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Bildungsanzeige

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imagesvon Heino Bosselmann

Mich würde – gerade wieder im Kursraum – eine Zusammenstellung von Themen- oder gar Fachbereichen interessieren, die Abiturienten faszinieren, ja entzünden, gar infizieren.

Es kann hier bitte aus der Erfahrung anderer alles geboten werden, von der Mathematik und den Naturwissenschaften, über das Fach Deutsch und die Fremdsprachen, bis hin in die sog. Geisteswissenschaften Geschichte, Kunst und Sozialkunde und vorzugsweise aus den sog. Sinnfächern Religion und Philosophie. Hauptsache, der stets eher flache Puls steigt, und die Amplituden zackten ein wenig aus.

Ich gehöre immerhin zu einer so dünnhäutigen Generation, daß mich im Paradies Pubertät Hesse schwer beeindruckte, Kafka mindestens unklar-ahnungsvoll verwunderte und mir Schopenhauer gar die Welt so abrupt drehte, daß ich lieber darüber schwieg. – Damals zeitgenössische amerikanische Erzähler fand ich so farbig und stimmungsvoll wie die besten Hollywood-Filme. Kopfkino!

Und Karl May. Ach, Karl May. Alles sehr, sehr uncool heute. Was ich für meine innere Orientierung und Bereicherung brauchte, das hielten meine Schul- und die Kreisbibliothek Perleberg nahezu vollständig bereit.

Vielleicht konnte ich nicht alles interpretieren oder analysieren, aber es regten mich diese Stoffe tief auf! Mitunter verstehen meine Klügsten heute, eine passable bis glatte Erörterung hinzulegen, nachdem wir die Gliederungsprinzipien dazu einübten wie eine sterile Regelpoetik, die von den Kultusbürokraten so und genau so abverlangt ist, wenn dann im Abitur übers Stöckchen gesprungen wird; aber niemandem, erlebe ich, gehen Hemingway, Faulkner, Borchert beim Analysieren unter die Haut, ganz zu schweigen von den Alten wie Droste-Hülshoff oder Büchner, für deren Stoffe ich freundlich allerlei Exegese biete, damit klar wird, was da so befremdlich gesprochen wird.

Wenn man überlegt, daß Brecht, Dürrenmatt, Müller Abiturienten mal zu provozieren vermochten, und mancher Camus und Beckett etwas abgewann, was ihm wenigstens seinen Alltag und all die Leit-Bilder verdächtig machte! Lange nicht mehr erlebt. Beinahe zwei Generationen lang nicht. Was bleibt? Fantasy-Welten und Vampire über Feuchtgebieten …

Gut, mancher hatte kürzlich etwas Spaß mit Daniel Kehlmann, den Mecklenburg-Vopommern mal zur Pflichtlektüre erhob, und man darf ja heutzutage alles mitbringen, was etwas fetzt oder gar anerotisiert ist, etwa Schinks „Vorleser“, bei dem es neben frühem Sex vor allem um Vergangenheitsbewältigung geht, während jahrelang rauf und runter um „Die Welle“ und „Die Wolke“ geraunt wurde, Bücher, die außerhalb der Schule längst keiner mehr las. Ab und an, höre ich, gewinnen die Englisch-Kollegen noch etwas Interesse mit Orwells „Farm der Tiere“ oder Goldings „Herr der Fliegen“. Alle Achtung, wenn’s so wäre.

Neulich stellte ich klar, wie furchtbar Melville, Kafka und Robert Walser den Gedanken gefunden hätten, daß sich Jahrzehnte nach ihnen Schüler pflichtgemäß über deren Prosa beugen müßten… Das schien die Generation Smart-Phone kurz mit ihrer akuten Unerquicktheit zu versöhnen. Wenigstens also keine Vorsatztäter, diese ollen Literaten. Mag sein, sie hatten angenommen, solche Autoren hätten eigens für die Schule produziert, um Pflichtprogramme zu beliefern. (Aber für was denn sonst, mochten sie sich gefragt haben. Denn wer bloß liest so hirnrissiges Zeug von selbst? Mußte doch wohl einen Zweck haben, wo alles in der Bildung auf Zwecke abstellt.)

Also: Ich bitte um Anregungen, die in der Lage sind, ein sklerotisches System der sauren Schulpflicht und des buchhalterischen Abrechnens von Leistungen im Sinne von Herausforderungsvermeidung einerseits, aber der Optimierung von „Abi-Schnitten“  andererseits aufzusprengen. Ich suche, was heute Leidenschaft weckte. Falls der Begriff Leidenschaft überhaupt noch als tradiert gelten kann.

Mein Stand: Ich verfüge selbst über ein passables Spektrum, gelte als blutvoller Typ, liebe die Inhalte meiner Fächer, aber ich komme über ein laues Klima zeitweilig wohlwollenden Konsenses im indignierten Durchhalten nicht hinaus. Ich gebe mir Mühe, die Relevanz dessen, was ich anbiete und übe, plausibel zu machen; aber das fällt schwer. Man folgt mir phasenweise durchaus gutwillig, weil ich über etwas Unterhaltungswert verfügen mag und einigermaßen inspiriert und geistreich erscheine; aber in Konkurrenz zu immer neuen Apps und zum Entertainment der Sender sind meine Möglichkeiten vergleichsweise gering. Ich bin all den kleinen wie großen Medien gegenüber als sehr geschrumpfter Don Quijote unterwegs. – Cervantes wird übrigens auch nicht mehr gelesen, nicht mal in der Kinderbuchfassung.

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68 Kommentare zu „Bildungsanzeige“

  1. Ich will’s nicht glauben, was Meister Bosselmann da schildert. Andernfalls müßte ich mich auf der Stelle aufhängen.

  2. Edewolf

    Vielleicht eignet er sich nicht gerade für die Schule, weil er doch recht explizit ist, aber Michel Houellebecq ist m.E. ein Autor, der einerseits ein Kind unserer Zeit ist und damit die heutigen „Jugendlichen“ durchaus ansprechen könnte, andererseits aber sehr wohl erkennt, daß die heutigen Werte in eine Sackgasse führen. An seinen inneren Widersprüchen scheint er zu verzweifeln, was man auch daran sehen, kann, daß seine Charaktere (zumindest frühere) regelmäßig scheitern.

  3. G.B.

    Man kann nie alle Schüler ansprechen, aber hier und da mal einen. Mir ging bei Schillers Heldenballaden das Herz auf. War wohl Sehnsucht. Den „Vorleser“ fand ich daneben, „Effie Briest“ ist zum Abgewöhnen. Kehlmann hätte ich sicher genommen. Die ewige Leier des Für und Wider von Schuluniformen, Todesstrafe… In den Fächern Deutsch, Englisch und Französisch sollte jeweils dazu argumentiert werden. Langweilig. Dann das Thema Ökologie in allen Fächern. Mainstream-Meinungen in allen Schulbüchern. In den Fremdsprachen wurden ständig fremde Schulsysteme durchgekaut, aber nie wurde das eigene System in Frage gestellt. Ein Ansatz? Fragen Sie Ihre Schüler. Und wenn sie zu den Anforderungen der Gesellschaft (Studium, Arbeitsmarkt) sprechen und ihren Ängsten Ausdruck verleihen dürfen, versteht man viel besser, warum so viele Schüler meinen, sie müßten jetzt noch ein wenig Spaß haben… Später bleibt man an der Uni kleben, weil man sich dem Arbeitsmarkt nicht stellen möchte, man die Freiheit des Studentenlebens unvergüteten Praktika vorzieht.

    In Geschichte wäre mehr lebendige Diskussion notwendig gewesen. Anregungen seitens des Lehrers, ab und zu etwas zu hinterfragen, würden ihn vermutlich schon in ein falsches Licht rücken… Flucht und Vertreibung war ein Thema, das im Projektkurs einige Schüler ansprach. Ein Zeitzeuge kam und der Lehrer brauchte nicht selbst etwas Emotionales herüberbringen. Ich bedaure die Entemotionalisierung des Schulstoffes. Wir sind doch fühlende Wesen…

    Im Ausland erlebte ich Abwechslung im Geschichtsunterricht. Die Klasse war eher stark. Der Lehrer traf eine Vereinbarung mit uns. Er kopierte uns seine Notizen, also den Stoff, und sagte, das könne man auch allein lernen. Dafür gab es ausgedehnte Diskussionen zum aktuellen Geschehen- der Lehrer blieb Hauptdiskutant. Er selbst lebte dabei auf und die Schüler waren fasziniert. Gelernt haben sie tatsächlich allein. Die Abmachung war, daß man zum Vorkäuern des Stoffs zurückkehrt, sobald die Ergebnisse der Schüler sich verschlechtern. Dazu kam es nicht.

  4. D. Mann

    Diesen Autoren etwas abgewinnen zu können, dazu gehört halt auch ein Hintergrund. Die Lehrpläne rekurrieren auf eine Welt, die aufgehört hat zu existieren.

    Wenn man 14jährige mit Autoren des 19. Jahrhunderts schockt, braucht man sich nicht wundern, wenn 18jährige dann vier Jahre später kein Interesse mehr an Literatur haben.

    Wenn sie sagen, daß diese Werke mit ihrem Leben eh‘ nichts zu tun haben dann steckt da schließlich viel Wahrheit drin. Zumal, wenn niemand die Entwicklungslinien von damals zu heute verdeutlicht hat. Und wer sollte das getan haben? Die Gender-Lehrerin aus Sozialkunde? Guido Knopp vom ZDF? Thomas Gottschalk?

    Wie viele der meist gelesensten Autoren des 19. Jahrhunderts sind heute selbst Germanisten denn noch bekannt? Und so ergeht es jetzt halt denen des 20. Jahrhunderts… Kommen Sie mir nicht mit Dürrenmatt! Dann lest mit den jungen Leuten doch den Hobbit oder Vampire bei Mondschein oder Zombies am Abgrund – und wenn die Freude am Lesen da ist klappt es später auch mit dem Vergleich mit dem Alten.

    Aber Herr Bosselmann, sie wollten konkrete Vorschläge: Lesen sie mit den Jugendlichen doch mal ein Drehbuch. Die moderne Form des Dramas. Dazu sollten die Jugend ja nun wirklich einen Bezug haben!
    Könnte das nicht faszinieren? Das Prosawerk lesen, die Umsetzung als Drehbuch lesen, den Film schauen… und dann vergleichen, Veränderungen erörtern, Verbesserungen diskutieren?

  5. Rumpelstilzchen

    Bei meinen Nichten und Neffen fielen mir folgende Bücher ins Auge:
    Michel Houellebecq: Elementarteilchen
    Oliver Sacks: Der Mann, der seine Frau mit einem Hut verwechselte
    Viktor Hugo: 1793
    Balzac: die Bauern
    Foster Wallace: Unendlicher Spass
    Musil: der Mann ohne Eigenschaften

    In vielen Unistädten stehen Bücherkisten herum, aus denen man sich die verschiedensten Titel heraussuchen kann. Da kann man richtige Treffer landen. Was mir auffällt | ( trotz gender mainstreaming):
    Die Jungs greifen zu den intellektuell anspruchsvolleren Büchern.
    Die Jugendlichen, die ich aus dem Umfeld meiner Kinder kenne, verbringen fast alle ein Jahr im Ausland, und das ist gut so.
    Ok, habe auch schon von einem gehört, der meinte, nach dem Abi brauche er eine Auszeit bei Freunden seiner Eltern in San Francisco.
    Aber ich staune doch, was einige selbstbewußt auf die Beine stellen. Trampen und Couchsurfing ist beliebt. Arbeit in Indien und Peru.
    Die deutschen Jugendlichen sind im Ausland sehr beliebt. Mit entsprechendem Studium wird man in Neuseeland und Australien mit Kusshand genommen.
    Die Rückkehrenden haben einen neuen Blick auf Deutschland.
    Und einen klaren Blick, was da auf sie zukommt.
    Die fitteren wollen weg.

