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Militärgeschichte ohne Identität – das neue Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden

zerhacken 84x130 Militärgeschichte ohne Identität   das neue Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresdenvon Felix Springer

Nach fast einem Jahrzehnt des Umbaus öffnete im vergangenen Oktober die neue Dauerausstellung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr in der Dresdner Albertstadt ihre Pforten dem interessierten Publikum. „Provokant“ zu sein ist einer der kuratorischen Ansprüche der Museumsleitung, „ehrlich“ will man eine „Kulturgeschichte organisierter Gewaltverhältnisse“ präsentieren und damit das Militärhistorische Museum „neu erfinden“. Man müsse sich nämlich nach neuen „Gesetzmäßigkeiten“ ohne Pathos „kritisch mit dem Thema auseinandersetzen“ meint der Direktor des Museums, Oberst Rogg.

Die militärhistorischen Museen unserer gegenwärtigen Verbündeten dienten dabei ausdrücklich nicht als Vorbild – anders als die martialischen „Waffenschauen“ in Paris oder London erhebt man in Dresden den Anspruch einer „Reflektion über das Thema Gewalt.“ Das augenfälligste Ergebnis dieses Anspruches ist Daniel Libeskinds Stahlkeil an der Fassade des Baus, der bewußt gewaltsam die Symmetrie des alten Arsenalgebäudes unterbricht und symbolhaft „einen Keil in die Tradition treiben“ (NZZ) soll. „Der Keil als Symbol organisierter Gewalt. Er bricht mit alten, autoritären, starren Strukturen und steht in seiner Transparenz für die Offenheit der demokratischen Gesellschaft und die veränderte Rolle des Militärs in Deutschland.“ (MHM)

„Ein Antikriegsmuseum könnte man das Haus nennen“, kommentierte die Deutsche Welle die neue Ausstellung und fragte, was die Bundeswehr eigentlich dazu treibt „sich selbst in großem Stil in Frage zu stellen.“ Die taz hingegen war wahrscheinlich zum ersten Mal in ihrer Geschichte vorbehaltlos überzeugt von einem Großprojekt der deutschen Streitkräfte und freute sich, dass das Museum „Militaria-Fans“ und „Ballerfans“ nicht begeistern, sondern „heilsam (sic!) enttäuschen“ wird, indem es das „vermeintliche Heldentum“ der Schlachtfelder nicht als solches ausstellt. „Legt man einen historischen Durchschnitt der Armeen zugrunde, kommt die Bundeswehr von heute ihren Kritikern bestimmt außerordentlich weit entgegen“ resümmierte folgerichtig auch die Süddeutsche Zeitung, was zu der Frage führt, was eigentlich heute noch provokant sein soll an diesem „kritischen“, letztlich dekonstruktiven Anspruch des „sich Auseinandersetzens“.

„Kritisch“ setzt sich die Bundeswehr schon seit ihrer Aufstellung mit der deutschen Militärgeschichte „auseinander“: Die in der Folge künstlich durch Verbot und Weisung herbeigeführte Verarmung der Bundeswehr an Traditionsbeständen aller Art muß als in der Geschichte des deutschen Militärs  einzigartig gelten. Ganz offiziell hält man sowieso nur drei Bezugspunkte in der nun wirklich nicht kurzen Geschichte deutscher Streitkräfte für traditionswürdig: die Preußischen Reformer, den militärischen Widerstand im Dritten Reich (die Schließung der Graf-Stauffenberg-Kaserne wurde übrigens ebenfalls im vergangenen Herbst bekannt gegeben) und den sehr überschaubaren Fundus an Tradition, den die Bundeswehr selbst bisher anlegen konnte.

Zu behaupten, man wolle nun in dieses vollkommen anorganische und nicht einmal halbherzig gelebte Stückwerk befohlener Identität noch „einen Keil treiben“, grenzt eigentlich an politisch-historische Nekrophilie. Es ist eine peinlich verspätete Szene, den New Yorker Stararchitekten auf dem identitären Trümmerfeld Bundeswehr stolz seine  „Dekonstruktion“ verkünden zu lassen, die sich zudem längst zur intellektuellen Retorte entwickelt hat. Ähnlich belächelnswert ist die Vorstellung, die komplett zivilverwaltete Bundeswehr von heute tauge als positives Gegenbild zu „starren Strukturen“.

