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Zwischen Hobbes und Hegel – Zum 25. Todestag von Bernard Willms

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12439055_1025539470838627_3811493261042759933_nvon Thor v. Waldstein

Wenn eine von fremden Mächten beherrschte Nation ihren Willen, über sich selbst zu bestimmen, noch nicht an der Garderobe der Geschichte abgegeben hat, so hat sie zuallererst eines nötig: die Erkennung der eigenen Lage. Daran hat es im besiegten Deutschland nach 1945 vor allem gefehlt.

Der Souveränität und damit eigener Entscheidungslagen enthoben, feierte man erbauliche Errungenschaften wie „Demokratie“, „Menschenrechte“, „Frieden“, „Stabilität“ und andere Worthülsen transatlantischer Provenienz, die allein dem Zwecke dienten, die Ohnmacht der Deutschen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verschleiern.

Dennoch hat es Deutschland auch in dürftigen Bonner Zeiten – wie schon in den Bauernkriegen und den Befreiungskriegen, im Vormärz, im Spätwilhelminismus und in Weimar – nie an glänzenden Denkern gefehlt, die Roß und Reiter unseres nationalen Elends benannt haben.

Je mehr sich der Abschied von eigener Politik in Deutschland institutionalisierte und die real existierende Fremdherrschaft hinter der spanischen Wand der westlichen Werte verschwand, desto giftiger reagierten die Verwalter der politischen Dogmen von heute auf mutige Männer, die die Wirklichkeit aus dem Medienverlies befreiten und den Deutschen wieder Klarheit über ihre Lage verschafften.

Einer dieser Männer war Bernard Willms. Mit dem Satz „Der Mensch existiert politisch oder es gibt ihn nicht“ in seinem großartigen Essay „Antaios – oder die Lage der Philosophie ist die Lage der Nation“ hatte Willms 1982 die beamtete Universitätsphilosophie aus ihrem Theorieschlaf geweckt und eine Verortung der Philosophie an dem Begriff der Nation gefordert.

Damit hatte er ein Themenfeld aufgerissen, das westdeutsche Lehrstuhlinhaber, für die eine deutsche Philosophie nach Auschwitz offensichtlich gestorben war, über 40 Jahre lang unter westlichem Dogmenschutt vergraben hatten.

Im Laufe des nationalen Renouveaus der 80iger Jahre entwickelte sich Bernard Willms mehr und mehr zur Schlüsselfigur einer neuen deutschen Renaissance, die „von sich spie was mürb und feig und lau“ (Stefan George) und die „das harte Brot der philosophischen Wahrheit“ (Willms) suchte.

Wer die Lebenslinien dieses deutschen Philosophen studiert, wird feststellen, daß seine Entwicklung zum neuen Fichte der geteilten Nation nicht zwangsläufig war.

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58 Kommentare zu „Zwischen Hobbes und Hegel – Zum 25. Todestag von Bernard Willms“

  1. Thomas Wawerka

    Willms‘ vor der kleinen Wiedervereinigung ausgesprochener Satz

    Was bedeutet „kleine Wiedervereinigung“?

  2. Winston Smith 78699

    Hat dann das Elend etwa noch viel früher begonnen, mit dem Übersetzen der großen deutschen Staatsphilosophen ins Englische und Altgriechische? … Und doch nicht mit der Auswanderung nahezu sämtlicher führender deutscher und österreichischer Köpfe (sofern sie noch kreuchten, anders als Schlick), die zu dem Zeitpunkt unbestreitbar die denkerische Weltspitze darstellten und die angelsächsische Philosophie damit erst so groß machten?

    Wenn „die Lage der Philosophie [..] die Lage der Nation“ ist, dann haben doch wenigstens vereinzelt „westdeutsche Lehrstuhlinhaber“ der „beamteten Universitätsphilosophie“, wie Stegmüller, Patzig oder Lorenzen, den Anschluß gehalten und diese Lage nicht gänzlich zur Dümpelei innerhalb der Reste vom Fest werden lassen, in welcher die zeitgemäßen Fachwerkzeuge nicht in vollem Umfang zu gebrauchen waren. (Das ist von mir aus gottbewahre kein Versuch der Schönfärbung oder Rechtfertigung irgendeines Ladens, nur der Vergrößerung des Bildes.)

    Ohne jetzt von den heutigen (geistigen?) Enkeln jener Vertriebenen und leider deren verschulter Degeneration zu den neuen Oberschwaflern reden zu müssen, welche seit zwanzig Jahren das Geschehen vielleicht gar stärker bestimmen als die Frankfurter Schule, und davon, wieviel diese heute mit denen damals noch zu tun haben, würde mich interessieren, ob Willms seinen Hobbes mit oder ohne Spieltheorie behandelt hat.

    Zeitgemäße Werkzeuge wie Logik und Mathematik schaffen auch einen im bestem Sinne herrschaftsfreien Diskurs, in welchem ein schlaues und fleißiges deutsches Arbeiterkind auch dann noch mitreden kann, wenn nicht längst bereits bürgerliche oder adelige Eltern für altphilologisches Rüstzeug zum Bestehen innerhalb von in Fraktur sprechenden Verbindungen gesorgt haben, oder für kirchliche Stipendien oder sonstwas.

    (Vielen bürgerlichen Eltern passt es eben nicht, wenn der eigene Vorsprung gegenüber der Unterschicht nicht vererbt werden kann, etwa durch häusliche Förderung aus eigenen Kenntnissen – weswegen die „neue Mathematik“ seit den 80ern ja auch wieder abgewürgt wurde, ohne einen wirklich haltbaren Grund. Nein, diese war eben nicht Teil der Gehirnwäsche im schwafeligen Egalitarismus der Linken, sondern endlich ein reiner Tisch und darauf klare Regeln – eine leistungsbezogene Chance für Aufsteiger und zugleich landesweite intellektuelle Mobilmachung, um nach dem Sputnikschock noch mithalten zu können mit den Kommunisten.)

    Von den angesichts der heutigen Lage vielleicht durchaus angebrachten Intentionen eines Willms und des Autors mal abgesehen, steht der Artikel zu sehr in seinem eigenen Garten und nennt diesen die Welt, das Ganze. Irgendwo gibt es auch noch die theologischen Gärten, den kulturrevolutionären, den psychoanalytischen, den pädagogischen, den rein wissenschaftstheoretischen usw., und ganz oft wird darin von „der Philosophie“ geredet … dies aus meinem Garten heraus mal so gesagt.

  3. Ein interessanter Denker und bedeutender Repräsentant seiner Zeit. Ich bin aber meinerseits dankbar, wurde ich ab 1972 von Hermann Lübbe geprägt und nicht zum Beispiel von Willms. Lübbe ist immer noch am Leben und repräsentiert für mich wie kein zweiter Philosoph ungefähr das, was ich unter einem nichtlinken und nichtzeitgeistigen philosophischen Common sense verstehe. Willms war für mich wie viele andere Philosophen seines Jahrhunderts ein Denker am Rande der Verzweiflung, gegen welche er aber mit einer gefestigten ideologischen Orientierung ankämpfen wollte.

  4. Fritz

    @Thomas Wawerka: Ich nehme an, die große Wiedervereinigung inkludiert den alten deutschen Osten, die kleine Wiedervereinigung nur das Gebiet der ehemaligen DDR. Heute ist das obsolet, nachdem man kaum Heidelberg oder Pforzheim halten kann. Die deutsche Bevölkerungsmehrheit resultiert dort nur noch aus den Rentner-Legionen.

  5. @Thomas Wawerka

    Bingo, Herr Wawerka,
    auch ich bin über die “ kleine Wiedervereinigung“ gestolpert .
    Und bin froh, dass Sie den ersten Kommentar geschrieben haben !

    Dass sich „selbst der deutsche Allerweltsbürger in der Konkurrenz millionenfach gestellter sozialer Ansprüche in ein zoon Politikon zurückverwandelt“ ( Frank Böckelmann in Tumult) begründet keine Aussage wie:
    „Der Mensch existiert politisch oder es gibt ihn nicht“ ( Bernard Willms).
    Ich weiß nicht, wie Willms die Aussage genau verstanden hat.
    Sollte es allerdings als eine Wesensaussage ( Was ist der Mensch ?) gemeint sein, so ist eine solche Aussage heute nicht nur philosophisch unhaltbar !
    Ich vermisse hier eine kritische Würdigung von Bernhard Willms.
    Wenn schon seine Herkunft aus dem katholischen Ambiente erwähnt wird, frage ich mich:
    In welchem Ambiente ist Thor von Waldstein geboren ?

  6. Dora Schneider

    @ Meier Pirmin
    Könnten Sie nicht einmal versuchen, die Kommentare im Forum nicht ständig auf sich und Ihre privaten Geschichtchen zu beziehen? Sie erkennen wohl gar nicht mehr, wie peinlich das ist.