  6. Inselbauer

    Pasolinis Freibeuterschriften, in gepflegten Auszügen, ein bisschen Medienanalyse, das Revolverblatt „Compact“ (letzte Ausgabe mit Pasolinis Text zum Staatsterrorismus), ein paar Dramolette von Robert Walser mit verteilten Rollen gemischtgeschlechtlich vorlesen lassen (die werden rot!), der Anfang von Célines „Von einem Schloss zum anderen“. Alles in Kopien von jeweils ein mal DIN A4, dass sie es auch der Mama zeigen können. Geht schon!

  7. Hartwig

    Ca. vor einem halben Jahr im Auto.
    Rilke, Die Weise von Liebe und Tod des Cornets.
    Auszug, Kurzfassung, musikalisch aufbereitet von V.Thronstahl.
    Hatte die CD laufen, auf der u.a. folgendes Stück lief:

    http://www.youtube.com/watch?v=3hb3WwZuTPI

    Das dreimalige „Ich trage die Fahne …“ zu Beginn veranlasste meinen Großen (12) zu fragen, warum er das dreimal sagt. Ich kurz: Weil er stolz ist und weil er es seiner Mutter in einem Brief geschrieben hat.
    Er hörte erstaunlich gebannt weiter. Gewöhnlich gehen Geschichten ja gut aus. Vermutlich verstand er gerade einmal die Hälfte. Aber ich spürte, wie er sich von der vibrierenden Stimme und der stetig aufwallenden Musik gefangen nehmen liess. Sein Stolz und dessen Mitteilung an die Mutter – das war wohl etwas, was er kannte. Und als es dann hiess: „…brennt ihre Fahne, mitten im Feind, und sie jagen ihr nach.“ – darauf der Text abrupt endet und die Musik fast episch aufbrandet, da rollten seine Tränen.

    Vielleicht lag es an der Darbietung. Musik ist ja ein „Emotionsträger“, wohl mehr als Worte. Aber es gibt schon noch die Dinge, die zu Herzen gehen. Bestimmt auch bei Ihren Abiturienten.

  8. Rautenklausner

    In den Schuldienst zurückgekehrt? Nach all dem Asketenenthusiasmus doch wieder die Sehnsucht nach der alten Besoldungsgruppe? Die Saftpresse in die Garage zurück gestellt? Nein, dann keine Gnade. Dann verdienen Sie den Kehlmann. Smells like teen spirit? Gut so. Man man man…

  9. Nils Wegner

    Tja, wie war denn das damals (vor acht, neun Jahren) noch?

    Dazu muß ich gestehen, daß meine persönlichen Interessen ohnehin woanders lagen, ich also zumindest im Deutsch-Grundkurs – absichtsvoll gewählt, weil mir das Kaputtdiskutieren von Literatur schon in der Mittelstufe zuwider war und ich von derlei nicht meine Abiturnote abhängig machen wollte – die Lektüre meist nur kursorisch durchgegangen bin und allenfalls nach Ende des Schuljahres nochmal privat wirklich gelesen habe.

    „Woyzeck“ empfand ich als ätzend; den „Lenz“ jedoch, den ich für ein damit verbundenes Referat über andere Werke Büchners zu studieren hatte, habe ich nach dem ersten Lesen halbwegs verdutzt nochmal von vorne angefangen.

    „Faust“ war sehr schöne Lektüre, allerdings ärgerlich, ihn dem Unterrichtsfortschritt gemäß in Häppchen lesen zu müssen. Das kurze Segment zum Expressionismus gefiel mir, war aber mit allerlei volkspädagogischem Riffraff verbunden.

    Im Englisch-Leistungskurs gab’s das jammervolle Migrantenversteherbuch „The Tortilla Curtain“, das m.E. vortreffliche „The Remains of the Day“ und Hornbys „High Fidelity“, das ebenso nett wie belanglos ist.

    Was Literaturvorschläge angeht, stehe ich allerdings einigermaßen überfragt da. Vielleicht würde sich gar „Bauchschmerzen“ eignen? Ansonsten durchaus Fernau, dessen Geschichtsprosa man meiner Meinung nach ohne weiteres auch im Deutschunterricht lesen kann. Das ist klug, auch für Jugendliche amüsant und regt zum Diskutieren an.

  10. P

    Wegen Artikeln wie diesem lese ich auch als Linker ab und zu hier mit, denn es stimmt einfach: Ich habe das als Schüler schon so empfunden und auch an der Universität und selbst in den Geisteswissenschaften trifft man selten Menschen, die von den Stoffen wirklich berührt oder getroffen werden. Schon in der Schule hatte ich oft Mitleid mit einem Lehrer, der sich redlich abmühte irgendeine Reaktion zu bekommen, aber meist war besonders der Deutschunterricht derart, dass ich mich ebenfalls einfach ausgeklinkt habe. Obwohl ich damals mit kaum irgendwas mich beschäftigt habe als Literatur, war Deutsch immer mein schlechtestes Fach.

    Eine konkrete Sache, die ich mir immer gewünscht hätte, wäre das Schreiben von Essays (oder Aufsätzen hätte man früher gesagt) anstatt der extrem formulaischen Deutscharbeiten – also Texte in denen man sich auf persönlichere Weise mit dem Material auseinander setzen kann und deren Verfassen zum konzentrierten Nachdenken zwingt. Die meisten Schüler wissen ja sehr genau, was sie abliefern sollen. Die offene Form eines Aufsatzes könnte anregen, sich wirklich mit den Texten zu beschäftigen.

    Mehr Diskussionen im Unterricht brauch man dagegen wirklich nicht. Ich habe mir stattdessen immer mehr Inhalt, mehr Tiefe gewünscht. In meiner Schulzeit liefen die meisten Diskussionen eh darauf hinaus, dass man sich darüber beschwerte, dem dritten Reich werde zuviel Platz im Geschichtsunterricht eingeräumt, oder dass zum tausendsten mal im Philosophieunterricht verhandelt werden musste, ob der Islam denn auch böse sei. Das waren wirklich fast die einzigen Sachen, über die emotional diskutiert wurde. Ist vielleicht hier eher so der Geschmack, aber vor allem in dieser Monotonie war das grässlich langweilig. Insgesamt kann Politik natürlich helfen den Bezug auch von abstrakten Stoffen zur Gegenwart und zum eigenen Erleben herzustellen, aber bitte, bitte nicht an das gekränkte Nationalbewusstsein von Teenagern appellieren… das macht dumm!

    Trozdem sollte man sich im Philosophieunterricht nicht dazu hinreißen lassen, „aktuelle“ Fragen in den Vordergrund zu stellen (und gerade so etwas wie der Frage nach meinem „Selbstbild“ hätte ich mich definitiv auch verweigert…), sondern einfach Inhalte vermitteln, Geschichte. Wenn man schon mit dem Zugeständnis anfängt, Marx und Nietzsche seien nur das Pflichtprogramm damit man danach in Ruhe selbst rumphilosophieren kann, ist doch klar, dass das dann niemanden interessiert.

    Über die Auswahl der Literatur hat man ja als Lehrer gar keine Macht, aber ich habe immer gedacht, dass Jean Rhys die perfekte Schullektüre wäre. Aber das ginge ja nicht… ironisch übrigens, dass gerade in so einem Forum sofort der Franzose Houllebecq zur Rettung des Deutschunterrichts empfohlen wird… aber gut wäre er natürlich schon. Und Celine natürlich! Wäre das überhaupt erlaubt?!

    Insgesamt ist es wohl wie mit allen anderen gesellschaftlichen Problemen auch: man kann sie nicht in der Schule lösen. So lange Literatur keinen anderen Stellenwert im Leben der Erwachsenen hat, kann man es den Jugendlichen nciht verübeln, wenn sie spüren, dass das in der Schule reines leeres Pflichtprogramm ist – das hat Bosselmann sehr treffend beschrieben.

    Solidarische Grüße!

  11. Rainer Gebhardt

    Aufhängen ist keine Lösung. Schon aus ästhetischen Gründen nicht.

    Aber ich kenne das, hat etwas mit dem Howard Beale-Syndrom zu tun. Es ist eine Art innerer Temperatursturz, eine beinahe völlige Stase, unterlegt mit einer irrationalen Wut:

    http://www.youtube.com/watch?v=XTPN_4jiDzw

    Rette mich dann immer mit ausgiebigen Rennradtouren. Manchmal hilft auch schon der alte Issa:

    Seid unbesorgt.
    Auch die Blätter fallen
    Ohne Murren ab!

    Konkreter Vorschlag an Heino Bosselmann (und um an besagtes H-B-Syndrom anzuknüpfen): „Network“ von Sydney Lumit; diese drei Szenen herausgreifen und analysieren:

    1.
    http://www.youtube.com/watch?v=gidSeHWxIFc

    2.
    http://www.youtube.com/watch?v=o5Vm7HJiTzg

    3.
    http://www.youtube.com/watch?v=Q0l4TP7qaZ4

    Würde mich interessieren, wie die Auditorien reagieren. Ob sie überhaupt reagieren. Falls es sie kalt läßt, dann vielleicht, weil sie völlig illusionslos sind und wir die Don Quichottes…Was mich auf eine andere Idee bringt:
    Die Lektüre des Don Quichotte wäre doch mal was. Dazu dann zwei weitere Texte:
    Ortega y Gasset: „Meditationen über ‚Don Quijote‘“
    Norbert Bolz: „Das Wissen der Religion“; Kap.:Leitbild Don Quichottes

  12. Nils Wegner

    Oberstüflern Ortega y Gasset vorsetzen… Na, wem’s beliebt. Ich muß da sogleich an einen gewissen jungen Mann denken, der von sich behauptete, mit 15 Jahren das erste mal Spenglers „Untergang“ gelesen zu haben, dann aber auf seiner ersten (und einzigen) IfS-Akademie einen gänzlich hilflosen Eindruck machte.

    Wo gerade noch der Philosophieunterricht aufkam: Da hatte ich in der 12. und 13. Klasse ein Unikat von Lehrer, der sich keinen Deut um irgendwelches Gejammer von wegen „zu stressig“ oder „zu schwer“ gekümmert, sondern mit uns paar Interessierten ganz knochenhart erstmal sinnentnehmendes Lesen exerziert (wirklich exerziert) hat, vor allem anhand von Kant. Danach ging’s mit dem Erkennen von Struktur weiter, das besonders bei Marx i.S.v. „Wo in dieser Bleiwüste steckt das, was uns der Autor eigentlich sagen will, und wie führt er uns argumentatorisch dorthin?“

    Innerhalb der ersten vier Wochen schmolz der ohnehin kleine Kurs nochmal um die Hälfte, als allen klar war, daß man hier würde arbeiten müssen, aber das verbliebene Substrat war dann tatsächlich eine hochproduktive Gruppe. Und ich bin heute für diesen geistigen Formaldienst dankbarer als für alles, was mir an Arcana der Naturwissenschaften und Schönen Künste ins Ohr geblasen wurde.

  13. Gustav Grambauer

    Bin ab und zu in Berlin-Brandenburg, nutze dann öffentliche Verkehrsmittel.

    Geradezu staunenerregend, was manche Leute dort so lesen: zuletzt ein völlig unauffälliger S-Bahner Hills „Deutschland-Protokoll“ von J.-K.-Fischer, selbst Titel aus dem Lühe-Verlag habe ich schon gesehen. In einer Regionalbahn in Richtung Ruppiner Seenplatte traf mich der Hammer: eine junge Frau las eine Ostrowski(!!!)-Ausgabe aus den 50er Jahren, das Bild werd` ich so schnell nicht wieder vergessen. Aber auch insgesamt entspricht der Querschnitt nach meinen Beobachtungen nicht annähernd dem der Regale und Stapel in den Buchgeschäften: sehr viele Reclam-Heftchen, sehr viele (Auto-)Biographien wirklich interessanter Leute usw. Für mich die Konsequenzen aus den Verwerfungen, die diese Stadt durchleidet – es ist für mich durch diese Lektüre-Beobachtrungen augenfällig und sehr schön zu sehen, daß viele auch daran wachsen, wieder andere sich unbeirrbar treu bleiben. Woanders mag es anders aussehen, Klonovsky hat ja gerade München als „süddeutsche Phäaken-Stadt“ bezeichnet.

