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War der Nationalsozialismus links?

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von Manfred Kleine-Hartlage

Stefan Scheil hat jüngst an dieser Stelle auf den Sturm im Wasserglas hingewiesen, den Erika Steinbach mit ihrer getwitterten Bemerkung ausgelöst hat, die NSDAP sei eine sozialistische Partei gewesen. Offenbar ohne das geringste Gespür für die unfreiwillige Komik einer solchen Überreaktion marschierte eine Armee von Intellektuellen bzw. Menschen, die das gerne sein möchten auf, um eine maximal 140 Zeichen lange Twittermeldung zurückzuweisen:

Es berichtete der SPIEGEL, es meldeten sich Politiker wie Volker Beck und Historiker wie Heinrich August Winkler oder Herfried Münkler zu Wort. Alle bescheinigten Steinbach unisono, im Unrecht zu sein. NSDAP? Nicht Links, sondern Rechts!

Es ist schon belustigend, daß der angestaubte rhetorische Gag, die Linke mit dem Nationalsozialismus in Verbindung zu bringen, immer noch funktioniert und vorhersagbare Pawlowsche Reaktionen hervorbringt, deren Logik Stefan Scheil zutreffend zusammenfasst:

Im Rahmen der bundesdeutschen Alltagspolitik beantwortet diese Frage ein ganz einfacher Syllogismus: Nationalsozialismus = substantiell Verbrecherisch; Links = substantiell Gut; Also: Nationalsozialismus substantiell nicht Links.

Dies entspricht exakt der Primitivität des herrschenden linken Diskurses. Man sollte sich aber als Rechter oder Konservativer oder überhaupt als Mensch von Geschmack und gesunder intellektueller Eitelkeit nicht auf das Niveau dieses BRD-typischen Spiels „Schwarzer Adolf“ begeben, in dem Hitler als Schwarzer Peter fungiert, den jedes politische Lager dem jeweiligen Gegner zuspielt. Nicht nur, weil man dem armen Hitler Unrecht tut, wenn man ihn und seinen Nationalsozialismus mit dem Marxismus in einen Topf wirft, dessen Anhänger selbst bei vorsichtigster Schätzung mindestens zehnmal mehr Menschen ermordet haben als er selbst und es mithin eine Verunglimpfung nicht etwa der Linken, sondern des Nationalsozialismus bedeutet, ihn mit der politischen Linken in Verbindung zu bringen; sondern einfach, weil es nicht stimmt.

Dabei ist es gar nicht schwer und nicht einmal originell, die „linken“ Züge der NS-Herrschaft zu benennen: Hitler war, in den Worten Sebastian Haffners, zwar kein Demokrat, aber ein Populist: ein Mann, der seine Macht auf Massen, nicht auf Eliten stützte; der sich der traditionellen Eliten zwar bediente, sie aber zugleich mit Konkurrenz in ihren ureigensten Domänen, etwa dem Militär konfrontierte; der gezielt das Niederreißen von Klassenschranken propagierte; der den Sozialstaat ausbaute und dessen Wirtschaftspolitik, die Krise mit deficit spending, Beschäftigungsprogrammen und Staatskonsum zu bekämpfen, eher linken als rechten Ökonomen zusagen dürfte.

Die Nationalsozialisten verstanden sich als Revolutionäre, die einen ausgeprägt antibourgeoisen und antiaristokratischen Affekt pflegten, bekamen starken Zulauf aus den Reihen des kommunistischen Roten Frontkämpferbundes, standen der traditionellen Religion, dem Christentum, reserviert bis feindlich gegenüber, „sozialisierten die Menschen“ (diese Formulierung stammt von Rauschning, der sie Hitler bloß in den Mund legte, ist aber trotzdem treffend), unterhielten, nicht anders als die sowjetischen Kommunisten, Konzentrationslager und unterminierten den überkommenen Verwaltungsstaat durch den Maßnahmenstaat.

Hinter der monolithischen Fassade ihres Regimes tobte der Bellum omnia contra omnes, eine Rivalität von Teilfürsten und Vizekönigen, die um Mittel und Kompetenzen für ihre immer neuen Projekte rangen, mit denen sie die eher allgemein formulierten Ziele Hitlers zu verwirklichen glaubten. Es würde wahrscheinlich zu weit gehen, den NS-Staat als einen Staat der „permanenten Revolution“ zu bezeichnen, aber einen Staat der „permanenten Improvisation“ wird man ihn nennen dürfen; einen Staat, der bei seinen Improvisationen obendrein dazu tendierte, dem Neuen und Unerprobten Vorrang vor dem Bewährten und Erprobten einzuräumen. „Rechts“ im Sinne von konservativ, traditionalistisch oder gar reaktionär war diese Art von Herrschaft nicht; sie war alles andere als dies.

Und doch liegen die Linken ausnahmsweise völlig richtig, wenn sie die Behauptung als absurd zurückweisen, zwischen ihnen und den Nationalsozialisten gebe es eine politische Verwandtschaft. Betrachtet man den Nationalsozialismus sinnvollerweise im Kontext des spätestens seit 1789 tobenden europäischen Bürgerkrieges zwischen den Kräften der Revolution und denen der Gegenrevolution, so gehört Hitler eindeutig auf die letztere Seite. Einem Rechten mag das so peinlich sein, wie den Linken ihre Verwandtschaft mit Stalin und Mao peinlich wäre, wenn sie so etwas wie Schamgefühl besäßen, es ändert aber nichts am Befund.

