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scheil Stefan Scheil


Zur Debatte gestellt


Reichtum, Leistungen und Kopftücher

Die Bundesrepublik Deutschland ist reich, immer noch. Wer reich ist, der leistet sich was. Die BRD leistet sich deshalb unter anderem ein Sozialsystem, das so manchem eine gelassen-arbeitsfreie Existenz ermöglicht, kein Leben in Reichtum, aber doch in Umständen, die im weltweiten Vergleich luxuriös ausfallen. Das zieht teilweise generationenlang gepflegte Arbeitslosigkeit nach sich und es begünstigt unter den heutigen Umständen die Ghettobildung und die unqualifizierte Zuwanderung.

Weit davon entfernt, Maßnahmen dagegen zu ergreifen, plant die Regierung mit der Einführung des Betreuungsgelds den Start einer weiteren Rakete in Richtung Ghettobildung und sie tut dies ganz bewußt. Die bayrische Familienministerin Haderthauer hat in einem Interview mit der WELT offen eingeräumt, das Betreuungsgeld würde den Verbleib türkischer Kinder in ihren Familien fördern und damit den Erwerb der türkischen Sprache als unangefochtener Erstsprache begünstigen. Sie hält das für gut.

Die Produktion von „Kopftuchmädchen“, wie Thilo Sarrazin sich neulich ausgedrückt hat, wird nun also staatlich mit voller Absicht noch mehr begünstigt als bisher. Das hat ungewohnten Widerspruch erzeugt. Artikulationsfähige Reste des gesunden Menschenverstands finden sich zu diesem Punkt im Establishment der deutschen Politik derzeit vorwiegend in der taumelnden SPD, wie neben Sarazzin die Reaktion Heinz Buschkowskys zeigt, des sozialdemokratischen Bürgermeisters von Neukölln. Aber auch Philosoph Peter Sloterdijk sprang Sarzzin bei und setzte gleich noch eins drauf, indem er Steuern und Sozialabgaben praktisch für Diebstahl erklärte. Professorenkollege Karl-Heinz Bohrer assistierte Sloterdijk, ja er schwang sich jüngst in der FAZ sogar dazu auf, von seinem „wohlerworbenen“ Vernögen zu sprechen, das ihm keiner zu nehmen habe. Das zielte auf den sozialen Luxus des Sozialstaats im allgemeinen und zeugt von einer Schieflage der Debatte, denn das Problem ist nicht der Sozialstaat, sondern dessen Vernutzung im Rahmen einer einfältig dümmlichen Zuwanderungspolitik. Die Antwort auf dieses Problem liegt nicht im Import libertärer Kurzschlüsse aus den USA.

Es ist dabei schon auffallend, wie sehr sich hier plötzlich Personen engagieren, die ihre soziale Stellung und ihr wohlerworbenes Vermögen dem jahrzehntelangen Verbleib in steuerfinanzierten öffentlichen Bereich verdanken. Die Bundesrepublik leistet sich nämlich noch manch anderes als Hartz IV-Empfänger. Sie leistet sich zum Beispiel fünfstellige Gehälter für Universitätslehrer und Landesminister, steuerfinanziert versteht sich. Wenn die einen nur Kopftuchmädchen produzieren, drängt sich die beckmesserische Frage auf, was denn genau ein Philosophieprofessor eigentlich produziert, damit staatliche Transferleistungen für ihn im Wert von monatlich dreißig oder vierzig Hartz-Raten gerechtfertigt sind? Plato, Sokrates oder Diogenes, aber auch Kant, Hegel oder Schopenhauer mußten noch ohne diesen Luxus auskommen. Und wenigstens Staatsphilosoph Hegel hätte wohl etwas länger gelebt, hätte er sich als anständig bezahlter Inhaber eines Lehrstuhls die eine oder andere warme Mahlzeit mehr leisten können.

Eine aktuelle Suche nach Formen gesellschaftlicher Nützlichkeit der Universitäten stößt weitgehend ins Leere. Hans-Joachim Arndt hat schon vor dreißig Jahren zu Recht beklagt, die Politikwissenschaft drücke sich um jeden Beitrag zu deutschen Schlüsselereignissen herum und weiche der deutschen Lage aus. Das galt und gilt für die Geistes- und Sozialwissenschaften hierzulande weiterhin. Einen Beitrag zur Überwindung der kleindeutschen Teilung sucht man vergebens, vielmehr vernebelten Deutschlands Akademiker vor 1989 nach Kräften das Bewußtsein, es sei irgend etwas geteilt worden. Letzte Woche setzte die tschechische Regierung in Brüssel durch, wegen tschechischer Vertreibungsverbrechen keine lästigen Fragen mehr gestellt zu bekommen. Einen Appell der deutschen Universitätsphilosophen an den kategorischen Imperativ gab es aus diesem Anlaß nicht, er ist auch nicht zu erwarten.

Es sei mit Philosophie und Literatur, vielleicht mit der Gesellschaft insgesamt, wie mit dem Zierrasen, hieß es einmal: Wer Blumen wolle, müsse aufhören zu düngen. Dieser Ansicht kann man sich anschließen oder nicht, aber man muß in jedem Fall wissen, was man fordert. Wer den Luxus des Sozialstaats abschaffen will, sägt zwangsläufig auch am eigenen wohlalimentierten Ast im öffentlich-universitären Bereich. Sicher läßt sich hier manches mit guten Gründen zusammenstreichen. Ob aus der allgemeinen Verarmung dann mehr intellektuelle Blumen und weniger Kopftuchmädchen wachsen, bleibt mindestens fraglich. Intelligente Politik würde andere Wege finden, wie sie eigentlich auch geschworen hat – zum „Wohle des deutschen Volkes“.

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49 Kommentare zu „Reichtum, Leistungen und Kopftücher“

  1. Thomas Fink

    „Die Antwort auf dieses Problem liegt nicht im Import libertärer Kurzschlüsse aus den USA.“ Warum eigentlich nicht? Der amerikanische libertäre Konservatismus, der den Staat als notwendiges Übel sieht und „big government“ bekämpft, bietet meines Erachtens die einzige Lösung des hier angesprochenen Problems. Der Staat ist dazu da, die Freiheit und das Eigentum seiner Bürger nach innen und außen zu verteidigen. Und das war es dann im Wesentlichen. Maßt er sich mehr an, geht es ans Umverteilen und Umerziehen, um Gesundheit, Altersversorgung, Bildung etc., werden Apparate geschaffen, welche zwangsläufig (aufgrund ihrer Monopolstellung) immer größer, teurer und unproduktiver werden. Inzwischen sind wir in allen Industrienationen (einschließlich USA) an den Punkt gelangt, wo der Staat steuertechnisch nicht mehr finanzierbar ist. Der Punkt, an dem höhere Steuern zu niedrigeren Steuereinnahmen führen. Die Sozial- und sonstigen Systeme sind nur noch über Schuldenaufnahme zu finanzieren. Schulden, die realistisch gesehen, niemals zurückgezahlt werden können. Das wird natürlich irgendwann ein Ende haben. Darauf gilt es vorbereitet zu sein.

  2. Timotheus

    Nun, die CSU ist für das Betreuungsgeld, weil es eine simple und schnöde, obendrein auch sinnvolle Alimentierung der Klientel ist. Was diese für Bayern sinnvolle Regelung in Berlin, Hamburg, Frankfurt oder dem Ruhrgebiet anrichtet, kann den Bayern geflissentlich egal sein. Vielleicht solle man sogar noch einen Schritt weiter denken, denn immerhin braucht jede Partei und insbesondere die CSU ein Feindbild. Da kommen desintegrierte Ausländer gerade recht…

  3. quer

    „….wie sie eigentlich auch geschworen hat – zum „Wohle des deutschen Volkes“.“

    Ich will es mir hier versagen, den sog. Amtseid voll zu zitieren. Den kann man im GG nachlesen. Es stellt sich die Frage, inwieweit dieser Eid als Formel zur Bestätigung der Macht verkommen ist. Denn wäre dieser Eid ein solcher, dann müßten von Amtswegen durch die Staatsanwaltschaft und von Privat längstens Verfassungsbeschwerden in Karlsruhe anhängig sein.

    Nun soll es ja Menschen geben, welche das GG in allen Teilen als Verfassung und Richtmaß nehmen und gar darauf vertrauen. Denen wird dieser sog Amtseid einmal als Vorlage dienen, serienweise Politiker und Beamte zum Schutz des Volkes abzuurteilen. Ein Punkt, der innerhalb eines Bürgerkrieges als einer der Ursachen dafür herangezogen werden wird. In solchen Situationen wird mit den Betroffenen nicht allzu zart umgegangen. Also schon mal warm anziehen!

    „….immerhin braucht jede Partei und insbesondere die CSU ein Feindbild. Da kommen desintegrierte Ausländer gerade recht…“

    Dieses bereits heute real existierende Feindbild bedarf sicher keiner Partei um virulent zu werden. Es wird vielmehr eines der Mosaiksteine (eher großer Brocken) zur Auslösung des unweigerlich Kommenden sein. Dann aber werden die Parteien als Beförderer ziemlich elend dastehen. Es wird selbstverständlich werden, jedwede Mitgliedschaft bei jedweder Partei bis zum Beweis des Gegenteils zu leugnen. Hatten wir schon einmal nachhaltig und einmal eher lau.

  4. Daß Buschkowsky so „holzen“ darf, hängt auch damit zusammen, daß Sozialdemokraten und die (ehem.) Partei der Staatsbediensteten den „Sozialstaat“ am liebsten in der Ausgestaltung der Erziehungsdiktatur mit verbeamteten Personal sehen.

    Linke sind ja nicht dämlich und können sich ausrechnen, daß jeder Cent „Betreuungsgeld“ dem Aufbau und Unterhalt dieser Infrastruktur fehlt … insofern ist Kritik an schwatzgelben Programmen system- oder besser: klieentelimmanent.

    Zudem wird man in „fortschrittlichen Kreisen“ wohl kaum den Feministinnen und Kinderlosen verklickern können, daß finanzielle Hilfe für Familien an der Tagesordnung ist, was jegliche Zustimmung „von links“ nahezu unmöglich macht.

    Im Grunde ist die Diskussion völlig irrelevant.
    Wenn Eysenck Recht hat, wird keine Betreuung der Welt den IQ der Betreuten anheben – was das milliardenschwere „head start“ in den USA seit 40 Jahren beweist. Die von Sarrazin (nicht nur für Berlin) en passant festgestellte Dequalifizierung der Bevölkerung wird also munter voranschreiten.

  5. Bauer Gerhard

    Gibt es zu der Aussage von Haderthauer eine Quelle? Ich habe zwar auch einiges gelesen, was sie dazu gesagt hat aber in dieser Deutlichkeit habe ich nichts gelesen.
    Ich habe den Artikelausschnitt kopiert und bei
    http://cdu-politik.de/2009/10/31/zwischenruf-das-betreuungsgeld-ist-ein-grosser-fehler/
    eingestellt.

  6. Rudolf

    Ich finde, Scheil gibt die Aussage Haderthausers etwas verfälscht wider. Ein Link auf das Interview wäre nicht schlecht gewesen, so kann sich jeder selbst ein Urteil davon bilden: http://www.welt.de/politik/deutschland/article4912469/Haderthauer-kaempft-fuer-die-Betreuung-zu-Hause.html#vote_4913878

    Im Übrigen ist mir nicht ganz klar geworden, was Scheil für Alternativen zu den „libertären Schnellschüssen“ aus den USA sieht:
    HartzIV nur für Deutsche? Nette Idee, aber dafür ist es nach Jahrzehnten wilder Zuwanderung zu spät.

  7. Hamburger Studi

    Betreuungsgeld, Sarrazin, Hartz IV, Sloterdijk, „Kopftuchmädchen“, SPD, Platon, Kant, Politikwissenschaft, Sinn der Geisteswissenschaften, tschechische Regierung, kategorischer Imperativ – da hat Scheil wohl so ziemlich alles, was ihm in den letzten 6-8 Wochen durch den Kopf gespukt ist, in dieser thesenlos, argumentlos, strukturlos und planlos herummäandernden Assoziationsübung verwurstet. Daumen hoch.

    Warum „die deutschen Universitätsphilosophen“ anlässlich des Ja der tschechischen Regierung zu Lissabon einen „Appell“ (?) an den kategorischen Imperativ hätten richten und was der Inhalt dieser Anrufung hätte sein sollen, das hätte man gerne noch erfahren, aber da war Scheil wahrscheinlich schon glücklich assoziierend durch die Themen Staatsschulden, Westerwelle, Fußball, Nietzsche und Schweinegrippe weitergelatscht. Hoffentlich erfahren wir demnächst davon.

    P.S.: Kant genoss sehr wohl den „Luxus“ von „staatlichen Transferleistungen“, ab den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts war er einer der bestbezahlten Professoren Preußens.

  8. tiberius

    @Thomas Fink

    also zum Thema USA: Es mag wohl sein, dass der Staat gerne als „notwendiges Übel“ abgelehnt wird ,wenn es z.B. auch nur um Mindeststandards bei der Gesundheitsversorgung einfacher Menschen geht.

    Wenn es andererseits um Millionen an Boni geht, die an eine Kaste von Unmenschen gezahlt werden müssen, damit diese nicht abhauen und die Unternehmen mit vollkommmen undurchsichtig gestalteten Finanzderivaten und deren Strukturen zurücklassen – ja dann ist die Zahlung mit Steuergeldern plötzlich in Ordnung.

