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Sezessionistische Weihnachtsempfehlungen (V) – Kinderzimmer

Das-Kinderzimmer-a26486775Erik Lehnert - Werner Hörnemann: Die gefesselten Gespenster. Eine ziemlich komische Geschichte um sieben Jungen, zwei Tiere, ein Auto und einen Spuk. Der Untertitel sagt bereits, worum es geht: um Freundschaft und Abenteuer. Das Buch gibt es leider nur als Reprint. (193 Seiten, 14.90 €)

Ellen Kositza – Selma Lagerlöf: Nils Holgersson (224 S., 29.95 €). Auf der Bestenliste der Kinderbuchneuerscheinungen stehen weit oben Spackos in Space, Plötzlich Zombie – hier stinkt’s, Päpste pupsen nicht und Caroline – total feerückt. Ein hoffnungsloser Optimist, der dächte, dies wären Ausreißer. Nein, das sind so Norm- und Standard-Titel. Der bei Knesebeck erschienene und von Friedrich Hechelmann klassisch-modern illustrierte Bildungsroman mit dem Nichtsnutz und Tunichtgut Nils als Protagonisten ist Kulturgut.

Felix Menzel – Erich Kästner: Als ich ein kleiner Junge war. Meine große Tochter fordert es gerade jeden Abend ein, daß ihr „Rotkäppchen“ vorgelesen wird. Aber Grimms Märchenbuch kennt sowieso jeder. Nils Holgersson war auch in meiner engeren Auswahl, aber das hat bereits Ellen Kositza empfohlen. Deshalb, aus Verbundenheit zu Dresden, die Kindheitserinnerungen von Erich Kästner, der in diesem Buch die Jahre 1907-1914 schildert.

Raskolnikow – Frederick Marryat: Peter Simple. Marryat, selbst Kapitän der englischen Flotte, fesselt mit der Geschichte eines kleinen Engländers, der vom Schiffsjungen bis zum Kapitän eines Segelkriegsschiffs aufsteigt. Viel Stoff für Jungenträume. 688 S.

Nils Wegner – Wilhelm Matull (Hrsg.): Von Grafen, Pastoren und Marjellchen. Ostpreußen und seine Originale in Anekdoten und Histörchen (232 Seiten, 9.95 €). Wohl nicht direkt ein Kinder- oder Jugendbuch, von mir als kleinem Pimpfen aber seinerzeit kurzerhand zu einem gemacht. Nach wie vor stets eine schöne Erinnerung an die Besuche bei meiner Großmutter – und an eine Heimat, die ich nie besucht habe.

Benedikt Kaiser – J. R. R. Tolkien: Der Hobbit: oder Hin und zurück. Das Original zum Film (384 S., 14.95 €). In diesen Tagen kommt der zweite Teil des legendären Tolkien-Epos in die deutschen Kinos. Grund genug, das Buch neu zu entdecken: im wahrsten Sinne des Wortes fantastisch.

Götz Kubitschek: - Gertrud Ott: Widukind. Eine Geschichte aus der Zeit Karls des Großen. Der Sachsenherzog Widukind leistete gegen den Expansionsdrang der Franken und gegen die Christianisierung zähen Widerstand, bis er sich zuletzt doch taufen ließ. Ott gelingt es, die Unaufhaltsamkeit des Neuen plausibel zu machen, ohne den gewaltsamen Bruch zu beschönigen. Ich halte dieses Buch für heilsam und empfehle es jungen Jugendlichen ab 12 ebenso, wie vernagelten Völkischen. Leider ist es nur noch antiquarisch zu haben, und zwar für ziemlich viel Geld.

(Bestellung der meisten Empfehlungen ist möglich per Epost: vertrieb@antaios.de, telefonisch unter 034632-90941 bei Frau Drese oder über die Netzseite des Verlages Antaios.)

12 Kommentare zu „Sezessionistische Weihnachtsempfehlungen (V) – Kinderzimmer“

  1. rautenklause

    Ein sehr empfehlenswertes, endlich wiederaufgelegtes Jugendbuch, das lange Zeit nur für viel Geld antiquarisch erhältlich war ist Hans von Gottbergs „Der Kampf um die Kistenburg“. Gottberg (Fahrtenname ORE) gründete 1975 den freien Pfadfinderbund Jomsburg. Und den jüngste Sohn einer lieben Freundin hat über den von mir herangeschleppten Klassiker „Der Adler der neunten Legion“ / „Der Silberne Zweig“ ein großes Interesse an Rom gefunden und „Star Wars“ ad acta gelegt. Alles ist möglich …

  2. Steffen

    Es tut mir Leid, aber „Der Hobbit“ ist eine Neuübersetzung von Wolfgang Krege und deshalb eigentlich unzumutbar. Er verwendet eine „moderne“ Sprache und bringt teilweise auch Slangelemente ein – zudem wurden, um Kindern kein falsches (Fantasie-)Weltbild zu vermitteln, auch einige Wörter bewusst falsch übersetzt und abgeändert. Ich kenne das aus dem „Herr der Ringe“ – dort spricht Sam seinen Frodo nicht mehr mit Meister oder Herr an, sondern mit Chef u.a. . Eine lesenswerte Übersetzung ist jene von Margarett Carroux.

