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kleine-hartlage Manfred Kleine-Hartlage


Zur Debatte gestellt


Was gesagt werden muß

Die Causa Grass ist das Musterbeispiel einer bundesrepublikanischen Diskursshow, bei der die Säue sich gegenseitig durchs Dorf treiben, alle Beteiligten heucheln, daß sich die Balken biegen, und jeder ein Interesse nicht nur an seinen eigenen Heucheleien hat, sondern auch an denen des jeweiligen Kontrahenten, weil er mit der geheuchelten Empörung über dessen Heuchelei seine eigene befeuert und legitimiert.

Es beginnt mit einem Gedicht, das so schlecht ist, daß man seinem Verfasser seinetwegen nachträglich den Nobelpreis aberkennen müßte, und das bereits durch seinen Titel „Was gesagt werden muss“ einen jener „Tabubrüche“ ankündigt, die darin bestehen, mit heroischem Gestus offene Türen einzurennen.

Quallen zeigen Kante, Huren gefallen sich in ihrer Keuschheit, Wellenreiter gerieren sich als Felsen in der Brandung, ein Dichter redet dem Volk, dem er noch nie aus dem Herzen gesprochen hat, nach einem Munde, der seinerseits die Texte von medialen Souffleuren nachplappert, die just diesen von ihnen selbst soufflierten Text plötzlich nie gehört haben wollen. In den Redaktionsstuben stehen Haare zu Berge, werden Nasen gerümpft, Stirnen gerunzelt, Zähne gefletscht, Brauen hoch- und Mundwinkel heruntergezogen. Ab und zu ein Augenzwinkern. Man will „Gesicht zeigen“, und weil man ein solches nicht hat, behilft man sich mit einer Grimasse.

Dieselben Medien, die den jüdischen Staat Tag für Tag dafür anschießen, daß er nicht bereit ist, in Schönheit zu sterben, und die mit penetrantem vulgärpazifistischem Geraune zu Lasten Israels die politische Urteilsfähigkeit des Volkes systematisch untergraben haben, können sich plötzlich nicht genug über dessen Vulgarität ereifern. Dieselben Massenmedien, die mangels Kompetenz nicht einmal das Kinderspiel fertigbringen zu beweisen, daß Grass in der Sache Unrecht hat, diskutieren folgerichtig nicht, ob das, was er sagt, wahr oder unwahr sei, sondern, ob er es überhaupt sagen darf.

Ja, er darf! Freiheit besteht darin, dummes Zeug reden zu dürfen. Toleranz besteht darin, dummes Zeug mit Argumenten zu kontern, und eben nicht in der Denunziation des Andersdenkenden.

Zumindest dies sei Grass zugutegehalten: Mit seiner Polemik hat er eine der Inkonsistenzen des politkorrekten, d.h. verlogenen BRD-Diskurses offengelegt. Ein Staat wie Israel, der eine kampfstarke Armee unterhält und sie gegen Bedrohungen auch tatsächlich einsetzt (“Militarismus”!), nur solche Einwanderer willkommen heißt, die zum eigenen Volk gehören (“Rassismus!”), Angehörige eines Volkes, das regelmäßig Terroristen hervorbringt, mittels eines Zauns vom eigenen Staatsgebiet aussperrt (“Apartheid!”), sich weigert, Millionen von Moslems die Einwanderung zu erlauben (“Islamophobie!”), und allgemein nicht die geringste Neigung zum nationalen Selbstmord zeigt, muß westlichen Gutmenschen zwangsläufig ein Dorn im Auge sein. Zugleich aber haben dieselben Gutmenschen, und nicht nur sie, die Anbetung des Holocaustgötzen zu einer Staatsreligion erhoben, zu deren Ritualen das Bekenntnis zum Existenzrecht Israels gehört.

Die aus diesem selbstgeschaffenen Dilemma notwendig resultierende Haltung lautet, das Existenzrecht Israels in stereotypen Phrasen zu bekräftigen, zugleich aber alles zu verurteilen, was Israel zur Sicherung eben dieses Existenzrechts praktisch unternimmt.

Die deutsche Schuldneurose, an deren Festigung Grass zeit seines Lebens nach Kräften mitgearbeitet hat, treibt ihre bizarren Blüten: Weil man unter dem Druck einer permanenten kollektiven Daueranklage gegen das eigene Volk nicht leben kann, sucht man sich durch eine Gegenanklage zu entlasten. Als Quelle dieser Daueranklage hat das kollektive Unbewußte die Juden ausgemacht. Weil es aber tabu ist, gegen „die Juden“ zu polemisieren, sucht man sich in Gestalt des Staates Israel einen Judenersatz, den man mit großer Geste anklagt, wo immer die Political Correctness einen halbwegs vorzeigbaren Vorwand dafür hergibt, stets unter der Versicherung, dies habe selbstverständlich nichts mit irgendwelcher Abneigung gegen die Juden zu tun.

Berufmäßige Kämpfer gegen Antisemitismus durchschauen wohl die darin liegende Heuchelei, begegnen ihr aber, ihrer Mentalität und Ideologie, wohl auch ihrem politischen Auftrag entsprechend, nicht mit Aufklärung, sondern mit einer Gegenheuchelei, indem sie als „Antisemitismus“, d.h. als irrationales und unbegründetes Ressentiment werten, was in Wahrheit sehr wohl nachvollziehbare Gründe hat – für die sie selbst obendrein mitverantwortlich zeichnen.

Nehmen wir den Zentralrat der Juden, dessen Vorsitzender Graumann erst jüngst gefordert hat, die deutsche Fußballnationalmannschaft solle während der bevorstehenden EM einen Abstecher nach Auschwitz machen; seiner Vorgängerin Knobloch fiel zum zwanzigsten(!) Jahrestag des Mauerfalls nichts Besseres ein, als die Sorge zu äußern, die Feierlichkeiten könnten das Gedenken an die Reichskristallnacht in den Hintergrund drängen. Was heißt das?

Das heißt, daß es aus der Sicht des Zentralrats kein Anlaß denkbar ist, der es legitimieren könnte, daß die Deutschen als Volk kollektiv Freude, Stolz oder Selbstachtung empfinden, sofern sie diese Empfindungen nicht sogleich durch einen Kniefall vor dem Gott der Ewigen Schuld wieder zunichte zu machen. Nicht einmal ein Fußballstadion soll der Deutsche ohne sein unsichtbares Büßergewand betreten dürfen. Tut er es trotzdem, so ist dies bereits einer jener „Anfänge“, denen man „wehren“ muß.

Was sagt uns einer, der solches fordert, wenn nicht dies: daß dem deutschen Volk die Freude an der eigenen Existenz ausgetrieben werden soll? Daß die Deutschen aufhören wollen sollen, als Volk zu existieren? Daß die schiere Existenz dieses Volkes ihm Angst macht? Daß sie ihm ein Dorn im Auge ist?