Es ist abwegig, den Antiliberalismus, Antikommunismus und Antisemitismus der Nationalsozialisten nicht als Fortsetzung der tradierten rechten Gegnerschaft gegen die politischen Hauptdoktrinen der Aufklärung und die mit diesen Doktrinen angeblich besonders verbundene und von ihnen besonders profitierende ethnisch-religiöse Gruppe anzusehen. Der Nationalsozialismus war zwar nicht rechts im Sinne von konservativ, sehr wohl aber rechts im Sinne von anti-universalistisch und militant anti-links. Es handelte sich nicht um die Konkurrenz zweier Firmen, die ähnliche Produkte anbieten, sondern um den Antagonismus zweier Todfeinde.
Test

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24 Kommentare zu „War der Nationalsozialismus links?“

  1. Rainer

    Danke vielmals – unübertroffen gut beschrieben. Herausragende Arbeit!

  2. Arminius Arndt

    Natürlich ist das ganze Thema NS mehr als vielschichtig. Wir „heutigen“ sehen beim Blick auf die damaligen Zeit irgendwie alles auf einmal und das auch noch durch unterschiedlichste Blickmöglichkeiten, bei denen auch noch die Gefahr besteht, dass man bei der einen oder anderen „Blickrichtung“ objektiv aufs Kreuz gelegt wird, da man einer instrumentalisierten Auffassung aufgesessen ist (diese gibt es von allen möglichen Seiten).

    Da greift natürlich jede Schlagwortformel wie NS = Links zu kurz. Diese Formel ist aber nur allzu verständlich, angesichts der absolut nicht vorhandenen Differenzierung im momentanen „Kampf gegen rechts“, wo auch alles immer gleich und sofort „Nazi“ ist. Das „schwarze Peter Spiel“ so lange zu spielen, bis es alle über haben, könnte daher evtl. auch eine Möglichkeit sein. Ich bin Frau Steinbach jedenfalls nicht böse über ihr „Gezwitschere“.

    Zum Thema NS links oder doch nicht, möchte ich unter Bezug auf meine Einleitung schreiben, dass es wohl unterschiedliche Phasen der NS Bewegung gab. So wie Mussolini eindeutig seine Wurzeln am Anfang im Marxismus hatte und am Ende dann etwas ganz anderes dabei heraus gekommen ist, so wage ich die These (die sicher schon von vielen aufgestellt wurde), dass man den NS in unterschiedliche Phasen aufteilen muss und nicht alles zusammen betrachten darf. Man kann aufteilen in die Phase der Bewegung bis zur Machtergreifung, der Phase danach im Frieden und der Phase des NS im Krieg.

    In der Phase der Bewegung bis zur Machtergreifung waren aus meiner Sicht eindeutig linke, antikapitalistische und sozialistische Motive in starker Zahl vorhanden (SA, Otto Strasser, ja auch Goebbels war durchaus links! etc.). In dieser Phase suchen bspw. viele in der heutigen NPD ihre antikapitalistischen Anknüpfungspunkte und ihre Inspiration für ihre Form des Nationalbolschewismus 2.0.

    Nach der Machtergreifung verbürgerlichte, versozialdemokratisierte die Bewegung (nicht umsonst beseitigte man Röhm, Otto Strasser & Co.). Der Reformstau der Weimarer Zeit wurde aufgebrochen, viele bereits in den Schubladen von Weimarer Ministerialreferenten etc. vorliegende Vorhaben oder andere bereits bestehende Pläne wurden jetzt, wo es kein parlamentarisches Palaver mehr gab, umgesetzt. Die Flut von Gesetzesinitiativen und Gesetzen, die zum Teil heute noch gelten bzw. ihre Wurzeln in dieser Zeit haben, sprechen dafür. Wer in dieser Zeit kein Jude oder Kommunist war, konnte sehr gut leben. Es war auch eine Phase der „Demokratie“, wie sie von Carl Schmitt immer wieder dargestellt wurde, der eine Demokratie nie mit Parlamentarismus gleich setzte. Eine hohe Zahl an Volksbefragungen etc. fanden statt, die Hitler bestätigten. In dieser Zeit wurde die Grundlage dafür geschaffen, dass in der BRD- Nachkriegszeit viele ältere Bürger sagten, „damals war nicht alles schlecht“.

    Im Kriege dann radikalisierte sich alles und das System wurde zunehmend autoritär und repressiv – auch gegen das eigene Volk. Dies gipfelte in den Erschießungsorgien wg. Feigheit vor dem Feind etc. in 45.

