Startseite
lichtmesz Martin Lichtmesz


Boris Sawinkow: Das fahle Pferd

Seiten: 1 2

boris-sawinkow_das-fahle-pferd-roman-eines-terroristen_720x600Vorbemerkung Kubitschek: Ich habe gestern Nacht die Lektüre von Sawinkows Das fahle Pferd abgeschlossen. Sawinkow war ein Terrorist reinen Wassers, das Nachwort von Jörg Baberowski kreist diesen Typus ein. Ich meine, daß auch angesichts der Attentate von Paris Sawinkows literarische Verarbeitung seines gewalttätigen Lebens eines der Bücher zur Stunde ist: Denn der Terror hat – bei aller Erschütterungsberechnung – eine innere Logik, gegen die ebensowenig ein Kraut gewachsen ist wie gegen das Schreiben oder das Lieben oder das Spielen. Lichtmesz jedenfalls ist der geeignete Rezensent für dieses kalte Stück Literatur:

Das Pantheon der russischen Literatur ist bekanntlich nicht arm an schillernden und radikalen Köpfen, aber selbst in dieser illustren Gesellschaft nimmt Boris Sawinkow (1879–1925) eine Sonderstellung ein. Ihm gelang, was im Jahrhundert von Jünger und d‘Annunzio, T. E. Lawrence und Malraux zum Ideal gewisser Strömungen der literarischen Avantgarde werden sollte: Dichter und Täter zugleich zu sein.

Und was für einer: zwischen 1903 und 1906 war Sawinkow einer der ruchlosesten Drahtzieher des terroristischen Arms der sozialrevolutionären Bewegung. Seine spektakulärste Aktion war 1905 die Ermordung des Generalgouverneurs von Moskau, eines Sohns des Zaren. Die von Sawinkow geplante, aber nicht selbst durchgeführte Tat wurde den damaligen Gepflogenheiten gemäß mit dem Wurf einer selbstgebastelten Höllenmaschine bewerkstelligt. 1906 floh der Großmeister des Terrors vor dem Zugriff der Polizei nach Paris, wo ihn das Dichterehepaar Dmitri Mereschkowski und Sinaida Hippius unter seine Fittiche nahm, das zu diesem Zeitpunkt in eschatologischen Revolutionsphantasien schwelgte. Sie ermutigten Sawinkow zu jenem seltsamen Buch, dessen unzensierte Fassung erst 1913 erscheinen sollte:

Das fahle Pferd, betitelt nach einem Vers aus der Johannes-Apokalypse, erzählte in Form eines Tagebuchs die Geschichte eines Terroranschlags, hinter dem man unschwer das Attentat auf den Großfürsten Romanow erkennen konnte. Eine hölzerne, unvollständige deutsche Übersetzung war bereits 1909 in Kopenhagen erschienen, versehen mit einer bewußt irreführenden Autorenangabe.

Mehr als ein Jahrhundert später liegt der Roman endlich in einer vollständigen deutschen Fassung vor, kongenial übertragen von dem deutsch-russischen Lyriker Alexander Nitzberg. Im Nachwort verweist der Übersetzer auf die »filigrane und streng rhythmisierte Sprache« des Originals, dessen »subtile Klangfiguren« es im Deutschen zu bewahren galt. In der Tat zeichnet sich der Roman trotz des buchstäblich explosiven Inhalts durch einen kaltblütigen, sachlichen, dabei aber geradezu hypnotischen Duktus aus. Immerhin handelt es sich hier um ein Buch, über das Mereschkowski schrieb, es verhalte sich zu Dostojewski wie »die chemische Formel einer Explosion« zu »der Explosion selbst«.

Angesichts eines solchen Urteils mag die eher »introvertierte« Tonlage des Romans überraschen: der Terrorist mit dem englischen Decknamen George O‘Brian, das alter ego Sawinkows, erscheint als Vorläufer der existentialistischen Helden eines Albert Camus, als Amoralist und Nihilist, dem der Tod als die letzte Wahrheit und Wirklichkeit erscheint, dem das Töten zur Obsession und die Todesgefahr zum einzigen Weg geworden ist, der Langeweile eines als absurd und schal empfundenen Daseins zu entrinnen.

Seiten: 1 2

33 Kommentare zu „Boris Sawinkow: Das fahle Pferd“

  1. gert friedrich

    Da fällt mir noch Andreas Baader ein.

  2. Winston Smith 78699

    Vielen Dank. Ich hätte das Verhältnis zu Dostojewski gerne expliziter, um mehr über Dostojewski zu lernen und um mir ein Bild von den muslimischen Attentätern zu machen. Überfordert dieser Anspruch den islamischen Fanatiker? Chuck Palahniuk zeigt in „Bonsai“ (en. „Pygmy“) den analytischen Blick eines jugendlichen Terror-Schläfers auf die westliche Dekadenz – allerdings erscheint der Terrorist dabei doch sehr roboterhaft und seine Gedankenfetzen wie die Einblendungen von Informationen ins Sichtfeld des Terminators. Da muß mehr zu verstehen sein – wo ist der muslimische Raskolnikow? Dekadenz und Islam sollen auch in Houellebecqs „Unterwerfung“ zusammenkommen, von dem ich mir mehr Camus und Dostojewski erwarte.

    War dieser Sinneswandel aufrichtig, war er durch Folter erzwungen? Dies ist heute ebenso ungeklärt wie die Umstände seines Todes: sein Sturz aus dem Fenster seines Gefängnisses mag Mord oder Selbstmord gewesen sein.

    Meine erste Assoziation, noch vor Orwell, ist hierzu Arthur Koestlers „Sonnenfinsternis“ („Darkness at Noon“), dessen Originalskript auf deutsch diesen Sommer aufgetaucht ist. Koestler widmet sich genau dieser Frage. Beim Artikel von Lichtmesz fallen mir weitere Insassen in Ruschakows Knast ein.

    Bei Bunuels „totalem Terrorismus, der auf die Zerstörung jeder Gesellschaft zielt, der ganzen menschlichen Rasse“ abzielt, frage ich mich, ob der Terrorismus momentan einfach einer gesellschaftlichen Selbstzerstörung entspringt und einem tieferen Todeswunsch, dem Ekel der denkenden Jugendlichen Dasein, Ausdruck verleiht. Lichtmesz zieht einen Vergleich mit Camus und einem Helden

    „als Amoralist und Nihilist, dem der Tod als die letzte Wahrheit und Wirklichkeit erscheint, dem das Töten zur Obsession und die Todesgefahr zum einzigen Weg geworden ist, der Langeweile eines als absurd und schal empfundenen Daseins zu entrinnen.“

    Vielleicht ist es heute eine Langeweile am langsamen, perspektivlosen Untergang wie in Paul Austers Nahzukunft-Dystopie „In the Country of Last Things“, wo man sich zu Tode rennt, um sich zu beseitigen, und wo spektakulärere Todesarten „öffentliche Rituale“ sind und als bewundernswert gelten, eine letzte und nicht mehr nihilierbare Bedeutung verleihen in einer Welt, in der jedes Menschenleben nicht nur austauschbar ist, sondern geradezu Belastung für alle anderen – Belastung, die bald nicht mehr durch einen Benthamschen Gegenwert an Nutzen durch Fähigkeiten, kulturelle Beiträge oder gar Hilfbereitschaft und Altruismus aufzuwiegen sein wird. Niemand ist mehr was wert, mag da ein Trojanow sich noch so winden, dass dies angeblich nicht an der Überbevölkerung liege.