  7. Dag Krienen

    Als ehemaliger studentischer „Mitarbeiter“ von Bernard Willms möchte ich an dieser Stelle einige Ergänzungen einfügen.
    Willms als einen „Denker am Rande der Verzweiflung“ zu bezeichnen, mag noch angehen. Die Unterstellung einer „gefestigten ideologischen Orientierung“ hätte er jedoch weit von sich gewiesen. Er hat seine, wenn man so will, „neoidealistische“ Philosophie stets als eine strenge Wirklichkeitswissenschaft betrachtet, die die politischen Verhältnisse auf den richtigen Begriff bringt. Und das war für ihn nach dem Ende der Kolonialimperien stets die Nation, nicht nur die deutsche, als der denkbar vernünftigste Rahmen einer selbstbestimmten Gestaltung des politischen Schicksals. In Sachen der Priorität des Nationalen war er unerbittlich, weil er jeden Versuch, angeblich „höhere“ andere politische Kategorien dagegen ins Feld zu führen, als Versuch zur imperialistische Fremdbestimmung ansah. Nationale Selbstbehauptungund Anerkennung dieses Strebens bei allen anderen Nationen waren für ihn die wichtigsten globalen Ordnungsprinzipien. Wie „großartig“ und „friedlich“ eine Welt geworden ist, in der diesen Ideen nicht leitend sind, davon kann man sich täglich überzeugen.
    „Nation“ war für ihn sicherlich auch ein Prinzip der Abgrenzung gegen andere, aber keines der totalen Abschottung gemäß fixer oder angeblich gar objektiver Prinzipien. Was denn das „Besondere“ einer Nation sei, welchen politischen Sekundärzielen sie sich verpflichtet fühlt und wer dazu gehört und wer nicht, läßt sich nur dadurch bestimmen, daß die Mitglieder einer Nation eine politische Entscheidung treffen, und sei es durch stillschweigende Übereinkunft oder gar unbewußte Tradierung.
    Persönlich war Bernard Willms ein ausgesprochen liberaler Mensch, der sich gern mit jedem geistig wachen Menschen auseinandersetzte, und dessen Seminare nicht nur von „nationalen“ Studenten, sondern gelegentlich auch solche aus dem anarchistischen Lager besucht wurden. Er zeigte ein reges Interesse an moderner Kunst (in den Augen seiner rechten Studenten galt der Brecht-Liebhaber kulturell sogar als „Kulturbolschewist“) und zeigte in seinen letzten Lebensjahren ein reges Interesse an der französischen postmodernen Philosophie.
    Politisch war hingegegen ein scharfer Feind des Liberalismus und alles bloß „Erbaulichen“, wie sein Lieblingsschimpfwort lautete. In der Beziehung war es ein strenger Hegelianer und vor allem Hobbesianer, der den Staat stets als mit aller Macht und Härte verhinderten Bürgerkrieg ansah und, vor allem nachdem sich dieser Staat mit nationaler Selbstbestimmung gleichsam aufgeladen und demokratisiert hatte, als eine unhintergehbare absolute Errungenschaft betrachtete.
    Daß der Liberalismus durchaus Verdienste bei der Durchsetzung vieler bürgerlicher Rechte und Freiheiten besaß, leugnete Willms nicht. Er warf ihm aber vor, daß er durch die Weiterverfolgung seiner ursprünglichen Tendenzen die Grundlagen jeder Staatlichkeit überhaupt untergraben würde. „Liberalismus“ war für ihn ab einem bestimmten Punkt eine „parasitäre“ Bewegung, die den Ast, auf dem sie sitzt, absägt. Nicht zuletzt, indem sie sich gegen jene „Härten“ wendet, die jeder Staat, auch der freiheitlichste und demokratischste aufbringen muß, wenn er seine eigene Existenz sichern und auf Dauer stellen will. „Freiheit bedeutet auch, daß von nun an die Menschen die notwendigen Grausamkeiten auf eigene Rechnung begehen müssen.“ Daß in der Politik „Grausamkeiten“ begangen werden müssen (auch wenn durchaus nicht jede gerechtfertigt ist), war für ihn eine so evidente Wahrheit, daß er „Gesinnungsethiker“ in der Politik für von den eigenen „Erbaulichkeiten“ zugedrönte Idioten hielt. Vor weinenden Kinderaugen einfach zu kapitulieren, ist zwar dem privaten Individuum gestattet, im Falle des politisch verantwortlichen Staatsmanns aber Hoch- und Landesverrat.
    Solche Feststellungen wurden schon in den achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts nicht mehr gerne gehört. Damals verzichteten allerdings die Universität und seine dortigen Kollegen noch auf jede Distanzeritis. Hinter der Hand konnte man zwar gelegentlich hören, daß es doch sehr schade sei, daß Kollege Willms, der sich als Hobbes-Forscher doch einen so guten Namen gemacht hatte, seinem Ruf durch seine „nationalen“ Schriften eher schaden würde. Ansonsten blieb er aber, verglichen mit heutigen Verhältnissen, „unverfolgt“. Seinen Ruf als „Blutdekan“ hatte er sich im übrigen unter anderem Umständen noch vor seiner nationalen Periode erworben, als er in den frühen siebzigern die Polizei in die Universität rief. Hintergrund war die Verteidigung von akademischen Prüfungsunterlagen, als ein studentischen Mob verteidigen ihre Herausgabe und Vernichtung verlangte. Sozusagen eine persönlich initierte staatliche „Grausamkeit“ zur Verteidigung der Integrität einer öffentlichen Institution. Willms war als Hobbesianer selbstreden stets ein Verteidiger institutionellen Denkens, der daraus auch persönliche Konsequenzen zog, während sich ein Hermann Lübbe m.W. nie so weit exponierte.
    Ad Winston Smith
    Im übrigen: vermutlich auch, weil er nicht mit einem goldenen Löffel im Munde geboren war. Der familiäre Hintergund war bescheiden, er hatte zunächst einen ordentlichen Beruf erlernt und eine Buchhändlerlehre gemacht, bevor seine Talente erkannt und er in eine akademische Laufbahn gebracht wurde. An der Uni pflegte er dann jenen „weitgehend herrschaftsfreien Diskurs, in welchem ein schlaues und fleißiges deutsches Arbeiterkind [wie Willms selbst oder auch der Verfasser dieser Zeilen]… mitreden kann.“
    Vielen Dank für den Nachruf auf einen vorbildlichen Mann und Denker an dieser Stelle.

  8. Gustav

    „Wer ‚den Frieden‘ mehr liebt als seine Nation und ihre Freiheit, ist nur ein blökendes Schaf. Wer ‚den Menschen‘ mehr liebt, ist schon ein leibhaftiger Schwachkopf, und wer ‚die Freiheit‘ oder ‚den Sozialismus‘ mehr liebt als sein Vaterland, verurteilt sich selbst zum Raketenfutter in der Hand der geballten Nationalismen der Supermächte.“
    Bernard Willms

    Ein deutscher Politikprofessor, der in den 1980er Jahren solches publizierte, war sich bewußt, daß er damit weder seine akademische Karriere befördern noch sich bei den herrschenden politischen Eliten empfehlen konnte. Aber das war nicht das Ziel jener „Reden aus dem deutschen Elend“, die Bernard Willms damals landauf, landab vor allen hielt, die ihn nur hören wollten. Sein ständiges Ceterum censeo, Germaniam esse restituendam entsprang vielmehr einer strengen politischen Ethik. Diese legte ihm nach seinem Selbstverständnis die Pflicht auf, dem nationalen Imperativ auf die Weise zu dienen, wie es einem Philosophieprofessor zukommt: durch „strenges Denken“ auf der akademischen Seite und durch „Erziehung zur Nation“ auf der öffentlichen.

    Die Idee der Nation ist einer politischen Philosophie der Freiheit geschuldet. Für Willms war jedoch klar, daß „Freiheit“ nicht „erbaulich“ zu fordern, sondern in all ihren problematischen Konsequenzen beim Wort zu nehmen ist. Mit der Folge, daß Freiheit nur in einer konkreten Rechtsordnung in einem „starken“, souveränen Staat überhaupt als lebbar gedacht werden kann. Wo aber die Notwendigkeit staatlicher Existenz von den Staatsangehörigen akzeptiert wird und sie den jeweiligen Staat als den ihrigen begreifen und erfahren können ‑ bzw. einen Staat fordern, der von ihnen als der ihre begriffen werden kann, ist die Idee der Nation präsent.

    Quelle: DAG KRIENEN in JUNGE FREIHEIT vom 14. Juli 2006

    @ Meier Pirmin

    „Ich bin aber meinerseits dankbar, wurde ich ab 1972 von Hermann Lübbe geprägt und nicht zum Beispiel von Willms.“

    Sie glauben ja auch noch an „das Licht der Nationen“! Wohl bekomms!

  9. @Dora Schneider. Klar ist der Hinweis auf Kaltenbrunner, Lübbe, Leopold Ziegler und Reinhold Schneider für Sie wohl reine Nabelschau im Vergleich zu Willms, den ich ebenfalls schon vor 40 Jahren zur Kenntnis nahm. Was Reinhold Schneider betrifft, über den ich doktorierte und mit dem ich mich 50 Jahre lang befasst habe, so schrieb er um 1932 einen bedeutenden Essay zum Thema „Geistiger Nationalismus“, wozu er sich bekennen wollte, er schrieb auch ein Buch über „Fichte, der Weg zur Nation“ (1932), weshalb dieser Bezug nun mal auch nicht so subjektiv ist wie Sie glauben. Willms wurde bekanntlich im Leittext mit Fichte verglichen. Was haben Sie eigentlich zur Sache zu sagen, kennen Sie diese Autoren und Philosophen überhaupt? Ich schrieb in meiner Dissertation tatsächlich über Fichte und den deutschen Nationalismus im Zusammenhang mit Reinhold Schneider. Von mir aus sind das andere Ausgangspunkte als einfach ein bisschen polit-philosophisches Geschwätz, was ich zwar den meisten Teilnehmern dieses Forums nicht unterstellen würde.

    @Monika. Sicher müsste man Willms noch genauer und kritischer lesen. Ich bin überzeugt, dass bei ihm einige Anregungen zu holen sind, für mich war die Begriffe kleine und grosse Wiedervereinigung wie wohl auch für Sie auf Anhieb verständlich, obwohl in der Zeit, da ich publizistisch vor allem die DDR kritisierte, für mich die sog. grosse Wiedervereinigung nie ein im Moment vertretbares Ziel war.