    Von daher ziehe ich persönlich das Fazit, dass man in der heutigen Zeit durchaus in der aktuellen Diskussion darauf hinweisen darf, dass der NS gar nicht so „rechts“ ist, wie immer gemeint wird und ein „Kampf gegen rechts“ keine Kampf gegen den NS ist, sondern ein reines Machtmittel, um alles jenseits von linksgrünsozicdu Mundtod zu machen. Insbesondere wenn man ganz aktuell die NPD und deren Kameradschaftsumfeld betrachtet, dann sind erstaunlich viele linke Überschneidungspunkte festzustellen. Wer gegen die NPD ist, muss zwangsläufig auch gegen die LINKE sein, wenn er konsequent ist. Darauf darf von rechter Seite durchaus auch sehr verkürzt hingewiesen werden. Eine Gleichsetzung NS = rechts ist aber nicht (ohne deutliche Einschränkungen) zulässig. Der NS war in seiner Zeit vieles – sogar auch DEMOKRATIE.

  3. Albert

    Exzellenter Beitrag!

  4. derherold

    Manfred Lauermann Das Soziale im Nationalsozialismus

    Spiel, Satz und Sieg.

    Wem das nicht ausreicht:
    „Im Nationalsozialismus wurde in Deutschland Politik fuer die Arbeiter gemacht, bisher zum einzigen Mal. Das, was die Arbeiterbewegung, Kommunisten wie Sozialdemokratie, versprochen hatten und nicht halten konnten, das vermochte der Nationalsozialismus. (…) Bis heute ist die Ablehnung des Nationalsozialismus im Buergertum (…) dadurch determiniert.“

  5. Borni

    Was soll denn an Steinbachs Behauptung falsch sein?

    Sozialisten vergesellschaften die Produktionsmittel. Da die Menschen von Natur aus egoistisch denken und handeln, würden sie das in Frage stellen. Und deshalb vergesellschaftet man auch sie, schaltet sie sozusagen geistig gleich.

    Und letzteres haben doch auch die Nazis gemacht.

    Anders als die roten Sozialisten wollten die Nazis aber keine klassen- sondern eine rassenlose Gesellschaft, d.h. nur noch eine Rasse, nämlich die eigene.

  6. Punktgenau festgenagelt von MKL, und dabei einige überraschende Perspektiven aufgezeigt, die niemand auch nur denken kann, der sich immer noch im allgegenwärtigen „Schwarzer Adolf“-Koordinatensystem bewegt. Vor allem die These vom „Zerbrechen des Gesellschaftskonsenses“ und seiner totalitären Folgen sollte man im Auge behalten. Inzwischen wird dieser Konsens über den ganzen konditionierungspsychologisch verankerten NS-Bewältigungs-Komplex erzeugt, der als große Klammer und als großer Sinnstifter gelten soll. Daher auch die Hitler- und Naziobsession des Mainstreams, er ist eben ihr großes Zentralgestirn, ihr Gott und Leithammel. Es genügt schon das Ansinnen, ihn lieber an seinem historischen als an seinem heutigen krypto-theologischen Ort sehen zu wollen, um sich verdächtig zu machen. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns!

    Viele Rechte machen es sich zu einfach, den NS nach „links“ zu schieben, weil darin auch etwas „Sozialismus“ und äußere Imitation des Bolschewismus vorkommt, meistens geschieht das in Bezug auf das Rechts-Links-Modell des ehrwürdigen Erik von Kuehnelt-Leddihn, das allerdings nur aus einer bestimmten alt-liberalen, monarchistischen Perspektive verständlich und einigermaßen sinnvoll ist. Wer das aber außerhalb dieses Rahmens tut, hat zumeist eben doch auf subtile Weise die linken Diskussionsprämissen akzeptiert.

    Darauf habe ich auch in meiner Besprechung des Films „Soviet Story“ hingewiesen:
    http://www.sezession.de/23801/the-soviet-story-und-das-baltische-argernis.html

    Weil der Regisseur eine nahezu totale ideologische Identität und harmonische Kumpanei der beiden Totalitarismen behaupten will, muß er vieles unterschlagen, glätten und zurechtbiegen, womit er Gräben zuschüttet, die immerhin mit dem Blut von Millionen Menschen gezogen wurden. Man muß die Todfeindschaft und die Gegensätze von Kommunismus und Nationalsozialismus ebenso ernst nehmen wie ihre Überschneidungen.

  7. Arminius Arndt

    Man kann M.L. nur darin zustimmen, dass es ohne den russischen Bolschewismus niemals die streng antikommunistisch auftretenden Bewegungen der Falange in Spanien, des Faschismus in Italien und des NS in Deutschland gegeben hätte – trotz aller – und besonders und vor allem im NS! – zu findender „linker“ Attribute.

  8. neocromagnon

    Sehr guter Text.
    Ich möchte aber mal anmerken, daß diese „ismen“ in solchen Analysen immer so etwas monolitisches erhalten, so, als wären sie eigene Wesenheiten. Manche Menschen versuchen sich diesen anzuschmiegen, als Gralshüter der Wahrheit. Das sind die Dummköpfe. Die Klugen benutzen Ideen um ihre Ziele umzusetzen, je nach Passform, aber selten in Reinform. Denn tatsächlich dreht sich die Geschichte um Menschen mit ihren ihre Sehnsüchten und Zielen und ihren Schöpfer.
    Gibt es wirklich eine gute, richtige Staatsform oder Gesellschaftsordnung? Oder gibt es nicht viel mehr nur gute Menschen die richtig handeln?