Entgleisungen dieser Art gehören seit Jahrzehnten zum politischen Dauerrepertoire dieses unglückseligen Zentralrats, dem die katastrophalen Folgen seiner Politik nicht einmal dann bewußt zu werden scheinen, wenn man sie ihm unter die Nase reibt:

Nicht aus der Feder rechter Pamphletisten, sondern aus der des „Antisemitismusforschers“ Wolfgang Benz wissen wir, daß es beim Zentralrat der Juden seit Jahren Protestbriefe gegen diese Art von Propaganda regnet. Benz stellt das entsprechende Kapitel seines Buches Was ist Antisemitismus? (Beck Verlag 2005)  unter den – ausnahmsweise treffenden – Titel „Der Zorn der Patrioten“, freilich nur, um diesen offenkundig reaktiven Zorn als „Antisemitismus“ zu verteufeln und damit als unbegründet abzutun, obwohl die Gründe nicht nur auf der Hand liegen, sondern auch von ihm selbst genannt und zitiert werden.

Viele Deutsche, auch solche, die es sich kaum selbst eingestehen, geschweige denn den Zentralrat damit konfrontieren würden, empfinden das exzessive Schwingen der Schuld- und Bewältigungskeule als jüdische Kollektivaggression gegen das eigene Volk. Der maßlose „Antizionismus“ speziell der Linken ist nicht zuletzt die subtile Rache der Entwurzelten, denen beigebracht wurde, das eigene Volk zu hassen, verübt an den Stellvertretern derer, die sie dafür verantwortlich machen, daß es ihnen beigebracht wurde.

Ungerecht ist dies insofern, als der Zentralrat der Juden keineswegs die einzige keulenschwingende Institution ist; in Deutschland lebt eine ganze Industrie – die in keiner Weise „jüdisch“ genannt werden kann – davon, den Schuldkult zu zelebrieren; auf Ewiger Flamme läßt sich manches Süppchen kochen.

Keineswegs ungerecht ist es aber insofern, als dieser Zentralrat explizit mit dem Anspruch auftritt, im Namen und in Vertretung der hiesigen Juden zu handeln, mithin durch seine unaufhörliche deutschfeindliche Propaganda ein jüdisches Kollektivinteresse zu vertreten.

Es ist müßig, psychologisierend darüber zu spekulieren, ob es sich hier um bewußte Heuchelei handelt, oder ob der Politik, Feindseligkeit zu provozieren, um sie dann als „Antisemitismus“ zu mißdeuten und zu verdammen, ein unbewußter Rollenzwang zugrundeliegt, also der Wunsch, das eigene verinnerlichte Selbstbild als verfolgte Minderheit zu stabilisieren, das ohne „Antisemitismus“ revisionsbedürftig wäre.

In jedem Fall ist es ausgesprochen billig und bequem, die offensichtliche Dummheit und Doppelbödigkeit von Grass‘ „Israelkritik“ mit der Unterstellung von „Antisemitismus“ zu kontern und mit Grass‘ SS-Vergangenheit in Verbindung zu bringen – so als wüßte man nicht, daß eben diese Vergangenheit ihn zur Überkompensation zu Lasten seiner Nation gedrängt hat. Es ist billig und bequem, diese Kritik nicht als Ausdruck einer Kollektivneurose und insofern als Ergebnis eines jahrzehntelangen Psychokrieges zu deuten, an dem sich der Zentralrat ebenso beteiligt hat wie Grass selbst, wie die Massenmedien, wie die politischen Eliten und wie überhaupt so gut wie Jeder, der einen Platz im Medienzirkus ergattert hat und ihn behalten möchte.

Nein, ich inszeniere mich nicht als „Tabubrecher“, zumal es in einer aufgeklärten Gesellschaft eine Selbstverständlichkeit und kein Verdienst sein sollte, sich über die Tabus von Götzenanbetern hinwegzusetzen. Aber wenn es angesichts eines verdrucksten und verlogenen, von Täuschung, Heuchelei und Psychofallen gespickten „Diskurses“ tatsächlich etwas gibt, was gesagt werden muß, dann dies.
 Was gesagt werden muß

19 Kommentare zu „Was gesagt werden muß“

  1. Thomas Bargatzky

    Treffende Analyse! Wer die Dinge auf den Kopf stellt und behauptet, Israel wolle den Iran vernichten und bedrohe den Weltfrieden, wer dem Staat Israel das Recht abspricht, sich in seiner Lage mit Waffen – auch mit deutschen U-Booten – zu verteidigen, will, daß dieser Staat untergeht. Und damit auch die Juden, denn der Staat Israel ist das einzige Land, in dem sie selbst für Ihre Sicherheit sorgen können. Punkt. Ob das ‚Antisemitismus‘ ist oder nicht, ist dann nur noch eine akademische Frage. Tatsache ist, daß die Linke ihren Antisemitismus schon in den 1970er Jahren unter dem Palästinensertuch verbarg, nachdem Israel erfolgreich seine staatliche Existenz mit Waffen verteidigt hatte.

  2. webmax

    Wow, das war eine profunde und imho überwiegend zutreffende, sehr angebrachte Analyse des Hintergrundes, vor dem hier billig und retourkutschenhaft von allen Seiten gewerkelt wird.
    Schade aber, dass der Autor nicht einsehen mag, dass das legitime Selbstverteidigungsrecht Israels da angeklagt werden (auch oder gerade von Deutschen) und aufhören muss, wo es sich präventiv äusserst verachtenswerter Methoden bedient, deren schreckliche Auswirkungen es auf der anderen Seite, weil schon selbst ertragen oder knapp überlebt – auch für alle anderen Völker scheuen müsste.
    Will sagen: Land-und Grundwasserraub, Grenzwälle und Bombenterror gegen Zivilisten sind verwerflich wie auch atomare Präventivkriege, als falsches „Recht des Stakeren“ zu verurteilen. Da hat ein alter Mann, Schlimmstes befürchtend (WW3 ?), mit unbeholfener Prosa ins richtige Wespennest gestochen.

  3. bulko

    Das Geschrei ist m.E.deswegen so groß,weil das „Gedicht“zu einem Zeitpunkt Aufsehen erregt,an dem man solches tunlichst vermeiden möchte.Die Bombardierung der atomtechnischen Anlagen des Iran steht möglicherweise kurz bevor.

  4. Martin

    Ich sehe das ähnlich wie webmax.

    Günther Grass hat ein sehr einseitiges Gedicht geschrieben, das fast völlig die Verantwortung des Iran ausblendet. Es ist zudem lyrisch schlecht und würde den Rummel darum eigentlich nicht verdienen. Aber: Grass hat ganz instinktiv ein kleines bisschen richtig erkannt – auch wenn ich dabei evtl. etwas zu viel jetzt hineininterpretiere, was man so nicht gleich erkennen kann.