Der libeskindsche Keil symbolisiert also Gewalt, weil er ganz kritisch das deutsche Arsenal an Militärgeschichte zerhackt. Gleichzeitig steht er „in seiner Transparenz für die Offenheit der demokratischen Gesellschaft“. Durch diesen primitiven Symbolismus postdemokratischer Politästhetik tritt das Militär ein in die schablonenhafte Phraseologie eines Demokratie-Fetischismus, der mit Demokratie leider überhaupt nichts zu tun hat: Das Wahlvolk hat sich nie für diesen wurzellosen und kalkuliert demütigenden Bau entschieden; der Versuch, Asymmetrie zur Chiffre für demokratischen Pluralismus zu erklären bietet auch bei ständiger Wiederholung keinen Bezug zur staatsrechtlichen Verfaßtheit unserer Republik.

Der implizierte Zusammenhang von Demokratie und „Dekonstruktion“ der militärischen Maßstäbe und Traditionen ist hier zwar nicht in seinem Geltungsanspruch, wohl aber in seinen konkreten Bezügen auf die deutschen Streitkräfte beschränkt. Ebenso wie bei der Ablehnung von militärischem Pathos, wie ihn unsere Verbündeten in ihren Museen pflegen, liegt dem die Sichtweise zugrunde, daß die Deutschen aufgrund der „Einzigartigkeit“ ihrer Geschichte „selbstverständlich“ höheren moralischen Ansprüchen zu genügen haben als andere Nationen. Auch  durch diese subtile Ausprägung von erinnerungspolitischem Kulturchauvinismus kann man den deutschen Sonderweg beschreiten.

Dazu paßt die Methode der Videoinstallation im Eingangsbereich des Museums: Die Schriftzüge „Love“ und „Hate“ verwirbeln untereinander-miteinander an dem Ort, der in die museale „Welt des Krieges“ hineinführt. Es soll so gezeigt werden, daß es am Ende für den von Gewalt betroffenen Menschen keinen Unterschied mehr macht, „ob er Deutscher ist, oder ob er Pole ist.“ Wunderbar international heben sich diese Begriffe ab vom Heros deutscher Militärgeschichte und entbinden den Krieg damit andeutungsweise seines politischen Ursprungs, contra-emotionalisieren ihn. Das soll „anthropologisch“ sein, ist es aber jenseits der Vokabel leider nicht, denn anders als behauptet kann diese hippiesque anmutende Emotionalisierung keine Entheroisierung des Krieges bedeuten, sondern nur deren Umkehrung: An die Stelle des heroischen Ethos tritt das Ethos des Opfers, an die Stelle von Pathos das Mitgefühl. Diese Umkehrung bedeutet nicht den behaupteten Wandel der Maßstäbe, sondern zeigt nur die andere Seite der gleichen Sache und kann daher nur genauso richtig oder falsch sein.

Beides zusammenzuführen (dahingestellt sei, inwiefern das in Dresden der Fall ist) könnte zwar schöner weil vollständiger sein, bedeutet aber gegenüber den technikaffinen Waffenschauen im Ausland keinen normativen Sprung, sondern nur eine wünschenswerte inhaltliche Ergänzung. So bleibt von der unausgesprochenen, aber überdeutlich implizierten Vorstellung eines vollzogenen menschheitsgeschichtlichen Bewußtseinsfortschritts  nicht mehr übrig als der Habitus der glücklich Erleuchteten, die endlich „mit der Vergangenheit brechen“.

Was ist daran nicht schon vollkommen en vogue? In der Republik, in der unter dem Motto „Feste feiern, wie sie fallen“ öffentlich über den Kriegstod von deutschen Soldaten jubiliert wird, die populäre Kultur Uniformen sowieso nur noch als Karikatur kennt und jede Grundschule „kritisch“ erziehen will, provoziert eine „demokratisch dekonstruierte“ Fassade niemanden mehr. Die konzeptionellen Ansprüche des neuen Museums sind genauso wie ihre volkspädagogische Grundierung kein bißchen kritisch, sondern die in Gänze vorhersehbare Folge der seit Jahrzehnten bewußt und äußerst konsequent vollzogenen Entmilitarisierung von Militär und Staat.