    Mit den offenen Grenzen haben sich einige Fragestellungen ohnehin total gewandelt. Zwischen 1961 und 1989 hielt ich die Wiedervereinigung, wie sie tatsächlich gekommen ist, immer für möglich und habe mich jeweils gegen diejenigen gewandt, die das mit Kriegshetze oder „politisch unmöglich“ gleichsetzten. Es war für mich auch nicht Ausdruck von Nationalismus. Reinhold Schneider nannte die Bundesrepublik immer „Restdeutschland“. Das war ein objektiver Befund.

    @Gustav. Der von Ihnen zitierte Satz ist kein philosophischer Satz, sondern ein politisches Bekenntnis in dem Sinn, wie ich etwas weiter oben Willms als Repräsentanten politischer Verzweiflung vielleicht etwas polemisch charakterisierte. Ich würde übrigens Leute, die anders denken, in der Regel nicht als „Schwachkopf“ bezeichnen.

  10. für mich w a r e n die Begriffe kleine und grosse Wiedervereinigung wie wohl auch für Sie auf Anhieb verständlich (@Monika)

  11. Nemo Obligatur

    Wer war Bernard Willms?

    Ich muss gestehen, dass weder der aufgewärmte Nachruf von Herrn v. Waldstein noch die Debattenbeiträge der Leser in mir den Wunsch wecken, dieser Frage auch nur mithilfe von Wikipedia nachzugehen. Wenn ich die kärglichen Äußerungen zum Inhalt seiner Philosophie summiere, dann war er irgendwie „national gesinnt“, aber auch „liberal“ bzw. „anti-liberal“, was offenbar mühelos in einer Person vereinbar ist. Außerdem war er ein Fachmann für Hobbes, hatte also was mit dem Staat an sich zu tun. Das reicht mir nicht. Die Zeit ist offenbar über diese Dinge hinweggegangen.

  12. Heinrich Brück

    „Was bedeutet „kleine Wiedervereinigung“?“

    Die DDR wurde zur BRD. Deshalb feiern wir an jedem 3. Oktober den „Tag der Deutschen Einheit“. Wir sind so nett und tun so, als wäre Deutschland nie größer gewesen. Deshalb brauchen wir auch keine Deutsche Verfassung; regelt alles das GG und die Siegergeschichtsschreibung.
    Art. 146 GG wartet auf die freie Entscheidung, oder so ähnlich.

  13. Irrlicht

    @Winston Smith 78699
    In der der Zeit von 1933-1945 sind sicher nicht die „führenden deutschen und österreichischen Köpfe“ emigriert, wohl aber einige führende Köpfe des Wiener Kreises, u.a. Carnap, dem wegen seiner politischen Orientierung wohl eine weitere akademische Karriere verwehrt geblieben wäre. Aber selbst wenn sie sich nur auf die (im weiteren Sinne) analytische Philosophie beziehen, politisch ist sie kaum zu verorten. Die Tagebücher Freges sorgten vor einigen Jahren für einigen Wirbel.

  14. @Dag Krienen. Sie regen einen wirklich an, diesen Denker nicht preiszugeben, selbst wenn ich ähnlich wie @nemo obligatur ihn noch nicht als einen der wegweisenden philosophierenden Repräsentanten seiner Generation wiedererkenne. Wie er sich jedoch äusserte, war zu seiner Zeit recht mutig.

  15. bert b.

    Ich frage mich manchmal, was sich der diensthabende Redakteur wohl denkt, wenn wieder 10.000 selbstreferentielle Zeichen aus der Schweiz eingetrudelt sind.

  16. Thomas Wawerka

    Ich haben den Begriff „kleine Wiedervereinigung“ von der „kleindeutschen Lösung“ hergeleitet und folgerte daraus, dass die „große Wiedervereinigung“ die mit Österreich sein müsste.

  17. Heinrich Brück

    Vorhin eine Rede von Willms gelesen: ‚Nationale Identität und europäischer Wandel. Zum Staat im modernen Sinn‘.
    (Diese zehnseitige Rede wurde 1990 vor dem Bismarck-Bund gehalten / abgedruckt in ‚Handbuch zur Deutschen Nation‘ Band 4: ‚Deutschlands Einigung und Europas Zukunft‘; herausgegeben von Hellmut Diwald).
    Der Nationalphilosoph Bernard Willms kannte die brennenden Fragen Europas; sein politisches Denken wird an Gültigkeit nichts einbüßen können, jedenfalls so lange die sich aufdrängenden Fragen und Probleme einer halbwegs anständigen Antwort harren.
    Eine Generationenspanne wurde verpennt.
    Wenn Moralismus in der historischen Wahrheitsfindung die Schuldgeschichtsschreibung fortschreiben sollte, und somit eine deutsche Regeneration verhindern, würde auch dem europäischen Kontinent als Ganzes keinen Gefallen getan.
    Eine ‚Nationale Identität‘ war aber weniger das Ziel, sollte Deutschland doch in einer europäischen Identität untergehen.
    Sein ehrliches Bemühen um Freiheit und Frieden auf diesem Kontinent, aus dieser Rede zu entnehmen, bleibt lesenswert; offenbart doch die Souveränität seiner Sprache, eine nationale Kontinuität jenseits der von links unterstellten Ressentiments revanchistischer Gedanken und Bemühungen.

  18. Der_Jürgen

    @Nemo obligatur

    Ihren Kommentar finde ich leicht unpassend. Niemand zwingt Sie, sich näher über Willms zu informieren, wenn Sie nicht den Wunsch danach verspüren. Der eine oder andere wird sich jedoch durch den Artikel von Thor von Waldstein ansprochen fühlen und näher recherchieren wollen. In diesem Fall hat der Beitrag seinen Zweck erfüllt.

    Ein intellektuelles Forum wie Sezession kann sich nicht nur auf die Tagespolitik beschränken. Dafür gibt es z. B. Elsässes Blog, der natürlich genau so notwendig ist wie Sezession. Die beiden Blogs ergänzen sich gegenseitig ideal; viele lesen beide.)

    Für mich, der ich Willms bisher nicht kannte, war der a jour gebrachte Nachruf auf ihn jedenfalls lesenswert, und ich werde da nicht allein auf weiter Flur dastehen. Es gab und gibt in der BRD nicht so viele achtbare politische Denker, dass man es sich leisten könnte, auch nur einen davon in Vergessenheit geraten zu lassen. Wenn man einst eine Geschichte der unrühmlich verstorbenen Bundesrepublik Deutschland schreiben wird, wird man jene, die nicht mit den Wölfen heulten, hoffentlich gebührend würdigen. Willms gehörte offensichtlich zu diesen.

  19. Stogumber

    Persönlich kann ich auch mehr mit der analytische Philosophie und mit Lübbe anfangen, und es wäre ja auch schade, wenn deren konservative Impulse ganz untergehen würden. Da würde ich Artikel von Winston Smith und Meier Pirmin gerne lesen – vielleicht zu einem passenden Jubiläumsdatum?

  20. Waldgänger

    zur „kleinen Wiedervereinigung“
    In mancherlei Hinsicht denkt man in den abgetrennten Gebieten jenseits von Oder und Lausitzer Neiße deutscher als diesseits davon.
    Als Beispiel die Jahrhunderthalle in Breslau.
    Aus der wurde 1945 die „Volkshalle“. Im vergangenen Jahrzehnt ist der Name der Jahrhunderthalle zurückgekehrt, als „hala stulecia“.
    Aus polnisch-nationalistischer Sicht müsste das eigentlich unerhört sein.
    Die polnische Nationalhymne besingt die „Schwerter Napoleons“, und die Jahrhunderthalle steht für die Befreiungskriege.
    Mit der Rück-Umbenennung setzt man die deutsche Version ins öffentliche Bewußtsein. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Verantwortlichen dies übersehen hätten.
    Eine analoger Vorgang erschiene im D von heute weitgehend undenkbar, wann man sich ansieht, was derzeit mit Sraßennamen veranstaltet wird.

    Gregor Thum schreibt in seinem Breslau-Buch von 2003, wie polnische Geschichtsmythen einer Adaption deutscher Geschichte weichen, zumindest in „urbanen Schichten“.
    Das ist allemale ein interessanter Prozess.
    Man sollte über ein Standbein in Schlesien nachdenken.

  21. limette

    Bernard Willms war zu meinen Studentenzeiten, die nicht so weit zurückliegen, jemand, den ich als Autor gesucht habe. Ich war auf der Suche nach anspruchsvollen Denkern des Nationalismus. So stieß ich auf Willms. Werke habe ich mir einige von ihm schon zu Studentenzeiten besorgt. Selbst die Fachbibliothek besaß – o Wunder- einige. Selbstverständlich wäre ich im regulären Studium niemals auf ihn aufmerksam gemacht worden. Hier war Eigeninitiative gefragt. Willms war ferner auch für mich wichtig, da ich erkannte, dass die Nation als Denkelement immer noch eine Berechtigung hat. Im Zeitalter einer antinationalen Grundtendenz ist dies ein wesentlicher Aspekt. Da ich seine Bedeutung damals schon erkannte, habe ich dann ausgewählte Texte von ihm dann auch als Lehrender an der Universität eingesetzt.
    Vielleicht könnte man zum Haupttext noch ergänzen, dass er im Rahmen des Deutschlandrates (oder war es ein anderer Namen???) mit Mohler, Hepp etc. auch ins praktische pol. Leben wirken wollte…Aber da können vielleicht andere mehr dazu sagen…

  22. Winston Smith 78699

    @ Monika

    „Der Mensch existiert politisch oder es gibt ihn nicht“ (Bernard Willms). Ich weiß nicht, wie Willms die Aussage genau verstanden hat. Sollte es allerdings als eine Wesensaussage ( Was ist der Mensch ?) gemeint sein, so ist eine solche Aussage heute nicht nur philosophisch unhaltbar !

