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mueller Baal Müller


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Modische Fragen III: Jenseits der Moden

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pickelhaubeNa also: Das war doch mit bislang 47 – zum allergrößten Teil sehr interessanten und vielschichtigen – Kommentaren eine wirklich anregende Diskussion, die offenbar die Gemüter erhitzt hat! Schöne Frauen, welche Kleidung, welche Musik; wie richtiger Stil aussieht und was Schopenhauer, Nietzsche, Anton Szandor La Vey und Pfarrer Milch dazu sagen. Überall könnte man einhaken.

Aber statt einzelne Details weiter zu vertiefen, versuche ich die Beiträge zunächst grob zu gliedern, sodaß man etwa folgende Positionen unterscheiden könnte:

a) Stilfragen sind leerer Tand, modischer Kram und wurscht;
b) Stil mag wichtig sein oder nicht, aber die Konservativen, Rechten usw. haben sowieso keinen und werden auch keinen ausbilden;
c) Stil und Ästhetik sind aus Akzeptanz- und Attraktivitätsgründen zu beachten, aber die Rechten haben diesbezüglich (noch?) deutliche Defizite;
d) Stilfragen sind aus Akzeptanzgründen wichtig, aber es gibt im „nonkonformen“ Bereich durchaus gute Ansätze („Gothic“, insbesondere „Neofolk“ usw.);
e) Stilfragen sind nicht als modische Fragen relevant, sondern weil Stil etwas mit Haltung, richtiger Gesinnung, ewigen Werten zu tun hat, so daß eine anzustrebende Akzeptanz nicht aus dem Kopieren zeitgeistiger Phänomene folgen kann („Verehrung von abgenagten Knochen der Linken als Reliquien“), sondern aus dem Zum-Ausdruck-Bringen dieser Weltenschauung resultiert.

Die Positionen a) und b) erscheinen mir ein bißchen zu reduktionistisch bzw. zu deterministisch und zu negativ (oder auch, ganz einfach gesagt, falsch), während c) bis e) näher zu bedenken sind. Bei c) lautet die Frage: Woran liegt’s? Hatten Nietzsche, George, Benn, Pound, Spengler, von mir aus auch Heidegger (trotz seiner Hochwasserhosen) und nicht wenige andere, die man, über den Daumen gepeilt, einer „Ewigen Rechten“ zuordnen kann, etwa keinen Sinn für Ästhetik?

Und selbst die vielgeschmähten historistischen Fassaden und Stuckdecken, ja sogar die bösen Kriegerdenkmäler, Pickelhauben und albern gedrechselten Schnauzbärte vergangener Zeiten verraten immerhin überhaupt noch einen Willen zur ästhetischen Gestaltung und Repräsentation, der heute fast undenkbar erscheint. Wenn es – für die wahre, gute und SCHÖNE Rechte – also Defizite gibt, dann liegt es am Zugang zu den Medien, den Gestaltungs- und Durchsetzungsmitteln.

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41 Kommentare zu „Modische Fragen III: Jenseits der Moden“

  1. M.

    Baal Müller schrieb:

    Eine Neofolk-Band, die ein Gedicht von Eichendorff oder gar von Hölderlin auch nur auf eine irgendwie „eingängige“ Weise vertont, hat für die Bildung der Jugend natürlich mehr getan als eine zehn Jahre lang tagende Kultusministerkonferenz

    Der Neofolk-Gruppe Jännerwein ist dies mit der Vertonung von Eichendorffs „Klage“ gelungen.

  2. Thorsten

    Sehr guter Beitrag, Herr Baal. Ob allerdings Nietzsche, George, Benn, Pound, Spengler oder Heidegger auch in modischen Fragen Stil hatten, läßt sich nur im Bezug zur damaligen Zeit bewerten. Ich denke, dass diese Persönlichkeiten sich optisch nicht von Zeitgenossen, auch des anderen politischen Lagers, unterschieden. Die damalige Zeit hatte vor allem rückblickend betrachtet Stil, und es gab auch nur den jeweiligen Stil der Zeit, und es war eine Zeit, da man sich dem Stil auch noch unterwerfen mußte – und vielleicht auch guten Gewissens konnte. Der Uniformierungszwang des 19. Jahrhunderts, der individuellen Stil verhinderte und alle auf einen Stil prägte, ist wohl vorbei. Heute entscheiden sich die Menschen freiwillig für die „Uniform“ einer der zahlreichen Szenen, der sie sich zugehörig fühlen. Die Rechte hat dabei ihre verbindende, modische Ausrucksform noch nicht gefunden – deshalb diskutieren wir hier. Typisch rechts erscheint nur Vergangenes. Weshalb die konservativen Herren, die anfangs aufgezählt wurden, rückblickend als stilvoll betrachtet werden, jedoch in modischen Fragen auch nur Kinder ihrer Zeit waren.

    Für mich persönlich ist Optik und Ästhetik vor allem im Ausdruck der Mode nicht unwichtig, aber eine Frage der Priorität. In einer Zeit, in der das Körperliche, das Äußerliche und der Schein wieder zum bestimmenden Maß wird, besinne ich mich auf das Pietistische und Preußische: „Mehr Sein als Schein“. Wichtig erscheint mir jedoch die Findung einer modischen Ausdrucksform, die auf diese Ansicht und Prioritätsverschiebung schließen läßt. Derzeit sitze ich hier in blauen Niethosen, T-Hemd (stets ohne Aufdruck) und Sneakers ;-) Mit der Hand an der eigenen Nase erkenne ich die Notwendigkeit wohl, in der Form bin ich unschlüssig, zumal die Form zum Träger passen muß – sonst wirds peinlicher als vorher. Einem für rechts oder konservativ gehaltenen Stil blind nachzueifern ohne diesen auch zu leben und zu verinnerlichen, kann nicht das sein was wir wollen. Rechts steht vor allem auch für Authentizität. Es muß immer mindestens so viel zu erwarten sein, wie die Erwartung die man weckt. Nie weniger.

