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menzel Felix Menzel


Zwölf Thesen zur Skandalokratie

Vor lauter Skandalen und medialen Ausnahmezuständen (Sarrazin, Guttenberg, Stuttgart 21, Fukushima, Döner-Morde) können wir kaum noch erkennen, was heutzutage wirklich wichtig ist und wo die Entscheidungen für die Zukunft fallen. Dies hat Methode; ja mehr noch: Diese Skandalokratie hat sich als ein neues Herrschaftssystem etabliert. Für meinen Vortrag in Stuttgart in der letzten Woche habe ich dazu zwölf Thesen formuliert, die ich auch an dieser Stelle vorstellen möchte.

  1. In kollektiv traumatisierten Nationen werden Skandale besonders energisch diskutiert und verlangen von den politischen Eliten außerordentliche Konsequenzen. Symptomatisch sind zudem kollektive Gesten der Buße. Nationen mit einem gesunden Selbstbewußtsein neigen hingegen dazu, die Skandale maßvoll zu sanktionieren oder sie sogar auszusitzen.
  2. Der Skandal ist ein Makroritual in den Medien (mehr dazu hier), das dazu dient, die „Gesellschaft“ auf ein neues Leitthema einzustimmen und auf politische Veränderungen vorzubereiten. Mit dem Makroritual wird die Moralität dieses Vorgehens legitimiert und festgelegt, wer zur politischen Öffentlichkeit dazugehört und wer nicht.
  3. Die Enthüllung von Skandalen läuft heute in den Massenmedien quasi in Echtzeit ab und produziert so Gerüchte und Spekulationen am laufenden Band. Personalfragen sind dabei immer wichtiger als die Sache selbst. Im Internetzeitalter ist dabei im Vorteil, wer anonym denunziert. Angreifbar ist, wer mit seinem Gesicht und Namen für kantige Positionen einsteht.
  4. Diese Enthüllungen in Echtzeit setzen die Politik unter enormen Handlungsdruck, den es ansonsten in der Konsensdemokratie nicht gibt. Politische Konsequenzen werden deshalb meistens bereits dann gezogen, wenn die Ermittlungen bzw. die Aufklärung des Skandals noch nicht abgeschlossen sind. Es ist also zum Zeitpunkt der politischen Beschlüsse noch unklar, was nur ein öffentliches Gerücht ist und was der Wahrheit entspricht.
  5. Wir leben in einer entpolitisierten, entideologisierten Konsensdemokratie, die sich von den Ursprüngen des Parlamentarismus entfernt hat und kontroverse Debatten nicht mehr kennt. Doch diese Konsensdemokratie kennt einen Modus, mit Hilfe dessen sich alle Parteien auf ein neues Ziel einschießen können. Dies ist der Skandal, der einen Ausnahmezustand konstituiert, in dem sofortige politische Kehrtwenden durchgesetzt werden können.
  6. Diese Herrschaft des Skandals (Skandalokratie) gefährdet den Rechtsstaat und setzt ihn zuweilen außer Kraft. In der Skandalokratie fällt die „Rechts-Ordnung“ auseinander. Das Recht wird notfalls suspendiert, um die alte Ordnung zu bestätigen oder eine neue auf den Weg zu bringen. Dazu braucht es Legitimitätsverfahren, die über den Legalitätsglauben hinausgehen.
  7. Sobald die Skandale keine Einzelfälle mehr sind, sondern vielmehr einer den nächsten jagt, befinden wir uns in einem permanenten Ausnahmezustand, der medial geschaffen wurde. In diesem geht es zwar nicht um die nackte Existenz, sehr wohl aber um tief sitzende Existenzängste.
  8. Diese Existenzängste werden gebändigt, indem die Öffentlichkeit ein Normalitätsversprechen abgibt. Dieses lautet: Nur wenn jetzt endlich durchgegriffen wird, könnt ihr weiter in Wohlstand, Frieden und Sicherheit leben. Massengesellschaften brauchen ein genaues Bild von Normalität und scheuen Diskontinuitäten. Dies begünstigt ein lineares Geschichtsbild.
  9. Große Skandale lassen Verschwörungstheorien entstehen.
  10. Das Krisenmanagement in allen wesentlichen Politikfeldern ist in Deutschland desaströs. Aus diesem Grund suchen sich die Eliten emotional besetzte Felder, wo sie besser punkten können.
  11. Die Skandalokratie verdrängt in der öffentlichen Wahrnehmung die eigentlichen Herausforderungen unserer Zeit und ist damit eine Debattenverhinderungskultur. Es findet ein Informations-Overkill bei gleichzeitigem Totschweigen der Hintergründe und Ursachen von Problemen statt. Souverän ist folglich, wer mediale Ausnahmezustände auslösen und steuern kann und wem es gelingt, im normalen Tagesgeschäft politische Entscheidungen und Debatten zu verhindern.
  12. Unsere Wahrnehmung ist so sehr von Boulevardisierung, Personalisierung, Ritualisierung, Beschleunigung der Neuigkeiten sowie Virtualisierung bzw. Anonymisierung geprägt, daß diese eigentlichen Herausforderungen nur auf die Agenda kommen, wenn jemand sie skandalös thematisiert. Neben moralischen Verfehlungen und tatsächlichen Straftaten reicht in traumatisierten Nationen häufig bereits eine direkte Schilderung der Wirklichkeit.