    Danke für diesen Denkanstoß. Möchten Sie erläutern?
    a) Warum philosophisch unhaltbar?
    b) Warum nicht-philosophisch?
    c) Warum „heute“?
    d) Wie anders als als Wesensaussage?
    e) Kann man überhaupt anders? „Das Private ist das Politische“ sagen die einen, die andern (etwa Adorno) zeigen auf, dass genau dort, wo man sich entziehen oder nicht äußern will, etwa im apolitischen, allerbiedemeierischsten, allerprivat-intimsten Kunstwerk, das Politische umso größere Sprengkraft erhält.

  23. Nemo Obligatur

    @ Der Jürgen

    Der eine oder andere wird sich jedoch durch den Artikel von Thor von Waldstein ansprochen fühlen und näher recherchieren wollen. In diesem Fall hat der Beitrag seinen Zweck erfüllt.

    Und sehen Sie, genau das bezweifle ich. Aber ich lasse mich gerne belehren. Wenn Sie bei Ihren Recherchen herausfinden, warum man Willms heute lesen sollte, dann lassen Sie mich an Ihren Erkenntnissen teilhaben. Anhand der hier vorgelegten Skizzen über Leben und Werk vermute ich, dass da nicht viel sein wird. Man müsste einen anderen Artikel verfassen. Titel: Was hat Bernard Willms uns heute noch zu sagen? Da will ich dann aber auch Inhalte lesen. Nur auf die Sowjets zu schimpfen oder die Liberalen oder die Anti-Nationalen – das mag in den 1980er Jahren bahnbrechend gewesen sein. Für mich ist das Schnee von gestern. Genauso vorgestrig ist das Herummäkeln an der „kleinen Wiedervereinigung“. Erstens wird wohl niemand ernsthaft glauben, dass 1990 eine große möglich war. Und zweitens stellt sich heute heraus, dass wir schon alle Hände damit zu tun haben, dass geschrumpfte Restdeutschland halbwegs über die Runden zu bringen. Der Verlust Schlesiens, Hinterpommerns und (Ost-)Preußens ist eine geschichtliche Tragödie. Aber diese Teile Deutschlands sind genauso futschikato wie das Burgunderreich. Wenden wir uns also der Gegenwart zu.

    Heute schlagen wir uns mit anderen wohlbekannten Problemen herum, die ich nur erwähnen möchte: Kultufremde Masseneinwanderung, demographischer Staatszerfall, Putsch der europäischen Elite gegen die eigenen Nationen. Ich nehme an, dass wir heute inzwischen viel weiter sind, als sich das Willms zu seiner Zeit vorstellen konnte. Ich mache dem wackeren Manne ja keinen Vorwurf, dass er in seiner Epoche gelebt hat. Ich sehe nur nicht, warum man knappe Zeit gerade auf seine Bücher verwenden sollte.

  24. Georg Mogel

    @ Nemo Obligatur:

    Wissenschaft und Tapferkeit bauen die Größe auf. Sie machen unsterblich, weil sie es sind. Jeder ist soviel, als er weiß,
    und der Weise vermag alles. Ein Mensch ohne Kenntnisse – eine Welt im Finstern. Einsicht und Kraft: Augen und Hände. Ohne Mut ist das Wissen unfruchtbar!

    Baltasar Gracian,
    Handorakel,
    Art. 4

  25. @Winston Smith

    Jetzt haben Sie mich eiskalt erwischt. Und da Sie klare Fragen stellen, sollte ich natürlich klar antworten.

    Dazu mache ich jetzt mal etwas auf Pirmin Meier, ohne natürlich im mindesten an seine profunde Bildung heranzukommen.
    Also, ich habe mal vor langer Zeit bei Rupert Lay etwas Philosophie und Wissenschaftstheorie studiert. Das ist der, der mal ein Gespräch mit Horst Mahler geführt hat:
    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14325606.html<blockquote
    Und ich weiß deshalb nicht, ob er noch salonfähig ist.
    Ich finde ihn aber noch immer noch hilfreich, was die Wissenschaftstheorie betrifft.
    Also:
    Eine zeitgemäße erkenntnistheoretische Fragestellung ist bei Rupert Lay nicht die Frage nach dem Wesen der Welt und nach dem Wesen des Menschen ( Wahrheitsfrage), sondern sie stellt sich dar als philosophische Reflexion über konkrete Person und konkrete Gesellschaft.
    Rupert Lay fragt nicht nach dem Wesen des Menschen
    (Was ist der Mensch ?), sondern er will konkretes Personsein erfassen.
    Fünf Elemente, die unaufgebbar zu Personsein gehören, sind für Lay:
    Individualität, Gesellschaftlichkeit, Weltlichkeit, Geschichtlichkeit, Grenzhaftigkeit.
    Diese fünf Elemente sieht Lay als gleichursprünglich und als dialektisch aufeinander bezogen an.
    In diesem Sinne gibt es „den Menschen“ natürlich auch als ein unpolitisches Wesen. ( weiß aber nicht, welches Menschenbild Willms vertrat).

    Zur Verdeutlichung:
    Der russische Philosoph Nikolai Berdjajew ( 1874-1948) hat z.B. „ethische Überlegungen zum Begriff der Nation“ angestellt:
    Berdjajew geht von der Überlegung aus, daß der Mensch zugleich Individuum und Gemeinschaftswesen ist und fragt, wo der existentielle Mittelpunkt des Menschen liegt. Sein personalistisches Denken verneint, daß „der existentielle Mittelpunkt, der Mittelpunkt des Bewußtseins in der Nation oder sonst in irgendeiner kollektiven, nicht menschlichen Realität wurzelt“.
    Er schreibt:“ Die Persönlichkeit ist nicht ein Teil der Nation, Nationalität ist ein Teil der Persönlichkeit und befindet sich in ihr als einer ihrer qualitativen Gehalte.“
    Kurz: Zwischen Einzelwesen und globaler Welt gibt es kollektive Lebensweisen ( Völker, Nationen, Clans, usw.)
    In Europa leben die Menschen in Nationen. Das war nicht immer so, aber eine andere (bessere ?) Zwischenform ist noch nicht denkbar.
    Die Vision eines EU-Superstaates ist nicht berauschend, der Rückfall in Clangebilde ist auch erschreckend.
    Aber ich bin kein Staatstheoretiker. Die müssen sich einen Kopf machen.
    Puh….

  26. P.S. Den Link Lay/ Mahler gibt es nicht mehr, muß direkt eingegeben werden.

  27. Der_Jürgen

    @Nemo obligatur

    Würde man die Kommentatoren auf diesem Forum nach ihrem Temperament und ihrer Denkweise klassifizieren, so nähmen Sie und Pirmin Meier die beiden Flügelpositionen ein.

    Mein Landsmann Meier ist ein wandelndes Lexikon; er kennt jeden auch nur halbwegs bedeutenden konservativen oder rechten Denker des deutschen Sprachraums in- und auswendig, hat etliche dieser Denker persönlich kennengelernt und brennt darauf, uns an seinen Kenntnissen und Erlebnissen teilhaben zu lassen. Dagegen ist wahrhaftig nichts einzuwenden, auch wenn seine egozentrische Sichtweise den einen oder anderen Sezessionisten bisweilen nerven mag.

    Andererseits lässt nichts in den Kommentaren dieses hochgebildeten Verstandesmenschen auch nur eine Spur von Sorge über die ungeheuerliche Katastrophe erkennen, die vor allem über Deutschland, aber auch über viele andere europäische Länder hereingebrochen ist – nicht zuletzt über die Schweiz, wo die Lage zwar noch nicht so dramatisch ist wie in Deutschland, aber dennoch Anlass zu tiefer Sorge geben müsste. (Dass unsere Invasions-Ankurblerin, Bundesrätin Sommaruga, nicht so hemmungslos wüten kann wie Merkel in Berlin, hat zwei Gründe: Erstens kann der Schweizer Bürger durch die Sammlung von Unterschriften Volksabstimmungen erzwingen, und zweitens vertritt die heute grösste Partei des Landes, die SVP, wenigstens teilweise Schweizer Interessen.)

    Im Gegensatz zu einem Pirmin Meier, der den Niedergang – oder Untergang – Deutschlands und Europas offenbar gelassen von seinem Lehnstuhl aus verfolgt und sich weit mehr Gedanken über diese oder jene Passage bei Reinhold Schneider als über die Verdrängung der weissen Europäer durch Orientalen und Afrikaner macht, fragen Sie, Nemo Obligatur, als Herzmensch, was uns Schneider, oder Lübbe, oder Willms heute noch zu sagen habe. Ich kann Sie begreifen. Allerdings müssen Sie dann auch fragen: „Was haben uns Nietzsche, Spengler, Evola, Codreanu etc. etc. heute noch zu sagen?“

    In der Tat ist es schwierig, in den Schriften dieser rechten Ikonen konkrete Handlungshilfe für heute zu finden. Keiner von ihnen hätte sich selbst in seinen schlimmsten Albträumen vorstellen können, dass ein grosser Teil Europas unter die Herrschaft feindlicher Eliten geraten würde, deren oberstes Ziel die Abschaffung ihrer eigenen Völker durch Vermischung mit Afrikanern und Asiaten ist. (In Jüngers genialem Roman „Eumeswil“ wird ein vielrassiger „Fellachenstaat“ der Zukunft geschildert, aber dieses Buch erschien 1980, als die Flutung schon längst eingesetzt hatte. Dasselbe gilt natürlich für Raspails „Heerlager“; auch dieses Werk entstand zu einer Zeit, wo die Entwicklung für intelligente Beobachter bereits erkennbar war.)