  3. Huldra

    „Meinungstextilien“ – das Wort kannte ich bisher nicht! Aber da stimme ich zu, das Tragen von solchen Kleidungsstücken ist nur in den seltensten Fällen produktiv. Das ein oder andere Mal kann man dadurch ins Gespräch kommen, aber dann muß das Umfeld tatsächlich gut gewählt sein.

    Im Wesentlich ist Schönheit meiner Meinung nach eine Frage der Haltung, ob innerlich oder auch äußerlich. Da kann man einen Maßanzug oder ein tolles Kleid tragen, dazu qualitativ hochwertige Schuhe – wenn man die Schultern hängen lässt, mit einem mißmutigem Gesicht durch die Gegend läuft und pessimistisch oder arrogant / herablassen gar mit Leuten umgeht nützt es alles nichts!

  4. Derzeit sitze ich hier in blauen Niethosen, T-Hemd (stets ohne Aufdruck) und Sneakers ;-)

    Nur kurz dazwischengehustet, bitte: Bei der letzten Mode-Diskussion hier hatte ich gemeinsam mit ein paar Buddys darauf gelauert, daß es endlich um Jeanse gehen würde, insofern erfahrungsgemäß fast jede Stil-Diskussion unter Rechten dort endet oder jedenfalls irgendwann da ankommt. Das war dann doch nicht der Fall – nun aber. ;-)

  5. Hannibal

    Schön zusammengefasst. Insofern problematisch, als daß nun nicht mehr viel zu sagen bleibt!
    Vielleicht noch ein Vorschlag für die nächste KSA: zerschlissene Bluejeans, gute Schuhe, gut sitzendes weißes T-Shirt mit dem bekannten Stauffenberg-Druck (wie die Che-Shirts, ihr wisst schon), Gel im Haar bei strengem Seitenscheitel und – ganz wichtig – RayBan – Pilotenbrille! Und immer auf die Kameras achten ;-)

  6. T-Shirts mit oder ohne Aufdruck: Bis vor ein paar Jahren war ich da ganz pingelig – natürlich grundsätzlich ohne Aufdruck. Heute sähe ich das nicht mehr so streng – man „darf“ eben eine ganze Menge, solange man weiß, was man tut…

    @ Huldra

    Sicher. Körperhaltung und „Aura“ sind natürlich fast noch wichtiger als die Pelle. Da man ersteres aber leichter steuern kann als letzteres, ist es wohl klug, bei dem Punkt mit Verbesserungsbemühungen zu beginnen…

    @ Baal Müller

    Ich trage als stolzer Ex-Zivi ganz bedenkenlos Uniformversatzstücke, also Militätklamotten und empfinde das nicht als anmaßend. Erstens ist so etwas immer ein Spiel und damit meines Erachtens per se legitim. Zweitens emfinde ich’s auch nicht als Auszeichnung, eine Uniform zu tragen. Wie soll eine Pflicht eine Auszeichnung sein? Das ist doch ein Märchen des modernen Staates…

  7. Huldra

    @ Harki

    Das stimmt, denn noch schlimmer sind schlechter Stil UND schlechte Haltung …

    Der von Dir angesprochener Punkt, daß man wissen sollte was man da auf der Brust herumträgt, scheint mir auch wesentlich, ist ja schon des Öfteren diskutiert worden.
    Man müßte mal eine kurze Umfrage in einer Fußgängerzone machen, und den „Hemden mit Aufdruck“-Trägern fragen, ob sie denn wüßte, was sie da zur Schau tragen. Ich vermute mal, daß sehr wenige es wissen werden, und öfters der Satz käme: „Ich finds halt schön!“.
    Womit wir wieder bei der Ästhetik wären …

  8. @ Huldra

    Womit wir wieder bei der Ästhetik wären …

    Und bei der Frage, welchen Sinn eigentlich T-Shirts mit Polit-Aufdruck überhaupt haben. Insofern man davon ausgehen kann, daß jeder unterstellt, daß jeder andere, der ein bedrucktes Shirt anhat, eben nicht weiß, was er da anhat. ;-)

  9. Martin

    … ich denke, dass ein „konservativer“ Stil unter anderem sich wohl dadurch zeigen kann, dass man gerne auf das bewährte und nachhaltige zurückgreift, wodurch automatisch Qualitätsware in den Vordergrund rückt …. und zwar überall. Dies ergibt dann aufgrund der Vielfalt der Möglichkeiten glücklicherweise viele individuelle Ausdrucksmöglichkeiten und eben keine Uniformität.

  10. Martin Lichtmesz

    Lieber Baal, da Du mich mehrfach erwähnst, sehe ich mich zum Kommentar aufgerufen, andererseits ist es so, daß mich das Thema kaum interessiert, sofern man es zu einem „allgemeinen“ Problem erhebt. Ich finde es auch uninteressant sich den Kopf über einen „rechten“ Kleidungsstil oder ähnliches zu zerbrechen.

    Grundsätzlich finde ich, daß die Menschheit in ihrer Mehrheit eigentlich immer dann am besten gekleidet waren, als nicht jeder durfte, wie er will, und daß die Mode eigentlich immer besser war als heute, schlimm wurde es erst ab den Achtziger Jahren, obwohl ich auch dafür eine gewisse nostalgische Schwäche habe. Seit den Neunziger Jahren gibt es nicht mehr einmal soetwas wie einen Zeitstil, an dem man die Dekade identifizieren könnte. Meine persönlichen Favoriten sind die 20er Jahre und die 60er Jahre (klingt jetzt etwas disparat, aber so ist es.)