    - G. G.

  14. D

    In diesem Zusammenhang möchte ich auf eine kurze Diskussion in einem Beitrag auf blauenarzisse.de vom Oktober 2013 verweisen.

    http://www.blog.blauenarzisse.de/7732/podiumsdiskussion-ueber-bildung-reissen-scheite-aus-feuer.html

    Die Idee (einer Internetseite mit Lehrermaterialien aus konservativer Sicht) besteht weiterhin, auch wenn ich aus Zeitgründen im Moment noch an keine Umsetzung denken kann. Vielleicht in den Sommerferien.

    Jedenfalls könnten derartige Lektüreempfehlungen, wie sie Herr Bosselmann hier fordert, dort einen prominenten Platz haben.

    Gute Erfahrungen habe ich übrigens (im Englischunterricht) mit postkolonialer Literatur gemacht, wenn ich sie von rechts gelesen habe. Das geben viele Texte durchaus her. Z.B. Liberalismuskritik in „Dead Men’s Path“ (Achebe) oder „My Son the Fanatic“ (Kureishi).

    Kontaktaufnahme übrigens gerne weiterhin im Kommentarbereich des verlinkten Blogeintrags.

  15. Weltversteher

    Bitte, Herr Bosselmann, das müssen Sie uns erklären, nachdem wir schon eine Weile auch ihr Kummerkasten sind. Ich hielt ihre Präsens-Darstellung für stilistisch motiviert, aber offenbar klingt das manchen anders.
    Wie nun – haben Sie wieder Schüler vor sich?

  16. Rainer Gebhardt

    Die Meditationen über D.Q. sind ein sehr leichter, stellenweise sogar belletristischer Text. Enthält außerdem eine gedrängte Darstellung der literarischen Gattungen…ob’s fasziniert, interessiert oder sogar infiziert, wer kann das sagen. Apropos Arcana der Naturwissenschaften – da bin ich nun wiederum dankbar, dass mir die „ins Ohr geblasen“ wurden.

  17. Stil-Blüte

    Trick: Die Aufgabe/Frage an die Schüler am Anfang, nicht am Ende des Unterrichts.
    Beispiel 1: Gebrüder Grimm, Märchenstunde, Froschkönig. Frage: Hat die Prinzessin den Frosch geküßt? Wenn das nicht stimmt, was ist dann passiert?
    Beispiel 2: Seit wann gibt es in Deutschland Comics? Re-zitiere chronologisch zwei oder drei.
    Besipiel 3: Wer waren der Lügenbarone in der deutschen Literatur?
    Beispiel 4: Für die Jungs: Welche Liebesromane kennt ihr? Findet ihr sie langweilig? ? Wenn ja/nein, warum? Für Mädels: Welche Abenteuergeschichten/-romane kennt ihr. Findet ihr sie langweilig. Wenn ja/nein, warum.
    Beispiel 5: Warum werden so viele große deutsche Schriftsteller vergessen? Was glaubst Du, woran das liegt?
    Beispiel 6: Wo kommt in der deutschen Literatur zum erstenmal Drachenblut vor? Findest Du Drachen heute noch interessant? Wenn ja, in welchen Filmen/Büchern
    Beispiel 7: Lieblingsbücher/-filme-/sendungen Deiner Eltern. Warum gefallen sie dir (nicht)?

    Gib ihnen Futter! Der Köder muß dem Fisch schmecken, nicht dem Angler! Wenn angebissen, danach ausgiebig ausnehmen und einverleiben lassen. Wohl bekomms!

  18. Revolte

    Haben Sie’s mal mit Bataille, de Sade oder Bukowski versucht? Darf man so was in der Schule überhaupt lesen?

    Vor allem Bukowski hat doch eine tolle, entspannte Schreibe, die sich sehr gut lesen lässt. Mit seinen Haudegen-Geschichten dürfte er bei vielen Schülern doch gewiss gut ankommen.

  19. Ich versteh’s ohnehin nicht. Ich habe zu Schulzeiten Kafka, Thomas Mann oder Hesse „aus Spaß“ gelesen (Hesse… Hesse… also, wenn Teenager nicht mehr auf den anspringen, dann ist etwas fundamental schiefgelaufen), egal, ob diese auf dem Lehrplan standen oder nicht. Im allgemeinen finde ich, daß auf das Gefühl und Mitfühlen wie auch auf das Mit- und Selberdenken der Schüler zuviel Wert gelegt wird. Zuerst einmal sollten solide Grundkenntnisse vermittelt werden, zuerst sollten all die kleinen Genies, die in ihren Startlöchern bereits auf ihre demokratische Selbstverwirklichung warten, erst einmal begreifen, was Marx oder Nietzsche überhaupt sagen, und sie sollen eine Ahnung davon bekommen, was für einen Horizont die deutsche Sprache eigentlich hat. Und manches muß man sich eben erst langsam und zäh erarbeiten und erlesen.

  20. mistral

    Ich stehe kurz vor dem Abitur und kenne daher viele der hier bereits aufgezählten „Probleme“ aus eigener Erfahrung. Dabei besuche ich eine Schule, die sich mal als „Elitegymnasium“ verstand. Natürlich, schon der Begriff an sich wird heute empört zurückgewiesen und taucht höchstens mal als Motto in der Faschingswoche auf… Allerdings kann man wegen anspruchsvoller Aufnahmeprüfungen doch davon ausgehen, dass es sich bei meinen Mitschülern um eine gewisse Auslese handelt. Umso ernüchternder.
    Gearbeitet wird grundsätzlich nur für Notenpunkte. Lesen? Ach, wir müssen doch alleine für die ganzen Fächer schon so viel lesen, da ist der Kopf zu voll, um sich jetzt noch mit Philosophie zu beschäftigen! Ein bisschen Recht haben sie damit meiner Meinung nach schon.
    Die Beleseneren verleihen gerne ihre Bände vom „Augensammler“ und mal „Die Tribute von Panem“. Ob sie das begeistert?
    Einer aus meinem Geschichtskurs (coole Type, ist mir bereits häufiger durch konservative, auch kritische Äußerungen aufgefallen) scheint in einer Art preußischen Nostalgie-Armee aktiv zu sein. Als ich ihn ehrlich interessiert darauf ansprach und nach den Aktivitäten und Inhalten fragte, antwortete er halb verlegen, es handle sich in erster Linie um einen „Saufverein“.
    Emotionalität kam auf, als unser Geschichtslehrer einen Zeitzeugenbericht zum Holocaust vorlas. Er konnte schließlich die Tränen kaum zurückhalten (gut gespielt? ich war mir da wirklich nicht so sicher). Das hat die Schüler bewegt. So weit ich es gesehen habe, waren die Smartphones aus, die Blicke zum Lehrer gerichtet. Nachher verließen alle bedrückt und schweigend den Raum.
    Hoffnungslos ist es auch, provokante Fragen zu stellen. Am Ende tut mir der Lehrer oft beinahe leid. Hilflos versucht er eine Antwort im Rahmen des allgemein anerkannten Geschichtsverständnisses zu geben und möglichst schnell zum nächsten Thema überzugehen. „Kannste noch mal n paar Fragen stellen?“ tuschelt es hinter mir. Plötzliches Interesse? Weit gefehlt! Es gilt, die letzten 10 Minuten zum Mittagessen rumzukriegen.
    Man sieht auch von Zeit zu Zeit mal einen Schüler mit Nietzsche, Fichte oder Kant in der Tasche. Es ist leider eher die Ausnahme und ihr Verhalten, ihre Ansichten, Vorstellungen vom Leben usw. scheinen von der Lektüre unbehelligt zu bleiben (vielleicht verstehe ich aber die alten Philosophen auch einfach falsch??). Das veranlasst mich jedenfalls zu der Vermutung, dass sie gar nicht wirklich darin lesen und nur gelehrt, interessiert und ein bisschen rebellisch wirken wollen. Es ist bei uns halt schon irgendwie „cool“ sich mit Philosophie zu beschäftigen. Wenn es aber so weit ist, dass man sich mit Nietzsche, Fichte und Kant „schmückt“, dann ist vielleicht nicht alles verloren. Die Leute haben in diesem Fall wohl erkannt, dass es weitere, tiefgründigere, anspruchsvollere Dinge gibt als ihr Smartphone und Facebook. Doch sie sind im Grunde zu lahm, um sich dazu durchzuringen, echtes Interesse überhaupt aufkommen zu lassen. Ich glaube, der Jugend geht es heute schlicht und ergreifend zu gut. Fettes Taschengeld, iPad, „Freiheit“ und der Dönerladen an der Ecke. Was will man mehr?

  21. Nils Wegner

    @ Hartwig: Nett, daß auch andere diese Erfahrung machen. Rilke ist mir selbst auch erstmals bei VT untergekommen, ebenso wie Miegel, George, Syberberg und andere, auch von jenseits der Grenzen. Da war ich etwa 16. Ist eben auch ein Vorteil, daß es bei Musik keinen zeitlich gestaffelten Lehrplan gibt…

  22. Eckesachs

    ,,Die Abenteuer des Röde Orm“, Frans G. Bengtsson

    Mümmelmann und ,,Der Werwolf“ ,Hermann Löns

    ,,Populärmusik aus Vittula“, Mikael Niemi

    ,,Der Ochsenkrieg „(teilweise in Mundart), Ludwig Ganghofer

    Alles sehr unterschiedlich und vielleicht nicht genau passend, aber begeisternd.

  23. Hartwig

    @ Wegner @ Bosselmann
    Ich selbst war bis Mitte 20 Nichtleser. Nur Sachbücher, keine Belletristik, null. Noch nicht mal die Schul-Pflicht-Lektüre. Immer durchgemogelt. Dann bekam ich einen Henry Miller in die Hand, kurz darauf einen Thomas Bernhard – und der Bann war gebrochen. Kafka später, Hesse nie. Dann Dostojewski und andere Russen, auch Lyrik, Hölderlin. Vor Jahren Houellebecq. U.s.w. u.s.f.
    Also, falls die Schüler nicht gleich Feuer fangen, so ist die Hoffnung noch nicht verloren.

  24. Revolte

    @Hartwig

    O ja, großartige Umsetzung. VT haben ein Gespür für majestätische Melodien. „Pontifex Solis“, „Undefinierbare Sehnsucht“ und „Let the world with the sun go down“ sind meine Lieblingstitel.

    Auch empfehlenswert: Droste-Hülshoffs „Der Knabe im Moor“, vertont von der österreichischen Gruppe Sturmpercht.