  3. Carsten

    Mich hat als Junge kein Abenteuerroman so gefesselt wie die Nibelungensage in der Fassung des Hirundo-Verlages von Hans Behr mit den herrlichen Illustrationen von Arlart aus den 60er Jahren. Ganz großes Kopf-Kino.

  4. Rumpelstilzchen

    Kurze Familienumfrage:
    Was war Dein Lieblingsbuch als Kind ?
    Vater: Sigismund Rüstig von Frederick Marryat
    Mutter: Vierbeinige Freunde von Vera Tschaplina und Kater Mikesch von Josef Lada
    Kind 1: die Wolfssaga von Käthe Recheis
    kind 2: Rokal der Steinzeitjäger von Dirk Lorsen
    Kind 3: Die kleine Hexe

    Und als DVD erfreute über einige Jahre die ganze Familie:
    „Der Krieg der Knöpfe“in der Schwarz-Weiß-Fassung von 1962

    http://de.wikipedia.org/wiki/Krieg_der_Kn%C3%B6pfe_(1962)

  5. Gutmensch

    Lieber Steffen,

    ich schließe mich dem voll und ganz an. Ich bin sowieso regelmäßig skeptisch bei Übersetzungen (Harry Potter übersetze ich meinem Kind tatsächlich lieber selber, als ihm die deutsche „Version“ zuzumuten), aber die ältere Hobbit-Übersetzung kann man tatsächlich vorlesen, ohne dabei größere Schmerzen zu erleiden. Sehr schade, dass man das von der letzten Auflage von „Der Wind in den Weiden“ nun wirklich nicht behaupten kann – für meinen Geschmack ein ganz und gar grausamer, verdrehter Sprachgebrauch (Dabei ist mir das sogar wegen der „tollen Sprache der Übersetzerin“ empfohlen worden! Für diese empörende Zumutung muss ich mich gelegentlich wirklich mal revanchieren …). Für kleine Kinder ist Nils Werner wirklich schön – „Borstels Waldtheater“ antiquarisch oder neu aufgelegt: „Alarm im Kasperletheater“: „Teufel spricht: „Ich will es nun // auch ganz gewiss nicht wieder tun!“ – oder so ähnlich, jedenfalls gehört das zum festen pädagogischen Repertoire in unserem Haushalt, wenn wieder mal das große Beteuern und Beschwören losbricht (wer Kinder hat, wird wissen wovon die Rede ist).

    So, und jetzt habe ich genug Schwung, an einer wahren Ikone zu rütteln: Auch wenn ich damit allein auf weiter Flur stehe – aber ich liebe den Kästner überhaupt nicht. Der trägt so dicke auf und ist gefühlsmäßig so klebrig, das ist mir einfach widerlich!! Neulich habe ich auf der verzweifelten Suche nach einem Geburtstagsgeschenk in der Buchhandlung in Kästners „Pünktchen und Anton“ reingelesen (wie Frau Kositza schon schreibt: Bei aktueller Literatur machen einen ja schon die Titel schaudern und Preussler wird derzeit politisch verbessert) und musste erfahren, dass der arme Anton tatsächlich den Geburtstag seiner einzigen, seiner herzallerliebsten Mama vergessen hat und wie sie am Fenster steht, ihm den Rücken zeigt und keinen Mucks sagt … eiskalte emotionale Erpressung ist das (soll aber vermutlich eine vorbildliche, weil „gewaltfreie“ Erziehung darstellen), das kann man doch kleinen Kindern nicht zumuten, pfui Teufel. Ich fürchte, das bringe ich nicht mal bei Kindern übers Herz, deren Eltern den neuübersetzten Wind in den Weiden empfehlen, ohne auch nur mit einer Wimper zu zucken …

    Als dann,

    schönen Advent

    der Gutmensch.

  6. Martin

    Es tut mir Leid, aber „Der Hobbit“ ist eine Neuübersetzung von Wolfgang Krege und deshalb eigentlich unzumutbar.

    Dem möchte ich widersprechen. Kreges Übersetzung ist beim „Hobbit“ bis auf ganz kleine Stellen absolut ok und das Buch ist 100% lesbar und auch nicht verfremdet. Ich kenne beide deutschen Übersetzungen.