  3. enricolevi

    Sie erwähnen in Ihrer Rezension die Faszination, die der Terror auf Luis Buñuel ausübte. Auch mir fielen spontan die Surrealisten ein, als ich neulich Ihren Artikel über die Pariser Anschläge las. Leider hatte der Bademeister das Planschbecken schon ausgetrocknet, bevor ich mich dazu durchringen konnte, einen entsprechenden Kommentar zu abzusetzen. So bezeugt Buñuel in seinen Erinnerungen, dass das Abbrennen eines Museums ihm besser gefällt als die Eröffnung eines Kulturzentrums oder Krankenhauses. In Aragons Pariser Landleben ist von „Erschießungen“ die Rede.

    „Seit fünfzig Jahren warte ich nun auf Erschießungen. Man soll endlich die sich bewegenden und lachenden Menschen, die durch die Landschaft streifen, in der ich für immer erstarrt bin, durch Kugeln starr und steif machen“

    Und Chefideologe André Breton legt schon 1929 in seinen zweiten surrealistischen Manifest dar, worin der einfachste surrealistische Akt bestehen soll:

    “Die einfachste surrealistische Handlung besteht darin, mit Revolvern in den Fäusten auf die Straße zu gehen und blindlings soviel wie möglich in die Menge zu schießen.“

    Wie wir jetzt in Paris gesehen haben, gibt es einige Leute, die die Exegese dieser Textes allzu wörtlich und zeitgenössisch auf dem Stand der neueren Todestechnik mit Kalaschnikows und Sprenggürteln betrieben haben. Es war schon immer problematisch, sich an der Auslegung von Texten zu beteiligen, ohne sie zu kennen. Den Koran, auf den sich die Alla-hu-akbar Boys in Paris berufen, werden sie wohl ebenso wenig studiert haben wie die Blaupause von Breton oder Aragon.

    Kaum einer von diesen Jungs dürfte wissen, wer physisch den Koran niedergeschrieben hat (Mohammed war es nicht), kaum einer dürfte wissen, nach welchen Kriterien, Richtlinien und Maßstäben einige der Hadithen als schwach und unbedeutend, andere als stark, authentisch und zwingend erachtet werden, kaum einer dürfte erklären können, warum dieselbe Hadithe von einigen Islamgelehrten als stark, von den anderen hingegen als schwach eingestuft wird; kaum einer wird sagen können, wer die „Wissenschaft“ von den Hadithen begründet hat und warum er deren Urheber als vertrauenswürdig und maßgeblich einstuft; kaum einer wird den kompletten Isnad eines Sahid-Hadithes benennen können, aufgrund dessen er täglich fünf mal betet und definitiv keiner kann die entsprechen-de Angabe machen, aufgrund derer er in Paris Zufällige & Unschuldige mit der Kalashnikow niedermäht; denn eine solche gibt es nicht. Die Religion ist nur Fassade.

    Zu fragen ist vielmehr, durch welche Gehirnwäsche und schlauen Drahtzieher die schwach belichteten Jungs von Paris zu ihrer Untat verleitet worden sind. Sie, Herr Lichtmesz, sprechen von den vielen Masken, die sich der Terrorist Sawinkow, der ja hauptsächlich ein Drahtzieher und Pate des Terrors gewesen ist, in seinem Leben übergezogen hat. Vermutlich gilt das letztlich für die meisten, die sich auf das fahle Pferd der Apokalypse setzen und sich dem Terror verschreiben. Am hinteren Ende des sichtbaren Teiles der Pariser Terrorkette dürfte, soweit sichtbar, Haji Bakr stehen, der schon umgekommene Chefstratege, Planer und Schöpfer des Islamischen Staates, der dortselbst auch Abu Bakr al Bagdhadi als Kalif im Islamischen Staat installiert hat und selbst davor Oberst der irakischen Luftwaffe, Geheimdienstoffizier unter Saddam Hussein und für zwei Jahre Insasse eines amerikanischen Gefängnisses war, eine Figur, die in puncto Zwielichtigkeit und mangelnder ideologischer Sattelfestigkeit es sicher mit einem Sawikow aufnehmen kann. Mit Religion hatten die Plänen des Masterminds Haji Bakr jedenfalls kaum etwas zu tun. [1-3]

    „Bakr reportedly worked with a small group of former Iraqi intelligence officers to place Abu Bakr al-Bagdhdadi at the head of the militant operation, with the goal of giving the group a “religious face,” while Bakr himself was described as a nationalist, rather than an Islamist. [4]

    (Bei welchem ausländischen Geheimen Dienst der unsichtbare Teil der Terrorkette endet, darüber kann nur spekuliert werden.) [5,6]

    Ein andere Frage wäre, durch welche Gehirnwäsche die Mehrzahl unserer westlichen Mitbürger und Weltbildabonnenten glauben gemacht werden, dass der Islam die Wurzel allen Übels sei. Hören wir, wie André Breton die Eingangsfanfare seines Manifestes fortsetzt:

    Wer nicht einmal im Leben Lust gehabt hat, auf diese Weise mit dem derzeit bestehenden elenden Prinzip der Erniedrigung und Verdummung aufzuräumen – der gehört eindeutig selbst in diese Menge und hat den Wanst ständig in Schusshöhe.

    So gesehen, sind wir alle Nachfahren von Breton.

    1) http://www.spiegel.de/video/die-geheimen-strukturen-des-islamischen-staates-video-1571290.html

    2) http://www.sueddeutsche.de/politik/whistleblower-unter-terroristen-geheimnisse-aus-dem-inneren-von-isis-1.2008343

    3) http://justpaste.it/e90q (Whistleblower aus dem Inneren des IS)

    4)http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/haji-bakr-former-saddam-hussein-spy-is-mastermind-behind-isis-takeover-of-northern-syria-and-push-10189280.html

    5) http://www.independent.co.uk/news/world/middle-east/camp-bucca-the-us-prison-that-became-the-birthplace-of-isis-9838905.html

    6)http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_13/LP16015_260815.pdf

  4. Andreas Törner

    Da fällt mir noch Andreas Baader ein.

    …und nicht völlig zu unrecht; eine seiner Verflossenen sowie ein Ex-Genosse wußten glaubhaft zu berichten, daß A. Baader nach ein paar Joints – ob in ironisch-sarkastischer Wahlverwandtschaftsambition oder lediglich, um ein wenig mit seiner Belesenheit zu prahlen – gern auf Franz von Baaders Blut- und Opfermystik zu sprechen kam. Diese habe ihn fasziniert, speziell die Idee, sie „vom Kopf auf die Füße“ zu stellen.

