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kositza Ellen Kositza


Pfarrer Kauder, Martin Machowecz und der Katholik Holger Apfel

so stellen sich zeitautoren die klassische neonazifamilie vor 150x107 Pfarrer Kauder, Martin Machowecz und der Katholik Holger ApfelDas hat mal gutgetan! Einfach so richtig abledern, rauskotzen, Gas geben, das bringts! Es steht zwar weder einem Pfarrer noch einem Journalisten zu, sich in dieser vor demonstrativem Ekel überschäumenden Art und in solchen Kategorien (Mensch als Schaden) an Zeitgenossen abzureagieren. Aber zum Glück gibt´s für solche Fälle, wo´s mal dringend „raus“ muß, Leute wie Holger Apfel und seine Familie!

„Die Hirnlosen“ halt, wie Ludger Kauder (katholischer Pfarrer in Riesa) Holger und Jasmin Apfel und deren Kinder in antipathischem Überschwang tituliert.

Apfel ist seit geraumer Zeit Bundesvorsitzender der NPD. Die Apfels, erklärt hingegen Martin Machowecz in seinem Artikel für die Zeit-online, das sei „Deutschlands bekannteste Neonazi-Familie“. Dieser „Nazi“ besucht gelegentlich die Kirche, seine Frau ist sogar aktives Gemeindemitglied (und damit eine „Crux für Kauder“), die drei Kinder sind getauft. „Erlöse uns von solchem Übel“, denkt sich Pfarrer Kauder voll Abscheu dazu, „das Übel, es heißt in diesem Fall Apfel.“

Kauder kann die Apfels „nicht aus der Kirche werfen“ – was in der Tat eine extrem befermdliche Vorstellung wäre.  Derart werde für den Pfarrer das „Christsein zum Knochenjob“, aber letztlich ist es dem lustig-grantelnden Geistlichen „lieber, Frau Apfel backt bei uns Plätzchen, als dass sie draußen herumläuft.“

Autor Machowecz verdeutlicht die Stimmung in der Gemeinde: „Wir sind wachsam, soll das heißen. Wir beobachten sie.“ Auch,weil Kauder mal „einen Mann beerdigen musste, der hatte aussteigen wollen aus der rechten Szene“ (insinuiert wird, Apfels Freunde hätten ihn ermordet), kann er verstehen, daß andere Gemeindemitglieder keine „Rechtsextreme im Gottesdienst“ dulden wollen.

Zum Beispiel Riesas „Finanzbürgermeister“ Markus Mütsch (CDU) erregt sich: Müsse er „diesem Clan (!) denn wirklich auch im Gottesdienst ausgesetzt (!) sein?“ Worauf sich dieses Gefühl des „Ausgesetztseins“ gründet, ob die Apfels in der Kirche Parolen rufen, ob Jasmin Apfel predigen darf oder Holger Apfel häßliche Anstecker in den Klingelbeutel wirft – wir erfahren es nicht.

Andere, hier freilich anonym bleibende Bürger, fordern, die Apfels, „gehörten ausgeschlossen“.

 „Eltern liefen Sturm. Mein Kind, fragen sie, soll mit Apfels Sproß im Religionsunterricht sitzen. Herr Pfarrer, rief mancher, tun Sie doch was!“

Frau Apfel (obwohl von „den Gläubigen“ „geschnitten“) darf zwar Familiengottesdienste vorbereiten und mit Gemeindekindern Plätzchen backen, aber Kauder beruhigt: „Niemals (!) lassen wir Frau Apfel aus den Augen. Trifft sie auf Kinder (!), passen wir auf.“

Machowecz, nachdenklich: „Menschen wie die Apfels nicht gleich zu verstoßen – dies ist der Kurs des ganzen Bistums.“ Immerhin (und dieser Absatz ist so formuliert, als hoffe man, die Eltern Apfel ins gewiß zutiefst antisemitische Mark zu treffen)  gebe es Hoffnung: Der Sohn der Apfels habe schon mal „begeistert“ das „jüdische Liedchen Shalom Chaverim“ mitgesungen. Vielleicht seien also wenigstens die Kinder zu „retten“.

Pfarrer Kauder habe, obwohl sich „die Stadt (6% Einwohner Riesas sind katholisch, EK) danach das Maul zerriß“, den Apfels im üblichen Rahmen des Erstkommunionunterrichts sogar einen Besuch abgestattet. Für Kauder, der sich zwar sorgt, daß die Neonazis ihn damit „instrumentalisieren“ nichts Besonderes, er ist ja auch Gefängnisseelsorger: „Im Knast triffst Du Vergewaltiger.“

Was konkret dieser als derart unangenehm und lästig geschilderten Familie vorzuwerfen ist, bleibt unklar. Die Apfels scheinen eine kreuzbrave Familie zu sein, juristisch unbescholten, das Gemeinste, was Holger Apfel vorzuwerfen ist, ist die Verwendung des Begriffs „Wohlstandsneger“ in einer Rede.

Im Rahmen der Berichterstattung über die NSU hatte Autor Machowecz schon mal mit aller Gewalt versucht, Holger Apfel zum Unhold zu schreiben, damals formulierte er:

 „Fotos belegen, dass sich Apfel und Zschäpe während der Demonstration allenfalls zehn Meter entfernt voneinander aufhielten.“

Er vergaß dabei zu erwähnen, daß der Termin dieser Demo weit vor dem ersten Mord lag (von dem wir ja immer noch nicht wissen, wer ihn eigentlich begangen hat).

Die meisten der Leserkommentare, die auf Machoweczs Artikel über die Katholiken Apfel eingingen, finden die Haltung des nazigeplagten Pfarrer zu lasch. „Miofrio“ erklärt etwa, „Mitglieder der NPD“ seien

„und waren an Morden beteiligt und Holger Apfel verehrt Adolf Hitler und die Verbrechen der Nazis im 3. Reich. Ich glaube, der Pfarrer weiß nicht was er tut. Man muss diese Leute ausschließen, denn diese Menschen wollen Krieg und Vertreibung – niemals Nächstenliebe.“

Und „otto b“ hält es auch für geradezu zusätzlich belastend, daß ausgerechnet solche jüdischen Lieder gesungen werden: Er würde (ironiefrei!)