Test

12 Kommentare zu „Zwölf Thesen zur Skandalokratie“

  1. Landser

    1. Die beiden Links führen zur Seite des Verlages, aber nicht zu irgendwelchen Literaturhinweisen. Das war wohl nicht so gemeint, oder?
    2.Wie sind „kollektiv traumatisierte Nationen“ (These 1)eigentlich definiert? Fallen bspw. auch Russland, Japan oder Ruanda darunter? Wenn nein, warum nicht? Wenn ja, sind von dort ebenfalls Probleme mit der „Skandalokratie“ bekannt? Oder ist mit „kollektiv traumatisierten Nationen“ doch nur die BRD gemeint? Dann sollte man das auch so sagen.
    3. Die These, der Skandal diene dazu, “, die „Gesellschaft“ auf ein neues Leitthema einzustimmen und auf politische Veränderungen vorzubereiten“ (These 2), impliziert, daß es eine Art von gesteuerter Medienberichterstattung gibt. Beweise dafür? Außerdem übersieht diese These, daß es ökonomische Gründe für eine skandalträchtige Berichterstattung gibt. Kurz gesagt: Skandale verkaufen sich eben gut. Medienunternehmen sind zuerst mal Wirtschaftsunternehmen.
    4. Das die Konsensdemokratie „entideologisiert“ ist (These 5), scheint mir alles andere als richtig. Das Gegenteil ist der Fall. Wir leben in hochgradig ideologischen Verhältnissen. Das Problem ist, daß die Ideologie(n) nicht als solche daherkomm(t)(en)! Was anderes sind denn z.B. gender mainstreaming oder der sogenannte Umweltschutz?
    5. Zu These 8: Welche „Öffentlichkeit“ ist hier gemeint? Wer gibt ein „Normalitätsversprechen ab? Die Medien? Die Politik?
    Und übrigens glaube ich nicht, daß nur Massengesellschaften ein genaues Bild von Normalität brauchen und Diskontinuitäten scheuen. Das scheint mir eher allgemein menschlich zu sein.
    6. Die „Eliten“ (These 10)suchen sich nicht deshalb emotional besetzte Felder, weil das Krisenmanagement in allen wesentlichen Politikfeldern desaströs ist, sondern andersrum ist’s richtig. Das Krisenmanagement ist deshalb so desatrös, weil allgemein gern auf emotional besetzte Felder ausgewichen wird. Und das deshalb, weil die rein sachliche Ebene so schwierig und verworren ist (oder erscheint). Oder anders gesagt: Mit Moral (oder dem Anschein einer solchen) läßt sich heutzutage leichter punkten als mit komplizierter Sacharbeit/-politik.
    7. In These 12 heißt es: “ Neben moralischen Verfehlungen und tatsächlichen Straftaten reicht in traumatisierten Nationen häufig bereits eine direkte Schilderung der Wirklichkeit“ zur Skandalisierung. Das glaube ich allerdings nicht. Nicht die Schilderung der Wirklichkeit wirkt skandalisierend, sondern eher der Umstand, daß die skandalöse Wirklichkeit thematisiert wird; also der Umstand der Thematisierung ist in aller Regel doch schon das Skandalon. Und genau deswegen wird ja auch in der Regel nicht über die skandalösen Umstände gesprochen, sonder über den, der es gewagt hat, diese zu benennen (z.B. Homann od. eine gewisse TV-Moderatorin od. eine gewisse Richterin).