    Vgl. F. v. Baader, Vorlesungen über eine künftige Theorie des Opfers:

    http://books.googleusercontent.com/books/content?req=AKW5QadwtRliKWomHlCtlIEm4j8ltt5wKLb-G-89O0k9EK2FpqjouyZ49Xx5Mt1myWXMKJpHjDgFIgK6aq229uVJaCf1DkX5DY2QM7R0vCzh68dwGXEsSdUzcRnknoBJz877HkFtW_8ehJ9q-EZ5KWQAzWJ_qaoFqS_MrrWFuD_qhGVgTmzF_f6syrFp6XdbO0OosGQd-yGhlqSn6NfqPdTvTbV-83RDcVF2oALvI8OAQufzIU4FVrrxYOLfDRAcAeQ7Nb5tfxv12t8DrJcOWlr5TQPdDzlZ5XQMEWWhsfso_LDYkAGcgEs

    Schlagwortzusammenfassung auch hier:

    https://books.google.de/books?id=H4_oBQAAQBAJ&pg=PA134&dq=politische+theologie+der+gegenaufkl%C3%A4rung+blutopfer&hl=de&sa=X&ved=0ahUKEwjFo5jH77DJAhUFOBoKHUS4Dv8Q6AEIHTAA#v=onepage&q=politische%20theologie%20der%20gegenaufkl%C3%A4rung%20blutopfer&f=false

    Jakob Böhme und Saint-Martin lassen grüßen – „Satanskult und Schwarze Messen“ freilich ebenso. Ein Thema, für das sich wiederum die junge Ulrike Meinhof zu Beginn ihrer Berliner Jahre besonders interessiert haben soll, als sie noch regelmäßig in einer gewissen finsteren Buchhandlung verkehrte, die als traditionsreicher Treffpunkt von „Crowleyanern“ und „Thelemiten“ galt…

    M.L.: Nu ja, das halte ich nun für reichlich spekulativ, um es gelinde zu sagen…

  5. Arminius Arndt

    @Winston Smith,

    ich kann Dostojewski trotz Kenntnis seiner bekanntesten Werke in keinen Zusammenhang mit Vollpfosten wie muslimischen Attentätern bringen und schon gar nicht Raskolonikov – ein Figur, die man im Übrigen sehr gut verstehen kann, wenn man einmal ein paar Semester Jura (Dostojewski war kein Jurist, nur zur Klarstellung) hinter sich hat (selbiges gilt auch für eine Kafka Rezeption). Den Houellebecq sollten Sie einmal ernsthaft studieren und beginnen Sie vor allem anderen mit dessen Essay über H.P Lovecraft, der meiner Meinung nach grundlegenden Schlüsselschrift zum Verständnis von Houellebecqs Schaffen.

    Insgesamt bin ich immer wieder sprachlos darüber, was Sie hier seit einiger Zeit fast am Fließband raushauen.

    War/bin zwar selber streckenweise fast schon im Spamformat hier unterwegs (gewesen), aber es gibt immer wieder Jungs, die produzieren hier am laufenden Band Beiträge, dass man gar nicht mehr nachkommt bzw. sie ab einem gewissen Punkt nicht mehr liest (overdosed). B.t.w., da fällt mir auf, dass ich schon lange nichts mehr von Nordlaender hier gelesen habe – zumindest nicht unter dem Namen.

  6. Raskolnikow

    Schauen wir,

    aus ein und demselben Fenster in ein und dieselbe Welt, sehen wir doch alle etwas Anderes. Einige sehen einen grossen Ballsaal, manche ein Parlament, etliche einen Ort fuer Kundgebungen, andere ein Laboratorium, einen Gerichtssaal, einen Laufsteg, einen Bauchladen, eine Wuerstelbude oder sonst noch was …

    Die Maenner, die beim Blick aus dem Fenster ein Gefechtsfeld sehen, werden Sawinkows Bilder sofort und unmittelbar erfassen. Aehnlich wie die Bilder aus Arnolt Bronnens „OS“.

    Besonders bemerkenswert sind die behutsam touchierten Fragen nach Legitimation. Die Fragen nach dem Grund, auf dem man schwankt. Der Eintrag vom 16. September …

    (Andreas Baader? Im Ernst? Nichts als ein harmloses, linkes Popsternchen!)

    Pathos, Limonade und Kuchen!

    R.

  7. Hildesvin

    @ enricoLEVI: … Isnad eines Sahid-Hadithes… – das klingt mir wie Tausves-Jontof aus „Disputation“ von Heinrich Heine – Ich tumber Kafir bzw. Goy habe keine Ahnung, was für ein Ding Gottes das jeweils wäre, ich nähre aber auch keinerlei Gelüst, das weiter zu ergründen.
    —–
    Aragon wird das Zitat „Journalist ist der vornehmere Ausdruck für Dreckschwein“ zugeschrieben, doch gibt das Internet dazu gar wenig her. So ganz lag er wohl damit nicht daneben.

  8. Solche Bücher lese ich nicht. Es sind Männerthemen.
    Trotzdem beschäftigt mich natürlich das Thema Gewalt jenseits der „psychologischen Expertensprache“. Jenseits aller Theorie.

    Ein sehr aufschlußreiches und auch aufwühlendes Interview von Jörg Baberowski läßt erahnen,um was es geht:
    http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/historiker-joerg-baberowski-im-interview-ueber-asyl-13810824.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

    Sprechen über Gewalt ist etwas anderes als die Tat.
    Im Gewaltraum gehorcht das menschliche Verhalten einer eigenen Logik

    Laut Baberowski haben Ideen keine Handlungspotenziale. Mit Erklärungen kommen wir Gewalt nicht bei.

    Als kleines Mädchen fragte ich meinen Onkel, der vom Krieg erzählte, ob er einen Menschen erschossen hätte. Seine Antwort war nur:
    „Sonst würde ich hier nicht sitzen“.
    Jede Gegenfrage war damit überflüssig.

  9. ingres

    Hatte den Eindruck, dass man u. U. (@enricolevi) dazu neigt im theoretischen Sinn ein gewisses Verständnis für islamischen Terror aufzubringen.
    Ist ja auch in Ordnung. Nur Spießer verweigern sich Grundsätzlichem. Bevor mir die Rolle des Islam in der westlichen Welt klar war, habe ich mal geschrieben, dass ich durchaus verstehen kann, dass man, also auch Moslems, nichts für die westliche Welt in ihrem jetzigen Zustand übrig haben muß. Habe ich und hatte ich ja damals auch schon nicht.
    Allerdings bin ich zum einen der Ansicht, dass man deshalb keinen Terror ausüben sollte und zum zweiten bin ich der Meinung, dass der islamische Terror eben ursächlich mit dem Islam verbunden ist. D. h. der Islam übt Terror gegen alles aus, auch gegen den Islam in Form anderer Moslems.
    D. h. Ursache des Terrors ist grundsätzlich der Islam. Lediglich der Anlaß kann ist variabel.

  10. Winston Smith 78699

    @ Arminius Arndt

    Darf ich antworten? Wie soll ich Sie vorher fragen, wann ich antworten darf?

    ich kann Dostojewski trotz Kenntnis seiner bekanntesten Werke in keinen Zusammenhang mit Vollpfosten wie muslimischen Attentätern bringen

    Was vielleicht wie zwanghafte Produktion meinerseits aussieht, ist mir seit Tagen brennende Frage, nur dass ich mich in der Buchhandlung nicht mehr offen sprechen wage. Sie findet hier Resonanz, weil oben das Buch (von Mereschkowski) mit Dostojewski und (von Kubitschek) mit den Attentaten von Paris genannt wird.

    Bei der Rede vom Vollpfosten fällt mir die Erzählerstimme aus Apocalypse Now ein, wie sie die Party der GIs mit dem Gedanken kontrastiert, dass zeitgleich der vermeintliche Vollpfosten „Charly“ im Tunnel mit einer Schale Reis und etwas Rattenfleisch auskommt und für den Kampf lebt. Selbst wenn der Koran nur eine surrealistisch verschriftlichte Splatterphantasie wäre und seine terroristischen Anhänger nur irre Roboter, könnte genau dies ja eine Schwachstelle offenbaren. (Angeblich wurden ja Bier und Pornos erfolgreich über den IS-kämpfern abgeworfen – ob wohl die psychologische Kriegsführung nicht vielmehr in genau dieser Nachricht steckt?)