„das Lied im geistigen Kosmos der zionistischen Bewegung ansiedeln. Und die ist ja durchaus auch „rechts“. National, auf die eigene Gruppe bezogen. So weit auseinander steht man da ja eigentlich garnicht.“

Eins jedenfalls ist klar: Plätzchen backen, Lieder singen – Familie Apfel kann gar nichts richtig machen. Auch, daß das Ehepaar in Pfarrer Kauders Gegenwart „nie rassistisch redet“ ist nur ein Beleg für ihre Hinterhältigkeit: „Die sind aalglatt. Darauf trainiert, sich immer herauszuwinden.“
 Pfarrer Kauder, Martin Machowecz und der Katholik Holger Apfel

41 Kommentare zu „Pfarrer Kauder, Martin Machowecz und der Katholik Holger Apfel“

  1. Dema Goge

    Warum sollte ‚otto b‘ seine Bemerkung ironisch gemeint haben müssen?

    Er spricht doch genau den polito-logischen Kern der aktuellen
    ‚links‘ – ‚rechts‘ Auseinandersetzung an; denn wie die nationalen Juden in Konflikt mit dem ‚multikulturellen‘ imperium romanum geraten sind befinden sich heute die nationalen Deutschen im Konflikt mit der ‚Einwanderungsgesellschaft‘ der EU, deren Macht-Elite sich z.T. als BRD-Regierung tarnt, die aber ohne mit der Wimper zu zucken bereit ist das deutsche Volk für die Errichtung des imperium europäum – vielleicht nicht gerade zu opfern – aber mindestens zu ge/mißbrauchen womit sie sich diesbezüglich durchaus in der Nachfolge des ‚Größten Feldherren aller Zeiten‘ befindet dem ja bekanntlich auch dieser Vorwurf gemacht wird.

    siehe dazu: Der latente Antisemitismus des Rechtsextremismus-Vorwurfs von Josef Schüßlburner.
    http://www.links-enttarnt.net/?link=kommentare&id=35

    In Analogie zu dem von Gusatav Adolf Rein oder Peter Rassow nach 1945 geprägten Wort von der Entpreußung Deutschlands ist die gegenwärtige politische Phase mit ihren himmelschreienden Lügen und Ungerechtigkeiten einfach nur als Ent-Deutschung Europas zu begreifen.

  2. BJZ

    äußerst vielsagend: es brauchte nur knapp zwanzig jahre wohlstand, um die kirchen im osten vergessen zu lassen, wozu 150%tiger opportunismus führt – nämlich zu ebensolchen zuständen, unter denen die sie in der ddr am meisten zu leiden hatten. andererseits zeitgt es auch, wie bedeutungslos das christentum als moralische instanz geworden ist, wie abhängig die kirchen wieder vom staat sind. (was lissons these unterstreicht, das u.a. auf dem christentum fundierte abendland sei im grund vorbei.)

  3. Freidenker

    Wäre Herr Apfel aber ein türkischer Patriot (grauer Wolf),kein Mensch würde sich aufregen!
    Aber ach,er ist halt Deutscher……

  4. Lisje Türelüre aus der Klappergasse

    Liebe Frau Kositza,
    ich glaube, Sie sind nicht katholisch. Deswegen sage ich mal als Katholikin, in solchen Augenblicken kann man sich schämen, dazu zu gehören. Die größten Feinde der Kirche leben und lebten (das war immer so) in ihr, sind sogar Priester. Wie hier zu sehen ist.
    Zitieren wir Papst Benedikt: “ Sie (die Kirche) ist ein Netz mit guten und schlechten Fischen, ein Acker mit Weizen und Unkraut“.

    antwort kubitschek:
    doch, ellen kositza ist katholisch, indes – eher vorkonzilianisch.

  5. Karl Eduard

    Na, kann man nur hoffen, dieser gewisse Jesus war nie in einer Partei, die maßgeblich vom deutschen Verfassungsschutz inspiriert wird. Der Pfarrer hat wirklich eine Last zu tragen. So ähnlich muß es damals mit dem Aufkommen der Sozialdemokraten gewesen sein, überall haben die Gottlosen Zulauf. Ich weiß nicht, ob man sich über solche Leute noch aufregen sollte. Über diesen Journalisten nicht und über den Pfarrer auch nicht. Ja, wäre die Familie Apfel meinethalben kurdisch, der PKK zugehörig und propagierte die Errichtung eines Kurdenstaates auf dem Gebiet der Türkei, die Sympathie bei beiden Menschen, Pfarrer wie Journalist, wären ihnen wohl gewiss. Es muß schlimm für sie sein, das Angehörige einer in Deutschland legal zugelassenen Partei sich in Deutschland immer noch einfach so frei bewegen dürfen. So ist Demokratie und Rechtsstaatlichkeit nun aber wirklich nicht gemeint. Und dann haben sie noch nicht mal Leute ermordet oder zusammengeschlagen, sondern leben einfach so ihr Leben. Widerwärtig.

  6. Waldgänger

    Auf der Suche nach dem abgeschmacktesten, dümmsten, schmierigsten Zeitgenossen wird man unter „modernen Christen“ stets fündig.

    Bei aller berechtigten Empörung über den Umgang mit Familie Apfel, sollte sich das Mitleid mit NPD-Leuten in Grenzen halten. Dieser BRD-Antifaschismus legitimierende Geheimdienst-Popanz, der die debilsten Phantasien liberaler Spießer Wirklichkeit werden lässt verdient nur Ignoranz.

  7. Eberhard

    Wieviele genau den Ausschluß der Apfels fordern, erfahren wir natürlich nicht.

  8. Toni Roidl

    Was mich wundert: Die NPD sind doch gemäßigte Nazis, die einen moderaten Euro-Nationalsozialismus wollen. Normalerweise tritt die Kirche doch mit solchen Leuten in einen Dialog, oder?

  9. Novize

    Vielleicht hätte Pfarrer Kauder sich viel seelische Not ersparen können, in dem er gefragt hätte: Was würde Jesus tun?
    (Oh, sorry. Das tun ja nur amerikanische Fundamentalisten)

    Leider scheint es unter Geistlichen beider Konfessionen mittlerweile einen Wettbewerb zu geben, wer die Grundprinzipien Jesu am ärgsten mit Füßen tritt.

