Freiheitsbeschränkungen

pdf der Druckfassung aus Sezession 33 / Dezember 2009

von Frank Lisson

Dieses Buch ist ein Showkampf. Man staunt, wie selbstgerecht das heikle Thema »Freiheit« auf Zweitrangiges reduziert werden kann. Wer die Autoren kennt, hätte vielleicht ein kluges Buch erwartet. Doch es gleicht einer Inszenierung: Gewitzt, laut und im Kern reichlich heuchlerisch. Der Inhalt ist schnell erzählt: Nach den Anschlägen vom 11.09. werde uns allen Angst vor Terroristen gemacht, damit der Staat seine Bürger zukünftig komplett kontrollieren könne.

Zeh und Tro­ja­now zei­gen auf, was jeder weiß: Wir sind auf dem Weg in den »tota­len Über­wa­chungs­staat«. Der flot­te Erzähl­stil täuscht jedoch nicht über die nai­ve, teils dümm­li­che Wer­tung der Din­ge hin­weg. Im Geschichts­rück­blick heißt es etwa: »Als König oder Tage­löh­ner kam man zur Welt, ohne Chan­ce, durch per­sön­li­che Anstren­gung etwas an der eige­nen Situa­ti­on zu ändern.«
Dem­nach hät­te es einen Leo­nar­do, Win­ckel­mann oder Napo­le­on nie geben dür­fen … Wer zwei­felt, ob nicht er es sei, der irre, wenn er mit Wider­wil­len auf den nor­mier­ten Kul­tur­be­trieb blickt, geht aus die­ser Lek­tü­re gestärkt her­vor. Tro­ja­now und Zeh irren näm­lich nie. Leu­te wie sie ste­hen zu allen Zei­ten auf der rich­ti­gen Sei­te. Und füh­len sich den­noch stän­dig vom »Staat« bedroht und ver­folgt, auch wenn sie selbst eif­rig mit­spie­len. Dar­in liegt die Ver­lo­gen­heit aller Hof­schrei­ber: Sie deu­ten auf eine rela­tiv abs­trak­te Gefahr, um die kon­kre­te, die von den eige­nen Macht­kar­tel­len aus­geht, nicht sehen zu müs­sen. Das Buch ist ein Buch von Sozi­al-Demo­kra­ten für Sozi­al-Demo­kra­ten. Es zeigt das Den­ken von Wich­tig­tu­ern, die kaum wis­sen, was »Frei­heit« ist, da sie deren Gren­zen nie getes­tet haben. Als Salon­re­bel­lin gefällt sich beson­ders Zeh: »Gefähr­lich leben« wol­len im Schutz der eige­nen Lini­en­treue. Zeh wird nicht müde, für die SPD Wahl­wer­bung zu machen, für jene Par­tei, die sich bereits wie­der mit den Kom­mu­nis­ten ver­eint. Als Gegen­leis­tung wird Zeh nach Kräf­ten geför­dert. – Wie glaub­wür­dig ist jemand, der von »Frei­heit« spricht, aber die Fes­tung des Zeit­geis­tes nie ver­las­sen hat? Wer nichts mehr fürch­tet als Miß­brauch per­sön­li­cher Daten, wäh­rend drau­ßen poli­tisch-mora­li­sche Ortho­do­xie herrscht und die »Frei­heit des Wor­tes« zur Phra­se ver­kommt? Der Über­wa­chungs­staat ist ein Hor­ror. Er basiert auch auf der Mit­wir­kung am Gesin­nungs­staat sei­ner fal­schen Kritiker.

(Ili­ja Tro­ja­now, Juli Zeh: Angriff auf die Frei­heit. Sicher­heits­wahn, Über­wa­chungs­staat und der Abbau bür­ger­li­cher Rech­te, Mün­chen: Han­ser 2009. 171 S., 14.90 €)

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