    Seit die allgemeine Verbindlichkeit im Schwinden ist, und die Teile im Stilchaos herumfliegen, für jedermann zur Selbstbedienung freigegeben, die Geschmäcker sich immer mehr relativieren, bleiben einem nur mehr idiosynkratische Formen, die ich persönlich ja auch kultiviere. Früher sagte man „Le style fait L‘homme“, heute ist es oft fast umgekehrt. Sozusagen eine universelle „Punk-Attitude“, auch wenn das nicht mehr im Geringsten nach Punk aussieht. Du kennst ja meine uralten, abgefuckten Schaftstiefel, damit verbinde ich keinerlei Message, auch nur eingeschränkt eine „Neofolk“-Anbindung, es geht sich nur gut darin, gibt einem ein „Reiter“-Gefühl, sie erregen Aufmerksamkeit, und außerdem muß man keine Schuhbänder binden, man kann ganz praktisch hineinschlüpfen. Ich verabscheue Plastikjacken und -Anoraks, Markenaufdrucke (von Chiemsee bis Tommy Hilfiger), Cordhosen, T-Shirts mit Ärmeln, die nicht eng auf dem Oberarm ansitzen, sondern drumherum schlabbbern, karierte Hemden und Norwegerpullis (diese dämlichen Pullis über dem Hemd! Mich macht das wahnsinnig, diese „Uniform“ auf jedem rechten Seminar oder Treffen zu sehen), Trainingsanzüge (das Herz der Finsternis… wenn man nicht gerade Sport betreibt!), sowie den Turnschuhe- und Jeanseinheitslook, mit dem mir jedermann und jederfrau unbewußt seine Harmlosigkeit, Gleichheit und Jedermannigkeit zu signalisieren scheint. Es gibt nur wenige, die Blue Jeans wirklich bewußt zum Stilprinzip zu erheben wissen, wie z.B. unser SiN-Webmaster Harki. T-Shirts mit Ausdruck sollten bewußt gewählt werden, aber die „Message“ darf nicht zu plakativ und Meinungs-Litfaßsäule sein (das mißfiel mir etwas an dem seligen Reconquista), lieber einfache Symbole, Embleme, Artistisches, Ikonisches. Uniform- und Military-Elemente gefallen mir ganz gut, aber ich habe eine Abneigung gegen die meisten Camouflage-Muster, mit Ausnahme des alten Ösi („Fleckerlteppich“)- und DDR („Nadelstreifen“)-Tarnlooks, sonst wirkt das meistens zu prollig oder zu Ghetto-Hip-Hop. Ich mag Zeitloses wie schwarze Lederjacken, Tweed-Moden oder Loden, oder den guten alten Anzug und Krawatte. Was ich schade finde, daß die Trachtenmode bei jungen Leuten immer mehr verschwindet.

    Was den Neofolk-Look betrifft, so gibt es cool reduzierte wie kitschige, noch vom Gothic her beeinflußte Formen, das sind das meistens aber die representativen Konzert („Gala“)-Ausgehuniformen für besondere Anläße. Schwarzhemden-Look, Radical Chic, Dandyismus müssen dezent sein, bißchen Hugo Boss, bißchen New Wave, bißchen Punk. Die Leute, die das übertreiben, sind in der Regel Idioten, die in irgendeiner Entwicklungsphase steckengeblieben sind, wie auch der Großteil derer, die noch nicht kapiert haben, daß der Neofolk sein Zenith schon lange überschritten hat, auch qualitativ von der Musik her.

    Soweit, was mir einfällt dazu, die Welt habe ich damit nicht gerettet vor der Verhäßlichung…

  11. Friedrich

    Stil bedeutet, daß man sich der Gelegenheit entsprechend maß- und qualitätvoll bekleidet.
    Also am Nacktbadestrand nicht im Smoking herumläuft, &c.
    Da heutzutage mehrheitlich die Marke das Gefühl für Stoffqualität ersetzt hat, ist es bisweilen etwas schwierig, wirklich gutes Tuch über dem Leib zu tragen.

  12. Hesperiolus

    style matters – quod erat demonstrandum!

    „Ich finde, die Welt und das Leben ist danach angetan, daß man sich allgemein schwarz tragen sollte, mit einer gestärkten Halskrause statt eures Kragens, und ernst, gedämpft und förmlich miteinander verkehren im Gedanken an den Tod, – so wär`es mir recht, es wäre moralisch.“ (Zauberberg, Hans Castorp)

  13. Tiberius

    Hm,

    seid ihr mir arg böse, wenn ich sage dass das enthusiastische Austauschen gestelzter Formulierungen ohne Realitätsbezug, bei gleichzeitigem Ringen um die Deutungshoheit über Geschmacksfragen mich ziemlich an arg an, sagen wir definitiv nicht konservative Kreise, erinnert ?

    Also in der Stadt in der ich wohne (nicht Berlin) haben gestern Autonome die Reifen aller Autos in der Nähe einer Schule für Justizvollzugsangestellte zerstochen – um den Azubis klar zu machen, dass sie nach Vorstellung dieser netten Zeitgenossen gefälligst einen anderen Beruf zu ergreifen haben. Was da dann als nächstes kommt darf man sich vorstellen.

    Ist euch so langweilig ?

  14. Vulture

    …oder man überlässt dieses Thema einfach seiner Frau. Das schont auch die Nerven (So läufst du nicht draußen rum – Nein!…). …und spart Speicherplatz bei SiN für interessante Themen.

  15. godeysen

    Ästhetik, Stil und Mode sind äußere Zeichen einer Kultur; Signale, die Informationen über den Zustand einer Kulturgemeinschaft geben.

    Popkultur in den Formen, die uns täglich begegnen, ist zu 90% ein Konglomerat von Erscheinungen, die aus der zunächst US-amerikanisch geprägten, dann global beliebig gewordenen Jugendästhetik stammt.
    Wer unter konservativ auch (oder vor allem) ein Bekenntnis zu kulturellen Traditionen des einheimischen Bürgertums versteht, sollte erkennen, daß ein Militärunterhemd (bedruckt oder nicht) keine Oberbekleidung bei gesellschaftlichen Anlässen ist, daß Popmusik für einen Zapfenstreich ungeeignet ist und daß McDonalds eine Futterstation, aber kein Restaurant, und schon gar kein Ort für einen Kindergeburtstag ist.

    Wer (wie schon in anderen Beiträgen angesprochen) wertbeständige Alltagsgegenstände der Plastikkultur vorzieht, wer in der Öffentlichkeit ein Hemd mit Kragen trägt (schon das ist ja offenbar in weiten Kreisen zuviel verlangt), wer selber kocht, backt, einmacht, bastelt und werkt, wer gewisse „altmodische“ Formen des Umgangs und der Rede öffentlich pflegt – der signalisiert sein Bewußtsein für die Bürgerkultur der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die er trotz amerikanischer Besatzung, 68er Umwertung und 89er Zonifizierung vor dem Aussterben bewahren möchte.