    „O schaurig ist’s übers Moor zu gehn,
    Wenn es wimmelt vom Heiderauche,
    Sich wie Phantome die Dünste drehn
    Und die Ranke häkelt am Strauche…“

    http://www.youtube.com/watch?v=bR6dW91e55A

  25. enickmar

    Also Ingo ließt ja mit seinen Schülern Sarrazin. Die Schühler sind begeistert und begründen dies auch: Es ließt dies sonst keiner mit ihnen und es interessiert sie einfach …

  26. Von meinen Kindern und noch aus eigener Erfahrung weiß ich: Es kommt viel weniger auf die ausgewählte Lektüre an als auf den Lehrer, der sie vermittelt. Insofern würde ich meinen Kindern (zwei davon haben allerdings bereits hervorragende Deutschlehrer, ich schlackere mit den Ohren, wenn ich höre, was die lesen!), Sie, Herr Bosselmann, als Lehrer wünschen! Hinzu kommt: Mein eigener Deutschlehrer, dem ich wirklich unendlich viel verdanke (es hielt einen eminent wertenden Unterricht), hat immer gesagt: „Ich weiß eh, daß die meisten von euch nicht interessiert sind. Hört halt weg, aber stört meinen Unterricht nicht. Es sind [der Mann sprach aus vier Jahrzehnten Erfahrung] immer nur zwei oder drei, bei denen wirklich was ankommt. Und nur für die unterrichte ich.“ Das war natürlich ein bißchen zynisch und ein bißchen undemokratisch, aber es weckte meinen Ehrgeiz, zu diesen zweien oder dreien zu gehören. Zeitgenössische Literatur haben wir leider keine gelesen, das aktuellste war Max Frischs Stiller. Fand ich großartig, damals. Hesse fand der Lehrer kitschig, aber das ist arrogant. Unterm Rad, Narziß und Goldmund, das müßte doch bei einigen aus Ihrem Auditorium zünden? Unter den allerneusten Sachen (2013) würde ich Jonas Lüschers Novelle „Frühling der Barbaren“ empfehlen. Was noch so ein guter Trick bei meinem Lehrer war: Er arbeitete mit provokanten Abwertungen seiner Schüler, das war herausfordernd. Ich war ja auf einer Mädchenschule und er sagte immer (in sehr heiterem Ton) Sachen wie: „Ihr heiratet eh´mal einen Chefarzt, da müßt ihr euch nicht bilden“, oder „ich weiß, Mädchen verstehen oft so was nicht“ oder „ da seid ihr vielleicht noch drei, vier Jahre zu jung für“. Das zündete!

  27. Waldgänger aus Schwaben

    Als Lehrer kann man nur säen.
    Und Demut und Geduld zu hoffen, dass die Saat aufgeht.

  28. Kiki

    Walter Kempowskis „Alles umsonst“ müßte doch dem abgestumpftesten Fähntäßie- und Vampirkonsumenten die eine oder andere Erschütterung verschaffen (auch weltanschaulicher Art, denn es kommt da ein NSDAP-Mensch vor, der am Schluß des Romans seltenen menschliche Größe zeigt und der flüchtige KZ-Häftling ist eigentlich keine hehre Lichtgestalt – so etwas realistisches kennen Ihre Hedonisen doch gar nicht aus der Schule).

    Die übrigen Werke Kempowskis sind insofern ungeeignet, als sie so altweltlich, so abendländisch vergangen und alteuropäisch sind, daß sie den juvenile Hohlkörper des Augenblicks so abartig fremd vorkämen, daß mir dafür schon die Begriffe ausgehen.

    Meinen unbedarften Deutschlehrern ist im Falle von „fremdartiger“ Literatur (und was ist einer Eintagsfliege der Gegenwart denn nicht fremd!) nur das Saugen ideologisch reinen Gesinnungshonig eingefallen. Auf die Dauer ein äußerst monotones Verfahren.

    Im Grunde kann man von Schülern, Eltern, Kollegen und formal irgendwie Gebildeten gar nichts erwarten: heutzutage liest absolut kein Mensch mehr, nicht einmal aus Versehen oder Langeweile.

    Die haben alle ihre kleinen Apparate – mehr Welt, mehr Leben brauchen das Zeitgenoss_n nicht.

  29. Graf F...

    Ich glaube dieses Desinteresse muß nicht betrüben. Zu Schulzeiten war ich ausschließlich für Naturwissenschaften zu begeistern – und selbst dort immer am unteren Ende der Notenskala heimisch.

    Hätte man uns allerdings damals Kohlhaas in die Hand gedrückt… oder Franzos… oder noch besser: Jean Paul, damit mal gleich klar wird, daß man (wie Lichtmesz ganz richtig sagt) ungefähr zwei Ewigkeiten davon entfernt ist, die richtig guten Gags der Weltliteratur überhaupt zu verstehen, dann hätte uns das mit Sicherheit angestachelt. Denn nichts ist erniedrigender als zu sehen, daß die vermeintlich miefig-öden Alten viel brutaler, viel revolutionärer und zugleich viel schöner waren (was man alles dem Film vorwirft) als die langweilige Gegenwart es je bieten könnte. Deshalb ist es auch völliger Blödsinn – entschuldigen Sie Herr Bosselmann –, wenn Professoren und Lehrer immer wieder meinen: „Ich bin all den kleinen wie großen Medien gegenüber als sehr geschrumpfter Don Quijote unterwegs.“ Käse! Hier nur das Bsp. Gewalt: Wer glaubt, daß Egoshooter und Actionfilme brutal sind, der hat noch nie griechische Tragödien oder Kleist gelesen. Man muß nur Mut dazu haben, diese Szenen auch ernst zu nehmen und zu besprechen.

    Doch es bleibt (hier scheint diese Sorte Frühreifer ja jeder zweite zu kennen): Wer mit 14 Nietzsche gelesen hat, der kann ihn schlicht nicht verstanden haben. Daher ist für die Schule allein wichtig, Lektüre gesetzt zu haben, an die sich der Abgänger irgendwann einmal wie an einen sonnendurchfluteten Gewitterguß zurückerinnert (bei mir war’s die „Kinderseele“)… und sich ins Antiquariat aufmacht, weil er sich in den Regen zurücksehnt.

  30. Urwinkel

    Ach ja, die Annekdoten.. Wir hatten einen gefürchteten Bio/Erdkundelehrer. Bärbeißiger, angegrauter Typus, der besser in eine Polizeistaffel gepasst hätte. Wahrscheinlich Schwierigkeiten im Bett und mit dem Haussegen. Wir Schüler hatten ihn täglich geärgert (es war zur Wendezeit), wir entsprechend übermütig. Da trug es sich zu, daß er mich zu Beginn einer Unterrichtsstunde vor die Klasse bat und mich bei den Beinen packte, und mich kopfüber präsentierte. Während mein Kopf immer roter wurde, erklärte er lässig die geologischen Gravitationsgesetzmäßigkeiten. Die Sache war noch tagelang belustigendes Pausenhofgeplapper. Es wurde auch rumgewispert, den Typen mußt du anzeigen, der Vorfall gehöre in die Elternversammlung usw.. Alles Quatsch, wir waren jung und fit, ich habs überlebt.

    Aber zur Literatur zurück: Sie, Herr Bosselmann, erinnern mich in ihren Rückzugsbeschreibungen immer etwas an den „Schattenfänger“ aus Joochen Laabs gleichnamigen Roman von 1989. Ein Systemaussteiger halluziniert delierend seinen hoffnungsvollen Tag. Gehört meiner bescheiden Meinung nach auf den Leseplan, wenns um DDR-Geschichte gehen soll.

  31. Kiki

    Ich weiß gar nicht, was gegen Büchner in einer nichtsozialdemokratischen Exegese spricht.

    „Lenz“ hat unter den zukünftigen Verwaltungsbeamten, Maschinenbauingenieuren und kaufmännsichen Angestellten meines Jahrgangs für besondere Furore gesorgt. An diese Empörung erinnere ich mich heute noch mit lachendem Herzen („Hea R., könnten wa nich lieba wat … äh … normalet lesn?“ Herr R. (seufzend): “ Etwas noch kürzeres wird schwer zu finden sein.“ „Nee, nee – dit jeht jar nich um die Länge; wir würdn lieba wat längeret (Geisterstimmen von hinten: „Viiiel längeret!“), aber dafür wat normalet lesen. Dea is doch total bescheuert, dea Typ da. Dea jeht mit sajna Macke nich nur den ahmn Leutn da inna Schweiz uffn Sack, sondan ooch uns!“ Herr R: “?!“)

    Als großer Büchnerfreund Herr R. hat nicht nur den „Lenz“, sondern auch „Woyzeck“, „Dantons Tod“, „Leonce und Lena“ also eigentlich den ganzen Büchner gnadenlos mit uns durchgezogen – aber eben nicht in jener klassenkämpferischen Attitüde der verbeamteten Wohlstandswanze mit Pensionsanspruch und Parteibüchlein wie sie andere, meinungsstarke LehrerInnen „draufhatten“

    Freilich habe ich als unbedarfter Teenanger auch nicht verstanden, was Büchner und Herr R. mir mit soviel Nachdruck sagen wollten (das Verständnis kommt erst im Erwachsenenalter), entscheidend war und ist die Liebe und Begeisterung, mit der einem ein Autor – ach sagen wir ruhig Dichter – der Vorzeit von Berufenen vorgestellt wird. Eine Ahnung von Bedeutung bleibt im unreifen Herzchen bestehen und mit etwas Glück gedeiht es im Laufe des Lebens zu einer Einsicht und einem Werturteil (letzteres hört sich haarsträubend an, ist aber im von Hildebrandschen Sinne gemeint).

    Und wenn man dies bei dem einen oder anderen Schüler zuweilen bewirkt hat, war das Lehrerdasein nicht ganz umsonst.

  32. Trouver

    Die Autoren von damals hatten etwas zu beschreiben.

    Was ist denn jetzt wuerdig genug, beschrieben zu werden?

    Wo ist Tell, wo ist Hofer, wo ist der grosse Herusker und die Seinen?

    Dunkle Nacht ueber Deutschland, dunkle Nacht in der Burschenseele…(

  33. Optimistischer Schwarzseher

    Tja, den Kampf kämpfe ich auch, allerdings vorrangig in Geschichte, Politik, Ethik und Religion. Begeisterung zu wecken, oder wenigstens zu vermitteln, das ist ein Ziel welches die Frustration automatisch im Schlepptau hat.
    Aber war das „früher“ anders?
    Ich bin mir nach der Lektüre des Textes und der Kommentare mehr denn je klar darüber, dass es „früher“ gleich war. Die Begeisterung die man erlebte war die Eigene, die des Lehrers (wenn man Glück hatte) und vielleicht noch eines anderen Schülers. Und aufgrund der selbst erlebten Begeisterung ist man der Materie treu geblieben und hat ein brennendes Herz bewahrt.
    Nun steht man als Lehrer oder Dozent vor Lerngruppen in denen mit Glück ein oder zwei, manchmal aber tatsächlich kein, begeisterter und begieriger Schüler sitzt. Und es befremdet den eigenen quotenversauten Demokratenkopf, dass die Mehrheit (die ja überall bestimmen soll) nicht auf den eigenen Unterricht anspricht. Die Minderheit wird zwar wohlwollend zur Kenntnis genommen, macht sie einem die sonst so unendlich zähen Unterrichtseinheiten erträglich, sie bleibt aber Minderheit und somit nicht repräsentativ für ihre Generation.
    „Früher“ war man selbst noch im Rausch jugendlicher Egozentrik was einen die eigene Begeisterung als dominierend, 100%ig, leitend wahnehmen ließ.
    Wahrscheinlich aber, war die Quote gleich.
    Viel Erfolg jedenfalls wieder im Dienst an den Kindern!

  34. Wir haben im bayerischen Gymnasium Mitte der 1980er Jahre in Jahrgangsstufe 11 -13 noch Fontane, Storm, Duerrenmatt, Frisch, Thomas Mann, Salinger und Goethe gelesen. Am meisten konnte ich Fontane mit seinem Stechlin abgewinnen, zumal Axel Cortis kongeniale Verfilmung mit Arno Assmann damals im Schwange war. Arno Assmann in dieser Hauptrolle war und ist fuer mich seither der positive Inbegriff des guten Konservativen. Vielleicht kann mir der eine oder andere Sezessionsleser oder -autor darin folgen.

  35. Belsøe

    Schüler kamen aber früher bereits als Leser in die Oberstufe, genauso wie die meisten mit einer guten Grundfitness in den Wehrdienst gingen. Wer heute Unterricht machen will der diese Prämisse setzt, sollte sich wirklich an die Vorstellung von lediglich 1-2 echten Schülern gewöhnen.