  2. Martin

    Ich meine, unsere Politiker fühlen sich wohl tatsächlich in einer „Skandalokratie“ zu Hause und meinen, entsprechend handeln zu müssen – Das Ganze geht dann noch ping-pong mäßig bis zum Teil selbstreferenziell durch die Medien- und Internetwelt und schon ist die „Scheinwelt“ perfekt.

    Dass durch die inflationäre Häufigkeit, mit der „die Säue durchs Dorf getrieben werden“, das Volk eigentlich nicht mehr berührt wird, zeigt sich immer wieder und zeigt vor allem die „Abgehobenheit“ von Politikern und Medien. Auf eine „traumatisierte Nation“ kommt es mittlerweile daher auch gar nicht mehr an – in anderen Länder scheint das ganze genau so abzulaufen.

    Nur ein paar Beispiele aus Deutschland:

    - KT Guttenberg hatte beste Umfragewerte, trotz Skandal
    - Die Bürger stimmen mit einer miesen Wahlbeteiligung dann für Stuttgart 21, obwohl man doch eher meint, dass gerade die, die gegen die Sache sind, am meisten Wähler hätten mobilisieren können müssen
    - Die „Döner Morder“ lösen eher rätselndes Kopfschütteln als Lichterketten und Empörung aus
    - Die Wahlbeteiligung geht stetig zurück, obwohl man doch meinen müsste, durch Skandale emotionalisierte Wähler gingen am ehesten zur Wahl
    etc.

    Ich meine daher, dass die obigen Thesen sehr gut einen Zustand beschreiben, nach dem unsere politische Klasse und die Medien handeln und denken, die „Skandalokratie“ aber letztlich zu einer Vertiefung des Bruchs zwischen Bevölkerung und politischer Klasse führt bzw. längst geführt hat.

    Wer zweimal lügt, dem glaubt man nicht und wo ständig etwas „skandalisiert“ wird, wird die Reizschwelle derart hoch gesetzt, dass einen heute eigentlich nichts mehr erschüttern kann, selbst wenn man noch so naiv sein sollte, das Ganze auch noch vorbehaltlos zu glauben … die Bevölkerung ist daher nicht mehr „traumatisiert“ sondern eher vor Langeweile „eingeschlafen“ …

    These 13 daher:
    Die Skandalokratie führt zu einer weitgehenden Entfremdung zwischen Politik und Medien auf der einen und der Bevölkerung auf der anderen Seite

  3. Peter Freimann

    1.) „Traumatisiert“ – Vorsicht, Modewort, Geschwurbel. Deutschland liegt in der Duldungsstarre (Stockholm-Syndrom?), z.T. symbiotische kindliche Verbindung mit den Aggressoren (EU-Diktatur, Islaminvasion) als Versuch, die Furcht zu bewältigen.
    Deutschland wurde NICHT durch 33/45 beschädigt, sondern durch die INTERPRETATION von 33/45 durch die Nachfolger des Untoten, also die Umvolker und Verdünner, die stramm den Befehl des späten Schnäuz im Angesicht seiner endgültigen Niederlage (Deutschland soll untergehen) auf ihre Agenda erhoben haben.

    2.) Medium. Du teilst mir etwas mit. Was genau willst Du also gerade verhüllen?