    Was aber, wenn Regungen wie Gier nach Macht oder Neid (der plötzlich zu Reichtum gekommenen Verlierer) und kulturelles Minderwertigkeitsgefühl eine Rolle spielen sollten – täten sich da nicht andere verwundbare Punkte auf? Eine Darstellung sämtlicher Täter als Trottel halte ich für Propaganda, um uns ruhig zu halten, und vielleicht, um bei jenen Unvorsicht zu provozieren. (Sich etwa darüber lustig zu machen, welch verhältnismäßig geringen Erfolg die mit ihren Mitteln gegen Wehrlose erzielen, wäre vielleicht effektiv, ist aber momentan bestimmt noch zu pietätlos und zynisch.)

    Was, wenn die Terroristen den hiesigen Systemgegnern direkt oder indirekt dienlich sein könnten? Leider erscheinen und agieren die Verantwortlichen in Regierung, Administration und Medien derartig hilf- und planlos, dass entweder genau dies eine wahnwitzige Taktik nach Schildbürgermanier sein müßte, oder der kleine Mann kann eben nicht mehr von irgendeiner Intelligenz bei denen ausgehen ist und zum eigenen Nachdenken genötigt.

    Ich würde das Nachdenken gerne lassen können und mich schlafen legen, damit auch Sie von meinem SPAM verschont blieben. Solange dies nicht geht, habe ich von meinem Kellerloch aus gerne mehr kundigen Austausch wie etwa mit Arminius Arndt oder mit Der Gutmensch. Nicht jeder kann heutzutage im persönlichen Umfeld (zum Schutze geistiger Gesundheit in diesen Zeiten) sagen, was ihn umtreibt, oder er einen Beitrag auf Qualität (und Tippfehler) hin gegenlesen lassen, damit auch niemand sich unterfordert fühlt.
    Vielen Dank für den Hinweis auf den Essay zu Lovecraft!

  11. Bernhard

    Terror und Terrorismus müssen im jeweiligen Kontext gesehen werden. Es, ist sinnvoll, die verschiedenen Ausprägungen zu betrachten.

    Schön, wenn hier auf die Zeit vor der Oktoberrevolution hingewiesen wird. Das Thema ist sehr lehrreich.

    Ich habe z.B. Juri W. Trifonows „(Die Zeit der) Ungeduld“ und anschließend P. N. Krasnows „Die Zarenmörder“ gelesen. Das eine Buch erschien in der Sowjetunion zu Zeiten Stalins, das andere in NS-Deutschland.

    Beide Bücher waren ein Gewinn – und obwohl aus völlig gegensätzlicher Perspektive geschrieben, haben mich beide auch fasziniert. Es ist zwar nicht gelungen, mich davon abzubringen, den Terror(ismus) grundsätzlich abzulehnen, doch ertappte ich mich öfter bei einer gewissen Sympathie für den Idealismus der Terroristen sowie einem Verständnis für die „Logik des Terrors“.

    Der islamische Terror unterscheidet sich davon in einigen wesentlichen Punkten. Hierzu gibt es mittlerweile auch sehr viel Literatur. Die islamischen Terroristen sind allerdings auch mehr als nur Verbrecher. Ich kann ihr Handeln nachvollziehen, obwohl sie unsere Todfeinde sind.

    Das Thema hat eine zusätzliche Dimension. Die Beschäftigung mit dem Terror sollten wir nutzen, um Rechte davon abzuhalten, hier ein neues, sinnloses und kontraproduktives Kapitel anfügen zu wollen.

  12. Es muß in dieser Welt immer Handlanger des Teufels geben, intelligente Einzelterroristen werden heute durch dumme Anhängern des Islam abgelöst, allesamt Verdammte! – Aber alles Böse ruft als Gegensatz das Gute hervor, der Antichrist den Messias. Bedarf es dazu noch Magie? Mit der Parusie wird zuletzt der Gerechtigkeit genüge getan, das ist ein Gesetz der Natur oder der göttlichen Zeit:
    „Woher die Dinge ihre Entstehung haben, dahin müssen sie auch zu Grunde gehen, wie es bestimmt ist, denn sie müssen Buße zahlen für ihre Ungerechtigkeiten, gemäß der Ordnung der Zeit.“
    (Entschuldigen Sie ;Herr Lichtmesz, daß ich auf meiner Website Ihre Übersetzung des Anaximander etwas verändert habe)

    M.L.: Die ist nicht von mir, sondern von Herrn Nietzsche.

  13. der Gehenkte

    Keine Ahnung, ob mir M.L. diesen kleinen Abstecher durchgehen läßt – man könnte zur Rechtfertigung was konstruieren, wie Gewalt/Terror vs. Liebe o.ä. … Gerade lese ich „Herr Petry predigt Liebe“ mit mächtig viel Heiliger Schrift und artigen Argumenten. Was haben die Kreuzritter dazu zu sagen?

    http://www.zeit.de/2015/48/pfarrer-sven-petry-ehemann-afd-frauke-petry

    Man muß ja nicht gleich Philosophieren. Nur ein paar Argumente, Ansichten …

  14. Stil-Blüte

    Im deutschen (Sprach-)Raum haben wir einen Vertreter, an welchem man die mentale Entwicklung zum Terroristen/Anarchistend/Partisanen an nur einem einzigen Tentakel einer Krake studieren kann: Kleist, Michael Kohlhaas. = Antifa national, = IS international

  15. Auf SPON gab es auch eine Resenzoi Buchbesprechunng. -Ich bombe also bin ich
    Ich wollte mir das Buch schon nach der SPON Buchbesprechunng kaufen, nach der Lichtmesz’schen werde ich es tun. Die Kombination Intellektueller und Bombenschmeisser hat was.

    Der islamistische Terror bietet diese Kombination leider nicht. Tausend Jahre Inzucht verrichteten ihr Werk. Halb- und Volldeppen, auf Drogen, die sich in die Luft sprengen, sind doch nur langweilig.

    @Rumpelstilzchen
    Männer lieben den Krieg, Frauen den Krieger.

    In unsere Nachbarschaft zog vor Jahren ein Kroate, der im Bürgerkireg war. Ein deutsche, blonde Nachbarin himmelte ihn mit ihren blauen Augen an:

    „Du warst im Krieg. Echt an der Front?“

    „Ne, ich war Fahrer.“

  16. Heinrich Brück

    Die islamischen Terroristen sind bestimmt nicht meine Todfeinde.
    „Herr Petry predigt Liebe“ und die Lügenpresse sind unsere Feinde.

  17. @Waldgänger aus Schwaben

    Zwischen Waschlappen und Krieger ist eine Bandbreite an männlichen Charaktertypen denkbar.
    Ein mannhafter Bischof, ein aufrechter Bürgermeister, ein durchsetzungungsstarker Polizeichef usw. würden fürs erste genügen.
    Der Rest kann den neuen Bond gucken und weiter träumen.

  18. Arminius Arndt

    @Winston Smith,

    war weniger persönlich gemeint, als es sich liest.

    Und nun noch einmal allgemein zum Thema und als Diskussionsbeitrag für alle:

    Ich bin kein Terrorismus Experte, aber all das, was ich dazu bislang aus Europa vernommen habe, was man europäischen Terrorismus nennen könnte bis hin zu Anarchisten, die Bomben geschmissen haben, hatte doch irgendwie gemein, dass sie Ziele hatten, die man bei den Personen als Funktionsträger bezeichnen konnte oder bei den Sachen/Objekten ähnliches wie Infrastruktur anvisierten etc.