    Ich mag daran kein lobenswertes Beispiel erkennen. Ein ausschweifendes Leben auf anderer Leute Kosten, hat nichts mit den Traditionen unseres Vaterlandes zu tun, es ist weder rechts noch konservativ – irgendwie kommt da der Begriff Anstand hinzu.

    Gerade dafür steht das moderne Amerika in dieser Welt nicht mehr.

  9. @Rudolf

    „Im Übrigen ist mir nicht ganz klar geworden, was Scheil für Alternativen zu den „libertären Schnellschüssen“ aus den USA sieht:
    HartzIV nur für Deutsche? Nette Idee, aber dafür ist es nach Jahrzehnten wilder Zuwanderung zu spät.“

    Sie können von Herrn Scheil nicht verlangen dass er für ein System eintritt in dem er selbst verhungern würde. Natürlich plädiert er gegen „libertäre Schnellschüsse“, natürlich ist er für die Beibehaltung von HartzIV, das – in seinen eigenen Worten – „so manchem eine gelassen-arbeitsfreie Existenz ermöglicht“. Die ökonomische Grundlage für den Revisionismus ist Hartz. Wenn die bö-bö-bösen Neoliberalen oder Libertären sich durchsetzten müssten die Revisionisten arbeiten gehen oder würden (in den meisten Fällen) verhungern (oder um ihren Platz vor der Suppenküche kämpfen).

  10. Thatcher

    Bisher war ich immer einer von denen gewesen, die dem Betreuungsgeld Vorteile abgewinnen konnten. Das würde die Frauen von der drückenden Notwendigkeit, ihre Kinder in Krippen fremdbetreuen zu lassen, um für den Unterhalt arbeiten gehen zu können, entlasten. Mutterschaft würde als ein Wert angesehen, der einer beruflichen Tätigkeit auch finanziell gleichgestellt wäre.

    Andererseits wäre der Effekt verpufft und sogar schädlich, wenn man es unterschiedslos an alle in Deutschland lebenden Familien ausschütten würde. Am meisten profitieren würden dann diejenigen Familien, in denen die Männer den Frauen zu Kinderzahlen bewegen können, die weit über dem lägen, was für deutsche Frauen normal wäre – genau, die moslemischen Familien, denen schon jetzt der Rücken zum demographischen Djihad freigehalten wird.

    Die Konsequenz kann nur sein, dass man wieder diskriminiert nach solchen Kindern, die Deutschland nützen und für die Mütter in den Genuss des Betreuungsgeldes kommen, und solchen, die Deutschland nicht nützen. Wir haben als deutsches Volk einen Anspruch darauf, in unserem Land nicht von Fremden durch massive Geburtenförderung verdrängt zu werden! Und wir müssen korrupte Politiker, die Derartiges hinter unserem Rücken ermöglichen, nicht akzeptieren.

    Jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand vermag zu erkennen, dass die vielfältigen Probleme, die auf Deutschland aufgrund der kippenden Demographie in einer Welt harter wirtschaftlicher Konkurrenz zukommen, ausschließlich von deutschen Kindern gelöst werden können. Wir brauchen weder türkische noch afrikanische noch chinesische, noch Mischlingskinder nach Graf Coudenhove-Kalergi, sondern deutsche Kinder. Wer einmal den Unterschied bemerkt hat zwischen einer Schulklasse mit deutschen Kindern und einer, in der 20% Ausländerkinder jeden Qualitätsanspruch zunichte machen, der weiß auch, dass Deutschland zu einem Land von zu höherer Bildung unfähigen Dönerverkäufern verkommen wird, wenn wir die Unterscheidung zwischen deutschen und nichtdeutschen Menschen nicht bald wieder zu treffen lernen. Diskriminierung ist das Normalste der Welt. Sie findet überall statt, und die Diffamierung der Diskriminierung als Quasi-Straftat muss endlich überwunden werden.

  11. Hauptmann Beppo Römer

    @ Thomas Fink

    Warum eigentlich nicht? Der amerikanische libertäre Konservatismus, der den Staat als notwendiges Übel sieht und „big government“ bekämpft, bietet meines Erachtens die einzige Lösung des hier angesprochenen Problems

    Was hält Sie davon ab, sich mit Typen wie Richard Herzinger oder der „Achse des Guten“ gemein zu machen, werter Freund ?
    Sollen wir nach den Irrtümern und Verrücktheiten, unter denen wir seit Jahrzehnten leiden, auch noch diejenigen importieren, vor denen ein gnädiges Schicksal uns bislang bewahrt hat ?

    Worin der kulturelle Preis eines entfesselten Marktes besteht, sollte nach den anderthalb Jahrzehnten der Globalisierung keinem Zweifel mehr unterliegen.

    Wie kann man allen Ernstes von einem „libertären Konservativismus“ faseln, wo der entfesselte Liberalkapitalismus in seinem globalistischen Stadium sich als eine nihilistische und im Weltmaßstab revolutionäre Potenz entpuppt hat, wie es ihresgleichen noch nie auf Erden gegeben hat ?

    Es gehört zu den typischen Inkonsequenzen einer bestimmten Sorte von Pseudo-Konservativen, einer Entfesselung der Marktkräfte das Wort zu reden, die Verantwortung für die absehbaren kulturellen Folgen aber Anderen anzulasten. Die political correctness etwa ist dem linken akademischen Milieu, in dem manche ihrer Gegner noch immer ihre Hauptstütze sehen, längst entwachsen und zur Ideologie des globalisierten Kapitalismus und zum sozialen Verhaltenskodex seiner Eliten avanciert.

    Der Staat soll sich also auch hierzulande aus seiner Verantwortung für das gesellschaftliche Wohlergehen zurückziehen; wodurch unterschiede sich aber unser spezifisches deutsches Gesellschaftsmodell von dem der angelsächsischen Länder, wenn nicht durch die Auffassung, daß der Staat mehr sei, als ein „notwendiges Übel“; daß ihm vielmehr die Aufgabe obliege, die Gesellschaft zur Gemeinschaft, zum Kollektiv, zu integrieren ?

    Die Bereitschaft, dieses Modell, das einmal Vorbildcharakter für weite Teile der Welt besaß, in seinen Grundzügen zu erhalten, ist in Zeiten der Globalisierung das Kriterium, an dessen Hand echte Nationalkonservative sich von den Parteigängern eines windigen Westlertums unterscheiden lassen; mögen die letzteren auch in konservativem Aufputz einherstolzieren.

    Scheil hat vollkommen Recht, und am meisten Recht hat er gegen Leute wie Sloterdijk und Bohrer.

  12. Freedy

    Mit Thomas Finks libertärem Konservartismus in den USA verbinde ich am ehesten die Kreise um das Mises Institut in Auburn, Alabama und Ron Paul als politisch aktivem Kongressabgeordnetem.
    Beide haben wenig gemein mit der gegenwärtigen Ausprägung der US sowie mit den spezifischen Marktfesselungsmethoden der FED und ihrer Regierung.
    Gesellschaften können nicht nach einem Gesellschaftsmodell geformt werden. Die Modellierer bilden allenfalls Gruppen verstörter Geisteskrüppel aus.

  13. Thomas Fink

    Es ist doch interessant, wie sich sich reflexhafter Antikapitalismus, klischeehafter Antiamerikanismus und so genannter Nationalkonservatismus hier die Hände reichen. Was unterscheidet sie denn eigentlich von den Sozialisten, verehrte Kritiker „entfesselter Märkte“? Die kulturellen Folgen, die sie den „entfesselten Märkten“ anlasten, sind im wesentlichen das Resultat der sozialistischen Umverteilung der Produktivitätssteigerungen dieser Märkte. Es ist die Kultur des Neides, die eine permanente Unterschicht in erlernter Hilflosigkeit produziert hat.
    In den USA wird pro Kopf der Bevölkerung mehr für Gesundheit vom Staat ausgegeben als hier. Und das ist nicht gut, das ist schlecht. Der schleichende Sozialismus mit seinen Welfare Queens ist dort nicht erst seit Obama auf dem Vormarsch. Selbst unter Reagan, diesem so expliziten Anti-BigGovernment Präsidenten ist der Staatsapparat gewachsen. Und das ist nicht gut, das ist schlecht.

    „Das Verständnis des Sozialismus als eine der Erscheinungsformen der Faszination des Todes, erklärt dessen Feindseligkeit gegenüber der Individualität, seinen Wunsch, jene Kräfte zu zerstören, welche die menschliche Persönlichkeit unterstützen und stärken: Religion, Kultur, Familie, individuelles Eigentum. Dies ist im Einklang mit der Tendenz, den Menschen auf das Niveau eines Rädchens im staatlichen Mechanismus zu reduzieren. “
    „Es gibt vor allem die langjährige Erfahrung Rußlands, deren Bedeutung, wir erst jetzt beginnen zu verstehen. Die Frage ist: Wird diese Erfahrung ausreichend sein? Reicht sie für die ganze Welt und vor allem für den Westen? Reicht sie für Russland? Sind wir in der Lage, ihre Bedeutung verstehen? Oder ist es der Menschheit bestimmt, diese Erfahrung in einem unvergleichlich größerem Umfang zu machen? Es gibt keinen Zweifel daran, dass, wenn die Ideale der (sozialistischen) Utopie universell realisiert sind, die Menschheit, auch in der Kaserne der universellen Stadt der Sonne, die Kraft finden wird, ihre Freiheit wiederzuerlangen und Gottes Bild und Gleichnis – die Individualität des Menschen – zu erhalten, sobald sie einen Blick in den Abgrund geworfen hat. Aber wird dann wenigstens diese Erfahrung ausreichend sein? Es scheint so, dass die Freiheit die dem Menschen und der Menschheit gewährt wird absolut ist, dass sie die Freiheit, die ultimative Wahl zu treffen, umfasst – die zwischen Leben und Tod.“ Igor Shafarevich

    Und es scheint mir, daß der amerikanische, libertäre Konservative, mit der Waffe in der Hand, das besser versteht, als irgendwelche Pseudokonservative, die noch auf den guten Staat hoffen, der das alles regelt.

  14. Sugus

    @ Thomas Fink
    Angenommen, die Holzpreise sind sehr hoch. Soll man da nicht den Bannwald über dem Alpendorf abholzen? Wäre doch schade um das schöne Geld…

  15. Thomas Fink

    „Angenommen, die Holzpreise sind sehr hoch. Soll man da nicht den Bannwald über dem Alpendorf abholzen? Wäre doch schade um das schöne Geld…“

    Da könnte man einen schönen Tatort draus machen. Die Reichen gehen über Leichen. Alles für das schöne Geld. Den Rest vom Drehbuch dürfen Sie jetzt selber schwarz weiß malen. Ich bin übrigens öfters in Österreich in den Alpen. Und wandere in Gegenden wo vor ein bis zwei Generationen noch bitterste Armut geherrscht hat. Da gehört den Bauern der Bannwald inzwischen selber. Und den lassen sie nicht abholzen. Weil sie nämlich langfristige Prosperität keinem kurzfristigem Profit opfern. Wie jeder gute Kapitalist. Vielleicht doch nicht so viel Tatort gucken.

  16. Sugus

    @ Thomas Fink

    „Und den lassen sie nicht abholzen. Weil sie nämlich langfristige Prosperität keinem kurzfristigem Profit opfern. Wie jeder gute Kapitalist.“

    Ich entnehme der Formulierung, daß es auch schlechte Kapitalisten gibt? Was, wenn diese volkswirtschaftlich den Ton angeben?

  17. Martin

    Es gibt einfach zu viele „Zonis“, die ihrer vormaligen heimeligen-Sozialismus-Wohlfühl-Mangel-Verwaltung-mit-staatlich-garantierter-Überwachungssicherheit doch zu viel positives abgewinnen können und immer noch von einem wie auch immer starken Staat träumen (diesmal dann halt eben wie auch immer national – aber keine Panik, bis auf durch sozialistische Austauschprogramme Zugewanderter ist kaum einer freiwillig in die DDR gezogen, autochthone Inzestreinheit würde also bei Rückkehr zu einer Art von nationalen DDR garantiert sein – denn da würde dann auch keiner freiwillig hinwollen).

    Auch diese seltsame Lust am Untergang und Bürgerkrieg, die in diesen Debatten immer wieder auftaucht, erscheint mir kindisch und eine Art naiver Abklatsch marxscher Dialektik zu sein. Ebenso diese Romantisierung und Glorifizierung von Preußen … aus meiner Sicht gewinnt man damit bestimmt nicht „Deutschland“.

    Dabei kann man auch in diesem System so viel mit ein bisschen guten Willen ändern – und wenn sich manche Themen auch bei Politikern festsetzen, wozu selbstredend auch Wahlerfolge einer wie auch immer rechten Partei hilfreich wären, dann kann auch ein gewisser Umschwung kommen.

    Und ja: Die simpelste Lösung zum hier angesprochen wäre es tatsächlich, wenn man soziale Transfers bei Nichtdeutschen und Nicht- EU-Ausländern auf die durch sozialversicherungspflichtige Arbeit erworbenen Ansprüche reduzieren würde – also nix Hartz IV & Kindergeld for everybody.