    Beim „Herr der Ringe“, den ich nur in der alten Übersetzung kenne, soll das, glaubt man den x- Kommentaren, die man im Netz dazu finden kann, Krege hingegen nicht gelungen zu sein.

    Ich will aber keinen Übersetzungsstreit vom Zaun brechen, denn normalerweise kommt dann immer ganz schnell der Oberschlaubi, der einem erklärt, was für ein Versager man doch sei, wenn man überhaupt zu Übersetzungen greift und nur das original in englischer Sprache sei gültig …

  7. Reichsvogt

    Hab grade 2 meiner Lieblingsbücher aus meiner Jugend rausgesucht: Edgar A. Poe „Die Abenteuer des Arthur Gordon Pym“ und David Friedrich Weinland „Rulaman“ – Erzählung aus der Zeit des Höhlenmenschen. Der Autor lebte von 1829 bis 1915. Er war Leiter des neuen Frankfurter Zoos und schildert das Leben der Menschen auf der schwäbischen Alb nach der Eiszeit aus Sicht des Jungen Rulaman.

  8. Northwest Migrant

    Meine Buchempfehlung:

    Derek Turner: Sea Changes.

    Hierbei handelt es sich um einen Roman, der die illegale Einwanderung nach Europa thematisiert.

  9. T.Gygax

    Rulaman-ist ja phänomenal, das noch jemand dieses Buch kennt…sehr spannende Lektüre. Ebenso: „Sigismund Rüstig“ von Frederick Marryat, einfach gut erzählt. Für historisch interessierte Jugendliche: „Kampf um Rom“ von Felix Dahn und nun etwas aus der Jetztzeit, bisweilen arg bemüht, aber vom Inhalt her sehr interessant. „Heimat ist ein Paradies“ von Viktor Streck.Ich habe noch keinen besseren Einblick in die Welt der Rußlanddeutschen gelesen als dieses Buch, dessen Verfasser selbst in Omsk geboren ist und als“Spätaussiedler“ in die BRD kam.

    Bisweilen lesen auch Jugendliche historische Jugendbücher aus der Pfadfinder und Jugendgruppenwelt, die sind in der Regel gut geschrieben und es lohnt sich, da mal antiquarisch zu stöbern.

    Erich Kästner? Ein Kinderbuchautor? So, wirklich? Die „Konferenz der Tiere“ – wer dieses von Moral und Spießbürgerlichkeit triefende Buch einmal durchgearbeitet hat, der schluckt schwer und sehnt sich nach einer Lektüre, die k i n d g e r e c h t ist. Kästner-seine Verehrer werden jetzt Zustände bekommen, hihi- wirkt auf mich wie der unverheiratete Onkel aus den Heimatfilmen der fünfziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, der mit erhobenem Zeigefinger mahnende Worte an die versammelte Zuhörerschar richtet. Schwerpunkt: „Ihr müsst alle immer ganz lieb und brav sein“…….

  10. S. Pella

    Vorleseempfehlung:

    Gustav Schalk: Die großen Deutschen Heldensagen
    (antiquarisch zu beziehen)

  11. Fabian Niklas

    So, und jetzt habe ich genug Schwung, an einer wahren Ikone zu rütteln: Auch wenn ich damit allein auf weiter Flur stehe – aber ich liebe den Kästner überhaupt nicht. Der trägt so dicke auf und ist gefühlsmäßig so klebrig, das ist mir einfach widerlich!! Neulich habe ich auf der verzweifelten Suche nach einem Geburtstagsgeschenk in der Buchhandlung in Kästners „Pünktchen und Anton“ reingelesen [..] und musste erfahren, dass der arme Anton tatsächlich den Geburtstag seiner einzigen, seiner herzallerliebsten Mama vergessen hat und wie sie am Fenster steht, ihm den Rücken zeigt und keinen Mucks sagt … eiskalte emotionale Erpressung ist das (soll aber vermutlich eine vorbildliche, weil „gewaltfreie“ Erziehung darstellen), das kann man doch kleinen Kindern nicht zumuten, pfui Teufel.

    Schade, werter Gutmensch, daß Sie zwar reingelesen, aber die Geschichte nicht gelesen haben. Die „emotionale Erpressung“ dauert mal gerade einen Absatz, gefolgt von einem ganze Kapitel, das es an Darstellung von mütterlichem Verhalten nicht missen lässt.

    Sympathisch ist in meinen Augen gerade, daß Kästner fast keinen Charakter rein schwarz oder weiß anlegt. Selbst den wohl am stärksten idealisierten Anton (und seine Mutter) stellt er nicht als reinen Musterknaben dar. Gerade keine Superkinder, die alles können und keine Erwachsenen, die nur doof sind, was einen ersten Kontrapunkt zu vielen zeitgenössischer Kinderbuchproduktionen darstellt.

