerührt, aber dennoch nicht unemphatisch? Tja, was denn sonst als, das die Zeit keine Gnade vor dem Altern kennt, und das es eine Form des entgegengebrachten Respekts ist, instinktiv gesiezt zu werden, und keine Schande. Ist letztendlich auch eine Erziehungsfrage. Ich kenne auch so richtige Hobel, die duzen ohne Unterschied Jeden, auch Polizisten. Mit solchen Leuten unterwegs zu sein, kann einen doch manchmal fremdbeschämen und einstige gemeinsame Vertraulichkeiten auf den Prüfstand stellen.

  24. Andreas Walter

    Eines hat Herr Kubitschek jedoch auch sehr schön in dem Film klargestellt. Das auch die patriotischen Intellektuellen nur begrenzt einen Einfluss darauf haben, was unten an der breiten Basis passiert, die über ganz andere Dinge lacht und einen etwas anderen Wertekanon besitzt als selbst die deutschen Linksintellektuellen:

    http://www.welt.de/kultur/kino/article153132076/Grimsby-Ich-wuenschte-ich-haette-ihn-nie-gesehen.html

    Hahaha, klingt beinahe wie eine Filmempfehlung für AfD Wähler. Nice. :D

  25. Eckesachs

    @enickmar

    ,,Skandinavier und Anglophone zeigen, daß ein freundlicher und respektvoller Umgang miteinander ohne das Siezen/Duzen u.U. sogar besser funktionieren kann.“

    Das Duzen im Schwedischen wurde durch Dekaden von Sozialdemokratie aufoktroyiert. Es soll das ,,Wir sind alle gleich“- Gefühl vermitteln. Dafür gibt es ein spezielles schwedisches Wort, welches mir gerade entfallen ist, eine eigene Vokabel.

    Es wird mir wieder einfallen.

    Da der Mensch (und besonders der Schwede) Distanz zu Fremden schätzt, weicht er der Staatsregel zum Trotz ins Passiv aus. Das wirkt gestelzt und aufgesetzt, ist aber für ihn die einzige Möglichkeit zu ,,siezen“.

    Das ,,Sie“ im englischen wird durch ,,Sir“ oder ,,Mr.“ ausgedrückt, das wissen Sie.

    Nicht nur durch Vorsilben und Passiv versuchen Völker, denen die sprachlichen Möglichkeiten abhanden gekommen sind, sich zu distanzieren.

    Der vertraute Kontakt mit Schwede oder Brite kommt durch z. T. komplizierte Riten zustande.

    Es kann Tage und viele Liter Ale kosten, bis ein Brite sagt, daß man den ,,Sir“ weglassen kann.

    In Schweden sind Unterhaltungen oberflächlich. Man redet nicht mit Fremden über gefährliche Dinge. Ich habe einen Jagdfreund, bei dem es fast drei jahre gedauert hat, bis er mir gestand, daß er lieber nur Schweden in Schweden in hat. Und genauso hat er es gesagt.

    Die deutsche Offenheit und das direkte Aussprechen von Ansichten, überhaupt das sich-erregen-wirkt bei Schweden und Engländern abstoßend und ,,Du“-verzögernd.. Bei Iren nicht.

    Meine Erfahrung.

  26. Eckesachs

    @Urwinkel

    ,,Was ist denn ein „natürlicher“ Instinkt, Eckesachs? Das klingt beinahe so unbeholfen wie „studierter“ Philosoph “

    Oder nasses Wasser.

    Ich gebe Ihne Recht,das ist mißverständlich.

    Ich will es Ihnen erklären.

    Der ,,natürliche“ (abgeleitet von Natur ) Instinkt, ist das Angeborene. Die Reflexe des Säuglings, Fremdenscheu, Heiratsschranke, Augenschließreflex, Partnerwahl des Weibes und so weiter.