Das neue Museum sei, so die taz, gemacht für „Antwortsucher“. Die müssen, wäre hinzuzufügen, dann aber eine ausdauernde Passion für das Suchen haben. „Ambivalenz ist ein Schlüsselbegriff für die gesamte Dauerausstellung des Militärhistorischen Museums“ heißt es in der Selbstbeschreibung; Es liegt nicht falsch, wer darin das akademische Äquivalent zum kindergärtnerischen „Ihr habt beide Recht!“ sieht, denn das Museum versteht sich zwar als „Denkort … für den Diskurs über die Rolle von Krieg und Militär in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft“, berührt aber mit keinem Atemzug das, was da heute diskutiert gehört.

Dabei bedarf es nicht einmal außergewöhnlicher Expertise um sich der Vielzahl der unbeantworteten Fragen bewußt zu werden, die sich in unseren Tagen um das Verhältnis des Staates zu seinen Streitkräften angesammelt haben. Wie sieht sie denn eigentlich aus, die „veränderte Rolle des Militärs in Deutschland“? Wo steht der Offizier im Staat, wo der kriegsversehrte Veteran in der Gesellschaft? Welche Rolle spielt diese Schutzmacht, die die Bürger nicht in ihren Schulen und nicht auf ihren Straßen haben wollen? Welche Bedeutung hat die Armee des Parlaments, für die sich die Parlamentarier vor allem dann interessieren, wenn der Waffenträger Michel seine Brötchen plötzlich in einem anderen Wahlkreis kauft. Was heißt es, das die Mobilmachung der Bevölkerung im Ernstfall aus dem Verteidigungsgedanken verschwunden ist? Hat die Republik wieder einen Kriegerstand, oder braucht sie einen? Und wenn ja, welchen?

Viele Fragen mehr ließen sich finden und es sind alles Fragen, die nicht an die x-te überbezahlte PR-Agentur delegierbar sind, sondern nach klaren, substantiellen Antworten verlangen, militärisch eindeutig und ohne die Rumdruckserei des intellektuellen Grabbeltischs. Dieser unseren, deutschen Armee, die auf dem besten Weg dahin ist, über mehr Generäle als Kampfpanzer zu verfügen, fehlt es an konkret lebbaren Erzählungen: Die historische Situation von Volk und Staat bringt einen enormen Bedarf an starken und lebendigen Ideen, Bildern und Symbolen hervor. Kurz: Wer Loyalität verlangt, muß Identität zulassen, geben und nähren. Hier muß doch das Museum der Bundeswehr, das ja auch einen Auftrag im Rahmen der Führerausbildung auszuführen hat, seine erste und zentrale Aufgabe sehen! Kritik, Dekonstruktion, Pseudoprovokation – das mag alles irgendwo seinen Platz haben und die Ausstellung wie das Museum gut und interessant machen, nichts sei gesagt gegen „den Menschen im Mittelpunkt“.

Aber da gehört ein großes Aber angefügt: Wo, wenn nicht im bundeswehreigenen Museum, soll aus der deutschen Militärgeschichte Identität für den tötenden und fallenden Parlamentssoldaten der Gegenwart und Zukunft gewonnen werden, wo sonst soll er einen Begriff von seiner historischen Aufgabe bekommen? Ein diffuser Fortschrittsbegriff aus „Überwindung“ und „mit der Vergangenheit brechen“ plus Grundgesetz und Anderssein leistet das nicht, erst recht nicht, wenn er auch noch häßlich verpackt ist.
 Militärgeschichte ohne Identität   das neue Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden

12 Kommentare zu „Militärgeschichte ohne Identität – das neue Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden“

  1. Hohenstaufer

    In der Novemberausgabe 2011 des deutschnationalen Magazins „Die Aula“ erfolgte im Rahmen des Themenschwerpunkts Gedenk- und Erinnerungspolitik auch die ausführliche Beschäftigung mit dem MHM in Dresden.
    Ein den Beitrag Springers ergänzendes Zitat aus diesem Heft:

    „Eine positive Gedenkpolitik an die eigenen Soldaten und Abbildung nationaler Traditionsstränge – wie in anderen Militärmuseen üblich – sucht der Besucher vergebens. Hier werden Formen von Gewaltausübung und –vermeidung thematisiert und in den übergeordneten Kontext der Legitimation staatlicher Gewaltanwendung gestellt. Dieser stark demokratietheoretisch fundierte Ansatz löst nicht nur bei historisch versierten Betrachtern Kopfschütteln aus, sondern wirkt bei einigen aufbereiteten Exponaten – als Ausdruck moderner Museumspädagogik und -didaktik gefeiert – selbst für Laien einfach nur lächerlich: im Themengebiet ,,Krieg im Kinderzimmer“ werden so alltägliche Spielgegenstände von Kindern (z.B. Legobausteine, Äste oder Papierflieger) als ideologisch bedenkliche Kriegsspielzeuge eingeordnet.“

    Gleichsam darf diese Fokussierung angesichts der linksliberalen Deutungshoheit über Geschichte, insbesondere Militär- und Kriegsgeschichte eigentlich nicht verwundern, sondern muß offensiv (rhetorisch) kritisiert und angegriffen werden.

  2. Markus Junge

    2001 weilte ich in besagtem Museum, zwangsweise mit dem ganzen Rest vom Hörsaal. Sonderlich in Erinnerung geblieben ist es mir ganz sicher nicht. Viel lebendiger ist da ein Besuch in Arnheim 1999 im Gedächtnis oder Munster 2003. Und jeder Besuch der Beltring‘er War & Peace Show ist eh unvergleichlich mit einem solch drögen Museum im politisch korrekten Umerziehungsduktus.

    Mit diesem Machwerk wird die BW also nur genau das erreichen, vor dem schon ab Beginn der Umbauplanungen gewarnt wurde. Wer Technik sehen will, der fährt nicht hin. Wer sich nicht sehenden Auges umerziehen lassen will, der fährt hin. Wer sich angesichts des „dekonstruierten“ Gebäudes, welches mal alt und ehrwürdig war, ins historische Bild der Albertstadt passend (der größten geschlossen, historischen Militärstadt Europas, die sehr unter den Russen gelitten hat) jetzt nur noch angewidert abwenden kann, der wird sich dort auch nicht hinbegeben.

    Dafür kann man aber immer noch Schülergruppen und Offizieranwärter des Heeres zwangsweise ins Museum treiben und Gutmenschen, die sich von der BW zeigen lassen wollen, wie böse doch die BW eigentlich ist (weil sie sich noch nicht aufgelöst hat). Und vielleicht verirren sich einige ahnungslose Touristen aus dem Ausland und unterbeschäftigte Rentner hinein. Jedenfalls ist dieses Konzept so schwachsinnig, daß es keine Besuchermassen anlocken wird, nachdem der Hauch des Neuen verflogen ist. Aber wozu hat man halt Steuerzahler, die bezahlen doch jeden Sch….

    Herr Springer, wenn Sie gelebte Identität als Teil der Führerausbildung wünschen, dann sind Sie bei der BW am falschen Ort. Der politisch korrekte Kanon verhindert dies und wenn nicht, dann taucht ein belangloses Video auf und die Medien machen den nächsten Aufreger drauß. Das Museum reiht sich durch seinen Umbau nur ein. In Koblenz hat das Zentrum Innere Führung (Innerer Wahnsinn) solch Schwachsinn schon vor Jahren verbreitet. Die rote Zelle im MGFA (Militärgeschichtliches Forschungsamt) Potsdam, produziert schon über Jahrzehnte die passenden Bücher. Die offiziellen Lehrpläne an Truppenschulen & OSH sind entsprechend und die politische Bildung der Offiziere im Bataillonsrahmen auch. Alles selbst erlebt und das schon vor einigen Jährchen.

    Die Frage, wo man dann die Identität des Parlamentssoldaten finde, erübrigt sich gänzlich. Kein normaler Soldat wird wegen des „Parlamentes“ und dem was mit dem Begriff verbunden ist das größte Opfer bringen oder auch nur die äußerste Leistung. Die Identität des Soldat kann man nicht aus einem solch schwurbeligen Begriff saugen, es geht nur aus den Opfern und Großtaten derer, die vor einem den Uniformrock trugen un der Verantwortung vor dem eigenen Volk, als dessen Verteidiger und Diener. Da man die im Rest der Welt anerkannten soldatischen Leistungen der Wehrmacht/Waffen-SS oder der kaiserlichen Armee nicht mal irgendwie positive benennen darf, gibt es dies in der BW nicht (mehr, siehe Hans Apel – 1982 Traditionserlaß und Völker Rühe – 1995 Bilderstürmerei). Dienen und Volk sind völlig Autobahn, heute bohrt man Brunnen für Weltfrieden und Eierkuchen.

