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kositza Ellen Kositza


Das war’s. Diesmal mit: kostenlosem Hessenpark für Asylbewerber und hilfswütigen Rentnern

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7. Februar 2016 – Die römisch-katholische Kirche ist universell. Das heißt, ihre Liturgie ist weltumspannend. Apropos spannend: Das ist es, sie in in ihrer je eigenen Ausprägung zu sehen! Dabei – ein Land: hundert Sitten, klar. Eine westdeutsche (urbane) Hl. Messe kann sich sehr von einer mitteldeutschen (ländlich) unterscheiden, wir kennen das. Daß in einer Kirche mehrere Flachbildschirme aufgehängt sind, kennen wir aus Polen.

Daß man Teile der Messe kollektiv kniend auf Steinboden verbringt, aus Rumänien. Daß höchst individuelle (durchaus sehr berührende) Fürbitten mit zitternden Stimmen aus den Besucherreihen vorgebracht werden, ist uns aus amerikanischen katholischen Messen bekannt. Daß gern und eigentlich bei jeder Gelegenheit rhythmisch geklatscht wird, aus Andalusien.

Nun (wir flohen gerade vor den unsäglichen „Winterferien“, die uns in Sachsen-Anhalt regelmäßig aufgebrummt werden): abermals Andalusien. Sonntags die volle Packung: Morning has broken und ähnliche Allerweltshits flimmern über die im Gotteshaus aufgehängten Mattscheiben, geklatscht wird sowohl nach der Predigt als auch während (!) der Wandlung (was die Frage aufwirft, warum nicht wenigstens auch das Evangelium applauswürdig wäre). Usus ist zudem, die traditionell gemeinsam gesprochenen Gebete und Bekenntnisse „im je eigenen Rhythmus zu sprechen“ . Babylon!

Kubitschek flieht: „Was hab ich mit diesen Leuten zu tun?“ Den Sonntag drauf besuchen wir eine ländlichere Gemeinde. Keine Flachbildschirme, lateinamerikanischer Pfarrer mit herrlich autoritativem Gestus. Geklatscht wird auch hier: bis zum- geht- nicht- mehr. Das heißt, daß das wild beklatschte no pasarán! (santo, santo, santo) zum Dauerhit der Kinder über ganze acht Tage wird. Gefällt uns. Man kann sich den kommunistischen/antifaschistischen/katholischen Schlachtruf ja passabel anverwandeln.

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9. Februar 2016 – Coole Koalition: Bachmanns Lutz, Junge Freiheit und PI regen sich im Chor drüber auf, daß „Asylanten, Flüchtlinge“ (und deren „Betreuer“) den „Hessenpark“ kostenlos besuchen dürfen – wohingegen deutsche Kinder und selbst behinderte Deutsche das in den Ausläufern des Rhein-Main-Gebiets gelegene Freilichtmuseum nur gegen einen Obulus betreten dürfen.

Obwohl und zumal ich selbst ein regelmäßiger Zahler bin, plädiere ich hingegen hier ganz nachdrücklich für die Einzelfallklausel. Ach was, mehr noch! Nichts hätte ich dagegen einzuwenden, wenn ein ordentlicher Hessenparkbesuch eine Art Verpflichtung für vorübergehende Deutschlandbewohner wäre!

In unserer Familie ist es nämlich so: Einmal im Jahr steht der „Hessenpark“ bei uns auf dem Pflichtprogramm. Ich führe meine Kinder stets mit Begeisterung durch den Hessenpark. Wohl ein Dutzend Mal in den vergangenen fünfzehn Jahren habe ich mir dort den Kurzfilm über die letzte Hochzeit in katholischer Marburger Tracht (1965) vorführen lassen. Die größeren Kinder kenne ihn schier auswendig: Wie die Braut angekleidet und (vor allem! aufwendig!) frisiert wird, wie sie zur Kirche geführt wird, wie die alten Frauen des Orts zur Kirche strömen – es ist ein Bad in Nostalgie! So war es! So wird es nie wieder sein!

Ich habe mir mit meinen Kindern im Hessenpark die Geschichte der Köhler, der Flachsweber, der Hanfstricker, der alten hessischen Schmiedemeister erklären lassen; in unserem Haus finden sich überall Spuren davon: selbstgedrehte Springseile aus Hanf, graue Zöpfe aus selbstgeschlagenem Lein, Blaudruck nach traditioneller Art. Ja, das ist stets ein etwas anstrengender Parcours durch einen Teil der deutschen Geschichte. Was passiert noch mal in einer Mühle? Was ist Fachwerk? Was Lehm? Was ein Webstuhl? Warum sind die hier gehaltenen Schweine so fett wie in keinem deutschen Schlachthof?

Es gibt wenig Deutscheres (interessanter Komparativ!) als den „Hessenpark“. Ich habe noch nie auch nur einen einzigen Asylanten dort gesehen. Allerdings war ich im September 2015 zum letzten Mal dort. Kann ja sein, sie fluten dort jetzt nur so durch, weil sie es kostenlos dürfen. Komisch wär’s, schlimm nicht. Schätze insgeheim, daß nur die berühmten syrischen Astrophysiker, Zahnärzte und Informationstechnikerinnen hier sich einfinden. Dies freilich massenhaft.
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60 Kommentare zu „Das war’s. Diesmal mit: kostenlosem Hessenpark für Asylbewerber und hilfswütigen Rentnern“

  1. Hansi Dampf

    Es ist immer wieder erschreckend,
    wie Leute mit einem Leben lang Erfahrung
    (sollte man meinen), urteilen und von ihrem Denken
    auf das der Anderen schließen:
    dass die Menschen, die da kommen bzw.gekommen sind,
    ganz anders sozialisiert worden sind
    und nicht so denken/ticken, wie sie,
    dass da ganz andere Voraussetzungen,
    Ansprüche und Verhaltensweisen da sind,
    geht den intellektuellen Schreibtischdenkern
    nicht in den Kopf.
    Wie wollen sie einen Korangläubigen
    in seinen absolut verfestigten Denkweisen ändern?
    Darf der sich überhaupt ändern?
    Darf der überhaupt etwas auslegen?
    Darf der überhaupt z.B.seinen Glauben hinterfragen?

    Darf der überhaupt in irgendeiner Weise tätig werden,
    da sein „Gott“ alles schon vorbestimmt hat?

  2. Bethmann

    Der Lebenswelt unserer Groß- und Urgroßeltern sind wir nicht weniger entfremdet als derjenigen der Alten Römer oder irgendwelcher Amazonasstämme. Stimmt sogar hier auf dem platten Land.

  3. Liebe Frau Kositza,
    da Sie in der gottlosesten Region der Welt wohnen, sollten Sie für die eigenartigste religiöse Vielfalt selbst des Katholischen dankbar sein:
    http://www.focus.de/politik/videos/ostdeutschland-hochburg-der-atheisten-als-pfarrer-in-einer-der-gottlosesten-regionen-der-welt_vid_33747.html

    Das von Martin Walser habe ich irgendwo gelesen. Er sagte auch:

    In Deutschland wurde zum ersten Mal weltbewegend menschlich reagiert.

    Gut, der Mann ist 88 ( ! )

    Hat er nicht selbst vier Töchter ? Hat er noch keine Enkel ? Er wohnt doch am Bodensee. Wehren sich die Konstanzer nicht gegen die Flüchtlingsunterkunft in der schönsten Touristenregion. Die im Gegensatz zum Hessenpark von den jungen Männern gerne besucht wird:

    http://www.suedkurier.de/region/kreis-konstanz/konstanz/Tennisanlage-am-Konstanzer-Hoernle-soll-weitere-Fluechtlingsunterkunft-werden;art372448,8472978

    Flüchtlinge als Enkelersatz für gelangweilte Senioren, das hat was .
    100.000 Kinder werden in Deutschland pro Jahr abgetrieben. Da fehlen die Enkel.
    Wenn jede Familie, die abgetrieben hat, einen minderjährigen Flüchtling aufnimmt, wäre das nicht so eine Art Wiedergutmachung ?

  4. Hartwig aus LG8

    In den Massenmedien häufen sich mal wieder Berichte, die die Demografie und die alternde Gesellschaft als fiskalische Zeitbombe mit katastrophalen Folgen thematisieren – langfristig.
    Soll wohl gegen die sogenannt „kurzfristigen Belastungen“ durch die Einwanderungswelle in Stellung gebracht werden, – und natürlich „Einwanderung als Rettung vor der Überalterung, Rettung der Renten- und Pensionsansprüche“ etc.
    Ihr Artikel von 2006 über die „Best Agers“ ist vielschichtig und verdiente eine Extra-Kommentierung. Aber jene „jungen Alten“, speziell die mit recht hohen Forderungen an Renten- und Pensionskassen, sind wohl kaum stärker zu verschrecken, als mit düsteren Prophezeiungen über angeblich massenhaft fehlende Beitragszahler. Also dann doch lieber Masseneinwanderung??
    Man lässt sich etwas einfallen in den MSM.

  5. Thomas Wawerka

    Trifft auch meine Beobachtung: Die Alten und die Jungen sind überwiegend für Multikulti – Gegner finden sich eher in den beiden Generationen dazwischen.
    Bei den Jungen kann ich’s verstehen – die haben keine Ahnung vom Leben, Flausen im Kopp und ein heißes Herz: Wer in seiner Jugend kein Sozialist war, usw. usf. Aber die Alten? Gerade die müssten es doch besser wissen! Die haben doch noch ein anderes Leben kennengelernt …

  6. Winston Smith 78699

    Ganz ehrlich:

    Das Thema mit den „Best-Agers“ ist zu groß, um in der Schublade Kositza-Alltagsglosse zu verharren. Ich habe mir den alten Artikel durchgelesen und finde, dieser sollte als großes Thema ohne „Das war’s“ aktualisiert werden (überarbeitet sowieso: „Mein Buch gehört mir“, „Grußwild“ …). Ich weiß nicht, warum ich 2006 nicht Sezession las (vielleicht weil kein heimischer Netzzugang vorhanden, vielleicht weil keine Kenntnis um das Blatt da war, sicher kein Geld für Zeitschriften), aber er hätte damals bereits sehr genau zu meinen Beobachtungen und Gedanken gepaßt.

