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lichtmesz Martin Lichtmesz


Das Leben des Brian, Teil II

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JudaeischeVolksfront 112x130 Das Leben des Brian, Teil II„Pro Deutschland“ droht aktuell damit, öffentlich „The Innocence of Muslims“  aufzuführen. Ich frage mich, was genau man da eigentlich zeigen will, denn einen solchen Film gibt es offenbar gar nicht. Als PR-Stunt war die Ankündigung jedenfalls überaus erfolgreich. Aber die „Pro“-Bewegung hat sich lediglich ins Kielwasser einer viel größeren politischen Manipulationsnummer gehängt.

Ich habe keine Ahnung, was es mit dem Mohammed-Video, den weltweit eher schlecht ausfallenden Kritiken und deren Folgen auf sich hat. Und damit stehe ich nicht gerade allein da. Unter der Flut von Kommentaren, die in den letzten Tagen von Links bis Rechts, von Oben und Unten, von Mainstream bis Sidestream zu der Causa erschienen, habe ich keine einzige wirklich befriedigende Analyse gefunden.

Wie aus dem Nichts sind Anfang des Monats knapp 14 Minuten lose aneinandergefügter Szenen aus einem angeblich vollständigen Spielfilm mit dem Titel „The Innocence of Muslims“ im Netz aufgetaucht (in der Tat war das Material schon seit Juli zu sehen, ohne, daß es irgendjemandem sonderlich aufgefallen wäre). Dieser wurde nach Berichten von einem obskuren Hintermann namens „Sam Bacile“ oder „Nakoula Basseley Nakoula“ privat produziert und angeblich auch inszeniert. Dieser gibt sich offenbar bald als israelischer Staatsbürger, bald als koptischer Christ aus Ägypten aus, und war in der Vergangenheit in Drogengeschäfte und Finanzbetrügereien verstrickt. Der Stoff, aus dem gekaufte „front men“ gemacht sind, also.

Angeblich soll auch ein gewisser Steve Klein seine Hände mit ihm Spiel haben, Mitglied einer Gruppe namens „Courageous Christians United“. Von ihm existiert unter anderem ein Aufruf an in den USA lebende Kopten, sich der amerikanischen „religiösen Rechten“ im Kampf gegen den Islam und für die „Freiheit“ von God’s Own Country anzuschließen.

Der Film selbst nun spottet jeder Beschreibung. Seine Dramaturgie und Dialoge sind hölzern und infantil. Die Akteure sind größtenteils europäischstämmige Schauspieler in bunten Gewändern und falschen Bärten, wie in den alten Bibelfilmen. Das ist aber auch das einzige, was Bacile mit Cecil B. DeMille gemeinsam hat. Das Ganze wirkt wie Schülertheater vor einer Bluescreen, in die Wüstenhintergründe einkopiert wurden, wodurch die Darsteller in manchen Szenen in der Luft zu schweben scheinen. Die Tonaufnahmen sind von schlechter Qualität (man hört noch den Hall der Garage oder Halle, in der das gedreht wurde) und wirken seltsam zusammengeflickt.

Bei manchen Szenen passen Text und Lippenbewegungen nicht; eindeutig wurden sie erst nachträglich synchronisiert. Das betrifft alle Stellen, in denen explizit von Mohammed und dem Koran die Rede ist. In der Tat haben einige Darsteller des Meisterwerks beteuert, daß es in dem Drehbuch, das sie bekommen hatten, gar keinen Bezug zu Mohammed und dem Islam gegeben habe: man habe sie über die wahren Absichten des Film getäuscht. (An dieser Stelle etwa stammt der erste Teil des Satzes von „Mohammed“, der den Koran erwähnt, aus einer deutlich anderen Aufnahme, und von einem deutlich anderen Sprecher, als der darauffolgende.)

Mohammed sieht merkwürdigerweise frappierend genau so aus, wie Jesus von Nazareth in unzähligen Filmen dargestellt wurde. Sein Verhalten erinnert an den psychopathologischen Christus aus Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“, das Ergebnis allerdings eher an Monty Python’s „Leben des Brian“, was die Absurdität, nicht aber den Humor betrifft. (Nebenbei beides Skandalfilme, denen bei ihrem Erscheinen Blasphemie vorgeworfen wurde.)