    3.) Pauli bei der CSU, Nena-Schulen, „Claudi“ – hahahaha, Käßmann, Guttenbergs ehrliche Bußrunde …
    Die Gefühligkeit hat schon lange über die Eiseskälte der Vernunft (siehe auch Hegel) gesiegt. Das Volk ist KEIN Opfer, sondern in ganz hohem Maße Mittäter. (siehe auch Jan Fleischhauer auf SpOn zu Gutti, „Gefühlsdemokratie)

    4.) Ob die Hierarchisierung (1. Medien 2. Politik) stimmt? Selber spräche ich bei den Bertelsmännern und Co. lieber von dem geschlossenen System eines medialen wie politischen gleichgeschalteten Komplexes.
    BILD plus NDR plus A. Schwarzer plus Van-der-Leyen-CDU, da liegt doch kein einziger Kieselstein mehr auf der eingeseiften Rutschbahn.

    5.) Genau das Gegenteil: Nur noch ganz schlecht verkleidet verbirgt sich unter der „Mitte der anständigen Demokraten und Demokratinnen“ ein perfides ideologisches Kampfbündnis zwischen den Förderern von McWorld und den linksradikalen Egalitaristen, gemeinsames Ziel ist der Umbau des Ortes Europa in den STANDort Europa. Der Linke bekommt zwar nicht die Enteignung der Konzerne, aber sein grenzenloser Haß auf jede Differenz wird durch die Erzeugung einer grauen, infantilen und gesichtslosen Massengesellschaft befriedigt.

    6.) Der Weihnachtsmann Thierse als Blockierer und damit Rechtsbrecher.

    7.) Vorsicht mit „Ängste“ – der Plural lügt entweder oder schwafelt, „Phobien“, „Ängste“ sind Kampfbegriffe des Feindes.
    Den Terror des Vorübergehenden, die ganze Wirkung der Endloswiederaufbereitung der breitgetretensten Quarke aller Quarke hat m.E. der Uckermarker in seinem Exil schon sehr früh und vielleicht am besten beschrieben.
    Wenn ich nicht viel sensibler geworden bin, habe ich den Eindruck, daß der anschwellende Mediengesang sehr viel lauter geworden ist und auch schon sehr viel unintelligenter, man leistet sich gewaltige Patzer (z.B. Fernsehgericht gegen Herman) und lehnt sich sehr sehr weit aus dem Fenster heraus. Das kann bald gewaltig ins Auge gehen und heftigste Gegenreaktionen hervorrufen.

    8.) „Normalitätsversprechen“!! – Danke, ganz brilliant auf den Punkt gebracht.
    Es finden quasireligiöse Rituale statt. Das gleiche pseudopolitische Entertainment in der gleichen Sendung zur gleichen Stunde, jede Woche.
    Statt Weihnachten und Ostern eben „Kampf gegen Rechts“ und den
    Gürlz-Day. Und immer der gleiche Psalm, der die ganze Femokratie grundliegend definiert:“Arbeit macht frei.“

    10.) Zum „Crisismanagement“ unbedingt auf Youtube die Stellungnahme von FJS zu Helmut Schmidt ansehen! Ein großartiger Rhetoriker, vielleicht der letzte Politiker, der die deutsche Sprache noch gekannt hat.
    Dieser Punkt ist mir viel zu gutmenschlich behandelt worden. Die Ehrenwerte Gesellschaft arbeitet anders.
    I) Erst wird die Krise bewußt generiert: Zulassung der Masseninvaision aus dem Orient, Verzicht auf die DM, Verzicht auf Hoheitsrechte zugunsten der EU-Diktatur.
    II) Wenn der Schuh gewaltig drückt, versprechen die Boten des Paten, mit ihrer enormen Macht die Probleme wieder zu lösen, also z.B. Finanzdiktatur der EU in Sachen Euro, Bekämpfung von Gewaltverbrechen, die in Zusammenhang mit der Masseninvasion aus dem Orient stehen …

    Hervorragende Diskussionsgrundlage, danke!!

  4. Man kann es auch Informationsverwirrung nennen, um die Meinungskonsumenten abzustumpfen.

    Die NSU-Story ist was für Spezis und tangiert die Masse nicht. War die Sache beim Mannichl noch stringent, so palavert heute jeder alles und die Lage ist verworren, weil nicht allein der böse Schlangennazi, sondern eine ganze Nazi-Untergrundarmee mitsamt Verfassungsschutz und Berliner Antifa involviert sind und ein Detail hanebüchener als das nächste ist.