  9. Zentralwerkstatt

    Nichts für ungut, der Artikel zerbröselt sich schon deswegen selbst, weil er gefühlte 20mal vom sogenannten „Konsens“ phantasiert, dem Begriff jedoch eine ganz eigenwillige Semantik zuweist.

    Es existiert kein gesellschaftlicher oder kollektiver „Konsens“. Es existieren allenfalls lose „Vereinbarungen“ in Zwangskollektiven, und davon umso weniger, je weniger autoritär auf den Zwangsgeeinigten eingewirkt wird.

    In der Tat ist es sinniger, die Staatsdenkenden den Freiheitlichen gegenüberzustellen als zwischen Linken und Rechten zu unterscheiden. Letztere ist ja in der Tat eher eine Unterscheidung von wieviel oder wer oben oder unten, beide sind im Herrschaftsstaat zu Hause.

    Freiheitlichen liegt das Axiom – ja, wenn man so will, der genuine Konsens – der Massen fern, daß ein Machtvakuum mit Herrschaft gefüllt werden muß, um im Idealfall selbst möglichst viel Herrscher und möglichst wenig Beherrschter zu sein. Im letztgenannten liegt der Generator des Perfiden. Es prüfe sich jeder selbst auf seinen Affekt. Die Wenigsten sind von diesem Reflex / Instinkt gelöst, es definiert schlicht den Massenmenschen. Hier ist die Trennlinie zu setzen.

    Der libertäre Mutant steht den „Linken“, „Rechten“, „Liberalen“, „Sexualisierten“, „Migrierten“, „Politisierten“, „Neurotisierten“, „Idiotie- und Infantilisierten“, „Roten, Braunen, Grünen, Schwarzen, Gestreiften, Gesprenkelten, den „Ideologie- und Unlogisierten“ …. gegenüber.

    Der libertäre Mutant ist friedlicher Natur, die erzieherisch-autoritäre Einwirkung durch andere Geister ist ihm ein Gräuel, in jeder Richtung, er ist schlicht ein reifer Mensch.

    Um abschließend ganz nah am Thema zu sein, intuitiv verorte ich die Nazis auch eher „links“, ihre Taten und Strukturen einen sie. Derselbe Ungeist treibt beide, nämlich, „ideologisch störende“ Menschen zu vernichten, und zwar immer nach derselben Blaupause: isolieren, diffamieren, ächten, töten (in der BRD sind wir schon beim Ächten).

    Herr Lichtmesz‘ Artikel zu Edvin Snores Sowjet-Story ist sehr informativ, insbesondere basierend auf den historischen Tatsachen, die er anführt, aber er entkräftet keineswegs die Parallelen der sozialistischen „Blutsbrüderschaft“. Sie mögen keine eineiigen Zwillinge sein, aber kein gerechtes Gericht der Welt würde einem der beiden sozialistischen / linken Systeme seine Genese zum Schuldabschlag gereichen lassen, im nationalsozialistisch-kommunistischen Krieg erschlug Kain den Kain. Es ging beiden Anführern um die Frage, wer das bessere sozialistische System etabliert hat, sie konkurrierten nur darin, der eine neidete die kulturelle, zivilisatorische und industrielle Basis (die ein Erbe Preußens war und noch ist), der andere die Masse an Rohstoffen, Kriegspersonal und -gerät.

  10. Toni München

    Was ist links? – Georg Büchner, gest. 1837, lässt in „Dantons Tod“ einen Jakobinerfreund sagen: „Die paar Tropfen Bluts vom August und September haben dem Volk die Backen nicht rot gemacht. Die Guillotine ist zu langsam. Wir brauchen einen Platzregen.“

    Man muss, glaube ich, bei der Frage nach „rechts? oder links?“ nicht nur die sachlichen Puzzleteile (das ist links! das ist rechts!) darlegen und interpretieren, sondern auch die psychologische Komponente erfassen, nämlich die unschönen, psychischen Triebkräfte menschlicher Natur, die sich jeweils in erlaubter, organisierter oder befohlener Weise ausleben dürfen und sollen.

    Von daher kann man mit Recht behaupten, dass Teile der heutigen Linken tatsächlich fest in der Tradition von Teilen der historischen Nationalsozialisten stehen?

    So betrachte man den offiziell ausgerufenen „Aufstand der Anständigen“, das gnadenlose Mobbing und die panischen Hexenjagden der heutigen Linken gegen unterlegene und bereits am Boden liegende rechte Systemabweichler und denke rund 75 Jahre zurück! Die Parallelität springt ins Auge.

    Gerade heute in der Tageszeitung „Münchner Merkur“ prangt dem Leser die fette, große, alarmistische Schlagzeile entgegen: „Neonazis okkupieren Dorfwirtschaft“. Im halbseitigen Hetzartikel darunter: „Entsetzen in dem kleinen Dorf Halsbach im Landkreis Altötting. Neonazis treffen sich immer wieder in dem ehemaligen Gasthaus.“

    Entsetzen, ja! Aber woher rührt die Angst der Dorfbewohner? Nicht von den Gästen aus „der rechten Szene“! Die haben sich bisher in dem Dorf nichts zu Schulden kommen lassen. Es ist das Entsetzen des Bürgermeisters und aller braven Bürger vor dem linken Lynchmob, der nun mit seiner Medienvorhut über das Dorf schon hergefallen ist und nicht eher ruhen wird, bis Halsbach, mit welchen Mitteln auch immer, „neonazi-frei“ ist!