    Die Mehrheit hat 15 Jahre umstandslose Bildsprache amerikanischer Prägung intus und steht dem verfeinerten Wort gegenüber wie einer Fremdsprache. Kurze Aufmerksamkeitsspannen wurden ihnen überdies antrainiert.

    Trotzdem: wäre dies meine Aufgabe, ich würde zunächst auf Themen setzen. Eine entsprechende Einbettung, womöglich mit supplierenden Texten, macht zumindest neugierig. Und mit echter Kontroverse kriegt man sie ja oft doch aus der Reserve. Die Debatte um Kracht zum Beispiel – mal sehen ob das Buch wirklich rassistisch ist. Oder was ist mit der Krise als Ausdruck einer Generationenkluft – die merken doch auch dass die propagierten Lebenswege für Junge oft gar nicht mehr drin sind, dass sie weder umstandlos lernen, einsteigen, aufsteigen noch ihr Erspartes durch Zeiten der Umstiege und Erwerbslosigkeit so lückenlos mehren können wie ihre Eltern. Schreibt niemand was zum Zustand der östlichen Bundesländer oder sind ihre (Internats-?)Schüler allesamt Westimporte? Und dann steht noch ein reflektierter DDR-Bürger und Ex-Grenzer am Pult, der nicht zu feige ist Rede und Antwort zu stehen. Zur Krise, zum leeren Geld das hereinspült, auf das die Leute sich verschuldet haben um dann fallen gelassen zu werden, wie so ein Zyklus abläuft wenn die Maschine ein Land wie Griechenland durchkaut und ausspuckt – dazu muss doch im Süden irgendwer was schreiben? Dazu leben um die Ecke in Berlin Tausende Südeuropäer die vor genau dem in den Norden geflohen sind, warum nicht so einen mal dazu erzählen lassen, einen jungen Lehrer gar? Vielleicht dringt dann irgendwann mal durch was Geld eigentlich ist.

    Mag sein man muss die jungen Leute wirklich etwas (schrecklich:) abholen, muss einen Augenblick von zu altem, zu umfangreichem absehen, muss frisches aufspüren, aber dann ist das eben dran. Suchen sie aktuelle Themen, echte Grundsatzfragen unserer Zeit, bauen sie es mit Artikeln, Mediendebatten, Beispielen für Information und Misinformation und ruhig auch einer Diskussion auf und reichen sie dann das Buch als Hauptgang. Packen sie sie doch mal am persönlichen Standpunkt und Lebensplan. In den USA wird gern der ausgestiegene Facebookprogrammierer Hammerbacher zitiert: „The best minds of my generation are thinking about how to make people click ads“. Das geht doch direkt an 18-19jährige und muss kombinierbar sein mit Lektüre.

    Ich sehe reihenweise Themen die diese Menschen ganz direkt betreffen. Womöglich ist die Totalverweigerung ihrer Schüler aber auch Ausdruck ihrer eigenen Wohlsituiertheit, ihrer Verwobenheit ins System. Sollte dies (es war doch ein teures Internat?) der Fall sein, ist natürlich nicht verwunderlich dass nicht groß gefragt, sondern durchmarschiert werden soll. Sollte dann aber kein Anlass zur Resignation sein, dieses Segment ist nicht „die Jugend“. Vermutlich sind sie sogar wesentlich mehr ihre eigenen Eltern, von denen sie bestochen werden sich über asoziale Edeljobs, willkürlich zusammengekaufte Aktienpakete, Partei- und Lobbymitgliedschaften und Drittwagenkonsum bloß keine Gedanken zu machen.

  36. Walter

    Sehr geehrter Herr Boselmann,

    ich hätte mir in einer noch nicht allzu weit zurückliegenden Schulzeit gewünscht, solch einen überaus engagierten Lehrer wie Sie zu haben, der noch mit Leidenschaft vermittelt, was andere nur noch aus kaltem Müssen heraus versuchen.

    Schade, dass der Schulbetrieb nahezu nur noch von Leuten betrieben wird, die erkaltet, matt und leidvoll abhalten, was Sie mit voller Sinntiefe und Bewusstheit tun.

    Gruß

  37. Weltversteher

    Hat denn vielleicht jemand Erfahrungen beizutragen, wie es um diese Dinge in Waldorfschulen steht? Bzw. ist jemandem mal der Gedanke gekommen, es könnte dort (aus systematischen Gründen) etwas anders sein?
    Ich glaube, Bildung, wie sie hier gesucht wird, wird man am ehesten an Schulen vermitteln können, die der Welt-Anschauung nicht ausweichen. Welche derartigen (Ober-) Schulformen bestehen eigentlich noch, außer der genannten, und, womöglich, katholisch geprägten? Vielleicht salafistische?

  38. ene

    Lehrer müssen die Latte hochhängen.
    Das zum Thema machen, was sie selber begeistert. Und in den Schülern „Gesprächspartner“ sehen.
    Glaubwürdigkeit ist etwas , was man sofort spürt, wenn man jung ist.
    Zuviel „pädagogisches Getue“ (- der meint es ja gar nicht ernst mir mir, denkt man dann) war mir zuwider.

    Nur solchen Lehrern verdanke ich etwas. Bei uns zu Hause gab es keine Bücher. Die habe ich tatsächlich in der Schule entdeckt. Und für immer.
    Ich erinnere mich an meine eigene Schulzeit: nichts war langweiliger als Texte, die von der „Schule“ oder ähnlichem handeln.

    Literatur, Kunst überhaupt ist ein Fenster zur Welt. Da hindurch zu blicken, das heißt weite Horizonte zu entdecken.
    Nicht das alltägliche Kleinklein.

  39. Buchbaer

    Möglicherweise hilft Ihnen, lieber Herr Boselmann, der Wechsel der Perspektive. Geht es Ihnen nicht nur ums „Überleben“ der Unterrichtseinheit, so bedarf es der Suche nach dem weiterführenden Konflikt. Bauen Sie sich einen methodischen Ansatz, welcher Unterricht als Prozess begreift.

    Nehmen Sie die jungen Menschen als spasssorientiert wahr (der Eindruck wäre zu untersuchen), so lassen Sie „Spasss“ lesen. An Meister Bukowski möge mann sich abarbeiten. Dabei steht nicht das „Werk“ im Mittelpunkt – es wird zum Spiegel der Situation junger Menschen. Was Qualität hinsichtlich eines Textes oder Menschen ausmacht, läßt sich hier trefflich beleuchten

  40. Czernitz

    Welches Thema? Tod. Wie kommst du auf Tod? Einfach so. Wer macht noch mit? Aron und Lars.- Der Junge ist am Grauen Klo und hat sich als Thema für eine Präsentation den Tod ausgesucht. Vielleicht beginnst du mit der Ilias, sage ich. Da gibt’s Sprüche über den purpurnen Tod und das schwarze Verhängnis, über das grausige Dunkel und den ehernen Schlummer. Wir könnten s im Original lesen.- Was macht er? Seit Tagen läuft er herum und sucht ein Mikrophon. Der Aron kennt einen Musel, nun wollen sie einen Musel interviewen, denn aus dieser Ecke kommt neuerdings die Weisheit. Im übrigen hat die Lehrerin das Thema beschnitten. Man will sich auf die drei semitischen Götter beschränken.

    Herr Bosselmann, weil Sie Schopenhauer erwähnen: … so kann … der Irrtum Jahrtausende herrschen, auf ganze Völker sein eisernes Joch werfen, die edelsten Regungen der Menschheit ersticken und selbst den, welchen zu täuschen er nicht vermag, durch seine Sklaven, seine Getäuschten, in Fesseln legen lassen.

    Vor zweieinhalbtausend Jahren wurde er auf den Schild gehoben. An Babels Flüssen saßen wir und weinten. Mit diesem Gott sprengen wird unsere Fesseln nicht. Im Gegenteil. Wir müssen viel tiefer in die Vergangenheit gehen, notfalls bis ins Neolithikum. Es muß uns gelingen, von außen herab auf uns zu blicken, gerade auch in der Bildung.

  41. Urwinkel

    Jawoll, der Name Fontane ist gefallen. Seinen Roman „Quitt“ las ich begeistert überall. Ich bin der Wilddieb. Vollkommen und verletzlich.

  42. daniel

    Mich hat mein Geschichtslehrer in der Realschule in den frühen Neunzigern „entzündet“ und „infiziert“, mit seiner eigenen Begeisterung und seiner Lust am Geschichte erzählen, heute noch erinnere ich mich an seine farbigen Schilderungen der napoleonischen Kriege, der Schützengräben des Ersten Weltkrieges oder das Treiben am Hofe Katharinas der Großen. Und es hat mich „autodidaktisch“ immerhin ohne Abitur und Studium bis hierher zur Sezession geführt. Wenn er auch wohl von ca. 30 Schülern nur einen oder zwei zu infizieren vermochte, so ist dies heute sicher der einzig gangbare und erfolgversprechende Weg im „Bosselmannschen Sinne“.

    Ganz anders meine Erfahrungen in zwei Jahren Abendgymnasium der VHS: dort vermochte der idealistische Deutschlehrer, der sich, eigentlich schon in Pension, nur aus Lehrermangel bereit erklärt hatte, für vier Jahre eine Klasse als Klassenlehrer zu übernehmen, circa jeden dritten oder vierten derart begeistern, daß wir eine freiwillige „Schöne-Literatur“-Runde einrichteten, und in unserer extrem knapp bemessenen Freizeit gemeinsam E.T.A. Hoffmann, Schiller und Thomas Mann lasen!

  43. Anselmus

    Auf Bücherbegeisterung durch den Deutschunterricht zu hoffen ist oft fast vermessen. Mir – ich bin selbst noch Schüler – scheint, es gehe manchmal eher um Bücherbegeisterung trotz Deutschunterricht. Wenn man Aufsätze darüber schreiben muss, was Faust und Gretchen jeweils von ihrer gemeinsamen „Beziehung“ erwarten und darüber diskutiert, dass Faust sich nicht direkt ein harmonisches Familienleben wünscht, wenn eine „umfassende Charakterisierung“ Werthers auf die Feststellung abzielt, Werther sei grade in einer schwierigen Phase und sehne sich nach Liebe und Geborgenheit – da ist der Raum für Begeisterung natürlich gigantisch.

  44. rautenklause

    Zunächst eine Feststellung. Bitte beim Lesen von Kommentaren zwischen mir (= rautenklause) und einem ähnlich klingenden „rautenklausner“ unterscheiden … BTW: hätten Sie nicht ein anderes Pseudonym wählen können?
    Was mich immer wieder seltsam berührt (gerade wieder bei meinen Töchtern), daß im DEUTSCHunterricht FREMDSPRACHIGE Literatur als Lektüre gewählt wird. Ich würde mir das gefallen lassen, wenn ich an ausgewählten Beispielen die Mannigfaltigkeit von Übersetzungen aufzeigen möchte (schöne Beispiele gibt es da im „Kipling Companion“ des Haffmans Verlages aus der Feder von Haefs), denke aber, daß die Schüler erst einmal einen Überblick über die deutschsprachige Literatur erhalten sollten. Klassiker finde ich nach wie vor essentiell und bei der „Moderne“ könnte ich mir auch Botho Strauß, Heinrich Schirmbeck oder Eckhard Henscheid (Maria Schnee ist doch wirklich allerliebst) vorstellen … Thelen, Friedell, Roth, Lernet-Holenia, Lipinsky-Gottersdorf, Helwig, von Gaiser gab es sogar Reclam-Bändchen

  45. Waldgänger

    Ich denke, man sollte Ihr Anliegen, Herr Bosselmann, nicht so sehr von den Autoren her angehen oder von einer bestimmten Epoche, sondern …

    a. von den existenziellen Fragestellungen, die der Text beinhaltet und zuspitzt und

    b. von der Länge des Textes bzw. seiner sprachlichen Komplexität.