    Ich kenne nun noch die erlernten ,,Instinkte“. Damit meine ich festgefahrene Verhaltens- und Denkweisen, die nur bestimmte Verhaltensmuster und Reaktionen zulassen.
    Eine Einschränkung des freien Denkens.

    Der natürliche Instinkt kann benannt und erkannt werden, der ,,Instinktlinke“ reagiert jedoch wie ein eigentlich satter Hecht auf einen verführerisch unter den Seerosen vorbeigeführten Blinker. Er muß einfach zuschnappen. Man muß nur ,,Volksgemeinschaft“ sagen. Wenn das nicht hilft, wechselt man den Blinker. Oft hilft ein größerer, oder häufiges Vorbeiführen.

    Die erlernten Verhaltensweisen ,,sitzen“ fester als die angeborenen und sind auch schwerer auszumachen. Sie wirken instinktanalog.

    Instinktanalog.

    Sie wissen wahrscheinlich selber, daß es absolut keinen Sinn hat, mit einem indoktrinierten Menschen zu diskutieren. Das ist aber nicht die Schuld seines natürlichen Instinktes, sondern die der Indoktrination. Diese hat er sich zum Teil selber gegeben, zumindest zugelassen, deshalb ist es viel schwerer für den Verblendeten, das Eigene zu hinterfragen als das Ererbte.

    Erlernte Verhaltensweisen können stärker und sicherer als natürliche Instinkte wirken, das will ich damit sagen.

    Erklärt?

  27. Thomas Wawerka

    Peter Niemann: Jeder von uns sollte das versuchen.

    Verzeihen Sie mir, Herr Niemann, wenn ich gerade Sie als Exempel wähle. Es geht um etwas, das ich schon länger sagen wollte. Leute: Verkneift euch eure Vorschläge, was „wir“ machen sollten. Das ist Furz. Macht etwas oder auch nicht, aber schwadroniert nicht darüber, was ich oder ein anderer Mitleser und Mitkommentator, was dieses nebulöse „Wir“, diese unsichtbare Gemeinschaft alles tun sollte. Ich schließe mich in diese Schelte ein, weil ich vermutlich in meiner Sezessions-Kommentierungs-Laufbahn Ähnliches geäußert habe. Weiß ich nicht, aber wer ohne Sünde ist usw.
    Das ist eine Art Krankheit. Man produziert Ideen, aber keine eigenen Ergebnisse. Ideen produzieren könnte ich am laufenden Band – das liegt mir. Macht mir Spaß. Aber irgendeine Idee festhalten und im eigenen Lebensumfeld umsetzen, das ist ungleich schwieriger als der Gemeinheit zu sagen, was „wir“ tun sollten.
    Das ist Reden in den Wind.
    Ich hab hier im Lauf meiner Zeit einen Haufen gute Ideen gelesen. Coole Sachen. Zweifellos hilfreiche Sachen. Aber es nützt ja nischt, die hier abzuladen und darauf zu warten, dass irgendein ominöser Berufener sie aufgreift und umsetzt. Es nützt nur, sie selbst zu tun.
    Also, wer eine Idee hat, gebe sie nicht preis, bevor sie gediegen ist, sondern überlege, ob und wie er sie verwirklichen kann. Ich versichere: Da stellen sich einem so viele Widerstände entgegen, dass man klein mit Hut wird. (Umsomehr wächst aber auch der Respekt.)

    Herr Niemann, nochmals: Bitte nehmen Sie es nicht persönlich. Sie waren der Anlass, nicht der Grund.