    Ich bitte um Berichtigung, wenn es hier Ausnahmen gab oder anderes.

    Das scheinbar wahllose Abknallen und in die Luft sprengen von normalen Zivilisten als primäres Ziel und nicht nur als „Kollateralschaden“ erscheint mir für Europa eigentlich dem Genre des Amoklaufs vorbehalten gewesen zu sein.

    Von daher möchte ich mich im Moment noch entschieden dagegen aussprechen, die islamistischen Terroristen von Paris auf eine Stufe mit den europäischen Terroristen vergangener Tage zu stellen bzw. sehe ich hier auf den ersten Blick keine vergleichbare innere Logik (evtl. werde ich ja noch aufgeklärt).

    Mir fällt es schwer zu beschreiben, aber ich habe den Eindruck, dass die eigentliche Tat, bei aller Planung und Vorbereitung, bei den Islamisten oftmals wenig mit genuinem Terrorismus zu tun hat, sondern eher eine Art von Endura durch Amok, einem Gottesdienst mit Sprengstoff und AK 47 als Eintritt ins Paradies unter egoistischer Ausnutzung unbeteiligter Dritter ist. Erweiterter Suizid wäre eine weitere Assoziation. Ein magischer Weg des linken Pfades zur vermeintlichen Apotheose, der dann doch ganz billig und modern im Warholschen Sinn der 15 minutes of fame endet. Eine Ausnahme hiervon bildet der Anschlag auf den russischen Airbus. Das war kalt geplante und durchgeführte Aktion ohne Selbstaufopferung.

    Von daher vermute ich, das fahle Pferd wird uns keine wirkliche inside view zu Leuten, die Paris mit Terror überzogen haben, geben können, zumal die europäischen Terroristen in der Mehrzahl ihre Taten immer mit einer eigenen Überlebensperspektive geplant haben. Interessant wird das Buch allemal sein, so dass es auf meine Lektüreliste kommt.

  19. ingres

    Ich hatte geschrieben: „Allerdings bin ich zum einen der Ansicht, dass man deshalb keinen Terror ausüben sollte ….“

    Diese Aussage fühlte ich, ist oberflächlich. Ich dachte einen Moment sie zu ändern, aber ließ es dann dabei, weil mir die Verbesserung auch nicht direkt einfiel. Aber ich hatte ein schlechtes Gefühl. Denn man kann Terror ja nicht mit einer rationalen Überlegung im Zaum halten. Genau so wenig wie mit den Albernheiten die unsere Politik angesichts von Terrorakten von sich gibt wie: „verurteilen“, „wir müssen jetzt zusammen stehen“, „die Terroristen zielen auf unser Freiheit“ usw.

    Mit der Aussage: man dürfe deshalb keinen Terror ausüben bin ich in den Duktus der Politik zurückgefallen. Zu meiner Ehrenrettung muß ich sagen, das war ein Ausrutscher (und ich fühlte ihn, obwohl man kann die Aussage retten, wenn man sie doppeldeutig also als lakonisch ansieht). Ich war da vor Jahren schon besser und hage gegenüber dem Terrorismus nicht darum gebettelt er möge es nicht tun; denn das wird den nicht jucken. Nein, ich meinte damals explizit, dass modernes Kriegsgerät dagegen nützlich sein könnte.
    D.h. wie auch immer man theoretisch den Phänomen Terror gegenüber treten mag (auch hier haben wir ja das Phänomen, dass man dem islamischen Terror gegenüber das kann, einem anderen Anschlag gegenüber dagegen nicht), wenn mein Leben oder das der Gesellschaft bedroht ist; dann treffe ich rationale Abwehrmaßnahmen dagegen, statt darüber zu sinieren, dass die Terroristen nicht das Recht zum Terror haben, selbst wenn ich sie privat verstehen könnte. Und insofern hat auch jeder Staat das Recht gegen Terror ohne Ansehen der Person vorzugehen, auch wenn ich dem Terror wenn er sich gegen einen Terror-Staat richtet, unterschwellig Sympathie entgegen bringen würde.
    Das darf ich hier vielleicht schreiben, aber in der Spießer-Öffentlichkeit dieses Staates natürlich nicht. Obwohl das mit der Nützlichkeit moderner Waffen gegen den Terror habe ich dem Mainstream (nach 9/11, ich kann mir immer noch nicht vorstellen, dass das in dieser Dimension ein Inside-Job war) mal geschrieben, wurde aber nicht veröffentlicht.

  20. Gardeleutnant

    (nicht rhetorische, sondern ganz ernstgemeinte) Frage an Winston usw.:

    Wie geht das:

    Eine Darstellung sämtlicher Täter als Trottel halte ich für Propaganda, um uns ruhig zu halten

    mit dem:

    Leider erscheinen und agieren die Verantwortlichen in Regierung, Administration und Medien derartig hilf- und planlos

    in Ihren Augen bzw. in Ihrem Kopf zusammen? Wieso sehen Sie – meiner Meinung nach zutreffenderweise – in den IS-Kämpfern/-Terroristen mehr, in unseren Politikern aber nicht?

    Sie scheinen mir bei unseren Führern genau der Propaganda auf den Leim zu gehen, die Sie im internationalen Kontext durchschauen. Natürlich gibt es auf Verwaltungsebene zahllose Sachzwänge, systemische Mängel, Desorganisation, individuelles (situatives) Versagen, von niederrangigen Protagonisten selbst nicht mehr durchschaute verschleierte Interessengegensätze usw., aber es sollte doch jedem klar sein, daß das, was hier passiert, von ganz oben so gewollt ist? Wer glaubt, daß Merkel und Co. hier „hilf- und planlos“ auf irgendwelche „nicht“ vorhergesehenen und „nicht“ vorhersehbaren Notstände reagieren, die eben leider unsere Kräfte überfordern, was die tapferen, aber etwas dummen Regierungshäuptlinge mit Durchhalteparolen beantworten, der hat meiner bescheidenen Meinung nach den Schuß nicht gehört. Oder er kennt Argumente und Fakten, die mir unbekannt sind.

    Sonst kann man auch Militärputsche für Inlandsangelegenheiten halten, in blumigen und farbigen „Revolutionen“ spontane Volkserhebungen sehen und sich vor dem NSU fürchten. Dann ist auch die SU an ihrer wirtschaftlichen Unterlegenheit gegenüber den großartigen USA zugrundegegangen und die Wehrmacht grund- und anlaßlos un Polen einmarschiert. Dann wollten die Nordstaaten damals „die Sklaverei beenden“, als sie den Amerikanischen Bürgerkrieg vom Zaun brachen, die katholische Kirche hat im Mittelalter massenhaft Hexen verbrannt usw. usw. Alles, wie es in den Geschichtsbüchern steht. Aber so doof sind Sie doch ausweislich Ihrer interessanten Beiträge hier nicht.

  21. Andreas Törner

    @ Arminius:

    Kennen Sie „Ein Zimmer im Haus des Krieges“ von Christoph Peters? Kein großer Roman, kein großer Autor, aber leidlich gut zu lesen und recht aufschlußreich, wenn es Ihnen um die „innere Verfaßtheit“ von „Djihadisten“, Berührungspunkte und Unterschiede zum „europäischen Terrorismus“ geht.

