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weissmann Karlheinz Weißmann


Evangelisch – irgendwie

img529 157x200 Evangelisch   irgendwieDa haben wir es wieder, „Das evangelische Magazin“, Ausgabe 3, ungebeten der überregionalen Tageszeitung beigelegt: Chrismon, mit dem neckisch angeschnittenen Kugelkreuz als Logo. Die Nummer unterscheidet sich nicht von den vorhergehenden und läßt vermuten, daß auch die zukünftigen ähnlich sein werden: Lebensgefühl für akademisch gebildete, achtundsechziggeprägte, aber älter und milder gewordene Kulturprotestanten, die früher nur unter den Abonnenten von Zeit, Süddeutscher und Frankfurter Rundschau vermutet werden durften, aber jetzt auch unter FAZ-Lesern.

Es handelt sich um den allerletzten Versuch, so etwas wie evangelische Medienpräsenz außerhalb der Kirchenblätter zu zeigen, ein Überbleibsel des ambitionierten Versuchs der Nachkriegsära, ein protestantisch bestimmtes Pressesegment aufzubauen, das parallel zum Bedeutungsverlust der dahinter stehenden Glaubensgemeinschaft seine Relevanz verlor.

Die Folgerung, die die Verantwortlichen ziehen, ist, mit niedrigem Profil ein Reservat in der nachchristlichen Ära zu suchen. Da tritt sogar das Soziale in den Hintergrund und man macht auf neubürgerlich. Religion soll unter dem Aspekt von Lebensqualität und zivilisatorischem Bestand angeboten werden. Der Habitus wird optisch konservativer - unverzichtbar für den Würdenträger: der clergyman – , aber man belästigt niemanden – vor allem nicht den Kirchenfernen – mit dogmatischen Aussagen. „Christlich“ ist das Ganze bestenfalls, wenn es um Leitfiguren geht, den Unternehmer Rodenstock mit seinem „Gottvertrauen“ vielleicht, ansonsten geht es betulich zu, häufig menschelnd, lebensberatend und irgendwie „fromm“.

Die Stellungnahme des Theologen Eilert Herms zum „Fall Williamson“ und der Zukunft der Ökumene in der gegenwärtigen Ausgabe wirkt fast wie ein Ausreißer, ist jedenfalls konturschärfer als die Serie „religion für einsteiger“, die Eduard Kopp zu verantworten hat. Der muß sich gelegentlich auch mit Nachfragen auseinandersetzen, so in diesem Fall mit der, warum der Kopf des sterbenden Christus auf Bildern oft nach rechts geneigt dargestellt ist. Kopp gesteht zu, „daß im Judentum und erstaunlicherweise im Christentum die rechte Körperseite besondere Bedeutung hat. Da Jesus allerdings solche Symbolik relativierte, bleiben zumindest Zweifel daran, daß die Rechtsneigung gerade seines Kopfes mit dieser Ehrentradition zu tun hat.“
Verräterisch, daß Kopp die Bevorzugung der Rechten im Christentum für „erstaunlich“ hält und sicher falsch, daß Christus solche Symbolik „relativierte“ (welchen Beleg gibt es da?), das taten erst die Künstler des 19. Jahrhunderts, die nichts mehr von der – universalen – „Seitensymbolik“ (Manfred Lurker) wußten, in deren Rahmen es nie gleichgültig ist, wo man hingehört: rechts oder links.

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