    Frage- und Problemstellungen, die Jugend an sich fesseln, gibt es so manche … nicht nur das schöne Romeo & Julia Thema.
    Da wären auch Themenfelder wie „Treue“, „Vertrauen“, „Verrat“, „Mut trotz Angst“, „der eigene Weg/die eigene Art“ oder „Verantwortung“ geeignet.
    Und es finden sich gewiss auch Themen, die junge Männer ansprechen und nicht nur Frauen.
    Anders gesagt: nicht nur „Effie Briest“!

    Da die Geduld, die Lesefähigkeit und das Verständnis verschachtelter längerer Sätze im Abnehmen begriffen sind, bieten sich zunächst schon eher kürzere Stücke an …

  46. Biedermann

    Besonders gerne denke ich an die letzten Unterrichtsstunden meines Geschichtskurses zurück. Unser Lehrer gab uns nach den schriftlichen Klausuren die Möglichkeit, mittels Abstimmung ein eigenes Thema auszuwählen. Da sowohl Schüler als auch Lehrer dem schwarzen Humor nicht abgeneigt waren , kristallisierte sich alsbald das Wunschthema „die 10 skurrilsten und interessantesten Diktatoren der Geschichte“ heraus.
    Am nächsten Tag schrieb er eine Liste an die Tafel und teilte jedem Schüler einen Despoten zu, welchen dieser in einem Vortrag zu behandeln hatte.
    Wir haben selten so viel zusammen gestaunt, gelacht und uns dem Entsetzen hingegeben.
    Nie vergessen werde ich außerdem seinen Ausspruch „Hitler wird kein Thema sein, so viel wie wir über ihn geredet haben müssen wir aufpassen , dass er uns nicht wieder lebendig wird.“

  47. ene

    Anselmus,
    Sie haben als Schüler ganz offensichtlich schon mehr Ahnung von Literatur als die Lehrer, die diese Texte nur mißbrauchen, um unsinnige Fragestellungen an diese zu pappen.

    Wenn Sie das verstehen und fühlen, daß Werther und Faust von etwas anderem handeln als von „Beziehungen“ usw. – dann sind Sie schon ganz auf dem richtigen Weg.

    Ich hoffe sehr, Sie finden noch ein Gegenüber, der Ihnen zeigen kann, wie erregend, beunruhigend und „spannend“ Literatur wirklich ist!
    Bis dahin: Lesen Sie, vertrauen Sie auf sich selbst!

  48. Raskolnikow

    „Kurz darauf wurde der Schimpanse
    von der Storchenhorde hingerichtet;
    er starb unter furchtbaren Schmerzen,
    durchstoßen und kastriert von ihren
    spitzen Schnäbeln. Da er die Weltordnung
    in Frage gestellt hatte, musste der Schimpanse sterben.“

    (M. Houellebecq)

    Ach, Ihr Kleingeister,

    seht Ihr denn nicht, dass Euch all Eure hohe und höchste, ja allerhöchste Literatur, die Ihr angeblich apperzipiert, nicht vor dem Stumpfsinn bewahren konnte?

    Ihr konntet einfach nicht widerstehen, Ihr musstet trompeten, „Ich, ich, ich …“! Selbst den Namen dessen, an den Eure „Empfehlungen“ gerichtet waren, konntet Ihr nicht, wie es Höflichkeit und Anstand abverlangen, ordentlich niederschreiben. Seid froh, dass Herr BoSelmann so ein feinfühliger Mensch ist … Das war nicht schön, Ihr sollt Euch was schämen!

    Auf der offiziellen Literaturliste für Abiturienten sind doch wunderbare Werke der deutschen Literatur verzeichnet. Was brauchts da noch mehr? Wer sich hier nicht „infiziert“, ist für die Unabdingbaren eh verloren.

    Wer zu Thomas Mann überredet werden muss, wird der mit Adrian Leverkühn fiebernd die Genialität suchen? Kann der dann über Doderers „Merowinger“ lachen? Wird der mit offenem Munde über den „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ sitzen? Oder in Gedanken die bebenden Hüften der „Lucinde“ umfassen? Wohl nicht …

    Fantasie und Träumerei wird den zeitgenössischen Zombies mittels Pornografie (in Literatur, Film, Kirche, Politik …) ausgetrieben. Aber gute Literatur lässt dem guten Leser immer auch Freiheit, einen Ausweg. Mein Held bei den „Abenteuern des Werner Holt“ waren eben nicht die Kommunisten, Grübler oder Feiglinge sondern der böse Wolzow. Begabte Schüler werden eigene Pfade nicht scheuen …

    Und was waren da nicht alles für coole Typen unterwegs … Wie gerne würde ich mal mit Dostojewski am Roulettetisch zocken, oder ihm bei einem epileptischen Anfall zur Seite stehen, mit Balzac Mocca saufen und von der „Drogue“ kosten, mit Gaultier einen Boxkampf bestreiten, dem besoffenen Jean Paul etwas Kluges ablauschen, oder mit Dante über die Liebe schnacken, für den blinden Milton den Schreiber machen, der Virginia Woolf eine Nacht stehlen, mit Ezra Pound die Zelle teilen, James Joyce die Brille putzen, Houellebecq die Zigaretten anzünden und wenn man nur einmal mit Bukowski den urbanen Hipstergirls die Röcke hissen könnte … Es ist Sehnsucht, vielleicht Liebe – und die Liebe lässt sich nun mal nicht erzwingen! Die Schreiberlinge vergangener Zeiten wollen nicht geduldet sein, sondern gebeten werden! Und das sind wir Ihnen auch schuldig!

    „Infizieren“ kann ein Lehrer nicht, das ist zuviel verlangt, viel zu viel.

    Infiziert wird man nachts unter der Bettdecke mit der Taschenlampe über einem Buch …

    Lieber Meister Bosselmann, für die Katz ist jedwedes Bemühen, einer Welt, deren Vitalfunktionen digitaler Natur sind, Leben, gar Leidenschaft einhauchen zu wollen. Selbst die konservativen Opponenten dieser Plastikwelt halten die Tränen eines Kindes nach elektrischer Manipulation durch „Thronstahl“ für „Gefühl“, nicht mehr wissend um den Unterschied zwischen, auf billige Weise erzeugter, Sentimentalität und eben Emotion … Es ist wirklich dramatisch, eine Tragödie, wert in tausendseitige (mindestens) Elegien gefasst zu werden.

    Wo noch Leben in den Menschen ist, wird es sich Bahn brechen. Vielleicht schlagen wir Auserwählten, wir Begnadeten eine kleine Bresche ins Dickicht, aber kommen müssen sie schon alleine …

    Die Messer gewetzt,

    R.

  49. Gast

    Nietzsche: Ueber die Zukunft unserer Bildungsanstalten.

    Bezogen auf Ihre Fragestellung kenne ich nichts Lehrreicheres als diese sechs Vorträge. Nietzsche verfaßte sie als pädagogischer Praktiker: Er unterichtete in Basel ja sowohl an der Universität als auch am Gymnasium. Außerdem war Nietzsche seinerzeit sicherlich jung genug, sich an seine Jahre als Alumnus in Schulpforta noch deutlich zu erinnern.

    Lesen Sie die Texte zunächst für sich, dann mit Ihren Schülern.

  50. herbstlicht

    Nachdem die MINT-Fächer eingeladen aber bisher kaum erwähnt wurden, ein paar
    Vorschläge von einem Graukopf, welcher zwar nur gelegentlich unterrichtet, aber
    selber immer noch begeistert ist von ihnen — ohne Rücksicht auf Lehrpläne.

    Mathematik: axiomatischer Aufbau der Zahlensysteme. Wer sich nicht begeistert,
    wenn die Dedekindschen Schnitte den Nebel vom «Kontinuum» wegblasen, ist sicher
    nicht zum Mathematiker geboren. Literatur: Edmund Landau, Grundlagen
    der Analysis
    .

    Physik: Spezielle Relativitätstheorie. Aufzeigen, was man «ruiniert», wenn man
    «mutwillig» die universelle Gleichzeitigkeit postuliert. Erste Schritte zu
    einer Perspektive der Welt im Sinne der Evolutionary
    Epistemology
    . Literatur: The
    Feynman Lectures on Physics
    und, nur für den Lehrer, auch Günther Ludwig,
    Einführung in die Grundlagen der Theoretischen Physik und Ernst Mach, Grundlagen
    der Mechanik, von ca. 1912.

    Computerei: Rekursivität. Wie beherrsche ich Komplexität? (nicht-chaotische;
    auch außerhalb der Programmiererei.) Ein Programm ist ein Essay über einen
    Algorithmus und in einer Form, welche auch von der Maschine verstanden wird.
    Literatur: Abelson und Sussmans, Structure
    and Interpretation of Computer Programs
    . Übrigens steht das ganze
    Buch im Web
    .

    Oder ganz praktisch: ran an die Gadgets! Auf meinen Rechnern bin ich Boß!
    Will mir MS oder Apple dies verwehren, dann brauche ich die Idioten nicht! Zum
    Beispiel Amazon Kindle: On my Kindle I am root.
    Altes Buch d‘rauf bringen; mit oder ohne OCR. Selber was bauen, genau
    so, wie man’s haben will — anstatt nur Büchsenkost zu fressen.

    Damit die Ingenieure von morgen heranwachsen und nicht als jugendliche
    Konsumenten verblöden, wurde der Raspberry PI entwichelt: The Raspberry Pi computer
    goes on general sale
    . Inzwischen gibt es dafür ein Menge Lehr- und
    Kursmaterial; etwa hier und hier. Man kann mit dem PI auch Motoren
    steuern
    ; ist dann halt nicht mehr mit Diesel, wie in Bosselmanns Jugend,
    sondern vollelektrisch.

  51. Inselbauer

    All den Bildungsathleten, allen voran dem gegen die Technik eingenommenen Raskolnikow, sei gesagt, dass mich heute noch vor Thomas Mann und Hermann Hesse graust und ich als Jugendlicher lieber mit meinem bärtigen Turnlehrer geschmust hätte als diesen Käse freiwillig zu lesen.
    Ein Teil der jugendlichen Weigerung, sich mit Bildungsschrott zu befassen, ist vollkommen o.k. Thomas Mann zum Beispiel würde ich meinen Kindern nicht zu lesen geben, das wäre ja ekelhaft. Da schon lieber ein Jahr im Ausland. Und ein paar informell erworbene Computerkenntnisse sind allemal besser als der Romanfusel von Hermann Hesse.
    Warum schlechte Schriftsteller für Jugendliche ein Pflichtprogramm sein sollen, ist mir nicht klar. Die guten zu lesen, ist halt nicht jedem zuzumuten.

  52. Rumpelstilzchen

    Und was waren da nicht alles für coole Typen unterwegs … Wie gerne würde ich mal mit Dostojewski am Roulettetisch zocken, oder ihm bei einem epileptischen Anfall zur Seite stehen, mit Balzac Mocca saufen und von der „Drogue“ kosten, mit Gaultier einen Boxkampf bestreiten, dem besoffenen Jean Paul etwas Kluges ablauschen, oder mit Dante über die Liebe schnacken, für den blinden Milton den Schreiber machen, der Virginia Woolf eine Nacht stehlen, mit Ezra Pound die Zelle teilen, James Joyce die Brille putzen, Houellebecq die Zigaretten anzünden und wenn man nur einmal mit Bukowski den urbanen Hipstergirls die Röcke hissen könnte …

    Das wird das Paradies sein, Raskolnikow.
    Laut Stephan Hawking ist soetwas unter physikalischen Aspekten möglich. Um das ICH zu vermeiden. Könnten Sie Tolstois Frau Sofia zu dieser Runde einladen ?
    Wenn das Wort BEREICHERUNG jemals wieder seinen alten guten Klang bekommen sollte, dann durch Ihre Beiträge, lieber Raskolnikow.
    Danke.