    Ästhetik und Stil ist also durch und durch politisch, behaupte ich.

  16. …und spart Speicherplatz bei SiN für interessante Themen.

    Du glaubst gar nicht, was SiN für technische Ressourcen hat. ;-)

    Im Ernst und auch wieder nicht ganz im Ernst (letzteres, insofern ich nicht ganz zuständing bin): Wenn man nur die vier, fünf für Rechte „interessanten“ Themen abcovert, ist man irgendwann so spannend wie die Online-Jotteff. Und „Maik Schreyer aus Dinslaken“ findet das dann in den Kommentaren erfreulich: „Da sieht man mal wieder, daß …“

    Rechte haben sehr oft das Problem, rechts zu sein und sonst gar nichts. Insofern finde ich es zumindest sehr interessant und erfreulich, daß es hier auch mehrere Autoren gibt, die was zu (pop-)kulturellen und Lifestyle-Themen zu sagen haben und das auch tun. Und zwar sogar ein genaues Drittel der Stammautoren. (Wie gesagt: halb unzuständig, weil nicht ganz in der Wagenburg, aber allzeit interessiert.)

  17. „… andererseits ist es so, daß mich das Thema kaum interessiert, sofern man es zu einem „allgemeinen“ Problem erhebt. Ich finde es auch uninteressant sich den Kopf über einen „rechten“ Kleidungsstil oder ähnliches zu zerbrechen.“

    Hm, Martin (Lichtmesz meine ich) gerade Du interessierst Dich nicht dafür? Hm hm, aber anschließend schreibst Du gleich einen Haufen relevanter Sachen dazu?!? Ich finde das jedenfalls schon alles sehr interessant.
    Natürlich lösen wir damit kein unmittelbares politisches Problem, weder wird dadurch die demographische Krise beendet noch der Vormarsch des Islam gestoppt noch der künftige Bürgerkrieg verhindert noch das linke Medienkartell zerbrochen und echte Meinungsfreiheit und -vielfalt durchgesetzt noch die Geschichtspolitik entideologisiert oder gar überhaupt eine souveräne Politik in Angriff genommen – und trotzdem ist das alles wichtig: zum einen, weil die Form den Inhalt verrät und zum anderen, weil Menschen sich mit politisch-kulturellen Bewegungen nicht primär wegen irgendwelcher Bücher identifizieren, die ja doch kaum einer liest, sondern weil sie von einem gemeinsamen Lebensgefühl erfaßt werden, das sich in Musik, Mode, Umgangsformen usw. ausdrückt.
    Natürlich werden die Autonomen morgen weiterhin Autoreifen zerstechen, Tiberius, oder Autos anzünden, wie es hier in Berlin mittlerweile vollkommen üblich ist und in den Medien als „Zündeln“ verniedlicht wird, aber es geht doch darum, ein Bewußtsein dafür zu schaffen, daß dergleichen übermorgen vielleicht nicht mehr so selbstverständlich geduldet (und als Zündeln bezeichnet wird). Abgesehen davon, stelle man sich mal vor, „die Rechten“ würden jeden Abend irgendwas anzünden … Was würde die Journaille dazu sagen?

  18. Nihil

    Gs. kann ich mich nur Baal und Martin L. anschließen. Trotzdem halte ich den Stil für ungemein wichtig (Vgl. Mohler) und muß auch an dieser Stelle leider auf die Wehrmacht und NS-Verbände hinweisen. Hätten die Uniformen nicht so gut ausgesehen (wie man ja weiß: von Hugo Boss geschneidert; heute eher nicht so toll), wäre uU schlechter gekämpft worden. Ich bin zwar kein Materialist, aber ganz kann man das Sein vom Bewußtsein eben doch nicht trennen. Und wenn ich mir anschaue was da in Ungarn aufmarschiert – Bierbäuche in XXL-Leibchen (á la „Diesen wunderschönen Körper formte …“, eine „rechte“ Majorca-Fraktion?) – dann zieh ich mir lieber gleich einen 80er-Trainingsanzug an – es hindert mich nicht am Lesen der Sezession und ich weiß mich von der widerwärtigen Bourgeoisie hinreichend abgegrenzt.

  19. T-Shirts mit Ausdruck sollten bewußt gewählt werden, aber die „Message“ darf nicht zu plakativ und Meinungs-Litfaßsäule sein (das mißfiel mir etwas an dem seligen Reconquista), lieber einfache Symbole, Embleme, Artistisches, Ikonisches.

    Exakt. Du hattest das ja auch mal im alten Göku-Blog (oder auf der BN?) angemeckert. (Gut war allerdings die Krone „v 4″)

    Also, planen wir mal das Antaios-Merchandising. :D Das Logo, die Schlange, ist schlechterdings genial, gute Startbedingungen, mithin. Dann aber auf den T-Shirts bitte ohne Schriftzug. Frage 1: Die Farben? Lila ist eine Farbe der Saison. Dazu dunkelgrün für die Schlange? Oder gar rot? Schwarz auf weiß tut’s aber auch immer… Weiß auf lila?! Und (2) groß auf der Brust oder nur klein über dem Herzen? (Klein, natürlich.)

    Uniform- und Military-Elemente gefallen mir ganz gut, aber ich habe eine Abneigung gegen die meisten Camouflage-Muster, mit Ausnahme des alten Ösi („Fleckerlteppich“)- und DDR („Nadelstreifen“)-Tarnlooks, sonst wirkt das meistens zu prollig oder zu Ghetto-Hip-Hop.