    Für die Aufgaben des „Parlamentssoldaten“, ist es auch völlig unerheblich, das für diesen das GG nicht mehr gültig ist, zumindest der Teil mit dem „stellt Streitkräfte zur Verteidigung Deutschlands auf“. Diese Bundeswehr hat mehr Generale, als Kampfpanzer (alle a.D. mitgerechnet und bei den Pz die Mob-Reserve). Sie ist nicht befähigt zur Verteidigung der BRD, dies wurde gezielt zerstört, Hilfstruppen am Hindukusch brauchen das nicht. Alle Planungen gehen ja nur noch davon aus, irgendwo in Weit-Wegistan zu „intervenieren“. Wer sich da Gedanken über die Nützlichkeit solcher Gurkeneinsätze für die Heimat macht, der stört doch nur und glaubt am Ende nicht mehr an den „Hufeisenplan“ der pösen Serben zur Vertreibung der Kosovo-Albaner und muckt dann rum, wenn es gegen die Serben gehen soll.

    Jede nationale Regung in der Truppe würde sofort von den Qualitätsmedien, der Jelpke & Roth angegangen werden, auch daher verzichtet man bei der BW drauf, Kampfgeist sieht anders aus. Diese Entwicklung kann man über Jahrzehnte belegen, praktisch mit den 68′ern schon, die ihren Ausfluß im Leutnant 70 fanden und dem „Soldat/Offizier ist ein Beruf wie jeder andere auch“. Nicht grundlos wird gespottet, die Generale Hitlers hätten viel mehr Mut gehabt und dem pösen Diktator immer wieder mit Nein, statt Ja geantwortet, wo die feige BW-Generalität ein Ja erschallen läßt und eventuell mal als a.D. eine andere Meinung publiziert.

    Wenn ich mir all das anschaue, dann besteht die historische Aufgabe der BW nur in der Selbstauflösung, alles andere steht gegen den Zeit(un)geist und nur der zählt noch bei unseren Volldemokraten, da sie die nächste Wahl gewinnen wollen. Wenn einige dabei dann auch noch „die Feste feiern, wie die Kameraden fallen“, dann spiegelt dies das allgemeine Niveau der sogenannten „Elite“ in Politik und Medien. Oder wo war der Aufschrei damals? Es gab keinen!
    Entwicklung der Wahrnehmung der BW in der Masse des Volkes, aber nicht bei den Meinungsmachern:
    „Ohne mich“ zur Aufstellung;
    „Interessiert mich nicht“ in der Zwischenzeit;
    Staunendes „die gibt es immer noch? “ Heute.

    In der Zeit des jugoslawischen Bürgerkreiges soll der kroatische (oder war es der bosnische?) Ministerpräsident gesagt haben: „Ein Soldat kämpft nicht für ein Vielvölkergebilde, er kämpft nur für sein eigenes Volk.“ & „Wir sind uns Volk genug“.
    Dann gibt es da noch:
    „Tradition ist nicht das Stochern in der Asche, sondern das Bewahren der Flamme.“;
    „Das erste Schlachtfeld des Soldaten, ist immer noch sein eigener Geist.“

    Für die BW reicht das deutsche Volk nicht, da dieses ja pöse ist. Wir stochern in der Asche, um uns noch mehr davon aufs Haupt zu kübeln, eine Flamme gibt es nicht mehr. Wir sollen zur Multikulti-Weltbeglückung kämpfen (Brunnen bohren und Mädchenschulen bauen, mit demTaliban Tee trinken, …). Und durch all dies, haben wir Schlacht und Krieg verloren.