    Dass hier noch mehr an Einblick zu erwarten ist, erscheint mir so anhand

    a) der ziemlich eindeutig erkennbaren Zielgruppe der Propaganda seit lange vor dem jüngsten Ansturm. Bsp.: als generationsübergreifend getarnte Gruftserien wie „Rote Rosen“ oder sogar „Lindenstraße“. (Letztere wäre vielleicht eine eigene Studie wert, weil sie zeigt, wie weit die Manipulation zurückreicht.)

    b) der einer Analyse werten psychologischen Funktion des Gutmenschentums der Fastgreise. Im anderen Artikel trug der klagefreudige „Gary“ eine Baseballkappe, kümmerte sich nicht um eigene Kinder, war sich zu schade, der Tochter beim Umzug zu helfen usw., während er sich nun an der Kleidervergabe wiederum mit Frau Professorengattin und der Täschnerin trifft, vielleicht auch an der selbstverständlichen Stelle (vielmehr: aller Fläche außer der einen bösen Stelle) auf dem Stimmzettel. Spielt hier Rationalisierung oder Ersatzhandlung anstelle von Buße eine Rolle? Ist man sich anhand des Zustands der Kindergeneration des eigenen Versagens insgeheim klar, darf dies aber nicht eingestehen und will sich durch blinde Aufopferung am willfährigen und mißbrauchten Objekt des „armen Flüchtlings“ reinwaschen. Wurden die Invasoren von den Medien eventuell auch absichtlich im Hinblick auf eine innerweltlich selbstfabrizierte Sündenvergebung als hilfsbedürftige Ersatzkinder und -enkel gezeichnet und somit zu Mißbrauchsopfern von chauvinistischen Haltern von Emotionssklaven gemacht? Ist ein Teil der Bevölkerung ein auf seine Weise ein perverser Migrantenschänderring, der zugleich die eigenen Nachkommen verstoßen hat, geopfert auf dem Altar der historischen Schuld der Väter – jener Schuld, welche die Silversurfer als erste ja selbst nicht mehr jenseits der Umerziehung und der Projektion auf die eigenen Eltern beurteilen konnte und demgemäß als vergleichslos ins Religiöse überhöhen mußte? Und so weiter.

    c) … d) …

    Zu der großen, guten und nahezu allumfassenden (katholischen und orthodoxen zugleich!) Fläche auf dem Stimmzettel und der einen zu meidenden Schandstelle noch eins: wenn man nun so viel geholfen hat, kann man ja zur Vermeidung einer kognitiven Dissonanz gar nicht mehr anders, als nun auch die Allpartei des Guten zu wählen. Sollte das etwa genau so ablaufen? Chinesische Gehirnwäsche funktioniert auch mit so einer Art Fuß-in-der-Tür-Technik. (Als Kurzeinführung das Birkenbühl-Video ansehen!)

  7. Desprecio

    Frau Kositza !

    Obwohl ich gerade zu dieser von Ihnen geschilderten Rentner-Genera-
    tion gehöre, distanziere ich mich, soweit wie nur irgend möglich, von
    diesen meinen Zeitgenossen, die nun schon zum zweiten Male in ihrem
    Leben einem großen Irrtum und damit auch einem nie wiedergutzuma-
    chenden Verhalten ihrem eigenen Volke und ihren eigenen Nachkom-
    men gegenüber erlegen sind. Immer wieder frage ich mich, wie dies
    möglich war, da sie doch weitgehend die gleichen Lehrer wie auch ich
    hatten. Möglicherweise habe ich es nur meinem familiären Umfeld zu
    verdanken, dessen Denkweise, Handeln und Verhalten es mir ermög-
    lichte, schon frühzeitig meine persönliche Ausrichtung zu suchen und dann auch den für mich richtigen Weg zu finden.

    Unter meinen Altersgenossen war ich wegen meiner politischen Ansich-
    ten, die seit 1968 meist dem Mainstream meiner Altersgenossen wider-
    sprachen, wohl auch aufgrund selbstgewählter Sezession, stets ein
    Außenseiter.

    In relativ fortgeschrittenem Alter habe ich hier, bei SEZESSION, SiN
    und Antaios so etwas wie eine späte politische Heimat gefunden, in die
    ich bei Bedarf hin und wieder eintauchen und in der ich mit etwas Op-
    timismus Hoffnung für mein Volk, meine Nachkommen und nicht zuletzt
    auch für mich selbst schöpfen kann. Sollte sich mein Optimismus nicht
    auszahlen, bleibt vielleicht doch wenigstens die Nische für die Leidens-
    genossen, die letzten Aufrechten in dieser BRD.

    Noch aber sehe ich mich in der Pflicht, alles in meinen Kräften stehen-
    de zu tun, einen Beitrag dazu zu leisten, in diesem Lande für Bedingun-
    gen zu kämpfen, die es unserem Volke ermöglichen, im eigenen Lande
    unter ihresgleichen in freier Selbstbestimmung zu leben und auch jeden
    Morgen selbstbewußt, stolz auf die Bewahrung seiner Kultur, in den
    Spiegel zu sehen.

    In diesem Sinne möchte ich den dafür Verantwortlichen für die Bei-
    träge in Heft 70 der SEZESSION meine besondere Anerkennung und
    meinen Dank aussprechen.

  8. Eveline

    Die hilfswütigen Rentner….

    Seit Wochen wohne ich wieder mit meiner fast 80 zig jährigen Mutter zusammen. Wir sind beide in ein Haus in eine Kleinstadt gezogen.
    Wir hatten die letzten Jahre so immer ein gutes Verhältnis miteinander… aber der Teufel steckt mal wieder im Detail.

    Was mir zutiefst auffiel, gerade Weihnachten als die Kinder kamen, es fanden zwischen mir und meinen Kindern keine tiefschürfenden Gespräche mehr statt, die Oma störte.

    Auch das sie meinte, sie müsse mir „das Kind“ machen, hat mich voll gefordert.
    Die Maske habe ich ihr schonungslos vom Gesicht gerissen.

    Ich bin damit voll überrascht worden.
    Warum ist das so ? Ich mußte selber nachdenken und beobachten, dieses Thema war mir selber neu.

    Weil sie seit Renteneintritt keinen Zugriff mehr auf die Welt der Enkel hat. Gefühlsmäßig. Wenn die Enkel dann zu Besuch kamen, war immer eitel Sonnenschein, Hallo, Halli, Halla. – Aber die Seele merkt den Betrug .- und die Gefühle wollen fließen und fließen ja auch…. nur wohin? Zu den Fremden, sie gehen in Resonanz zueinander. Die Alten keine Familie, die Flüchtlinge keine Familie. Meine Mutter wollte auch immer Spenden, anfangs.

    Meine Mutter war von der Familie – als ein Hort – ( wie die Delphine ) – uns unbewusst – ausgegrenzt und widmete sich den Fernseher mit seinen virtuellen Nachmittagsprogrammen.
    Dann die Kartenspielfreundschaften der Volkssolidarität dürfen auch nicht fehlen.
    Alles wurzellos und ohne Substanz. Wenn eine Familie im Hintergrund existiert, die die Alten nicht ausgrenzt , ist das alles o.K und bereichernd.

    Denn was das schlimme ist, es finden keine seelischen Reifungsprozesse für die Alten mehr statt, sie werden zwar alt, aber nicht weise. Weil einfach die Enkel im täglichen Miteinander fehlen. Sie reflektiere nicht mehr die alten Herrschaften, auch ganz ohne Medikamente. Das wird im Nachmittagsprogramm nämlich nicht thematisiert.

    Da es um Gefühle geht, könnten die Alten in den Familien sehr wohl helfend zur Seite stehen, wenn da die Vorstellungen von den Ami – Fernehen am Nachmittag nicht wäre, wie und was Familie zu sein hat.
    Denn der Verlierer verliert immer alles und der Gewinner bekommt alles.

    Aber Problem erkannt – Problem gebannt.

  9. Weltversteher

    Daß Sie die Winterferien nicht mögen, ist inzwischen deutlich geworden. Aber muß man denn dann grundsätzlich „etwas unternehmen“? Wir sind immer froh, wenn wir in den Ferien mal wie normale Menschen leben können und nicht dauernd jemand vom Hof weg muß – richtiges Familienleben halt.

    Den Hessenpark in allen Ehren! Da ich etliche der deutschen Landschaftsmuseen kenne, möchte ich aber anmerken, daß viele (große) deutlich überzeugender hergerichtet sind, im Norden wie im Süden. Er schien mir etwas mehr gekünstelt, weniger authentisch und, was noch werden kann, etwas fragmentarisch.

  10. Peter Niemann

    Ich habe mir die Freiheit herausgenommen, Martin Walsers Worte zu ändern:

    wenn jeder, der in Deutschland ein Haus sein eigen nennt, [Kinder bekommen] würde. (…) Jeder, der ein Haus besitzt, kann dann für diese [Kinder] sorgen. (…) In diese[r] [Zeit] hat der Hausbesitzer alles getan, [die Kinder] in unserem Gemeinwesen aufzunehmen. Sprache, Ausbildung und was sonst noch nötig sein kann. Hilfswerk der Hausbesitzer soll es heißen

    Das wäre natürlich eine Revolution und undenkbar in der BRD, in Schland. Wieso haben so viele Menschen ihren Verstand beim jahrzehntelangen Konsumieren bloß verloren?

  11. Arminius Arndt

    Jene Generation: in Teilen eine doppelte Pest. Sie haben uns die eigentlich geschmacklose Suppe vor Jahren eingegossen, jetzt schöpfen sie den Rahm ab. Was übrigbleibt, in zehn, fünfzehn Jahren? Nicht ihr Bier.

    Kann ich nur unterschreiben und diese Kreise sind es auch, die mit fragwürdigen Rentenmanipulationen bzw. Rentengeschenken und Pensionsüberversorgungen bei Laune gehalten werden. Kein Wunder, sind diese Kreise doch diejenigen, die am sichersten zur Wahl gehen (da gibt es fast keine Nichtwähler, was den jungen, trendigen Nichtwählern zu denken geben sollte) und die am treusten Union und SPD wählen (die sich dann mit der Rente bedanken).

    In dem Thema steckt viel Sprengstoff.

  12. Gustav

    „Ballast!, sag ich! Der nicht fehlt!“

    Es ist vielen möglich, die Bahn ihrer Jahre nach persönlichem Willen in Größe oder in Kleinheit zu durchschreiten. Indessen, wer nur Behagen will, verdient es nicht, da zu sein.

    An den Leib zu denken, die Seele als Akzidens empfinden –
    das war immer der Anbruch des Endes.

    Oswald Spengler

  13. Schopi

    …Wie wollen sie einen Korangläubigen
    in seinen absolut verfestigten Denkweisen ändern?
    Darf der sich überhaupt ändern?…

    Man könnte dazu in den Moscheen ebenso Flachbildschirme aufhängen. Dann wird der Moslem genau so vernunftbegabt und hellsichtig werden wie die Kirchgänger.

  14. Carsten

    Das mit den Rentnern ist doch klar: Die Generation der 68er ist heute 65plus. Die haben ihre linke Denke doch nie korrigiert und träumen immer noch von Gorleben und Wendland. Für die ist diese „Flüchtlings“-Kiste ein neuer Frühling. „Mensch Frieder, das ist wie damals beim Nato-Doppelbeschluss!“ „Jau Gundel, da kommt richtig Ostermarsch-Feeling auf.“

    Übrigens tolles Druckheft hat die Postbotin mir da gebracht. Sehr interessant die Beiträge über Lefebvre und die Haltung der KPD/ML zur nationalen Frage. Auch gute Buchtipps diesmal.

  15. donna_alta

    Sicher macht jeder im engeren und weiteren Umfeld seine eigenen Erfahrungen in der Alltagsdiskussion zum allgegenwärtigen Thema „Illegale Emigranten“ (die ich im Übrigen ausschließlich so nenne und den Begriff „Flüchtling“ für Menschen zu nutzen pflege, die in der Tat vor etwas flüchten müssen in unserem Land: Vor übergriffigen Schwarzen z.B. oder auch vor der Willkommensdiktatur im Allgemeinen – Danke für diesen treffenden Begriff!)