    Wirklich scheußlich finde ich nur dieses Ami-Woodland und auch das aktuelle der BW, weil man beides halt überall sieht, nicht nur bei Bauarbeitern und Bin Ladin. Ansonsten: d‘accord, muß man halt vorsichtig sein. Sehr hübsch finde ich das alte Schweizer Muster mit dem hohen Rotanteil („Vierfruchtpyjama“) und natürlich alles, was aus F kommt – sowohl das alte streifige 60er-Muster als auch das aktuelle, kuh-artige „Camouflage Centre Europe“.

  20. Corvusacerbus

    „Ästhetik, Stil und Mode sind äußere Zeichen einer Kultur; Signale, die Informationen über den Zustand einer Kulturgemeinschaft geben.“ (godeysen). Yep! Aber als Teil des Verhaltens bzw. Auftritts eines Menschen, ist die Kleidung immer Entäußerung und Ausdruck von Persönlichkeit. Und entweder ist da was oder nichts, entweder ist da was Authentisches oder auch nicht. Will sagen: Jemand kann auch und sogar im hier – warum eigentlich? – attackierten Jeanslook auftreten und alles ist gut, alles ist da, alles ist richtig (auch die Jeans, u.z. nicht nur als Element des Auftritts, also in ihrem symbolischen Wert, sondern auch als solches, also als textiler Gebrauchsgegenstand/Kleidungsstück). Eins noch: Wenn es Antaios-Kleidung geben würde, bitte alles ganz subtil. Keine Schlange auf dem Kragen oder sowas, gräßlich. Am besten versteckt, innen, ganz dezent. Der Wissende erkennt, der Dumme nichts, so soll es sein. Interessant übrigens, daß hier nach meinem Eindruck nur Männer miteinander kommunizieren (wenn sich nicht Ellen Kositza einmischt, und die darf, ja soll das, unbedingt!). Das ist vielleicht neben manchem Inhalt die wichtigste Botschaft, daß Männer miteinander die subtile Ebene des Sich-Erkennens wieder erobern bzw. besetzt halten wollen. Dazu eine Reminiszenz, vielleicht hat das Bild mancher vor Augen: Cary Grant in „Über den Dächern von Nizza“, wie er in seinem Haus oberhalb von Nizza, im gestreiften Pulli (ganz nebenbei: zur ewigen Ehrenrettung des Pullis!) über dem Chemise Lacoste, amerikanisch leicht fallender 50iger-Jahre-Stoffhose, in leichten Schuhen elegant eine Zigarette aus seinem Etui nimmt und auf dem Handrücken anklopft – vielleicht eine Players Navy Cut? eine wunderbare Zigarette. Das sind Bilder für die Ewigkeit! Kann sein, daß Cary Grant gar nicht raucht in der Szene auf der Terrasse, aber durch in solchen Auftritten entstehen gültige Bilder und die malen sich in der Phantasie sogar weiter. Um diese Macht des Auftritts, die uns als Bild in Erinnerung bleiben, geht es. Insofern ist Kleidung und Auftreten von tiefer und langfristiger Wirkung und damit von tiefer und langfristiger kultureller und also politischer Bedeutung. Die Umkehrung, also Kleidung nicht als Ausdruck sondern zur Herstellung von Persönlichkeit, kann man versuchen, fällt aber doch auf und ist nur peinlich. Letzter Satz: „Rechte haben sehr oft das Problem, rechts zu sein und sonst gar nichts.“ schreibt „Harki“. Das scheint mir auch ein elendes Problem der Rechten zu sein. Aber das ist auch ein typisch deutsches Problem, nämlich die eigentliche Bedeutung der Oberfläche der Dinge nicht erkannt zu haben und insofern „oberflächlich“ nicht als Hinweis auf „praktisch“, „pragmatisch“, „lebensweltlich“, „persönlich“, „verhaltensorientiert“ oder „beobachtbar“ zu nehmen sondern pejorativ als „substanzlos“ bzw. „substanzfern“ mißzuverstehen. Auf diesem Gebiet sind uns in ihrer kulturellen Prägung die US-Amerikaner – und z.B. auch die Niederländer, die eine eher angelsächsische Kultur haben – übrigens voraus. Das mag den Deutschen, zumal den Rechten, passen oder nicht.

  21. d.n.

    Ein großes Problem hinsichtlich Stil und Habitus der rechten Szene sehe ich darin, daß mit schöner Regelmäßigkeit immer wieder sämtliche Klischees bedient werden, die die Massenmedien über jene stereotype „Glatze von hinten“ propagieren.

    In dem Antaios-Gesprächsband mit Ernst Nolte sagt dieser:

    Die SA-Männer hatten nicht den Charakter, der von vornherein abstoßend wirkte wie derjenige der NPD-Leute von heute. Die wenigsten hatten ein Aussehen, das den Bürger erschreckte; (…) Ich erinnere mich, daß ein bekannter Historiker zu mir sagte: ‚Wenn ein Lastwagen vorbeikam, der mit SA-Leuten besetzt war, nachdem zuvor ein Wagen voller Rotfrontkämpfer vorbeigefahren war, fühlte man sich beschützt.’ Eine der wichtigsten Ursachen für den Erfolg des Nationalsozialismus war gerade dies, daß weder die SA- noch die SS-Männer als Außenseiter oder Barbaren auftraten wie die Glatzköpfe heute.

    Kryptisch gesprochen: Weniger Lonsdale, weniger Pit Bull, weniger Bomberjacken; dafür: mehr Schellenberg, mehr Peiper, mehr Degrelle. Also ob Anzug oder T-Shirt: Strenge, Form und Schneid sind zu wahren.