    Was predigt dieser Pfarrer eigentlich all sonntäglich von der Kanzel?
    Das hier anscheinend nicht:

    Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf daß ihr Kinder seid eures Vater im Himmel; denn er läßt seine Sonne aufgehen über die Bösen und über die Guten und läßt regnen über Gerechte und Ungerechte. Matthäus 5.44

    Wahrlich ich sage euch: Was ihr getan habt einem unter diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. Matthäus 25.40

    Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie. Johannes 8.7

    Aber Jesus sprach: Lasset die Kindlein zu mir kommen und wehret ihnen nicht, denn solcher ist das Reich Gottes. Matthäus 19.14

    Pfarrer Kauder sollte um Vergebung flehen, besonders für die Sippenhaft von Apfels Kindern.

  10. Arminius Arndt

    Seitdem die Hure Zeitgeist in die Kirchen Einzug gehalten hat, braucht man sich über nichts zu wundern. Die katholische ist zumindest in Rom noch teilweise bemüht, dies abzuwehren, aber der deutsche Teil der katholischen Kirche sollte sich ehrlicherweise doch endlich mit der evangelischen Kirche wieder vereinen – Das will sie doch insgeheim schon lange. Dann könnte sie das spielen, was die evangelische schon immer sein wollte (und im Kaiser- und dritten Reich fast war) – Staatskirche, die dessen Lied singt, dessen Brot sie isst.

    Zum Glück gibt es ja die Pius Brüder und die Internetseite der actio spes unica.

  11. Christian Lehmann

    Um es vorwegzunehmen: Ich halte die NPD – oder das, was wir von ihr zu hören und zu lesen bekommen – gegenwärtig nicht für politikfähig. Götz Kubitschek hat sich vor längerer Zeit hier detailliert dazu geäußert; ich stimme seiner Ansicht zu.
    Es ist aber immerhin denkbar (und historisch schon dagewesen), dass auch ein radikaler Club sich mäßigt, sich durch personellen Wandel und inhaltliche Erneuerungsprozesse mausert. Wenn die Apfels sich in ihrer katholischen Kirchengemeinde engagieren statt neuheidnische Germanenfeste zu feiern (was die ZEIT wahrscheinlich von einem ordentlichen Nazi erwartet), dann könnte das ja auf eine Bewegung der NPD unter ihrer neuen Führung hindeuten. Nehmen wir einmal an, in dieser Partei würden die Hitleristen allmählich von Leuten verdrängt, die lieber zusammen mit Herrn Broder, Herrn Sarrazin und dem Papst anpacken wollen, das Abendland zu retten, als kahlgeschoren um die Häuser zu ziehen und Hakenkreuze an Hauswände zu kritzeln – wäre das nicht eigentlich zu begrüßen? Ich weiß: Für die ZEIT und ihr Klientel kann es nur die Lesart geben, dass Frau Jasmin lediglich zur Tarnung Apfelkuchen backt, um den Kindern über der Rührschüssel fiese „menschenfeindliche“ Parolen einzuflüstern, und er, der Holger, mühsam harmlos tut, ein türkenfressender Wolf, der Kreide geschluckt hat. – Abwarten: Es wird sich zeigen, wohin die NPD steuert.
    Völlig asozial darf man sich aber wohl das Verhalten der gutmenschlichen Gemeinde gegenüber Apfels Kindern vorstellen. Darf man da zum Kindergeburtstag hingehen? Wahrscheinlich nicht. Was sollen denn die Leute denken!

  12. Wien 1683

    Mal angenommen, es hat diesen Jesus vor über 2000 Jahren wirklich gegeben, und die Geschichte mit der Vertreibung der Geldwechsler aus dem Tempel hat stattgefunden, wie würde,nein müßte dieser Religionsstifter heute mit seinem Bodenpersonal bei einer solchen Geisteshaltung umgehen?
    Das die christlichen Kirchen in Deutschland bzw. in Europa schwinden, hat schon seine Gründe, unter anderem siehe „Pfarrer Kauder, Martin Machowecz und der Katholik Holger Apfel“.
    Die Familie Apfel mag schon ein ganz besonderer Fall sein, es ist aber das grundsätzliche Auftreten diverser Kirchenvertreter in der Öffentlichkeit, wo ich geneigt bin zu sagen: die Kirche schafft sich ab.
    Wenn nun noch die die Verwaltung der Kirchen aus dem Karl-Liebknecht-Haus in Berlin erfolgen würde, es täte mich nicht überraschen.

  13. Dieser ZEIT-Artikel ist ein journalistisches Meisterwerk niederträchtiger Hetze und Denunziation – das kann man auch herauslesen, ohne die Apfels oder deren Partei zu kennen. Die Hetze im STÜRMER war dagegen plump und grobschlächtig, nach so einem Skribenten wie M. dürfte sich Julius Streicher die Finger geleckt haben: Einzelexemplare des Gegners öffentlich zur Sau machen, auch wenn ihnen nichts vorzuwerfen ist – zumindest in privater Hinsicht nicht.

    »Das Einzige, das bei uns braun werden kann, ist der Schokoguss.«

    Nunja, ihre braune Anpassungsfähigkeit hat die Kirche im NS bewiesen. Und bevor sich Vertreter dieser über eine Kontinuität der Apfels zu NS-Verbrechen echauffieren, sollte die eigene Kontinuität bzgl. Kreuzzügen, Inquisition und Hexenprozessen überprüft werden. Kauder & Co. könnten gleich bei sich anfangen: Zur Psychodynamik der Denunziation.

  14. Dema Goge

    Mag sein, daß es bei der NPD ‚Nazis‘ gibt – was immer man darunter verstehen mag.

    Das Problem sind aber nicht diese NPD-Nazis, sondern daß Problem sind die Nazis bei den Regierungsparteien CDU, SPD, Grünen und SED.

    Es sind einfach nur die Inhalte ausgewechselt worden – statt Dtld Dtld über alles nun unter alles, statt Reinrassigkeit nun Rassenmischung (denn um Kultur geht es beim sog. ‚Multikulturalismus‘ selbstverständlich nicht); aber die Methoden des politischen Kampfes (ideologische Ausbürgerung Andersdenkender) und die totalitären Denkstrukturen (Grund-Rechte mutieren zur Werte-Ordnung) sind diesselben geblieben.