    Die Frage geht nicht nur an Sie, Nemo Obligatur, sondern an alle: Sollen wir weiter rechte und konservative Denker der Vergangenheit lesen, oder ist dergleichen eine unverantwortliche Zeitvergeudung, weil es uns zwar intellektuellen oder ästhetischen Genuss bescheren mag, uns jedoch im Kampf für die Rettung Europas keinen Schritt weiterbringt und uns daran hindert, unsere Zeit und Kraft für Dringenderes zu verwenden?

  28. @Georg Mogel. „Jeder ist so viel, als er weiss.“ Was bin ich denn, wenn ich plötzlich sehe, dass ich weniger weiss als ich glaubte zu wissen? Da muss man nicht mal Sokrates bemühen, der zeigte, dass man zuerst sehr viel wissen muss, bis man weiss, dass man nicht weiss. Der mittelalterliche Philosoph und Mystiker Nikolaus von Kues (1401 – 1464) schrieb eine Abhandlung über die „Docta ignorantia“, die gelehrte Unwissenheit.

    @_Der Jürgen. Selbst wenn ich Einwände gegen Willms sehr gut nachvollziehen kann, möchte ich Ihnen sehr recht geben, dass man auf solche Denker nicht verzichten sollte. Miguel de Unamuno pflegte beim Lesen jeweils die Stellen anzustreichen, die ihn störten, wo er nicht einverstanden war, und zwar um sich selber zu mahnen. Wir neigen allzu stark dazu, das anzustreichen, was uns bestätigt. Auch was ich über eine Philosophie am Rande der Verzweiflung oben geschrieben habe, möchte ich nicht nur negativ gemeint haben.

    @Stogumber. Was Sie über Lübbe schreiben, beschlägt meines Erachtens vor allem eine Ruhe und analytische Klarheit des Denkens, wovon wir alle profitieren könnten. @bert.b. Wenn Sie das selbstreferentiell finden, ist das Ihr Problem. Es ist auch nicht bloss selbstreferentiell, wenn man sagt, man habe einmal diesen oder jenen Vortrag von einem Philosophen gehört oder man habe zu einem angesprochenen Thema doktoriert, das bedeutete in der Regel immerhin einige Jahre Arbeit, wobei es aber dann selbstverständlich auf die Resultate und wohl noch mehr auf den Prozess ankommt. Auch der Satz 1+1=2 ist in einem gewissen Sinn selbstreferentiell, denn es kommt sehr darauf an, ob man den Befund als subjektiv oder objektiv betrachtet. Nach Popper ist der Satz nur in Welt 3 richtig.

  29. Winston Smith 78699

    @ Irrlicht
    Danke für die Antwort. Lassen wir das mit den Emigranten lieber mal ruhen, das ginge sonst mit zwingender Logik in eine delikate Ecke; ich hätte das lieber nicht tippen sollen. Was anderes, nämlich zur politischen Orientierung der Wiener (über die Sache mit Frege hab ich mich ein wenig informiert): „Hans Kelsen“ liefert in der SiN-Suchmaschine zwei Treffer auf beides recht interessante Artikeln und Kommentare. Das wäre dann Opposition zu Schmitt und irgendwie USA-freundlich, wenn ich das recht sehe, ohne mich auszukennen.

  30. Nemo Obligatur

    @ Lieber Der_Juergen und andere,

    als „Flügelmann“ habe ich mich zwar noch nie gesehen, aber nachdem ich Ihre weiteren Ausführungen gelesen habe, nehme ich das als Kompliment oder zumindest als einen wertneutralen Versuch einer Positionsbestimmung.

    Noch einmal zu Willms: Ich habe dann schließlich doch das allwissende Internetorakel befragt und siehe da, die Anwort lag gar nicht fern, sondern im Gegenteil, sie lag schon in der Sezession:

    http://www.sezession.de/22759/plaedoyer-fuer-das-recht-auf-nation.html

    Mit einem Verweis auf diesen ausgezeichneten Artikel von Michael Wiesberg hätte sich für mich der Nebel etwas eher gelichtet. Auch wenn ich gleichwohl denke, dass Willms für uns heutige zurecht in den Hintergrund gerückt ist, so leuchtet mir doch sein grundsätzlicher Ansatz, nämlich die Rehabilitierung der Nation, ein. Außerdem staunt man immer wieder, was noch in den 1980er Jahren in West-Deutschland an Diskussionsfreiheit möglich war. Insofern hat sich letzthin die ganze Diskussion hier eben doch gelohnt. Wenigstens für mich.

    Ich will abschließend versuchen, es noch einmal klarer zu formulieren, warum: Willms und seine Mitstreiter waren nach meinem Dafürhalten und verständlicherweise noch sehr auf die Folgen des Dritten Reichs fixiert. Meiner bescheidenen Meinung nach ist das heute Luxus. Dessen Historisierung wird so oder so einsetzen. Neuerdings wid ja auch die Schuldfrage am Ausbruch des I. Weltkriegs kontrovers diskutiert. Dass Denker der Vergangengeit allgemein lehrreich sind und wir alle auf den Schultern von Riesen stehen, ist dagegen eine Platitüde. Also weg mit ihnen, oder doch wenigstens nach hinten ins Regal. Was not tut, sind Notfallmaßnahmen. Eine Art „stabile Seitenlage“ für die Nation. Da haben uns die Zeitgenossen, es müssen nicht Philosophen sein, denken Sie an Sarrazin, mehr zu geben. Formulieren wir überhaupt einmal eine einfache Fragstellung: WIe können wir sicher gehen, dass es Deutschland auch in 50 Jahren überhaupt noch geben wird?

    Den neuen Camus lese ich vor diesem Hintergrund mit Interesse. Er ist schon deswegen Pflichtlektüre, weil er auch hierzulange wirkt. Franzosen lassen sich eben nicht per se als „Altnazis und ewig Gestrige“ verunglimpfen. In dieser Hinsicht war für mich eine Glosse im Spiegel dieser Woche von Nils Minkmar aufschlussreich, der vor der Lektüre Camus‘ warnte (natürlich ohne Antaios zu erwähnen). Aber der Spiegel funktioniert – hierin immer noch verlässlich – wie ein Seismograph. Man scheint dort also vor Camus Angst zu haben, weil Franzose, und das ist doch schon einmal etwas. Lohnenswert könnte auch der Blick nach Osteuropa sein. Warum verhalten die sich in der Flüchtlingsfrage so wie sie es tun? Da fällt mir der Name Zizek ein (mit Häkchen über dem z). Sicher gibt es auch andere. Was treibt Orban und ddie PiS an? Übrigens ist das einer der Gründe für mich, die Sezession zu lesen. Als philosophischer und politischer Dilettant bekommt man dort immer wieder Anregungen.

    (Hier schließt sich der Kreis für mich, s.o. Wiesberg etc., ich wünsche allen eine gute Nacht und melde mich aus der laufenden Diskussion ab).

  31. Irrlicht

    @Winston Smith 78699
    Zum Thema „Hans Kelsen und der Wiener Kreis“ kann ich nichts sagen, eine politische Orientierung läßt sich dem philosophischen Diskussionszirkel meiner Ansicht nach aber nicht pauschal zuschreiben. Carnap als führender Kopf der Gruppe vertrat einen ethischen Nonkognitivismus, einen Dezisionismus in ethischen/politischen Fragen, den er an der Frage der Wahl des politischen Systems illustrierte: Die Frage, ob Kommunismus oder Demokratie besser sei, habe keinen kognitiven Gehalt. Schnittmengen mit Schmitt sind ersichtlich, zumal diese Haltung in den USA, dem Land der Hypermoral, schwer vermittelbar ist. Allerdings war er pazifistisch orientiert, u.a. ein Gegner des Vietnam-Krieges. Insgesamt habe ich nicht den Eindruck, dass die Emigranten, mit Ausnahme einiger jüdischer, ausgesprochen USA-freundlich waren.

  32. Stil-Blüte

    Bernhard Willms war mir bis zum Lesen des obigen Gastbeitrags völlig unbekannt. Also, wohl nicht ganz unüblich, Einstieg über Wikipedia. Wie war ich aber erstaunt, über ihn, sein Leben und sein Werk nur ein paar Zeilen zu finden, allerdings mit umfangreichen Literaturhinweisen. Eine Frage an den doch wohl beschlagenen Gastreferenten: Wäre das nicht eine Gelegenheit, ihn einem weitaus umfangreicherem Rahmen ausführlicher darzustellen? Ja ich weiß. einmal sich die Mühe macht, Wikipedia zu bereichern stößt oft auf Vorbehalte der ‚Verwalter‘. Aber dennoch wäre es – das meine ich jetzt auch als Offerte an all die anderen Kapazitäten auf einem Spezialgebiet, die hier mit einem Spezialgebiet in Erscheinung treten, der Mühe wert.

    @Der_Juergen

    …Sollen wir weiter rechte oder konservative Denker der Vergangenheit lesen…oder…

    Diese Frage habe ich mir auch schon manchmal im Stillen gestellt. So viel weiß ich, missen möchte ich diese konservative Denkart nicht, aber nur… Unser Augenmerk gilt vor allem Philosophen, Historikern, Politikern, geisteswiss. Autoren.