  53. ene

    Raskolnikow,
    bei aller tiefempfundenen Sympathie für Ihr leidenschaftliches Plädoyer – in einem Punkte denke ich doch ganz anders: Ich betrachte es nämlich durchaus als glücklichen Umstand, daß wir die Bücher lesen – die Verfasser jedoch nicht persönlich kennenlernen müssen!

    Denken Sie nur an den Unterhaltungskünstler Müller-Rosé aus Manns Felix Krull. Ein eleganter Mann auf der Bühne, der alle bezaubert. Doch besucht man ihn in der Gardeobe, so wird man gewahr: er trägt graue Flanellhemden und hat Pickel auf dem Rücken.
    So siehts aus in der Kunst.

    „Das eine bin ich, das andere sind meine Texte“, sagte Nietzsche, der auch in diesem Punkte recht hat.

    Beschränken wir uns lieber auf das Wesentliche, die Werke, deren Existenz ja Gott sein Dank nicht davon abhängt, ob sie nun „jeder“ versteht , und treten wir ihren Schöpfern nicht zu nahe. (Was sowieso nicht gelingt.)

    Nochmals Nietzsche: manches will ich ganz entschieden nicht wissen.

  54. Revolte

    @herbstlicht

    Interessante Zusammenstellung, aber doch leicht am Thema vorbei, geht es hier doch zuvorderst darum, Jugendliche zum Lesen zu inspirieren – und kaum etwas dürfte für Jugendliche abschreckender sein als theoretische Literatur über Mathe und Physik. Dennoch ein guter Ansatz.
    Den Zugang zur Physik würde ich vielleicht eher über Schrödingers berüchtigtes Gedankenexperiment oder Heisenbergs „Quantentheorie und Philosophie“ suchen.
    Ich habe gerade Greenes „Der Stoff aus dem der Kosmos ist“ gelesen. Populärwissenschaft, für Quantenphysiker wahrscheinlich unter aller Kanone, aber ich fand’s sehr anschaulich und unterhaltsam geschrieben. Mehr als fünfhundert Seiten, daran knabbert man etwas, aber es lohnt sich.

  55. W. Fuchs

    Ich kann mich nur aus österreichischer Perspektive äußern, sehe aber hier das Hauptproblem im behandelten Stoffe selbst. Stattdessen man die Schüler Feuerraketen wie Calderón, Goethe, Schiller, Grillparzer, Roth usw. lesen läßt, peitscht man sie durch die unglücklicheren Werke Heines, den von Pädagogen bis zur Dummheit verklärten Woyzeck, oder gar deutsche Übersetzungen amerikanischer Romane, die allesamt nichts hergeben. Von der holden Lyrik und der Art, wie sie in heutigen Klassenzimmern malträtiert wird, fange ich gar nicht erst an.

    Daß es nicht unmöglich ist, in den Jungen die Begeisterung für Literatur wachzukitzeln, habe ich mehrmals selbst erlebt, da ich vor einiger Zeit einer großen Klasse von notenschwachen Schülern (und gegen deren Willen) Deutsch-Nachhilfe erteilte. Die meisten brauchten: Gedicht-Interpretation; Szenenanalyse. – Da im eigentlichen Schulunterricht der historische Kontext im Nebensatz abgewaschen wurde, holten wir zunächst zu einem riesenhaften Geschichtsexkurs aus, welcher – fruchtete. Es war unfaßbar, eine zu Beginn nicht zu bändigende, angeblich leistungsschwache Schülerschar plötzlich Dinge rufen zu hören wie: „Gryphius, der is‘ ur-cool!“ Für Hölderlins Hyperion sowie Goethes Werther wußte sich ebenfalls alles zu begeistern (besonders natürlich die, die gerade zum ersten Mal prototypisch verliebt waren), ebenso für die Leutnants Gustl und Trotta, bei denen jeder förmlich mitlitt, usw. – Das Eintrichtern von Versmaßen, Reimschemen und Stilmitteln war dann nur noch reine Formsache, und am Schluß interpretierten alle zumindest inhaltlich, daß es krachte (im guten Sinne).

    Die Kinder können es also! Man muß ihnen nur das Echte, Große einmal zutrauen. Wer eine Jugend mit Fragmenten á la Woyzeck abspeist, der braucht sich nicht wundern, wenn nichts dabei herauskommt. – Freilich trägt hieran das Bildungsministerium, das die Curricula aufstellt, eine weit größere Schuld, als die ohnehin selbst geplagten Pädagogen.

  56. Fredy

    Zustimmung @Inselbauer

    Das meiste ist abzuhaken unter „Früher-war-alles-Besser“-Gejammer.

    „Im Übrigen, mein Sohn, lass dich warnen! Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben und viel Studieren ermüdet den Leib.“

    Prediger 12, 12

  57. Weltversteher

    Ja, die Pickel auf dem Rücken der Schreibend-Genialen.
    Diesen Zwiespalt aber anzuerkennen, ja, auszuleben, wirft die Frage auf, wie absolut der Wert der oft eher reflexartig gepriesenen großen Litteratur für das menschliche Dasein nun ist. Ob sie tatsächlich ins Leben (hier: der Zöglinge) hineinwirkt, oder ob sie Zeitvertreib, Kulisse, Feigenblatt oder was sonst noch bleibt. Ich betone das, um einen Hinweis für die Wahl des Unterrichtsstoffes und seine Betrachtung zu geben.

    Ich sehe aber bei dem hier gehörten Klagen über die verzombisierten Zöglinge die Frage, wie es dazu kommt, für bedeutend an. Wenn man sich diese Jungs und Mädels biographisch betrachtet, springt einem doch ins Auge, wie das, was in ihren rund fünfzehn Jahren bisher auf sie eingewirkt hat, nun seine Folgen zeigt. Der Schwachsinn und die Lethargie werden ja herangebildet!!

    Wo die Eltern dem von vornherein begegnen wollen, fehlt es ihnen dann meist an einem ähnlich gesonnenen Umgang für ihre Kinder, und weiterhin wird durch den Schulzwang ein anderes, selbstbestimmtes Aufwachsen weitgehend vereitelt.
    Die hier besprochenen Nöte sind ja nicht nur die von Herrn Bosselmann als Pauker, auch nicht nur die unseres „kulturellen Umfeldes“, sondern betreffen jeden von uns in seinen Kindern und seiner Einbindung in das Gemeinwesen, dessen er zum Ausleben seines Mensch-Seins bedarf.

    Wenn wir dafür sorgten, daß unsere Kinder bereits in den ersten Schuljahren angemessen erzogen und ihrem Wesen gemäß gebildet würden, hätten wir mehr davon, als im späteren Alter in den Trümmern zu stöbern.
    Dafür brauchen wir andere Schulen, und ein Verschwinden der gegenwärtigen Schul-Überwachung.

  58. Strauchritter

    Hallo Herr Bosselmann,

    ich habe ganz gute Erfolge mit:

    „Der Hauptmann von Köpenick“ Zuckmayer
    „Ein Mann will nach oben“ Fallada
    „Die Kunst des Krieges“ Sun Tzu
    „Der Fürst“ Macciavelli in Kombination mit „Macht“ Robert Greene

    geradezu Begeistungsstürme bei Jungs und Mädels können Sie mit Csasanova, Lord Byrons Tagebüchern, Don Huan oder auch Choderlos de Laclos auslösen.
    Die ja auch teilweise sehr gut verfilmt wurden.

    Wenn Sie ganz mutig sind noch ganz zeitnah „Die perfekte Masche“ von Neil Strauss, vor dem sogar westlichen Emanzenbewegung warnte.

    Zum Aufwärmen und dem grundsätzlichen Erwecken des Interesses für Literatur bei gleichzeitiger Einordnung in den Kontext der jeweiligen Zeit recht brauchbar.

  59. Weltversteher

    Ein lesenswerte Quelle noch, wo wir schon bei der Sache sind, zu der Richtung unserer Bildungs-Bemühungen:
    Langbehn, Julius: Rembrandt als Erzieher.

  60. daniel

    Oh doch, Raskolnikow, der Lehrer kann die Jungen entzünden, die mit Testosteron-Mangel sowieso, aber die mit viel davon, die ganz bei sich und gewissermaßen „involviert“ sind, auch, die, die auf dem Hof Fußball spielen, ebenso wie jene, die, von „Beobachtungs-Überschuß“ geplagt, irgendwann hier landen! Letztere, die man früh mit Geschichte „infiziert“ hat, die dadurch ihr ganzes Leben eine romantische Vorstellung von den Dingen und einen barschen Stolz mitbekommen haben, wie Rousseau es mal in Bezug auf seine Jugend ausdrückte, finden sonst vielleicht nie auf den richtigen Weg und „zu sich“.

    Die Weltgeschichte bietet doch, in „Fernauscher Weise“ aufbereitet und zugespitzt doch so viel Heroisches, so viel Opfermut, Martyrium, Größe, Ungleichheit, um Jungs im pubertären Alter zu entzünden!

    Die Schattierungen kommen freilich später, zu „Zeno Cosini“ und seiner ganzen Tiefe und seinem Witz stößt man dann halt erst mit Ende 20, Anfang 30 vor.

  61. Hartwig

    @ R.

    Raskolnikow, so sehr mir Ihre Zurechtrückungen auch immer gefallen, selbst wenn sie gegen mich gerichtet sind; hin und wieder verrennen Sie sich doch.
    Man sollte sich nicht anmaßen, zu ahnen, warum eine Träne das Auge verlässt. Zuweilen hat es sogar MickeyMouse fertig gebracht, mir einen Kloss im Halse zu machen, wenn mich eine Sequenz (ein Wort, eine Szene, ein Bild) urplötzlich aus der Jetztzeit herausriss und z.B. die bitteren Stunden der ersten unglücklichen Liebe wachrief. Nichts anderes findet doch statt, wenn wir einem Kunstwerk begegnen. Oftmals ist aber nicht einmal dass vonnöten. Das Wachrufen des Innersten kann ganz banale Ursachen haben.
    Nennen Sie es Sentimentalität; ich nenne es manchmal einfach nur Gememme. Die „Armen Leute“ von Dostojewski, große Kunst und doch auch schwülstige Sentimentalität. Was musste ich da seinerzeit bei der Lektütre schlucken.

    Und doch: Wenn ein Kind sich einnehmen lässt, von der Geschichte eines kleinen aber stolzen Fahnenträgers, den die Furcht, gar Panik des Versagens befällt, der sich daran aber aufrichtet und heroisch über sich hinauswächst, um dann doch zu fallen, wenn dieses Kind mit dieser Geschichte etwas anfangen kann im Sinne „das kenne ich: Ich kenne die Furcht und vielleicht auch den verpassten Moment, selbst ein Held zu sein zu können, kenne die kleinen Niederlagen, kenne die Verletzungen, oder den Stolz nach der Überwindung“ dann ist das m.E. genau dass, nachdem Bosselmann fahndet; das Herausreissen aus dem Phlegma des Smartfone-Gaffens, was bis vor einer Minute noch so wichtig war.
    Muss es große Kunst sein? Nein! Aber es hat trotzdem den Nerv getroffen. Zum Kunstwerk gehört mehr, aber ich erkenne nichts als Kunstwerk an, was nicht mindestens dies kann: den Nerv treffen.

  62. Michael Schlenger

    Lieber Herr Bosselmann,

    wenn Sie wieder unterrichten, dann verdient das ebenso Anerkennung wie die Entscheidung, sich als Einzelkämpfer zu versuchen. Beide Rollen wurden in jeder bedeutenden Kultur schon immer gebraucht; der Einsiedler, der aus der Anschauung oder dem Sinnieren Erkenntnis gewinnt und der Kommunikator, der Erkenntnis den danach Suchenden vermittelt. Der Suchende aber weiß womöglich am Anfang gar nichts von seinem Hunger. Dafür braucht es Lehrer wie Sie!