    Ich bin über das Stadium des Kopfschüttelns hinaus und habe völlig resigniert, wenn ich solche Äußerungen höre, wie die einer willkommensbesoffenen Ex-Freundin (Gymnasiallehrerin mit Arztgatten in den späten vierzigern, zwei studierende, blonde Töchter, zuviel freie Zeit und vor allem zuviel Geld) auf die Anfrage einer frisch vom Helfersyndrom infizierten Noch-Freundin, was denn die „Flüchtlinge“ besonders benötigten, die ja – so nebenbei bemerkt – keine schlechten Menschen seien. Die Antwort lautete: Vor allem Unterwäsche (!) und die jungen Männer freuen sich besonders über Teddybären. (Das ist kein Witz!) Sie merkte dann noch an: „Soviel zum Thema, die ‚Flüchtlinge‘ würden alle eine Knarre unter dem Kopfkissen haben!“ Nein, sie wollen Teddybären!!

    Es gibt keinen Weg mehr (einzelne Ausnahmen bestätigen die Regel), solche Menschen in die Realität zurück zu holen. Weil die Realität ja vielfach noch eine Fiktion ist. Noch kommt pünktlich zum 1. des Monats die Besoldung oder das Gehalt. Man begibt sich in die Plattenbausiedlung, um sein Helfersyndrom an den dort untergebrachten illegalen Emigranten auszuleben – jedoch mit sicherer Rückfahrkarte in die Einfamilienhausidylle, wo man unter sich bleibt.
    Ich mag auch nicht mehr darüber nachdenken, welche psychologischen Muster an dieser Krankheit schuld sind oder wann die Gehirmwäsche begonnen hat und wie sie so erfolgreich sein konnte bzw. welche Altersgruppen besonders anfällig sind.
    Meine Erfahrung: Es sind vor allem die Menschen, durch alle Altersgruppen hindurch, die es sich finanziell leisten können, sich wahnhaft an den illegalen Emigranten auszutoben, in jeder Hinsicht.
    Wann wird es diese Menschen langweilen, Araber und Afrikaner wie Haustiere zu betutteln und zu füttern? Ich bin gespannt, denn zutiefst überzeugt, daß dieser Moment kommen wird und alle Dinge folgen, die heute noch eine Fiktion sein mögen.

  16. Schopi

    „Ehrenamtlich“ ist schon seit längerem die Möglichkeit, welche sich für die öffentliche Hand ergibt, sich aus der Verantwortung zu stehlen. Das gehört zur Privatisierungswelle dazu. Das diejenigen, die sich dazu bereit erklären öffentliche Streicheleinheiten durch Zeitungsberichte, shake hands mit der örtlichen Obrigkeit usw. an der eigenen Reputation arbeiten ist hierbei einkalkuliert.

    Es sind aber genau die, welche dazu die Muße, Energie und eine großzügige (Über-) Versorgung haben – freilich ist das aber, bezogen auf alle außer Dienst gestellten, nur ein recht kleiner Kreis. Eine weitaus größere Gruppe zieht es vor, mit Wohnmobil, Flugzeug, Kreuzfahrtschiff die Welt zu bereisen – man merkt das immer ganz deutlich, wenn wieder einmal so ein Transportmittel verunglückt und Statistiken veröffentlicht werden wo der Deutsche ganzjährig so herumschwirrt, bis in den letzten Zipfel dieser Welt (und wenn technisch möglich auch bald darüber hinaus).

    Der berentete Dachdecker, stellvertretend hier einmal erwähnt für alle Ausgebeuteten aus einer Arbeitswelt die immer mehr aus dem Einzelnen heraus saugt, wird eher froh sein mit 60 als mit 65 in Rente zu gehen. Zu den umweltbelastenden Bildungsreisen gut situierter grün wählender Pensionäre hat er womöglich nicht das nötige Kleingeld und Mützchen stricken für junge arabische Burschen ist ihm höchstwahrscheinlich zu blöd. Von denjenigen, welche zur Aufbesserung ihrer Rente Pfandflaschen sammeln will ich erst gar nicht reden.

    Eine ganze Generation pauschalisierend anzugreifen ist hier vollkommen falsch.

  17. Carla Junke

    Zur Kirche: Leider wird in der katholischen, reformierten, etc. Kirche fast nie auf das Evangelium hingewiesen. Ich kann deshalb keinem Gottesdienst beiwohnen (ausser in Freikirchen). Denn was nützt einem eine Predigt, wenn die Kernessenz nicht thematisiert wird? Es ist ein reiner Hockuspokus mit Weihrauch, Abendmahl (wo ich selber sage, dass die wenigsten berechtigt wären dieses abzuhalten, da unehrlich…) und Liedern.
    Mir scheint, dass die Kirche im grossen Abfall ist. Jesus wird nicht mehr in den Mund genommen. Man könnte Ausschläge kriegen, aber genau Jesus macht die Bibel aus. Wenn man sich schämt über Jesus zu reden oder das Evangelium verwässert, dann kann man den Kirchenbetrieb komplett zu tun und zum Budhismus oder Islam konvertieren.

  18. Langer

    Kubitschek flieht: „Was hab ich mit diesen Leuten zu tun?“

    Gibt es diese Episode aus seiner Perspektive?
    Was ich wissen will ist, was ausschlaggebend fuer diesen Eindruck und das Beduerfnis zu fliehen war, insbesondere in Bezug auf den ja eigentlich einigenden Charakter der Hintergruende des Geschehens.
    Und noch mehr: Wohin flieht man dann?

    Kositza: Nee, Kubitschek wird das nicht aus seiner Perspektive schildern, ihm wird zu leicht übel…
    Der „eigentlich einigende Charakter“ sollte das Christentum sein, wie es zig Jahrhunderte Bestand hatte, oder? Was K. in Spanien fliehen ließ, waren wohl eher die ärgsten Auswüchse des traditionsbrechenden II. Vatikanischen Konzils… Wohin? An die Sonne!

  19. Wolfgang der Häßliche

    Ich stimme denen zu, die verlangen, daß diese Thema erweitert werden soll.
    Bin selber Jahrgang ‚65 und hatte sehr oft – und in vielen verschiedenen Situationen – den Eindruck, daß meine Genration dazu aufgerufen war, Schlachten zu führen, die schon verloren waren, bevor es uns überhaupt gab.
    Die (derzeit leider machthabenden) Baby-Boomers hatten nicht genug Kinder, um die gigantische Sozial-und Wohlfahrtsmasdchine, die man sich während der 50er und 60er Jahre aufbaute, aufrecht zu erhalten, und schufen auch kein soziales, politisches oder wirtschaftliches Klima, das es nachfolgenden Generationen schmackhaft gemacht hätte, große Familien (oder überhaupt welche) zu haben.
    Den Eindruck, den die vorzügliche Frau Kositza andeutet, daß die heutigen Rentner und fast-Rentner ihre eigenen Kinder, Enkel und Urenkel einfach nicht ausstehen können und sich lieber Ersatzenkel aus der 2. und 3. Welt importieren, habe ich auch, und zwar ziemlich ausgiebig.
    Jede Generation rebelliert zum einen oder anderen Ausmaß gegen die ihrer Eltern, das ist ja vollkommen normal, nur war das den Baby-Boomers einfach nicht genug.
    Nicht nur wollten sie alles, was vor ihnen da war, vollkommen, bis auf den letzten Grashalm VERNICHTEN, nein, das war noch immer nicht genug, sie versuchen darüber hinaus, die gesamte Weltgeschichte im Nachhinein so umzuschreiben, daß es außer ihnen niemals etwas anderes gegeben hat.
    Bin mir nicht sicher warum gerade jene Genaration der Mitte 1940er bis Anfang 1960er Jahre eine derartig hochgiftige Mischung an Charaktermerkmalen abbekommen hat, aber das ist nicht Maggi, das sie uns in die Suppe schütten, sondern Strychnin.

  20. marodeur

    Wir haben vor 2 Wochen mal wieder mit der ganzen Familie den Hessenpark besucht (16 Euro Familienkarte). Asylanten waren keine zu sehen, aber einige dümmliche Deutsche, die meinten, sie könnten ihren Kindern dort das Mittelalter erklären. Niederschmetternd, wenn man bedenkt, dass meine Oma in jüngeren Jahren viele Museumsstücke als modern empfunden hätte.
    Ansonsten sieht man derzeit schon ab und zu kulturinteressierte Asylanten unterwegs. z.B. auf der Burg Falkenstein und im Landschaftspark sind uns ein paar Syrer begegnet. Das scheint die Elite zu sein, die uns später dann als Helden der Integration präsentiert wird.

  21. Caroline

    Flüchtlinge als Enkelersatz für gelangweilte Senioren, das hat was .

    Als Übergangsobjekte für alle – libidinös besetzen lassen sich „Flüchtlinge“ (Assoziationen mit „Säuglinge“, „Zöglinge“, „Erdlinge“ dabei gut möglich) quer durch die Generationen.

    Von der Schul-Sammelaktion (bei der dann absurderweise die Eltern der neuen „geflohenen“ Kinder in der Klasse Zetterln mit nach Haus bekommen, sie sollen für „die Flüchtlingskinder“ Packerln mit Geschenken packen), zur „Foto-love-Story: Ich liebe einen Flüchtling“ (Postwurfsendung der Grünen an Erst- und Jungwähler bei der Wienwahl im letzten Jahr, mit fair gehandeltem Kondom oben drauf) bis zu Freundinnen in meinem Alter (um die 40), die im Westbahnhof „soooo nette neue Freunde kennengelernt haben“ (die im Gegensatz zu echten Freunden nichts Widerständiges an sich haben, sondern „so dankbar“ sind, bequeme Übergangsobjekte eben), bis zur Generation meines Mannes (1939 geboren), die vor lauter Komplexität der heute erfahrbaren Zusammenhänge keine politische Haltung mehr entwickeln können und wollen, und den Direktkontakt zu „den Menschen“ als libidinöse Rest-Erfahrung herbeisehnen.
    Nur – diese Frage beschäftigt mich seit ich letztes Jahr auf SiN stieß – warum habe ICH andere Übertragungen, andere psychische Mechanismen? Was bringt mich dazu, all diese Entwicklungen aus abgeklärter Distanz zu sehen? Welche libidinösen Besetzungen treiben rechte Denker an?

