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lichtmesz Martin Lichtmesz


Notizen über die genderfeministische Psychopathologie (Vol. 1)

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Die-cis-scumZur Verteidigung von Akif Pirinçcis deftigem Sprachgebrauch habe ich neulich bemerkt, daß es gewisse Grade von Irrsinn oder auch nur bloßem Schwachsinn gibt, die man kaum mehr sachlich und rational beantworten kann.  Man soll sich hier nicht in müßige Debatten verstricken lassen; man soll im Gegenteil Zumutungen dieser Art entschieden von sich weisen.

Muß man wirklich auch noch erklären, wie kreischdumm beispielsweise die „gegenderten“ Wiener U-Bahn-Piktogramme sind? Ich habe dennoch versucht, den „tieferen“ Sinn dieser Nummer aufzudröseln, aber eigentlich bin ich der Meinung, daß man jedem, der nicht auf Anhieb die Absurdität dieser Art von Symbolpolitik erkennt, mindestens Führerschein und Wahlrecht entziehen sollte.

Wie immer steckt hinter dem unfreiwilligen Kabarett eine systematische ideologische Verzerrung und Absicht; man darf nie vergessen, daß „political correctness“ eine Art „Clown mit einem Messer“ ist. Der Punkt an dem besagten gegenderten Piktogramm ist ganz eindeutig, das Bild der Mutter aus dem öffentlichen Raum zu tilgen und abzuwerten. Hierbei handelt es sich um ein „Rollenbild“, dem die Feministinnen und Gender-Ideologen einen besonders herzhaften Haß entgegenbringen. Nicht zufällig sind dieselben Leute zugleich glühende Abtreibungsbefürworter.

Ich sage „Haß“ ohne polemische Übertreibung. Es ist wichtig zu begreifen, wieviel neurotisches Ressentiment in Wirklichkeit hinter Kampagnen wie diesen steckt. Symbolpolitische Signale dieser Art werden heute gleich Viren in den öffentlich-sozialen Körper geleitet, der seine Korrumpierung hypnotisiert-passiv hinnimmt, als wäre er von einer mentalen Immunschwäche befallen.

Die Frage nach den psychologischen Gründen dieser Widerstandslosigkeit würden einen eigenen Aufsatz füllen. Zweifellos spielen auch gewisse Machtverhältnisse und eine erpresserische Atmosphäre eine erhebliche Rolle. Wer sich heute der „Gay Mafia“ und den mit ihr verbandelten Gangs widersetzt, muß mit erheblichem sozialem Druck, Verleumdungskampagnen und ernsten Konsequenzen für sein Berufsleben rechnen. Ein aktueller Fall ist der Geschäftsführer von Mozilla und JavaScript-Erfinder Brendan Eich, der von seinem Posten zurücktreten mußte, weil er die schwere „Sünde“ begangen hat, vor sechs Jahren einen kleineren Beitrag für eine katholische Intitiative gespendet zu haben, die sich gegen die Einführung der „Schwulenehe“ in Kalifornien aussprach.

Es gibt allerdings noch andere Ängste, die zum Motor unüberlegter Agitationen, Entscheidungen und Parteinahmen werden können: der französische Schriftsteller Charles Péguy schrieb bereits vor rund hundert Jahren, daß die größten Feigheiten der modernen Welt der Angst entspringen, nicht fortschrittlich genug zu erscheinen.

Andere Manipulationen mit gleicher Stoßrichtung wie die U-Bahn-Piktogramme haben sich heute flächendeckend durchgesetzt. Die berüchtigten Binnen-Is und verwandte, vermeintlich „geschlechtergerechte“ Schreibweisen sind inzwischen allgegenwärtig und in jedem Provinzmitteilungsblatt aufzufinden. Nicht nur auf Facebook kann man nur mehr „FreundInnen hinzufügen“, auch die Sprache der staatlichen Ämter hat sich diesem Sprachgebrauch angepaßt, der ursprünglich aus der Theorieküche der äußersten radikalen Linken stammt. Die häßlichen Binnen-Is breiten sich heute aus wie die Nashörner des Ionesco: in letzter Zeit sehe ich sie auch vermehrt in privaten Emails auftauchen.

Die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff sprach es in ihrer Dankrede zur Verleihung des Büchner-Preises aus:

Die Frauenbewegung in Deutschland und in den USA ist ein Trampolin für ausgeschnitzte Verrücktheiten. Eine grauenhafte Grammatikschändung hat hierzulande längst die gesamte Bürokratie unterwandert und die Universitäten voll im Griff.

Auch dieses Phänomen verdient einen eigenen Artikel, darum sei nur auf das Offensichtliche hingewiesen. Zunächst liegt hier eine burleske Verwechslung des biologischen sexus mit dem grammatischen genus vor. Des öfteren liest man die Behauptung, daß die Binnen-I- oder Unterstrich-Form „geschlechterinklusiv“ und damit „gerecht“ sei. In Wahrheit ist es genau umgekehrt: es sind es die bislang üblichen (also ganz einfach: grammatisch richtigen) Formen, die „inklusiv“ sind und selbstverständlich auch immer so verstanden worden sind.

Diese Tatsache weisen die radikalen Feministinnen als Ausdruck eines „patriarchalischen Herrschaftsverhältnisses“ zurück, das unbewußt und implizit wirke, indem die maskuline Form als die „inklusive“ vorausgesetzt werde. Dieser „unbewußten“ Politisierung stellen sie eine „bewußte“ Politisierung entgegen, indem sie gleichsam die Sprache aufknacken, um ihren „patriarchalischen“ Kern bloßzulegen und zu ersetzen. Man kann leicht erkennen, daß es sich bei dieser Denkweise um ein marxistisches Derivat handelt. Es geht darum, ein vermeintlich „falsches Bewußtsein“ aufzulösen und durch ein neues, revolutionäres zu ersetzen.

Die gegenderten Formen haben keineswegs eine „geschlechterneutrale“ Wirkung: im Gegenteil „feminisieren“ sie die Sprache radikal. Ihre Verfechter mögen das als eine Art „dialektischen“ Zwischenschritt verteidigen. Wörter wie „RadfahrerInnen“, „SchülerInnen“, „LehrerInnen“ bezeichnen gemäß unserer Lesegewohnheiten ausschließlich weibliche Personengruppen, anders als etwa die inklusiven Formen „Radfahrer“, „Schüler“, „Lehrer“. Das Binnen-I muß in einem Akt der Abstraktion mitgedacht und gleichsam dem Lesefluß enthoben „übersetzt“ werden. Inzwischen wird die gegenderte Form absurderweise sogar im Radio „gesprochen“ oder taucht auf Texttafeln auf, die ausschließlich Großbuchstaben benutzen. Dadurch tritt ihr feminisierender (und eben nicht: neutralisierender) Charakter deutlich hervor.

Durch das Auf-und Auseinanderbrechen der Wörter und Sätze durch Binnen-Is, Unterstrich-Trennungen und neuerdings auch Asterisken entsteht ein äußerst häßliches und disharmonisches Schriftbild, aber auch eine Sprache, die merkwürdig artifiziell wirkt, und deren Ausdrucksmöglichkeiten über eine gewisse Art von Tendenzprosa nicht hinausreichen. Das sind keine Lappalien: die Sprache ist Spiegelbild und Kompaß des Geistes – was die Propagandisten der politischen Korrektheit wissen müssen, andernfalls sie kaum auf die vermeintlich wirklichkeitsverwandelnde „Magie“ des „Gleichstellungs“-Vokabulars vertrauen könnten.

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