    Glaubt denn ein distanzierter Betrachter wirklich ernsthaft, dass der primitive heutige, sich ideologisch gutmenschlich maskierende Lynchmob, inklusive der opportunistischen Mitläufer, zuzeiten des auftrumpfenden Nationalsozialismus nicht in den Reihen der SA zu finden gewesen wäre?

    Ich sage frei nach Franz-Josef-Strauß: „Sie wären die besten Nazis gewesen!“ Oder mit Georg Büchner, in „Dantons Tod“: „Er hat ein Schnupftuch! ein Aristokrat! an die Laterne! an die Laterne!“

  11. Toni Roidl

    »Es handelte sich nicht um die Konkurrenz zweier Firmen, die ähnliche Produkte anbieten…«

    Ich muss wohl sehr dumm sein, aber das sehe ich völlig anders.
    Aus der Perspektive des 20. Juli aus gesehen, stand Hitler links.

    Von der Redundanz dieser Frage mal abgesehen, macht es aber Spaß, solche Knöpfchen zu drücken. Denn wer beim anderen vorhersehbare Reaktionen auslösen kann, hat Macht über ihn.

  12. Kiki

    Ein brillianter Artikel, ein Juwel unter dem ganzem publizistischen Gesinnungskehrricht zum Thema aller Themen der dem halbwegs Alphabetisierten heuer allenthalben entgegenquillt.

    Mein Kompliment!

  13. Zadok Allen

    Spätestens das politische Auftreten der NSDAP, wahrscheinlich aber schon die Machtergreifung Lenins 1917, hat aus meiner Sicht die überkommene Links-Rechts-Gesäßgeographie endgültig in sich zusammenstürzen lassen. Das hängt zweifelsohne mit dem Untergang des Konservatismus Ende des 19. Jahrhunderts zusammen. Es ist nicht sinnvoll, den Begriff in einem anderen Sinn zu verwenden als es Kondylis in seinem magistralen Werk dieses Titels tut:

    Der Konservatismus war die Herrschaftsideologie des europäischen Kriegeradels (nicht der absoluten Monarchen!) vom Hochmittelalter an. Sein Leitbild war die von der Scholastik theoretisierte societas civilis Europaea. Mit deren endgültigem Untergang im Verlauf des 18. und frühen 19. Jahrhunderts verlor der Konservatismus seinen Kern und der Begriff wurde zum vagabundierenden Irrlicht, das seither eigentlich nur noch das Phrasenschwein klingeln läßt.

    Ebenso erging es nun mit Lenin und Hitler der genannten Gesäßgeographie. Lenins Sowjetunion – Hitlers „Volkskanzlerschaft“ – dem einen wie dem anderen Fall wird man eine Unmenge von Prädikaten zuschreiben können, die man im 19. Jahrhundert noch sinnvoll als „links“, als auch eine Unmenge von solchen, die man damals sinnvoll als „rechts“ bezeichnen konnte.

    Ich befürchte, daß der totale Sinnverlust der politischen Begrifflichkeit im 20. Jahrhundert ein Menetekel für die Lage der Völker Europas ist. Es wurden und werden ja angesichts einer völlig veränderten Lage keine neuen, passenden und griffigen Begrifflichkeiten mehr geprägt! Wer aber keine Begriffe findet, der begreift eben auch nicht mehr. Wer nicht begreift, hat die Wirklichkeit nicht in der Hand, kann nicht mehr zielgerichtet auf sie einwirken.

    Die Verphrasung des (soweit ich es beurteilen kann) gesamteuropäischen politischen Diskurses spiegelt die völlige Entmächtigung der Gesprächsteilnehmer wider. Es wäre von großem Interesse, etwa von Sinologen oder Indologen zu erfahren, wie sich die politische Begrifflichkeit in den dortigen Staaten in den letzten Jahren entwickelt hat.

  14. Richard Vonderwahl

    Man sollte einmal das Märchen aus der Welt schaffen, die Linken seien sozialer als die Rechten. Die Rechte kennt eine Hierarchi, in der Jener höher steht, der imstande ist, etwas zu geben. Am Ende ist deshalb die Rechte sozialer. Die Linke tut nichts anderes als Schatzkammern zu plündern und zu Prpagandazwecken zu verteilen. Der Spass hat aber ein Ende, sobald die Schatzkammern leergeräumt sind.

    Der Nationalsozialismus ist tatsächlich insofern links, als er gegen Klassen ist. In ihm gibt es nur den Führer und das «Volk». Auch sonst ist der NS zutiefst gleichmacherisch. Er ist gegen Gliederungen, gegen regionale Kulturen, gegen vielfältig gestaltete Ordnnung und will nur den Einheitsblock. Das alles ist nicht rechts und nicht traditional. Volk ist im NS nicht das wirkliche Volk, sondern die Masse, welche einige Versatzstücke der Tradition als leere Form weiterträgt.