    Kositza: Liebe Caroline, genau diese Frage treibt uns ja immer wieder um! (Siehe/lese auch Tristesse Droite!) Wobei sich uns (oder ich sag mal: mir) die Frage nach jahrzehntedauernder Sedimentierung des Weltbilds doch eher umgekehrt stellt. Die Antriebsmomente der anderen sind doch die verkorksten, die widernatürlichen und dadurch die labilen! Sie nennen Ihre Distanz eine „abgeklärte“, das heißt, Sie sind den großen („volksaufklärerischen“) Umweg gelaufen. Das „gemeine Volk“ hingegen hat ja keine Distanz aufzunehmen brauchen, er handelt gewissermaßen „kreatürlicher“…

  22. Gisbert Redenstein

    „Es gibt wenig Deutscheres (interessanter Komparativ!) als den „Hessenpark“. Ich habe noch nie auch nur einen einzigen Asylanten dort gesehen.“
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    Ähnliches kann ich bestätigen. Ich komme häufig am Neandertalmuseum im gleichnamigen Neandertal vorbei, gehe an dessen Vorplatz vorbei und bewege mich dann am Museumsparkplatz vorbei meines Wegs. Vor allem Sonntags ist da sehr viel los, und was für Landsleute sieht (und hört) man da? Biodeutsche, etliche Japaner (das nahe Düsseldorf ist Japan-Hochburg) und Touristen aus aller Herren Länder. Aber seltsam, Personen aus dem ominösen Südland sind da absolute Ausnahmen. Oder tarnen die sich etwa mit blonden Perücken, heller Schminke, falschen Nicht-Schnurrbärten (Südländerherren) und Miniröcken (Südländerdamen)? Wohl kaum. Tatsache ist: Die gehen da einfach nicht hin. Dabei geht es in diesem Museum ja gar nicht um deutsche Kultur, sondern um Menschheitsgeschichte, das betrifft die genau so wie alle anderen. Aber unsere Südländer und Südländerinnen sind eben ja doch allermeistens, wie es heutzutage etwas eigenartig klingt, bildungsfern. Es interessiert sie daher einfach nicht. Deren Form der Integration. Neuigkeit? Nein. Das war vor 40 Jahren schon so, das wird in 40 Jahren noch so sein. Diese Leute ändern sich nie, und warum sollten sie auch? Verlangt ja keiner von ihnen. Übrigens würden sie sich auch nicht ändern, wenn es verlangt würde. Sie können und wollen einfach nicht anders.

  23. Der Gutmensch

    Hach, schwierig …

    Bis vor ein paar Jahren war ich auf demselben Trip unterwegs, Winston. Also: Mich ärgern über die andere Generation. Daran ist nicht alles falsch; ohne ein gewisses Maß an Ärger gibt es keine Abnabelung, fürchte ich, und meine Generation hat dafür sehr lange gebraucht. Aber mit eigenen Kindern passiert das – eben aufgrund der verbreiteten Flucht aus dem Großelternstatus – eigentlich automatisch. In dem Moment, wo sie aus der Rolle fallen – d. h. sich in die natürlich vorgebene der Großeltern einfach nicht schicken wollen – verlieren sie bei ihren Kindern dramatisch an Prestige. Frau Kositza hat das früher in dieser Schärfe erkannt, weil sie eben keine objektiv Spätgebärende war (vielleicht ist sie außerdem noch klüger).

    Davon abgesehen: Nachdem wir so schön festgehalten und herausgearbeitet haben, dass wir alle unterschiedliche Menschen sind, und vor allem werterhaltend unterwegs, sollte die Vorgabe doch lauten:

    Finde die bestmögliche Verwendung für die Bestager! Mir, als angstgesteuertem Menschen, standen zunächst einmal die Haare zu Berge, als ich davon hörte, dass man die in den Asylbewerberheimen aushelfen lässt – dass man überhaupt unqualifiziertes, womöglich noch ungeimpftes Personal da rein lässt. Aber ich habe nun gelernt, das Schicksal einer übereifrigen Amygdala anzunehmen; niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

    Meine Generation kann jedenfalls nur in eingeschränktem Maße zusätzliche Aufgaben übernehmen; wir müssen uns um uns selber und um unsere Kinder und um den Erhalt unserer Identität kümmern. Die Idee, solche Aufgaben zu delegieren, ist absurd; wer das nicht will, dem kann man das nicht aufzwingen, damit ist ersichtlich niemandem geholfen. Aber während die Bestager ihre Erfüllung darin finden, im Flüchtlingsheim auszuhelfen, fuchteln sie mit ihren Gehstöcken jedenfalls nicht frustriert auf dem Gehweg herum, bloß weil man da eilig mit dem Fahrrad an ihnen vorbei will. Natürlich muss man die Situation gut im Auge behalten; nicht, dass sich die Asylbewerber von unseren Rentnern auf der Nase rumtanzen und sich von ihnen terrorisieren lassen müssen. Das wäre nicht schön, da müsste man über Konsequenzen nachdenken. Aber so schlecht sollten wir erstmal nicht von unseren Eltern denken; Bestagers hin oder her.

    Pragmatische Grüße,

    d. G.

  24. Andreas

    Ich sehe hier nur eine Ungenauigkeit bzgl. des Zeitraumes von 10-15 Jahren.

    Ich glaube nicht, dass man so lange warten muss.

    Und ich glaube, dass gerade ältere Menschen im öffentlichen Raum (noch) öfter wenig angenehme Begegnungen mit den Landsmännern der innig Betreuten haben werden – wenngleich die Bereitschaft verhängnisvolle Fehleinschätzungen einzusehen, vielleicht nicht eintritt.

  25. Gustav Grambauer

    „… da Sie in der gottlosesten Region der Welt wohnen …“

    … braucht es für den Ossi mal wieder eine Hallstein-Doktrin, je leerer der Petersplatz dabei wird, desto größer die ultramontane Übersteigerung. Ich für meinen Teil verbitte mir diese Formen von Arroganz und Anmaßung, die auch nicht gerade auf spirituelle Reife schließen lassen.

    „Es gibt jene, die glauben, du könntest eine direkte und unvermittelte Beziehung zu Jesus Christus außerhalb der Teilnahme und Vermittlung der Kirche haben. Solche Versuchungen sind gefährlich und schädlich. Sie sind in den Worten des großen Papstes Paul VI. ‚absurde Dichtonomien‘. … Vorname: ‚Christ‘, Zuname: ‚Kirchenmitglied‘.“

    - Bergoglio, https://www.youtube.com/watch?v=SWk0TQVN5VM

    „Aber der Allerhöchste wohnt nicht in Tempeln, die mit Händen gemacht sind, wie der Prophet spricht: ‚Der Himmel ist mein Stuhl und die Erde meiner Füße Schemel; was wollt ihr mir denn für ein Haus bauen? spricht der HERR, oder welches ist die Stätte meiner Ruhe?‘“

    - Apg. 7,48

    „Jesus spricht zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater denn durch mich.“

    - Joh. 14, 6

    „Denn wo zwei oder drei verbunden sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen.“

    - Math. 18, 20

    - G. G.

  26. Eckesachs

    Ich habe in jüngerer Zeit öfter beobachten können, daß alte Leute sich um Asylanten kümmern, direkt oder indirekt.

    Meine Schlußfolgerung daraus, und diese verfestigt sich immer mehr, ist, daß die Ursache ein Mangel an Religion ist.

    Mit fortschreitendem Alter werden sie der Unvermeidbarkeit des Todes gewahr, Verdrängung funktioniert immer weniger. Jetzt braucht es den lieben Gott, früher brauchte man ihn nicht, er war nicht bestimmend für das eigene ,,selbstbestimmte“ Leben, die Karriere u.s.w.. Also besinnen sie sich auf die Reste dessen, was sie noch von früher kennen. Da war doch was mit ,,guten Taten“ und dem ,,Balken im Auge“, die Sache mit der Vergebung und der Wange.

    Hirten die Herde zu hüten gibt es fast keine mehr. Die meisten Pfarrer haben das Gift, das man ihnen vorgesetzt hat, freiwillig getrunken, manche bis zum letzten Zug. Diese falschen Hirten verführen die Gemeinde, ihre eigenen Schäfchen, an der Bibel vorbei zu leben.

    Sie leben von den Knochen des Christentums. Es sind Erinnerungsreste, auf die sich besinnen.

    Spricht man sie direkt darauf an- nicht durch Taten, sondern nur durch den Glauben werdet ihr das Himmelreich erlangen!- ist ihnen das schon zu radikal, zu fundamentalistisch oder man wird gar für einen Zeugen Jehovas gehalten.

    Noch genauer formuliert:

    Der Hang zur Religion, zum Glauben, ist mit großer Wahrscheinlichkeit genetisch vorgegeben und etwas, das alle Menschen alle Völker, eint. Verweigert man dem Menschen die echte Religion, sucht er sich eine und wird Kommunist. Oder Veganer. Oder Atheist. Oder Frutarier (http://www.eat-the-world.com/blog/frutarier-ihre-ernaehrungsweise/).

    Hihi, das ist eine echt kaputte Zivilisationsenderscheinung. Frutarier! Aber das nur am Rande.

    Insofern sind die besprochen alten Leute noch ehrenhaft, wenden sie sich doch immerhin etwas bekanntem und bewährten zu. Dennoch handelt es sich um eine Fixierung auf ein Fehlobjekt, eine Attrappe. Als wenn ein Erpel versucht ein Huhn zu besteigen.

    Ich würde dazu gern Desprecios Meinung hören.

  27. Erik Sieven

    die Rentner neigen doch eh zur senilen Bettfluch, sie könnten doch rüstig mal um 3 Uhr morgens aufstehen und ein paar Syrer in die Clubs begleiten, um die Zeit geht doch die internationale Jugend vor heute los zum feiern. Ein paar Drinks ausgeben, die Rentnerinnen könnten doch in den Männertrupps die Frauenquote steigern, sodass sie bessere Chance haben reinzukommen. Morgenstund hat Gold im Mund!

  28. Fredy

    Die heutigen Best-Agers waren zu jeder Zeit nicht ganz sauber. Ich erinnere mich noch an Zeiten, es mag in den 80ger Jahren gewesen sein, dass mein Onkel und meine Mutter regelmäßig Polenpakete packten. Da haben diese Idioten, Ostpreußen (meine Mutter auf der Flucht geboren, mein Onkel auf der Flucht 5 Jahre alt) doch tatsächlich Hilfspakete an diejenigen geschickt, denen der Besitz zwangsweise kostenfrei überlassen worden ist. Ich hatte meine Mutter vor einigen Jahren darauf angesprochen und warum dies dann eingestellt wurde. Antwort: „irgendwann waren die mit den Sendungen nicht mehr zufrieden und es kamen Wunschzettel mit Produkten und Dingen, die wir uns selbst nicht leisten konnten.“ Mein Onkel ist als Gutmensch gestorben, meine Mutter hat es wenigstens heute begriffen.

    Beide zusammen haben aber immerhin 12 Kinder, 26 Enkel und (bisher) 4 Urenkel hinterlassen, und haben selbst noch Geschwister mit ähnlicher Produktionsrate ;-). Sicher, die meisten davon harmlose BRD-Bürger, wohl auch ein paar Teddybärwerfer dabei, aber, während ich mich vor 3 Jahren an Weihnachten noch als Nazi beschimpfen lassen mußte, konnte ich vergangene Weihnacht befriedigt und belustigt feststellen, dass ich von Etlichen bereits rechts überholt worden bin. Keine Kritik an meiner Person. Von niemand. Ganz im Gegenteil, man frägt nach Sichtweisen und Ratschlägen. Die Zeiten ändern sich.

  29. Flüchltingskriese, Verwefrungen

    Hehe, Frau Kositza, mich fragten sie ob solche Orthografie mal, ob ich zuviel – Kaffee – getrunken hätte.
    Kositza: Wollt‘ Sie nur aus der Reserve locken…! (Verbessert.)

    Es mag auch andere Motive geben:
    Von einer Bekannten hörte ich folgende Episode.

    Ein älteres Ehepaar (50 – 60), Mittelständler mir einem kleinen Betrieb., nimmt einen jungen Afghanen auf. Angeblich unter 18. Kurz danach sind Ehefrau und Afghane verschwunden. Der gehörnte Gatte wartet eigentlich nur noch auf den Brief vom ihrem Anwalt. Wenn das Geld aus ist und der junge Afghane mehr braucht, um sagen wir mal seiner kleinen Schwester eine lebensrettende Operation zu bezahlen, werden beide schon wissen wo was zu holen ist.