    Ich glaube, daß es ein Mißverständnis ist, daß Deutschlands Größe allein auf Dichtern und Denkern beruht. Vielmehr gab (und gibt es) unzählige Charaktere, Köpfe, Persönlichkeiten, Solitäre, die Multiplikatoren für eine gute Gesellschaft waren und sind, ohne daß sie unmittelbar zur geistigen Elite gehörten: Verleger, Übersetzer, Weltenbummler, Sänger, Handwerker, Missionare, Flieger, Ärzte, Architekten, Banker, Ingenieure, Komponisten, Landwirte, Unternehmer, Geistliche, Zoodirektoren, Tüftler, Abenteurer, (Film-)Schauspieler, Entdecker, Pädagogen, die sich einer Sache verschrieben, aber darüber hinaus doch universal gebildet waren, die aber geistesgeschichtlich im Schatten anderer Zeitgenossen blieben. Jeder von uns kennt aus der Vergangenheit und der Zeitgeschichte, die bis in die Gegenwart reicht solche imposanten ‚Macher‘. ‚Kopp‘ hat manch einen davon im Repertoire. Sie in einen konservativen offenen Kreis hineinzunehmen, wäre das erstrebenswert? Mir fallen spontan und querbeet ein: Silbermann (Orgel), von Helmholtz(Arzt, Physiker , Herrhausen (Banker), Fürst Pückler (Parkgestalter, Autor), Eberhard Sasse (Unternehmer), Christian Thielemann (Dirigent), Carl Humannk, Heimito von Doderer, Günther M. Ziegler (Mathematiker, Schinkel(Architekt, Hobrecht (Stadtplaner, Techniker), Christiane Karg , Detlef Linke (Neurochirurg), Adolf Cluss, Simon Gächter (Ökonom), Fellner&Helmer (Architekten), Graf von Spee (Priester), Walter Linse (Jurist), Franz Fühmann (Schriftsteller)…

  33. Waldgänger aus Schwaben

    @Meier,
    eigentlich schätzte ich ja Popper. Aber wenn das stimmt mit der „Gültigkeit“ von 1+1 = 2 in einer „Welt 3″ dann redet er Unsinn.

    1+1 = 2 ist im Grunde eine algebraische Definition.

    1 bezeichnet das neutrale Element bezüglich der Multiplikation in einem Körper (Algebra).

    Als „2″ wird z.B. im Körper der reellen Zahlen jenes Element bezeichnet, welches das Ergebnis von 1 + 1 ist.

    Oder wie ein Forist in einem Matheformum schreibt:

    2 ist eigentlich streng genommen eine algebraische Bezeichnung (Abkürzung) für 1 + 1 in Strukturen, die eine 1 und ein + besitzen (z.B. ähnlich zu natürlichen Zahlen und Co.). Z.B. Ringe mit 1. Daher handelt es sich bei der Gleichung 1 + 1 = 2 eigentlich um die Gleichung 1+ 1 = 1 +1.

    Die weiter im Text erwähnte Gleichung 1+1=0 bezieht sich auf den Körper der nur 0 und 1 als Element enthält, und als Boolescher Körper in der Informatik eine gewisse Bedeutung hat. Aber damit kann nicht behauptet werden, dass 1+1 auch 0 sein könnte, weil es dort wo 1+1=0 gilt, keine weiteren Elemente ausser 0 und 1 gibt.

  34. _derjürgen. Wenn Sie in der Schweiz leben, lade ich Sie gern zu meinem Festvortrag am nächsten Sonntag 11 Uhr in Aarau ein zum 150. Todestag von Ignaz Paul Vital Troxler, 1780 bis 1866, der zu Lebzeiten zu den bedeutendsten Schülern Hegels und Schellings zählte und der sich im Alter ins Abseits manövrierte, weil er als radikaler Demokrat durchaus auch rechte Positionen, vor allem rechtsliberale und solche, die man heute populistisch schimpft, aus Prinzip verteidigte, war überdies ein grosser Anthropologe, schuf Wörter wie Anthroposophie, Regeneration, Mittelschule, Biosophie, Iatrosophie und verkündigte auf durchaus kritische Weise im Grossratssaal von Aarau am 8. Mai 1833 das Asylrecht als „Blüthe der Neutralität“, was er aber absolut nicht so meinte, wie es heute verstanden wird. Troxlers Platz als Philosoph wird wohl auch künftig zwischen Stühlen und Bänken sein, doch bleibt er ein bedeutender Mahner. Ich wirkte auch am Dokumentarfilm über den Philosophen mit, der im nächsten Juni im Fernsehen SRF ausgestrahlt wird. Nehmen Sie dies übrigens nicht als selbstreferentiell, bloss als Hinweis. Troxler war nun mal ein grosser Philosoph, eine wirkliche Geistesgrösse, Herr Willms kann da mit seinem Lebenswerk nicht mithalten. Troxlers Volksbegriff war zwar nicht gerade nationalistisch, aber auf jeden Fall substanziell, die Völker haben je ihren eigenen Charakter, den es als Form der Freiheit zu verteidigen gilt. Für mich bleibt aber noch bedeutender, dass Troxler riskierte, mit der Herausgabe der Theologia teutsch und mit der Auseinandersetzung mit Böhme, Baader, Paracelsus sich als Mystiker verspotten zu lassen.

  35. Winston Smith 78699

    @ Irrlicht

    Allerdings war er pazifistisch orientiert, u.a. ein Gegner des Vietnam-Krieges.

    … und zumindest in jungen Jahren so ne Art Wandervogel-Feuertänzer-Jugendbewegter, ein Proto-Hippie also und der etwas freieren Liebe auch nicht ganz abgeneigt. Und neben ihm mit dabei dann noch ein paar Juden, zumindest ein exzentrischer Schwuler, ein Hochneurotiker und ein zünftiger Sowjet-Geldverbrenner und Anti-Spengler. Manche inszenierten fingierte spiritstische Seancen und ließen sie auffliegen und solche Scherze. Dass da keine politische Positionierung der Gruppe rauskam, mag doch vor allem an deren fachlicher Redlichkeit gelegen haben. Da wurde halt nichts erfunden, was nicht ging, auch wenn es noch so schön gewesen wäre: „Interessant ist Schlicks Versuch auch deshalb, weil die Möglichkeit einer Ethik von den meisten Vertretern des logischen Empirismus grundsätzlich bestritten wurde.“ Aber ich glaube, Sie gehen da eben gegen ein gängiges Klischee an, oder? Und da gehe ich ja mit: die Inhalte sind nicht leicht politisch einzuordnen, es sei denn als aufklärerisch und insofern auf jeden Fall antitotalitär.

  36. Heinz Obst

    @Thomas Wawerka
    @Monika
    @Heinrich Brück

    Hier gibt’s eine Landkarte zur Lösung der deutschen Frage mittels Großer Wiedervereinigung:

    Deutscher Bund mit Österreich

  37. Karl Brenner

    „Der Souveränität und damit eigener Entscheidungslagen enthoben, feierte man erbauliche Errungenschaften wie „Demokratie“, „Menschenrechte“, „Frieden“, „Stabilität“ und andere Worthülsen transatlantischer Provenienz, die allein dem Zwecke dienten, die Ohnmacht der Deutschen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu verschleiern.“

    Es sieht tatsächlich so aus, als wenn Deutschland aus dem philosophischen Schlaf erwacht ist. Es ist hauptsächlich die Frage nach der Souveränität (also der Freiheit), welche die denkenden Menschen in diesem Land bewegt. Und da ist besonders Herr Schachtschneider zu nennen.

  38. Der_Jürgen

    @Meier Pirmin
    Danke für die Einladung, aber ich kehre erst im April oder Mai in die Schweiz zurück.

  39. Desprecio

    @ „Heinz Obst“

    Diese „Lösung der deutschen Frage“, die angedachte „Große Wieder-
    vereinigung“ mag ja für Traumer aus dem national-konservativen La-
    ger vordergründig etwas für sich haben. Diesen gebe ich jedoch, unter
    Ausklammerung aller Fakten, die ohnehin dagegen sprechen, eines zu
    bedenken, was mir persönlich diese Aussicht von vorne herein absolut
    verleidet:

    Österreich dürfte einen ähnlich großen Anteil von Selbsthassern, selbst-
    zerstörerischen rot-grünen Realitätsverweigerern, geschichtsfälschen-
    den Historikern, selbstvergessenen Willkommens-Christen und Gutmen-
    schen, sowie weiteres, linksextremes rot-grünes Grobzeug bis hin zur „Antifa“ aufweisen wie wir in „unserer“ BRD auch.
    Die Führungsloge dieser „Creme de Austria“ wird sich dann mit großer
    Wahrscheinlichkeit auch noch in einer dann „großdeutschen“ Regierung
    einbringen wollen, um dieses neue Staatsgebilde weiter destabilisieren
    zu können.

    Wollen wir uns das auch noch antun, wo uns der Kampf gegen die links-
    extremen Volkszerstörer in allen etablierten BRD-Parteien fast schon
    zu überfordern droht ?