  15. KW

    Zentralwerkstatt, ich gebe Ihnen Recht, das Rechts-Links Muster springt zu kurz.
    Es geht um die Widersprüche in der Gesellschaft, wer will Masse sein und Befehle und geschenkte Wohltaten entgegennehmen und wer will Freiheit und Verantwortung, aber eben mit etwas Anstrengung, in all seinem Handeln? Unsere Gesetzgebung fördert ersteres, fördert auch das Auseinanderbrechen der Masse in einzelne Gruppen, die einen werden besteuert, die anderen beschenkt, Restrisiken im Leben werden auf den Staat geschoben, der Gesetze bis Verbote zum Schutz des Menschen vor sich selbst erlässt. Die im Laufe der letzten 40 Jahre anerzogene Bequemlichkeit der dumm gehaltenen Masse kann nur ein Zerfall der Strukturen von außen sprengen, vielleicht die Auflösung der EU, der Zerfall des Euro, das Ende des Erdöls. Erst nach einem Zusammenbruch kann sich der Einzelne wieder auf sich selbst besinnen, auf seine Kraft und seine gewollte Spendenbereitschaft und nicht seine gemußte an andere seiner Wahl. 20 Jahre nach dem Krieg waren schöpferich und frei, danach rissen die Kommunisten und „Volksbeglücker“ in der BRD die Macht an sich, die Chance war vertan für einen wirkungsvollen Neuanfang. Es war kein Putsch, sie hatten Zeit und Geduld, Gegner wurden niedergeschrien, Förderer belobigt, ausgezeichnet und medial in den Mittelpunkt gestellt, auch in der Künstlerszene, nach dem Marsch durch die institutionen hatten sie auch Steuergelder zum Verteilen an Gleichgesinnte.
    Die BRD-Bürger sind eigentlich unfrei, verantwortungslos, faul, träge und gelenkte Masse. Und die meisten richten sich in diesem Rahmen gern ein, sie kennen es nicht mehr anders.
    Als ich diese BRD nach dem Zusammenbruch der DDR erlebte, stellte ich verwundert fest, dass auch hier alles gelenkt wurde, von den Preisen bis zum Verhalten, was ist denn heute anders als in der DDR?
    Die BRD denkt international, die DDR war national, alles andere ist genauso ein Sozialismus.

  16. Der wunderbare Moment, wenn man feststellt, daß jemand sich schon die Arbeit gemacht und alles aufgeschrieben hat (sogar mehr manchmal auch anders), bevor man es selber tun konnte.
    Danke dafür und weiter so!
    Ich möchte das Thema zwar nicht unnötig breittreten aber anhand dieser Debatte kann man doch schön sehen das die Frontziehung in „Links-Mitte-Rechts“ mehr schadet als das sie nutzt. Eigentliche Inhalte und Probleme werden zerrissen und ausgeblendet. Der Rechte sieht nur Problem „B“, der Linke nur Problem „A“ und die Mitte sieht überhaupt keine Probleme. Alle Drei sind aber von den Problemen ähnlich betroffen oder werden noch betroffen sein. Je nach dem welche Gruppe gerade an der Macht ist, verschiebt sich die Problemwahrnehmung des größeren Teils der Öffentlichkeit. Die anderen Richtungen werden unterdrückt. Deren Probleme nicht gelöst… bis sich der Wind dreht. Dann aber geht das Spiel wieder von vorne los.
    Deswegen sind solche Analysen wie oben von Kleine-Hartlage (und auch manche Kommentare, z.B. Zadok), die wenigstens festgefahrene Muster aufsprengen, gut: sie bringen die eigentlichen Inhalte ans Licht und nicht nur Phrasen und Schlagworte.

  17. drauf und drann

    Auch der frühe ideologische Zugriff auf die Jugend/Kinder ist ein Zeichen von totalitäen Systemen, die sich ob links oder rechts, im Endefekt immer ähneln.
    Man färbe das Blau der FDJ-Hemden in ein Baun, mehr brauts eigentlich nicht, und die HJ steht vor einem.

    Auch heute wird die Jugend/Kinder wieder mehr vereinnahmt, ob durch umschreiben von Pipi Langstrumpf, Kitas, „KZ-Klassenfahrten“, etc.

    Und die „Mitte“ wird immer von den aktuell herrschenden für sich in Anspuch genommen, sagte das Merkel nicht mal „Wir sind die Mitte“.
    Ein cleverer Schachzug, ohne zu bestimmen was „die Mitte“ eigentlich ist, hat man darüber doch die Deutungshoheit zu bestimmen wer links/rechts ist, und vor allem wer so weit von der „Mitte“ (eben die unbestimmte) entfernt ist, und als radikal bezeichnet weden darf.

  18. Sascha

    In der Diskussion über den Faschismus als Phänomen der Linken sollte ein Verweis auf Jonah Goldbergs Buch „Liberal Fascism: The Secret History of the American Left, from Mussolini to the Politics of Change“ nicht fehlen. Unbedingte Leseempfehlung.

  19. Zentralwerkstatt

    Glaubt denn ein distanzierter Betrachter wirklich ernsthaft, dass der primitive heutige, sich ideologisch gutmenschlich maskierende Lynchmob, inklusive der opportunistischen Mitläufer, zuzeiten des auftrumpfenden Nationalsozialismus nicht in den Reihen der SA zu finden gewesen wäre?