    Ihrer Beobachtung stimme ich tendenziell zu. Ausnahmen von der Regel finden sich jedoch durchaus. Und zwar im „rechten“ Kontext, wobei die bekanntesten Beispiele für wahllosen Terror gegen Zivilisten (Bahnhof von Bologna 1980, Oktoberfest-Attentat) inzwischen längst ebenso mit geheimdienstlichen Operationen (Gladio) in Verbindung zu bringen sind wie die „staatsschutzbetreuten“ linken Stadtguerilla-Spielereien der 70er/80er Jahre sowie die „Pioniertaten“ der „russischen“ Anarchisten.

  22. Sascha

    Danke für diese Rezension.

    Das beste Buch was ich seit Jahren gelesen habe. Was kann da schon mithalten? Camus Fremder oder Sartres Ekel vielleicht. Gerade noch so.

    Den Nachfolgeroman, „das schwarze Pferd“, habe ich gleich noch mit verschlungen. Und auch das wohl der beste Roman über den Bürgerkrieg den ich überhaupt gelesen habe. Eigentlich fällt mir da nur noch Babels Reiterarmee als vergleichbar ein. K.A. ob das überhaupt schon übersetzt ist, wenn nicht, es würde sich lohnen, hätte fast Lust das selbst zu tun..

    Nur, Terroristen hin oder her, über die Islamisten sagt das rein gar nichts, Eine ganz andere Kultur, ein ganz anderer Hintergrund. Das ist das Europa der Aufklärung, in seiner russischen Variante. Keiner von ihnen hofft auf Belohnung im Paradies, nicht einmal der Gläubige unter ihnen.

    Zur Kritik an der Rezension: Nein, das Motiv ist nicht Langeweile eines absurden Dasein, dahinter steht schon, dass die Zielperson für den Tod Tausender verantwortlich sei, und das wird auch gesagt. Nur, in einem so dichten Roman reicht es halt, das einmal am Rande zu erwähnen. Weil es eben, wenn es tiefer geht, eben auch nicht mehr ist. Der eigentliche Punkt ist ja, dass er sich von dieser Motivation immer mehr entfernt, was sich in den Treffen mit dem „Politiker“ zeigt, den er mehr und mehr verachtet, zuerst als wenigstens noch irgendwie sympathisches „erwachsenes Kind“, am Ende nur noch als alten Trottel.

    Irgendwie eine ganz andere Klasse als Raskolnikow, der abstrakt, mit nihiilistischer Ideologie, beginnt, und dann zurückfindet zu Gott, und akzeptiert, dass Töten bose ist. Sawinkow beginnt mit der moralisch legitimen Tötung von Verbrechern, die an der Macht sind, verabschiedet sich davon über den Nihilismus, und hört auf mit dem Morden, weil er erkennt, dass das Morden ihm nichts bringt, dass die Tötung des Ehemanns der Geliebten einfach nur seine Liebe selbst zerstört hat.

    Ähnlich dann auch, auf anderer Ebene, das schwarze Pferd, wo er mit der legitimen Grundidee „für Russland“ beginnt, und endet in der Erkenntnis, dass weder die Weißen noch die Grünen noch der Untergrundkampf in Moskau etwas für Russland bringen.

    Sowohl ein Selbstmord als auch ein Übertritt zur Sowjetmacht aus Überzeugung passen zu beiden Büchern. Irgendwas unter Folter erzwungenes nicht, auch ein Mord durch die GPU nicht, die Sowjetmacht hatte ihn ja schon zum Tode verurteilt und dann begnadigt.

  23. Der Gutmensch

    Liebe Stil-Blüte,

    zunächst einmal der DICKE, FETTE DISCLAIMER: Ich bin gegen Gewalt, jawohl, und das nicht nur deshalb, weil ich selber so ungewaltig bin, nicht schießen/fechten/sonstwas kann und auch sonst eine ganz schreckliche Weichwurst bin. Von allen Versuchen, Gewalt zu relativieren oder zu rechtfertigen distanziere ich mich ausdrücklich.

    Und jetzt:

    So, wie alles seine Zeit hat, hat wohl auch jeder menschliche Charakter seine Berechtigung, womöglich sogar der tobsüchtige. (Ein prima Plädoyer gegen die Todesstrafe, fällt mir da auf! Aber ich fürchte, selbst diese könnte man unter dem Aspekt der wechselnden Berechtigungen sehen. Hm. Na, da gibts bestimmt schlaue Ethikleute, sollen die das mal gelegentlich ausrätseln, viel Spaß damit auf´m Mars!) Denn: Ein Charakter ist nicht notwendig eine Handlung, da steht etwas dazwischen, und das nennt man Entscheidung. Der Kohlhas hat einen (Charakter) und ist sich dessen bewusst: Daher kann er es ja auch partout nicht verknusen, dass abergläubische Gestalten diesem (immer noch: Charakter) faktisch die Existenzberechtigung absprechen und wirft ihnen am Ende bedenkenlos sogar seinen sterblichen Leib zum Fraße vor – nachdem er den Zettel mit der Prophezeiung aus finsterer Rachsucht gefressen hat.

    Unter moralischen Aspekten ist das alles nicht zu entschuldigen, kein Zweifel. Das ändert aber nichts am Ergebnis, dass da angesichts der dem ob diesem (offenbar unbefriedigenden!) Ergebnis dem Irrsinn verfallenen Obrigkeit leider nur lauten kann: Don´t mess with Kohlhas.

    Der Gutmensch.

  24. herbstlicht

    Rumpelstilzchen schrieb:

    Es sind Männerthemen. Trotzdem beschäftigt mich natürlich das Thema Gewalt jenseits der „psychologischen Expertensprache“. Jenseits aller Theorie.

    Da mag Sie auch eine Schicht hinter dem moralisierenden Geplätscher interessieren.

    Warum gibt es Männer? Warum hat es sich die Evolution leisten können, bei vielen Tierarten etwa die Hälfte des von der Population produzierten „Fleisches“ auf Männchen zu vergeuden, obwohl deren einziger Nutzen für die Erhaltung der Art in der Übertragung von ein bißchen Sperma auf die zukünftige Mutter besteht? Warum hat sich da nicht eine weniger spektakuläre, ökonomischere Methode durchgesetzt?

    Zur Erhellung solcher Fragen hat der Evolutionsbiologe Matt Gage ein langjähriges Experiment mit Mehlkäfern durchgeführt; hier ist die Zusammenfassung seiner Veröffentlichung in Nature, Sexual selection protects against extinction, und hier die etwas ausführlichere Pressemitteilung der University of East Anglia, Population benefits of sexual selection explain the existence of males

    Gage kommt zu dem Schluß:

    Ohne Sex [im Sinne von Kampf um Fortpflanzungspartner] häufen sich in Populationen schädliche Mutationen an, wobei jede Mutation die Population dem Aussterben näherbringt. Die Sexuelle Selektion hilft diese Mutationen zu beseitigen, wodurch die Populationen befähigt werden, der drohenden Auslöschung zu widerstehen.

    Gage hat in seinem Experiment eine Anzahl von Populationen gebildet und diese jeweils über 50 Generationen fortpflanzen lassen. Dabei waren die äußeren Bedingungen gleich, jedoch wurden durch Eingriffe sehr unterschiedliche Bedingungen hinsichtlich der Sexuellen Selektion geschaffen: bei der einen Population wurde in jeder Generation ein großer Teil der Weibchen weggefangen, bei anderen Männchen, wieder andere lebten in „arrangierter Monogamie“.

    Danach wurden die resultierenden Populationen durch extreme Inzucht auf genetische Defekte untersucht. Dabei zeigten sich die Linien aus Populationen, in welchen starker Wettbewerb zwischen den Männchen geherrscht hatte, denen aus anderen Populationen überlegen. Zweite erloschen oft schon nach 10 Generationen, während bei einigen der Ersten selbst nach 20 Generationen Geschwisterpaarungen noch keine Abnahme der Vitalität erkennbar wurde.