    Derweil werden schon soziologische Debatten darüber geführt, warum die braune Terrorszene den Pink Panther bevorzugt, bevor überhaupt geklärt ist, wer das „Bekenner-Video“ erstellt hat. Hatte Paulchen doch einen jüdischen Erfinder und vor 70 Jahren in Propagandastreifen dem Hitler mit einer Keule auf dem Kopp gehauen.

    Ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode. Immerhin haben sich die Bundestagsparteien geeinigt: Die Anti-Rechts-Gelder werden nicht gekürzt, dafür aber bleibt die Extremismusklausel bestehen, die SPD-Grün-Linke abschaffen wollten. Auch die lang ersehnten Sicherheitsgesetze werden schnell durchgewunken.

    Ist doch fein, wenn der braune Terror soviel Gutes bewirkt – dann könnte eine bestimmte Klientel fast auf die Idee kommen, diesen künstlich zu beatmen.

  5. Löffelstiel

    @ Peter Freimann
    ad 1)
    Inflationärer Mißbrauch: ‚Trauma‘, ‚traumatisiert‘. Trauma: Apathie, Amnesie, Erstarrung, Unfähigkeit zum Handeln.
    Daß wir Deutschen in Deutschland oder besser Deutschland mit uns Deutschen mit Schuld und Sühne reagieren, könnte das nicht die Überwindung des Traumas sein, nämlich eine Re-Aktion, was darauf hindeutet, daß in der äußersten Zwickmühle dennoch ein (Aus-)Weg versucht, wenn nicht gar gefunden wird?
    Ist es nicht in der Weltgeschichte ein einmaliger Akt (schon wieder dieser Sonderweg), daß ein ganzes Volk über Jahrzehnte ununterbrochen Buße tut – nach gängigen überprüfbaren Maßstäben in Ökonomie, Strategie, Politik dennoch produktiv ist – und eben nicht in einem Jammertal oder Nichts versinkt. Buße, Schuld: Alimente, verbale und finanzielle Opfer, vergleichweise einem ununterbrochenen Ablaßhandel, nur mit dem Unterschied, daß die Opfer nicht freiwillig an Gott, Götter, resp. Kirche, sondern gezwungenermaßen (Freiheit ist die Einsicht in die Notwendigkeit) an stärkere weltliche Mäche gehen?
    Das Unausgegorene bitte ich zu entschuldigen

  6. Ich würde dbzgl. folgende Thesen aufstellen.

    1. Deutschland fehlt eine politische Diskussionskultur, weil eine Verjüngung des deutschen Konservatismus innerhalb der CDU/CSU gescheitert ist.

    2. In der so entstandenen Konsensgesellschaft ist es somit nötig geworden politisches Handeln als unabdingbar zu verkaufen.

    3. Skandale erzeugen ein öffentliches Wißbedürfnis, welches sich nicht zeitnah befriedigen läßt und sind deshalb geeignet, um unvollständig begründeten politischen Maßnahmen den Weg zu ebnen, getreu dem Motto: „Wir müssen halt den erfolgversprechendsten Versuch starten, auch wenn wir nicht voll im Bilde sind.“

    4. Eine solche Instrumentalisierung von Skandalen findet statt.

    5. Zusätzlich herrscht in der heutigen Konsensgesellschaft Konsens darüber, daß der Konsens durch den Pranger zu verteidigen ist.

    Der letzte Punkt hat nicht wirklich was mit den anderen Punkten zu tun. Ich würde ihn der größeren Klarheit halber gesondert behandeln.

    Was die ursprünglichen Thesen angeht, es sind zu viele, und zum Teil stimmen sie auch einfach nicht, wie gleich die erste. Frankreich hat schon immer heftiger auf Skandale reagiert als Deutschland, es ist eher eine Frage des Temperaments als eine der Traumatisierung, wie gesagt, es ist nicht ratsam, den heutigen Hang zum Pranger da mit hineinzumischen.

