Einwanderung in die Sozialsysteme …
… ist eine Formel, die Otto Schily, weiland Bundesinnenminister aus den Reihen der SPD, zuerst benutzt hat, um dasselbe zu sagen wie die weiland Bundeskanzlerkandidatin aus den Reihen der CDU, Angela Merkel: „Die multikulturelle Gesellschaft ist gescheitert“.
Ganz so deutlich wollte Schily nicht werden, aus Rücksicht gegen seine eigenen und die Illusionen seiner politischen Freunde, aber immerhin war Mitte des Jahrzehnts erkennbar, daß die Führung endlich zugeben mußte, was der Normalbürger schon längst begriffen hatte: Migration löst kein einziges Problem des alternden Sozialstaates, schafft aber dauernd neue; selbst wenn die Behauptung stimmen sollte, daß Einwanderer positive wirtschaftliche Leistungen erbringen, wirken sich die allgemeinen sozialen und kulturellen Konsequenzen negativ aus.
Praktische Folgen hatte das alles nicht, was auch erklärt, warum so lange nach den Einsichten von Schily und Merkel ein Sarrazin mit seinen kaum weiterreichenden Feststellungen für Aufregung sorgt und man immer noch mit Überraschung liest, daß die FAZ im Wirtschaftsteil ihrer heutigen Ausgabe einen Aufsatz des amerikanischen Journalisten Christopher Caldwell unter dem Titel „Einwanderung in die Sozialsysteme“ bringt. Knapp zusammengefaßt steht da:
1. Die Kosten der Migration sind weitaus höher als der Nutzen,
2. die fehlende Eingliederung macht sich nicht nur auf dem Arbeitsmarkt, sondern auch im gesamtgesellschaftlichen Gefüge bemerkbar,
3. dieser Sachverhalt ist nicht neu, sondern war von Anfang an eine Begleiterscheinung des massenhaften Zustroms Unqualifizierter.
Die Zahlen sprechen für sich; Caldwell:
Die kapitalistische Argumentation lautet, dass Einwanderer einen großen wirtschaftlichen Nutzen bringen, weil sie als Arbeitskräfte gebraucht werden und `die Jobs machen, die kein Europäer will´. Das beruht aber auf einem kurzfristigen Denken. Es gilt nur so lange, wie die Einwanderer aus den Niedriglohnländern sich nicht an die Gegebenheiten der westeuropäischen Gastländer angepasst haben. Sobald sie dies tun und die Rechte erhalten und Ansprüche stellen, die in den europäischen Wohlfahrtsstaaten gelten, hören sie auf, die schlechtbezahlten Jobs zu tun, zumal ja der Sozialstaat mit Lohnersatzleistungen eine Alternative bietet. Allgemein wirkt der Sozialstaat wie ein `Zuwanderungsmagnet´ (Hans-Werner Sinn), gerade auf Geringqualifizierte. Eine staunenswerte Zahl zur fehlgeschlagenen Integration in den Arbeitsmarkt hat vor einiger Zeit die Bundesausländerbeauftragte veröffentlicht: Von 1971 bis 2000 ist die Zahl der Ausländer in Deutschland von 3 Millionen auf etwa 7,5 Millionen gestiegen. Die Zahl der erwerbstätigen Ausländer hat sich jedoch nicht bewegt: Sie blieb bei rund 2 Millionen. 1973 (dem Jahr des Anwerbestopps) waren 65 Prozent der Einwanderer auf dem Arbeitsmarkt beschäftigt, ein Jahrzehnt später waren es nur noch 38 Prozent.
Was ist der Argumentation Caldwells fehlt, ist der Hinweis darauf, daß die „Kapitalisten“ nur einen Flügel jener Allianz von Wirtschaftsführern und der „schicken Linken“ bildeten, die sich den Multikulturalismus aus ganz verschiedenen Gründen auf die Fahnen schrieben, aber einig waren in bezug auf ein Menschenbild, demzufolge Entwurzelung der Normalzustand unserer Spezies ist.









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