    Beim Menschen sind 50 Generationen auch nur 1500 Jahre. Bei Gebrauchshunderassen kann man sich anschauen, wie wenige Dutzend Generationen in den Händen wohlmeinender (netter, schwammiger) Liebhaber genügen, um gesunde, leistungsfähige Populationen weitgehend in Schrott zu verwandeln.

  25. Bernhard

    @ Sascha

    Babels „Reiterarmee“ habe ich vor vielen Jahren auf deutsch gelesen. Das Buch hat mich enttäuscht. Es ist in einer Phase geschrieben worden, wo sich Babel bereits innerlich vom Bolschewismus verabschiedet hatte. Das Buch ist langweilig und wenig informativ. Über den Bürgerkrieg erfährt man so gut wie nichts. Was soll auch ein „Kriegsberichter“ der Roten Armee schreiben? Das Schlimmste am Buch ist, daß es nur ganz am Rande andeutet, wie tierisch (sic!) sich die Bolschewiken gegenüber ihren Gegnern und der Bevölkerung verhalten haben. Die Gräuel der Bolschewiken dürften hier bekannt sein. Was also ist an dem Buch gut? Selbst die literarische Qualität dieses schmalen Büchleins ist nicht überragend.

    Das beste, was ich gelesen habe, sind die zwischen 1917 und 1945 erschienenen Bücher, die auch über den Bürgerkrieg hinausreichen.

    Am interessantesten sind für mich persönlich die von General P. N. Krasnow, der nach dem 2. Weltkrieg in Moskau am Galgen starb, weil er auf deutscher Seite gekämpft hat. Hierzu gehören „Der endlose Hass“ und „Vom Zarenadler zur roten Fahne“.

    Edwin Erich Dwinger z.B. mit seinem „Zwischen Weiß und Rot“ darf man auch dazu zählen.

    Am besten ist aber Solschenizyn, vor allem das, was im vierbändigen „Roten Rad“ beschrieben ist. Hier sind, ausgehend vom „August 14″, die Zersetzung und die Bolschewisierung gut beschrieben. Man kann nachvollziehen, warum es so kommen mußte.

  26. Sascha

    Bernhard, kann schon sein, dass ich die Reiterarmee überschätze. Einfach weil es ein sehr früher tiefer Eindruck war, ein Buch, das eben auch schon zu kommunistischen Zeiten ganz legal zu haben war – was für Sie nur ein „am Rande angedeutet“ ist, war für mich damals – kommunistische Zensur gewohnt – halt schockierend genug. Und eben dieses „innerlich vom Bolschewismus verabschiedet“ spürte ich eben auch deutlich.

    Und diese innerliche Verabschiedung ist wohl auch das, was mir im schwarzen Pferd halt auch auffiel.

  27. Andreas Walter

    Kennt jemand den Abschnitt über den Bombenbau in Anders Breiviks Manifest? Ungelogen Filmreif. Eine Komödie. Hab‘ mich stellenweise weggeschmissen, geschrien vor lachen, als ich den gelesen habe.

    Soviel zum Thema Betroffenheit, den der Wahnsinn in der Welt bei mir noch auslösen kann.

    The World Is Pervated With [and a parade of]
    Ironie, Hunger And Corruption
    The Eastern World And The Africans Too
    Are Going To Repeat The History Of Our Wars
    And Our Industry Supplies Them With Arms
    Everybody Knows, But Apparently
    Nobody Can Do Anything Against It
    For Our Society Is On The Make

    43 Jahre ist das jetzt her, und es ist vieles immer noch so wie damals, die „love revolution“ eine Illusion und ebenso gescheitert wie der Kommunismus.

    http://www.dailymotion.com/video/x2dnmuq_birth-control-gamma-ray-1972_music

    Die Welt und das Leben sind trotzdem schöne Dinge, man muss nur aufpassen, wo man sich wann aufhält und mit wem man sich umgibt. Den Tiger eben reiten.

  28. Andreas Walter

    Terror ist eine komische Sache, der ich nichts recht abgewinnen kann. Darum glaube ich auch, dass das eine sehr individuelle, persönliche Angelegenheit ist, die man mit der Einbettung in einen politischen Kontext lediglich erhöhen möchte um sie vor sich selbst rechtfertigen zu können. Ich töte, terrorisiere weil … (es mir Spass macht)

    … ich ein Klima der Furcht und des Schreckens erzeugen möchte. Terror ist im Grunde ja nichts weiter als negative Werbung. Die Leute sollen erzittern, wenn sie meinen Namen oder den meiner Organisation hören. So weit erstmal so schön.

    Nur funktioniert das heute nicht mehr. Zumindest nicht bei uns. Weil wir nicht mehr in der Zeit der Monarchen, Fürsten und Kalifen leben. Was zu der Zeit der Zaren noch funktioniert hat, hat sich bereits für die RAF als aussichtsloser Kampf gegen Windmühlen erwiesen, der nicht zu gewinnen ist. Weil die wahren Machthaber bei uns hinter dem Vorhang agieren und die auch kaum jemand kennt, und die Marionetten auf der Bühne davor fast alle beliebig austauschbar sind. Selbst eine vollbetankte und von vorn bis hinten mit Knallfröschen beladene Boing 747 auf den Bundestag würde ja den Lauf der Geschichte nicht nennenswert verändern, ausser das durch die sofortigen Neuwahlen dann die AfD mit XX Prozent auch im Parlament vertreten wäre. Doch dazu brauchen wir kein Terror, dass bekommen wir glaube ich auch so noch hin. Da gibt es ganz andere Ereignisse, vor denen man sich wirklich fürchten und Vorsorge treffen sollte, wenn das überhaupt geht, und die nicht einmal der President der VSA in der Hand hat.

    Terror war darum ein wirkungsvolles Instrument der Kriegsführung im Mittelalter und funktioniert heute nur noch gegen Diktatoren. Wobei ein gezieltes Attentat ja eigentlich auch kein Terror ist. Beides verfolgt eben unterschiedliche Ziele.

    Lediglich in einer Diktatur, doch da sind wir noch nicht, wird Terror womöglich wieder interessant. Wobei ich nicht wüsste was ich machen würde wenn ich hier eines Tages lesen würde, dass Götz Kubitschek und Martin Lichtmesz ermordet worden oder bei einem Unfall umgekommen sind.

    Doch ich glaube nicht, dass es jemals dazu kommen wird. Weil es heute viel feinere, elegantere Instrumente der Überwachung, Kontrolle und Manipulation gibt als noch vor 100 Jahren.

    Als Herrscher der Welt denke ich doch so: Lass die doch schreiben, die sind doch sogar richtig gut und unterhaltsamer als der angepasste Rest allemal. Ausserdem brauche ich eine Opposition, sonst werden mir die Anderen zu fett, zu bequem, zu selbstsicher und selbstgefällig. AfD im Parlament? Mit 10, 20%? Ja Himmel, da gibt es wirklich schlimmeres.