    Und was das Thema „Integration“ und den „Wert der Arbeit angeht“, kann man nur empfehlen, mal wieder den guten Alain de Benoist aus dem Bücherschrank zu holen und ein bisschen in der deutschen Ausgabe des „Aufstand der Kulturen“ zu lesen … sehr erhellend! Und sowas wie eine Art Zwangsgermanisierung, die viele Politiker sich unter Integration vrsotellen, ginge mit Benoist schon gar nicht ….“rechts“ hat er!

  18. Freedy

    @ Sugus:

    Schlechte Kapitalisten verlieren ihr Kapital.
    Manche von ihnen verstehen es, sich stattdessen politisch wichtig zu machen.

  19. Thomas Fink

    „Ich entnehme der Formulierung, daß es auch schlechte Kapitalisten gibt? Was, wenn diese volkswirtschaftlich den Ton angeben?“

    Gute Frage. Unter den Bedingungen eines reellen freien Marktes verschwinden schlechte Kapitalisten einfach vom Markt. Sie sind nicht konkurrenzfähig und gehen pleite. Nur in einem durch staatliche Subventionen, Monopole, Korruption etc. verzerrten Markt haben schlechte Kapitalisten eine Überlebenschance. Und die desaströsen Resultate solcher Marktverzerrungen werden in der Regel „entfesselten Marktkräften“ zugeschrieben. Die antikapitalistische Grundausbildung in den westlichen Industriestaaten (halbsozialistisch mit kapitalistischem Hilfsmotor) vergibt für solcherart empiriefreie Empörungsanalysen natürlich die Note 1 a mit Doppelstern.

    Man möge mich nicht falsch verstehen: ich bin kein libertärer Utopist. Ich glaube nicht, das sich der Staat abschaffen lässt. Er wird ein notwendiges Übel bleiben. Und jeder Staat hat die Tendenz sich über Gebühr auszudehnen, sich in Dinge einzumischen, die ihn nichts angehen. Dafür braucht es immer die Gegenkraft eines robusten Individualismus. Der wurde uns Europäern seit der französischen Revolution in 200 Jahren „Nannystate“ gründlich ausgetrieben. Als bedeutende gesellschaftliche Kraft hat er nur in den USA überlebt. Gegenwärtig bei ca. 40% der Bevölkerung, die gerade mit Tea Parties gegen Übersteuerung und Sozialismus mobilisieren.

  20. Andreas Lehmann

    Es ist mehr als typisch für einen nicht geringen Teil der Konservativen von ökonomischen Zusammenhängen rein gar nichts zu verstehen.

    Man betitelt sich selbst als „echten“ Konservativen, und ist doch in Wahrheit Anhänger einer Idee der fr. Revolution, nämlich des mehr oder weniger totalen Staates.

    Freie Marktwirtschaft ist kein amerikanisches Konstrukt, sondern eine Selbstverständlichkeit seit Anbeginn der Menscheit. Freie Marktwirtschaft findet statt wenn zwei Personen in freiwilligem Einverständnis Güter tauschen, und dadurch ist sie automatisch frei-(willig). Unfrei – und in der Moderne oft genug mit einer konstruktivisten Begründung legitimiert – wird sie erst wenn der Staat mit Gewalt seine Abgaben verlangt (und erst in der Moderne in diesen abnormalen Ausmaßen). Die Forderungen und Vorstellungen der amerikanischen libertären Republikaner haben weitaus mehr mit den vormodernen abendländischen Kulturstaaten zu tun, als alles was von Seiten der modernen rechten europäischen Parteien gefordert wird.

    Es geht hier nicht darum den Staat abzuschaffen, sondern zu erkennen welche Staatsform dauerhaft bei ihren Kernaufgaben bleibt, und somit Tradition, Freiheit und Wohlstand schützt bzw. nicht verhindert.
    Und umgekehrt muß klar sein welche Staatsformen „aus ihnen selbst heraus“ eine nicht aufzuhaltende Tendenz hin zu Sozialismus, Kollektivismus und Totalitarismus haben. Erstere war immer die Monarchie (und als Sonderfall die nicht-linke Diktatur), und letztere sind in unterschiedlichem Ausmaße die Staatsformen nach der fr. Revolution.

    Zu den Kernaufgaben: In den beiden deutschen Kaisserreichen war bis zum ersten Weltkrieg eine Staatsquote von 5-10% nicht nur normal, sie wurde nie überschritten (und heute sind es fast 50%)! Die Höchstgrenze der Einkommenssteuer lag bei 4% und eine Mehrwertsteuer gab es erst gar nicht. Der Beamtenapparat war wesentlich geringer, Bürokratie und Besteueurung ebenso. In Stefan Zweigs „Die Welt von gestern“ lesen wir das er damals andere Länder ohne Paß bereisen konnte. Und so weiter, und so weiter.

    So viel auch zur angeblichen Zersetzung der Kultur durch die Marktwirtschaft. Es ist nicht das 5000 Jahre alte ökonomische Interagieren von Menschen, das zu schädlichem Internationalismus und zur Zerstörung der angestammten Kulturräume führt. Es sind die auf den Prinzipien von Freiheit, Gleicheit und Brüderlichkeit, auf den Prinzipien der Freimaurerei aufgebauten Mammutstaaten und die von ihnen mittels staatlichem kontrolliertem und produzierten Geld (Forderung im kommunistischen Manifest) finanzierten Superorganisationen, die mit Gewalt den neuen Menschen erschaffen wollen. Und ihr konservativen Staatsvergötterer seid ihre nützlichen Idioten!

    Es ist der Zentralismus, Nationalismus und Kollektivismus der durch die fr. Revolution in alle Herren Länder getragen wurde, der Schritt für Schritt den Menschen entwurzelt (das die noch revolutionäreren Linken noch schlimmer sind spielt dabei keine Rolle. Nationalismus und Internationalismus bzw. Kollektivismus und Individualismus sind eineiige Zwillinge). Zentralismus macht aus Königreichen Provinzen, Nationalismus macht aus Patrioten aufgeputschte Wahnsinnige und über den Kollektivismus braucht man wohl kein Wort zu verlieren.

    Es gilt für Weißmann, für Scheil und einige andere im rechten Umfeld: in ihren Fachgebieten sind sehr mehr als gut, oftmals genial. Aber von Ökonomie haben sie keine Ahnung und schlagen sich (als Rechte!) regelmäßig auf die Seite der größten Feinde von Tradition, Freiheit und Wohlstand: auf die Seite der Parteigänger der fr. Revolution! Das von diesen Leuten auch noch nie eine eindeutige Verurteilung der Demokratie kam ist nicht nur bezeichnend, es weist darauf hin das sie überzeugte Republikaner sind. Der Gallier de Benoist ist das Paradebeispiel für den unsäglichen Einfluß Frankreichs auf die Welt in den letzten 200 Jahren.

    Die einzig wirksame Methode die Marktwirtschaft nicht in den Exzeß abgleiten zu lassen wäre eine Gesellschaft, ein Staat gewesen der auf der Ewigkeit aufbaut, eben ein traditionalistisches, föderales, aristokratisch aufgebautes Reich. Nur in ihr hatte die Gesellschaft „aus ihr heraus“ die Abwehrkräfte. Nur in ihr gab es keinen Staat der seine eigenen Umstürzler finanziert.

    Das Problem ist das die meisten Menschen die sich für rechts halten in Wahrheit nur besonders konservative Linke sind. Erik Ritter von Kühnelt-Leddihn hat es mit seiner Definition von rechts und links einfach auf den Punkt gebracht.

    http://monarchieliga.de/text/kuehnelt-leddihn-erik-von/links-rechts.htm

  21. Andreas Lehmann

    @ Sugus

    Thomas Fink hat ein ganz einfaches Beispiel dafür gebracht wie unterschiedlich im Sozialismus (kollektives Eigentum) bzw. im Kaptitalismus gewirtschaftet wird. Ob guter oder schlechter Kapitalist ist vollkommen unwichtig. Wer soll das überhaupt beurteilen? Der sachverstandsfreie Bürokrat im Amt?

    Was einem nicht selbst gehört kann man getrost abnutzen. Umgekehrt gilt es bei eigenem Eigentum darauf zu achten das es sich langfristig rentiert (was auch immer man unter „Rendite“ versteht, es muß nämlich keineswegs immer monetär sein). Ein Kapitalist der sein Eigentum vernutzt muß mit den Konsequenzen leben (und darf selbstverständlich keine Staatshilfe bekommen), ein Kollektiveigentümer gar nicht oder nur sehr begrenzt.

    Ach übrigens:
    Früher waren Wälder, Städte oder Flüsse ganz selbstverständlich in privater Hand. War das nun schlimm oder nicht?
    Aus den USA gibt es Studien die den Zustand privat bewirtschafteter Erholungsgebiete bzw. Weideflächen mit den staatlich betreuten Equivalenten verglichen haben. Raten Sie mal das Ergebnis…

    Was Sie vertreten ist keineswegs die gute alte Zeit oder ihre deutschen Vorfahren, sie vertreten die Postulate des modernen Superstaates.

  22. Andreas Vonderach

    Ich denke, es kann kein Zweifel daran bestehen, daß das Zitat des ehemaligen britischen Innenministers Jack Straw „The English are not worth saving as a race.“ dem entspricht, was große Teile unserer „Elite“ über unser Volk denkt.

    Wie wäre es, wenn man einen konservativen CDU-Abgeordneten dafür gewinnen könnte, einmal im Bundestag eine Anfrage zu stellen, ob nach der Auffassung des Bundesverfassungsgerichts und des Grundgesetzes die Erhaltung der deutschen Nation zur Statsräson der Bundesreublik Deutschland gehört.

    Die müßten das Grundgesetz schon arg beugen, um dies zu verneinen. Und das Urteil zu Lissabon ließe ja durchaus hoffen!

  23. Martin

    Andreas Lehmann,

    vielen Dank für Ihr Plädoyer gegen zuviel Staatlichkeit und für mehr Privatheit. So etwas war hier in diesen Seiten einmal überfällig.

    Dennoch bin ich bspw. auch über die Zeitschrift der Sezession überhaupt erst auf einen radikalen Denker wie Hans-Herrmann Hoppe gestoßen – dieser Blick auch auf andere Seiten machte diese Zeitschrift für mich immer wertvoll, hoffentlich bleibt das auch so.

    Bei aller Faszination, die ich für freiheitliche und libertäre Gedanken auch empfinde, ein paar Fragen bleiben dann doch bei mir offen, nämlich u.a. die, dass dieses Gedankengebäude von idealen Vorstellungen ausgeht.

    Alle Lust will Ewigkeit, sagte schon Nietzsche. Und so will jeder sein Erworbenes festhalten, absichern und an seine Erben weitergeben. Die Claims müssen schließlich verteidigt werden gegen Dritte. Auf diese Weise kommt es zwangsläufig zu Kartellen, Monopolen und Wettbewerbsbeschränkungen aller Art.

    Gerade das Zunftwesen im „alten Reich“ ist doch ein Kernbeispiel für eine Art von „Staatswirtschaft“. Adel ist Wettbewerbsbeschränkung par excellence. Es waren vor Urzeiten mal ein paar Leute sehr tapfer, dafür haben sie ein Lehen erhalten und das wird dann tradiert bis auf Ewigkeit etc.

    Wenn mir einer der „Marktwirtschaftler“ eine Antwort darauf gibt, wie er OHNE Staat, Wettbwerbs- und Monopol- und Kartellkontrolle erzielen will, dann werde ich evtl. auch libertär.

  24. Kiki

    Ja, die Bedenken, die Herr Scheil hier vorträgt, kenne ich gut. Schließlich wurde auch mir als Berliner einer bestimmten Alterskohorte jahrelang von 68er LehrerInnen die Welt erklärt und das richtige (nämlich krütüschä) Bewußtsein eingeimpft.

    Aber irgendwann habe ich die miefige Linkenschule verlassen, bin ins Leben hinausgetreten, habe auch einiges gelesen (wie zB. Hoppes „Demokratie“) und bin sehr bald vom deutschen Glauben an den allmächtigen Staatsgott abgefallen.

    Der Staatskult, der übrigens aus jedem seiner Adepten einen Sozialdemokraten macht (vor allem aus denen, die dies gar nicht bemerken und sich gar für entschiedene Nichtsozen halten), scheint mir in Deutschland eine Art postreformatorischer Religion zu sein.

    Irgendwie muß der reformatorische Funken ziemlich rasch verglüht sein, so daß die dürstende Volksseele eifrig nach Halt suchend auf Vater Staat verfiel (statt Gottvater) und Bismarck war sein erster Prophet … der Rest ist bekannt.

    Im Ernst, diese falsche Religion ist die Ursache aller Gegenwartsnöte, die gerade Konservative zurecht beklagen. Der Wohlfahrtsstaat löst die Probleme nicht, er generiert sie. Man muß, statt sich über angelsächsische Denker zu mokieren, nur einfach nüchtern nachdenken und seine alltäglichen Wahrnehmungen für voll nehmen.

    Man braucht nicht einmal herzloser Kapitalist sein, um im Staat, der Bestie Leviathan, ein gewaltiges Unglück für die Menschheit zu sehen; auch jemand wie G. K. Chesterton war von katholischer Seite ein entscheidener Gegner des allmächtigen Staates.

  25. Alexander

    @ Andreas Lehmann, sie haben einen klugen Beitrag verfasst.

    Die aristotelische Mitte wird es doch wohl am Ende wieder sein, zwischen gnadenloser Freiheit und gnadenlos-erdrückendem Sozialismus:

    Die soziale Marktwirtschaft.