  3. Chris

    De Gaulle hat schon alles dazu gesagt:

    „Den Charakter eines Volkes erkennt man daran, wie es nach einem verlorenen Krieg mit seinen Soldaten umgeht.“

  4. S. W.

    Der „Ethos des Opfers“ bestimmt m.E. nach mittlerweile auch die allgemeine Wahrnehmung des deutschen Soldaten. Fast alle fiktionalen Behandlungen deutscher Auslandseinsätze in deutschen Fernsehfilmen der vergangenen Jahre thematisieren z.B. traumatisierte Soldaten. Dem Soldat als Opfer wird dabei durchaus Sympathie entgegengebracht, die aber allgemein endet, sobald der Soldat in der Realität zum handelnden Akteur („Mörder“) wird. Einen Soldaten, der im Einsatz von der Waffe Gebrauch macht, unterstützt selbst der eigene Staat nicht mehr und eröffnet routinemäßig erst einmal ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren gegen ihn.

    Ich möchte noch auf eines der führenden militärischen Netztagebücher verweisen, in dem das Thema der verordneten Identität der Bundeswehr kritisch diskutiert wird: http://www.bendler-blog.de/.

  5. Georg Mogel

    „Solange der Soldat überlebt, wird die völlige Verkommenheit erschwert“, schrieb Nicolas Gomez Davila.
    Dieses Land ist verkommen.
    Das „Militärhistorische Museum der Bundeswehr“ in Dresden führt es in der herabwürdigenden Bizarrerie des Gehäuses und den großteils kopfstehenden Legenden zu den Exponaten jedem vor Augen.

    „…Der Mensch ist ein Raubtier. Ich werde es immer wieder sagen. All die Tugendbolde und Sozialethiker, die darüber hinaus sein oder gelangen wollen, sind nur Raubtiere mit ausgebrochenen Zähnen, die andere wegen der Angriffe hassen, die sie selbst weislich vermeiden. Seht sie doch an: sie sind zu schwach, um ein Buch über Kriege zu lesen, aber sie laufen auf der Straße zusammen, wenn ein Unglück geschehen ist, um ihre Nerven an dem Blut und Geschrei zu erregen, und wenn sie auch das nicht mehr wagen können, dann genießen sie es im Film und in illustrierten Blättern. Wenn ich den Menschen ein Raubtier nenne, wen habe ich damit beleidigt, den Menschen – oder das Tier? Denn die großen Raubtiere sind edle Geschöpfe in vollkommenster Art und ohne die Verlogenheit menschlicher Moral aus Schwäche.

    Sie schreien: Nie wieder Krieg! – aber sie wollen den Klassenkampf. Sie sind entrüstet, wenn ein Lustmörder hingerichtet wird, aber sie genießen es heimlich, wenn sie den Mord an einem politischen Gegner erfahren. Was haben sie je gegen die Schlächtereien der Bolschewisten einzuwenden gehabt? Nein, der Kampf ist die Urtatsache des Lebens, ist das Leben selbst, und es gelingt auch dem jämmerlichsten Pazifisten nicht, die Lust daran in seiner Seele ganz auszurotten. Zum mindesten theoretisch möchte er alle Gegner des Pazifismus bekämpfen und vernichten.

    Je tiefer wir in den Cäsarismus der faustischen Welt hineinschreiten, desto klarer wird sich entscheiden, wer ethisch zum Subjekt und wer zum Objekt des historischen Geschehens bestimmt ist. Der triste Zug der Weltverbesserer, der seit Rousseau durch diese Jahrhunderte trottete und als einziges Denkmal seines Daseins Berge bedruckten Papiers auf dem Wege zurückließ, ist zu Ende. Die Cäsaren werden an ihre Stelle treten. Die große Politik als die Kunst des Möglichen fern von allen Systemen und Theorien, als die Meisterschaft, mit den Tatsachen als Kenner zu schalten, die Welt wie ein guter Reiter durch den Schenkeldruck zu regieren, tritt wieder in ihre ewigen Rechte…“

    Oswald Spengler,
    Jahre der Entscheidung

  6. waldemar

    „Sollen wir aus der immer mehr zunehmenden Verbreitung von PTSD (Posttraumatischer Belastungsstörung) und ähnlichen Krankheitsbildern [bei Soldaten] schließen, daß moderne Männer „weicher“ und weniger widerstandsfähig als ihre Vorfahren sind? Manche glauben dies. Vielleicht gibt es jedoch eine andere Erklärung dafür. Ein allem Anschein nach aufgeklärte, rationale und säkulare Gesellschaft erlaubt ihren Kämpfern nicht länger, bestimmte Formen der Nachkriegsrituale wahrzunehmen – geschweige denn, daß sie ihnen abverlangt werden, bevor sie nach Hause zurückkehren.“ (Marin van Creveld, Kriegs-Kultur, S. 178).