  30. Lars Geier

    Ich bin erstaunt, dass offenbar die Zusammensetzung der „Flüchtlings“-Unterstützer regional so unterschiedlich sein soll. Rentneraktivismus nehme ich kaum wahr, studentische Hilfskräfte (mit optisch erkennbarer Linksausrichtung) bestimmen das Bild des ergebenen Migrantendieners. In meinem Lebensumfeld gutmenschelt es gerade nicht bei den hier so oft gescholtenen Kinder- oder Enkellosen, in diesen gärt es augenscheinlich am stärksten, das AfD-Wählerpotential ist hier vergleichsweise hoch. Als stramme Befürworter der Masseneinwanderung mit ausgeprägtem Unterwerfungskomplex stellt sich dagegen die Gruppe der „jungen Muttis und Vatis“ (zwischen 30 und 40) aus der Mittelschicht (fast durchweg Grünen- und Linkswähler) dar. Besonders am Herzen liegt dieser Fraktion das Wohl der vielen „Flüchtlings“-Kinder, um deren Integration (?) sie sich im Übermaß zu sorgen scheinen.

  31. „Es gibt jene, die glauben, du könntest eine direkte und unvermittelte Beziehung zu Jesus Christus außerhalb der Teilnahme und Vermittlung der Kirche haben. Solche Versuchungen sind gefährlich und schädlich. Sie sind in den Worten des großen Papstes Paul VI. ‚absurde Dichtonomien‘. … Vorname: ‚Christ‘, Zuname: ‚Kirchenmitglied‘.“

    Lieber Gustav Grambauer,
    Danke für den Link. Ich hätte das „gottlos“ natürlich in Gänsefüßen setzen müssen. Und der verlinkte Beitrag zeigt ja, dass gerade die jungen Menschen im Osten eher nach Gott fragen als die Jungen im Westen.
    Sie können die Frage nach Gott freier und unbelasteter stellen als Menschen im Westen, die durch kirchliche Strukturen vorgeprägt sind. Darin liegt auch eine Chance.
    Ich selbst bin heimatlose Katholikin. Aus der Kirche ausgetreten. Kenne aus meiner Kindheit noch die vorkonziliare Liturgie. Und habe seitdem das kirchliche Leben in Deutschland immer mehr als zerfallend wahrgenommen.
    Wenn ich Bergoglio so reden höre, tut mir das weh.
    Ein rechter Christ ( siehe Lichtmesz-Beitrag) ist m.E. heute heimatlos.
    Wer nicht zu den Pius-Brüdern gehen will, nicht evangelikal sein kann, den Pegida-“Gottesdienst“ am Montag zu flach findet, der steht verlassen im Raum. Ja, da bleibt wirklich nur:

    Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen

    Ich denke, dass die Kirche in einer Zeitenwende steht, die in ihrer historischen Bedeutung der konstantinischen Wende gleicht. Eine Art Deinstitutionalisierung.
    Eigentlich sollten wir wieder über Gott reden. Nicht über die Kirche.
    Trotzdem: Ich weiß aus sicherer Quelle, dass in Moskau ein litauischer Pater mit seiner Gemeinde für all jene betet, die am Zustand der Kirche leiden.
    Das tröstet.

  32. Knuth der Sanftmütige

    Gerade konservative, alte Werte befolgende Menschen können sich, denke ich, vom Äußeren her in so manchen Freikirchen (vor allem der Brüderbewegung) wohlfühlen. Freilich sind Äußerlichkeiten nicht alles, schnell kann daraus auch Heuchelei werden. Es ist allemal leichter, als Frau lange Haare und einen Rock zu tragen, als Christi Kreuz auf sich zu nehmen und sich selbst zu verleugnen.
    Ein Pastor am Ort (FEG) sieht die demografische Katastrophe als Gericht Gottes und interpretierte ganz aktuell den Propheten Hosea (wir suchen Hilfe in [As]syrien).
    Gebetet wird für die abgefallene Kirche, die abgefallenen Freikirchen und auch für die eigene Gemeinde (denn das Gericht Gottes beginnt bei seinem eigenen Volk).
    In einer anderen Gemeinde (ehemals offene/freie Brüdergemeinde) am Ort wird die Anti-Baby-Pille abgelehnt (zwar aus gesundheitlichen Gründen, aber immerhin). Abtreibung sowieso.
    Schön ist auch die Gemeindezucht bei Unzucht.

    Freilich muss man aber auch von seinem hohen Ross herunter und kann sich nicht auf seiner Kindertaufe ausruhen (oder auf der deutschen Kultur). Man muss Busse tun und glauben, dass allein durch Christi Opfer am Kreuz unsere Schuld vergeben werden kann.

    Ob ein Widerspruch besteht zwischen der Ablehnung der Politik der Kanzlerin und der dortigen missionarischen Arbeit mit Flüchtlingen?
    Wer will bestreiten, dass es auch eine Chance ist, Muslime oder Namenschristen mit dem Evangelium zu erreichen? Hier, in einem relativ freien Land?
    Nicht Islamisierung, sondern Erweckung unter Muslimen!

  33. Knuth der Sanftmütige

    Anbei noch ein Link zum Thema „Dating, Courtship und Ehe“ Was für eine Kontrakultur! (Ellen Kositza schrieb ja neulich so nett über ihr Faible für „arrangierte Ehen“)

  34. Visitor

    Ein rechter Christ ( siehe Lichtmesz-Beitrag) ist m.E. heute heimatlos.
    Wer nicht zu den Pius-Brüdern gehen will, nicht evangelikal sein kann, den Pegida-“Gottesdienst“ am Montag zu flach findet, der steht verlassen im Raum.

    Sie haben wohl die orthodoxe Kirche vergessen, die traditionsreich und sehr konservativ ist.

  35. Pit

    Fühle mich immer mehr bestätigt in meiner Sicht, daß die Außereuropäischen für den Europäer als Exotik-Zoo dienen: der Europäer erlebt gerne Exotik, er reist ja auch gerne, und so importiert er sich eben bunte Welt in sein Land. Dies findet sein Ende, wenn er ernsthaft mit den Außereuropäern zusammenleben muß. Problem: dann ist es zu spät.

    Nutzanwendung: es gilt den Antrieb hinter der Xenophilie zu verstehen, dann kann man auch mit ihr umgehen (d.h. z.B. den Xenophilen den Hintergrund ihres Verhaltens klar machen, dann sind sie auch eher imstande, sich über die Gefahren dessen aufklären zu lassen, z.B. für den sozialen Zusammenhalt).

    Meine Idee einer Lösung wäre: gemischte Zonen mit Exotik, natürlicherweise z.B. Städte, und Zonen für homogene Ethnien. So ist allen gedient.

  36. Friedhelm

    „dass eines Tages die Flüchtlinge von heute die Dichter von morgen sein werden: „

    Au weia, der scheint ja ganz schön durch zu sein. Erinnert leicht an Botho Strauß, der ja auch vor einigen Monaten sinngemäß meinte, eher wird ein Syrer Goethe rezitieren o.ä. Ganz schöner Stuss.

    Aber sicher, die Syrer gieren nur so nach schöner Literatur, und bestellen ja bereits fleißig den Benn, George, Jünger oder wahlweise den Goethe, Schiller, Tieck, Klopstock, Jean Paul, Hoffmann etc. pp.

    Ein Mensch aus Nahost, der deutsche Literatur bewundert: das dürfte so selten sein wir ein Nordostasiate, der bei den Olympischen Spielen im 100-Meter-Lauf gewinnt.

    Aber sicher: Viele neue Kunden für Antaios! Ich wette, es gibt bereits massenweise Sammelbestellungen aus Unterkünften für den neuen Mohler-Band …

    Aber klar doch, es fällt mir nun wie Schuppen von den Augen: deswegen sind die alle hier! Warum habe ich das nicht früher …? Zum Glück habe ich von Walser – bis auf ein „Ein Flugzeug über dem Haus“ – nie etwas gelesen.

    Schon merkwürdig, wie sich die Stimmung seit Sarrazin geändert hat: Sarazin war vor der Migrantenschwemme aus Nahost. Wo sind denn z. B. die türkischen Schriftsteller, die sich auf unsere reiche Tradition berufen und diese fortführen? Es gibt doch unter „gebildeten“ Türken meist nur jene, die in die Politik gehen oder irgendeine Sozialwissenschaft studieren, oder eben Lehrer werden. Dann vielleicht ein paar Ärzte. Aber in einen Dialog mit unserer reichhaltigen literarischen und philosophischen Tradition tritt doch so gut wie kein Moslem in Deutschland. Das interessiert die nicht, daher wird das mit den Autochthonen auch aussterben. Vielleicht retten die Japaner, die ja ein Faible für Schopenhauer und Heidegger haben, einiges von unserer Kultur, und konservieren es. Aber auch die sterben ja aus.

    Die Dichter von morgen … Meine Fresse.

  37. t.gygax

    Zu Monika:
    Ja, da bleibt wirklich nur:
    Genau das bleibt-und das reicht aus. Kärglich bisweilen, aber es gib manchmal Sternstunden , in denen dieser Satz elementar erfahrbar wird.

  38. Der Gutmensch

    Lieber Friedhelm,

    vielleicht ist die Erwartung, bewundert zu werden, doch auch ein Teil des Problems. In erster Linie ist die deutsche Art, die deutsche Kultur nämlich eines – fürchterlich anstrengend! Nur mal ein Beispiel: Theodor Fontane. Den kann man nicht einfach so konsumieren. Er ist ärgerlich, er regt einen auf (naja, mich jedenfalls). Die Qualität, die darin liegt, sich darüber aus vollem Herzen zanken und die Haare raufen zu können, ist eine … recht spezielle, dafür muss man auch erstmal Kapazitäten haben, dazu hat auch nur ein Deutscher Lust (und auch da muss man erstmal jemanden finden!)

    Aber ich schätze, wer gerade aus dem Nahen Osten kommt, hat von ungemütlichem Gezanke und schwer-zugänglichem erstmal die Nase voll. Bzw. er hat seine eigenen Worte und Konzepte, seine eigenen existentiellen Sorgen zu schildern.

    Ich nehme das niemandem übel und ich habe gar nichts dagegen, wenn diejenigen ihre eigene Identität bewahren; so lange sie die meine respektieren und verstehen, dass wir dafür auch unsere eigenen Konzepte und Bewältigungsstrategien haben! Das darf dann herzlich gerne so aussehen, dass jemand, beispielsweise nach einem Besuch im Hessenpark sagt: Puh, anstrengende Kiste, was bin ich froh, dass ich Syrer bin und bleib und von mir wenigstens nicht erwartet wird, dass ich aus dem Stehgreif einen Vortrag über alte deutsche Handwerkskunst halten kann! Die armen deutschen Kinder!! Lieber lese ich einen Roman von – und sehen Sie, da fällt mir so spontan gar niemand ein, obwohl es doch mit Sicherheit viele syrische Schriftsteller gibt.