    Grass hat als jugendlicher den Krieg erlebt. In den verlustreichen letzten Monaten, in denen er Soldat war, konnte man nur überleben, wenn man instinktiv in Deckung ging, bevor es knallte – denn wenn es knallte, war es schon zu spät. Ebenso instinktiv musste man es drauf haben, nicht vor Angst in der Deckung zu bleiben sondern diese eben erst dann zu suchen, wenn tatsächlich der Einschlag kommt, denn sonst wäre man in der Deckung überrollt worden – man musste also all das, was alte Fronthasen über eine längere Zeit durch Erfahrung erlernten, bereits mehr oder weniger instinktiv können, um zu erleben.

    Der knorrige und gerade für uns konservative zum Teil unerträgliche Oberlehrer Grass – da kann man über seine Heuchelei betreffend seines Verschweigens seiner Mitgliedschaft in der Waffen SS noch so sehr berechtigt den Finger auf ihn zeigen, den hier hatte er nicht den richtigen Instinkt, rechtzeitig die Deckung zu verlassen – hat instinktiv – und Instinkte unterstelle ich ihm! – etwas ganz richtiges aufgezeigt, was durch die meiner Meinung nach überraschenderweise völlig überzogenen und unsouveränen Reaktionen aus Israel bestätigt wird (betroffener Hund bellt, heißt ja bekanntermaßen):

    Israel hat sich selbst seit Jahren in seinen Handlungsmöglichkeiten auf rein militärische Optionen eingeschränkt und kann jetzt eigentlich nicht mehr anders, als den seit Wochen herbei geredeten Krieg mit dem Iran anzufangen. Dass dies überregionale Folgen haben kann, merkt ein Blinder und Grass legt hier den Finger in die Wunde und zwar da, wo es richtig weh tut.

    Israel ist im nahen Osten isoliert, nicht umsonst sucht es jetzt auch Allianzen mit Zypern und Griechenland und hat damit einen Feind mehr, die Türkei, die diese Feindschaft begierig annimmt, da sie innenpolitisch gut verwertbar ist (wie bei vielem in dieser Region: Ob jetzt die genannten Allianzen Folge türkischer Bedrohungen sind oder umgekehrt – wer weis das schon im nahen Osten, es ist immer irgendwie wie bei dem Sinnbild mit der Henne und dem Ei – jeder hat tausend gute Gründe und alles ist verworren, wie dereinst der gordische Knoten).

    Israel hatte ein kurzes Zeitfenster, in welchem es die Möglichkeit hatte, zu einer „Vernunftlösung“ mit den Palästinensern und seinen Nachbarn zu kommen – dieses Zeitfenster wurde durch den Kugelhagel von Jigal Amir, einem radikalen Siedler, zum Absenken gebracht. In der Zeit danach setzte Israel nur noch auf militärische Stärke – und verlor dabei in den Kriegen im Libanon und im Gaza Streifen den Nimbus seiner Unbesiegbarkeit, was die Verstrickung in rein militärische Optionen vertiefte und den Widerstand der Gegner stärkte. In der Zwischenzeit brachen all die schönen, alten autokratischen Despotien der Nachbarländer Israels in sich zusammen. Der Frieden mit Ägypten ist brüchig geworden und wird noch brüchiger, wenn erst die Islamisten dort gänzlich das Sagen haben. Libyen: Auch den Islamisten vom Westen zum Fraß vorgeworfen. Kein Wunder, dass Israel sich im Syrien Konflikt nicht darüber freut, dass das eigentlich verhasste Assad- Regime ins Wanken kommt, denn Nein, mit ihm würde Israel ein weiteres, halbwegs verlässliches Nachbarland und einen Puffer zur Türkei verlieren.

    Innenpolitisch wächst zudem in Israel eine orthodoxe Zunft heran, die sich nur durch eine hohe Geburtenrate auszeichnet, aber ansonsten hauptsächlich von Sozialtransfers lebt und zum Dank auch noch den Wehrdienst verweigert – gleichzeitig aber zu einer tiefen Spaltung des Landes beiträgt…

    Die Palästinenser beeindruckt Israel mittlerweile gar nicht mehr, den tiefer sinken können diese schon fast nicht mehr und auf den einen, der von Israel liquidiert wird, kommen zehn nach. Israel könnte dem Palästinenserproblem eigentlich, nachdem die Siedlerlobby gesiegt hat, nur noch durch eine Vertreibung von genozidalem Ausmaß Herr werden, doch dazu hat man nicht mehr die Kraft und außerdem wäre Israel dann der, der zuerst geschossen hat, der auf ewig schuldige.

    Die Parties rauschen nicht umsonst in Tel Aviv – denn dieses Land steht kurz vor „ich habe fertig“. Es kann nur noch militärisch handeln, da alle anderen Optionen gründlich vergeigt wurden, woran natürlich auch die Araber und Palästinenser sowie Iraner ihren großen Anteil haben (wenn diese nicht sogar die wahren Verursacher sind, was ich persönlich für gut möglich halte), nur in der Weltöffentlichkeit wird immer Israel als der Schuldige, als der Kriegstreiber dastehen.

    Israel redet einen Krieg herbei, in dem es immer wieder und ständig mit diesem droht – es muss langsam loslegen, um noch Ernst genommen zu werden und sitzt damit strategisch in der „Kriegsfalle“. Der Iran kann dagegen recht entspannt bleiben, denn die Option, Beobachter der int. Atomenergiebehörde plötzlich ins Land zu lassen, kann es jederzeit als „Geste der Großzügigkeit“ ziehen und bis dahin profitiert es vom hohen Ölpreis – was diese Inspektoren dann finden werden, dürfte auch klar sein…

    In diesem Sinne: Israel hat sich in eine „all-in“ Kriegsoption verrannt, aus der es nicht mehr herauskommt, es steht daher kurz vor dem Knall – Grass hat dies als Kriegsteilnehmer instinktiv gewittert und die Finger in die Wunde gelegt. Der große Aufschrei aus Israel zeigt, dass dies dort weh tut.

    Und wenn es zum Knall kommt, wird er immer von Israel ausgehen und Leute wie Grass können sagen: „Seht ihr, ich habs doch gesagt…“

    Das tut weh, sehr weh…

    Wir deutschen auf der anderen Seite, insbesondere auch auf konservativer Seite, sollten nicht glauben, dass wir durch eine Nibelungentreue zu Israel uns von unserer „Schuld“ reinwaschen könnten. Israel wird es nicht zulassen, dass Deutschland als Bündnispartner ein Blutopfer für Israel bringen darf – unsere Waffen nimmt man gerne, mehr aber auch nicht, denn sonst könnte Deutschland wohl wirklich „quitt“ sein. Der in konservativen Kreisen leicht romantisch vorkommenden Vorstellung, wenigstens bei Armageddon als Deutscher auf der richtigen Seite stehen zu dürfen, um so am Heil des tausendjährigen Reiches doch noch teilnehmen zu dürfen, muss eine Absage gemacht werden.