  22. Hesperiolus

    Zu bedenken auch, daß Kleidung Haltung nicht nur ausdrückt, sondern ebenso herausfordert und mitformt, in Jeans anders als in Tracht oder Anzug; Anspruch macht auf ein zu den ihr gemäßen Bewegungsabläufen, Motorik, Gestik und Mimik, stimmendes Gesamtbild. Mithin Körperarbeit und Körperbewußtsein fordert! In diesem Sinn soll sie „existenzieller Anzug“ sein (wie das von Otto Ubbelohde für Heidegger entworfene Lodenkostüm mit Kniebundhose von den Marburger Studenten zumindest genannt wurde – darunter waren „enorm“ attraktive Anhängerinnen).
    Daß – gegen Beliebigkeit und Individualismus – aus einer solchen vestemischen Selbstverständigung keine wie aus dem Ei des Kolumbus gepellte Stilprägung für den Neu-Rechten Typ hervorgehen kann, ist unvermeidlich zeitbedingt. Ähnlich M. Lichtmesz passt hier ein Gómez Dávila ZItat: „Nie hat sich die Menschheit so häßlich gekleidet wie in unserer Epoche der freien Kleiderwahl. Den Menschen kleiden nur traditionelle Trachten oder Uniformen.“ Und gleich noch eines: „Guten Geschmack haben heißt in erster Linie zu wissen, was wir verwerfen müssen.“ Darauf könnte es hinauslaufen. Aber bitte mehr „anglo“, zur Not eben die Barbourjacke, als „amerikanisch“. Dieser Kontinent ist eine einzige ästhetische Katastrophe! (Die Meinung eines neopaläodextralen Fossils, das am liebsten mit Binder zum Tennis anträte!)

  23. mehr Schellenberg, mehr Peiper, mehr Degrelle.

    Na, heute würde das allerdings auch gruselig wirken.

  24. d.n.

    @ Martin Lichtmesz

    Na, heute würde das allerdings auch gruselig wirken.

    Ich bezog mich natürlich nicht auf das Werk, sondern auf das Wirken, die Ausstrahlung von Schellenberg, Peiper und Degrelle. Denkt man sich die Uniformen und den ideologischen Quatsch weg, so schimmert hier ein Gegentypus eigener Art durch: dies könnte die deutsche, europäische Variante des kosmopolitischen US-Yuppies sein, der rechte Gegenentwurf des zum Lackaffen verkommenen Dandys heutiger Tage, die reale Verkörperung des kalten, entschlossenen Typen, den etwa Alain Delon so oft in seinen Rollen verkörpert.

  25. dies könnte die deutsche, europäische Variante des kosmopolitischen US-Yuppies sein,

    Umso schlimmer! Und mit Degrelle und Co hat das auch nichts zu tun.

  26. d.n.

    @ Martin Lichtmesz

    Wenn ich von einem Gegenentwurf zum US-Yuppie schreibe, meine ich natürlich nicht eine europäische Kopie dieses seelenlosen Scheusals! Aber zugegeben, der Begriff „Yuppie“ war insoweit irreführend gewählt.

    Ich möchte auf einen hervorragenden Text von Josef K. verweisen: http://www.vonthronstahl.de, dort unter „The Occidental Dandy-Pose“ der Text „Geschmackvolle Außenseiter zwischen Dekadenz und Neuem Reich“.

    Hier der Anfang:

    Was hier von Interesse ist, hat nicht allzuviel gemein, weder mit den Modeaffen des 19. Jahrhunderts noch mit der stereotypen Idee des Dandys als erfolgreich geschäftigem Lifestyle-Mitläufer, wie sie uns Männermodemagazine in den Raum zu stellen versuchen. Der Dandy, welcher hier und heute seinen Dienst an der Menschheit versieht (durch bloße Existenz allein und entsprechenden Auftritt), darf auch die Affektiertheit historischer Vorläufer und die parfümüberladene Tuntenhaftigkeit gut betuchter Irrläufer getrost in der Mottenkiste vor sich hin gammeln lassen. Das Pack, welches sich heute unter dem Etikett Playboy und Lebemann in Szene setzt, ist nicht unserer Natur, und wir tun gut daran, für uns zu bleiben, und das heißt wohl zu allermeist, alleine für sich zu sein und zu stehn. Die Welt des Glamours gebiert kein Heldentum. Der Lebemensch des Showbusiness schöpft aus keiner Einsamkeit und steht in keiner Berührung mit der Transzendenz, die uns nach antikem Muster erschaffen hat. Wir gehören keiner High-Society an, und wenn doch, dann ist sie überirdischer Natur. Monte-Carlo und St. Moritz, das Cafe de Paris und der Hollywood Boulevard – was bedeutet der Ruf und der Klang solcher Namen, wenn nirgendwo an einem Tisch noch aristokratisches Bewußtsein atmet, keine Seele mehr über die Räumlichkeiten hinausstrebt, keine Geschmacklichkeit mehr in den Raum strahlt, kein Empfindungsreichtum mehr den Moment zu einer Ewigkeit erhebt.

  27. Martin

    @d.n.

    Der Herr Klump mit seinem occidental dandy club musste ja irgend wann mal in dieser Diskussion auftauchen ….

    wer einmal das Vergnügen hatte, Herrn J.K. persönlich kennenzulernen, der wird den Eindruck nicht los, dass er, unter einer „rechten“ Vorherrschaft sicherlich stramm links wäre … die Anti- Attitüde ist doch sehr lebhaft …

    aber das soll kein Urteil über sein Schaffen und Wirken sein …

  28. Vulture

    Harki: Prinzipiell ja, ich verstehe. Aber: Wie war noch das Zitat ganz vorn in Kubitscheks kleinem provokativen Büchlein?
    Oder anders: diese Thematik hat eindeutig Potential für Geschwätz, lang und breit.

    Vielleicht gehört aber genau dieses zwanglose (um nicht zu sagen „folgenlose“) daherreden über dies und das zur Gewinnung von kulturellem Einfluß unvermeidlich mit dazu? Wer hat jetzt recht? GK oder Harki?

  29. @ Nihil

    muß auch an dieser Stelle leider auf die Wehrmacht und NS-Verbände hinweisen. Hätten die Uniformen nicht so gut ausgesehen (wie man ja weiß: von Hugo Boss geschneidert; heute eher nicht so toll), wäre uU schlechter gekämpft worden.