    Aber was mir mal schon vor langer Zeit aufgefallen ist, ist dass trotz der langen Zeit, die Türken hier im Land leben, allenfalls oberflächliche – oder unzugängliche – Referenzen auf türkische Kultur im Land gibt. In die Moschee kommen sie nicht rein (das würde ich auch gar nicht wollen), und das der Börek nun herhalten muss … das konkurriert alles bloß und bereichert m. E. überhaupt nicht. Das perlt vielmehr ab! Was hätten denn die deutschen Kinder auch davon, wenn der kleine Junge im Lesebuch „Mehmet“ genannt würde und von seiner Beschneidung erzählt? Andererseits ist Yasar Kemal ein sehr leidenschaftlicher Schriftsteller und kann junge Menschen schon bewegen. Würde man den mal lesen lassen, könnte sich vielleicht ein gewisses Verständnis einstellen – aber eben eines, das jedem seinen Platz lässt, nicht vereinnahmen will und sich selber – nicht aufgibt.

    d. G.

  39. kopftisch

    Die Asylanten gehen lieber in die Lochmühle nebenan. Die Preistafel dort geht nach Größe. Dennoch, das Abenteuerland meiner Kindheit ist nicht mehr zu erkennen. Kopftücher, fremde Sprachen und fremde Gerüche überall.

    Ich finde es schrecklich, auch weil ich meinem Kind eine solch unbeschwerte Erinnerung nicht mehr bieten kann. Warum? Nun, der Name ist Programm geworden.

    Bild von meinem allerletzten Besuch 2015: http://tinyurl.com/h5d36bu

    Kositza: Jetzt haben Sie mir ernsthaft den Tag versaut. Das haben Sie gephotoshopt, irgendwie, oder? Meine Kinder gehen auch lieber in die Lochmühle, ein geniales Retro-Vergnügen. Ich hoffe, das Bild zeigt irgendeinen speziellen R.-Welcome-Tag. War auch im Sept. zuletzt dort, gesehen hab ich nur dt. Eltern, allein in den ausflügenden Schulklassen gab es ein dunkles Übergewicht.

  40. @visitor

    Die orthodoxe Kirche habe ich nicht vergessen, aber bewußt hier nicht erwähnt. Ansonsten verfolge ich mit Spannung diese Annäherung nach fast tausend Jahren:
    http://www.kath.net/news/54001

    Mein großer „kirchenhistorischer Traum“ ist aber ein ganz anderer:
    http://www.dailytalk.ch/tuerkei-doch-kein-rassistischer-staat/

    Eine Sophienkirche, in der Orthodoxie und Orthopraxie wieder vereint sind.

  41. destijl

    Frau Kositza,

    wie lassen sich Katholische Doktrin und Jesu‘ Worte der Liebe und des Mitgefühls gar so einfach in einem Text vereinbaren mit dem Spott über diejenigen, die die neutestamentarischen Botschaften ernst nehmen und dort helfen wo, oder von wir aus auch ganz schlicht: WEIL sie es können?
    Ist dieser „Bereitschaftsdienst“ nicht auch eine andere Möglichkeit der Besorgnis zu begegnen, als lediglich auf Montagsdemos Parolen zu skandieren? Oder anders gesprochen: Nicht jede Form von Hilfe und oder Fürsorge läßt sich als Einverständniserklärung mit der derzeitigen Politik bzw ihren Mangelerscheinungen deuten.
    Dazu kommt in meinen Augen, dass die christliche Kultur der Sanftheit ihre eigene Würde besitzt, der sich nicht mit dem thymisch-geprägten Furor des Islams messen muß und auch gar nicht soll. Steter Tropfen und so. Die Menschen eines anderen Kulturkreises, die hier nun einmal aufgenommen wurden, lösen sich nicht in Luft auf, nur weil’s einem nicht gefällt. Da bleibt doch nichts anderes übrig, als dort anzupacken, wo man kann, und seinem Land und unserer Gesellschaft zu dienen. Ich kann mich nicht über ein Ereignis wie Köln als Weckruf freuen (vielleicht habe ich diesen Teil ihres Compact-Auftritts auch falsch gedeutet?) und wünschte mir, dass man denjenigen die hier sind und vorerst hier bleiben schleunigst unsere Regeln und Tabus beibringt. Das soll einen nicht daran hindern, sich politisch deutlich gegen den Zustrom zu positionieren. Für mich geht das Hand in Hand. Zumindest wenn man es gut meint mit unserem Land.

    Ich nehme ihre Glosse als Anlass, durchaus bewußt, dass manche Spitze auch stilistisch gewollt ist, aber in letzter Zeit gibt es hier vermehrt Artikel, die eine Lust am Untergang verbreiten, der ich nicht folgen kann. Und will.

    Ich lese die Sezession seit Jahren und schätze sie für ihre mitunter extremen aber eben auch freidenkerischen und patriotischen Beiträge. Was mir allerdings immer wieder übel aufstösst ist ein latenter Deutschen- und Deutschlandhass, der mir manchmal genauso exklusiv und blindwütig daherkommt wie derjenige aus der Linken und aus der Antifa-Ecke, der meine Zugewandtheit zu Ihrem Magazin erst angeregt hat.
    Diese Sehnsucht nach Scheitern und Katastrophe scheint mir mitunter nichts anders als eine verkehrte Ausprägung der naiven Willkommenskultur zu sein, ein Schatten, der nicht anders kann, als sein. Das ist nicht mehr Metapolitik, sondern beleidigte Leberwurst.

    Nichtsdestotrotz, Ihre Texte lese ich gerne und ich bitte Sie meine kritischen Worte als (versteckte) Sympathiebekundung aufzunehmen.

  42. Knuth der Sanftmütige

    Anbei der Link

  43. Sie haben uns die eigentlich geschmacklose Suppe vor Jahren eingegossen, jetzt schöpfen sie den Rahm ab.

    Die Jungen sind doch nicht besser, im Gros wohl noch schlimmer, der gesellschaftliche Verfall ist seit der Industrialisierung in einem immer größeren Saugstrudel resümierbar. Mitgegossen haben sie alle, mehr oder weniger – auch wir alle. Partizipieren an materiellem Wohlstand und (geistiger) Bequemlichkeit.

    Kann sein, daß da ein paar Junge in den 80ern und 90ern – spätere „Rechte“ – gegen ihre verlotterte Elterngeneration revoltiert haben, aber weitaus viel mehr Masse an Jungen hat sich einen Schritt weiter aus traditionellen Milieus gelöst. Auch selbsternannte „Rechte“.

    Gehören wir nun zu diesem „Volk“ oder nicht? Dann werden wir auch demütig mit den anderen, die wir dazu zählen, gemeinsam die Suppe auslöffeln, die „sie“ uns eingebrockt haben. Angebot und Nachfrage – wären die Zustände unerträglich, würde das Volk dementsprechend reagieren. Vielleicht reagiert es auch nicht, weil es das Volk nur noch Spurenelement gibt?

    Was reagiert, sind individualistische Bedürfnisse. Jetzt wachen einige Kleinbürger auf, weil sie spüren, daß es ihnen bald an Geldbörse und Kragen geht. Und genauso diffus und unorganisiert ist der Widerstand. Die Machtclique hingegen beschäftigt universitäre Denkzirkel en masse, die – zwar geistig impotent bis lächerlich – aufgrund ihrer schieren Menge und Publikationsmöglichkeiten doch Wirkung auf Wahrnehmungswelten entfalten können.

    Die Schuldfrage intellektuell zu debattieren, wird in den kommenden Auseinandersetzungen belanglos.

  44. @ Der Gutmensch

    Warum regt Sie Theodor Fontane auf? Interessiert mich wirklich!

    Weil man ihn nicht so einfach „konsumieren“ kann? Sollte man das?
    Ich empfinde ihn auch nicht als „fürchterlich anstrengend“, nein doch!
    Ich kenne mich bei ihm, mit Verlaub, etwas aus…
    Schätze und „liebe“ ihn, seine realistische und skeptische Lebens-
    und Weltsicht. Und er hatte hinsichtlich der Zukunft Preußens und des Deutschen Reiches Befürchtungen, die sich heutzutage „beklemmend“ lesen.
    : Grüße von der Weichsel

  45. Gustav

    @ Monika

    Ihr Hinweis auf: Gemeinsame Erklärung von Papst Franziskus und Patriarch Kyrill von Moskau – Warnung vor neuem Weltkrieg.

    17. …… während der materielle Reichtum der Menschheit zunimmt.

    …… die an die Tür der reichen Länder klopfen.

    Will der uns veräppeln? Ein paar hundert Leute besitzen den Planeten, der Rest verarmt in zunehmendem Tempo. Die reichen Länder sind reich an Schulden, kurz vor oder bereits über der Belastungsgrenze.

    17. Der zügellose Konsum, wie man ihn in einigen der am meisten entwickelten Länder antrifft, beginnt allmählich die Ressourcen unseres Planeten aufzubrauchen.

    Lassen wir also die die klopfen rein, damit das noch schneller geht? Verarmen gemeinsam in Demut?

    18. Die christlichen Kirchen sind aufgerufen, die Erfordernisse der Gerechtigkeit, den Respekt vor den Traditionen der Völker und eine echte Solidarität mit allen Leidenden zu verteidigen. Wir Christen dürfen nicht vergessen, dass Gott das Törichte in der Welt erwählt hat, um die Weisen zuschanden zu machen. Das Schwache in der Welt hat Gott erwählt, um das Starke zuschanden zu machen. Und das Niedrige in der Welt und das Verachtete hat Gott erwählt: das, was nichts ist, um das, was etwas ist, zu vernichten, damit kein Mensch sich rühmen kann vor Gott (vgl. 1 Kor 1,27-29).

    Ohne Worte!

  46. Der Gutmensch

    Oh, lieber Westpreuße,

    was geben Sie mir nur für ein Stichwort!! Also dann – ich schlug z. B. erbitterte Schlachten wegen „John Maynard“. Genauer gesagt wegen seiner Replik: „Ja, Herr, ich halt´s!“ Sehen Sie – mir war der „Herr“ nicht geheuer, der sich darauf verlässt, dass der Steuermann – also im Rang unter ihm – die Schwalbe in dieser Situation ans Ufer bringt. Ich befand, kurz vor dem Untergang solle sich der Herr gefälligst mal selber ans Steuer bequemen. Auf alle Fälle nicht noch so dumm fragen „Noch da, John Maynard?“. Er wird´s schon merken, wenn John beschließt, sein eigenes Fell zu retten! Höchstens hätte er rufen können: „John, halt durch, ich komme!“ oder sowas in der Kragenweite. Und wäre ich John gewesen und hätte es als meine Pflicht empfunden, die Schwalbe ans Ufer zu steuern, so wäre das MEINE Entscheidung gewesen; John war kein Soldat und die Heuer umfasste nicht die Verpflichtung, zugunsten anderer zu verbrennen. Das hat kein „Herr“ anzunehmen! Wie dem auch sei – wär ich also ein guter Mensch und auf meinem Posten geblieben, so hätte ich entweder aus purem Gnatz gar nicht geantwortet (auf das sich weisen möge, ob der „Herr“ denn auch das Zeug zum Herrn hat) oder – wenn ich noch besser gewesen wäre – hätte ich kurz und verächtlich mit „Ja, Sie A…. “ geantwortet. Naja, u. a. das hat mir den Theo über den Schulstoff hinaus verleidet; dieser Mann macht meinem eigenen mürrischen Wesen schlicht auf derselben Wellenlänge Konkurrenz. Ich nehme ihm daher diesen komisch-pathetischen Ausflug auch nicht ab und ertrage es nicht, wenn man J. M. ernsthaft lobt.