    Denkt der ehemalige Schüler zurück, wird er vielleicht trotz des dominierenden Gefühls verschenkter Jahre dankbar auch einiger Glücksmomente gedenken, die er der Schullektüre verdankt und die ihn lebenslang begleiten und bereichern:

    In einem dieser fürchterlichen west“deutschen“ Deutschbücher der 1980er Jahre, die nur aus Auszügen und Bruchstücken bestande,n fand sich ein Gedicht von Hölderlin: „Hälfte des Lebens“. Mancher hielt den Verfasser damals mangels näherer Vorstellung für vergleichsweise modern, vielleicht für einen Expressionisten der 1920er Jahre. Viele haben die Zeilen damals als „dunkel“ empfunden, über den Autoren wurde an sich humanistisch dünkenden Anstalten danach nie wieder ein Wort verloren. Doch dieses kurze Aufblitzen genügte, um dass einige eine Antenne für den Hölderlin-„Sound“ entwickelten. Viele Jahre danach fingen sie vielleicht wieder Signale aus seinem Universum auf und die Magie tat erneut ihre Wirkung. Hölderlin markiert seither für diese Verstehenden den einsamen Gipfel deutscher Lyrik. Wenn Sie nur ein oder zwei Ihrer Schüler damit infizieren, ist es Belohnung genug.

    In der Oberstufe sollten auch heute Hesses surrealer Steppenwolf, Steinbecks in Cannery Row und Grapes of Wrath zelebrierter unamerikanischer Sprachzauber sowie Catulls und Martials teils explizite, teils sensible Liebes- und Spottverse in den besten Geistern ein Licht entzünden. Im Übrigen wären Grimmelshausens Simplicissimus, Heinses Ardinghello und Jüngers Gläserne Bienen ein direkter Weg in die Moderne, die den allzu Fortschrittsgläubigen den Kopf gerade rücken könnten.

    Wem Sie den Kopf dagegen verdrehen wollen, dem kommen Sie mit Lukrezens brilliantem Welterklärungspoem De rerum natura oder mit Apuleius kühner Verteidigungsschrift Pro se de magia, natürlich zunächst auf deutsch. Bei der Gelegenheit wird man Vossens Übertragung antiker Sagen schätzen lernen.

    Zu guter Letzt aber eine persönliche Empfehlung jenseits aller kanonischen Werke: „Zwei hinterm Limes“ von Peter Untucht, ein zeitgenössisches Werk, schräg, doch keineswegs sperrig, dabei hochgebildet und anspielungsreich, inspiriert von Goethes Werther, aber unbedingt modern, von merkwürdiger Anziehungskraft, das manchen alten Kulturpessimisten mit der Jetztzeit versöhnen mag. Verkaufen Sie es Ihren Schülern als Parabel über Liebe und Laster, Spießer- und Heldentum. Wer wenig Literatur unserer Zeit liest, wird darin dennoch Genuss und Erkenntnis finden.

    Gruß
    Michael Schlenger

  63. Markus Willinger

    Und schlagartig komme ich mir derartig jung vor.

    Versuchen Sie einmal Ihren Schülern Texte zu geben, die auch ihr Leben betreffen. Natürlich interessiert Thomas Mann heute niemanden mehr, natürlich ist Kafka eine Qual, natürlich will niemand mehr etwas von Schopenhauer hören.
    Nur Goethe und Schiller schaffen es (mit manchen Werken) halbwegs zeitlos zu sein.
    Insgesamt aber ist der Lehrplan völlig veraltet. Er muss adaptiert, modernisiert und durch neue Werke ersetzt werden.

    Denn die Zeiten ändern sich nunmal. Die Jugend liest nicht die alten Werke, sondern ihre eigenen. Und das ist auch gut so!
    Die von Ihnen angesprochenen „Vampirbücher“ und „Gut gegen Nordwind“ sind nun einmal „Die Leiden des jungen Werther“ unserer Zeit. Das kann man ignorieren, man kann sich darüber aufregen, es bedauern, aber ändern kann man es nicht. Tolkien ist das Idol und die Geschichten aus dem „Lied von Eis und Feuer“ sind die neuen Grimm-Märchen. Die Welt ändert sich eben.

    Mein alter Lateinlehrer hat das begriffen. Nachdem wir alle nach Jahren Caesar, Cicero, Sallust und all die anderen satt hatten, gab er uns die lateinischen Harry Potter Bücher zum Übersetzen ;). DAS war ein Engagement und DA gab es eine Begeisterung von uns Schülern.

    Versuchen Sie einfach die Jugend nicht zu verteufeln. Fragen Sie: Was lest ihr gerne? Und wenn die dann eben nicht Goethe sondern „Markus Heitz“ antworten, seien Sie nicht überrascht. Vielleicht versuchen Sie das eine oder andere Buch einfach einmal selbst. Wer weiß vielleicht lernen Sie noch etwas dazu ;).

    Ich empfehle: Game of Thrones. (vorzugsweise auf Englisch zu lesen)
    Oder sogar als Schulstoff geeignet (und auch schon verwendet): „Gut gegen Nordwind.“

  64. Urwinkel

    Das ganze Gequacksalber, klingt so trist wie ein historisch eingeblümter Trauerzug. Schaut man sich die Leute an: Sie lachen, obwohl sie trauern müssten. Das ist das echte Elend. Die Falschheit in der Hoffnung. Sie verkleiden sich zum Spaß. Am Ende ist das nur noch heidnisch gesinnt irgendwie lustig.

  65. Heino Bosselmann

    Ich bedanke mich für alle Beiträge und Hinweise. Und werde mich künftig genauer und dezidierter zum Thema zu äußern versuchen. Nur dies noch: Nach meiner unmaßgeblichen Erfahrung werden 1.) kaum mehr Texte aus sich selbst verstanden, bedürfen daher 2.) einer anstrengenden Exegese und haben es 3.) schwer, weil schon dies ein Problem ist: http://www.faz.net/aktuell/beruf-chance/campus/sprachnotstand-an-der-uni-studenten-koennen-keine-rechtschreibung-mehr-12862242.html
    Vielen Dank. Auf bald.

  66. Es gibt zahlreiche recht unbekannte junge zeitgenössische Autoren, deren Lektüre auf den ersten Blick oberflächlich wirkt, im tieferen Kern jedoch zum Nachdenken über die Gegenwart und ihre Generationen anregt und durchaus über den Zeitgeist und die herrschenden Zustände zum kritischen Diskurs einlädt.
    Da fällt mir z.B „Verlaß die Stadt“ von Christina Maria Landerl ein, die ihrem schmalen Roman die seltsamen Schwingungen eines beliebigen Freundeskreises aus nebenher lebenden Individualisten samt seinem Zerfall im sommerlichen Wien beschreibt – ein Großstadtroman über die sozialen (Nicht-)Verhältnisse zueinander.
    Oder Thomas Glavinic‘ „Wie man leben soll“ als Geschichte der gegenwärtigen Sehnsucht nach Großem, obwohl und gerade weil man im diffusen Nichts oszilliert – Warum bin ich kein 68er sondern muß in dieser beliebigen langweiligen Zeit leben?
    Genazino ist ausnahmslos zu empfehlen, in der Lyrik bietet sich Albert Ostermaier an, dessen zarte wie schwermütige Zeilen nicht nur den ersten Liebeskummer erträglicher machen, sondern auch viel über die Zwischenmenschlichkeit unseres Jahrhunderts erzählen.
    Es gibt so viel, es steht nur nie auf der Bestseller-Liste!

  67. sumo

    Tja, LESEN…
    Ich, Jg.1962, in Ostberlin zur Schule gegangen und dort mit den unausweichlichen Büchern in Berührung gekommen, die man dort lesen mußte, solch stalinistischen Wälzer wie Ostrowskis „Wie der Stahl gehärtet wurde“, demzufolge Kortschagin als alleinseligmachender Typus verklärt wurde, es war entsetzlich. Jahre früher „Timur und sein Trupp“, widerlich bis zum Erbrechen. Die anderen Bücher aus dem weiten Osten waren nicht besser.
    Ich hatte eine Deutschlehrerin, die ich in allen Themen der Grammatik und Orthografie als phantastisch gut empfand, in Bezug auf die Literatur war sie den Zwängen unterworfen, denen vermutlich alle Lehrer unterworfen waren. Es hat mir allerdings nicht das Lesen verleidet, denn ich durfte alle Bücher lesen, die in der weiteren und näheren Verwandtschaft in den Regalen standen. Meinen Kindern heute geht es ebenso, sie dürfen alles lesen, was im Regal steht. Leider haben auch sie mit dem Unterricht eher schlechte Erfahrungen gemacht, es werden Textfragmente vom Lehrer vorgelegt, die zu analysieren sind, und dies auch, ohne den gesamten Text kennen zu müssen.
    Wenn ich die Aufgabe hätte, Literatur für den Unterricht zu benennen, dann käme vor:

    Tellkamps „Der Turm“
    Stanislaw Lems „Summa technologiae“
    Klonovskys „Land der Wunder“
    Thomas Manns „…Felix Krull“

  68. saflid

    Meine Beobachtung ist, dass bei Hipstern ein oberflächliches Bedürfnis nach Bildung besteht. Man schaue sich Albernheiten wie die Facebook-Seite „I f*cking love science“ an, gefüllt mit Kalendersprüchen. Vielleicht kann man über einen oberflächlichen Ansatz, der mit Mystifikationen und Heroisierungen arbeitet, einen Anteil an tatsächlich interessierten, nur bisher nicht darauf gestoßenen jungen Menschen abschöpfen und den Rest mäßig bis gut unterhalten.

    Ich als Geschichtsinteressierter hatte jedenfalls Erfolg, mich aus der „Freak-Rolle“ zu retten, indem ich die „Coolness“ meiner „Helden“ anpries. Z.B. „Schaut euch Dschingis Khan an. Der Mann hatte mehr Frauen als eine durchschnittliche Kleinstadt Bewohner. Wie kann es langweilig sein, sich mit ihm zu beschäftigen?“

    Das ist nur vermutlich nicht für Sie, Herr Bosselmann.

    Abgesehen davon, in meiner Abiturklasse (Jahrgang 2011) konnte ein Deutschlehrer Begeisterung auslösen mit den ersten 20 Seiten von „Professor Unrat“. Sogar David Foster Wallaces „Unendlicher Spaß“ konnte er unter die Leute bringen, wenngleich das die meisten im Nachhinein doch überforderte.

    Ein Geschichtslehrer hatte Erfolg mit Paul Kennedys „Aufstieg und Fall der großen Mächte“, weil er es als wichtig für das Verstehen „wirtschaftlicher Zusammenhänge“, und damit für den späteren Job, anpries.

    Die Lektüre des derzeitigen Abi-Jahrgangs in Niedersachsen, z.B. „Faserland“, trifft nur auf massive Ablehnung. Man sollte ja meinen, der flotte und zynische Stil treffe den Nerv der von Herrn Bosselmann beschriebenen Generation, aber die befinden sich schon eine Ebene höher: Wir wären vielleicht gerne wie die Gestalten aus „Faserland“, aber um so zu sein dürfen wir dieses reflektierende Buch dann halt nicht mögen.

    An Raskolnikow: Den „Doktor Faustus“ habe ich mit 15 zu lesen versucht. Vielleicht bin ich ja minderbegabt, aber mir wurde schlecht vor Langeweile. Das ist ein Alterswerk. Wer sowas den jungen Leuten geben will, ist entweder zu beflissen oder zu… alt.

Diskussion geschlossen. :-)

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