    Der Staat als Hüter der Ordnung und Bereitsteller einer Nothilfe für Bedürftige. Dies ist heute aus dem Ruder geraten, natürlich.

    Doch diesen Erodierungsprozess und überhaupt alle Phänomene wie Einwanderung, Demographie usw. ausschliesslich auf das herrschende wirtschaftliche System zu verkürzen, griffe zu kurz. Die Umwälzungen in der Welt weisen über rein wirtschaftliche Argumente hinaus.

  26. Thomas Fink

    „Und so will jeder sein Erworbenes festhalten, absichern und an seine Erben weitergeben.“ Natürlich. Aber wieso führt Sie das zu dem Schluß: „Auf diese Weise kommt es zwangsläufig zu Kartellen, Monopolen und Wettbewerbsbeschränkungen aller Art.“? Das ist nur der Fall wenn solche Erbschaften von einer übergeordneten Gewalt (mit Gewaltmonopol) gegen Verschwendung und Misswirtschaft quasi versichert werden. Ansonsten verdampfen sie einfach, wenn der Erbe sein Erbe nicht pflegt, werden dem Vietcong geschenkt oder dem Staat per Zwangsabgabe in den Rachen geschmissen, wie es ja gerade eine Gruppe von gutbetuchten Gutmenschen gefordert hat. Damit dann 5% bei dem Harz IV Empfänger ankommen und mit dem Rest der Apparat versorgt und noch ein paar Gender- und Migrationsbeauftragte mehr eingestellt werden.
    Aber ich muß Herrn Scheil zustimmen: wenn an HarzIV geschnippelt wird, dann bitte auch an C4. Damit die linksradikalen Professoren mal echt einen Grund zum demonstrieren haben.

    Und das Monopole in einem relativ freien Markt wenig Chance auf Ewigkeit haben, zeigt doch gerade da Beispiel von Microsoft. Alle diese staatlichen antimonopol Strafen wurden doch aus der Portokasse bezahlt. Aber Linux und Apple und Google haben den Giganten geschreddert und dazu gebracht jetzt mal wieder ein einigermaßen vernünftiges Betriebssystem zu produzieren. Und da sind nebenbei auch wieder Monopole entstanden (Google) und die werden auch geschreddert. Vom Markt.

  27. Stefan Scheil

    Sehr geehrter Herr Lehmann,

    da Sie einige Gedanken zu Rechts-Links, Monarchie und Republik äußern, die in ähnlichem Zusammenhang häufiger auftreten und in gewisser Weise in Mode zu kommen scheinen, will ich kurz auf wenige Punkte eingehen.

    Insofern Sie, horrible dictu, andeuten, es in mir mit einem Demokraten und gar Republikaner zu tun zu haben, darf ich sagen: Sie haben mich ertappt. In der Tat bin ich Anhänger des demokratisch verfassten, republikanischen Rechtsstaats. Er ist sowohl die effektivste wie auch die kategorial am stimmigsten zu begründende Staatsform und überdies in der staatlichen Tradition Deutschlands, auch des Deutschen Reichs, durchaus verankert. Ich habe unter anderem in „Revisionismus und Demokratie“ auf die demokratischen Elemente des Alten Reichs hingewiesen, die in Deutschland deutlich ausgeprägter waren als beispielsweise unter den Verhältnissen des absolutistisch verfassten und zentralisierten französischen Königreichs.

    Die vieldisukutierte Frage, was dann „Rechts“ oder „Links“ sei, entscheidet sich wie stets am Menschenbild, um es auf einen kurzen und diesem Rahmen hier angemessenen Nenner zu bringen. So wie die ewige Linke den Menschen im Prinzip für optimierbar und für eine auf einheitliches Niveau zu hebende (in der Linken Realität leider oft einheitlich gesenkte) Gattung erachtet, erkennt die ewige Rechte den Menschen als ein notwendig mit Mängeln und unaufhebbaren Ungleichheiten behaftetes Wesen. Daraus ergeben sich Tatsachen, wie etwa Rangunterschiede, gewachsene Traditionen, unterschiedliche Sitten, auch solche des Geschlechterverhaltens, zudem die Anerkennung verschiedener Völker, die der Rechte als gewachsen respektiert und an denen er seine praktische, staatliche Politik ausrichtet, auch die des sozialen Transfers innerhalb dieser Völker.

    Was die hier mehrfach angesprochenen ökonomischen Analysen libertärer Art angeht, so erachte ich sie für mit derartigem Rechten oder konservativen Denken für kategorisch unvereinbar, im übrigen auch empirisch für nah am Rand des Grotesken angesiedelt. Das libertäre Menschenbild ist ungetrübt optimistisch und sieht den Menschen ledglich als durch die Verhältnisse (in diesem Fall den „Sozialstaat“ als Feindbild) an seiner Entfaltung gehindert an. Die dabei stets angenommenen Idealsituationen des ökonomischen Austauschs sind historisch zu keinem Zeitpunkt gegeben gewesen, sie berücksichtigen auch nicht die im politischen und wirtschaftlichen Alltag stets vorhandenen Machtfragen. Eine Einordnung des libertären Denkens in ein Rechts-Links Schema kann vor diesem Hintergrund lediglich in der Umgebung extrem linker Utopien erfolgen, auch wenn die Libertären in den heutigen Diskurs eine gelegentlich angenehme Aufregung bringen, die wie man hört, ja auch von der Jungen Freiheit demnächst gewürdigt werden soll.

  28. Sugus

    @ Fink Lehmann und andere Marktgläubige

    Ich würde Ihnen ja gerne glauben – aber den idealen Markt (ohne Monopole etc.) gibt es so wenig wie den funktionierenden Sozialismus. Ich nehme übrigens keinem von Ihnen ab, daß ein Vermögensverwalter, der Ihnen eine unterdurchschnittliche Rendite präsentierte mit dem Argument, dafür langfristig mehr rauszuholen, seinen Job behielte. Dieser „gute Kapitalist“ bekäme gerade von Libertären und Marktradikalen postwendend den Rauswurf.

  29. Andreas Lehmann

    @ Martin

    Selbstverständlich ist die Sezession ein hervorragendes Medium. Ich bin seit einigen Jahren Abonnent, und ich lese sie mit Genuss. Weißmann, Kubitschek, Lichtmesz oder Scheil sind allesamt nicht nur lesenswert, sie stechen hervor aus dem Brei. Also vergelts ihnen Gott.
    Aber Republikanismus und Etatismus (jedenfalls in diesen Dimensionen) sind trotzdem falsch.

    Der Austausch zwischen Sezession, JF und Eigentümlich frei findet ja schon seit längerem statt, und es hat bestimmt für alle Früchte getragen.

    Es ist vollkommen klar das es niemals eine libertäre Gesellschaft geben wird. Der Utopismus der Libertären ist diesseitig und damit falsch. Sollte es in einer sehr freien Marktwirtschaft tatsächlich notwendig sein ein Kartell zu zerschlagen, wäre es in einer Monarchie wesentlich leichter umsetzbar. Im Übrigen entstehen undurchdringbare Monopole immer dann besonders zahlreich wenn sich Lobbyismus lohnt, wenn also der Staat Wirtschaftsinterventionismus betreibt. Der größte Feind des mittelständischen Eigentümerunternehmers ist der Staat, der seine Konkurrenz in den Konzernen bevorteilt und ihn sogar beim Vererben noch schamlos besteuert!

    Die aristokratischen Staatsformen waren selbstverständlich auch immer einem Veränderungsprozess unterworfen, und nicht alles was irgendwann mal Bestand hatte war auch erhaltenswert. Aber im Vergleich zu den anderen Staatsformen leuchtet mir ehrlich gesagt nicht ein einziger Grund ein der nicht für die Monarchie sprechen sollte.
    Das Exzesspotential eines beliebigen geisteskranken Aristokraten ist nichts im Vergleich zum Profilierungs- und Beutedrang von 600 demokratischen Abgeordneten. Das Ausmaß der Verblendung und der Verbrechen seit 1789 ist so gigantisch und pervers, wie kann ein Christenmensch sich dazu bekennen?
    Jeder normal denkende Mensch muß allgemeine Wahlen ebenso ablehnen wie die Herrschaft von ideologisierten, mediokren Verwaltern. Wie ein Eigentümerunternehmer eben ganz anders handelt als ein gemieteter Manager, so ist das auch im Staat.

    Eine Republik kann ihr verwerfliches Inneres mit Hilfe des schnöden Nationalismus vielleicht eine Zeitlang verdecken, aber letztendlich ist jede noch so tolle Papierverfassung auf Sand, nämlich auf Papier gebaut. Jede, wirklich jede Republik vernichtet über kurz oder lang die mühsam aufgebauten gesellschaftlichen, kulturellen und ökonomischen Bestände.

    Man muß jetzt hier nicht die große Verteidigungsrede für die Monarchie ausbreiten, viele große Denker haben das getan, und das reicht aus. Wer sehen will der sehe.

    „Denn Wählen ist heute Ausdruck mechanischer Zusammenfassung, ist Gewaltherrschaft der Verantwortungslosen. Vom Wählen lebt aber die Partei, die seelenlose Maschine, die das Leben unlebendig macht, Geist und Seele ertötet, die Minderwertigkeit an die Spitze trägt. Nichts verdient so sehr den baldigen Untergang als die Partei. Wer sie mit Feuer und Schwert austilgt, vollbringt ein frommes Werk!“ E. J. Jung

    @ Alexander

    Wenn wir von sozialer Marktwirtschaft reden, dann reden wir von den Ideen der Ordoliberalen um Ludwig Erhardt. Dazu zwei Zitate von ihm und zwei Anmerkungen von mir:

    1. „Ich meine, dass der Markt an sich sozial ist, nicht dass er sozial gemacht werden muß.“

    Womit ganz klar ausgedrückt ist um was es geht (und um was nicht!). Wir sehen welch Schindluder mit diesem Begriff getrieben wird.

    2. „Ich habe als Bundesminister 80 Prozent meiner Kraft dazu verwendet, gegen Unfug anzukämpfen.“

    Ich würde mit Ihnen um 1 Million staatlich produziertes Schwundgeld wetten, dass in JEDER Republik JEDER Bundesminister erstens mit genau denselben Problemen zu kämpfen hätte, und zweitens das in JEDER Republik JEDER Bundesminister daran scheitern würde.
    Mit einer über Gott und König thronenden Verfassung ist die Büchse der Pandorra geöffnet (selbst wenn die Verfassung staatlichen Interventionismus strikt verbieten würde).

    Bevor der Staat sich um irgendwelche Bedürftige kümmern müsste, wären in einer prosperierenden Gesellschaft aberhunderte von privat finanzierten Wohltätigkeitsorganisation dazu befähigt. Und selbstverständlich würde das nicht nur besser und kostengünstiger ausgeführt, es würde auch tatsächlich wiederspiegeln zu welchen Angeboten hin das Geld fließt (tendenziell weg von den linken Organisationen).

    @ Stefan Scheil

    Sehr geehrter Herr Scheil,

    Ihren Beitrag habe ich gerade eben erst gelesen. Ich erlaube mir Ihnen im Laufe des Wochenendes zu antworten.

  30. Andreas Lehmann

    @ sugus

    Die Wahrscheinlichkeit dass sich Monopole oder Kartelle in einem freien Markt bilden ist deutlich geringer als wir dies im Staatskapitalismus haben. Dies liegt daran dass solche Strukturen, um in einem möglichst konkurrenzfreien Rahmen agieren zu können, eben die Einflußnahme einer dritten Partei benötigen (die den Markt aushebelt). Diese dritte Partei ist der Staat, der sich dadurch kennzeichnet dass er in einem bestimmten geographischen Raum das Monopol auf Rechtssprechung und Steuererhebung hat. Nur wenn dieser Staat wirtschaftlichen Interventionismus betreibt sind die Akteure des Staates für Lobbyismus und Bestechung empfänglich (und nützlich für große Konzerne).

    Ob es nun in einer sehr freien Marktwirtschaft ebenfalls zur Bildung von Kartellen oder Monopolen kommen könnte ist deswegen gänzlich uninteressant, weil ich eben gerade nicht behaupte das diese Möglichkeit von vorneherein ausgeschlossen ist. Es geht nicht um die Vorstellung einer liberalen Utopiegesellschaft, sondern um die Frage in welcher Variante diese Strukturen am unwahrscheinlichsten sind.

    Was den zweiten Punkt angeht ist es erstmal interessant das Sie offensichtlich von der Vorstellung geleitet werden das gerade die überzeugten Anhänger der Marktwirtschaft, die „Marktradikalen“, Gnadenlosigkeit und Kälte repräsentieren. Dahingehend möchte ich Sie nur daran erinnern dass die soziale Kälte und die Gnadenlosigkeit der Auslese gerade in den Gesellschaften am ausgeprägtesten war in denen staatskapitalistische Varianten herrschten. Es waren die sozialistischen und kommunistischen Gesellschaften die sich um das Los des Einzelnen, des berühmten kleinen Mannes einen Dreck scherten, und nicht umgekehrt. Verwechseln Sie eine Entlassung aus dem Arbeitsverhältnis bitte nicht mit dem katastrophalen Los des Einzelnen hinter dem eisernen Vorhang. Je freier eine Marktwirtschaft, desto mehr Unternehmertum gibt es und desto mehr „kleine Männer“ finden Lohn und Brot (über dem Niveau einer Agrargesellschaft).

