Startseite
weissmann Karlheinz Weißmann


Pro Reli

nun-doch-nichtDer Ausgang der Volksabstimmung über „Pro Reli“ in Berlin war beides: überraschend und erwartbar. Überraschend insofern, als die Verantwortlichen im Vorfeld eine Atmosphäre erzeugt hatten, die annehmen ließ, daß der Erfolg wahrscheinlich, wenn nicht sicher wäre. Erwartbar insofern, als in der gottlosen Stadt Berlin jedes andere Ergebnis doch ziemlich unwahrscheinlich sein mußte.

Hier, wo Schleiermacher seine Reden über die Religion gehalten hat, wissend, wie skeptisch das Publikum war und wie weit entfernt von der Glaubenslehre, hier, wo der regelmäßige Kirchgang schon in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts aufhörte und nach 1945 der massive Einfluß des atheistischen Kommunismus im Ostteil Wirkung zeitigte. Verglichen damit fällt der „verbohrte Säkularismus“ (Heinz Bude dixit) von Wowereit und Genossen kaum ins Gewicht, fast muß man sich schon über deren Verunsicherung angesichts des Vorstoßes zu Gunsten von Religions- als Regelunterricht wundern.

Was sich die Betreiber von „Pro Reli“ eigentlich versprochen haben, bleibt auch nach deren Niederlage dunkel. Die Rettung der Christlichkeit war es sicher nicht – Bischof Huber sprach ja ausdrücklich von der „multikulturellen“ und „multireligiösen“ Stadt Berlin –, politische Opposition auch nicht – viele Unterstützer von „Pro Reli“ sind als Parteigänger des rot-roten Senats bekannt –, bleibt fast nur die Annahme, daß man tatsächlich glaubt, der Religionsunterricht leiste einen wesentlichen Erziehungsbeitrag.

Solches haben unter dem Druck außergewöhnlicher Umstände sogar dezidierte Glaubensverächter (Jack Lang etwa oder Gregor Gysi) geäußert, aber das hieße ja auch, daß man eigentlich eine funktionale Begründung im Sinn hatte: Etwa, Religions- ist der bessere Ethikunterricht.

Das wäre ein vielen Wohlmeinenden einleuchtendes Argument, – es mobilisiert aber nicht und hat selbstverständlich nur wenig zu tun mit den Intentionen, die einmal dazu führten, die Erteilung von Religionsunterricht im Grundgesetz zu verankern. Damals war eine vitale, den Lebensraum der Kinder und Jugendlichen tatsächlich umfassenden Glaubenstradition vorausgesetzt, die in der schulischen Lehre einen Anhalt haben sollte. Wer jetzt erwartet, daß die Glaubenstradition mit Hilfe von Religionsunterricht erst erzeugt werden soll, ist ein Narr, wer im Grunde nur kirchliche Besitzstandswahrung treibt, ein Schelm, dem weitere Niederlagen bevorstehen sollten: „Gott hat einen harten linken Haken“ (Peter Fox).

ANZEIGE


banner banner sezheader ifs schlange ksa