    Das die sich auf der Strasse gegenseitig umbringen, vergewaltigen, bestehlen? Oh, bitte. Das sind doch alles nur vorübergehende Kollateralschäden, anfängliche Systemanpassungsschwierigkeiten. Was glauben sie, wie das die Wirtschaft ankurbelt, meine Steuereinnahmen und den Kreditbedarf erhöht, das Geschäft mit der Sicherheit. Brasilien boomt doch auch, trotz all dieser Probleme, und die Deutschen sind erfindungsreich. Die mal wieder etwas aus ihrer Komfortzone zu holen ist doch gar nicht mal so verkehrt, sonst verblöden die mir noch total. Schmusekurs ist vorbei, die brauchen mal wieder etwas Feuer unter dem Arsch, damit sie nicht verweichlichen. Ein bisschen Terror hat noch keinem geschadet. Hohoho, ich Zyniker, Unmensch, Barbar? Wie kann ich die unschuldigen Opfer des Terrors nur so verhöhnen?

    Tue ich nicht. Doch was ist das bitte im Vergleich zu der viel höheren Zahl an unschuldigen Toten durch Selbstmord in westlichen Zivilisationen, den Millionen Hungertoten in der Dritten Welt jedes Jahr oder den Opfern unter der Zivilbevölkerung bei bewaffneten Konflikten zwischen den Heilsbringern unterschiedlicher Zivilisationsansätze? Ein Tropfen auf den heissen Stein, selbst wenn man 9/11 dazuzählt. Sensationsheischerei einer dekadenten und perversen Presse und ihrer ebensolchen Leserschaft, die vor Berichten, Nachrichten, Videoclips im Netz über die Anschläge in Paris Werbung für Süßigkeiten und Erkältungsmittel schaltet, mir ist der psychologische Zusammenhang bekannt.

    Um so alberner wirken darum auch Politiker wie Heiko Maas auf mich, die mit rechtlichen Massnahmen das einzudämmen versuchen, womit doch auch das Geld verdient wird, Waren angepriesen und an den Mann, die Frau, das Kind gebracht werden. Mit grenzenlosem Zynismus und Unverschämtheit, bei dem auch der von seiner Partei propagierte Kulturmarxismus sich doch besonders hervortut.

    Ist er zu dumm, um das zu erkennen, oder nur besonders unverfroren. Solche Leute wollen mir vorschreiben, wo es lang geht und was ich zu tun und zu lassen habe? Da spiele ich wohl in einer anderen Liga, warum immer das auch Gott will und ich ihm grenzenlos dafür dankbar bin. Ich würde mich als Sünder schämen ein Gutmensch, ein ungläubiger, ewiger Weltverschlimmbesserer sein zu wollen. Was für eine Anmassung, die ja darum zwangsläufig nie zu etwas Gutem führen kann.

    Muss jeder selbst wissen für was er das hier hält, in was und warum und wozu er geboren wurde. Das ist ja eben das unermessliche Geschenk, was viele leider nicht zu schätzen wissen. In dem Maß aber, in dem sie es selbst nicht zu schätzen wissen schätzen sie auch Andere nicht. Besonders schlimme Fälle an Lieblosigkeit müssen dann eben ausgeschaltet werden, wenn man sie nicht isolieren kann, und sie rotten sich leider halt auch gerne zusammen. Sind ja auch Menschen, sehr Bedürftige, Defizitäre.

    https://vimeo.com/36542865

  29. Korrektur: „Es muß in dieser Welt immer Handlanger des Teufels geben, intelligente Einzelterroristen werden heute durch dumme Anhänger des Islam abgelöst, allesamt Verdammte!“
    Zu meinem Beitrag s.o. möchte ich noch ergänzend anmerken, daß es zu unserer Zeit immer Drahtzieher hinter dem gemeinen Terror gibt und ich die manipulierten Zombies, die sich als Selbstmordattentäter mißbrauchen lassen, teilweise gar bemitleide. – Selbstverständlich finden sich die übelsten Gestalten auf der höchsten Machtebene, noch über den PolitikerInnen, ihren hohlen Marionetten. Da gibt es die Hochverräter am eigenen Volk, die Mächtigen der Hochfinanz, wie schwartze NS-Kollaborateure oder eitle Vordenker in sog. „Think-Tanks“. –
    Diese ewig Verdammten gleichen sich schon zu Lebzeiten dem Satan an!

  30. @herbstlicht

    Das Thema Gewalt beschäftigt mich jenseits aller Theorie.

    Herr Herbstlicht, Sie antworten mir mit einer evolutionsbiologischen Theorie.
    Theorien zielen auf Eklärungen. Erklärungen sind weder wahr noch falsch. Allenfalls brauchbar.
    Sprachtheoretisch ist zu unterscheiden zwischen erklären und verstehen.
    Es geht mir ums Verstehen. Hier:
    Ein junger Mann ( manchmal auch eine junge Frau) unter Captagon sprengt sich in die Luft und ruft Alluha akbar. Das möchte ich zunächst verstehen. Was ist der Sinn ? Hat für mich keinen.
    Wichtiger für mich ist zu verstehen:
    Woher weiß ein gläubiger Moslem, der auch Alluha Akbar ruft, aber sich nicht in die Luft sprengen will, ob er zu einem barmherzigen Gott betet oder zu einem Gott des Gemetzels ?
    Das verstehe ( !) ich nicht. Das ist eine Sinnfrage, die mir ein gläubiger Moslem bis jetzt nicht überzeugend beantworten konnte.
    Ginge es um eine Erklärung, könnte ich auch Michael Stürzenberger fragen.
    Dessen Theorie ( ! ) ist eben nur eine Theorie. Nicht wahr oder falsch.
    Für mich ist seine Theorie aber nicht brauchbar.

    P. S. Um die Kurve zum Fahlen Pferd zu bekommen: Der Erfahrungraum Gewalt scheint mir für Männer interessanter zu sein als für Frauen.
    Da scheint mir immer noch mehr der Erfahrungsraum Liebe zu dominieren.
    Im äußersten Notfall würde ich also eher noch Rosamunde Pilcher lesen als Boris Sawinkow. Aber nur im äußersten Notfall.

  31. ingres

    @Andreas Walter

    Ein eindrucksvoller Kommentar, aber sie berücksichtigen einen Punkt (vielleicht den wesentlichen Punkt) nicht. Der relevante Terror wird heutzutage zu 100% von einer ganz bestimmten „Organisation“ ausgeübt. Meist nicht in Europa, aber in Afrika und Asien (Nigeria z, B, Irak usw.) gibt es 3-4 Anschläge pro Tag. Danach kann man die Uhr stellen; wenn dei stehen geblieben ist und man weiß wie viele Terroranschläge es in einem bestimmten Zeitraum gegeben hat. Ich habe das mal einen zeitlang nachgerechnet und es kam auf den Tag genau hin. Insbesondere war es verblüffend, dass man anhand des Datums die aktuell aufgelaufene zahl der Terroranschläge vorhersagen konnte (Punktlandung). Das dürfte Gründe haben. Diese Seite führt Buch: http://www.thereligionofpeace.com/ .
    Und diese Organisation schickt sich nun an, nach Europa überzusetzen. Natürlich wären die für Europa kein größeres Problem; wenn geeignete Maßnahmen getroffen würden. Die werden aber nicht getroffen. Und egal ob der Terror nun originär oder gefördert ist, das Resultat ist für die Opfer gleich. Ich meide in der Tat ab gestern bestimmte Plätze im Ruhrgebiet. Unter der Woche war ich zunächst mal zu letzten Mal dort. Habe mich versorgt und muß deshalb keine größern Einschränkungen der Lebensqualität hinnehmen. Und wenns gut geht wage ich mich auch wieder vor.

  32. Zapfenstreich, Badeschluß, Karawane zieht weiter!

Diskussion geschlossen. :-)

banner banner sezheader ifs schlange