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weissmann Karlheinz Weißmann


Deutschsein, entspannt

deutschseinDeutschlandradio Kultur hat gestern Vormittag ein Interview mit Paul Kohtes gebracht, Gründer und Vorsitzender der Identity-Stiftung, deren Zweck die Untersuchung von Identitätsfragen – individuellen wie kollektiven – ist. In dem Gespräch ging es um eine neue Studie der Stiftung, die sich mit der nationalen Identität der Deutschen befaßt hat und zu einem überraschenden Ergebnis kam: „die Deutschen haben ein durchaus entspanntes Verhältnis … zum Deutschsein“.

Kohtes stellt das mit Genugtuung fest und sieht dahinter weder Rechtsextremismus noch Fremdenfeindlichkeit wirksam, eher Normalität. Die erklärt auch, warum sich die inhaltliche Bestimmung deutscher Identität im wesentlichen auf traditionelle Tugenden und Heimatbewußtsein, Wirtschaftskraft und praktische Tüchtigkeit stützt. Man betrachtet die Zugehörigkeit zur Nation als Wohlfühlfaktor, „Deutschland light“, ein Bezugspunkt für patriotische Sonn- und Feiertagsgefühle, mehr allerdings nicht.

Es wurde nicht ganz deutlich, ob Kohtes diesen Sachverhalt als problematisch betrachtet. Wahrscheinlich ist das aber nicht der Fall, denn die Arbeit seiner Stiftung ist trotz des Bemühens um eine theoretische Basis an praktischen Fragen orientiert. Das erklärt sich aus dem beruflichen Umfeld von Kohtes, der eine PR-Agentur leitet, und der von ihm ins Auge gefaßten Klientel: jener Teil von Mittelstand und Wirtschaftselite, der nie an den homo oeconomicus glaubte und immer ahnte, daß der Mensch mehr braucht als Wohlstand und Sicherheit.

Dieses Mehr soll ihm nun verschafft werden, mit Hilfe von corporate design und Markentechnik. Die Berufung auf Meister Eckhart und Hegel, Tiefenpsychologie und Zen, Hirnforschung und Zeichenkunde, Kurt Flasch in einer Jury und eine Preisverleihung an Ernst Tugendhat, das alles dient nur als Dekor. Die Identität, die man wünscht, soll eher ohne Tiefendimension auskommen.

Deshalb kann man das, was hier vorgeht, bestenfalls als Vorbereitung der Diagnose, und ganz bestimmt nicht als Therapie betrachten. Denn die Verantwortlichen der Identity-Stiftung haben offensichtlich den Ernst ihrer eigenen These noch gar nicht verstanden: daß Identitätsfragen existentielle Fragen sind.

Zu diesen Fragen stößt beispielsweise die Studie Nationale Identität vor, die das Institut für Staatspolitik veröffentlichte.

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