    Die Israelis habe sich eine Suppe eingebrockt und die darin befindlichen Brocken wurden ihnen nur allzu willfährig von palästinensisch/arabischer/iranischer Seite in die Hand gelegt. Nun müssen sie da durch – ohne wenn und aber! Sie haben keine anderen Optionen und ein längerer Waffengang wird für Israel sehr eng werden, wenn es nicht zum Völkermörder werden will – es ist dann zum Sterben in Schönheit verdammt und ob dies nicht zu atomaren Kurzschlüssen führen wird, ist nicht auszuschließen. Es geht uns damit alle an.

    Deutschland kann leider gar nichts mehr machen – außer darauf hinzuweisen, dass man U-Boote zwar liefert, aber dass Israel dafür zu sorgen hat, aus seiner „Kriegsfalle“ wieder herauszukommen, womit aber Israel seine Schwierigkeiten hat, da innenpolitisch das Land nicht mehr einig ist.

    Es ist daher sehr gut möglich, dass am Ende Grass Recht behalten wird, und Israel wird als der Weltfriedenszerstörer da stehen – so unrecht Grass heute damit hat und so abgrundtief einseitig und schlecht sein Gedicht auch sein mag!

    Am Ende heißt es nur noch, wer hat den ersten Schuss gemacht? Wir deutsche müssten eigentlich sehr gut wissen, was das heißt…

  5. KW

    Ja, danke, Herr Kleine Hartlage, das ist andere Prosa als das Gestammel vom ollen Grass. Ich weiß nicht, ob es in der DDR so einen Zentralrat gegeben hat, auf jeden Fall hat er dann nicht so tierisch genervt wie hier. Dort wurden wir „nur“ mit antifaschistischer Literatur beworfen, in denen die Juden als Opfervolk beweint wurden und wurden regelmäßig in die ehemaligen KZs geschleift, ansonsten haben wir sie im täglichen Leben gar nicht wahrgenommen. Lange Zeit hatten wir gedacht, die sind alle ausgewandert oder tot.

  6. JeanJean

    webmax,

    Landraub?
    Da sind Sie der islamischen Propaganda auf den Leim gegangen, die darauf besteht, jedes Gebiet das der islamische Imperialismus einmal an sich brachte, sei für die Ewigkeit Eigentum der Umma. Nach dieser Logik gehören große Teile Spaniens dem Islam und sind von Ungläubigen besetztes Land. (Die Rückeroberung ist in vollem Gange)

    Die sogenannten Palästinenser kamen in großer Zahl erst nach dem Ende des osmanischen Reiches in das jüdische Land, um sich an die erfolgreich wirtschaftenden jüdischen Gemeinden anzukletten.Ein Verhalten, dass dem Islam eigen ist und das wir in Europa aktuell am eigenen Leibe zu erdulden gezwungen werden.

    Israel Existenzrecht zu verteidigen ist nicht nur moralisch richtig, sondern auch aus blankem Eigeninteresse geboten.

    @MKH,

    das ist bislang der beste Beitrag zum Thema, den ich gelesen habe. Ich denke, Grass hat einen Testballon fliegen lassen und nach anfänglichen Grummeln im Feuilleton, ist der Weg für eine noch exzessivere deutsche“Israelkritik“ (die Sie ja fein analysieren) offen- Damit passt sich Deutschland dem europäischen Hassniveau an – obendrein mit der ekelerregenden Begründung „besonders vor dem Hintergrund unserer Geschichte…“
    Gerade hat sich der antifaschistische Nudelbart Thierse mächtig für Grass ins Zeug gelegt – unser bekannter Garant für die Meinungsfreiheit.

    Antifaschist Augstein entblödete sich nicht Grass mit Jesus gleichzusetzen, ein Bild das ja weitergedacht, nun wirklich perfide an den alten christlichen Antisemitismus anknüpft und ich bin doch wieder einmal überrascht davon wie weit das Gutmenschentum geht, wenn es die letzten Hemmnisse des „eine Welt Utopia“ beseitigen will.

  7. Karolus

    Was über den Kommentar des geschätzten Klein-Hartlage zu sagen ist, ist bereits gesagt worden. Ich möchte den Verf. aber auf die in Eckhard Henscheidts „Dummdeutsch“ zu findende Bemerkung über den in meinen Augen unsäglichen, ja ekelhaften Begriff „Diskurs“ hinweisen. Vermeiden Sie BITTE diesen Ausdruck! Sie haben es doch nicht nötig, Ihre Gedanken durch die Verwendung dieses von Habermas – so Henscheidt – in den abgehobenen Sprachgebrauch eingeführten Begriffs zu entwerten!

  8. CitizenKane

    „Die deutsche Schuldneurose, an deren Festigung Grass zeit seines Lebens nach Kräften mitgearbeitet hat, treibt ihre bizarren Blüten:“

    Der Begriff hierfür bei der Clown Union:
    Manische Culpatie (Culpatismus)

    „und die mit penetrantem vulgärpazifistischem Geraune zu Lasten Israels die politische Urteilsfähigkeit des Volkes systematisch untergraben haben“

    Geraune nimmt das Volk nicht wahr, schon gar nicht im Feuilleton.

    Jahrzehntelange Indoktrination an den Schulen durch das 68er und 68er Nachgeburts- Leererpack (die Lehrer hier im Kommentarbereich sind ausgenommen), hat die Urteilfähigkeit des Volkes untergraben

    Und Modeaccessoires wie der “ Palischal“. Aus Nostalgie nach Jugendzeit DAS ist es was, unser Volk bewegt!!!

    Meine Auseinandersetzung mit dem Thema ist für mich unter Folgendem abgeschlossen:

    Kein Gedicht (bin kein Literatur Nobel – Preisträger)

    Eines der schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte
    Es war die Tat eines verbrecherischen Regimes
    Es wurde nach der Progromnacht geheim gehalten
    Die Meisten haben geglaubt, es gäbe ein Umsiedlung in den Osten
    Gegenwehr konnte nur unter der sichern Todesaussicht erfolgen
    Das feige 68er Pack hätte nicht einen Finger dafür gekrümmt!
    Verpflichtung des Deutschen Volkes, das Mögliche zu tun, dass sich so etwas nicht wiederholt.
    Historisch anthropologische Betrachtung
    Der Zentralrat trägt eine große Verantwortung für den unter Antizionismus laufenden neuen Judenhass in Deutschland. Auch er ist korrumpiert! Es ist eine Schande Herr Graumann, Frau Knobloch!
    Sie Schaden Israel!
    Keine Verwendung unserer Schande für andere Zwecke (Walser sinngemäß).
    Die Opfer werden durch die Heuchler verhöhnt.
    Dafür müssen die 68er eines Tages zur Verantwortung gezogen werden!
    Israel verdient als einziges demokratische Land im Nahen Osten unseren Beistand.
    Sieht so aus, als wenn ich es von Kleine Hartlage abgeschrieben habe – denke schon lange so – er spricht mir aus der Seele!
    Bin Jahrgang Ende ‚55 und der Gehirnwäsche knapp entkommen.