  40. Demo Goge aus der polis germania

    Desprecio

    „Diese „Lösung der deutschen Frage“, die angedachte „Große Wiedervereinigung“ mag ja für Träumer aus dem national-konservativen Lager . . . „

    Der Traum ist wahr geworden, denn durch die Einladungspolitik der großen „leaderin“ Europas und die daraufhin erfolgende Errichtung von Grenzkontrollen durch den österReichverweser Faymann in der Steiermark und Kärnten ist faktisch die „große Wiedervereinigung“ vollzogen und jetzt endlich – nach 70 Jahren – Großdeutschland substanziell wiederhergestellt.

    http://www.timediver.de/Landesausstellung_Bayern_Oesterreich_2012/Bayern_1000.jpg

  41. Der Gutmensch

    Lieber Winston,

    ich schätze und achte Ihren Ehrgeiz. Aber wir sind mittlerweile an einem Punkt angekommen, den Sie sich vermutlich nicht einmal in Ihren schlimmsten Alpträumen vorstellen können. Es muss – m. E. – darum gehen, wieder die Lücken zu schließen und eine gemeinsame Kommunikationsbasis – wie fragil auch immer – zu schaffen. Einen verlässlichen Konsens! Die Mittelschicht muss wieder nach oben gezogen werden, und zwar auf eine Weise, die den Begabten das Weiterdenken nicht verunmöglicht. Wenn also das Lesen und Rechnen und Schreiben auf niedrigem, aber stabilen Niveau wieder an ausdrücklich jeden durchschnittlichen Schüler vermittelt werden könnte, wären wir schon einen gewaltigen Schritt weiter! Alles darüber hinaus ist reiner Luxus, für den wir erstmal wieder eine kulturelle Grundlage schaffen müssen. Diese Aufgabe ist schon gewaltig genug, angesichts der perversen Politisierung die als permanente Denkverzerrung mittlerweile jeden Lebensbereich mit ihren Schimmelpilzsporen durchzieht. Wir haben den Punkt erreicht, da Selbstverständlichkeiten wegbrechen; nicht mehr langsam und unter lokaler Betäubung, sondern so, dass man sie bemerkt. Wenn man eben als „böse“ gilt – dann kriegt man nicht mal mehr einen Steuerberater. Wer hätte denn das für möglich gehalten, noch vor einem Jahr? Ich – aber meine Phantasie wünsche ich niemandem an den Hals.

    d. G.

  42. Caroline

    „Der Mensch existiert politisch oder es gibt ihn nicht“ ( Bernard Willms).
    Ich weiß nicht, wie Willms die Aussage genau verstanden hat.
    Sollte es allerdings als eine Wesensaussage ( Was ist der Mensch ?) gemeint sein, so ist eine solche Aussage heute nicht nur philosophisch unhaltbar !

    Liebe Monika,
    ich glaube, es handelt sich um einen emphatischen Mensch-Begriff. Das heißt: dann und nur dann ist ein Mensch ein wahrer/echter/rechter Mensch, wenn er „politisch existiert“. Ansonsten ist er zwar dem Phänotyp nach unter „Mensch“ einzuordnen, kommt aber an das Existenzideal nicht heran. All die vielen „Leute“ oder „Personen“ sind in diesem Sinne keine Menschen. Sehr spannend ist in diesem Zusammenhang die „freeman“-Bewegung, sich nimmer als „Person“ definieren zu lassen qua Geburtsurkunde oder Taufschein, sondern dem Staat seine „Person“=Maske freiwillig zurück zu geben und fortan als „Mensch“ politisch (denn das wird es dann unweigerlich) zu existieren. Siehe
    Einen ganz ähnlichen emphatischen Mensch-Begriff hatte übrigens auch Karl Marx, was wiederum das Pathos rechter Philosophen wie eben eines Bernard Willms, besonders spannend macht:
    …“wirkliche Aneignung des menschlichen Wesens durch und für den Menschen; darum als vollständige, bewußt und innerhalb des ganzen Reichtums der bisherigen Entwicklung gewordne Rückkehr des Menschen für sich als eines gesellschaftlichen, d. h. menschlichen Menschen.“ (Karl Marx, Ökonomisch-Philosophische Manuskripte, 1844).
    Offenbar kommt nur die (a)politische Mitte so ganz ohne „Menschen“ aus ….

  43. Demo Goge aus der polis germania

    „Der Mensch existiert politisch oder es gibt ihn nicht“

    Es handelt sich hier um eine analytische Aussage!

    Politik kommt von Polis, Gemeinschaft; außerhalb der Gemeinschaft ist Menschsein nicht möglich (Kaspar Hauser); daher der Mensch klassischerweise als zoon politikon (Aristoteles) bestimmt wird.
    Der moderne Entwurf des Menschen als abstraktes Atom (homo oeconomicus) führt ins „geistige Tierreich“ (Hegel) und zeitigt gegenwärtig die Folge, daß die BRD „Leader“ glauben durch verrühren von „geflüchteten“ unter die „schon länger hier lebenden“ Menschen ein für den Polizeiapparat handhabbares Mischungsverhältnis erreichen zu können.
    Zumindest geistvoller dagegen ist die Idee eines „Neu Aleppo“ in Deutschland von der Europastaat Agitatorin Ulrike Guérot:

    http://monde-diplomatique.de/artikel/!5274030

  44. M.M. Hof

    @ Caroline, Monika et al.
    „Der Mensch existiert politisch oder es gibt ihn nicht“ ist weder eine ‚empathische‘ oder existenzialphilosophische, sondern schlicht eine staatsphilosophisch-politologische Aussage, die mit Schmitt, den Willms sonst durchaus auch kritisiert, aus der neuzeitlichen Situation nach den mittelalterlichen Universalismen, d.h. der Situation, von der Hobbes ausgeht, die Konsequenzen zieht. Grundlegend darf für das Individuum und das Miteinander der Individuen nur die jeweilige ‚Liberty‘ sein, was eben nicht bedeutet, dass jeder ‚libertär‘ existieren kann, sondern lediglich, dass es zur Definition einer Gesellschaft (im Kontext der Vertragstheorie) keine anderen Erklärungs- und Ableitungsdefinitonen geben darf. Alles andere als das pure Faktum der ‚Liberty‘ des Einzelnen wäre lediglich ein Postulat, das schlimmstenfalls – vor dem Hintergrund der Bürgerkriegserfahrung Hobbes‘ – moralisch oder religiös aufgeladen die ‚Liberty‘ des Anderen beschränkt oder gar verneint (was Rousseau oder Locke z.B. nicht erkannt haben). „Menschheit“ ist bekanntlich keine politische Entität (C. Schmitt), sondern bestenfalls ein moralischer Anspruch, der jedoch genau in dem Moment, in dem jemand im Namen dieser „Menschheit“ zu handeln behauptet, die volle terroristische Wucht eines Hypermoralismus (Gehlen) entfaltet, indem das Gegenüber kein „wirklicher Feind“, also ein gleichrangiger Gegner mehr ist, sondern zum „absoluten Feind“ (C. Schmitt) wird, gegen den dann jede Maßnahme gerechtfertigt erscheint. Kurzum: Der Nationalstaat ist das Konstrukt, in dem sich Allgemeines und Besonderes derart miteinander vereinen lassen, dass eine Existenz jenseits von Despotie oder Anarchie gerade noch möglich ist. Alles andere ist Ideologie. Es bleibt nur die Wahl zwischen Nationalstaat (Politik) oder Imperium (Hyperpolitik und Hypermoral). Wohin der Trend seit 1919 geht, sollte deutlich sein.

  45. Demo Goge aus der polis germania

    „Ein Volk mit 81 Millionen Menschen kann ein bis zwei Millionen Flüchtlinge absorbieren, nicht nur einmal, sondern auch ein paar Jahre hintereinander. Deutschland hat das schon in höherem Maße vorgemacht, mit den Flüchtlingen nach dem Zweiten Weltkrieg wie nach dem Mauerfall 1989.“

    Thomas Straubhaar

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/thomas-straubhaar-ueber-demographie-und-fluechtlings-debatte-14094149-p2.html

    Das ist es was ich meinte, Der Mensch als Atom, als soziales und ökonomisches Problem oder -je nach Perspektive- Chance.
    Daß es sich bei den Flüchtlingen von 1945 um Deutsche Bürger also Genossen einer bestehenden politischen Gemeinschaft und bei denen von 1989 zumindest um Genossen derselben Sprach- und Kulturgemeinschaft handelte wogegen die ‚Flüchtlinge‘ von heute aber Fremde sind, die möglicherweise einmal Teil der deutschen Gemeinschaft werden können könnten (wenn sie es überhaupt wollten) liegt außerhalb des Horizontes der BRD ‚Elite‘.
    Ich empfehle dem Herrn Straubhaar dringend „Gesellschaft und Gemeinschaft“ von Ferdinand Tönnies zur Lektüre; aber eigentlich weiß es doch auch schon jeder, Ein Fußballspiel wird mit einem Team gewonnen, und nicht mit Einzelkämpfern, da nützte auch die teuerste Dressur (Ausbildung) nichts, wenn sie nicht kooperieren WOLLEN !

    Und Herr Gauck, ein Team braucht einen NAMEN!, für „die Menschen in unserem schönen Land“ wird niemand kämpfen oder auch nur arbeiten.

  46. Dag Krienen

    @ M.M. Hof
    Sie treffen exakt den Punkt.
    Willms Idee der Nation will die „Freiheit“ als Grundkonstante der neuzeitlichen Conditio Humana in eine wirklich lebbare politische Form bringen, „jenseits von Despotie und Anarchie“ – d.h. den unausweichlich zerstörerischen Konsequenzen dieser Freiheit, die unweigerlich eintreten, wenn diese „Freiheit“ nicht mit allen ihren problematischen Seiten beim Wort genommen wird, sondern zur „erbaulichen“ (Selbst-)Täuschung dient.
    Die tagespolitischen Stellungnahmen Willms aus den achtziger Jahren, die vor allem das Ziel der Wiedervereinigung verfolgten, sind sicherlich veraltet. Die zugegebenermaßen sperrige Grundkonzeption seiner Idee der Nation als Philosophie der Freiheit ist es nicht. Sie enthält m.E. sogar eine große Chance. Denn die Nation ist so nicht nur das eigensinnig-egoistische, partikuläre Anliegen je einer kleinen Gruppe, sondern ein politisches Ordnungsmodell für alle Menschen auf der Welt, das ihnen eine jeweils eine weit angemessene Realisation von lebbarer Freiheit verschaffen kann, als alle internationalistischen und globalen Ordungsideen, die allesamt, insbesondere wenn sie die „erbauliche“ Freiheit im Banner führen, zu Fremdherrschaft, extremer Entfremdung und schließlich Bürgerkrieg und Selbstvernichtung führen. Deshalb postulierte Willms das Recht auf Nation als das eigentliche politische Grundrecht eines jeden Menschen, trotz aller potentiell negativen Seiten, die bei der Realisation jeder nationale politische Existenz zu Tage reten können.

