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Autoren-Archiv

Adolph Przybyszewski

Enzensberger – ein Geburtstagsnachtrag

von Adolph Przybyszewski

pdf aus der Druckausgabe 32/ Oktober 2009

sez32Er habe die Nase immer im Wind, sagte Jürgen Habermas einmal etwas despektierlich von Hans Magnus Enzensberger, der am 11. November auf 80 Jahre seines Lebens und über 50 Jahre Textproduktion zurückblicken darf. Ideologischen Zickzack warf man diesem von der Linken kommenden Schriftsteller bisweilen vor, geistige Rassehygieniker verorteten ihn später gar in fatalen Nachbarschaften:

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Adolph Przybyszewski

Deutschland verrecke? Patria o muerte!

von Adolph Przybyszewski

Raúl Castro pflegt in Kuba seine Reden seit der Revolución mit dem Ausruf zu beenden: „Patria o muerte!“ Angela Marquardt zog 1990 durch Greifswald mit der Parole: „Deutschland verrecke!“, und noch 2009 verkündete sie zu Leipzig in der Sprache ihrer Herren: „Still not lovin‘ Germany“. Woher der feine Unterschied? (weiter…)

Adolph Przybyszewski

Position gehalten: Arsch der Welt

von Adolph Przybyszewski

Deutschland hat – wie immer auch – „Position gehalten“,  die „Position als Arsch der Welt / Sehr fett und sehr gewichtig“ – wenn auch rot verschrammt, der Arsch, der vorher braun gewesen und dann mit Stalins hartem Besen geschrubbt worden war. Wolf Biermanns Variation auf Heines „Deutschland – ein Wintermärchen“ aus den 1960er Jahren trifft die Lage, mit ein paar anderen Vorzeichen, noch immer.

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Adolph Przybyszewski

Nase im Wind. 80 Jahre Enzensberger

von Adolph Przybyszewski

pdf der Druckfassung aus Sezession 32 / Oktober 2009

Er habe die Nase immer im Wind, sagte Jürgen Habermas einmal etwas despektierlich von Hans Magnus Enzensberger, der am 11. November auf 80 Jahre seines Lebens und über 50 Jahre Textproduktion zurückblicken darf. Ideologischen Zickzack warf man diesem von der Linken kommenden Schriftsteller bisweilen vor, geistige Rassehygieniker verorteten ihn später gar in fatalen Nachbarschaften: »Die neue Dreieinigkeit Enzensberger/Strauß und Walser« definiere in einer anhaltend »bleiernen Zeit«, »was als deutsche Dichtkunst und Nation gilt«, liest man noch im Jahr 2000 in einer Traktatsammlung des Duisburger Instituts für Sozialforschung. (weiter…)

Adolph Przybyszewski

Marx neu lesen 4

von Adolph Przybyszewski

Marx„Radikal sein, heißt, die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen aber ist der Mensch selbst“, schreibt Marx in seiner Einleitung Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Es gelte daher, bestehende politische Probleme „ad hominem zu demonstrieren“, also am Menschen selbst aufzuzeigen.

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Adolph Przybyszewski

Die „rechte Pest“ (Normalismus 5)

von Adolph Przybyszewski

„Braune Ratten“ heißt ein Titel der Punk-Band Speichelbroiss aus der schönen Oberpfalz. Er zielt auf die gleiche Klientel, die Franz Müntefering aus dem herben Sauerland als Vorsitzender der einstigen Volkspartei SPD heute ansprach – „die rechte Pest, die in Europa beginnt, sich wieder breitzumachen“ und, so die Netzausgabe der Welt ohne Ironie, „mit Macht“ bekämpft werden müsse:

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Adolph Przybyszewski

Unser Brecht 1

von Adolph Przybyszewski

brecht-1„Als Thomas Mann vorigen Sonntag, die Hände im Schoß, zurückgelehnt sagte: Ja, eine halbe Million muß getötet werden in Deutschland, da klang das ganz und gar bestialisch.“ An jenem 1. August 1943 hatten sich in Los Angeles verschiedene deutsche Emigranten, darunter die Brüder Mann und Brecht, zusammengefunden, um die ihnen eben bekannt gewordene Gründung des Nationalkomitees Freies Deutschland durch deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion mit einer gemeinsamen Resolution zu begrüßen.

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Adolph Przybyszewski

Vielfalt statt Einfalt? Normalismus in der BRD

von Adolph Przybyszewski

pdf der Druckfassung aus Sezession 30 / Juni 2009

In Köln fand wieder ein Aufmarsch der Anständigen statt. Ihrem Anführer, dem regierenden CDU-Funktionär, gelang es, deutsche SPDund Antifa-Genossen mit türkischen Nationalisten und religiösen Lobbygruppen, emanzipierte ProtestantInnen mit islamischen Antifeministen, aufgeklärte Tolerante mit tribalistischen Homosexuellenhassern zu vereinen. Solche Einheitsfront der Vielfalt bedarf freilich des einigenden Feindes, damit zusammenwächst, was nicht zusammengehört. Daß dieser Feind als »Republikfeind« Fetischcharakter hat, wissen wir längst: »Die Rechten« bilden – gleichermaßen Wunsch- und Angstprojektion – das ganz Andere, das Anormale schlechthin für eine Gesellschaft, die sich als universal, zivilisiert und tolerant begreift. Der hier herrschende flexible Normalismus, wie ihn Jürgen Link analysiert hat (Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird, Göttingen 2006), fährt vor diesem Fetisch seinen Toleranzen-Thermostat herunter und nähert sich damit einem Protonormalismus, wie er bei den National-Sozialisten auf die Spitze getrieben war: Deren Modell gesellschaftlicher Normalisierung entsprach dem Typ einer Industrienorm, und entsprechend rigid fiel damals die »Aussortierung« nicht normgerechter Elemente aus. Tatsächlich geht Link von einem »unvermeidlichen Umschlagen« des einen Normalismustyps in den anderen aus.