    Lieber Herr Kleine-Hartlage
    Habe sie in dem österreichischen Polittalk gesehen.
    Meine Hochachtung!
    Es war sehr souverän, ruhig, argumentativ stark.
    Manche in den Foren haben die Moderatorin als sehr einseitig ( pro Islam) wahrgenommen.
    Ich bin der Meinung, sie hat das für eine MSM Journalistin ausgewogen gestaltet. Gehört auch Mut dazu! Wie haben Sie es empfunden?

  9. R. Clemet

    Sicher, Graß ist ein Maulheld.

    Aber er ist ein deutscher Maulheld. So recht kann Israel gar nicht haben, daß ich, nicht nur ob deren Frechheiten in diesem Falle, nicht ganz genau weiß, auf wessen Seite ich mich hier zu stellen habe.

    Und wenn es hier schon um Recht oder Unrecht geht, so könnte man mal ganz kurz einwerfen, mit welchem Recht Israel eingentlich behauptet, ein Staat, wie jeder andere zu sein. Er ist ein Staat auf dem Boden eines fremdes Staates, sein Recht zu existieren negiert zwingend zugleich das Recht souveräner Existenz eines anderen Volkes. Und mit welchem Recht versucht die halbe Welt, Israel und alle Zentralräte der Welt, oder auch ADLs, vorneweg, aus Deutschland einen Nicht-Staat-wie jeder-andere zu machen? Ein Ewig-Schuld-Staat?

    Ach so, wenn man diesem Kunststaat Israel schon das Recht auf „Selbstverteidigung“ zugestehen will, um wieviel mehr hat der Iran das Recht auf preemptive action? Wer ist hier von wem eigentlich bedroht? Eine Nicht-Atomwaffe durch den Iran bedroht die geschätzt 400 israelischen Nuklearraketen?

    Wer noch ein Mindestmaß an konservativen Anstand bewahrt hat, der kritisiert den kriecherischen Ton Graß in seinem „Gedicht“. Der Inhalt ist konsistent zu seinem sonstigen Geseiere. Währenddessen baut Israel mental auf Gegnerschaft zum Rassentrennungsstaat in nat.soz. Prägung auf. Selbst aber etabliert es nichts anderes. das ist exakt die identische Verlogenheit, die es in Fragen der „Verteidigung“ aufbringt.

    Diejenigen, die behaupten, daß Grass Benennung dieser Verlogenheit antisemtisch sei, haben sich wohl kaum einen großen Gefallen getan. Denn genau damit hat Grass recht gehabt.

    In diesem Konflikt steht der Iran als eine der letzten unabhängigen Nationen gegen die amreikanisch-israelische Achse. Der Iran symbolisiert in diesem Großkonflikt die Souveränität der Staaten und der Völker! In dieser Situation auf Grass einzuprügeln, der den Mut aufgebracht, seine an sich fragwürdige Grundhaltung zur Wehrhaftigkeit auf den „heiligen Staat“, die „einzige Demokratie im Nahen Osten“ gedanklich aber konsequent zu übertragen, ist einfach falsch. Er gehört einer bedauernswerten Generation an, die ihren Zenit weit überschritten hat. Er ist nicht der Gegner.

    Die Tatsache, daß er als junger Mann tapfer gekämpft hat, wiegt sein späteres Geschreibsel bei weitem auf.

  10. Zadok Allen

    Es befremdet mich zutiefst, wie ausgeprägt auch unter „Rechten“ der Hang zu sein scheint, in strategischen, militärischen, politischen Konflikten auf naivste Weise für eine Seite Partei zu nehmen. Dergleichen erwarte ich von den Skribenten der Tagespresse, nicht aber von solchen, die das Selbstdenken für sich in Anspruch nehmen.

    Ich kann nur dringendst dazu raten, sich zu einer tragischen Weltsicht durchzuringen! Wer nicht weiß, worin diese besteht, der lese die Ilias! Nichts als eine tragische Weltsicht, konterkariert durch die ihr inkommensurable Frohbotschaft des Christentums, ist der ehrfurchtgebietenden Geistesgeschichte des Abendlandes angemessen. Wozu brauchten wir diese noch, wenn wir am plumpen Manichäismus unser Genügen hätten?

    Auf den anstehenden Irankrieg gemünzt: Warum fällt es so schwer einzusehen, daß alle Beteiligten ihr Recht an der Sache haben, selbst die ihr kollabierendes Imperium verteidigenden USA? Warum fällt es so schwer zu begreifen, daß der unter dem demographischen Damoklesschwert der Araber festgespannte Judenstaat ebenso verzweifelt seinen Fortbestand zu sichern sucht wie die iranische Regierung ihrer nationalen Pflicht (!!) folgeleistet, indem sie Atomwaffen erstrebt, den einzigen Souveränitätsgaranten in der heutigen Welt?

    Nebenbei bemerkt: Die Iraner sind in erster Linie Perser, erst in zweiter Linie Mohammedaner.

    Weh den vielen, denen es nicht gelingen will, sich vor den Verlockungen des dumpfen Manichäismus („die bösen Moslems! die grandiosen Israelis!“ – oder umgekehrt) zu hüten. Die durchschnittliche Urteilskraft in politicis scheint mir unter den „Rechten“ in letzter Zeit eher noch zu sinken als zu steigen. Das ist fatal.

  11. Petrus Urinus Minor

    Warum ich ein selbstgefäll’ges
    schuldenstolzes Arschloch bin?
    Weil der Kapo besser frisst?
    Weil sich wegen meiner Größe
    Freudig’ Häftling sich in Ordnung fügt?
    „Warum aber schwieg ich bislang?
    Weil ich meinte, meine Herkunft,
    die von nie zu tilgendem Makel behaftet ist,
    verbiete, diese Tatsache als ausgesprochene Wahrheit
    dem Land Israel, dem ich verbunden bin
    und bleiben will, zuzumuten“.

    1.
    Ein schwieriges Thema. Zunächst zu Günter Grass: Ich gebe zu, der Grass ist für mich immer ein rotes Tuch gewesen. Der ständig und selbstverliebt erhoben belehrende Zeigefinger, diese moralische Dauererektion hat mich stets angewidert. Und so laß ich in Grass’ “Gedicht” zunächt das ,was ich von ihm erwartete. Schuldstolz, Belehrung, Antideutsches. Und dies ist zweifelos vorhanden. Darum bezichtige ich Grass auch als “Kapo, der am besten von allen Häftlingen frisst”. Und diese Rolle hat Grass lange gespielt und genossen. Und wenn die Hysterischen, die noch hysterischeren als Grass, wie Klarsfeld, jetzt auf ihn losgehen, dann erfasste mich befriedigende Gehässigkeit. Siehste, Günni, jetzt kriegst Du es auch einmal zu spüren…

    Dennoch: Habe ich nicht immer wieder selbst gesagt, eine Äußerung müsse als richtig anerkannt werden, egal von wem sie komme? Daß ich bereit wäre mit fast Jedem zusammenzuarbeiten bereit bin, soweit es unserem Land nutzt, keinem außer den Globalisten schadet und mehr Gerechtigkeit schafft? Daß es allein darauf ankomme, das Richtige zu sagen, egal wer es sagt?