  7. Peter Freimann

    @ Löffelstiel

    Es gibt ZWEI Schnäuze!! Beide haben kaum etwas miteinander zu tun. Der eine beging 1945 Selbstmord.

    Nicolas Gomez Davila lehrt, daß es keine Kausalitätsketten in der Geschichte gibt. Irgendetwas passiert. Punkt. Dann kann irgendetwas ganz anderes passieren.
    Oder das Ereignis A wird INTERPRETIERT und als Folge der INTERPRETATION erfolgt dann das Ereignis B.
    Wir haben in Deutschland eine ganze Generation gehabt, die ihre Pubertät bis in das Rentenalter verlängert hat und diesen Eskapismus aus der Verantwortung sowohl für sich selbst als auch für ihr Vaterland „Politik“ genannt hat. Man kann auch einen Stuhl betrachten und diesen als „Schrank“ taufen.

    So gab es nach 23 Jahren also eine Wiederauferstehung von den Toten, es wurde ein Religionssurrogat erschaffen, mit allen Elementen, wie sie einer Religion zueigen sind, einer Gottheit (die gesamte MENSCHheit, einem Leibhaftigen – dem Ewigen Schnäuz, den Hohenpriestern – Bundesgünter, Bundeshabermas …, den Zehn Geboten (Du sollst nicht diskriminieren …), den hohen Feiertagen (Gürlzday, Kampf gegen Rechts) usw.

    Aber ich bin viel zu reaktionär, zynisch und misanthropisch, um das alles noch lange zu kommentieren, ich bediene mich einfach auf der Netzseite von Michael Klonovsky zum Abschluß:

    „Hitler unser, der Du bist im Orkus, verflucht werde Dein Name, Dein Reich vergehe, Dein Wille sterbe, wie im Print, so auch im Fernsehen. Unser tägliches Brot gib uns heute, und erhalt uns unsere Schuld, wie auch wir nie vergeben unseren Vorfahren. Und führe uns nicht ins Vergessen, sondern erlöse uns nie von dem Übel. Denn Dein ist die Leich und die Haft und die Beplärrlichkeit, in Ewigkeit, Amen.

    Ach so, viel zu einfach, jetzt zu sagen, die 68er seien die Bösen, das träge und feige Bürgertum hat sich unglaublich auf der Nase herumtanzen lassen, und jetzt ist die Uhr vorangeschritten, denn nun kann Widerstand die berufliche Existenz kosten.

  8. bese

    Alles unausgegart. Im Gefühlsstaat, der das Allgemeinwohl umschifft, helfen gerade auch Ressentiments, gerade die von Rechts. Um was gehts der „Elite“: Its economy, stupid!

  9. Peter Freimann

    @ bese

    Wer sich an einem Detail erregt, ob das die scheußliche „Innen“- und „Außen“-Schreibweise ist, die aus der Gendererkrankung sprießt, mindergeliebte Promies wie Roth, Überregulierungwahn wie AGG oder Nichtraucherschutz, den muß der Instinkt ja nicht getäuscht haben.

    An einem einzigen Zeichen kann man schon ablesen, an welchem Infekt die Republik leidet. (Wenn man nicht beim Gefühl bleibt, sondern sich die Mühe des Denkens bereitet.).
    Beispiel: Jemand besitzt ein Unternehmen und möchte für eine Tätigkeit unbedingt eine männliche Kraft einstellen und diese per Zeitungsinserat suchen. Geht nicht, also ist Deutschland kein freies Land und die Eigentumsrechte nebst Vertragsfreiheit werden mit den Füßen getreten.
    Die meisten Leute interessiert das nicht, also mag die Deutsche die Diktatur recht gerne, wenn sie denn so sanft und subtil daherkommt und der Kühlschrank nicht gerade leer ist.

    Sicher, Sie haben recht, es sind nicht die pöhsen Muslime. Die Frage kann nur heißen: Wer will diese Massenvölkerwanderung, wer profitiert davon. Es sind auch nicht die pöhsen 68er-ff, die Ex-KBWler, die Frage kann nur heißen, warum stellen Frau Mohn oder Frau Springer oder die ARD oder ARTE die Räume für die Kulturrevolutionär_innen zur Verfügung, ohne die deren Existenz lediglich subkulturell und gesamtgesellschaftlich/politisch belangslos wäre.