Im Gegensatz zu diesen mutmaßlichen Vorbildern ist „Innocence of Moslems“ rein als gezielte und platte Beleidigung konzipiert. Weder über die Koptenverfolgung noch über Mohammed und den Koran hat der Film irgendetwas Substanzielles zu sagen (im Gegensatz etwa zu Geert Wilders Propagandavideo „Fitna“). Es handelt sich also mitnichten um „Kritik am Islam und Aufklärung über sein wahres Wesen“, und das kann nun wirklich jeder Depp sehen, der sich die Mühe macht, das Teil auch noch anzuschauen.

Der einzige Zweck des Filmchens bestand also offenbar darin, die roten Knöpfchen zu drücken und genau die Ergebnisse in Libyen, Yemen, Ägypten, Bangladesch, Somalia und anderen Ländern hervorzubringen, die in den letzten Tagen die Runde durchs global village machten. Viel Mühe mußten sich die Produzenten dabei nicht geben, denn das Zielpublikum ist in dieser Hinsicht notorisch anspruchslos und zuverlässig: bekanntlich lieben Moslems weltweit nichts mehr, als sich „beleidigt“ zu fühlen, um mal wieder einen Anlaß zu haben, irgendjemanden und irgendetwas dafür büssen zu lassen. Wozu ihnen offenbar auch jeder Vorwand willkommen ist, weswegen wir uns unsere Krokodilstränen über ihre kulturellen Sensibilitäten sparen dürfen. Vielleicht schwappt auch gerade mal wieder der „Youth Bulge“ über, oder vielleicht gibt es in Ägypten zuviel „Volk ohne Raum“ und zuviele Un- und Unterbeschäftigte, die nicht wissen, wohin mit ihrer Energie.

Dennoch bleibt es verblüffend, daß ein derart läppisches Stück ausreichend gewesen sein soll, weltweite Unruhen zu provozieren, inklusive Mord und Totschlag und der Stürmung von Botschaften, deren Länder, wie eben Deutschland, rein gar nichts mit der Sache zu tun haben.

Eine arabisch synchronisierte Version der 14 Minuten wurde Anfang September, passenderweise kurz vor einem gewissen Jahrestag, hochgeladen und verbreitet. Was für ein Zufall. Es kann kein Zweifel bestehen, daß dies in der Absicht geschah, es knallen zu lassen. Die Frage ist nun:  Von wem? Warum? Das berühmte „cui bono?“ ist diesmal nicht ohne weiteres einzusehen.

Nehmen wir an, daß tatsächlich irgendwelchen Dunkelmännern aus dem „lunatic fringe“ der Christian Right der Coup gelungen wäre, dank der notorischen Berechenbarkeit moslemischer Austicker einen weltweiten Propagandacoup zu landen. Das wäre sozusagen die offizielle „9/11″-Version der Geschichte. Warum treten diese dann nicht lautstark an die Öffentlichkeit, um den Trubel zu nutzen und ihre Botschaft zu verbreiten? Wenn nun aber Klein oder Bacile/Nakoula wirklich für die Sache der ägyptischen Kopten streiten, dann muß man ihnen mindestens Idiotie oder gar blanken Zynismus vorwerfen: denn damit hätten sie ihre wehrlosen und ohnehin schon stark unter Pogromdruck stehenden Glaubensbrüder in Ägypten erst recht in die Bredouille gebracht.

Oder sitzen die Drahtzieher in Israel und verfolgen das Ziel, jenen, die immer noch an einen „arabischen Frühling“ glauben, drastisch das Schreckbild der islamischen Bedrohung vor Augen zu führen? Oder stecken gar die Salafisten oder ähnliche Gruppen selbst dahinter, die bekanntlich gerne auf Eskalation und Aufputschung setzen, und sich nicht zu schade sind, ihrer sagenhaften Erzfrömmigkeit zum Trotz auch mal selbst blasphemische Karikaturen zu produzieren, wenn es dazu dient, Anhänger hinter sich zu scharen?

Oder hat, ganz klassisch, der CIA oder ein anderer Geheimdienst bei der Verbreitung des Videos nachgeholfen? Haben die USA ein Interesse an Eskalationen in moslemischen Ländern, um militärische Interventionen zu rechtfertigen? Oder war alles ganz anders? War die „Gaddafisierung“ des amerikanische Botschafters in Libyen doch kein spontanes filmkritisches Statement, sondern vielmehr Rache für die Tötung eines libyschen Al-Qaida-Führers durch amerikanische Drohnen im Juni 2012?  Und auch hier gibt es so manche Pointe.

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