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scheil Stefan Scheil


Krieg

Eine Kompanie Kriegsgegner macht sich wenige Kilometer von der eigenen Stellung entfernt angriffsbereit. Sie gibt sich nicht einmal viel Mühe, sich zu tarnen.

Mehrere Tankwagen sollen offenbar nach einer Angriffsfahrt in der Stellung der eigenen Truppe zur Explosion gebracht werden, eventuell gefolgt von Sturmangriffen. Von der Bereitschaft der Kriegsgegner, das eigene Leben zur Erzwingung einer Bresche und zum Durchbruch durch die Bresche zu opfern, muß ausgegangen werden. Sie haben diese Bereitschaft bei ungezählten Gelegenheiten unter Beweis gestellt.

Für Gegenmaßnahmen bleibt wenig Zeit. Es ist bereits Stunden nach Mitternacht und der geplante Angriff wird mit oder kurz vor der Dämmerung stattfinden. Als Optionen zur Abwehr stehen unter anderem eigener Beschuß, vorbeugender Gegenstoß oder Bombardierung zur Wahl, wenn man nicht auf die Undurchdringlichkeit der eigenen Befestigung vertrauen will und wartet. Beschuß ist unpräzise, ein Gegenstoß kann opferreich sein, Warten ist zu riskant. Bleibt ein fast risikoloses und vernichtendes Bombardement als naheliegene Wahl. Es findet erfolgreich statt.

Wie viele Menschen getötet wurden, läßt sich annähernd zählen. Ob einige oder gar viele darunter als zivile Schaulustige am Ort waren, bleibt Spekulation. Wie viele Menschenleben gerettet wurden, durch die Verhinderung des gegenerischen Angriffs und für die Zukunft durch die Ausschaltung einer größeren Zahl an Gegnern sowie die Machtdemonstration des Luftangriffs, bleibt ebenfalls Spekulation.

Daß aus diesem Anlaß letztlich der Mann seinen Ministerhut nehmen muß, der der deutschen Öffentlichkeit hartnäckig verkaufen wollte, man sei in Afghanistan nicht im Krieg, ist richtig, jenseits aller Spekulation.

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