    Ja, das „leider“ trifft’s ohne Zweifel ebenso wie das „muß“…

    Nur stimmt meines Erachtens die Wertung nicht. Nach meinem Empfinden haben diese deutschen Waffenrocksuniformen (ich rede nicht von den Tarnanzügen anderer deutscher Formationen…) mit ihren albernen geschlossenen Kragen, ihren Keulenhosen und Schaftstiefeln*) im Vergleich zu den zeitgleichen amerikanischen Kampfanzügen einfach hoffnungslos altväterlich, verklemmt und knotenzopfig-preußisch ausgesehen. Es ist halt immer die wirtschaftlich, politisch und kulturell führende Macht, die bestimmt, was chic ist. Wohl also damals schon die Amis…

    Was übernehmen die Franzosen (denen man da sicher ein Urteil zutrauen darf)? Natürlich den Stil der geborenen Sieger, nicht den der natürlichen und notorischen Gerne-Looser. D‘accord, von den Loosern dann (neben ein paar Liedern) aus pragmatischen Erwägungen heraus das Tarnmuster, daß sie dann aber auch gleich ästhetisch erheblich verbessern.

    Von wegen Tarnmuster. Ich finde die gar nicht so schlimm, auch wenn ich selbst nur ab und zu beim Sport welche trage. (In der Tat, Sportklamotten sind entsetzlich, und wenn man sie selbst beim Sport vermeiden kann, indem man auf Militärklötten ausweicht, ist das allemal erfreulich.) Aber mir hat dieses prollig-spielerische Herumexperimentieren mit Tarnmustern in den letzten Jahren auch irgendwie gefallen… Das muß ein Schockputz schon abkönnen… Sehr hübsch finde ich übrigens dieses alte Schweizer Muster mit dem hohen Rotanteil, „Vierfruchtpyjama“ nannten die das, glaube ich. Kann aber nicht jeder tragen, kommt auf den Typus an.

    *) Das war jetzt wirklich kein Diss gegen Lichtmeszens Schaftstiefel. :-) Ich rede von damals…

    Und, ah, noch zu Stiefeln! Diese wirklich unmöglichen, plumpen und klobigen BW-Stiefel, geradezu eine Karikatur der amerikanischen, französischen und israelischen Modelle, sehen wirklich extremst scheußlich aus. So etwas hätte ich nie angezogen, solange es sich irgend hätte vermeiden lassen. :-)

  30. Rachermandl

    Ist der Anstoß zu dieser Diskussion anstößig?. Fasst sich Mode nicht umfassender, im Sinne von „deine Zauber binden wieder, was die Mode streng getheilt“ (Schiller), im Sinne von ‚in Mode sein‘, ‚aus der Mode gekommen‘, synonym mit Sitte, Norm, Konvention, Brauch. Dazu gehört also mehr als nur die Bekleidung. Mode ist Lebensstil, Alltagskultur mit Essen, Trinken, Wohnen, Begrüßungs-Entschuldigungsrituale, Bewegungsmuster: geh ich bummeln oder shoppen. Wie reise, wie schlafe ich, putze ich meine Schuhe, bügle ich Blusen oder Hemden. Der aufgeladene Begriff des Neuen, der ‚News‘ ist so dominant geworden, dass das Erprobte, Bewährte fast ausschließlich dem Verschleiß, (wer hat noch einen Bücherschrank statt einem Billy-Regal), kaum noch der Pflege unterliegt. Früher hieß z. B. meine Grammatik noch „deutsche Sprachpflege“. Die Frage ist nicht, ob ich dies oder jenes Kleidungsstück trage, diese oder jene Speise bevorzuge, diese oder jene Liebhaberei ausprobiere, sondern dass ich das einmal für mich Passende (‚die Hose passt‘, ‚Dill passt zu Fisch‘ ‚die beiden passen zusammen‘) in meinem und mit meinem Umkreis kultiviere, weitergebe, vermittle, will sagen konserviere. Dabei bin ich gleichzeitig Empfänger und Sender. Hat man Schönes, Gutes, Liebes, Wahres (siehe Motto des Netz-Tagebuches) empfangen, in Empfang genommen, wäre es eine Sünde, es über den Haufen zu werfen, zu vernachlässigen, nur weil es nicht mehr modern, weil es nicht mehr neu, weil es altmodisch ist. Dieses Be-wahr-en, auch Aufheben im Hegelschen Sinne, verwenden (‚das kann ich noch gut gebrauchen‘, woraus dann bei viel Geduld der Brauch entsteht), verwandeln, der sorgsame Umgang mit Menschen, Dingen, Tieren, Pflanzen. Klingt abgehoben? Ja, ist aber anstrebenswert und bereitet auch Freude. Deshalb wünschte ich mir an dieser Stelle mehr noch ein Forum für den langen Atem, ‚mit der Mode gehen‘ heißt für mich sichten (Speu von Weizen), Sichtbarmachen von langen verschlungenen Traditionslinien und dann Verknüpfungen herstellen. Die Zersetzung von Gedanken-Gut geht im Internet viel rascher vonstatten als in anderen Medien. Diesem Prozess unterliegt auch ‚Sezession‘ im Netz. ein Beispiel nur: Ein Referent spricht in der Mode von den ‚Tarnmustern‘. Das ist ja nicht nur eine Männermode, das ist ein Phänomen, dem nachzugehen, hochinteressant wäre. Wer tarnt sich da? Wer spielt da Krieger? Mehr flanieren, weniger joggen, mehr Lust-Wandeln , weniger von einem zum anderen Ausguck hasten.

  31. Thorsten

    @Hochrainer

    Mit Deinen Ansichten kommst Du schlichtweg 20 Jahre zu spät (Was hast Du in dieser Zeit eigentlich getrieben?). Unsereins hat jedenfalls keine Lust sich von den Märzgefallenen der BRD ausbremsen zu lassen.

  32. Toni Roidl

    Ich verfolge diese Diskussion fasziniert. Und bin gespannt auf den nächsten Teil. Die Kleidungs-Stilfrage finde ich noch einigermaßen leicht: Hauptsache Qualität und Geschlechterbetonung, keine Reklameträger und Kulturkreisfremdes. (Nebenbei: Erinnert sich noch jemand an die Mode der frühen, ernsthaften NDW, z.B. Palais Schaumburg, der Plan etc.?) Schwierig wird es bei der Frage identitätsstiftender Musik. Müssen wir bald alle Neofolk hören? ;-)
    p.s.: Die Anregung eines antaios-Textil-Merchandisings finde ich sehr gut.