    Das Wirtschaftswunder (das natürlich mit wundersamen Erscheinungen überhaupt nichts zu tun hatte) fand statt in einer „marktradikalen“ Gesellschaft. Der Abschwung erfolgt erst danach, nämlich Schritt für Schritt im Laufe der Sozialdemokratisierung der deutschen Gesellschaft.

    In der BRD werden jeden Tag Milliarden wirtschaftlicher Entscheidungen getroffen. Ob nun jemand eher die kurzfristige Rendite oder die langfristige Entwicklung präferiert können weder Sie, noch ich, oder ein staatlicher Bürokrat beurteilen. Ganz allgemein gesprochen ist der Erfolgsfaktor für produktives wirtschaftliches Handeln nicht der Konsum, sondern das Sparen. Nur wer langfristig denkt kann investieren und damit seinen Erfolg steigern. Das sollte gerade jedem Konservativen von Grund auf einleuchten (das die vorherrschende, interventionistische keynesianische Schule immer wieder den Konsum predigt ist ein Indiz für ihren negativen Einfluss). Auch hier wiederum trennt der marktwirtschaftliche Prozess jeden Tag aufs Neue die Spreu vom Weizen. Ob ich nun also den – von mir bezahlten – Vermögensverwalter aufgrund kurzfristiger Gelüste entlassen würde, wäre ganz allein meine Entscheidung. Denn das gemeinsame Übereinkommen zwischen mir und dem Vermögensverwalter basiert auf einer freiwilligen Übereinkunft. Nur der Staat maßt sich an Produkte anzubieten die von vorneherein unkündbar sind, und von allen und zu jedem Preis gekauft werden müssen. Die Annahme es gäbe „gute“ und „schlechte“ Kapitalisten ist Hokuspokus und basiert auf falschen Vorstellungen vom Ablauf wirtschaftlicher Prozesse.

  31. @Rudolf

    „Im Übrigen ist mir nicht ganz klar geworden, was Scheil für Alternativen zu den „libertären Schnellschüssen“ aus den USA sieht:
    HartzIV nur für Deutsche? Nette Idee, aber dafür ist es nach Jahrzehnten wilder Zuwanderung zu spät.“

    Sie können von Herrn Scheil nicht verlangen dass er für das Einsparen seiner Existenz eintritt. Ein System, das – wie formuliert Scheil selbst es so schön – „so manchem eine gelassen-arbeitsfreie Existenz ermöglicht“, ist die ökonomische Grundlage des Revisionismus. Ohne Hartz – kein Revisionismus; wenn die bö-bö-bösen Neoliberalen und Libertären sich durchsetzten, müssten die Revisionisten ja arbeiten gehen oder würden (in den meisten Fällen) verhungern (oder sich im Kampf um einen Platz vor der Suppenküche wiederfinden).

  32. Thomas Fink

    Herrn Lehmanns Ausführungen ist eigentlich weiter nichts hinzuzufügen. Und irgendwann hat jede Diskussion mal ein vorläufiges Ende. Und ich bin ja auch hier, weil ich die Sezession gerne lese. Aber sozialistische Kampfbegriffe wie „Marktradikale“ oder „Marktgläubige“ gehen mir echt auf die Nerven. Es gibt keinen idealen Markt, aber es gibt einen funktionierenden Markt. Das ist der Unterschied zum Sozialismus. Der eben nicht funktioniert. Der in Massenelend endet, in einer Gesellschaft, die ihre eigene Bevölkerung nicht mehr ernähren kann. Der Markt ist kein Konstrukt, er ist einfach das was passiert, wenn Menschen in Freiheit und mit dem Recht auf Privateigentum miteinander agieren. Und das scheint einer bestimmten Schicht von Intellektuellen nicht zu behagen, das da etwas ist, was einfach funktioniert, was niemand, und vor allem sie nicht, ersonnen hat. Seit tausenden von Jahren werden utopische Paradiese von unseren „Weisen“ ersonnen. Und dann entsteht da einfach etwas, das der menschlichen Natur so viel mehr entspricht. Und es ist nicht auf ihrem Mist gewachsen. Diese Beleidigung.

  33. Rudolf

    Sugus
    Freitag, 6. November 2009, 13:31

    „Ich würde Ihnen ja gerne glauben – aber den idealen Markt (ohne Monopole etc.) gibt es so wenig wie den funktionierenden Sozialismus. “

    Lieber Herr Sugus,

    Sie scheinen mir ein Beispiel Mustbeispiel für die Annahme zu sein, „Rechte“ verstünden wenig von Wirtschaft und Märkten.

    Jeder Wirtschaftsstudent im 1. Semester kennt neben dem Staatsversagen auch das Marktversagen.

    Daher haben staatliche Institutionen auch ihre Berechtigung, nämlich um u.a. dieses Marktversagen möglichst zu beheben.

    Das ist keine großartig neue Erkenntnis, sondern das kleine 1×1 jedes Wirtschaftswissenschaftlers.

  34. Thomas

    Einen treffenden Kommentar zum gesamten Scheil-Artikel hat „Hamburger Studi“ schon gegeben. Ich greife nur einen Aspekt heraus: Familienpolitik durch Betreuungsgeld

    Es ist ärgerlich, daß Stefan Scheil hier auf journalsitisch unredliche Art der bayerischen Familienministerin Unterstützung von Ghettobildung vorwirft. Deswegen hier das wörtliche Zitat:

    WELT ONLINE: Ein Argument gegen das Betreuungsgeld ist: Kinder aus bildungsfernen Schichten mit Migrationshintergrund lernen später Deutsch, wenn sie länger zu Hause bleiben.

    Haderthauer: Das ist Käse. Kinder mit Migrationshintergrund brauchen zunächst eine Heimat in ihrer eigenen Sprache, damit sie überhaupt in der Lage sind, eine weitere Sprache hinzuzulernen. Entscheidend ist es, danach diese Kinder in eine deutschsprachige Umgebung zu bringen. Das machen wir in Bayern – im Gegensatz zu den Ländern, aus denen viele Kritiker stammen – mit verpflichtenden Sprachkursen vor der Schule.

    Haderthauer weicht hier, wie ich meine, geschickt einem Fallstrick aus: Vorgebliche Integrationsbemühungen als Hebel, um Kinder und Familien letztlich dem Staat zu unterwerfen.

    Daß die Bundesrepublik eine völlig verfehlte Integrations- und Sozialpolitik betreibt, ist das eine. Daß dies nun aber ausgerechnet durch eine Schwächiung der Familie behoben werden soll, kann doch nicht ernsthaft ein konservatives bzw. rechtes Anliegen sein. Was wollen wir? In Anlehnung an SPD-Mann Olaf Scholz, staatlich kontrollierte deutsch-konservative Lufthoheit über türkischen Kinderbetten?

    Eine Stärkung der Familie, auch aber nicht nur in finanzieller Hinsicht, tut not. Das ist noch nicht einmal Sozialpolitik im eigentlichen Sinn, sondern ein Akt der Gerechtigkeit für die Leistung, die Familien dem Staat durch ihre Erziehungsarbeit erbringen. Wie man dabei unerwünschte Mitnahmeeffekte von seiten nicht-deutscher Familien verhindert oder zumindest eindämmt, muß durchaus diskutiert werden. Möglichkeiten wären zum Beispiel, den Schwerpunkt auf massive Steuererleichterungen für Familien statt pauschalem Geldtransfer zu legen – das würde den Leistungsträgern nützen. Und – wenn auch politisch derzeit schwer durchsetzbar – zwischen deutschen und ausländischen Familien zu unterscheiden (lat.: discriminare).

    Wenn wir aber ins gleich Horn wie Buschkowsky (Geld versaufen) oder von der Leyen (Flachbildschirme) stoßen, leisten wir der eigentlichen Keimzelle des Volkes, der Familie, einen Bärendienst und reden nur sozialistischen Allmachtsplänen das Wort.

  35. Dietrich von Bern

    Wenn wir hier salopp über „Kopftuchmädchen“ sprechen, sollte doch zumindest klar sein, dass dies nicht islamische Folklore, sondern Ideologie ist.

    Es steht zum einen für die Unterdrückung der Frauen unter das Diktat des archaisch, muslimischen Patriarchats seit dem „gütigen Gesandten“, also seit nunmehr 1400 Jahren, zum anderen ist es die „Kriegsflagge“ des fundamentalen Polit-Islam und steht darüber hinaus für Segregation: Hier die ehrbaren, züchtigen, muslimischen Frauen und dort die Schlampen und Huren der „Ungläubigen“, die automatisch als „Beute“ der Muslime angesehen werden. Deswegen auch die häufigen Massenvergewaltigungen, besonders in Skandinavien und in England.

    Außerdem steht das Kopftuch für die (politisch-religiös vorgeschriebene) Parallelwelt der Muslime, so wie sie es seit den Zeiten der hidjra (Auswanderung des Propheten nach Jathrib/Medina, in Wirklichkeit unwürdige Flucht) der Koran vorschreibt und wie er von den Muslimen seit den Raub- und Eroberungszügen unter den ersten vier „rechtgeleiteten Kalifen“ praktiziert wird.

    Parallelgesellschaften
    „Ein Moslem existiert ganz allgemein nicht als Individuum. Wenn er als Moslem leben und überleben will, muss er sich eine Umgebung, eine Gemeinschaft, eine Ordnung erschaffen. Er muss die Welt verändern oder er wird selbst verändert. Die Geschichte kennt keine wahrhaft islamische Bewegung, die nicht gleichzeitig auch eine politische Bewegung war.“
    Alija Izetbegovic: der bosnische Präsident in seiner Islamischen Deklaration von 1970, in der einen komplett fundamentalistischen Moslemstaat forderte.

    Die muslimischen Gemeinden in Deutschland beispielsweise sind weder Parallel- noch Gegengesellschaften, sondern sie definieren sich überhaupt nicht in Bezug auf uns, darum können sie ihre Friedfertigkeit betonen. Zu Ausschreitungen, zum Kampf kommt es, wenn sich andere Gesellschaftsformen und deren Vertreter dem Islam und seinen Expansionsbestrebungen in den Weg stellen.

  36. Dietrich von Bern

    Thomas
    Samstag, 7. November 2009, 9:56 (URL)

    „Es ist ärgerlich, daß Stefan Scheil hier auf journalsitisch unredliche Art der bayerischen Familienministerin Unterstützung von Ghettobildung vorwirft. Deswegen hier das wörtliche Zitat:
    Haderthauer: „Das ist Käse. Kinder mit Migrationshintergrund brauchen zunächst eine Heimat in ihrer eigenen Sprache, damit sie überhaupt in der Lage sind, eine weitere Sprache hinzuzulernen.“

    Nachdem sich zeigt, dass die Illusion der multi-kulti Gesellschaft geplatzt ist, ist man auf dem Wege zur nächsten , teuren Illusion, nämlich dass das Erlernen der Sprache der Königsweg in die Integration der Muslime ist.

    Man braucht allerdings nur einen Blick auf unsere Nachbarländer zu werfen, um festzustellen, dass dies nicht funktioniert:
    In Frankreich z.B. sprechen nahezu alle muslimischen Zuwanderer aus dem Maghreb die französische Sprache, in England sprechen nahezu zu 100% die zugewanderten „Asiaten“ (zumeist muslimische Pakistanis)
    die englische Sprache. In Spanien spricht der überwiegende Teil der marokkanischen Zuwanderer die spanische Sprache. Und hat´s was gebracht? In England und Frankreich sind die Zustände und Verwerfungen durch die muslimischen Zuwanderer noch schlimmer als bei uns. Lediglich Spanien hat´s besser. Aber das hängt auch mit dem ungebrochenen spanischen Nationalstolz zusammen und den unangenehmen Erfahrungen, die Spanien durch die muslimische Eroberung und Ausbeutung durch die Muslime während nahezu 600 Jahre gemacht hat. Das wirkt heute noch nach.

    Cui bono? Da muss man erst mal fragen: Wer hat den Nutzen von der Masseneinwanderung eines überwiegend bildungsfernen Unterschichtprekariats aus den Ländern des Orients und Nordafrikas, das überwiegend für die Verwerfungen und die gestiegene Kriminalität in unseren Großstädten verantwortlich ist.
    Wer hat also den Nutzen? Die Deutschen? Wohl kaum!

    Denn alle seriösen Statistiken weisen aus, dass diese Einwanderer nur aus ökonomische Gründen in unser Land gekommen sind, weil unsere sozialen Systeme für lau ihnen ein Grundeinkommen garantieren, dass in vielen Ländern der muslimischen Welt ein Luxuseinkommen ist.

    Diese Leute sind überwiegend bildungsfernes Unterschichtenprekariat und werden vermutlich immer Unterschichtenprekariat bleiben, wie sogar jüngst der Berliner Innensenator Körting einräumen mußte.

    Mehr als 50 Prozent, in manchen Städten mehr als 70 Prozent der eingewanderten Türken oder Araber leben von Transferleistungen der deutschen Steuerzahler!

    Es dürfte auch Ihnen geläufig sein, dass Deutschland mit 10 Mio Zuwanderern problemlos fertig geworden ist. Auch nach dem Zusammenbruch des 3. Reichs hat Westdeutschland 12 Mio. Flüchtlingen problemlos integriert. Hat alles tadellos geklappt.

    Es funktioniert nur bei der etwa 4 Mio Köpfe zählenden Problemgruppe der Muslime nicht. Und das hat seinen Grund:

    „Und nimm keine Ungläubigen zu Freunden“
    Dies ist für eine Gesellschaft wie die unsrige in Deutschland besonders bedenklich.