    Das, was ich den “Antifaschisten” vorwerfe, den Reflex ad personam, verspüre ich selbst.

    Grass ist (bis jetzt) im Antideutschen Habitus gefangen. Er hat das System reichlich unterstützt und von ihm profitiert.

    Dennoch: Was er gesagt hat, ist richtig. Und soweit will ich mit ihm ehrlich übereinstimmen.

    Zu den Iranern:
    Der Feind meines Feindes ist nicht mein Freund. Wenn Grass mir bei allen ideologischen Differenzen als Deutscher naheseht, so sind mir die Iraner nicht automatisch nahe. Das Regime im Iran ist mir in großen Teilen unsymphatisch.

    Das hat gar nichts mit der angeblichen Holocaustleugnung zu tun, sondern schlicht mit Hinrichtungen und Unterdrückung, die dort noch (etwas) häufiger sind, als bei uns. Randalierende Islamisten, “marg bar amrika” und trillernde Weiber finde ich widerlich. Das Regime orientiert sich an einer barbarischen Steinzeitreligion und unterstützt Terroristen, die sich bewußt hinter Zivilisten verstecken (ein effektives, wahrscheinlich der Situation angemessenes und dennoch verbrecherisches Mittel).

    Deswegen werde ich niemals Hisbollah, Achmadinedjad, Lukaschenko oder die KPCh hochleben lassen. Meine Sympathien hebe ich mir für Evo Morales und Victor Orban auf.

    Aber die anderen bleiben eines: Der Feind meines Feindes.

    2.
    Zu einem weiteren Punkt: Legitimität. Eine Handlung ist legitim, wenn es einem objektiv vorhandenen Interesse dient und subjektiv vom Staatsvolk anerkannt ist. Das muss nicht nett sein. Es kann sogar machtbewußte Durchsetzung gegen andere sein. Zum Beispiel die Inhaftierung Chodokowskis: Sicherlich kein rechtsstaatlicher Prozess. Sicherlich ganz offen brutal. Aber hätte Rußland den Ausverkauf seiner gesamten strategischen Rohstoffe dulden sollen?

    Der Iran ist rundherum von übermächtigen Feinden eingekreist. Die arabischen Staaten sind historische Feinde und blieben dies auch unter der noch so humansten und laizistischsten Regierung aller Zeiten. Zum Ami und zu Israel brauche ich wohl kein weiteres Wort verlieren. Ach ja, und er hat Bodenschätze, die jeder andere gerne hätte.

    Amerika und Israel können den Iran binnen Minuten atomar und konventionell vernichten und haben dies immer wieder angedroht. Sie haben das Land und seine Menschen immer wieder bedroht und beleidigt. Sie sprechen ganz offen von gewaltsamem Regimewechsel, Unterwanderung und Aufteilung der Bodenschätze.

    Und der Iran soll keine Atombombe anstreben?

    Also ich täte es. Nicht um Israel zu vernichten. Nicht um eine “Supermacht” mit globaler Rechweite zu werden. Der Vergeltungsschlag würde Iran binnen Minuten vernichten. Aber jede legitime Regierung kann sich mit Atomwaffen gegen Invasionen unangreifbar machen. Mehr nicht. (Im Übrigen sollte dies auch Deutschland).

    Solange der Iran keine Fähigkeit zum vernichtenden Erstschlag hätte, wäre eine Atombombe absolut legitim.

    Andererseits haben sie bereits ihre eingene oekonomische Nuklearwaffe, die Würgeschlinge am Hals des “Westens”. Zwei Typen mit nem Pick-Up und ‘ner Panzerabwehrrakete an der Straße von Hormus. Zuviel Küste, um dies alles zu kontrollieren. Also möglich, daß Iran nicht nach Atomwaffen strebt, weil er keine braucht.

    3.
    Und nun zu Israel.
    Der Gedanke, einen Nationalstaat für die Juden zu schaffen, ist mir gar nicht unsympathisch. Insofern sind “Zionisten” gar nicht die bösesten. Und Israel war bis zum Sechstagekrieg durchaus nicht vollkommen unsympathisch. Verbrecherisch ist die Landnahme durch Besetzung und Siedlung. Jedoch kann man davon ausgehen, daß es einige Globalisten und Diaspora Lobbyisten gibt, denen der Gedanke überhaupt nicht behagt, Israel könnte zu einem Land wie jedes andere, ein Nationalstaat unter vielen werden.

    Schließlich ist die globalistische Ideologie eine Reaktion auf die quasireligiöse Überhöhung des Zweiten Weltkrieges. Die Nationen sollen aufgelöst werden, die Menschen jeglicher überindividueller Bindungen beraubt, der Außernkrieg soll (freilich zum zu zahlenden Preis des ewigen Binnenkrieges) unmöglich werden. Eine Nation Israel, wie jede andere, wehrhaft, vom Staatsvolk abgeschlossen und neutral passt da überhaupt nicht ins Konzept.

    Israel ist konventionell unangreifbar. Unlösbar sind nur die Probleme der Besatzung und damit der urbanen Kriegführung und des Guerilliakampfes. Allerdings ist Israel klein. Nicht einmal hundert Kilometer breit. Ein breit angelegter Angriff wie 73 oder ein Angriff mit Massenvernichtungswaffen würde sofort das Kernland treffen.

    Insofern hat auch Israel ein legitimes Interesse an (defensiv verstandenen Atomwaffen). Defensive Atomwaffen bedeuten aber zuallererst die Fähigkeit zum Zweitschlag.

    Darum hat Israel durchaus ein legitimes Interesse an auf U-Booten stationierten Nuklearwaffen. Diese Waffen dienen auch nicht einem Erstschlag. Diese Kapazität hat Israel längst mit Interkontinentalraketen (Jericho 3-4) und Jagdbombern. Der eigentliche Skandal liegt also in der Erpressung der Deutschen, diese U-Boote für lau, für umme, vollkommen gratis kriegen zu wollen.

    Ein Gleichgewicht des Schreckens wäre dagegen für eine rationale Regierung in Israel, wie im Iran, durchaus von Vorteil

    Allerdings befürchte ich, daß die Regierung in Israel viel irrationaler, viel wahnsinniger ist, als die Unsympathen in Teheran.

    Da hat Günter Grass recht.

  12. Wilhelm III.

    „Nehmen wir den Zentralrat der Juden, dessen Vorsitzender Graumann erst jüngst gefordert hat, die deutsche Fußballnationalmannschaft solle während der bevorstehenden EM einen Abstecher nach Auschwitz machen […]“

    An anderer Stelle hat diese Forderung (nein nein, es muss gefordert werden; Vorschläge werden gar nicht mehr geäußert) wohl Anklang gefunden: Die Niederländische Fußballnationalmannschaft wird einen Ausflug dorthin machen.

