Pressemonopoly
„Wer die Pfalz regiert, bestimmen wir!“ So frohgemut plakatiert derzeit der örtliche Zeitungsmonoplist namens „Die Rheinpfalz“, denn es ist bald Wahl und die Leute sollen doch nachlesen, wen sie wählen können. Schön wäre es, wenn man diese Parole als Ausdruck selbstironischer Offenheit verstehen könnte, aber leider ist das nicht der Fall.
Wie fast überall in Deutschland ist die regionale oder lokale Zeitung hier in einer Hand. Konkurrenz gibt es meistens nicht. Selbst in mittleren Großstädten wie Ludwigshafen oder Mannheim bleibt es regelmäßig bei einem einzigen Blatt, das stets die üblichen Agenturmeldungen und dazu den Lokalkolorit aus Provinzpolitik, Kleinkunst und Vereinsmeldungen enthält. Da nun die überaus meisten Deutschen als überregionales Blatt höchstens den Boulevardjournalismus heranziehen, während die Zahl der Leser der bundesweit erscheinen Tageszeitungen aller Farben immer vergleichsweise gering war und jetzt stetig sinkt, kann der politische und kulturelle Einfluß der örtlichen Monopole kaum überschätzt werden.
Die Rheinpfalz nun ist aus der guten, alten „Lizenzpresse“ hervorgegangen, seit kurz nach Kriegsende in Familienbesitz. Der herausgebende Zeitungskonzern hat sich stetig weiterentwickelt, die Konkurrenz vom Markt verdrängt und nach 1989 auch den Sprung in die Neuen Länder mit Erfolg gewagt. Wer in den letzten Wahlkämpfen erleben durfte, wie die Rheinpfalz die entscheidenden Podiumsdiskussionen der Kandidaten organisiert und moderiert, dürfte noch vorhandene Zweifel am entschiedenen politischen Willen der Redakteure abgelegt haben.
Vor Ort traktierte der moderierende Redakteur die Kandidaten beispielsweise mit der selten dümmlichen Suggestivfrage: „Rechtsextremismus! Totschweigen – oder das Problem offen angehen?“ Daraufhin meinte der Sozialdemokrat, seines Zeichens Kriminalbeamter, er könne nur sagen, daß seit Jahren nichts mehr in dieser Richtung polizeilich bekannt geworden sei. Dies war die falsche Antwort. „Ich wiederhole meine Frage!“, kam der Konter ziemlich laut betont:
„RECHTSEXTREMISMUS! Totschweigen – oder das Problem offen angehen?“
Nun warfen halt die Kandidaten die üblichen Distanzierungsformeln in den Raum. Wer will es sich schon leisten, nächstens als inkompetenter Verharmloser abgestempelt zu werden, auf diesem einzigen (sic!) genuin politischen Themenfeld, das an diesem Abend angesprochen wurde. Und am nächsten Tag stand dann in der Zeitung, das grassierende Problem des RECHTSEXTREMISMUS sei ausgiebig besprochen worden. So werden Themen gesetzt und wenn sie nur suggerierte Luft sind.
Wir lesen das Blatt nicht und gehen davon aus, dort unsererseits auch wenig Beachtung zu finden. Da wir aber gerade dabei sind, fällt uns jetzt ein (wirklich erst jetzt), wann wir den letzten direkten Kontakt zur Rheinpfalz hatten. Es war 2005, wir hatten gerade den Gerhard-Löwenthal-Preis erhalten und ein wohlmeinender Mensch hatte dies die Rheinpfalz wissen lassen. Die Lokalredaktion fand dies bemerkenswert und schickte einen Journalisten zum Interview; man holte auch einen Fotografen, schoß Bilder vom Autor vor Bücherwand und stellte einen netten Artikel zusammen.
Natürlich erschien der Artikel nie. Jemand hatte letztlich nachgesehen, wer den Preis eigentlich verlieh. „Junge Freiheit“ – du meine Güte. Solche Dinge existieren nicht in der Welt des bundesdeutschen regionalen Zeitungsmonopols, jedenfalls nicht als Teil einer unpolemischen Nachricht. Und weil das so ist, müssen wir seinen Slogan: „Wer die Pfalz regiert, bestimmen wir!“, als eine teilweise Selbstentlarvung interpretieren.









Artikel