    Das liegt allerdings nicht im Ermessen des einzelnen Muslims, sondern der Islam schreibt das vor:
    Laut Überlieferungen Koran hat Gott die Freundschaft von Untertanen (Muslimen) und Ungläubigen (Nichtmuslimen) verboten. Sollten sie sich nicht fügen, werden sie bestraft. Weil, Gott alles weiß, weiß er auch, was die Menschen denken und fühlen. Sollen die Menschen trotz diesen Versen Nichtmuslimen zugeneigt sein, sie lieben und mögen, freundschaft hegen, dann weiß Gott das auch und er wird sie bestrafen.

    Sure 3: Al-i Imran, Verse 28. u. 29: “Die Gläubigen sollen sich nicht die Ungläubigen anstatt der Gläubigen zu Freunden nehmen. Wer das tut, hat keine Gemeinschaft (mehr) mit Gott. 29: Sag: Ihr mögt geheim halten, was ihr in eurem Innern hegt, oder es kundtun, Gott weiß es. Er weiß (alles), was im Himmel und auf der Erde ist. Gott hat zu allem die Macht.“

    Suren dieses Inhalts gibt es zu Hauf, wo den Muslimen vorgeschrieben wird, keine „Ungläubigen“ zu Freunden zu nehmen. Das ist auch der Grund, warum die orthodox-fundamentalistischen Muslim-Verbände entgegen ihren Lippenbekenntnissen auf Segregation, denn auf Integration setzen.

    Hinzu kommt:
    Zahlreiche Muslime in Deutschland sind gewaltbereit und illoyal gegenüber Staat und Gesellschaft
    Wir haben uns mit integrationsresistenten Migranten –zumeist orientalische Muslime- ein hausgemachtes, nicht kalkulierbares Sicherheitsrisiko geschaffen!

    Fundamentalismus auf dem Vormarsch: Laut einer Studie des Bundesinnenministeriums sind 40 Prozent aller in Deutschland lebenden Muslime fundamental orientiert. Jeder siebte Islam-Gläubige kann mit Rechtsstaatlichkeit und Demokratie nichts anfangen, sechs Prozent sind demnach “gewaltaffin”!

    Zahlreiche in Deutschland lebende Muslime sind zu Gewalt gegen Andersgläubige bereit – das geht aus einer Studie im Auftrag des Bundesinnenministeriums hervor. Eine kleine Gruppe von sechs Prozent wird demnach als “gewaltaffin” eingestuft, wie die “Frankfurter Rundschau” berichtet. Immerhin 14 Prozent der Befragten, von denen knapp 40 Prozent einen deutschen Pass hatten, stünden mit der Rechtsstaatlichkeit auf Kriegsfuß und zeigten eine problematische Distanz zur Demokratie.
    Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) sieht darin laut der Zeitung ein “ernstzunehmendes islamistisches Radikalisierungspotential”.

    Jüngst hatte die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Maria Böhmer (CDU), eine Studie vorgelegt, laut der die Zukunftsaussichten vieler Einwanderer schlecht sind.

    Die Religion hat den Ergebnissen der Erhebung des Innenministeriums zufolge innerhalb der muslimischen Bevölkerung eine sehr große Bedeutung. Gerade für junge Leute werde ihr Glauben immer wichtiger. 40 Prozent der in Deutschland lebenden Muslime ordnet die Studie als fundamental orientiert ein!!. Diese hätten klare religiöse Orientierungsmuster und Moralvorstellungen.

    Die Wirklichkeit sieht jedoch noch schlimmer aus, denn lt. der Studie des Innenministers bezeichnen sich mehr als 80 Prozent aller Muslime als religiös bzw. streng religiös. D.h. Die oberste Instanz für Lebensführung, Moral u. Gesetz dieser Migrantengruppe ist nicht der Staat, unser Grundgesetz oder das Bürgerliche Gesetzbuch, sondern Koran, Hadithe und das „göttliche Gesetz der Scharia!“ Ihre Loyalität gehört dem Islam, nicht der Nation, in der sie leben!

    Auf die Kosten der verfehlten Zuwanderung will ich an dieser Stelle erst gar nicht eingehen. Nur so viel sei gesagt: Allein unsere türkischen Migranten kosten Staat und damit den Steuerzahler mehr als 20 Mrd. Euro per anno!

    Hinzu kommen noch die Integrationsaktivitäten des Bundes; hier wird immer so getan, als würde man die „armen Migranten“ im Regen stehen lassen.

    Dem ist beileibe nicht so!

    Summe aller Integrationsmaßnahmen a l l e i n des Bundes: 842.186.064,60 € (2005)
    Hinzu kommen noch die Ausgaben für die (zumeist falschen) Asylbewerber:
    Hier gibt der Bund ca. 1, 3 Mrd Euro aus!

    Kosten im Multi-Milliardenbereich wie Sozialhilfe, Prozesskostenhilfen für Asylbewerber, Abschiebekosten, Kosten durch importierte Kriminalität, Kosten durch Sozialkriminalität, etc. sind darin NICHT enthalten

    Herausgegeben von der Bundesregierung, Stand 04.08.2005,
    Bundesministerium des Inneren, bzw. Stat. Bundesamt (Kosten für Asylbewerber)

    Thomas, wir haben ein Problem, ein Hausgemachtes, nur ist das der breiten Öffentlichkeit nicht bewusst, weil es von den Politikern verschwiegen wird!

  37. Guten Tag Herr Scheil!

    Wenn Sie schreiben: -“So wie die ewige Linke den Menschen im Prinzip für optimierbar und für eine auf einheitliches Niveau zu hebende (in der Linken Realität leider oft einheitlich gesenkte) Gattung erachtet, erkennt die ewige Rechte den Menschen als ein notwendig mit Mängeln und unaufhebbaren Ungleichheiten behaftetes Wesen.“-, kann ich dem Menschenbild, welches Sie der „ewigen Rechten“ zuordnen, nur zustimmen. Ich würde es aus meiner Warte als genuin christlich bezeichnen. Ich stimme Ihnen auch zu, das in libertären Kreisen überwiegend ein radikal optimistisches Menschenbild vorherrscht, mit einem Fortschrittsglauben, welcher ironischerweise außer Acht lässt, das eben der Glaube an den Fortschritt die ausgebrannte säkularisierte Schlacke des messianischen Feuers der chiliastischen Bewegungen ist, die Jahrhunderte durch Europa getobt haben und welche, eben ironischerweise, geistesgeschichtlich die Vorläufer des zeitgenössischen totalitären Sozialismus sind. Dem Erzfeind des Libertären.
    Trotzdem; auch wenn nicht alles gut wird, wenn der Staat sich aus allem heraushält; vieles würde besser werden wenn der Staat sich aus vielem heraushalten und sich darauf konzentrieren würde, die Freiheit und Eigentumssicherheit seiner Bürger zu bewahren. Auch ist es leider so, das bei der „ewig Rechten“ ein Dünkel gegenüber der Ökonomie vorherrscht. Vielleicht eine sozusagen aristokratische Abneigung gegen „Pfennigfuchserei“. Das ist schade, weil sich dadurch „ewig Rechte“ Positionen zu eigen machen, die eigentlich auf die Seite der „ewig Linken“ gehören. Ich kann ihnen dazu nur Thomas Sowell empfehlen. Ein afroamerikanischer ausgesprochen rechter Professor der Ökonomie, der auch ein wunderbares Buch über das rechte und linke Menschenbild geschrieben hat: „A Conflict of Visions“.

  38. Andreas Lehmann

    Sehr geehrter Herr Scheil,

    anbei nun eine, gemessen an der Tragweite des Themas, kurze Antwort. Den Tag Verspätung werden Sie sicherlich entschuldigen.

    1. Zwischen den Begriffen „Rechtsstaat“ und „Demokratie“ sollte man unterscheiden. Auf welchem Recht soll es denn basieren? Auf göttlichem Recht, auf tradiertem Recht, auf „Menschenrechten“?

    Die Demokratie ist letztlich die Beantwortung der Frage „Wer soll regieren?“. Wohingegen – unabhängig von der Frage wie das Recht hergeleitet wird – die Frage nach dem Recht auf das „Wie soll regiert werden?“ hinausläuft.
    Das die Republik die Hüterin oder gar „Erfinderin“ eines nicht-despotischen Rechtssystems sei, das ist nun nicht mehr als gewöhnliche republikanische Propaganda. Weil darin kein Körnchen Wahrheit steckt ist die Republik auch permanent gezwungen dieses „Glaubensgut“ in der Öffentlichkeit zu wiederholen (wie auch das BRD-Mantra des „freisten deutschen Staates aller Zeiten“). Verglichen mit den Bedingungen unter denen die Untertanen der beiden deutschen Kaiserreiche zu leben hatten, ist weder die BRD noch die fr. Republik, noch irgendein anderer republikanischer Staat ein Beispiel für (dauerhafte) Freiheit-, Rechts- oder Eigentumssicherheit.

    2. Die Demokratie nun im speziellen basiert auf der Herrschaft der Masse, der Mittelmäßigkeit. Dieses Prinzip wirkt in keinem gesellschaftlichen oder politischen Bereich förderlich (um nur die Familie, die Wissenschaft, die Wirtschaft, das Militär oder die Kirche zu nennen). Und sie ist natürlich auch für den Staat ein geradezu desaströses Prinzip. Weil alles Große, Schöne, Erhabene und Außergewöhnliche selten zu finden ist, kann die Demokratie (wenn sie über die anderen Prinzipien dominiert) nur zersetzend wirken. An diesem Punkt besteht meinerseits das größte Unverständnis, das größte Erstaunen über „rechte“ oder konservative Republikaner.

    3. Die Demokratie mag in vielen Bereichen durchaus effektiv sein, so wie jeder zur Totalität neigende Staat es eben sein kann. Damit ist aber keineswegs beantwortet wem sie, die Effektivität, damit nützt. In ökonomischer Hinsicht jedenfalls ist die Auffassung, das demokratische Element habe Anteil am „Wirtschaftswunder“ einfach unhaltbar, wirken doch alle genuin demokratischen Prozesse langfristig wachstums- und wohlstandszerstörend.

    4. Wie nun die Demokratie ernsthaft begründbar sein sollte ist mir absolut schleierhaft. Sie beruft sich weder auf Gott, noch auf die Tradition. Sie basiert auf bloßen Gedanken, auf unhaltbaren Postulaten, ihre unauslöschlichen „Wahrheiten“ könne daher so schnell verschwinden wie sie gekommen sind. Es ist gerade sie, die den permanenten Moden, den „Werten“ unterworfen ist. Dass sie auf einem Gesellschaftsvertrag oder einem konkreten Fetzen Papier basieren soll, dem auch noch alle automatisch zugestimmt haben, ist geradezu aberwitzig. Darüber musste ich sogar beim Korrekturlesen des eigenen Beitrags nochmals herzhaft lachen.

    5. Selbstverständlich hatte das alte Reich auch demokratische Elemente, und dagegen ist überhaupt nichts einzuwenden. Ein Staat kann durchaus aus einer Mischung der verschiedenen Elemente bestehen. Entscheidend ist vielmehr auf welchen Pfeilern er steht. Der Absolutismus war im Übrigen eine (negative) Ausnahme, und nicht die Regel. Und abseits dieser historischen Episode war die vor-revolutionäre Zeit wohl kaum ein Hort des Zentralismus.

    6. Ihr Menschenbild kann ich ebenso teilen wie Herr Fink.
    Aber die Republik, als das den Bruder repräsentierende Modell, ist darauf ausgelegt die Gleichheitsgelüste der Linken zu verwirklichen. Ihr Generalangriff auf Tradition, Religion und Sitten und Gebräuche ist nur logisch. Wohingegen die Monarchie, die den Vater (im Staatsoberhaupt, in der Familie) repräsentiert, ein Modell ist das all diesen von Ihnen beschriebenen „Ungleichheiten“ Raum gibt. „Raum“ in einer Weise die dem Menschen am meisten gerecht wird, weil sie ihm ermöglicht sich „einzufügen“.

    7. Rechts ist das Gegenteil von links. Wenn die Reaktion die Rechte (und die Religion) repräsentiert (worin sich Republikaner aller Couleur doch eigentlich einig sein sollten), dann ist eine Staatsform die nicht auf Gott, König und der Hierarchie basiert eben das Gegenteil von rechts, sie ist nicht recht. Sie ist un-recht, und damit sinister, wie es uns viele Sprachen der Welt mitteilen.

    8. Die liberalen ökonomischen Analysen sind nun gerade nicht grotesk, das klassisch-liberale Bild vom ökonomisch handelnden Menschen ist weitaus skeptischer und realistischer als der Machbarkeitswahn (durch den Staat) der in der keynesianischen oder gar marxistischen Lehre vorherrscht. Zur Verirrung wird es erst, wenn daraus ein Glaube an ein machbares irdisches Paradies erwächst. Die dezidiert liberale Volkswirtschaftslehre der österreichischen Schule für Nationalökonomie ist in gewisser Hinsicht auch eine Art „Reaktion“ auf die interventionistischen modernen Lehren. Wenn sie den Staat zur strikten Zurückhaltung, oder zur Koppelung von Geld an Gold auffordert, verlangt sie ein staatliches Verhalten das weder neu noch unhaltbar wäre. Sie wünscht einen Zustand der nirgends stärker verwirklicht ward als in den Monarchien (ob nun die Mehrheit der Liberalen republikanisch gesinnt ist, oder nicht).