  15. quer

    Es ist ganz offensichtlich, daß die Katholiken des deutschspachigen Raums protestantisch werden wollen und mit Rom nicht mehr viel am Hut haben. Am geschilderten Beispiel orientert man sich offenbar am Brauch der Politisierung der EKD, die seit langem (traditionell mit Ausnahme der „bekennenden Kirche“ !) dem Zeitgeist hinterherhechelt. Gleicher Weg, gleiches Schicksal. Der Anteil der leeren Kirchenbänke und der Austritte folgt im immer gleichbleibenden Takt den Protestanten. Je länger ich meine Noch-Glaubensbrüder als Katholik so betrachte, erscheint mir die Pius-Bruderschaft als eigentlich einzige unverfälschte Katholische Kirche in Deutschland, Schweiz und Österreich. Der Papst hat schon Recht: Gäbe es die Kirchensteuer von Napoleons Gnaden im deutschsprachigen Raum nicht (mehr), klärte sich vieles ganz von selbst: Einfach glauben….

  16. Schlußmitlustig

    Nö, Waldgänger, Christian Lehmann und Co.,

    wir diskutieren hier nicht über das Parteiprogramm der NPD, sondern über das Verhalten eines katholischen Pfarrers in Deutschland 2012.

    Verstehen Sie, es geht nicht darum, daß Apfel und die Seinen Gesetze übertreten hätten, das wäre Sache der Gerichte; es geht auch nicht um Grenzen des guten Geschmackes NPD-seits; es geht schlicht darum, daß es im »Kampf gegen rechts« keine Grenzen mehr gibt, die Sicherheiten bieten. In Sachsen rufen selbst Ministerpräsidenten und Oberstaatsanwälte anläßlich des 13. Februar zu Straftaten gegen Minoritäten, aber immerhin Bürger des Landes, auf, Pfarrer betätigen sich in einer widerwärtigen Weise gegen Mitglieder ihrer Gemeinde, die die Substanz angreift und die gleichgeschaltete Presse schnürt daraus das mundgerechte Paket mit dem entsprechenden Knüppelvokabular (Braune Ratten, brauner Sumpf etc.). Die Frage ist doch nur, wann es zu noch handfesteren Manifestationen kommt, solche, zu denen Pfarrer Kauder die Eisenstange reicht und MP Tillich den Segen.

    Aber möglich, daß man dazu in der schwäbischen Provinz, hinter sieben goldenen Bergen, auch zu ganz anderen Einschätzungen kommt.

  17. Ulla

    Es geht bei der Kampagne „gegen Rechts“ ja nicht um Abwehr tatsächlicher Gefahren für die „Demokratie“ – immerhin ist der Staat selbst über den Verfassungsschutz weitgehend involviert. Es handelt sich dabei um ein Machtinstrument. Jede abweichende Meinung soll im Keim erstickt werden. Gesinnungsschnüffelei ist wieder „in“!

    Am Falle der Fam. Apfel wird erneut ein Exempel statuiert. Immer nach dem Motto: „Schaut her! Morgen stehst auch du am Pranger.“ Es ist die Macht, die mit Angst und Drohungen arbeitet und sich nicht scheut, die Kinder dieser Familien mit einzubeziehen.
    Es gebührt dieser Seite Dank, daß sie derartige Fälle aufzeigt. Unsere (Leser) Aufgabe muß es sein, diese Dinge weiter zu verbreiten.

  18. Ira

    Das artige Kirchgängerverhalten der Apfels läßt ein wenig Stolz vermissen. Ich würde mich nicht einer Gemeinschaft anbiedern, die mich und meinesgleichen offensichtlich nicht haben will und deren gleichgeschaltete Einfältigkeit ihre Gegenwart ohnehin schwer zu ertragen macht.
    An Herrn Lehmann: Über die NPD sollte man ruhig öfter diskutieren, für mich hat die Partei richtige Ideen, aber viel falsches und wenig gutes Personal, was aber auch nachvollziehbare Gründe hat (und ich weiß nicht, wozu Herr Apfel gehört). Zu glauben, daß die NPD so allmählich/ irgendwann auf PI Linie schwenkt, ist aber wohl ein – schlechter – Witz. Herr Broder ist übrigens eine Karikatur.

  19. persona non grata

    Ich empfehle dem Pfarrer Mt.7,1-5 zu lesen.

  20. quer

    „Ich würde mich nicht einer Gemeinschaft anbiedern, die mich und meinesgleichen offensichtlich nicht haben will…“

    Ein Kurzschluß.
    Wer da glaubt, dem kann keiner die Tür weisen; sei es ein Mörder, ein Dieb oder ein Politiker. Jedenfalls mißversteht oder handelt hier ein Priester gegen ein grundsätzliches Gebot seines (vermeintlichen??) Glaubens. Hat etwa Jesus Maria Magdalena verstoßen? Ist im NT jedenfalls anders beschrieben. Wäre die hiesige Kirche noch katholisch und irgendwie mit Rom verbunden, dann müßte der zuständige Bischof diesen Theologen suspendieren. Aber sind Bischöfe hierzulande noch wirklich katholisch?

  21. Dema Goge

    ‚„Sachsen muss diesen braunen Dreck loswerden“,
    sagte Tillich gestern unter ausdrücklichem Verweis auf die seit 2004 im Landtag vertretene NPD, deren Verbot der Freistaat anstrebt.‘ (Dienstag, 31. Januar 2012, Sächsische Zeitung.)

    http://www.freiepresse.de/NACHRICHTEN/SACHSEN/Sachsen-muss-den-braunen-Dreck-loswerden-artikel7892024.php

    Das ist nicht der Jargon irgendeines halbstarken Schülers, das ist die öffentliche Aussage des obersten sächsischen Staatsdieners (Minister-präsident – gern auch als Landesvater bezeichnet) !!! – gegenüber einer Partei die 2004 immerhin ein knappes Zehntel der Wählerschaft Sachsens auf sich vereinigen konnte.

    Das nennt man dann wohl spalten statt versöhnen – aber natürlich alles im Namen der Toleranz.

  22. Moroder

    Ersetze „Familie Apfel“ durch „Familie Rosenduft“. Alles könnte sich an gleicher Stelle genauso abgespielt haben vor 75 Jahren. Wie soll man, wenn man das einmal erkannt hat, nicht zum Misanthrop werden?

  23. Novize

    Es geht hier im Moment nicht um die NPD.

    Es geht darum, das ein geistlicher Würdenträger in einer, meines Wissens, noch nie da gewesenen Selbstgerechtigkeit alle, aber auch wirklich alle Grundsätze christlichen Glaubens in den Dreck getreten hat.