    So sehe ich das auch.

    War denn der nationalsozialistische Bluthund Freisler nicht ehedem internationalsozialistisch, bevor er die Farbschattierung mit einem guten opportunistischen Gespür von rot auf braun gewechselt hatte?

    Übrigens das Eifern des braunen Chefsozialisten ist gut in seinen Reden, die man frei in den diversen Videoportalen anhören kann, dokumentiert. Er wendet sich darin wiederholt zumindest indirekt und mit höhnischem Unterton („Arbeiter und Bauern-Paradies“) an Stalin in dem Sinne, daß der nationale Sozialismus, nicht aber der internationale, den Menschen „Lebensglück“ bringe.

    Letztlich bleibt das hier ein Schaukampf und lenkt davon ab, daß es immer die politische Macht war, die für humanistische Katastrophen verantwortlich zeichnet.

    Die Aneignung von Macht (ich will nicht Legitimation schreiben) über Menschen wurde noch immer mißbraucht. 90% der Humanprimaten sind eher aus den Bäumen gefallen als herabgestiegen. Verpackt wird das archaische Streben nach Rang im Kollektiv in alle möglichen Formen von ideologischem – ob sinn- oder widerspruchsfrei, egal – Überbau, zu dem auf diesem Planeten wohl nur der menschliche Geist befähigt. In der Psychopathologie spricht man hierbei wohl von der Sublimation. Bei den meisten Menschen reitet der Affekt den Intellekt, und das ein vergeudetes Menschenleben lang. Wünschenswert ist, daß der Intellekt den Affekt beherrscht.

    Ich akzeptiere keine Regierung, keinen Kanzler_in, keinen Buntespräsidenten, kein erstes Flittchen im Staate, ich empfinde diese Leute als Anmaßung, aber ich muß sie in Abwägung der Umstände gewähren lassen. Das nun als Konsens auszulegen, geht wohl an der Sache vorbei.

  20. Tom Jericho

    Das ist einer der besten Kommentare, den ich je in meinem Leben gelesen habe! Chapeau!

  21. Freedy

    „Gott schenke uns ein fünftes Reich, das vierte ist dem Dritten gleich!“
    Solche und ähnliche Parolen fand man im Land derer, die die KZ’s der NS einfach weiterbetrieben, zum Großteil mit anderen Insassen, aber mit derselben Menschenverachtung. Ausführlich beschrieben bei Klonovsky/von Flocken 1994. War die SBZ, war die „DDR“, die zudem eine „Nationale Front“ unterhielt, etwa auch nicht links?

    Auch ich stimme @Zentralwerkstatt und nach wie vor i. w. dem links-rechts-Schema des oben erwähnten Erik von Kuehnelt-Leddihn zu: der NS war nicht völlig links, aber doch sehr überwiegend. Auch eine tiefe Feindschaft zwischen kriminellen politischen Strukturen macht diese noch nicht zu Antipoden.
    In einem Spektrum zwischen GULAG und KZ findet man nichts Rechtes.
    Enteignung und Aushöhlung des Eigentums mittels Gesetzgebung sind keine prinzipiell entgegengesetzten Methoden der Herrschaft gegen Eigentümer.
    Nationalismus und Sozialismus sind keine Gegensätze, sondern beide sind linksradikale Ideologien des 19. Jahrhunderts, die tatsächlich in keiner staatlichen Ausprägung voneinander getrennt auftraten.
    Es gab und gibt keinen Nationalstaat, der auf innere sozialistische Umverteilung verzichtete und keinen Realsozialismus, der sich nationalistischer Propaganda und einer Kraftmeierei gegen andere „Völker“ enthielt.

    Die Gesellschaft der Staatsbürger bleibt ein geistiges Konstrukt, nie wird dieses Konstrukt einen besonderen Konsens abbilden können, den es unter einander Fremden nicht geben kann. Ein Konsens wird sich immer erst im Kontakt von realen Menschen herausstellen, seine Grenzen ebenso, ganz abgesehen von den Einflüssen auch nur graduell unterschiedlicher Herkunft und Lebensweise dieser Menschen.

    Die Widersprüchlichkeit von Freiheit und Gleichheit ist nicht durch Demokratie aufzulösen, die Nation ist kein Ersatz für den Markt. Die heutigen technischen Möglichkeiten und die Kooperation der Staaten lösen gegenwärtig das über einige Zeit gewohnte territoriale Herrschaftsprinzip auf. Der Bürger ist zuhause nicht mehr sicher vor der Verfolgung durch andere Staaten, er kann sich aber zugleich der spezifischen Gesetzgebung anderer Staaten bedienen, um für sich Vorteile zu ziehen.

    Wenn wir auf die Romantik von einer unter einem Konsens geeinten Gesellschaft in einem Nationalstaat verzichten, bleiben nur ein Machtapparat und die mit ihm Rechnenden, die im besten Fall die Reife besitzen, ihre Mitmenschen nicht bei erster Gelegenheit an ersteren auszuliefern. Wo die Verantwortung des Menschen und also sein Streben nach Freiheit im Namen der Gleichheit beschränkt werden, da beginnt man die Menschen zu linken.