    9. Was den Sozialstaat angeht ist er eindeutig eine Idee der Moderne, und ganz gewiss keine Forderung der Rechten. Privates Mäzenatentum, also Privatpersonen gegenüber verpflichtet zu sein, ist das genaue Gegenteil von staatlichen Sozialleistungen. Der Sozialstaat dient der Entmachtung privater Organisationen/Personen (nicht zuletzt explizit der Kirche), und dem Zugewinn der Staatsmacht bzw. der Kontrolle über die Bürger. Er wirkt damit zentralisierend, er ballt ökonomische (monetäre) Macht in einer nie dagewesenen Art und Weise, und vernichtet damit langfristig föderale, regionale Strukturen. Der Sozialstaat dient der Gleichmacherei, und damit letztendlich Satan.

    10. Dass ich mich nicht zu den Libertären zähle habe ich bereits zum Ausdruck gebracht. Den vorhandenen Utopismus lehne ich ab. Dieser spezielle Glauben an ein diesseitiges Paradies ist ebenso ein Ergebnis der Moderne, wie es die vermeintlichen Gegner auf der Linken auszeichnet. Die Überschneidungspunkte hin zum rechten Denken sind aber gegeben im skeptisch(-eren) Menschenbild, im näheren Verhältnis zu Eigentum und Freiheit. Eine Rechte die bspw. die liberale Lehre vom Geld missachtet, wird überhaupt nichts erreichen weil sie nichts verstanden.

    11. Mir ist gleich ob der Republikanismus, als Gott leugnende Staatsform, hier dem Individualismus und dort dem Kollektivismus verfällt. Mir ist gleich welche republikanisch-atheistische Weltanschauungs-Sekte gerade an der Macht ist, und in welche Gruppen sie die Menschen als nächstes einteilen wird. Wichtig ist nur das sie dereinst fällt.

    12. Der Staat wird uns nicht retten, schon gar nicht der moderne. Gerade Deutschland ist seit seinem „schwanger gehen“ mit dem Etatismus von einer Katastrophe in die andere geschlittert.
    Der Staat ist entweder da um Sitte und Recht (was vor ihm da ist!) zu schützen oder er ist, wie es Nietzsche richtig sah, „…der böse Blick und Sünde an Sitten und Rechten.“

    In leichter Abwandlung eines Gomez-Davila:
    „Angesichts des intelligenten Mannes der Republikaner wird, fühlen wir dasselbe wie der Ungläubige angesichts des hübschen Mädchens, das ins Kloster eintritt.“

    In diesem Sinne
    Andreas Lehmann

  39. Hamburger Studi

    @ Andreas Lehmann:

    > Der Sozialstaat dient der Gleichmacherei,
    > und damit letztendlich Satan.

    Richtig, und deshalb ist Deutschland die Kirche Satans mit 82 Millionen gleichheitsgeilen Satansjüngern oder auch die Hölle auf Erden, in der die Verdammten im siedenden Fett treiben und Sozialabgaben zahlen, auf dass jeder im Falle von Arbeitslosigkeit oder Krankheit gotteslästerlich und Satan zur Freude versorgt sei.

    Leider haben Sie vergessen, ein Argument für die Existenz von „Satan“ anzugeben, so wie Sie auch vergessen haben, ein Argument für die Existenz Gottes anzugeben, von dem Sie Ihr abstruses Plädoyer für die Rückkehr zur Monarchie erfolglos abzuleiten versuchen. Ihr Posting ist ein Haus ohne Fundament und Erdgeschoss und hat schon deshalb keine argumentative Schlagkraft.

  40. Andreas Lehmann

    @ Hamburger Studi

    Was genau ist denn so abstrus, werter Herr Student?

    Der Sozialstaat ist wie alle Gleichmacherei gegen die natürliche Entwicklung der Gesellschaft, nach Gottes Schöpfung, gerichtet. Außerdem widerspricht er fundamental den göttlichen Geboten „Du sollst nicht stehlen“ und „Du sollst nicht begehren deines nächsten Hab und Gut“.
    Sie dürfen den Hinweis auf Gott und seinen Gegenspieler aber auch gerne vergessen. Die Republik hat weiterhin nur Ideologie zu bieten.

    Im Übrigen aber habe ich den Gottesbeweis nicht vergessen, er ist gar nicht nötig. Die Existenz Gottes wurde nach wissenschaftlichen Maßstäben noch nie bewiesen, und trotzdem ruhten „bis vor kurzem“ noch alle Ordnungen auf ihm.

    Im Angesicht einer jahrtausende alten Ordnungsform, die im Gegensatz zur Republik Regel und nicht Ausnahme war, von einem „Haus ohne Fundament und Erdgeschoß“ zu sprechen ist schon amüsant.
    Sie müssen in einem Pfahlbau wohnen, oder wie könnten Sie sonst vergessen haben das mindestens „Fundament und Erdgeschoß“ des abendländischen Hauses in der monarchistischen Zeit, „aus ihrem Wesen heraus“ gebaut wurden.

  41. Nihil

    Ich möchte mich gar nicht in die religiöse Diskussion „pro Markt“ einmischen (der totale Markt funktioniert perfekt, aber er kann natürlich keine Gemeinschaft konstutieren – zerstören kann er sie jederzeit).

    Wo ich mich aber zur Intervention genötigt sehe:

    Alle Lust will Ewigkeit, sagte schon Nietzsche. Und so will jeder sein Erworbenes festhalten, absichern und an seine Erben weitergeben.

    Nietzsche hat Zarathustra die Worte „Alle Lust will Ewigkeit“ sicher nicht in diesem Sinne in den Mund gelegt – weder konkret noch im übertragenen Sinn. Eher das Gegenteil ist der Fall: Zarathustras Ewigkeit ist die von Entstehen und Vergehen, vom Wagnis – ein militantes Plädoyer gegen Mittelmäßigkeit und sicher nicht bezüglich „Absicherung von Eigentum“.
    Bitte nicht die eigenen Beiträge mit „Zitatsammlungswissen“ anreichern – danke.

  42. Nihil

    Noch eine kleine Anmerkung: eines muß man den Marktradikalinskis lassen – sowohl Gott als auch Nietzsche werden zur Begründung ihrer Weltsicht herangezogen. Das bringen nicht viele unter einen Hut :-)

  43. Thomas Fink

    Mein lieber Nihil, was Sie und andere „Marktfeinde“ als „Marktradikalismus“ wahrnehmen, sind doch nur Forderungen nach privilegiertem Zugang zu dem Stoff, den „der Staat“ vor den Marktkräften schützt, nämlich dem Geld der Zentralbanken. Diese „Marktradikalinskis“ wollen damit weiter risikolos Risikogeschäfte machen. Der wirklich freie Markt ist denen ein Gräuel.
    Ich möchte zwar nicht unbedingt Satan ins Spiel bringen, aber ich stimme Herrn Lehmann zu, das „der Markt“ eine religiöse Dimension hat. Er ist das Wunder eines plötzlichen allgemeinen Wohlstandsschubes, welcher von den spanischen Spätscholastikern zuerst registriert wurde, und der von ihnen mit Eigentumssicherheit und Bildung (um nur zwei Faktoren zu nennen) in immer breiteren Bevölkerungsschichten in Verbindung gebracht wurde. Der Markt ist das Wunder, das nicht den Menschen optimiert, aber in einem gewissen Rahmen dafür sorgt, daß sich Eigenwohl in Gemeinwohl verwandeln kann. Das der Markt und die Moderne zusammen entstanden sind, ist gewiss kein Zufall und wahrscheinlich die Ursache des Ressentiments von rechts gegen ihn. Aber der Markt braucht die Moderne nicht und die Moderne möchte ihn gerne wieder abschaffen.
    Was haben sie denn gegen die „Absicherung von Eigentum“. Sind Sie ein „ewig Linker“? Sind Sie politisch korrekt? Soweit ich es verstehe, ist die politische Korrektheit die zeitgenössische Manifestation eines Narrativs, eines Erzählmusters zu Welterklärung, welches die Begründung des Handelns der ewig Linken durch die gesamte Menschheitsgeschichte ist. Das Narrativ in Kurzform: Der Täter ist immer auch ein Opfer der Verhältnisse. Wenn wir die Verhältnisse ändern, gibt es auch keine Täter mehr. Diebstahl ist nur möglich, weil es Eigentum gibt. Wenn wir das Eigentum abschaffen, gibt es auch keinen Diebstahl mehr.
    Auf welcher Seite stehen Sie? Übrigens, es gibt keinen totalen Markt. Dieser ist eine utopische Fiktion und Herr Lehmann und ich haben uns schon diverse Male davon distanziert. Wenn Sie so etwas wie den „totalen Markt“ als Feindbild konstruieren, schauen sie in eine marxistisch inspirierte neuheglianische Kristallkugel, in der „Entfremdung“ und „Warenfetischismus“ und das eine und das andere mehr blubbern.

    Wie gesagt, kann ich dem Menschenbild des ewig Linken und des ewig Rechten, wie von Herrn Scheil dargestellt, nur zustimmen. Aber wie wir auch in diesem Thread sehen, gelingt diese Trennung in der politischen Arena nicht so elegant. Konkret heißt dies, das sich bei der politisch Rechten Leute tummeln, deren Menschenbild ewig links ist. Das manifestiert sich z.B. darin, wie ein Jürgen Elsässer heute in manchen rechten Kreisen und Publikationen goutiert wird. Elsässer und z.B. auch Mahler gehören zur der Art von Ex Linken die sich überhaupt nicht geändert haben. Sie sind die gleichen sozialistischen Hetzer und Agitatoren wie vorher. Neben der Arbeiterklasse und allen anderen Unterdrückten haben sie nun auch noch das Volk und die Nation entdeckt. Genauso wie ihre kommunistischen Brüder kämpfen sie gegen eine Welt, in der sie das absolut Böse wahrnehmen, mit dem Ziel dieses absolut Böse endgültig zu vernichten. Und weil sie eben die Kraft des absolut Guten verkörpern, ist ihnen alles erlaubt, jede Niederträchtigkeit verwandelt sich in ihren Händen in ein Werk des absolut Guten. „Uns ist alles erlaubt“, das ist ein wörtliches Zitat aus einer der frühen Publikationen der Tscheka, der Mutter des KGB, der Stasi, der Securitate und tausend anderen Organisationen, die auch heute noch aktiv sind. Auf der Linken finden wir Leute mit einem solchen manichäischen Weltbild vorwiegend in der PDS und bei den Grünen, wo sie sich hinter den „nützlichen Idioten“ verschanzen.

    Das nur als ein kleiner Ausflug in die politische Dimension. Auch als „ewig Rechter“ sollte man darauf aufpassen, nicht in einer Reihe mit Leuten zu stehen, die das „Uns ist alles erlaubt“ im Hinterkopf haben. Und unreflektierte Marktfeindschaft führt Sie zwangsläufig in Bündnisse mit solchen Kräften.

  44. Nihil

    1. Wie gesagt: an derartigen Glaubensdebatten beteilige ich mich nicht gerne, da kommt nichts dabei raus. Nur soviel: Sie kennen meine Marktkenntnis u. -einschätzung nicht, insofern treffen ihre Ausführungen vielfach ins Leere – ich frage mich ob Sie den Markt verstanden haben:

    Aber der Markt braucht die Moderne nicht und die Moderne möchte ihn gerne wieder abschaffen.

    Den Markt kann man nicht abschaffen, weil er eine Theorie über die Natur, ein Prinzip der Natur ist („Kampf: jeder gegen jeden“) – es gibt ihn nicht bloß im ökonomischen Bereich, er existiert quasi überall (Sexual- bzw. Partnermarkt, vgl. Houellebecq). So, jetzt schweige ich dazu inhaltlich – sonst kommt noch mehr Feuer in diese Religionsdebatte.

    2. Wichtig (zum Grundtenor und letzten Absatz): ich lasse mir den Horizont meiner Einsichten sicher nicht (negativ) durch (politische) Gegner begrenzen. Einfaches Beispiel: der durchschnittliche Golfspieler ist vielleicht ein verblödeter Schnösel – sollte ich aber an diesem „Sport“ gefallen finden, würde mich das nicht hindern.

  45. Andreas Lehmann

    Lieber Nihil,

    in der Tat, der Markt funktioniert (wenn man ihn lässt). Im Sozialismus würden wir dagegen alle jämmerlich vor uns hinvegetieren. Da wir dafür historische Beispiele en masse vorfinden, sollten wir lieber von „Sozialismusgläubigen“ sprechen. Deswegen wird auch die Diskussion darüber tunlichst vermieden, bzw. immer nur im üblichen Meinungskartell geführt.

    Wirtschaftsinterventionistische Politik (mit der Geldpolitik angefangen) führt zu mehr Korruption und Fehlallokation von Kapital. Durch Sie ist so ein ausserordentlicher Ideologie-Staat wie der unsrige überhaupt erst machbar. Ohne diese Politik müsste das Riesenheer der staatlich besoldeten Ideologen sich eine andere Arbeit suchen.

    Was die Skepsis gegenüber Staat, Etatismus und Demokratie angeht könnte ich Ihnen noch weitaus mehr „Zeugen“ nennen. Nicht nur der gute Nietzsche hatte das erkannt.