    „So ziehet nun an, als die Auserwählten Gottes, Heiligen und Geliebten, herzliches Erbarmen, Freundlichkeit, Demut, Sanftmut, Geduld; und vertrage einer den andern und vergebet euch untereinander, so jemand Klage hat wider den andern; gleichwie Christus euch vergeben hat, also auch ihr.
    Über alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.“
    Kolosser 3,12

    Welche Sinn haben für Pfarrer Kauder solche Verse noch.
    Er sollte auf sein Angesicht fallen und bitterlich weinen.

  24. erwalf

    - Was in dieser Woche über deutsche katholische Bischöfe und Pfarrer zu lesen war, ist nur etwas weniger widerlich und unchristlich als das, was in den letzten Jahren über einige Angehörige dieses Berufsstands zur Kenntnis genommen werden mußte.
    - Wo bleibt die Dialogbereitschaft der Kirche? Nicht mehr nur mit dem Islam soll der Dialog geführt werden, sondern jetzt auch mit gemäßigten Islamisten und Taliban; aber mit bestimmten eigenen Gemeindemitgliedern sind solche Dialogträumer zum Gedankenaustausch nicht in der Lage. Das ist ein geistiger und menschlicher Offenbarungseid.
    - Ich kann mich noch daran erinnern, daß in den Medien, als Herr Vogt an die verfassungsgeschützte Parteimacht kam, verschärft die Radikalisierung und Nazifizierung der NPD angeprangert wurde. Die auch zuvor schon scharf angegriffene Partei seiner Vorgänger wurde hingegen plötzlich als ehemals harmloser Altherrenclub beschrieben. NPDler und wahrscheinlich auch andere Nicht-Linke können offenbar machen, was sie wollen, sie sind in den Augen von pharisäerhaften, teuflischen Staats- und Kirchenleuten auf jeden Fall des Teufels.
    - In die Kirche geht man nicht in erster Linie, um nette Leute zu treffen, um mit Gemeindemitgliedern Kuchen zu backen oder um sich voller Stolz gegenüber den anderen zu behaupten, sondern um Gott anzubeten!

  25. Milch und Honig

    Ich möchte an dieser Stelle noch an eine herausragende Stimme des Katholizismus erinnern.

    Hans Milch!

    Zum Thema: Mensch und Massendemokratie

    http://www.youtube.com/watch?v=4iHaKy8osaA&feature=related

  26. Deutscher W.

    Nicht so ganz ernst gemeint:

    Ich sah heute zufällig auf Phoenix einen Bericht über die neuesten Ermittlungen in Sachen NSU und Zwickauer Terrorzelle.
    Der Moderator brachte dann den letzteren Ausdruck im ersten Anlauf nicht einwandfrei über die Lippen und setzte zu so etwas an wie Terrauer Zwi… Bei späteren Netzrecherchen fand ich dann auch den Wortwitz wieder: Terrauer Zwickerzelle.
    Es kann sein, dass sich dabei hier einige nur ein müdes Lächeln abringen können, ich fand aber den Versprecher doch tiefschürfend schön und passend zur Kauder-Apfel-Story: Familie Apfel, wenn nicht Sympathisanten der Zwickauer Terrorzelle, so doch der Terrauer Zwickerzelle. Passt das nicht zur Lächerlichkeit des ganzen Gebarens? Freilich, Familie Apfel wird nicht so richtig lachen können.

    Schon ernster:

    Das Brodeln im religiösen Untergrund sollte man nicht unterschätzen, sondern schätzen. Wenn von Ausnahmen abgesehen in den christlichen Kirchen und Gruppen kaum ein Erneuerungsansatz abendländischer Kultur zu erwarten ist, so liegt es doch nahe auf die Neopaganen zurückzugreifen oder auf die Deutschen Unitarier. Gerade die neopaganen Umbrüche der letzten Jahre verweisen auf einen neuen Geist, auf neue Spiritualität und Transzendenzerfahrung, eventuell auch mit Anschlüssen an z.B. Evolas Überlegungen. Deute das hier nur kryptisch-thetisch an, schreibe gern mehr, wenn gewünscht, schreibe als getaufter Katholik und Noch-Mitglied der römisch-katholischen Kirche.

  27. Ira

    @queer
    Der Vorwurf an den Pfarrer ist natürlich absolut berechtigt, und auf solch ein Verhalten kann man auch immer wieder hinweisen, aber unsere reale Kirche und ihre Leutchen hier, die fleischgewordene hasenfüßige PC (oder nicht mal das), die kennen wir doch… wer möchte da noch dabei sein?
    Sollen sie doch ihre eigene Kirche gründen. Aber vielleicht ist ihr Auftreten dort auch eher als PR gedacht. Ich würde das lassen.

  28. Toni München

    In der Vergangenheit habe ich mich gerne lustig gemacht über die linke schamlose Schämkultur, in der sich die guten deutschen Nachgeborenen mit tiefer moralischer Betroffenheit und vorlauter Überheblichkeit und am liebsten vor eingeschalteten Mikrophonen für die Taten Ihrer bösen Vorfahren schämten und schämen.

    Angesichts aktueller Beispiele, wie der beschriebenen Causa „Familie Apfel“, spüre ich aber immer heftiger, wie ich in den letzten Jahren selber anfange, mich abgrundtief zu schämen, nämlich als Katholik und Deutscher für diese feigen, opportunistischen, charakterlosen Zeitgenossen. Man denke bloß an das deutsche Führungspersonal der Protestanten.

    Dass jetzt auch die katholischen Kleriker in Deutschland bei diesem menschenverachtenden Diskriminierungs-Mobbing gegen die einheimischen „Schmuddelkinder“ der freiheitlichsten Demokratie der Welt mit gutem Gewissen und der Moralkeule eindreschen und das Opfer samt seiner Familie benennen, stigmatisieren und freigeben!

  29. Arminius Arndt

    @Deutscher W.:

    Welche Überlegungen Evolas meinen Sie?

    Guenon wechselte nicht ohne Grund zum Islam … auf diese Form der integralen Tradition möchte ich aber gerne verzichten.

    @Milch und Honig:

    Hans Milch ist immer wieder eine Quell der Erbauung – daher auch mein Hinweis auf die Internetseite der actio spes unica … und das sage ich als Noch-Mitglied der evang. Kirche, die eine „bekennende Kirche“ 2.0 bitter notwendig hätte.

    Ich glaube aber, dass es in Rom und auch beim Pabst langsam „Klick“ gemacht hat, was für einen Schatz sie mit der Aufgabe der tridentinischen Messe verloren haben. In ihr ist der Priester noch Pontifex, also Brückenbauer, der selbstredend der Herde voran, und damit mit dem Rücken zur Gemeinde, sich dem Heiligsten nähert.