  28. Frescobaldi

    eigentümlich, beim kurzen Durchsehen des Beitrages fällt mir die Sache mit dem „Siezen“ auf und mir schießt durch den Kopf, dass sich der vor einigen Tagen verstorbene Nikolaus Harnoncourt mit seinem Bruder Philipp (einen bekannten Theologen und Liturgiewissenschaftler) immer nur „gesiezt“ hat. Und er hat im Zusammenhang damit einmal geäußert: „Es ist viel Liebe in dieser Familie“. Sonst hätte ich vielleicht Ihre gegenseitige Anrede nur als Marotte empfunden, aber meine Liebe zu diesem großen Musiker nötigt mir den Respekt ab, dieser Sache etwas nachzugehen.
    Viele Grüße aus Wien

  29. Gustav Grambauer

    „Badeschluß!“ wäre dich DER Markenname für eine Kampagne zur Verabschiedungskultur.

    http://www.google.de/search?q=asylanten+schwimmbad&hl=de&biw=&bih=&gbv=2&nfpr=&spell=1&oq=asylanrten+schwimmbad&gs_l=heirloom-serp.3.0.0i13l6j0i13i5i30j0i8i13i10i30.5340.7844.0.9877.14.14.0.0.0.1.145.1321.4j8.12.0….0…1ac.1.34.heirloom-serp..3.11.1223.OZnEo6HXhK4

    Manchmal heißt es ja auch, vor allem bei M. L., „Die Karawane zieht weiter“:

    „Die … Karawansereien verfügten über Werkstätten, boten ärztliche Versorgung, hatten Bäder, Küchen, Tee- und Kaffeestuben. Musikkapellen spielten zur Unterhaltung. Nahe dem Eingangstor befand sich ein Betraum. Manche Stationen verfügten über kleine Moscheen im Innenhof. Die Dienstleistungen an den Karawanenstraßen waren kostenfrei …“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Karawanserei

    Ich nenne die „BRD“ von jetzt an nur noch „Karawanserei Mutti Almanya“!!!

    - G. G.

  30. enickmar

    Kultur lebt von Differenzierungsmoeglichkeiten …

    Da böte eine multikulturelle Gesellschaft natürlich eine Menge zusätzliche Möglichkeiten innerhalb einer Gesellschaft zu differenzieren.

    Kultur lebt vom Gestalten. Man denke nur, welch ausdifferenzierte sprachliche Differenzierungsmöglichkeiten zur Geltung gebracht werden könnten, wenn das grobauflösend binäre System des Duzens und Siezens wegfällt.

    Der vertraute Kontakt mit Schwede oder Brite kommt durch z. T. komplizierte Riten zustande.

    Genau. Siehe oben.

  31. enickmar

    Was ist denn ein „natürlicher“ Instinkt, …

    Man kann mit Tautologien bzw. Pseudo-Tautologien, bei unscharfer Verwendbarkeit von Begriffen, bestimmte Aspekte sehr schön betonen. Deswegen werden sie auch so oft gebraucht.
    Außerdem bieten sie Besserwissern ein dankbares Betätigungsfeld.

  32. Der König

    À propos Siezen unter Eheleuten:

    Die Szene aus „Balduin, das Nachtgespenst“ ist mir bei dem 3sat Interview sofort in den Sinn gekommen:
    de: https://www.youtube.com/watch?v=qi9-nHuc-mI
    fr: https://www.youtube.com/watch?v=O1fHsPG0o1M

    Jacques Chirac siezt sein Frau übrigens auch:
    http://www.spiegel.de/panorama/leute/jacques-terrible-chiracs-frau-klagt-ueber-macho-allueren-a-664967.html

    Das Siezen finde ich grundsätzlich ein schöne Sache, aber ich frage mich gerade wirklich ob es konsequent in allen Situationen, um nicht zu sagen Positionen, durchhaltbar ist ?

    #MeinErsterKommentar

  33. Andreas Vonderach

    Das englische You ist weder ein Du noch ein Sie, sondern ein Ihr, wie das in Deutschland auch einmal üblich war (ca. 17. Jh.)

    Vgl. Gerda Grober-Glück: Die Anrede des Bauern und seiner Frau durch das Gesinde in Deutschland um 1930. Frankfurt a.M. 1994

  34. badeschluß.
    karawane zieht weiter.
    kubitschek

Diskussion geschlossen. :-)

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