Deutschländer
Hierzulande werden in Deutschland aufgewachsene Türken von ganzen Betreuerbrigaden als „sozial benachteiligt“ bedauert, in der Türkei lachen die eigenen Landsleute die „Deutschländer“ als faul und ungebildet aus. FAZ-Reporterin Uta Rasche hat aus der Begegnung mit türkischen Hauptschülern im Ruhrgebiet aufschlußreiche Erkenntnisse mitgebracht.
Da hat zum Beispiel der Austauschbesuch bei einer Partnerschule in der Türkei die türkischen Hauptschüler einer neunten Klasse in Marl nachdenklich gemacht:
„Dort sind die Schüler ehrgeiziger. Sie wollen mehr erreichen, fast alle wollen studieren.“
Die eigenen Berufswünsche sind dagegen überschaubar: Gerüstbauer, weil man da kein Fitneßstudio braucht. Oder Maurer, weil man da später sein eigenes Haus bauen kann. Oder Popstar, weil das Fegen beim Praktikum im Supermarkt so anstrengend war.
Was ist nun der Grund für die – im OSZE-Sprech – „schlechteren Bildungschancen“ der Einwandererkinder? Am Schulsystem liegt’s nicht. Auch ein Hauptschüler kann Diplomingenieur oder Arzt werden, das System ist flexibel und durchlässig. Es liegt vor allem am mangelnden Ehrgeiz vieler Einwandererkinder und ihrer Eltern.
Die Sozialindustrie verstärkt mit dem herablassenden Gerede von „Benachteiligung“ diese Einstellungen, statt sie abzubauen. Warum auch soll man sich anstrengen, einen Job zu suchen und die Jungen zur Arbeit anhalten, wenn der Sozialstaat sich doch um alles kümmert und alle versorgt?
Ganz ähnliche Erfahrungen wie die Jungs haben einige türkische Friseur-Lehrmädchen aus einem für teuer Geld geförderten „Zweite Chance“-Ausbildungsbetrieb gemacht. Bei Besuchen in der Türkei würden sie verspottet, erzählen sie:
„Mittlerweile gälten in der Türkei Deutschtürken als weniger gebildet, weil sie seltener studierten, und bisweilen als faul, weil sie staatliche Unterstützung in Anspruch nähmen.“
Der Rundum-Sorglos-Wohlfahrtstaat macht eben träge und antriebsarm. Die türkischen Hauptschülerinnen aus der FAZ-Reportage haben das intuitiv erkannt:
„In der Türkei kann man nicht leben, wenn man nicht arbeitet; hier hat man trotzdem was zu essen.“
Nichts integriert nämlich so schnell und so gründlich wie der Zwang, sich selbst durchschlagen zu müssen. Thilo Sarrazin weiß das. Türkische Hauptschülerinnen begreifen das auch. Nur die Sozialapostel wollen es nicht kapieren; und wenn doch, werden sie es nicht zugeben. Zu viele von ihnen leben nämlich davon, daß dieser offenkundige Zusammenhang systematisch und kollektiv geleugnet wird.









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