    Das ist Gottesdienst, bei dem alle zusammenfinden, da sie alle auf ein Ziel ausgerichtet werden, dem Heiligen. Es spielt dann eine irdische Parteizugehörigkeit keine Rolle mehr, auch nicht, ob man sich untereinander „mag“ oder nicht. Der Verlust des Heiligen hat zur Folge, dass der Priester zum Pfarrer wird, sich der Gemeinde zuwendet und Gott abwendet und damit zum Pharisäer wird, der der Gemeinde nicht Hirte und Lehrer mehr ist, sondern zu deren Treiber und Oberlehrer wird. Man könnte dazu noch viel mehr schreiben und sehr vieles von Herrn Milch zitieren, aber dass ein katholischer Priester nicht auf die Kraft der heiligen Messe vertraut und meint, es in eigener Regie machen zu müssen, dokumentiert den Verlust des Heiligen aufs vollste und zeigt die Hybris, die stattdessen bei „Gottes Bodenpersonal“ eingekehrt ist … Tue Buße und zeige Demut, lautet da die Parole, auch wenn bis Aschermittwoch noch etwas Zeit ist.

  30. Löffelstiel

    Keineswegs heißt es in dem Gebot, wie in der neudeutschen Übersetzung ‚Du sollst nicht lügen‘, sondern: ‚Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deines Nächsten‘: Demnach Denunzierung, Verrat, Verleumdung, Brandmarken, an den Pranger stellen eine Sünde ist. Geweihter Priester Kauder beichten Sie?

  31. -tho-

    Kleine Ergänzung / Richtigstellung. Holger Apfel braucht man nicht mehr aus der Kirche zu werfen, denn er ist schon vor einigen Jahren selbst ausgetreten, wie er in einer Pressemitteilung der sächsischen NPD-Fraktion erklärte:

    „Da in dem Beitrag zudem der Eindruck erweckt wird, ich selber engagiere mich ebenfalls in der Riesaer Kirchengemeinde St. Barbara, möchte ich klarstellen, daß ich mich als areligiöser Mensch weder dem Christentum noch dem Neuheidentum oder einer anderen Religion zugehörig fühle. Ich bin bereits vor 21 Jahren aus der sich immer stärker dem politischen Zeitgeist anbiedernden Amtskirche ausgetreten. Ich halte es allerdings ganz mit Friedrich dem Großen, der sich gerade dieser Tage angesichts des Werteverfalls von Politik und Kirche wohl im Grabe herumdrehen dürfte. Da ich – wie der große Preußenkönig – der Auffassung bin, daß ein jeder nach seiner Fasson selig werden möge, akzeptiere ich selbstverständlich den Wunsch meiner Frau, unsere Kinder auch im christlichen Glauben zu erziehen.“

    http://www.npd-fraktion-sachsen.de/index.php?s=3&aid=1642

  32. quer

    @ Arminius Arndt

    „……was für einen Schatz sie mit der Aufgabe der tridentinischen Messe verloren haben.“

    Das ist in der Tat genau der Punkt/Zeitpunkt, wo die Herde auseinanderzulaufen begann und die Verwirrung einsetzte. Und genau ab dann begann der Prozeß, wo die Hirten der Herde das Hüten verweigerten. Ich kannte Hans Milch persönlich. Seine Worte und Wegweisungen haben dauerhaft im Hintergrund gewirkt.

    Jahrzehnte später, nach zwangsweiser Abstinenz, entdeckte ich die tridentinische Messe wieder und die spärlichen Gelegenheiten zu ihrer Feier. Es war wie eine Heimkehr aus der Fremde und ich werde diese Heimat sicher nicht mehr verlassen. Geholfen dabei hat mir auch meine Vergangenheit als Ministrant in den 50er und 60er Jahren.

    Abgesehen davon: In allen besuchten Kirchen mit sog. „modernen“ Messen fällt die gähnende Leere auf. Bei den tridentinischen Messen hingegen sind die Kirchen voll. Mit Menschen aller Altersstufen und aus allen Ländern. Es ist immer wieder beeindruckend und macht Hoffnung.

  33. Biobrother

    Nun ja, die katholische Kirche steht als weltumspannende Kirche ja immer wieder mal vor der Frage, wie sie mit problematischen Schäfchen umgehen soll, die in irgendeinem Punkt nicht so recht in die heil(ig)e katholische Welt passen. So dürfte jedem Kölner noch die Geschichte um das 1996 aus dem Domschatz gestohlene Vortragekreuz in Erinnerung sein, das schließlich durch Vermittlung der Kölner Unterweltgröße Heinrich Schäfer, genannt Schäfers Nas, wiederbeschafft wurde (merke: die Kölner Unterwelt ist katholisch, hier ist Köln also wirklich die nördlichste Stadt Italiens). Und auch im streng katholischen Italien und erst recht auf Sizilien ist die Mafia in der Regel gut katholisch und wird von der Kirche dann mit so drakonischen Maßnahmen wie dem Verbot, beim Tragen des Himmels mitwirken zu dürfen, bestraft. Insofern mögen die Ausfälle gegen Familie Apfel wohl tatsächlich als zeitgeistiges „Mit Kanonen auf Spatzen schießen“ durchgehen.

    http://www.domradio.de/aktuell/54585/schaefers-nas-bitte-kommen.html

    (siehe letzter Absatz, der Artikel ist aber auch sonst ganz lesenswert)

  34. Deutscher W.

    @Arminius Arndt

    Bei Evola finden sich – cum grano salis, da kommt freilich meine Ausdeutung hinzu – etwa in dem Werk „Heidnischer Imperialismus“ – folgende Überlegungen:

    Evola geht von einem in einem breiten eurasischen Bogen (Indien, Iran, Griechenland, frühes Rom, germanische Stämme, Stammesverbände) „ursprünglich“ – in vorchristlicher und heidnischer Zeit vorliegenden Priester- und Sakralkönigtum aus. In hierarchischen Gesellschaften stand eine quasi visionäre Kaste an der Spitze, Menschen, die anderen überlegen erschienen, weil sie authentisch Transzendenzerfahrungen pflegten und einen Kontakt zu einer höheren kosmischen Ordnung herzustellen schienen. Fassbar sei dieser Kontakt etwa auch in hermetisch-alchemistischer Tradition, in der Auslegung von Symbolen (in Evolas Lesart ist Alchemie eben nicht eine spinnert-unterbelichtete frühe Chemie – eine typisch progressistische Fehldeutung eines geistesgeschichtlichen Phänomens, das unsere Vorfahren zu Primitiven ohne geistiges Format deklariert, sondern letztlich symbolische Gotteserkenntnis).
    Die Eliten mit den ihnen zugeschriebenen magischen Kräften werden nach Evola etwa greifbar in den Heroen und Halbgöttern der alten Griechen. Jene Theseus, Herakles und so weiter dürften einen historischen Realgrund in der Überzeugung des Volkes gehabt haben, dass sie charismatische Menschen waren, die eher als andere den Kontakt zur kosmischen Ordnung herzustellen vermochten. (Es gehört sicher nicht viel dazu, solch eine These aufzustellen; allerdings ist mitzudenken, dass eben die frühen Quellen der Religionsgeschichte – nach Evola oder auch Eliade – authentisch und direkt aussagefähig sind, dass sie sich also nicht Priesterbetrug und blanker Ideologie einer materiell-ökonomisch-sozial-militärisch herrschender Klasse verdanken.)
    Der Konnex zwischen katholischem Monotheismus und den heidnischen Sakralkönigen und Priestern liegt nun nach Evola im Folgenden: Zwar steht der christliche Monotheismus mit seinem Ethos von Barmherzigkeit, Verzeihen, Mildtätigkeit, Caritas dem heroisch-asketischen altheidnischen Ethos einer Priesterelite oder Sakralkönigselite diametral entgegen, aber das ist Oberfläche. Die katholische Kirche erbt etwas vom altheidnischen Ideal. Nach Evola ist dies vor allem ghibellinisch greifbar – im Kaisertum des Mittelalters und im Selbstverständnis der Eliten des Heiligen Römischen Reiches. Es lebt dann weiter im preußisch-deutschen Politikverständnis, ja der Furor der OHL im 1. Weltkrieg zeigt nach Evola noch etwas, eine Spur von Heiligkeit in Verbindung mit Hierarchie und politischer Elite.
    Man mag das alles für lächerlich entlegen halten, für sehr gewagte Deutung der Geschichte, sicher lege ich hier keine wissenschaftliche Abhandlung vor, sondern eine Anverwandlung der Evolaschen Thesen à la Deutscher W. Aber im Wesentlichen dürfte das Evolas Geist entsprechen.
    Evola selbst sah ja auch die Wiederbelebung von Hierarchie, elitärer Transzendenzerfahrung für aktuell unrealistisch an. Das Vorbereiten künftiger Wiederbelebung sah er in einem gleichsam asketisch-mönchischem Pflegen der Tradition. Ein vielleicht eigenes Feld bildet dabei seine Rezeption des Taoismus, der ja Religion, Magie, Ethos und Philosophie kombiniert. Der Taoismus gilt ja als traditionelle Haltung der Chinesen in Krisenzeiten – wegen seiner Offenheit für die Mystik, weil der Konfuzianismus nur für gute, bessere Zeiten tauge, in denen man authentisch die offiziellen Mainstreamregeln befolgen kann.
    Worauf aber läuft diese Geschichtsinterpretation Evolas eigentlich hinaus: Da steht offenbar ein erstrebte Gesellschaft am Ende, in der jene charismatische Elite so frei ist, dass sie ihre Transzendenzerfahrung voll entfalten kann – und erst dann kommt die Caritas ins Spiel. Die Elite soll dann alle Menschen an ihrer Erfahrung teilhaben lassen. – Und was ist mit Machtmissbrauch der Elite? Vielleicht würde Evola antworten, dass die mit dem unechten, falschen Regiment, die Betrüger allemal – gewaltsam – und zu Recht – gestürzt werden.

    Ich hoffe, dass diese eine halbwegs befriedigende Antwort ist – vom Altheidentum führen Wege zum Neopaganismus – über ein ghibellinisch verstandenes Christentum, das sich etwa in spezifisch deutschen politischen Traditionen fortgeschrieben hat.

    Das klingt vielleicht alles wie arrogantes Evola-Oberseminar für Einsteiger. Wahrscheinlich wissen Sie, sehr geehrter Arminius Arndt, bei weitem besser über die Theoriebildung Evolas Bescheid. Aber nach meinem schlichten Verständnis sind die erwähnten Linien seiner Gedankenführung doch nicht eben mal schnell vom Tisch zu schieben.

  35. Christian Lehmann

    @ Schlußmitlustig:
    Sie haben recht, es geht in erster Linie darum, daß die „katholische“ (also „allgemeine“) Kirche grundsätzlich nicht auszugrenzen hat. Es kann in der Kirche keinen Unterschied zwischen „guter“ oder „schlechter“ Ausgrenzung geben. Immerhin gibt es sogar das sog. Kirchenasyl, den Schutz vor weltlicher Verfolgung im Kirchenraum, und in jedem Gottesdienst bittet der Pfarrer den Herrgott: „Führe auch alle Söhne und Töchter zu dir, die noch fern sind von dir“.

    Gleichwohl ist auch die Frage interessant, was diejenigen Söhne und Töchter, die eigentlich fern sind von der Kirche, dort wollen. Einen Sprengstoffgürtelträger wünsche ich mir nicht im Weihnachtsgottesdienst. Aber im Falle der Äpfel möchte ich eben dafür plädieren, zunächst einmal Annäherungsbereitschaft zu unterstellen – aus welchen strategischen Erwägungen auch immer. Die wäre wünschenswert.

    bemerkung kubitschek:
    ich muß Ihnen sagen, daß es mir schwerfällt, Ihren kommentar freizustellen – wieso unterstellen Sie frau apfel und Ihren kindern strategische erwägungen? gehen Sie aus strategischen erwägungen in die kirche? in meiner heimatstadt sagte man früher, daß die ortsprominenz aus strategischen erwägungen samt gattinnen bei konzerten stets die erste reihe besiedle, am besten noch die loge. meinen Sie, das sei in der katholischen diaspora in riesa auch so? ich verstehe – wie immer – diese ganze kopfgeburtige kompliziertheit nicht.

