Wissenschaft (II) – Bologna
„Ist jemand im Saal, der für die Bologna-Reform an unseren Hochschulen eintritt?“ Diese Frage wurde jüngst beim Dresdner Kongreß des Deutschen Hochschulverbandes vom Podium aus gestellt, und sie verhallte antwortlos. Die Bologna-Reform gilt inzwischen schon lange allgemein als der Alptraum, als der sie für viele von Anfang an erkennbar war. Dieser Kaiser hatte noch nie Kleider an, und damit nicht genug: Viele haben es auch zeitig ausgesprochen.
Und doch: Die Reform wurde in den letzten Jahren überall durchgeführt. Wie so manches andere, was in Deutschland dem Sach- und Menschenverstand als Unfug gilt, schien dagegen kein Kraut gewachsen zu sein. Das pure Aussprechen der nackten Wahrheit, wie seinerzeit in Andersens Märchen, nützt hierzulande schon lange nichts mehr. Der Herrschaftsfreie Diskurs ist in solchen Fragen insofern herrschaftsfrei, als er nichts beherrscht. Herrschen tun offenkundig andere, nämlich jene, die den Zustand der Reformbedürftigkeit ausrufen und die Veränderungen formulieren können. Das geschieht regelmäßig auf bürokratischer Ebene, meist auf europäischer noch dazu. Dort wird in vollkommen unverblümter Form die Machtfrage gestellt und beantwortet. Es wird entschieden und durchgesetzt.
Was tun? Bisher blieb nur der Rückzug. Der Autor dieser Zeilen darf für sich Anspruch nehmen, einen Lehrauftrag der Universität Karlsruhe unter Bologna-Bedingungen von vornherein zurückgewiesen zu haben. Viel weiter ging Marius Reiser, der im Oktober 2008 erklärte, daß er seine Professur zum Ende des Wintersemester 2008/09 niederlegen werde, weil er die Modularisierung und Nivellierung des Studienganges Katholische Theologie im Rahmen des Bologna-Prozesses nicht mehr mittragen wolle. Nun kann es dabei nicht bleiben. Irgendwo sollte doch noch etwas Mut zur Offensive zu finden sein. Der akademischen Freiheit und dem Niveau der Universität kann es nur gut tun.









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