    Quelle: http://www.meemetoranje.nl/2012/04/09/oranje-gaat-auschwitz-bezoeken/

  13. zentralwerkstatt

    Auch wenn ich mich zugegebenermaßen für Nahost nicht sonderlich interessiere, so habe ich doch das Empfinden, daß sich Israel wie ein störrisches, unerzogenes Kind geriert, das nur mehr fordert und nur mehr will. „Nahost“ könnte sicherlich sehr nerven, wenn ich es mir zum Thema machte. Ich jedenfalls fühle mich keinem Israeli verbunden, habe keine Schuld oder Schulden bei auch nur irgendeinem Juden, ich denke, es ist mittlerweile sogar eher umgekehrt, BRD-Regime sei Dank – wenn man denn so kollektivistisch denken wollte.

    Es geht mir als Deutschem um die deutsche Sicht. Und mein Wunsch ist es, daß wir jedem die Ausgangstür weisen, der hier Forderungen an das deutsche Volk stellt. Bitten darf jeder, keine Frage. Und ich freue mich, daß den meisten Menschen hier offensichtlich noch nicht das sittliche Unterscheidungsvermögen zwischen Hilfeersuchen und Vereinnahmung aberzogen wurde / werden konnte.

    Was ein Herr Grass schreibt, will ich auch ihm überlassen, genauso wenn es Frau Merkels Wunsch ist, als Flintenweib durch einen Graben im Gazastreifen zu robben, um ihrer Verantwortung für Israel gerecht zu werden.

    So what? It’s a free world… oder so ähnlich.

  14. Sugus

    Der größte Feind Israels sitzt in Washington und nicht in Teheran. Sollte sich in den USA eine isolationistisch angehauchte Strömung durchsetzen, was aufgrund der Wirtschaftskrise wahrscheinlicher wird, kann Israel einpacken. Klar, das scheint jetzt noch so gut wie unmöglich. Aber es ist nicht unmöglich.
    Wenn wir es nüchtern-macchiavellistisch betrachten, wäre ein Ende dieses Staates Deutschland und den Deutschen günstiger als sein Weiterbestehen.
    Das fängt bei verbilligten U-Booten an und hört beim Kotau in Yad Vashem auf.
    Wir Deutsche brauchen nichts weiter machen als uns zurückzulehnen und abwarten. Keine Parteinahme. Nein, das christliche Abendland wird nicht in Palästina verteidigt. Und Israel ist auch nicht mehr die „einzige Demokratie“ dort. Es zählen unsere, deutsche Interessen und nicht eingebildete. Juden in Israel und Araber sind für uns beide gleich weit weg. Für uns Deutsche müssen die Verhältnisse in Deutschland geordnet sein.

  15. Schon länger besorgt

    Ohne mich in allen Einzelheiten auszukennen, halte ich diesen Text für die beste Analyse, die ich bisher gelesen habe. Eine weitere Verbreitung wäre ihm zu wünschen. – Einen Gedanken möchte ich noch anmerken: Schon seit vielen Jahren habe ich den Verdacht, daß die merkwürdig pathologische Liebe, die von der deutschen Linken den „armen“ Palästinensern entgegengebracht wird, möglicherweise eine Ersatzliebe ist, denn den deutschen Vertriebenen brachte und bringt man bis zum heutigen Tage nur Haß entgegen und behauptet, diese hätten ja nur ihre gerechte Strafe bekommen. Als Ersatz sucht man sich dann wirklich ganz „unschuldige“ Vertriebene. Mit der „Liebe“ zu den Palästinensern kann man dann zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen, indem man nun einen anderen Aggressor in dem von Kleine-Hartlage beschriebenen Sinn hat, mit dem man sich dauernd meint beschäftigen zu müssen.

  16. Mein Thema war nicht Israel, und deshalb habe ich auch nichts „unterschlagen“, mein Thema war der verlogene Umgang mit diesem Thema hierzulande, und dazu gehört die institutionalisierte Schizophrenie der Medien, die ihrer reflexartigen Political Correctness folgen – was bei einem Thema wie diesem, wo zwei Dogmen der Political Correctness einander widersprechen, zu absurden Resultaten führt.

  17. Dema Goge

    ‚Schizophrenie der Medien’

    Es gibt nicht ‚die Medien‘, sondern zwei Fraktionen die sich feindlich gegenüber stehen.
    Auf der einen Seite das philozionistische Springer/Spiegel Lager, dem es gelungen ist erfolgreich eine pro-Sarrazin und eine Anti-Wulff Kampagne zu fahren und auf der anderen Seite das SZ/ARD Lager das jetzt zurückschlägt und dem erkannten Multikulti-Hauptfeind Israel nun offen den Fehde-Handschuh vor die Füße geworfen hat.

    Bei dieser Debatte tritt endlich der strategische Grundwiderspruch des BRD-Systems offen zu Tage, der bisher durch die von beiden Seiten geteilte anti-deutsche Haltung übertüncht gewesen war.
    Während aber die erste Fraktion Deutschland nur schwach halten wollte um es besser ausbeuten lassen zu können will es die zweite Fraktion aus Überzeugung vernichten um einen Europa-Staat zu schaffen.

    Und jetzt ist ‚high noon’ !

  18. @ Karolus:

    Das Wort „Diskurs“ habe ich nur in dem Ausdruck „Diskursshow“ benutzt, mich also in keiner Weise mit diesem Vokabular identifiziert.

    @ CitizenKane:

    Jahrzehntelange Indoktrination an den Schulen durch das 68er und 68er Nachgeburts- Leererpack (die Lehrer hier im Kommentarbereich sind ausgenommen), hat die Urteilfähigkeit des Volkes untergraben

    Kein Dissens. Aber dieselben Leute dominieren eben auch die Medien.

    Ich bin der Meinung, sie hat das für eine MSM Journalistin ausgewogen gestaltet. Gehört auch Mut dazu! Wie haben Sie es empfunden?

    Wenn wir ihr MSM-Rabatt geben, dann ja. Tatsächlich konnte von Ausgewogenheit nicht die Rede sein, aber immerhin bin ich als Islamkritiker überhaupt zu Wort gekommen – in Deutschland undenkbar.

    @ Martin:

    Israel hat sich selbst seit Jahren in seinen Handlungsmöglichkeiten auf rein militärische Optionen eingeschränkt…

    Das stimmt in Bezug auf den Konflikt mit den Palästinensern nicht: Scharon (dem man es am wenigsten zuugetraut hätte) hat es mit dem Abzug aus dem Gazastreifen versucht, und sein Nachfolger wurde explizit mit dem Auftrag gewählt, sich auch aus dem Westjordanland zurückzuziehen. Da der Rückzug aus dem Gazastreifen aber mit massivem Raketenbeschuss just von dort aus beantwortet wurde, konnte man eine solche Politik nur als nicht zielführend einschätzen. Die Behauptung, Israel habe sich selbst auf militärische Handlungsoptionen beschränkt, stimmt einfach nicht, seine Optionen sind vielmehr darauf beschränkt worden.