    Fazit:

    1. Die Marktwirtschaft funktioniert und sie ist älter als der Staat. Erst wenn der Staat Gelder von den Produktiven nimmt, damit Investitionen verhindert, und es den Unproduktiven gibt, die tendenziell dadurch gekennzeichnet sind das sie ebenso unproduktive Investitionen tätigen, wird der Wirtschaftskreislauf durcheinandergebracht.

    2. Der Grund für die heutige Krise ist nicht der Manager oder der Markt, sondern die staatliche Produktion von wertlosem Geld bzw. der staatliche Interventionismus in den Markt. Wäre das Geld gedeckt und hätte sich der Staat auf seine Kernaufgaben beschränkt, hätten wir heute nicht nur kein Wirtschaftsproblem, wir hätten auch geringere gesellschaftliche Probleme.

    3. Die etatistische Rechte hat eine Abneigung gegen das kaufmännische, gegen das „Geschäfte machen“. Deswegen beschäftigt sie sich allerhöchstens mit etatistisch-sozialistischer Wirtschaftslehre (welche ihre Vorurteile bestätigt), und deswegen kann sie – ähnlich wie die Linken in anderen Bereichen – immer nur mit Spott und Diffamierungen auf sachliche volkswirtschaftliche Argumentation reagieren. Jeder mitlesende „Marktradikalinski“ hat nämlich sehr wohl bemerkt das in dieser Diskussion auf die wirtschaftswissenschaftlichen Argumente keine Antworten seitens der Anti-Kapitalisten kamen…

    4. Aus diesem Grund versteht die etatistische Rechte nicht nur nicht wie die Wirtschaft funktioniert (was sich in falschen ordnungspolitischen Forderungen äußert), oder gar welche Rolle die Geldpolitik spielt, sie ist sich auch nicht darüber im klaren das marktwirtschaftliche Bedingungen beim Individuum den Anreiz zu überlegtem und nachhaltigen Handeln setzen. Und im Gegensatz zum Sozialismus falsches individuelles Handeln auch bestraft.

    4. Die etatistische Rechte bedient sich der Ansichten und Analysen der Linken um die Linke zu bekämpfen. Sie weiss weder wie sehr sie sich bereits sozial-demokratisiert hat, noch wie falsch sozial-demokratische Politik ist (wirtschaftlich wie gesellschaftlich). Viele Ansichten die sie heute vertritt waren bspw. Forderungen der Marxisten.

    5. Was früher ein wirksames Korrektiv gegen die „Zerstörung der Gemeinschaft“ war, und auch heute wieder sein könnte, wurde meinerseits bereits lang und breit ausgeführt. Die atheistisch-demokratische Republik ist es jedenfalls nicht.

  46. Hamburger Studi

    @ Andreas Lehmann:

    > Der Sozialstaat ist wie alle Gleichmacherei gegen die
    > natürliche Entwicklung der Gesellschaft, nach Gottes
    > Schöpfung, gerichtet.

    Wie ich bereits sagte, sind Ihre Gottesbeschwörungen irrelevant, solange Sie kein überzeugendes Argument für die Existenz Gottes vorlegen.

    Was angebliche „natürliche Entwicklungen“ angeht: Wenn Sie daraus (moralische) Sollensaussagen abzuleiten versuchen, begehen Sie einen Sein-Sollen-Fehlschluss, einen Verstoß gegen Humes Gesetz. Das ist die Mauer, an der nicht nur der „Sozialdarwinismus“, sondern auch große Teile des Konservatismus zerschellen.

    > Außerdem widerspricht er fundamental den göttlichen
    > Geboten „Du sollst nicht stehlen“ und „Du sollst nicht
    > begehren deines nächsten Hab und Gut“.

    Angebliche „göttliche Gebote“ sind irrelevant, solange Sie kein überzeugendes Argument… siehe oben.

    Sie vertreten zumindest in Hinblick auf Eigentum offenbar libertaristische Auffassungen, aber zu deren Begründung haben Sie nur Gottesbeschwörungen und Sein-Sollen-Fehlschlüsse im Angebot.

    > Sie dürfen den Hinweis auf Gott und seinen Gegenspieler
    > aber auch gerne vergessen.

    Ungern, denn Gott ist ja Ihr zentrales Kriterium für die moralische Güte einer Staatsform: „[E]ine Staatsform die nicht auf Gott, König und der Hierarchie basiert [ist] eben das Gegenteil von rechts, sie ist nicht recht.“

    > Die Existenz Gottes wurde nach wissenschaftlichen
    > Maßstäben noch nie bewiesen, und trotzdem ruhten
    > „bis vor kurzem“ noch alle Ordnungen auf ihm.

    Sie meinen, indem sich viele Herrscher auf Gott berufen haben? So what? „Bis vor kurzem“ haben auch viele gedacht, dass sich die Sonne um die Erde dreht. War Quatsch.

    > Im Angesicht einer jahrtausende alten Ordnungsform,
    > die im Gegensatz zur Republik Regel und nicht Ausnahme
    > war, …

    Früher war es auch Regel und nicht Ausnahme, Exkremente auf die Straße, in die Höfe und die Gräben zu kippen. Das Alter eines Brauchs, einer Überzeugung oder einer Staatsform macht sie nicht gut oder erhaltenswert.

    > …von einem „Haus ohne Fundament und Erdgeschoß“
    > zu sprechen ist schon amüsant.

    Das Bild bezog sich nicht auf die Monarchie, sondern auf Ihr Posting. Gott ist in Ihren Ausführungen zentral, ähnlich wie Fundament und Erdgeschoss bei einem Haus. Da Sie kein gutes Argument für dessen Existenz vorlegen können, sind Ihre Ausführungen mangelhaft wie ein Haus ohne Fundament und Erdgeschoss.

    > Sie müssen in einem Pfahlbau wohnen, oder wie könnten
    > Sie sonst vergessen haben das mindestens „Fundament und
    > Erdgeschoß“ des abendländischen Hauses in der
    > monarchistischen Zeit, „aus ihrem Wesen heraus“ gebaut wurden.

    Ihnen ist aber schon bekannt, dass es in der Wiege der abendländischen Kultur, im antiken Griechenland, eine Demokratie gab?

  47. Thomas Fink

    „Den Markt kann man nicht abschaffen“. Als Naturprinzip sicher, aber selbst das leugnen diejenigen, die den Markt durch die Expropriation der Expropriateure abschaffen möchten. Außerdem ist das Wunder des Marktes, von dem ich spreche, nämlich die historisch einmalige Wohlstandsexplosion seit dem späten Mittelalter, etwas Neues. Das Naturprinzip Markt wird hier noch von anderen Faktoren begleitet (christliches Menschenbild, Eigentumssicherheit, Bildung und mehr). Diesen Markt kann man abschaffen.
    Wenn Sarah Wagenknecht, Horst Mahler oder Jürgen Elsässer in meinem Golfclub auftauchen würden, könnte ich das verkraften, ich würde es sogar positiv einschätzen. Verblödetes Schnöseltum könnte ihnen nur gut tun. Befände ich mich aber mit ihnen auf einer Demonstration, würde ich nachdenklich werden. Schlechtes Beispiel.

    „Ihnen ist aber schon bekannt, dass es in der Wiege der abendländischen Kultur, im antiken Griechenland, eine Demokratie gab?“ Mir schon. Auch das diese Demokratie eine sehr temporäre Erscheinung war und nicht auf Sklaven verzichtete, ist mir bekannt. Ist ihnen auch bekannt, das in Platos „Republik“ in der Konsequenz ein kommunistisches Programm, also die Abschaffung des Eigentums und der Familie, propagiert wurde? Und geleitet werden sollte das alles von den „Philosophen“, selbsternannten Menschheitsoptimierern. Ist doch interessant, wie wir uns so gegenseitig bilden können.

    Aber jetzt ist es Zeit für das Sandmännchen mit COzwei freien Fußabdrücken.

  48. Aergerlich

    Lieber Autor,

    bitte erst informieren, bevor Sie Vorurteile verbreiten.

    Professoren wurden früher nach der Besoldungsgruppe C vergütet. Dies bedeutete – je nach Eingruppierung und Dienstalter – zwischen 3.020,38 € brutto und 6.858,87 € brutto.

    Seit mehreren Jahren erfolgt die Besoldung nach W2 oder W3. Sie beträgt damit (statisch – also das gesamte Berufsleben!) 4.336,92 € brutto / Monat bei W2 oder 5.257,44 € brutto / Monat bei W3, wobei es theoretisch (derzeit zumeist kein Vergaberahmen) Leistungs- und Stellenzulagen (max. ca. 600 € brutto / Monat, z.B. für Wahrnehmung des Dekansamts) geben kann.

    Hinzu kommen jeweils Familienzuschläge bei Ehe (119,62 € brutto / Monat) und für Kinder (je 104,58 Euro brutto / Monat; Erhöhung ab dem dritten Kind).

    Von den von Ihnen behaupteten „fünfstellige(n) Gehälter für Universitätslehrer“ ist das deutlich entfernt.

    Falls Sie sich vor dem Schreiben Ihres nächsten Artikels informieren möchten (soll bei der Wahrheitsfindung helfen!) anbei ein Link zu einer aktuellen Besoldungstabelle (BaWü).

    http://dbb.de/dbb-beamtenbund-2006/dbb-pdf/besoldungstab_ba_wue_stand_190609.pdf

  49. Andreas Lehmann

    @ Hamburger Studi

    „Wie ich bereits sagte, sind Ihre Gottesbeschwörungen irrelevant, solange Sie kein überzeugendes Argument für die Existenz Gottes vorlegen.“

    „Relevanz“ gewinnt Gott dadurch das die Menschen an ihn glauben, in der menschlichen Praxis. Eine auf ihn gegründete Herrschaft ist durch den Glauben legitimiert, und gerade deswegen eben wesentlich beständiger. Haben Sie schon mal darüber nachgedacht das es gerade das Problem der Moderne sein könnte, das alles was nicht nach modernen Maßstäben bewiesen werden kann nichts gilt?

    „Was angebliche „natürliche Entwicklungen“ angeht: Wenn Sie daraus (moralische) Sollensaussagen abzuleiten versuchen, begehen Sie einen Sein-Sollen-Fehlschluss, einen Verstoß gegen Humes Gesetz. Das ist die Mauer, an der nicht nur der „Sozialdarwinismus“, sondern auch große Teile des Konservatismus zerschellen.“

    Sie können mir ruhig noch fünf weitere Gesetze aus dem intellektuellen Wolkenkuckuksheim nennen die ich angeblich gebrochen habe.
    Zu der eigentlichen Aussage, nämlich das die Linke (aus deren Gedankengut die Idee der Republik, des „starken Staates“ und anderer Widerwärtigkeiten entstammt) auf ewig dazu verdammt ist die freie, natürliche Entwicklung der menschlichen Gesellschaft mittels Gewalt zu hemmen, haben Sie keine Stellung genommen.

    „Sie vertreten zumindest in Hinblick auf Eigentum offenbar libertaristische Auffassungen, aber zu deren Begründung haben Sie nur Gottesbeschwörungen und Sein-Sollen-Fehlschlüsse im Angebot.“

    Ich vertrete freiheitliche Auffassungen. „Libertaristisch“ hört sich das höchstens deshalb an weil heutzutage verschiedene nach-revolutionäre Ideen miteinander konkurrieren, und man dadurch automatisch innerhalb dieser Muster klassifiziert wird.

    „Ungern, denn Gott ist ja Ihr zentrales Kriterium für die moralische Güte einer Staatsform: „[E]ine Staatsform die nicht auf Gott, König und der Hierarchie basiert [ist] eben das Gegenteil von rechts, sie ist nicht recht.““

    Das Einbeziehen von Gott, von göttlichen Gesetzen ist neben König, Tradition und Hierarchie selbstverständlich entscheidend für das Gedeihen einer Gesellschaft. Welche Rolle dabei die einzelnen Faktoren spielen ist klar ersichtlich. Wenn Sie sich in rechten Foren herumtreiben und das trotz ellenlanger Beiträge immer noch nicht verstehen, ist das allein Ihr Problem.

    Ich sage es noch einmal:
    1. Die modernen Ideologie-Sekten sind nicht die meinigen, auch nicht der Libertarismus
    2. Die liberalen Aussagen zur Ökonomie (und teilweise zum menschlichen Handeln) allerdings sind schlüssig und haben sich in der Praxis bewährt. Dahingehend wurde von Herrn Fink schon darauf hingewiesen das bereits mittelalterliche Mönche den Wert des freien Marktes erkannt und studiert haben.
    3. Zur Begründung meiner Auffassungen reicht mir jedes Geschichtsbuch. Aber für einen Modernen ist die Geschichte ja seit der glorreichen Revolution sowieso ausser Kraft gesetzt…

    „Früher war es auch Regel und nicht Ausnahme, Exkremente auf die Straße, in die Höfe und die Gräben zu kippen. Das Alter eines Brauchs, einer Überzeugung oder einer Staatsform macht sie nicht gut oder erhaltenswert.“

    Dieser Vergleich dürfte Ihnen beim zweitlesen vermutlich selbst peinlich sein.

    Ich danke ausserdem Herrn Fink für den gelungen Beitrag zur antiken Demokratie, und erspare mir nicht den Hinweis an Sie, werter anonymer Hamburger Student, das gemeinhin immer noch die Ausnahme die Regel bestätigt, und nicht umgekehrt!

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