    Gruß,

    d. G.

  47. @Gustav

    Auch, wenn wir alle Papst sind, lesen Sie solche Texte doch etwas diplomatischer !

  48. Gustav Grambauer

    Liebe Monika,

    ich hatte mich recht über das Wort „gottlos“ geärgert, obwohl es von Ihnen nicht so herabqualifizierend gemeint war wie es bei mir angekommen ist. Die Schilderung Ihres Weges und Ihrer Position habe ich mit Respekt und dem Gefühl der Verbundenheit gelesen. Bitte sehen Sie mir meine Überreaktion nach, die Sie nicht verdient haben, und die ja auch nicht sehr christlich war.

    Zu der Rentner-Diskussion: diese Generation hat die Arbeiterklasse abgeschafft, so daß deren kommunistischer Teil nun im Refugee ein Substitut für sein „Revolutionäres Subjekt“ hätschelt. Der Clou liegt darin, daß die entweder Marx

    https://de.wikipedia.org/wiki/Lumpenproletariat

    nie gelesen haben – oder der Euphemismus „Facharbeiter“ erklärt sich mal wieder mit dem vorsätzlichen Zurechtlügen der Wirklichkeit bis zur Klassen- und Klassikerkonformität.

    - G. G.

  49. Gustav

    @ Monika

    „Auch, wenn wir alle Papst sind, lesen Sie solche Texte doch etwas diplomatischer !“

    Wenn Punkt 18 das Wesen der Kirche verkörpert, und das muß ich ja wohl annehmen, dann braucht es keine Diplomatie, sondern Scheiterhaufen, viele Scheiterhaufen, denn dieses (Un)Wesen ist doch kein Christentum, oder doch?

  50. Nero

    @Gustav

    dieses (Un)Wesen ist doch kein Christentum, oder doch?

    GENAU DAS ist das Christentum.

    Christenmoral: schwach = gut

    Es gab nie einen christlicheren Papst.
    Und genau das ist das Problem.
    Die römisch katholische Kirche war immer auch Konservatorium für unsere heidnische Tradition:
    ZBsp Ostern, eigentlich größtes Fest der Christenheit, kommt aber von der Göttin Ostara deren Ursprung weit vor dem Christentum liegt.
    Natürlich bestreiten die Christen das und lügen wieder alles zurecht.

    Odinstag = Dienstag, Wotanstag = Wednesday (im Englischen)
    Warum heißt er hier aber Mittwoch? Ganz einfach, weil die Christen alles Antike und Heidnische verdrängen wollen. Namen, Bräuche, alles!

    Es ist eine MONOtheistische Religion.
    1. Gebot:
    Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!

    Christen werden nichts anderes zulassen.

    Besonders peinlich sind die Götzenanbeter. Das ist ja Ur-heidnisch und bei den Protestanten total verpönt. Christlich gesehen ist das tatsächlich verboten.
    Und genau DIE verteidigen das Christentum? Die ganzen Rosenkranzbeterinnen… woher kommt denn das? Na vom Krieg gegen die türkische Flotte.
    Und genau dafür habe ich die römisch katholische Kirche geliebt.
    Diese lebendige Geschichte. Ich erkannte mich selbst darin und war ein lebendiger Teil davon.
    Tausende bunte Splitter, das hat die römisch-katholische Kirche zu einem Bild zusammengefügt.
    Und was macht sie jetzt? Jetzt übermalt sie das Bild mit einer anderen Farbe und zerstört alles. Und warum? Antwort: siehe erstes Gebot.

    Hier wurde Nietzsche zitiert.
    Ich habe ihn nie gelesen. Ich weiß aber, dass er die Christenheit als von innen heraus zerstörerisch betrachtete. Er hat recht.
    Christen sind unser HIV. Und die Kirche ist AIDS.

    Sagte der Papst Franziskus sinngemäß, dass Europa eine unfruchtbare Großmutter sei und nicht lebendig genug. Es gehe nicht um immer größere Individualisierung, sondern um den Zusammenschluss der persönlichen Dimension mit dem Gemeinwohl, mit dem „Wir alle“, das aus Einzelnen, Familien und kleineren Gruppen gebildet werde, die sich zu einer sozialen Gemeinschaft zusammenschließen sollen.

    Pontifex:

    Die Stunde ist gekommen, gemeinsam das Europa aufzubauen, das sich nicht um die Wirtschaft dreht, sondern um die Heiligkeit der menschlichen Person, um unveräußerliche Werte.

    Das ist doch Kommunismus live. Ich dachte immer heilig ist was besonderes… ist dann wohl jeder. Dieses universelle Gelaber bringt uns in Teufels Küche.

    Zum Abschluss möchte ich ein Zitat übersetzt aus dem Englischen einreichen. Es ist von Fulton John Sheen eigentlich Peter John Sheen † 9. Dezember 1979 er war römisch-katholischer Bischof in den USA.

    Die moderne Welt, welche die persönliche Schuld leugnet und nur allgemeine, gesellschaftliche Missstände anerkennt, die welche nur gesellschaftliche Reformen kennt und keine persönliche Reue und Umkehr kennt, diese Welt hat Christus vom Kreuz getrennt; Der Bräutigam und die Braut wurden von Menschenhand geschieden, obwohl sie von Gott vereint wurden.

    Als Ergebnis liegt da auf der einen Seite das Kreuz und auf der anderen Seite Christus.
    Beide warten auf neue Partner um dann den Ehebruch zu begehen.

    Der Sozialismus nahm das bedeutungslose Kreuz und benutzt es zur Unterdrückung, zur Selbstverleugnung, zur Selbstaufgabe. Harte Arbeit und Hingabe nur für ein abstraktes übergeordnetes Ziel.
    Aber das Kreuz ohne Christus ist ein Opfer ohne Liebe und Erlösung.
    Der Sozialismus kreiert eine kalte Gesellschaft in der der Einzelne wertlos ist.

    Auf der anderen Seite nahm die westliche Gesellschaft Christus ohne sein Kreuz. Aber Christus ohne sein Kreuz, ohne die Opferung, ist nichts anderes als ein verweichlichter, umerziehender beliebiger Pop-Star, der beliebt ist wegen seiner Bergpredigt und unbeliebt wegen all dem was er über die Heiligkeit, Hölle, das Richten und anderem sagte. Ein billiger Gott.
    Dieser sentimentale Christus wurde mit vielen anderen Beliebigkeiten zusammen geschmissen, unterstützt von Etymologen die zwar die Wörter aber nicht die Begriffe kennen und verzerrt von Anderen die alles göttliche für einen Mythos halten. Ohne sein Kreuz, ist er nichts anderes als ein Scharlatan, ein sexy Wegbereiter für eine Demokratie und einen Humanismus, die lehren, dass es eine Gemeinschaft ohne Tränen geben kann.

  51. Heinrich Brück

    „Dazu kommt in meinen Augen, dass die christliche Kultur der Sanftheit ihre eigene Würde besitzt,“

    Ja, wenn sie auf dem Altar der Feigheit vergewaltigt wird.

    „Die Menschen eines anderen Kulturkreises, die hier nun einmal aufgenommen wurden, lösen sich nicht in Luft auf, nur weil’s einem nicht gefällt.“

    Und die anderen Menschen, die noch kommen wollen, werden nicht darauf
    verzichten, nur weil man es möchte.

    „Ich kann mich nicht über ein Ereignis wie Köln als Weckruf freuen“

    In Köln ist überhaupt nichts passiert – so richtig historisch gesehen, im
    Vergleich zu einem realistischen Weckruf der Herrschaft des Islam.

  52. Ach, lieber @ Der Gutmensch,

    ich danke Ihnen herzlich für Ihre Antwort. Sie haben mir viel Freude bereitet; und das ist nicht (!) ironisch gemeint. Ich habe diese (!) Art von Antwort überhaupt nicht erwartet…

    Ich schreibe ganz einfach:
    Ja, so kann man es sehen…
    (und füge lediglich den kleinen Einwand hinzu…)
    Aber man muß es so nicht sehen, gell…

    https://www.youtube.com/watch?v=C-6a334ugo0
    John Maynard – Achim Reichel

    Sie finden, wenn ich es richtig sehe, 147 Kommentare unter dem Video. Leidgeprüfte, „kuhle“, schöne, kluge, auch doofe, begeisterte…usw.
    Sie finden mit Sicherheit auch einige, die Ihnen gefallen, mit denen Sie etwas anfangen können. Ist wenigstens mir so ergangen…

    Und zum Schluß, wie das so ist, ein Wort von Theodor Fontane.
    Ich wähle mal eins, in dem er das Treiben der Welt von seinem
    gefühlten, nahenden Lebensende her betrachtet.
    Und er hat uns ALLEN hier etwas zu sagen:

    Die Alten und die Jungen:

    „Unverständlich sind uns die Jungen“
    Wird von den Alten beständig gesungen;
    Meinerseits möch‘ ich’s damit halten:
    „Unverständlich sind mir die Alten.“
    Dieses am Ruderbleibenwollen
    In allen Stücken und allen Rollen,
    Dieses sich Unentbehrlichvermeinen
    Samt ihrer „Augen stillem Weinen“,
    Als wäre der Welt ein Weh getan -
    Ach, ich kann es nicht verstahn.
    Ob unsere Jungen, in ihrem Erdreisten,
    Wirklich was Besseres schaffen und leisten.
    Ob dem Parnasse sie näher gekommen
    Oder bloß einen Maulwurfshügel erklommen,
    Ob sie, mit andern Neusittenverfechtern
    Die Menschheit bessern oder verschlechtern,
    Ob sie Frieden sä‘n oder Sturm entfachen,
    Ob sie Himmel oder Hölle machen -
    EINS läßt sie stehn auf siegreichem Grunde:
    Sie haben den Tag, sie haben die Stunde;
    Der Mohr kann gehen, neu Spiel hebt an,
    SIE beherrschen die Szene, SIE sind dran.

    Galt immer, gilt immer. : Grüße von der Weichsel

  53. Stil-Blüte

    (@ Gutmensch
    Was für Fontanes Ballade ‚John Maynert‘ gilt, ist gültig für jegliche Literatur:
    Sinngebung durch Außergewöhnliches ((‘eine ungeheure Begebenheit‘)), Fiktion, Mythos, Legende. Wäre der Käpt‘n der Held, hätte Fontane nicht die Ballade schreiben müssen. Fontane kompliziert? Als Journalist und Unterhaltungsschriftsteller – freilich was für einer! – schrieb er für Journale Reiseschilderungen und Romane in Fortsetzungen.

    Dem Eigenen ist man automatisch zugetan, erst recht in die Fremde. Die Fremden verhalten sich in Deutschland entsprechend ihrem Eigenen. Wer will ihnen das verübeln? Das schleift sich nur im Laufe einer langen Zeit ab, da gehen mindestens drei Generationen ins Land.

    Die Unkenntnis der Regierenden und ihrer Helfershelfer über ‚Völkerpsychologie‘ ist gravierend. Ghettos waren nur teilweise gemacht; sie sind teilweise aus eigenen Antrieb entstanden. Warum wir Deutschen so mit Blindheit geschlagen sind? Abstumpfung. Aber auch Veranlagung. Ich finde leider das Zitat von Napoleon nicht, aber es läuft, im Vergleich zu anderen Nationen, sinngemäß auf unsere ‚Blauäugigkeit‘ hinaus.