    Meine These: Es geht um Massenverprollung, eine winzige Oberschicht gibt die Mittelschicht zum Abschuß frei, um uneingeschränkter herrschen und walten zu können.

  10. bese

    @Freimann

    lange Leitungen wohin ich seh. Wortgirlanden, Stimmungstiraden, verschwommene Thesen und jeder kocht sein Süppchen. Wissen Sie eigentlich, wie „geil“ es sein kann, abends im 6 Sterne Hotel einzuchecken, sich auf Kosten der Allgemeinheit – nach dem 7 Gängemenü mit all den Exzellenzen und Promis – professionell in den Schlaf massieren zu lassen, und morgens Applaus und Sozialprestige zu ernten für entweder
    a) Die Rede über die Wale oder
    b) Die Rede über den nächsten Abwehrkampf, präventiv versteht sich.
    Ach, hören Sie bitte endlich auf mit dem horizontalen Links/Rechts-Geschwurbel.

    Um das bessere Programm zu installieren braucht man also entsprechendes Personal, das nicht nur an seinen Spaß denkt. Das Leben ist doch nicht nur Spaß ?! //
    Nicht nur Spaß weil wir uns mit Gewißheit vor Gott verantworten müssen.

    [Der Doppelstrich wurde gesetzt, damit sie sehen, ab wo sie mir nicht mehr folgen können. Dann verstehen sie auch weshalb Sie nie eine Alternative anstreben und erreichen werden. Zudem würde es einige Mühen kosten. Diese Gefangenschaft in selbstverschuldeter Hilflosigkeit zu sehen betrübt sogar ohne dass man davon direkt betroffen wäre. Noch ein tipp: Auch diese Netzseite arbeitet fleißig an der Selbstversklavung der Gefühligen: Angst vor/Lust an/Zorn auf]

  11. Peter Freimann

    @ bese

    Kommt schon was an – hoffe ich, öhmmmh ….

    I) Wahrnehmung —> II) Reaktion (Instinkt, Gefühl …) —> III) Bewußtsein (Verstand, Analyse) —-> IV) Austausch mit anderen
    —-> Va) individuelle Aktion; Vb) gemeinsame Aktion

    Und irgendwo zwischen II) spätestens IV) sauft das Ding dann ab, richtig?
    Also Tütenkleben, Stickbilder anfertigen, bei „Sezession“ schreiben egal?

    Habe ja den Glauben an IV) noch nicht ganz verloren: Sich an JEDEN – nicht auf dieser Seite – heranzutasten und mit ihm Tacheles reden, damit sich überhaupt genügend Bewußtsein ausbreitet in der Bevölkerung, der einen Wandel tragen könnte.

  12. Gast

    Ich beschäftige mich erst seit einigen Wochen mit der Neuen Rechten. Verzeiht mir meine Unwissenheit.

    Ich scheitere schon an der, in der ersten These formulierten Formel der kollektiv traumatisierten Nation. Was ist damit gemeint? Ist damit eine Nation gemeint, die einige Kriege verloren hat? Ist damit eine Nation gemeint, in der 200000 Landsleute abscheuliche Verbrechen an dem jüdischen Volk begannen haben? Oder hat diese Traumatisierung etwas mit dem Dreißigjährigen Krieg zu tun?

    Womöglich fehlen mir zum Verständnis der rechts-konservativen Gedankenwelt noch einige Grundkenntnisse.

    Nach einiger Recherche bin ich auf den Vordenker Alain de Benoist gestoßen. Ich finde ihn sehr interessant. Was haltet Ihr von diesem Autor? Ist er zum Einstieg in den Rechts-Konservatismus geeignet? Wenn ja, welches Buch von ihm würdet Ihr mir empfehlen?

    Im Voraus vielen Dank für Eure Antworten.

    Herzliche Grüße aus dem Ruhrgebiet

Diskussion geschlossen. :-)

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