  33. Tiberius

    Hallo Baal,

    Auf der einen Seite: Verlust jeglicher konservativen Positionen in der Politik und in der Gesellschaft.

    Alkoholisierter, pöpelnder Schwarzer wird seinerseits zusammengeschlagen und schafft es bis in die Talkshows, es wird über ganze Landstriche als „No-go-Areas gefaselt – dagegen: Familienvater wird vor den Augen seiner Kinder von Tätern mit „Migrationshintergrund“ einfach so zum Krüppel geschlagen = Randnotiz.

    Autonome Gewalt wird wie Du ganz richtig schreibst verniedlicht, selbst der Versuch Polizisten anzuzünden, findet keinen größeren Widerhall.

    Also: Ich will euch gar nicht bei euren stilbildenden Diskussionen stören, oder euren „Spreu trennenden“ Selbstfindungsprozeß aufhalten – mir hätte sich dieses Thema an dieser Stelle angesichts realer Probleme nur eher nicht aufgedrängt. Natürlich ist das nur eine Einzelmeinung und: selbst für den Untergang der Titanic ordnungsgemäß gekleidet sein, ist ja auf der anderen Seite auch sehr konservativ.

    Tröstet mich aber nicht so wirklich…

  34. Fritz

    Pfingsten und der Abschied vom angeblich links wehenden Geist. Wie hieß das anno 53: „Kollegen reiht euch ein, wir wollen freie Menschen sein!“ Der Geist weht wo er will … Geistige Erweckungsoffenbarungen:

    http://www.welt.de/politik/bildung/article3833080/Erinnerungen-Unsere-Lehrer-waren-links.html

    http://www.welt.de/politik/article3841470/Linken-ist-wichtig-besser-zu-sein-als-die-anderen.html

    Der Abschied von Birkenstock-Schuhen, Strickpullovern, langen Haaren und linkem Geschwätz – es ist an der Zeit.

  35. Hubert

    «Grundsätzlich finde ich, daß die Menschheit in ihrer Mehrheit eigentlich immer dann am besten gekleidet waren, als nicht jeder durfte, wie er will, und daß die Mode eigentlich immer besser war als heute». Lichtmesz

    Hat was. Allerdings darf man aber auch heute noch nicht wirklich wie man will. Ich z. B. mag diese Giesswein-Janker mit den Silberknöpfen mit dem Dppeladler sehr gern und trug diese auch etwa zehn Jahre lang regelmässig. Irgendwann kaufte ich mir aber keine neuen mehr, weil mir einfach das Image dieser Jacke zu sehr missfiel. Das tragen ja v. a. ältere Frauen, Neureiche, plappernde Neurechte u. a., Landhausmode halt… Und obwohl ich das Kleidungsstück immer noch wunderschön finde, trage ich es nicht mehr… O. K. irgendwann werde ich mir sicher wieder eine Giesswein kaufen, aber vorerst fühle ich mich im Windbrecher wohler.

    Das Geheimnis des T-Shirts hast du leider nicht verstanden. Das wahre, ewige T-Shirt in vollendeter Form ist von Hanes. Und dieses hat keine enganliegenden Ärmel!!!

  36. Rachermandl

    ‚Mit Deinen Ansichten kommst Du schlichtweg 20 Jahre zu spät (Was hast Du in dieser Zeit eigentlich getrieben?).‘:

    Lieber Thorsten, ich habe nicht die geringste Ahnung, was Sie unter „Märzgefallenen der BRD“ verstehen. Recht haben Sie: Ich bin ein Spätentwickler. Es hilft nicht richtig hinweg der Spruch: ‚ Lieber spät als nie.‘ Die Frage, die Sie stellen, zeichnet sich durch das ’schlichtweg‘ als rhetorische aus. Ich möchte sie dennoch in einer wählerischen Aufzählung beantworten: Kind geborgen (schöner Verschreiber, nicht?), großgezogen, szenische Kollagen/Texturen erarbeitet, Gärtnerin aus Liebe geworden, reife (späte!) Lesefrüchte gepflückt, geschmunzelt über Jugendsünden, gefaulenzt (ja, doch!), zum x-ten Male von Land zu Land, von Stadt zu Stadt, letztmalig von Bonn nach Berlin zurückgezogen; Abschied von politischer Farbskala Regenbogen, Grün, Gelb, Rot-Rot, Braun, Schwarz. Von farbenblind, ja farblos hin zur ‚Farblehre‘, die a l l e Farben schätzt. Zu j e d e r Farbe gibt es eine Komplementärfarbe (ist das ein Geheimnis?). Und, was haben Sie in den letzten 20 Jahren getrieben? Herzlichst, IP.

  37. Die Pilotenbrille darf auf keinen Fall fehlen @M., das ist richtig!

  38. Granatbürscherl

    Schlimmer noch als XXL-Shirts ist die Eindeutschung von englischen Eigennamen und Begriffen.
    Das ist mal der Gipfel der Lächerlichkeit. Aber die „Rechten“ haben die Lacher ja auch so zurecht auf ihrer Seite…

  39. Jede Generation will halt etwas eigenes haben. Und bei unserer Jugend sind es halt die XXL Shirts und die englische Begriffe. Aber irgendwie ist die Zeit ja auch schon wieder vorbei.. mal schaun whats next :)

  40. @ festplatte: Das mit den englischen Begriffen ist denke ich ganz was anderes. Die Sprache ist extrem im Wandel. Früher waren es französiche Begriffe, von denen sich sehr viele bis heute gehalten haben. Halten sich verhältnismäßig genausoviel englische, ist deutsch in 100 Jahren futsch. Find ich aber auch nicht wirklich schlimm. Sprache war schon immer im Wandel.

  41. Faschist

    @Eric

    Bitte was? Die Sprache ist wesentlicher Identitätsträger eines Volkes, gerade im Falle der Deutschen Sprache.

    Wie will man z.B. deutsche Philosophie verstehen, wenn man nur Übersetzungen lesen kann?

Antworten

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