  22. Larsen Kempf

    Es irritiert in der geistreichen Darlegung Herrn Kleine-Hartlages vor allem die Verengung der Fragestellung auf eine links/rechts-Dichotomie. Gewiss: Diese Frage wurde durch die Pointie-rung Frau Steinbachs herausgefordert und harrt einer Durchdringung auch von rechts. Trotz allem sollte jedoch die Stoßrichtung der Aussage Steinbachs nicht vergessen werden, die wohl kaum auf eine Einordnung des NS in der Dichotomie von links und rechts lag.

    Frau Steinbach weist eher auf die geistige Verwandtschaft zweier totalitärer Ideologien hin, die Herr Hartlage konzise phänomenologisch umreißt – aber eben auch zum Teil mit analy-tisch richtigen Argumenten negiert. Er vergisst jedoch die (hinter den politik- und sozialwis-senschaftlich verstehbaren Phänomenen liegende) kulturhistorische Tiefe von nationalem und sowjetischem Sozialismus.

    Eine Untersuchung aus diesem geisteswissenschaftlichem Horizont würde schnell erweisen, dass beiden Weltbildern – aufgrund ihrer Gottesferne?! – das Hauptkonzept der „säkularen Religionsgeschichte“, die Utopie des Neuen Menschen zugrunde liegt. Bei allen konkreten Unterschieden handelt sich um analoge geschichtliche Phänomene, die den Neuen Menschen „produzieren“ mochten – über unterschiedliche Wege (einmal über die sozialistische Gesell-schaft, ein anderes Mal durchaus mit Hilfe von Eugenik und Rassen“züchtung“).

    Der Kommunismus zielte auf die Abschaffung des geschichtlichen Antagonismus von Bour-geoisie und Proletariat über die Zwischenstufe des Sozialismus, um so in die befriedigte Anarchie zu münden. Kaum etwas anderes erstrebte der NS, freilich in anderer Form und an-derer Weise: Der NS wollte die Unterscheidung der Klassen in der Einheitlichkeit und rassi-schen Reinheit der deutschen Volksgemeinschaft mit seinem Rassenideal des arischen Her-renmenschen aufheben. Der Arier in seinem Tausendjährigen Reich ist derart letztlich die nationalsozialistische Konkretion der kommunistischen Idee des Neuen Menschen. Anders gewendet: Die wohl grundlegendste Idee des Kommunismus, jene Aufhebung der „histori-schen“ Störung, jener Unterteilung der Menschen in zwei Gruppen, die der NS eben nicht ökonomisch, sondern rassisch definiert, ist der national- wie sowjetsozialistischen Ideologie gemeinsam.

    Richtig gestellt, lautet die Frage daher nicht, ob der NS links oder rechts ist, sondern ob es sich um ein „pessimistisches“, „optimistisches“ oder „utopisches“ Menschenbild handelt (die Charakterisierungen sind austauschbar). Hier scheint vor allem die Einordnung in letzteres durchaus die am ehest zutreffende – von beiden totalitären Denkrichtungen.

  23. Dema Goge

    heute schöner Artikel bei ef:

    http://ef-magazin.de/2012/02/13/3409-kommunismus-die-geister-die-sie-rufen

    daraus Zitat von Françoise Thom:
    „Die Ideologie der Nationalsozialisten basierte auf falscher Biologie, der Kommunismus auf falscher Soziologie“.

    Das ist genau der wesentliche Punkt ! Noch klarer wäre vielleicht: nicht ‚falsche‘ Wissenschaft, sondern falsch verstandene Wissenschaft, nämlich als Offenbarung der ‚wirklichen Welt‘ – als geistiges Photo von dem ‚was ist‘ und nicht – wie es richtig wäre – als Ordnungs-System menschlicher Welt-Erfahrungen.

    Oder etwas derber: wenn links ‚dumm’ bedeutet, dann sind NS und InS links.
    Auch wenn links heißt was für den ‚kleinen Mann’ zu tun dann sind sie’s.
    Und wenn links ‚alterativ’ und ‚rechts’ konservativ sein mögen sind sie’s wieder.

    Nur wenn man links mit universalistisch und rechts mit partikularistisch gleichsetzt wären sie’s nicht – und warum sollte man das tun ?

  24. Karl Eduard

    „Deutschland schafft sich ab“, hat Sarrazin geschrieben und hat genau dargelegt, was mit einem Land passiert, in dem die, die sonst die Ingenieure, Künstler oder Fachleute hervorbrachten, darauf verzichten, Kinder zu bekommen, sich die eingewanderten Analphabeten aber fleißig vermehren. Das war der Grund der deutschen „Rasseideologie“, das Wissen und Können der Vorväter zu bewahren. Heute können wir darüber nur den Kopf schütteln. Geld kommt bekanntlich aus dem Automaten, Lebensmittel wachsen im Supermarkt und wenn deutsche Schulen ein Niveau erreicht haben, in dem nicht mehr gerechnet , sondern nur noch Ideologie verbreitet wird, dann sorgen wir uns auch nicht, schließlich kann Qualifikation behördlich befohlen werden.

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