    Was das Bündnis mit der Türkei angeht, ist es von den dort regierenden Islamisten nur so lange eingehalten worden, bis sie innenpolitisch stark genug waren, dem kemalistisch geprägten und pro-israelischen türkischen Militär Paroli zu bieten.

    Es ist ein Missverständnis zu glauben, Israel habe den Westen so sicher in der Tasche, dass es sich seine Politik sozusagen aussuchen könne. Die Islamisten in Israels Nachbarländern sind – wie Sie zutreffend anmerken – nicht von Israel, sondern vom Westen an die Macht gebracht worden (sofern wir von der westlichen Libyen- und Syrienpolitik Rückschlüsse auf die zuvor möglicherweise verdeckt geführte Politik in Ägypten ziehen dürfen). Entsprechendes gilt für die Iranpolitik. Die USA haben in den letzten 11 Jahren eine ganze Reihe von muslimischen Ländern angegriffen, nur nicht das einzige, vor dem Israel sich fürchtet, nämlich den Iran. Sie haben in der Region Islamisten zur Macht verholfen, wiederum etwas, was schwerlich als im israelischen Interesse liegend bezeichnet werden kann. (Dass sie sich große Mühe geben, es so darzustellen, als läge diese Politik um drei Ecken herum auch mit israelischen Interessen, hat wohl mehr mit der Rücksicht auf jüdische Wähler zu tun als mit irgendetwas anderem.) Schauen wir uns speziell die Iranpolitik der USA näher an: Sie lassen seit zehn Jahren das Damoklesschwert über Teheran kreisen und besetzen seine Nachbarländer, tun also alles, um auch noch den moderatesten und vernünftigsten iranischen Politiker auf die Linie Ahmadinedschads zu zwingen und zu der Überzeugung zu bringen, dass sein Land Atomwaffen braucht; ja, der Iran hat legitime Sicherheitsbedürfnisse.

    Zugleich tun die USA buchstäblich überhaupt nichts, um solche Befürchtungen zu zerstreuen: Der Iran wird nicht einmal aufgefordert, einen Preis für den Verzicht auf Atomwaffen zu aufzurufen (welcher Preis voraussehbarerweise mindestens in einer Sicherheitsgarantie der USA bestehen müsste). Direkte Verhandlungen werden geradezu vermieden; stattdessen werden die Europäer vorgeschickt, die irgendwelche Sicherheitsgarantien gar nicht geben können. Es wird die ganze Zeit davon geredet, dass „alle Optionen auf dem Tisch“ bleiben, es wird über Krieg gegen den Iran diskutiert, aber für ein klirrendes Ultimatum reicht es nicht. Wenn wir die Linie der USA zusammenfassen, läuft sie darauf hinaus, alles zu tun, um die iranische Führung (die ja nicht nur aus Ahmadinedschad besteht) davon zu überzeugen, dass der Iran Atomwaffen braucht, und ihm zugleich zu signalisieren, dass er sie auch bekommen wird, wenn er unbedingt will.

    (Bezeichnend ist freilich auch, dass der Iran nichts tut, um die politische Steilvorlage auszunutzen, die die Amerikaner ihm liefern; statt die Sicherheit des bedrohten Iran auf die internationale Tagesordnung zu setzen, hält der Präsident Brandreden gegen Israel und hält damit dessen Sicherheit auf besagter Agenda. Warum diese unkluge Politik, wenn nicht zur psychologischen Kriegsvorbereitung? Die israelische Regierung hat keinen Grund und im Hinblick auf ihre Bürger und die Sicherheit ihres Landes auch kein Recht, nicht das Schlimmste zu befürchten.)

    Sagen wir es so: Wenn es die Absicht der USA gewesen wäre, beide Länder – Israel und den Iran – in eine Konstellation zu verstricken, aus der es keinen friedlichen Ausweg gibt, so hätten sie genau die Politik treiben müssen, die sie tatsächlich getrieben haben.

    @ Sugus

    Wenn wir es nüchtern-macchiavellistisch betrachten, wäre ein Ende dieses Staates Deutschland und den Deutschen günstiger als sein Weiterbestehen.

    Ach ja? Wenn beim Zusammenbruch Israels eine Welle von mehreren Millionen jüdischen Flüchtlingen nach Europa schwappen würde, wäre das den Deutschen günstig? Die meisten Staaten Europas würden versuchen, sie an uns zu verweisen, und in Deutschland gibt es keinen Politiker außerhalb der NPD, der es wagen würde, sie draußen vor der Tür zu lassen. Ganz im Gegenteil: Die politische Klasse würde sich kaum noch einkriegen vor Begeisterung, möglichst viele Flüchtlinge nach Deutschland zu lotsen. Man kann doch die Sprüche schon im Voraus förmlich hören, von der historischen Verantwortung, und dass zwei Generationen nach Auschwitz endlich wieder jüdisches Leben in Deutschland… etc. etc. Und wenn man ein oder zwei Millionen Juden in Deutschland hätte, hätte man zugleich das Alibi, den Kampf gegen Rechts und gegen die Meinungsfreiheit auf ungeahnte Höhen zu treiben. Wer der Meinung ist, dass dies in unserem Interesse ist, der möge es mit Argumenten untermauern!

  19. karlmartell

    Wenn beim Zusammenbruch Israels eine Welle von mehreren Millionen jüdischen Flüchtlingen nach Europa schwappen würde

    …dann wäre das nichts anderes als Familienzusammenführung, die uns von anderen orientalischen Ethnien bereits bekannt ist. Ausserdem besitzen sehr viele Israelis ohnehin zwei Staatsangehörigkeiten, die ihnen Wahlfreiheit garantiert , darüberhinaus existieren in diesen Zweitstaaten starke jüdische Verbände, die für reibungslose Einwanderung sorgen würde. Es gibt in Deutschland „zwei Generationen nach Auschwitz“ ein ausgibiges jüdisches Leben, wie ausgibig, ist uns nur nicht bekannt.

    1971 kam er im Rahmen einer historisch zu früh angesetzten „Deutschen Kulturwoche“ nach Jerusalem. Bei einem Vortrag wurde Grass mit Tomaten beworfen. Der „Freund Israels“ schwor, niemals mehr den Judenstaat zu besuchen. Er hielt sich daran, bis heute.

    http://www.n-tv.de/politik/dossier/Der-Fall-Guenter-Grass-article194966.html

    Es sieht so aus, dass der „kaschubische Migrant“ Grass sehr nachtragend und dazu auch enorm eitel ist, der die „Beleidigung“ in Israel, im Zenit seines Daseins als roter Ritter der Gerechten in Deutschland, bis heute nicht verwunden hat.

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