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Adolph Przybyszewski

Vielfalt statt Einfalt (Normalismus 4)

von Adolph Przybyszewski

bunte-einfalt1In Köln hat wieder ein Aufmarsch der Anständigen stattgefunden. Dem Anführer dieses Aufmarsches, dem regierenden christdemokratischen Funktionär der Dom-Stadt, gelang es erneut, bundesdeutsche Sozialdemokraten und Antifaschisten mit türkischen Nationalisten und religiösen Lobbygruppen, emanzipierte ProtestantInnen mit islamischen Antifeministen, programmatisch Tolerante mit bekennenden Homosexuellenfeinden zu vereinen. Wie schön, wie bunt!

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Adolph Przybyszewski

Marx neu lesen (3)

von Adolph Przybyszewski

Unser KarlDie erste notwendige Bedingung der Freiheit sei Selbsterkenntnis, hatte der junge Karl Marx 1842 in seinen ätzenden Kommentaren zu den damals immerhin geführten „Debatten über die Preßfreiheit“ angemerkt. Der Ansicht eines reaktionären Redners im rheinischen Landtag, die „Preßfreiheit“ würde zur „Demoralisation“ des Volks beitragen und „die Grundlage wahrer Zivilisation untergraben“, hielt Marx engegen: „Demoralisierend wirkt die zensierte Presse“:

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Adolph Przybyszewski

Es war einmal in Palästina

von Adolph Przybyszewski

Dieser Tage feierte man in Israel das hundertjährige Bestehen Tel Avivs, des hebräischen „Altneulandes“ im Sinne Theodor Herzls. Diese Stadt ist gewiß eine wichtige Keimzelle der jüdischen Wiederbesiedlung Palästinas und der Neuformierung zu einer israelischen Nation. Auch die BRD-Medien würdigen, welche Rolle die deutschen Juden, die „Jeckes“, seit den 1930er Jahren dabei gespielt haben: (weiter…)

Adolph Przybyszewski

Die Normalität der Abtreibung (Normalismus 3)

von Adolph Przybyszewski

brd-fresse-1Vor rund 20 Jahren hatte Jutta von Ditfurth, einst eine Führungsfregatte der sogenannten „Grünen“, passenderweise im Cosmopolitan verkündet, zwei Abtreibungen seien „auf ein knapp zwanzigjähriges lustvolles Geschlechtsleben relativ wenig“. Daniel Cohn-Bendit, ein anderer linker Dinosaurier, der lebenslang grün hinter den Ohren geblieben ist, machte bekanntlich einst kein Hehl daraus, daß ihn kleine Kinder sexuell affizieren, um es vornehm auszudrücken.

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Adolph Przybyszewski

Marx neu lesen 2

von Adolph Przybyszewski

Unser KarlEs sei „nicht das Bewußtsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewußtsein bestimmt“, so lautet eine zur marxistischen Platitüde verkommene Behauptung Marxens im Vorwort zu seiner Kritik der politischen Ökonomie. Es war Hans-Dietrich Sander, der 1970 nachdrücklich darauf hinwies, daß dieser Satz für Marx nur eingeschränkt und keineswegs allgemein gültig war:

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Adolph Przybyszewski

Spießerprobleme (Normalismus 2)

von Adolph Przybyszewski

normalrentner1

Ein deutscher Rentner hat drei seiner Nachbarn in einer Kleingartenkolonie erschlagen, mit einem Knüppel aus Holz. Der rüstige Laubenpieper muß sich nun vor Gericht verantworten: Ihm sei es „stets um das Prinzip“ gegangen, erfahren wir aus der Presse. Autochthoner geht’s kaum – der Knüppel war bestimmt auch aus deutscher Eiche. Kein Fall also für islam- oder multikultikritische Blogger, eher für die westdeutschen Traditionsmedien um Jens Jessen, Heribert Prantl & Co: (weiter…)

Adolph Przybyszewski

Über die Schwierigkeiten der Umerziehung (Normalismus 1)

von Adolph Przybyszewski

rasse-statt-masse?Als Herr K. in sein Dorf zurückkam, bemerkte er an sich wieder einmal eine Verachtung jener Masse, die er zuvor in einer Großstadt tagelang an sich hatte vorbeiziehen lassen. Dabei fiel ihm auf, daß er mit den einzelnen Leuten daheim auf dem Land sicher gut auskommen würde, wenn er sie erst einmal kennengelernt hätte. Es sind ja ganz normale Leute, die sich hier & jetzt ausrichten an dem, was als normal gilt. Läßt sich aber mit diesen Leuten überhaupt „Staatspolitik“ machen?

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