    Kennt man Türken, Kurden, Magrebiner, die den Reichtum ihrer neuen Heimstatt Deutschland auf Wanderwegen erkunden? In Chören? In Museen? Im Theater? In Bibliotheken? Doch! Da Computer vorhanden. Ganz anders diejenigen, die aus asiatischen Ländern kommen. Neugierig, wissensdurstig, bescheiden, höflich.

  54. Jutta

    http://www.ikbg.net

    http://www.bekenntnisinitiative.de/gespraechsprozess.html

    http://www.bekenntnisinitiative.de/images/Text_Jesusbuch_2015.pdf

    Der „Papst“ ist der Meinung, dass Christen und Muslime denselben Gott anbeten würden.
    Er repräsentiert die sogenannte Katholische Kirche.

    Jeder mündige Christ – habe den Mut dich deines eigenen Verstandes zu bedienen ( frei nach Kant ) soll und muss die Bibel lesen. Dann wird er zu Erkenntnissen kommen, die ihm helfen wirklich zu glauben.
    Und dann erledigt sich das mit dem Papst, der katholischen Kirche, allah und Gott von selbst.

    Und was die Senioren betrifft: hat man da vielleicht doch was falsch gemacht .. ? ..warum gelang es nicht sie einzubinden in die eigene autochthone hilflose Gesellschaft ? .. es gibt genug arme vernachlässigte Kinder und Sucht- und psychisch Kranke, Behinderte, die der Betreuung und Hilfe bedürfen .. ebenso Arbeit im Hospiz oder als Besucher im Krankenhaus.
    ???

  55. ene

    Aus einem Brief Nietzsches an Peter Gast vom 21.7.1881:

    “ Mir fiel ein, lieber Freund, dass Ihnen an einem Buche (Morgenröthe) die beständige innerliche Auseinandersetzung mit dem Christentum fremd, ja peinlich sein muss, es ist aber doch das beste Stück idealen Lebens, welches ich wirklich kennengelernt habe, von Kindesbeinen an bin ich ihm nachgegangen, in viele Winkel und ich glaube, ich bin nie in meinem Herzen gegen dasselbe gemein gewesen. Zuletzt bin ich der Nachkomme ganzer Geschlechter von christlichen Geistlichen – vergeben Sie mir diese Beschränktheit!“

    Nero,
    dies ist Nietzsche – ein scharfer Denker, ja, aber auch ein Denker der Nuancen, der vor allem eines niemals war: PLATT!
    Und der genau wußte, warauf unsere europäische Kultur beruht.

  56. Der Gutmensch

    Lieber Westpreuße,

    ich danke für Ihre warmherzige Antwort und finde auch, Reichel hat den richtigen Ton getroffen; so ein bißchen Amüsement war das, was ich gerade brauchte, nachdem ich einen Blick in den Kommentarbereich geworfen habe –

    Vielleicht hat Nero ja recht mit seinen zornigen Worten über die Christen. Womöglich hat sogar Gustav einen Punkt mit Nietzsche und seinen Worten über den Staat.
    Oder gar Winston mit dem ultimativen Shittest, ersonnen von geizigen Weibchen, die nicht lieben, sondern kalkulieren.

    Ganz sicher haben sie alle drei ihre höchst betrüblichen Punkte gemacht; ich hab dem nichts entgegenzusetzen, ich kann nicht beweisen, dass die Welt besser ist.

    Ich wünschte, ich besäße zum Ausgleich wenigstens Theos Gelassenheit, trefflich über Sellners Maulwurfshügel zu spotten. Leider bleibt mir nur seine Einsicht.

    Viele Grüße also,

    Ihr Gutmensch.

  57. Der Gutmensch

    Und liebe Stilblüte,

    ich habe über Fontane nicht geschrieben, er sei „kompliziert“, sondern dass er nicht leicht zugänglich ist. Damit wollte ich ausdrücken, dass er sicher nicht so banal ist, wie er oft gehandhabt wird.

    Und ja – wäre der Kapitän der Held gewesen, wie es sich gehört, hätte es keine solche Ballade gegeben, oder vielleicht eine ehrliche. Der Witz ist nämlich leider der, das John Maynard selber womöglich gar kein Held war; also zumindest nicht im wirklichen Leben, da hieß er „Augustus Fuller“ oder auch „Luther Fuller“ und die Verbreitung seiner angeblichen Ruhmestat diente, den Randumständen nach zu urteilen, wohl eher der Bemäntelung eines Versicherungsbetruges. Ich kann mir gut vorstellen, dass Fontane dasselbe vermutete! Mir, der mir Johnny-Baby allerdings mit toternster Miene als proletarischer Held (!!) verkauft werden sollte, schien der papierne John jedenfalls auch als eine höchst suspekte Figur; lange vor dem Internetzeitalter und reineweg aus dem Bauch und einer gewissen Sensibilität für die Dicke des sprachlichen Auftragens heraus. Damit stand ich allerdings auf ziemlich verlorenem Posten, und beweisen lässt sich da ja auch nichts.

    Als einzige Lehre, die sich daraus ziehen lässt, bleibt wohl stehen: Erkenntnis kann nicht erzwungen werden; nicht mal von Einheimischen, eigentlich in der Tradition stehenden Menschen.

    d. G.

  58. Der Gutmensch

    Und was die Senioren betrifft: hat man da vielleicht doch was falsch gemacht .. ? ..warum gelang es nicht sie einzubinden in die eigene autochthone hilflose Gesellschaft ? .. es gibt genug arme vernachlässigte Kinder und Sucht- und psychisch Kranke, Behinderte, die der Betreuung und Hilfe bedürfen .. ebenso Arbeit im Hospiz oder als Besucher im Krankenhaus.
    ???

    Liebe Jutta,

    ganz im Ernst: Was erhoffen Sie sich davon, die Best-Ager zu bevormunden? Wer soll da bitte was falsch gemacht haben – außen denen selber? Wieso wollen Sie überhaupt wissen, was die antreibt, glauben Sie denn im Ernst, Sie könnten sie kurieren?

    Der Vorschlag, Leute, die das ausdrücklich nicht wollen, weil – mal ganz grob ausgedrückt, damit es auch der Letzte versteht – DENEN DER ALTERSSTARRE SINN NUN MAL NACH NICHTZUDISKRIMINIERENDEN STEHT! – auf Autochthone, tatsächlich hilfsbedürftig sind, loszuschicken – den armen Menschen also „Helfer“ aufzudrängen, die ihnen gegenüber völlig unempathisch sind, weil sie Deutschland nämlich am liebsten verrecken sehen würden – der stößt mich regelrecht ab.

    Ich würde mein Kind oder irgendwen, der mir am Herzen liegt, ganz sicher keinem herablassenden Best-Ager zum Fraße vorwerfen, da kümmere ich mich dann doch lieber selber – und lass die Best-Ager im Gegenzug ihren Spaß haben, wo immer sie ihn auch suchen mögen, gerne auch im Darkroom, solange sie mir dabei nur nicht in der Sonne stehen!

    Nee – nicht der Gutmensch! Feierabend.

  59. Walsers Ödipus-Komplex fiel mir in seinem pornösen „Tod eines Kritikers“ auf:

    Wenn der Vater mich übers Knie legte, richtete sich der Penis auf, wurde hart. … Als ich mit vierzehn die Bilder mit toten deutschen Soldaten in Stalingrad sah, kriegte ich immer Erektionen. … Wenn der Vater fällt, ist der Weg zur Mutter frei.

    Natürlich, alles ein Roman, kunstvollste Nachkriegsliteratur. Wer aber sowas verfaßt, hat m. E. auch einen Dachschaden. Man sollte also nicht jedes seiner Worte auf die Goldwaage legen. Gefährlich ist hingegen das medial postulierte Stimmgewicht solcher Menschen.

  60. Stil-Blüte

    @ Gutmensch,
    guter Mann,
    wir kommen mit unserem Fontane weg vom Thema, aber insofern auch nicht, weil Fontane mit samt seinen Glaubensbrüdern, den Hugenotten, stellvertretend als Paradebeispiel für gelungene Einwanderung und Assimilation gelten kann. Würden sich doch die Politiker‘ diese Phase in Preußen mal genau zu Gemüte ziehen.

    Die Ballade, ja recht eigentlich jedes Kunstwerk verhält sich zur Wirklichkeit wie Brot&Wein als Sakrament zu Brot&Wein als Brotzeit sowie Imagination zu ‚Erkenntnis‘. (Dachte ich es mir beinahe, daß Sie weniger gegen Fontanes ‚Ballade‘ opponiert haben, sondern gegen die ideologische Vereinnahmung und Deutungshoheit durch die Vormachtstellung der Lehrer. Große Kunstwerke sollte man nie deuten, sondern lauschen, versenken, gucken und – staunen ob der Inkommensurabilität. Fontane hat allen seine Figuren gleichermaßen Gerechtigkeit widerfahren lassen. Ob ihm das im Leben gelungen ist, wäre zu bezweifeln. Sie selbst beschreiben übrigens recht anschaulich, daß Leben und Werk nicht identisch sind, s. a. Effi Briest und Baronin von Ardenne. Kennen Sie übrigens Fontanes Ballade über den Krieg der Engländer in Afghanistan? Diese Ballade stimmt auch nicht 100%ig mit der Wirklichkit überein, sagt aber prophetisch voraus, daß kein Eroberer Afghanistan je besiegen kann. Und Fontane als Kriegsberichterstatter: Einmalig, generös wie er die ‚Erbfeinde‘ 1870 beurteilt, als er als Spion in Kriegsgefangenschaft gerät.

    Oft wird die Frage aufgeworfen, wer denn nun als ‚Weißer‘ oder ‚Deutscher‘ dazugehören könnte und wer nicht. Da fällt mir das Bild eines Sinfonieorchesters ein. Als es entstanden ist, hat es sehr lange gedauert bis man den entsprechenden Instrumenten einen festen Platz zugewiesen hat, damit ein optimaler Klangkörper entsteht. Auch wurde das Orchester mehr und mehr vergrößert, bis die optimale Kapazität erreicht war. Mehr ging nicht. Damit alle zufrieden sind – der eine spielt nur die 2. Geige, der andere haut immer auf die Pauke, ein Dritter posaunt einfach heraus usw. und es harmonisch klingt, bedarf es gestimmter Instrumente, Partituren für das jeweilige Instrument und – einen Dirigenten. Er gibt den Einsatz, er bestimmt das Tempo, die Lautstärke, jedoch alles im Sinne einer Komposition. Woran mangelt es unserem Orchester (Staat)? Keine Kompositionen, jeder will nur auf die Pauke haun und die erste Geige spielen, auch dann, wenn er kein Virtuose ist. Und vor allen Dingen: Kein Souverän mit Takt-Stock weit und breit; das Instrumentarium verstimmt, einige Musiker kommen zu spät, andere gar nicht, Notenlesen ist nicht mehr nötig, stattdessen Improvisation, schräge Töne, Disharmonien. Aber die Eintrittspreise steigen.

Diskussion geschlossen. :-)

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