  47. Caroline

    „Gesellschaft und Gemeinschaft“ von Ferdinand Tönnies zur Lektüre;
    … oder aber, noch pointierter, Helmuth Plessners „Grenzen der Gemeinschaft“ (1924)
    „Das Gesetz des Abstands gilt darum nichts mehr, die Vereinsamung hat ihren Zauber eingebüßt. Die Tendenz nach Zerstörung der Formen und Grenzen fördert aber das Streben nach Angleichung aller Unterschiede. Mit der gesinnungsmäßigen Preisgabe eines Rechts auf Distanz zwischen Menschen im Ideal gemeinschaftlichen Aufgehens in übergreifender organischer Bindung ist der Mensch selbst bedroht“.
    Gesellschaft setzt Distanz, Unterschiede, Formen und Grenzen unbedingt voraus – der Versuch der „Integration“ wird indes im Namen der „Angleichung aller Unterschiede“ unternommen und als „Gemeinschaft“ proklamiert.
    Reden wir also von „Gemeinschaft“ oder von „Gesellschaft“, die gegen eine hypermoralische Gemeinschaftsduselei zu verteidigen wären?

  48. Heinz Obst

    @Desprecio

    Die Landkarte hatte ich lediglich als Ergänzung zur Frage bezüglich kleiner oder großer Wiedervereinigung verlinkt. Unbestreitbar scheint zu sein, daß letztere aus den von Ihnen genannten Gründen obsolet ist.

    Auch Gringocountry, ergo die Besatzungsmacht dürfte keinerlei Interesse an einer großen Wiedervereinigung haben.

    Von „kleindeutscher“, respektive „großdeutscher Lösung“ der „deutschen Frage“ hörte ich – ein paar Jährchen liegt dies bereits zurück – erstmals während einer Besichtigung der im Keller des Deutschen Domes am Berliner Gendarmenmarkt installierten Dauerausstellung einen der dortigen, beim Bundestag angestellten „Historiker“ reden.

  49. Irrlicht

    @Winston Smith
    Nur als Anmerkung: Genießen Sie Wikipedia mit Vorsicht. Z.B. ist die Aussage im Artikel über den Wiener Kreis, den Teilnehmern wäre ein „Bekenntnis zu den Werten der Aufklärung“ gemeinsam, angesichts dessen, dass führende Köpfe einen mehr oder weniger ausgeprägten ethischen Nihilismus vertraten, absurd.

  50. Winston Smith 78699

    @ Irrlicht
    Danke. (Ich habe zur Zeit wirklich fast nur noch das Internet zur Recherche.)

    Mich würde interessieren, wie Sie den zweiten Wittgenstein hinsichtlich Ethik und Politik einordnen, und zwar weil ich den Eindruck habe, daß sogar der und zuguterletzt auch noch Gödel von der Linken vereinnahmt werden, zum Zwecke der Zerstörung von Formen, Ordnungen, Bildung usw. Dem Herrn Lichtmesz habe ich mal als alter ego von Liane Bednarz in diesem Sinne geantwortet, um auf dieses Problem hinzuweisen. Diese Vereinnahmung (im Stile vom Großinquisitor oder meinetwegen dem Naphta vom Zauberberg) halte ich auf verschiedenen Ebenen für zwar halbseiden, aber eben gefährlich.

    Das dockt, so weit ich weiß, bei Wittgensteins Problem mit dem Regelfolgen an. Gerne wird daran angehängt, dass sogar Zahlen und Logik nur Spiele sind, die auch ganz anders laufen könnten. Bei Koestler und Orwell tritt eine solche radikale Skepsis (gar noch an dem, was mal als analytisch oder a priori galt) noch als letzte Zuspitzung auf, aber ich befürchte, dass sich die Vorstellung der Verhandelbarkeit von allem und jedem als grooviges Grundgefühl in die mediotechnisierte Gesellschaft eingeschlichen hat. (Cui bono?) Und ich denke, dass auch diese Dekandenz rückwirkend für jemanden wie Willms spricht. Der gesunde Menschenverstand kann ja leicht als Totschlagbegriff angebracht werden, wenn ungewohnte Ideen ins Spiel kommen oder es für Kleingeister zu schwierig wird – und gegen eine solche Blockade bin ich natürlich. Wenn er aber auf gesellschaftlicher Ebene erodiert, wird’s eben gefährlich.

  51. @Waldgänger. Eine algebraische Definition ist entweder gültig oder nicht gültig. Popper hielt sie für gültig, und man kann darauf aufbauen. Es geht gerade nicht darum, ob sie objektiv wahr sei. Der Begriff der Wahrheit ist übrigens nach Gottlob Frege eine Aussagefunktion. So meinte es Popper. Er konnte durchaus klar denken und hat auf dem Gebiet der Logik einen ganz anderen Leistungsausweis als Sie und ich. Im Umgang war er etwas grobschlächtig. Ralph Dahrendorf meinte, daran müsse man sich gewöhnen.

    Sind wir uns einige, dass derlei Debatten keine selbstreferentielle Nabelschau sind, selbst wenn wir den je gleichen Befund allenfalls nicht genau gleich sehen? Natürlich gibt es wohl noch bedeutendere Denker, methodisch fundierter, als Willms, aber es war und ist wohl doch anregend, von ihm ausgehend einige Erörterungen zu machen und wenn möglich mit der Zeit auf ihn wieder zurückzukommen. Debatten über methodische Details drücken übrigens nicht Gleichgültigkeit gegenüber Problemen von Welt 1 und Welt 2 aus, um mich noch einmal mit Popper auszudrücken, den persönlich kennengelernt zu haben für mich tatsächlich keine Kleinigkeit war. Man sieht einen Denker selbstverständlich anders, wenn man auch seine Marotten und seine ganz persönliche Art kennengelernt hat. Notiert man es auf qualifizierte Weise, gewinnt es sogar Quellenwert.

  52. Irrlicht

    @Winston Smith
    Allgemein lassen sich sprachphilosophische und erkenntnistheoretische Abhandlungen, also theoretische Philosophie (das ist bei Wittgenstein aufgrund des aphoristischen Stils nicht klar) ohne weiteres gar nicht politisch einordnen. In diesem Fall würde ich gerne konkret sehen, inwiefern Wittgensteins Spachspielkonzeption, die in den „Bemerkungen über die Grundlagen der Mathematik“ am klarsten dargestellt wird und zugleich die Schwächen des Ansatzes am deutlichsten aufzeigt, zusammen mit den Gödelschen Unvollständigkeitssätzen (den direkten Konnex sehe ich nicht), für ein „Zersetzungswerk“ instrumentalisiert wird. Zumal ich das übliche konservative (und neurechte) Lamento über die „linke“ Zerstörung von Formen und Ordnung nicht teile, zumindest nicht ohne weiteres. Dafür ist die Zerstörung zu selektiv, und Machstrukturen, nicht „linke Theorie“ als Begleiterscheinung, sind die zentralen Bezugsgrößen. Es gibt einen Grund, warum Mohler mit dem Poststrukturalismus flirtete.

  53. Wittgenstein war sicher kein Zersetzer. Wenn ich Mohler richtig verstanden habe, war er tendenziell eher ein Nominalist als ein Universalist, also theoretisch dem Dezisionismus nahe stehend als zum Beispiel der Verkündigung von Idealen bzw. dem umstrittenen deutschen Idealismus. Diese methodischen Voraussetzungen sollte man aber, wie Sie@Irrlicht, richtig sehen, nicht schon mit politischen Vorbewertungen versehen. Zum Beispiel steht ein Dezisionist nicht automatisch „rechts“, wie Lübbe in seinem bekannten Essay über den Dezisionismus in „Praxis der Philosophie“ (Reclam 1980) korrigierend ausführte, was damals ein Beitrag war gegen die Unzitierbarkeit von Carl Schmitt.

  54. Der Gutmensch

    Dafür ist die Zerstörung zu selektiv

    Tatsache? Wo bleibt was stehen? Wenn was stehenbleibt, dann kann es der normale Mensch jedenfalls aus seiner Perspektive nicht sehen. Er bekommt nur die Auswirkungen zu spüren, dass sich Macht offenbar irgendwo konzentriert und besinnt sich vielleicht auf den Energieerhaltungssatz und überlegt, ob der wohl anwendbar ist.

    d. G.

  55. Genauer: Wittgenstein stand, wie Mohler, theoretisch eher dem Nominalismus nahe als dem Universalismus, das heisst: wir entscheiden uns im Einzelfall. Der Universalismus ist eine Orientierung für den allgemeinen Fall. Es bringt allerdings nichts, Nominalist zu sein, wenn das, was man entscheidet oder entscheiden wird, allzu sehr voraussehbar wird. Es gerinnt dann, ob Universalismus oder Nominalismus mit dem Spezialfall Dezisionismus, allzu schnell zur Ideologie. Lagerphilosophie ist in der Regel Ideologie, nicht Philosophie.

  56. Irrlicht

    @Gutmensch
    „selektiv“ insofern, als dass Machtstrukturen samt ihrer Ideologeme erhalten bleiben und eher gefestigt werden, derzeit etwa an der Verschärfung des „Kampfs gegen Rechts“ zu sehen. Zudem bleibt die ökonomische Struktur, vor allem die Interessen der Finanzindustrie, unangetastet.

  57. Der Gutmensch

    @Irrlicht
    Danke.

Diskussion geschlossen. :-)

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