    Zu den „Kriegsritualen“, die z.B. den deutschen Afghanistanveteranen vorenthalten werden, gehört das ehrende Angedenken ihrer im Einsatz gefallenen Soldaten und die Ausbildung eines Bewußtseins, daß diese nur ein letztes Glied in einer langen Kette von „für Deutschland Gefallener“ sind.

  7. quer

    Ich habe einmal diesem Land aus voller Überzeugung gedient, als es (ein Teil davon) noch frei war. Ich könnte es heute (wenn ich nochmal 20 wäre) nicht mehr.

    Das Volk befindet sich in Auflösung, verweigert sich der Reproduktion und will auch nicht mehr verteidigt werden. Selbst sein Rest-Territorium teilt es inzwischen zwangsweise aber wurstig mit Millionen eines (!) anderen Volkes, ohne sich ernsthaft zu sorgen, oder gar Widerspruch anzumelden.

    Der Freie kann der Unfreiheit, den Sklaven nicht dienen. Es machte ihn ehrlos. Das hat sogar der (dieser) Staat begriffen. Deshalb braucht dieser Staat den freiwilligen Söldner als Verfügungsmasse. So bastelt man sich eine Prätorianergarde. Der Blick in die Vergangenheit läßt schaudern. Der Blick in die Zukunft noch viel mehr.

  8. S. W.

    @waldemar
    In der Tat scheint die Fähigkeit, mit psychologischen Belastungen umzugehen, mit dem Grad des Festhaltens an soldatischen Tugenden und Traditionen sowie dem Selbstverständnis als Kämpfer zu steigen.

    „Es gibt noch eine Kaffeerunde, diesmal mit dem »psychosozialen Netzwerk« aus Seelsorgern, Psychologen und Sozialarbeitern, die die KSK-Soldaten in ihre Einsätze begleiten und ihnen und den Familien auch am Heimatstandort Unterstützung bieten. Auch diese Helfer beschreiben die »professionelle Gelassenheit« der Kommandosoldaten und scheinen ihrerseits eher überrascht über die zivile Perspektive, die immer noch einmal nach Traumatisierungen durch das Tötenmüssen fragt. “
    http://www.zeit.de/2010/31/KSK-Kommando-Spezialkraefte/seite-3

  9. Papist

    Eine ähnliche Thematik: „The Ethernal German Guilt Trip“ findet sich auch auf dem sehr empfehlenswerten paleo-konservativen us-amerikanischen blog Taki’s Magazin.

  10. Theo

    Als Dresdner, dem seine Stadt sehr am Herzen liegt, habe ich mich sehr geärgert, dass ein bestehendes, historisch wertvolles Gebäude regelrecht aufgebrochen wurde, um in das Museum einen gläsernen „Stahlkeil“ zu treiben. Dieser Umbau, der sehr lange gedauert hat und ziemlich kostenspielig war, hat die „Seele“ des Gebäudes zerstört.

  11. quer

    „….historisch wertvolles Gebäude regelrecht aufgebrochen wurde,…“

    Ich bin überzeugt, daß es nach der Revolution und nach der Wiederherstellung der Freiheit in Deutschland wieder in den historischen Zustand versetzt werden wird. Nur eine Frage der Zeit.

  12. Thomas Hoppe

    Ich war letztes Jahr beim Tag der offenen Tür der Offiziersschule des Heeres in Dresden. Leider oder möglicherweise auch zum Glück war ich zu spät dort, um noch irgendwelche Reden zu hören über die Notwendigkeit der Verteidigung der Bunten Republik am Hindukusch.
    Erschrocken war ich vor allem von der Auswahl der in der dortigen Bibliothek ausliegenden Tageszeitungen. Jedes publizistische Organ der Destruktion deutscher Identität von Isarprawda bis zu taz waren da zu haben. Die JF hatten sie nicht, vielleicht gab es sie ja als Bückware.

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