    Er schließt ja an jedes Kapitel mit Metaüberlegungen („Nachdenkereien“) an, die in der Tat einen starken pädagogischen Impetus haben (vielleicht meinten Sie das mit „klebrig“?). In der Überlegung, die kaum eine Seite nach der von Ihnen kritisierten Abschnitt folgt, schreibt er über die Selbstbeherrschung (und allein das würde dieses Buch schon hoch über den aktuellen Kinderbuchmarkt hinausheben): „Wo kämen wir denn hin, wenn jeder, der etwas falsch gemacht hat, davonrennen wollte? [..] Man darf nicht den Kopf verlieren, man muß ihn hinhalten.“ – Ganz schön preußisch, dieser Sachse…

    Wer dem Menschen etwas zutraut, der kann ihm auch etwas zumuten. Und Kästner bringt den Spagat zustande Kinder als sein Zielpublikum ernst zu nehmen ohne so zu tun als wären sie schon Erwachsene (oder bessere Erwachsene). Nun, Sie schrieben auch von kleinen Kindern – ich habe das Buch just dieses Jahr an eine zehnjähriges Kind verschenkt (zu dem Zeitpunkt Ende der 3. Klasse), und ich denke (oder hoffe jedenfalls), dass die Aussage ein paar Monate später, es habe gut gefallen, nicht der puren Höflichkeit des Kindes geschuldet war. Für wesentlich jüngere Kinder ist die Geschichte von Pünktchen und Anton vielleicht auch noch etwas zu komplex (und die „Nachdenkereien“ zu abstrakt).

    Und am Rande bemerkt, vorbildlich gewaltfrei sind die Erziehungsmethoden in dem Buch auch nicht. Immerhin fängt sich Gottfried Klepperbein für seinen Erpressungsversuch eine Ohrfeige ein, von einer noch nicht einmal erziehungsberechtigten Person und die Passanten denken sich aufgrund der Tatsache, dass er danach wegläuft, auch noch das es wohl seinen Richtigkeit gehabt haben wird (anstatt Polizei und Jugendamt wegen Kindesmisshandlung einzuschalten, wie das wohl heute von einer zivilcouragierten, empörten Öffentlichkeit erwartet würde). Die Lektorin, die eine solche Szene heute in einem Kinderbuch durchgingen ließe (und ihre Anstellung behalten kann), würde ich mal gerne sehen wollen.

    Kästner hätte eine zweite Chance verdient, jenseits jeglicher Klebrigkeit finde ich ist der „35. Mai“ ein sehr witziges, humor- und phatasievolles Buch.

  12. Gutmensch

    Lieber Fabian Niklas,

    Sie schreiben:

    „Die „emotionale Erpressung“ dauert mal gerade einen Absatz, gefolgt von einem ganze Kapitel, das es an Darstellung von mütterlichem Verhalten nicht missen lässt.“

    Hm, wenn mir der Absatz schon reicht – wie lange soll ein Kind durchhalten? Ich habe als Kind natürlich das Fliegende Klassenzimmer durchlitten – samt armem, klavierspielendem Nichtraucher und nicht reichendem Geld für die Heimfahrt des guten Jungen an Weihnachten und klein-hab-ich-vergessen mit seinem bösen Leitersturz zum Zwecke der Erhebung in den Stand einer Respektsperson und danach war ich ehrlich froh, am Ende angelangt zu sein. Scheinbar ist mein Mitgefühl begrenzt.

    Und weiter schreiben Sie:
    „Man darf nicht den Kopf verlieren, man muß ihn hinhalten.“ – Ganz schön preußisch, dieser Sachse…“

    Mit dem „Kopfhinhalten“ habe ich es irgendwie auch nicht so – als Preuße. Wo kämen wir denn hin, wenn wir jedem Sachsen bloß wegen seines steil erhobenen pädagogischen Zeigefingers gleich unseren Kopf zur Verfügung stellten?! Nein, wirklich, da verliere ich ihn ja lieber, den Kopf (und das Herz am besten gleich mit) – das macht viel mehr Spaß.

    Zu Kästners Ehrenrettung kann ich nur anführen, dass ein Zitat (das, wie ich glaube, von ihm ist) wirklich auf den Punkt kommt: „Niemals dürft Ihr so tief sinken, vom Kakao, durch den man Euch zieht auch noch zu trinken!“

    Das ist immerhin sowas wie eine faire Warnung an seine Leser – Ihnen einen schönen Advent.

    Gruß,

    G.

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