  36. Tom Bombadil

    Tja, Priester, die tatsächlich noch den wahren Glauben selbst glauben, leben und predigen findet man in der Amtskirche bzw. der Konzilssekte leider immer seltener. Frau Apfel sollte sich mit ihren Kindern auf die Suche nach traditionellen Gemeinden machen. Dort würde sie ungeachtet der polit. Gesinnung ihres Mannes als Mensch behandelt werden. Denn auch heute gibt es noch Katholiken, die das im Alltag ganz selbstverständlich praktizieren, was ihr Glaube verlangt. Das gilt für Apfels, wie für Schmitts oder Kostalewskis.

  37. Oswaldo

    Hallo Herr Kubitschek,

    Besserwisser Oswaldo ist wieder da!

    Und findet: Lasst die Kirche im Dorf. Natürlich ist ein solcher Geistlicher eine Witz. Und natürlich ist es unchristlich.

    Aber es hilft nicht, die NPD zu bemitleiden, grummelt der Oswald.

    Weil die Marke versaut ist! Birkel-Nudeln!

    Nur dass hier tatsächlich zur Zeit des politischen Markterfolgs einige nachweisbar schlechte Zutaten drin waren…

    Sie berichten dauernd über die armen Menschen, die heute meinen, immer noch politische Birkel-Nudeln verkaufen zu müssen – und regen sich über die schäbigen Kleinbürger auf, die mit diesen böse umgehen.

    Man fragt sich warum. Die Sache ist tot.

    Der Oswald findet, man muss auf die KOMMENDE Bewegung Einfluss nehmen. Er selbst hat (obgleich durchaus monarchistisch gesinnt) seinerzeit NICHT die armen Monarchisten verteidigt, sondern den preußischen Sozialismus vorgedacht.

    Nach vorne blicken!

    Man sollte besser darauf einwirken, dass der sich online vernetzende Bürger die Piratenaugenklappe auf das linke Auge setzt. um rechts klar zu sehen…

    Ich leg mich wieder hin.

  38. Christian Lehmann

    @ Kubitschek:
    Nun fällt es mir wiederum etwas schwer, Ihren Einwand nachzuvollziehen. Den Begriff „Strategie“ gebrauche ich wertfrei im verhaltenswissenschaftlichen Sinn: Eine Handlung mit einem bestimmten Ziel. – Wenn ein Parteivorsitzender und seine Frau, die ebenfalls Parteifunktionärin ist, sich öffentlich sozial betätigen, dann ist dieses Engagement nie rein privat, sondern auch politisch. Für die Mitwirkung in der Kirche gilt das viel mehr als für einen Konzertbesuch, denn Kirche hat etwas mit Weltanschauung zu tun. Man setzt ein Zeichen, wenn man dort hingeht, erst recht als politisch prominente Person. Wie würden Sie es bewerten, wenn Herr Gysi in einen Bibelkreis gehen würde?
    Nach meiner Einschätzung ist die Weltanschauung der NPD mehrheitlich sehr weit von der der christlichen Kirchen entfernt – aber vielleicht irre ich mich da auch. Jedenfalls finde ich die Frage wichtig: Was wollen die Apfels dort erreichen? Wenn es um ein Zeichen der Annäherung an die gesellschaftliche Mitte geht, dann sollte man das begrüßen. Um diese Frage zu beantworten, wäre es freilich am besten, der „ZEIT“-Redakteur würde Herrn und Frau Apfel fragen: Was bedeutet Glauben, was bedeutet Kirche für Sie? Und welche Erfahrungen machen Sie in der Kirche? Wie begegnet man Ihnen dort? – Dazu dürfte der ZEIT allerdings das Rückgrat fehlen. Man spricht nicht mit den Bösen, man spricht nur über sie.
    Wie auch immer: Ich hoffe sehr, dass alle Beteiligten fair genug sind, den Kindern in dieser Gemeinde ein normales Miteinander zu ermöglichen.

  39. Partisan

    Eigentlich geht es hier um die NPD nur am Rande. Hier will eine ganz nor-
    male Familie ihr ganz normales Leben leben führen, und das will dieser sogenannte Seelsorger der Familie nicht gestatten!
    Dieser sogenannte katholische Pfarrer sollte des öfteren in der Bibel lesen
    und dann darüber nachdenken, ob er vielleicht den falschen Beruf aus-
    übt! Dieser sogenannte Pfarrer ist eine in jeder Hinsicht jämmerliche
    Figur! Die Höflichkeit verbietet mir, einen anderen Ausdruck für sein Ver-
    halten zu wählen!

    Grüß Gott

  40. Agricola

    Die jahrzehnterlange Verteufelung rechter ( vulg. nationalistischer oder rassistischer) Gesinnung – infolge der Umerziehung zu guten Demokraten- hat die BRD-Gesellschaft in eine Ausgrenzungsgesellschaft ( Im Dritten Reich wurden die Feinde der „Volksgemeinschaft“ auch ausgegrenzt!)verwandelt, die, wie in allen „westlichen Wertegemeinschaften“ antiindividualistische und antiliberale Standpunkte generell politisch ächtet und dadurch eine Progromstimmung gegen den politischen Feind erzeugt. Wir haben es hier mit einer systematischen, von den Feinden der Freiheit des Deutschen Volkes, erzeugten neuen Art Inquisition zu tun, die aber erst begonnen hat. Das lässt noch viel Schlimmeres befürchten, wenn das System weiter an Subtanz und Zustimmung verliert infolge der Weltfinanzkrise!

  41. Asenkrieger

    Hier gibt es nur eines: Solidarität mit den Apfels! Dieser menschenverachtende Umgang mit Mann, Frau und Kindern zeigt, wieweit wir schon sind. Wäre es ein Linker oder Ausländer würden alle jene „gesellschaftlich relevanten“ Organisationen wie ein Mann dagegen aufstehen.

    Dieses Land ist schon totalitärer, als wir alle wahrhaben wollen. Wenn man ein solches Klima erzeugt, ist es nicht weit bis zur Pogromstimmung und Hexenjagd. Die sog. „Antifa“ macht dann nur noch die Drecksarbeit.

    Schlimm ist, daß sich hier die „Mitte“ der „Gesellschaft“ daran beteiligt Menschen zu stigmatisieren und auf jegliche Art existentiell zu schädigen. Das ist kein spezifisches Problem eines NPD-Funktionärs, das ist ein Problem, das jeder von uns morgen schon haben kann. Bewegen wir uns und erheben wir unsere Stimmen gegen diese Zumutungen! Wir sind keine Schlachtlämmer, die man willenlos zur Schlachtbank führt.

Diskussion geschlossen. :-)